Airbus und Boeing dürften in den nächsten Jahren ernsthafte Konkurrenz aus China bekommen

josef

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#1
COMAC C919
China fordert Airbus und Boeing heraus
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Die führenden Hersteller von Passagierflugzeugen, Airbus und Boeing, dürften in den nächsten Jahren ernsthafte Konkurrenz aus China bekommen. Die Commercial Aircraft Corporation of China (COMAC) drängt mit ihrem Modell C919 auf den Markt. Künftig könnte der Zweikampf über die Lufthoheit bei Mittelstreckenjets zu einem Dreikampf werden, hieß es anlässlich der am Sonntag zu Ende gegangenen Singapore Airshow. Der chinesische Jet ist ein direkter Konkurrent zum Airbus A320 und zur Boeing 737 in einem hart umkämpften Markt.
Online seit gestern 08.02.2026, 21.20 Uhr
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Die C919 ist das erste Mittelstreckenflugzeug, das vollständig in China entwickelt wurde. Gebaut wird es seit 2015 von der staatlichen COMAC. Es wurde im September 2022 für den Luftverkehr zugelassen, im Dezember erfolgte die erste Auslieferung. Im Mai 2023 absolvierte eine COMAC 919A der China Eastern Airlines den ersten Linienflug des Typs zwischen Schanghai und Peking.

Dieser Erstflug fand Jahre später statt als geplant, auch die Bestellungen für den Jet blieben zuerst hinter den Erwartungen. Das habe sich seit damals allerdings geändert, hieß es in einem Bericht der BBC über die Singapore Airshow am Mittwoch. Der Stand des Herstellers dort ziehe „besondere Aufmerksamkeit auf sich“, nachdem „signifikante Fortschritte“ gemacht worden seien.

Ähnlich konzipiert
Der Mittelstreckenjet ist laut Hersteller für bis zu 192 Passagiere konzipiert und mit einer Rumpflänge von knapp 39 Metern ähnlich groß wie der Airbus A320neo und die Boeing 737-Max. Die Reichweite gibt die COMAC auf ihrer Website mit bis zu 5.555 Kilometern an.

IMAGO/VCG
Cockpit einer C919 bei der Singapore Airshow 2024

Entworfen wurde er als direktes Konkurrenzmodell zu den beiden bisher meistverkauften Maschinen ihrer Klasse. Ihr Debüt hatte die C919 auf der Luftfahrtmesse in Singapur 2024. Sie gilt als eine Art Seismograf für den Luftfahrtmarkt im asiatischen und pazifischen Raum.

Expansion in Südostasien
Im Visier hat der staatliche chinesische Luftfahrtkonzern laut dem BBC-Bericht vor allem den stark wachsenden Flugzeugmarkt in Südostasien. Nun biete die noch bis Sonntag laufende Singapore Airshow COMAC die Gelegenheit, sich als Konkurrent des europäischen Herstellers Airbus und von Boeing aus den USA im asiatisch-pazifischen Raum zu präsentieren. Dort sei der Markt für Passagierflugzeuge aktuell der weltweit am stärksten wachsende, das Angebot könne wegen noch immer bestehender Lieferkettenprobleme nicht mit der Nachfrage mithalten.

Er sei überzeugt, dass COMAC mit der Zeit zum globalen Konkurrenten für Airbus und Boeing werde, so der Generaldirektor des weltweiten Dachverbandes der Fluggesellschaften, International Air Transport Association (IATA), Willie Walsh, gegenüber der BBC, auch wenn das noch einige Jahre dauern könne.

Warten auf neue Maschinen
Er denke, in zehn bis 15 Jahren „werden wir über Boeing, Airbus und COMAC sprechen“. Ohne Frage „werden sie in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen“. Auch andere Experten gingen davon aus, dass auf dem asiatischen Markt durchaus noch Platz für einen Anbieter neben Airbus und Boeing sei.

