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Atombombe und Kernenergie Wie weit war die Atomforschung im dritten Reich wirklich?

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  #1  
Alt 02-09-2010, 11:53
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Atomforschung in Bad Schlema?

Heute in der Auer Zeitung: http://www.freiepresse.de/NACHRICHTE...UE/7462520.php

Zitat:
Liegt die Wahrheit noch im Keller?

Unter altem Lazarett soll es versteckte Räume geben - Einrichtung kooperierte im Krieg mit Radiumforschungsinstitut

Bad Schlema. Menschenversuche am Radiologischen Forschungsinstitut Oberschlema zur Zeit des Zweiten Weltkriegs: Die umstrittene These des Schneeberger Heimatforschers Günter Eckardt hat sich teilweise bestätigt.

Selbst bei Sonnenschein wirkt die leer stehende Villa am Floßgraben in Bad Schlema immer ein wenig düster. Dunkle Backsteine, vergitterte Fenster. Versuche, die mit Brettern vernagelten Zugänge aufzubrechen, sind nicht zu übersehen. Die ehemalige Pilling-Villa, die in den 1930er Jahren ein Erholungsheim des Verbandes Deutscher Heilpraktiker und ab 1940 ein Lazarett war, ist bei Schatzsuchern zu einem Objekt der Begierde geworden.

Schuld ist eine Skizze, die seit einigen Monaten in der Szene herumgereicht wird. Das Blatt Papier zeigt den Grundriss des Gebäudes sowie zwei unterirdische Kammern, die unbekannt sind. Geheime Keller, beide knapp 40 Quadratmeter groß.

Die Skizze stammt von einem alten Herrn aus Bayern, der unter hiesigen Schatzforschern als ernst zu nehmender Insider gilt, wenngleich sich noch keiner seiner Tipps als zutreffend erwiesen hat - was aber daran liegen mag, dass noch kein Tipp ernsthaft untersucht wurde. Je nachdem, wen man fragt, werden in den Kellern Gold, Kunstschätze, Teile des Bernsteinzimmers vermutet. "Oder Akten", sagt Günter Eckardt.

Atomforschung im Kurort

Der Schneeberger Heimatforscher interessiert sich ebenfalls für das alte Gebäude. Das hat mit dessen Zeit als Lazarett zu tun. Das Lazarett besaß während des Zweiten Weltkriegs ein Arbeitsabkommen mit dem Biophysikalischen Forschungsinstitut Oberschlema. Die Akten, die Eckardt zu finden hofft, sollen ihm helfen, eine Theorie zu beweisen, mit der er für Schlagzeilen sorgte, für die er aber auch Prügel einstecken musste: Dass an dem Institut Grundlagenforschung für ein deutsches Atomprogramm im Zweiten Weltkrieg betrieben wurde. Dass an Menschen untersucht wurde, wie sich radioaktive Strahlung als Waffe einsetzen lässt. Und dass Menschen dabei zu Tode kamen.

Die Oberschlemaer Einrichtung war damals eine Außenstelle des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biophysik Frankfurt/Main. Dessen Leiter Boris Rajewsky ließ seit 1937 Radonanwendungen untersuchen. Das radioaktive Edelgas sollte für Kuren nutzbar gemacht werden. In Bad Schlema, wo mit der Heilkraft des Gases heute Geld verdient wird, gilt Rajewsky als integrer Wissenschaftler und Wegbereiter der Radonkur. Als Heimatforscher Eckardt vor drei Jahren erstmals auf brisante Akten stieß, bekam das heile Bild Risse.

Um Forschungsmittel zu erhalten, hatte Rajewsky seine Dienste dem Militär angedient, das Oberschlemaer Institut war als kriegswichtig eingestuft, und in mehreren Schriftstücken war von "H-Versuchen", die Rede, was Eckardt als "Human-Versuche" interpretierte. Menschenversuche eben.