IMAGO/VCG
Kabine der C919 mit Platz für bis zu 190 Passagiere

Zahlen der IATA zeigten, dass Fluggesellschaften weltweit länger als je auf neue Maschinen warten müssten, die Flotten würden älter, die Betriebskosten stiegen wegen des hohen Treibstoffverbrauchs älterer Maschinen. Dazu kämen Unsicherheiten aufgrund von Zollkonflikten. Boeing hatte außerdem nach zwei Unfällen mit Jets der „Max“-Reihe mit Problemen und Startverboten zu kämpfen.

Großer Wachstumsmarkt
Laut Walsh dürften Airlines im asiatisch-pazifischen Raum in den kommenden Jahren zweistellig wachsen – so sie ihre Flotten ausbauen könnten. Die Situation sei aktuell „unglaublich frustrierend“ für sie, nachdem sie von der Bestellung bis zur Lieferung von Maschinen rund sieben Jahre warten müssten. Deshalb werde COMAC zunehmend zu einer Option.

IMAGO/VCG
Die C919 ist der erste vollständig in China entwickelte und gebaute Mittelstreckenjet

Der chinesische Hersteller gebe an, bisher 200 Kurzstreckenflugzeuge seines – großteils in der Volksrepublik entwickelten und gebauten – Typs C909 für bis zu 100 Passagiere und des Mittelstreckenmodells C919 ausgeliefert zu haben. Die meisten davon würden in Laos, Indonesien und Vietnam betrieben, größere Bestellungen gebe es aktuell aus dem Sultanat Brunei auf der Insel Borneo und Kambodscha in Südostasien.

„Ein Oligopol“
Es brauche „mehr Anbieter in der Lieferkette“, zitierte die BBC den Generaldirektor der Association für Asia Pacific Airlines (AAPA), Subhas Menon. Das Problem der Branche sei, dass die Lieferkette „ein Oligopol und manchmal ein Duopol“ sei, so der indische Unternehmer unter dem impliziten Verweis auf Airbus und Boeing. Man habe lange auf einen weiteren Anbieter warten müssen. „COMAC ist eine willkommene Ergänzung. Wir brauchen insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum mehr Lieferanten.“

Der chinesische Konzern sei gut aufgestellt, so die BBC, mit starker staatlicher Unterstützung im Rücken. Seine vergleichsweise niedrigen Verkaufspreise machten ihn zu einem attraktiven Anbieter in Emerging Markets, Schwellenländern, besonders in Asien.

Europa bleibt noch Zukunftsmusik
Neue Anbieter seinen in Zukunft willkommen, „wir wollen mehr Wettbewerb sehen“, so Mike Szucs, Vorstandsvorsitzender der philippinischen Billigfluglinie Cebu Pacific, gegenüber dem britischen TV-Sender. COMAC müsse noch weitere Zertifizierungsprozesse durchlaufen, aber spätestens in den 2030er Jahren werde das Angebot „für uns und andere Carrier attraktiv sein“.

COMAC bewirbt sich auch um eine Zertifizierung für Europa. Dann könnte der chinesische Anbieter auch hier den bisherigen Marktführern Konkurrenz machen. Dahin sei der Weg allerdings noch weit. Bis zu einer Zulassung könnte es noch bis 2031 dauern. Ein Problem seien auch noch die Wartungsinfrastruktur und Pilotenausbildung, Bereiche, in denen Boeing und Airbus Jahre Vorsprung haben.

Keine offiziellen Zahlen
In Asien habe COMAC außerdem neben den Platzhirschen aus den USA und Europa noch andere etablierte Konkurrenz, etwa Embraer. Der brasilianische Hersteller habe sich Aufträge aus Singapur, Australien und Japan gesichert. Auch Airbus und Boeing werben stark um Kunden in Asien bzw. Südostasien. Letztlich gebe es auch Zweifel an den von COMAC veröffentlichten Zahlen. Von kolportierten 1.000 Bestellungen chinesischer Unternehmen seien bisher nur ein Dutzend ausgeliefert worden. Transparente Zahlen dazu gebe es nicht.
09.02.2026, geka, ORF.at
COMAC C919: China fordert Airbus und Boeing heraus
 
#2
Ist eine interessante Angelegenheit.
Glaube nicht, dass chinesische Flugzeuge in Europa oder USA nennenswerte Verkaufserfolge feiern können.
Von den angesprochenen Trainings- und Zertifizierungskosten und Zeiten abgesehen, gibt es jede Menge strategischer Nachteile für Europa und USA.

Aber, wie war das damals 2013 mit Eduard Snowden - über die Massenspeicherung von Daten durch Geheimdienste und Staaten.
Nun - mehr als 10 Jahre später - nichts hat sich geändert.
Vielleicht werden wir in 10 Jahren auf komfortablen chinesischen Flugzeugen dahingleiten...auf Basis einer konkurrenzlos günstigen Fahrkarte, bereitgestellt von Great Wall Airlines....
 

josef

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#3
Glaube nicht, dass chinesische Flugzeuge in Europa oder USA nennenswerte Verkaufserfolge feiern können.
Nach dem, zwar nur in geringer Stückzahl, erfolgreichen Eindringen in den europäischen Schienenfahrzeugmarkt (private Westbahn...) durch den staatlich hoch subventionierten Konzern CRRC sollen weitere chinesische Aktivitäten eingebremst werden!

Siehe dazu auch:
Nach Westbahn-Debatte
Hanke: "Es wird kurzfristig keine chinesischen ÖBB-Züge geben"
China setzt Europas Hersteller zusehends unter Druck, auch in der Bahnindustrie. Mit "fairen Spielregeln" will der rote Verkehrsminister heimische Marktführer schützen

Auf der Weststrecke Wien–Salzburg sind seit kurzem vier Westbahn-Garnituren vom chinesischen Staatskonzern CRRC im Einsatz.
AFP/JOE KLAMAR

Die Sorge vor Europas schwindender Wettbewerbsfähigkeit ist das bestimmende Thema dieser Tage. Während Kanzler Christian Stocker (ÖVP) am Donnerstag mit seinen 16 EU-Amtskollegen im belgischen Alden Biesen über Made-in-Europe-Quoten diskutierte, suchte Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) in Wien nach industriepolitischen Antworten.

Input dafür holte er sich vom Wiener Wifo. Industrieökonom Werner Hölzl freute sich über die Gelegenheit eines Deep Dives in eine selten beleuchtete Branche, Hanke über Erkenntnisse, die eines seiner heißen Themen befeuern. Der einstige Finanzstadtrat Wiens hat die Bahnindustrie für sich entdeckt, keinen ÖBB-Termin lässt er aus, kaum eine Debatte lässt er unkommentiert.

Besonders gesprächsfreudig zeigt sich Hanke, wenn es um die chinesischen Westbahnzüge geht, die die mehrheitlich private Bahngesellschaft im Vorjahr beschaffte. Vier Züge im Wert von 70 Millionen Euro haben eine Debatte losgetreten, die weit über die Landesgrenzen hinaus hallt.

China drängt nach Europa
Auslöser ist der chinesische Staatskonzern CRRC. Einst ein im Weltmarkt unauffälliger Schienenfahrzeughersteller, dem der Heimatmarkt aber zu klein geworden ist. Spätestens seit der Zusammenlegung mit einem zweiten staatlichen Zugbauer drängt der massiv subventionierte Bahnriese auf die Weltmärkte. Der Exportanteil am Weltmarkt beträgt mittlerweile 12,5 Prozent, gemessen am Umsatz beherrscht CRRC ein Viertel des Marktes.