Im Auftrag der Max-Planck-Gesellschaft Berlin, die Nachfolgerin der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ist, befassten sich Wissenschaftler mit den bis dato unbekannten Dokumenten. Im Herbst 2008 stellten sie ihre Erkenntnisse auf einer Konferenz in Bad Schlema vor. Während die Physiker Alexander Kaul und Dietrich Harder Rajewsky als entlastet sahen, bewerteten die Historiker Alexander von Schwerin und Rainer Karlsch die Vorgänge kritisch: Rajewsky und seine Leute hatten sich in Grenzbereiche vorgewagt.

Strahlung als Kampfmittel

Der Tagungsband mit den vollständigen Untersuchungen der Wissenschaftler ist bis heute nicht erschienen. Laut Katrin Dörfelt vom Radon-Dokumentations- und Informationszentrum (Radiz) in Bad Schlema liegt das unter anderem daran, dass die Beiträge der beiden Historiker noch fehlen. Rainer Karlsch widerspricht: "Unser Beitrag liegt seit einem halben Jahr vor. Es gibt keinen Grund, die Veröffentlichung länger hinauszuzögern."

Vielleicht aber doch. Die gemeinsame Arbeit von Karlsch und Schwerin kratzt deutlich am Bild des Heilsbringers Rajewsky. Danach sind die von Eckardt unterstellten Menschenversuche keine Interpretationsfrage. Die Historiker fanden das Wort als Klartext in der Korrespondenz der Institutsärzte mit Rajewsky. Seit 1942 wurde in Oberschlema im Auftrag des Oberkommandos des Heeres die Wirkung radioaktiver Strahlung als Kampfmittel erforscht.

In Frankfurt/Main hatte man dazu gezielt Krebs an Mäusen erzeugt. Der Erkrankung waren Blutbildveränderungen vorausgegangen. In Oberschlema sollte ausgelotet werden, ab welcher Strahlendosis sich das Blutbild von Menschen auf ähnliche Weise zu ändern beginnt. Dann sollte hochgerechnet werden, welche Dosis für Menschen tödlich ist. Als klare Blutbildreaktionen ausblieben, drängte Rajewsky seine Mitarbeiter mehrfach, die Dosis zu erhöhen. Die Versuchspersonen wussten nicht, wofür sie sich hergaben.

"Allerdings fanden sich keine Hinweise darauf, dass Menschen tatsächlich zu Schaden gekommen sind", stellt Historiker Karlsch klar. "Ohne Leiche kein Täter." Eckardts Thesen hält er daher für überzogen.

Der Heimatforscher freilich hofft, vielleicht doch noch Beweise für seine Todes-Theorie zu finden - im Geheimkeller unter dem Lazarett am Floßgraben. Denn was Rajewskys Forschungsinstitut dort machen ließ, ist noch immer ungeklärt.
Na, da bin ich ja mal gespannt, wie das weiter geht....
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  #2  
Alt 02-09-2010, 14:09
hebbel hebbel ist offline
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Na ja. 2007 wurde im Auftrag der Präsidentenkommission der Max-Planck-Gesellschaft schon veröffentlicht. Vielleicht waren da im Artikel eine Fassung für das Radiz bzw. Ergänzungen gemeint.
http://www.wallstein-verlag.de/9783835301825.html
Darin ein umfangreicher Beitrag:
Rainer Karlsch: Boris Rajewsky und das Kaiser-Wilhelm-Institut für Biophysik in der Zeit des Nationalsozialismus
Das ist mit Einschränkungen bei Gockelbooks einsehbar.
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  #3  
Alt 09-09-2010, 11:14
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Zitat:
Buch zur Kriegsforschung in Schlema erscheint noch 2010

Radon-Dokumentationszentrum will Tagungsband bis Jahresende veröffentlichen - Konrad Barth: "Eckardt macht sich selbst verrückt"

Bad Schlema. Der Tagungsband zu Kriegsforschungsaufträgen des Biophysikalischen Instituts Oberschlema während des Zweiten Weltkriegs soll noch in diesem Jahr erscheinen. Das kündigte am Donnerstag Katrin Dörfelt vom Radon-Dokumentations- und Informationszentrum (Radiz) Bad Schlema an. Zwei Jahre, nachdem sich eine Konferenz mit den am Institut in den 1940er Jahren vorgenommenen Menschenversuchen befasst hat, werden damit die Beiträge der beteiligten Wissenschaftler der Öffentlichkeit im vollen Wortlaut zugänglich gemacht. Zuletzt hatte es Kritik gegeben, weil der Band noch immer auf sich warten lässt.