"Es geht um tiefgreifende Veränderungen im globalen Wettbewerb der Bahnindustrie", kommentierte Hanke die Studienergebnisse. Bahnindustrie, da beginnt bei vielen das müde Gähnen. Und doch geht es um viel. Im weiteren Sinne beschäftigt die Eisenbahnindustrie 650.000 Menschen in Europa, hierzulande sind es rund 35.000. Österreichs hochgradig spezialisierte Hersteller von Zügen und deren Ausstattung zählen zu den innovativsten der Welt, exportieren jährlich Güter im Wert von mehr als 1,5 Milliarden Euro.

"Einfluss geltend machen"
Trotz der Nischen, die sie beackern, geraten sie zusehends unter Druck. Österreichs Weltmarktanteil ist ebenso rückläufig wie jener der EU. Ohne den Handel innerhalb des Binnenmarkts verantworten die europäischen Flaggschiffe um Siemens Mobility, Alstom und CAF 25,5 Prozent der weltweiten Exporte. Vor nicht allzu langer Zeit waren es noch über 35 Prozent gewesen.

Die Befürchtung: So wie BYD den Automarkt und Mingyang jenen für Windturbinen durcheinanderwirbelt, könnte es auch der Bahnindustrie ergehen. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Chinas Strategie dahinter ist dieselbe, wie auch schon das Kieler Institut für Weltwirtschaft feststellte: Subventionen ermöglichen billige Produktion und enorme Skaleneffekte. Zuerst kommt das dem Heimatmarkt zugute, dann drängt man mit Überkapazitäten auf die Weltmärkte.

"Es geht mir nicht darum, Wettbewerber auszuschließen", will Hanke den chinesischen Staatskonzern nicht kategorisch ausschließen, "sondern darum, für faire Spielregeln zu sorgen." Und doch lässt er keine Zweifel: "Dort, wo wir Einfluss haben, werden wir diesen auch geltend machen." Beim ÖBB-Konzern, der seine Züge im Gegensatz zur privaten Westbahn über öffentliche Ausschreibungen erwirbt, sieht Hanke – ebenso wie Vergaberechtsexperten – Spielraum auch für die öffentliche Hand. "Es wird bei den ÖBB kurzfristig keine chinesischen Züge geben können."

Verbündete in Brüssel
In Brüssel plädiert er indes für eine Reform der Zulassung bei der Eisenbahnbehörde ERA. Man müsse verstärkt technologische Aspekte berücksichtigen, um die digitale Souveränität Europas zu schützen. Schließlich gehe es im Bahnsektor um kritische Infrastruktur. Ergänzend legt Wifo-Studienautor Hölzl Antidumpingzölle und die Ausweitung der CO2-Ausgleichssteuer auf die stahlintensive Bahnindustrie auf den Verhandlungstisch.

Konkreter will Hanke nicht werden, auch was den Zeitplan anbelangt. Er wolle eine Debatte anstoßen, um nicht den nächsten strategischen Industriesektor zu verlieren. Frankreich und Spanien hätten ihm schon deren Unterstützung signalisiert, mit Deutschlands Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) habe er beim dieswöchigen Treffen in Wien darüber gesprochen. Noch kann man die Erfolge CRRCs in Europa an einer Hand abzählen, doch das droht sich zu ändern. Darauf ankommen lassen wollen es Hanke und seine Verbündeten jedenfalls nicht.
(Nicolas Dworak, 12.2.2026)
Hanke: "Es wird kurzfristig keine chinesischen ÖBB-Züge geben"
 
#4
Nach dem, zwar nur in geringer Stückzahl, erfolgreichen Eindringen in den europäischen Schienenfahrzeugmarkt (private Westbahn...) durch den staatlich hoch subventionierten Konzern CRRC sollen weitere chinesische Aktivitäten eingebremst werden!
Schienenfahrzeuge müssen auf Schienen durch Länder fahren und brauchen da immer Genehmigungen. Auch sind diese Züge meistens im Eigentum (oder auch geleast) der lokalen Transportgesellschaften (z.B. Westbahn).
Flugzeuge sind da viel flexibler. Sie können einen Eigentümer in einem Land haben und viele Destinationen nach Wunsch anfliegen. Überflug- und Landegenehmigungen sind aufgrund internationaler Regeln einfacher zu bekommen.
Ich möchte da jetzt nicht weiter schreiben, aber es wird sicher schwierig werden!
 

josef

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#5
Schienenfahrzeuge müssen auf Schienen durch Länder fahren und brauchen da immer Genehmigungen. Auch sind diese Züge meistens im Eigentum (oder auch geleast) der lokalen Transportgesellschaften (z.B. Westbahn).
Die Eingrenzungen (Spurweiten, Stromspannungen, Sicherheitseinrichtungen, Vorschriftenwesen usw. ) sind auf die historisch gewachsenen nationalen Staats- und Privatbahnen zurückzuführen. Diese Hemmnisse beeinträchtigen noch heute massiv den universellen Fahrzeugeinsatz auf gesamteuropäischer Ebene! Vereinfacht gesehen hat diese Diversität jedoch keine Auswirkung auf die technische Herstellung der erforderlichen Fahrbetriebsmittel, welche den unterschiedlichen Vorgaben/Vorschriften der jeweiligen Länder entsprechen müssen! Der gravierende Unterschied liegt in der Preisgestaltung! Durch die enormen staatlichen Zuschüsse in China an die Firma CRRC versucht man den europäischen Markt zu untergraben...
Es droht, wie in anderen Sparten/Bereichen bereits erfolgt bzw. erkennbar, auch eine Abwanderung des Schienenverkehrsmarktes nach China! Darum finde ich rechtzeitiges Gegensteuern auf nationaler und europäischer Ebene für sinnvoll! Wobei auch anzumerken ist, dass einige Konzerne durch Betriebsverlagerungen nach China bereits zu einem gewissen "Know-how" - Abfluss aus Europa selbst beigetragen haben!
 
#6
Hallo,
Meiner Meinung nach werden in 10-20 Jahren fünf (!) Unternehmen Passagierflugzeuge anbieten:
Boeing, Airbus, Embräer im Westen - und (zunächst) im größten Wachstumsmarkt Comac und ein Russisches Unternehmen.
Beim Querlesen im Flugzeugbereich fiel mir neulich auf, daß auch Russland massiv daran arbeitet, Sanktionsbedingt weitestgehend autarke zivile Flugzeugproduktion aufzubauen und bin auf einen Bericht gestoßen, wo über ein 100% aus eigener Produktion stammendes sehr starkes ziviles Triebwerk erste Tests bestanden hat und aufgrund innovativer Konzepte einen sehr hohen Wirkungsgrad aufwies.
Im Westen wird ja die Technologie der Russ. Föderation stets herablassend betrachtet, aber das ist wohl mittlerweile ziemlich einseitig und vorschnell.
Die Zulassung von Flugzeugen und die Start/Landeslots sind zwar politische Instrumente, um Wettberwerbswidrige Chinesische und (potentiell) sanktionierte russische Flugzeuge am langen Arm einer quälend langsamen Zulassungsbürokratie im Westen verhungern zu lassen - aber der Wachstumsmarkt ist nicht mehr im Westen.
Die sich abzeichnende, neue wirtschaftliche und politisch-militärische Zweiteilung der modernen Welt in historischem Ausmaß wird in den folgenden Jahrzehnten drastisch werden.
Der Westen gegen die BRICS-Länder heißt: 1/3 (Westen) gegen 2/3 (Afroasiatische Staaten) der Weltbevölkerung, wobei letztere künftig zunehmend den Wachstumsmarkt haben.