Die Konferenz sollte Dokumente bewerten, auf die der Schneeberger Heimatforscher Günter Eckardt vor drei Jahren gestoßen ist. Eckardts eigene Theorie besagt, dass am Biophysikalischen Institut Oberschlema Grundlagenforschung für ein deutsches Atomprogramm betrieben wurde und dass Menschen dabei zu Tode kamen. Als gesichert gilt heute, dass es die Menschenversuche gab. Am Institut wurde im Auftrag des Oberkommandos des Heeres die Wirkung radioaktiver Strahlen als Kampfmittel erforscht. Dafür, dass Versuchspersonen erkrankten oder starben, gibt es jedoch keine Belege.

Die Physiker Alexander Kaul und Dietrich Harder legten auf der Konferenz dar, dass die von den Wissenschaftlern unter Leitung von Boris Rajewsky verwendeten Dosen zu niedrig waren, um jemanden zu schädigen. Die Historiker Alexander von Schwerin und Rainer Karlsch beurteilten die Vorgänge kritisch. Ihr Beitrag enthält Details, die am sauberen Ruf Rajewskys kratzen, der in Schlema als integrer Wissenschaftler und Wegbereiter der Radonkuren gilt. Dennoch distanzieren auch sie sich von Eckardts Todes-These.

Konrad Barth, der zweite Vorsitzende des Vereins Radiz und frühere Bürgermeister von Bad Schlema, nannte dessen Theorie am Donnerstag "totalen Unsinn". Eckardt recherchiere fleißig, steigere sich dann jedoch häufig in etwas hinein und mache sich selbst verrückt. "Die frühere wissenschaftliche Assistentin des Instituts war eine gute Freundin von mir", sagte Barth. "Hätte sie etwas über gesundheitsschädliche Experimente gewusst oder vermutet, hätte sie es mir erzählt." Man müsse historische Ereignisse auch immer in ihre Zeit einordnen, betonte Barth, der ein schlechtes Image für das heutige Bad Schlema fürchtet.
http://www.freiepresse.de/NACHRICHTE...UE/7463543.php
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  #4  
Alt 09-09-2010, 16:03
hebbel hebbel ist offline
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Ah ja. Danke.
Die Meinung der Herren Kaul und Harder zu lesen, wäre wirklich nicht schlecht, obwohl die schon ersichtlich scheint, wenn man sich bei der Interpretation des letzten zitierten Satzes aus der Veröffentlichung Karlschs (angegeben in #2) in eine bestimmte Richtung leiten lässt:

"Besonderen Dank schulde ich den Schülern von Boris Rajewsky, die meinen Aufsatz intensiv diskutiert und weiterführende Quellen zur Verfügung gestellt haben. Dies gilt insbesondere für die inzwischen leider verstorbenen Wolfgang Pohlit und Karl Aurand. Hervorragend unterstützt wurde ich auch von Dietrich Harder, Alexander Kaul, Wolfgang Jacobi, Heinz Bielka und Manfred Rajewsky. Die Verantwortung für alle Schlußfolgerungen liegt jedoch bei mir." []

Quelle:
http://books.google.de/books?id=fN9d...jewsky&f=false ab S.395

Wer Lust hat, kann es sich ja mal durchlesen. Da sind die Zusammenhänge mit der "Atomforschung" dargestellt und es stehen auch grundsätzliche Gedanken drin, die auf den Satz im Artikel: "Ihr Beitrag enthält Details, die am sauberen Ruf Rajewskys kratzen, der in Schlema als integrer Wissenschaftler und Wegbereiter der Radonkuren gilt." hinweisen.
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Stichworte
atomforschung, bad schlema, biophysikalischen institut, karlsch, max-planck-gesellschaft, oberschlema, radon

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