Soweit ich das richtig verstehe, sind im extremen Kostendruck und dem Bedarf nach Zuverlässigkeit und Sicherheit des Services für den reibungslosen Flugplan und damit der Kundenzufriedenheit und gut kalkulierbarer Umsätze der Carrier ist die ERFAHRUNG über die BEWIESENE Zuverlässigkeit und hohe Qualität/Sicherheit der Flugzeuge von höchster Bedeutung.

Hier haben westliche Triebwerkshersteller (Die bei Bestellung von Flugzeugen mit ihren Triebwerken mittlerweile weltweiten eigenen Austausch-/REparaturservice anbieten) und weltweite Netze mit perfekter Wartung (wie bspw Lufthansa) die Nase noch lange vorne.

Die COVID-Flaute und die darauf unerwartet rasche Erholung des Flugverkehrs (trotz Videokonferenzen) haben ebenso die Wartezeitem auf moderne Flugzeuge drastisch verlängert, wie die jahrelange rein gewinnorientierte Qualitätskatastrophe bei Boeing, welche bis heute nachwirkt.

Die Erfolgsmodelle Airbus A 320 neo und A350 haben extrem lange Wartezeiten - und die Zulassung und Auslieferung der B 777 X als Konkurrenz zur A 350 lässt auf sich warten - und zwar wegen weiterhin großen Qualitätsproblemen, welche sogar US-Zulassungsstellen zu weiteren Auflagen bzw konstruktiv-technischen Auflagen zwang.

Die Auslieferungsverzögerungen für die B 777 x und das Warten auf die Produktion der A 350 neo in ein paar Jahren hat bei der Lufthansa dazu geführt, daß man auf vier Langstrecken inzwischen sogar die A 380 wiederbelebt hat - und das übrigens mit Erfolg: Die Auslastung der A 380 Flüge lag letztes Jahr dank starker Investitionen im höheren Passagiersegment bei über 90% und war hochprofitabel - zumal die A 380 ja nicht neu angeschafft, sondern „nur“ im Fluggastbereich und im bereitgestellten Service optimiert werden mussten.

Im militärischen Bereich haben RUS und CHN inzwischen bereits hochleistungsfähige Flugzeuge, welche in der zunehmenden Produktion befindlich sind - und auch, wenn der zivile Bereich sich stark in seinen Prioritäten bei der Hardware vom militärischen unterscheidet, so kann man damit rechnen, daß die hohe Innovationskraft und die hohen technologischen Ressourcen dieser beider Länder im zivilen Flugzeugbereich mit dem inzwischen bekannten langen Atem einen ähnlichen Weg gehen werden wie die E-Autos aus China: lange belächelt, aber mittlerweile endlich ernst genommen… und wie zuvor die Telekommunikation etc…

Die Marktrelevanz wird im Westen länger dauern, aber im asiatischen Raum wird es in den kommenden 10 Jahren wohl deutlich zügiger gehen.

just my 2 cts…
 
#7
Ich vergaß, zu erwähnen, daß Lufthansa nicht nur die A 380, sondern auch die (sehr zuverlässigen A340 wieder aktiviert haben.
Die sind wartungsintensiver und verbrauchen mehr Kerosin, aber sie sind längst abgeschrieben.
Diese Entscheidung von Lufthansa war zwar durch die langen Wartezeiten auf neue Flugzeuge erzwungen, aber unter dem Strich könnte diese Mischkalkulation sogar segensreich sein. Denn durch die Versorgungslücke bei den Neuen Flugzeugen sind auch die Leasingpreise bei den Leasingunternehmen förmlich explodiert - Leasing ist also extrem teuer und die alten reaktivierten Modelle machen wohl auch betriebswirtschaftlich Sinn. Zudem die bei den Flughäfen reservierten und hart umkämpften Slots für Start/landung ja bei Nichtnutzung vermutlich irgendwann verfallen wären.
ALLERDINGS ist die Dauerkrise bei Boeing hinsichtlich der konstruktiven Qualität und der grottenschlechten Fertigungsqualität ja offenbar weiterhin im freien Fall (herausgefallene Türen bei der 737 Max, die nur mit 2 anstelle 5 Bolzen gesichert sind, und bei der B 777x ein schwerer und absolut sicherheitsrelevanter konstruktiver Mangel, wie gestern erwähnt. Vor einem knappen jahr musste auch eine brandneue und offiziell freigegebene B 787 beim ersten kurzen Flug wieder aus dem Verkehr gezogen und ca. einen Monat bei Boeing umfangreich nachgebessert werden….
Die B 777 ist wohl das allerletzte neue Modell, welches noch nach den alten, hohen Standards in den 1990er Jahren konstruiert und hergestellt wurde… das letzte Boeing-Modell, was einen ausgezeichneten Ruf der Zuverlässigkeit und Robustheit hat.
ich befürchte, dabei wird es auch bleiben.
Denn die seriösen alten Konstrukteure sind fast alle aus dem Unternehmen geflüchtet oder gefeuert worden, weil sie vor den Quaalitätsmängeln warnten - und die fertigung der Bauteile ist aus Geldgier in hunderte von ausländischen Unternehmen weltweit ohne echte Qualitätssicherung dort ausgelagert worden - und die Flieger werden inzwischen scheinbar von Billiglöhnern zusammengeschustert, die zuvor bei MacDonalds arbeiteten und nach kurzer Zeit sicherheitsrelevante Arbeiten ohne jede Rücksicht und echte Kontrolle durchführen - oeder eben nicht, wie die im Flug verlorene Kabinenteil, welches eine vorgesehene Tür ersetzte, zeigte…
Die haben ja sowieso lediglich durch die gigantischen Bestellungen im militärischen Bereich und der „buy american Products“-Mentalität in den USA bis jetzt überlebt.

Airbus fährt die Produktion schon lange am oberen Limit und ist durch die Geschehnisse bei Boeing deutlich gewarnt, diese Grenze niemals zu überschreiten, um durch weiterhin stabil hohe Qualität einen guten Ruf zu bewahren.
Zudem sind durch die Mangelsituation auf dem Markt ja auch viel höhere Preise möglich als zuvor.
Die langen Wartezeiten werden also weiterhin den immer noch weiter wachsenden Markt des Flugverkehrs beeinflussen.
Das ist eine historisch günstige und zusätzliche Gelegenheit bei Russland und China, im asiatischen Raum mit den günstigen Angeboten den Markteeintritt zu verstärken, sobald deren Modelle mal Produktionsreif und zugelassen sind.
Zumindest China wird daher sicherlich massiv am baldigen Markteintritt arbeiten, um diesen Effekt noch zu nutzen.
 
#8
Wen es interessieren sollte:

Ein faszinierendes Beispiel für totales Managementversagen in Großkonzernen, wenn on der Chefetage Selbstüberschätzung, Arroganz und hemmungslose Geldgier weitsichtig rationale und angemessene Strategien ersetzt….

Es ist kein Zufall, daß es schon wieder Boeing ist…

Und es ist ebenfalls kein Zufall, daß „Major Tom“ genial und rational und strategisch brilliant Boeing gedemütigt hat und um Teilhabe an einem sehr interessanten Markt brachte… Major Tom hat ja damals auch Airbus gerettet, als zwei frz. Topmanager mit der katastrophalen A 380 - Entwicklungspanne fast Airbus ruiniert haben…


Ein Lehrbuchartiges Beispiel wie man Management nicht machen sollte und gleichzeitig eins, wie man es machen sollte…

Der Untergang des Weltmarktführers Kodak und das brilliante Management von Fujifilm als die Analogtechnik in der Fotoindustrie geradezu dramatisch der Digitaltechnik zum Opfer fiel, ist ebenso beispielhaft. Fujifilm lebt bestens, Kodak existiert faktisch nicht mehr, nur noch ein winziger Teilbereich ist irgendwann übernommen worden.
 
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