Bergbaubetriebe Thallern, Angern, Tiefenfucha und Oberfucha

josef

Administrator
Mitarbeiter
#1
Südlich der Stadt Krems existierte bis in die 1960iger Jahre des vorigen Jahrhunderts ein kleines Bergbaurevier. Bergwerke gab es in folgenden Orten:

Thallern - Braunkohlengrube (Ort heute zur Stadt Krems gehörend),
Angern – Teilbereich der ehemaligen Grube Thallern, 1960-64 Tonbergbau (Ort ebenfalls Teil des Stadtgebietes von Krems),
Tiefenfucha – Tonbergbau (gehört zur Gemeinde Paudorf) und
Oberfucha – Tonbergbau, Formsandgewinnung und Ziegelwerk (heute Ortsteil der Gemeinde Furth bei Göttweig).

Diese 4 ehemaligen Bergbauorte und der Kirchenstandort Brunnkirchen sind durch einen Rundwanderweg, den „Bergwerksgedenkweg“ miteinander verbunden:

http://www.bergwerkgedenkweg.at/
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
Bergbau Thallern

Braunkohlenbergerk Thallern:

Das erste Bergwerk zu Maria Theresias Zeiten
Der Sage nach ist die Auffindung der Kohlenvorkommen einem Zufall zu verdanken: Ein preußischer Kriegsgefangener soll während des siebenjährigen Krieges (1756 -1763) bei einem Bauern in Thallern beschäftigt gewesen sein. Bei Erdarbeiten soll er auf die ihm bekannte Kohle gestoßen sein. Einer anderen Quelle zufolge soll der Steiner Schlossermeister Johann Adam Kühn die Kohlenlager entdeckt haben. Sicher ist, dass Braunkohle mittlerer Qualität ab 1758 systematisch abgebaut wurde. Dieses erste Kohlenbergwerk Niederösterreichs stand unter kaiserlich-königlicher Oberhoheit und wurde bis ca. 1780 vom Stift Göttweig als Grundherr verwaltet. Unter dem Schichtenmeister und Bergverwalter Johann Franz Schöffel erlebt der Bergbau seinen ersten Höhepunkt. Ab 1773 wurde auch Alaunschiefer abgebaut, ein neuartiger Ziegelofen zur Erzeugung der Ziegel zum Ausmauern der Schächte wurde in Betrieb genommen, eine eigene Berg-Schule wurde für die Kinder 1781 eingerichtet. Das gesamte Werk hatte 1780 rund 110 Beschäftigte. Sie kamen aus Deutschland, Böhmen, Tirol und Kärnten. Mit der Kohle aus Thallern wurden die umliegenden Schmiedschaften, der k.k.Ziegelofen in Wien-Simmering (über
die Donau) und verschiedene Wiener Magazine beliefert. Da die staatlichen Förderungen abnahmen und die Gestehungskosten wuchsen, musste das Werk Anfang des 19. Jahrhunderts stillgelegt werden.


Thallern - Die Hochblüte
1830 kaufte der Universitätsprofessor und Geologe Karl Michael Strömitz dem Staat den gesamten Bergbaubesitz ab und nahm 1831 die Kohlengewinnung wieder auf. Inzwischen hatte es einerseits einen Fortschritt in der Bergwerkstechnik gegeben, sodass man sich in größere Tiefen wagen konnte,
andererseits war die Nachfrage auch nach minderwertiger Kohle gestiegen. Strömitz verstarb bald nach der Aufnahme der Arbeiten. Seine Erben verkauften den Bergbau an Alois Mießbach. Unter diesem wurden rund 250 Bergleute beschäftigt. Der Betrieb kam zu seiner vollen Blüte, vor allem durch die Entdeckung mehrerer bis dahin unbekannter Flöze. Die Kohle wurde in Hunte verladen und direkt bis zur Donau transportiert, auf der sie bis Rumänien versandt wurde. Alois Mießbach widmete 1845 den Gewerken eine Bergfahne, die bis in unsere Tage herein in der Pfarrkirche Brunnkirchen aufbewahrt wird. Unter seinem Nachfolger Heinrich Drasche erreichte der Bergbaubetrieb um 1870 seinen Höhepunkt. Der Abbau näherte sich um diese Zeit bedenklich der Donau. Drasche wollte auch die Flöze unter der Donau abbauen und ließ dafür auf einer kleinen Donauinsel (Marktschreiberhaufen) einen rund 138 m tiefen Schacht anlegen. Infolge Kapitalmangel blieb dieses Großprojekt jedoch unausgeführt. Ein Brand im Maschinenhaus im Jahre 1873 forderte 2 Todesopfer . Der Bergwerksbetrieb wurde recht und schlecht bis 1880 aufrechterhalten. In den Neunzigerjahren brachte ein Wassereinbruch die letzten Reste zum "Ersaufen".


Ein neuer Versuch
1920 versuchte man eine Reaktivierung des Bergbaubetriebes. Diese scheiterte nach einem Wassereinbruch am 24. April 1922, bei dem der Bergmann Anton Fleischhacker aus Tiefenfucha unter tragischen Umständen ums Leben kam. Beim Gemeindehaus Thallern wurde 1987 eine Erinnerungstafel an den Bergbau vom Verschönerungsverein aufgestellt. Der feierlichen Enthüllung wohnte auch der letzte lebende Bergmann des Bergwerks Thallern (Rudolf Lorenzl) bei.



Unglücksfälle im Bergwerk

Der Brand
Am 24. April 1873 brach gegen Abend beim Teersieden im Maschinenhaus ein Feuer aus. 51 Bergleute konnten die Stollen nicht mehr rechtzeitig verlassen und waren im Schachteingeschlossen. Die Feuerwehren von Furth, Mautern, Stein und Krems versuchten bis zum Luftschacht vorzudringen und die brennenden Holzbalken zu entfernen. Gleichzeitig wollte man den Hauptschacht frei machen. Letzteres scheiterte, da währenddessen die aufgestellten Maschinen samt Gebäudeteilen in diesen Hauptschacht stürzten. Doch die Arbeiten am Luftschacht hatten Erfolg, So konnten bereits 5 Stunden nach Ausbruch des Feuers die ersten Geretteten ins Freie gebracht werden. Diese für alle Hilfskräfte und wartende Angehörige unglaubliche Rettung war nur durch die Geistesgegenwart des Obersteigers möglich gewesen. Er hatte sofort nach Bemerken des Brandes seine Männer in einen Seitenschacht geführt und diesen luftdicht verschließen lassen. Er selbst wurde bei der
Rettung durch einen herabfallenden Stein lebensgefährlich verletzt.


Der Wassereinbruch
Am 24. April 1922 ereignete sich der letzte tragische Unfall im Bergwerk Thallern. Vier Bergleute wurden während der Nachtschicht von einem Wassereinbruch überrascht. Drei der Bergleute konnten sich vor den gleichzeitig herabstürzenden Schottermassen in Sicherheit bringen. Der 22 jährige Bergmann Fleischhacker aus Tiefenfucha konnte sich nicht mehr befreien. Die herbeigeholten Helfer versuchten den Eingeklemmten mit hinuntergelassenen Seilen zu befreien, konnten aber das Ertrinken des verschütteten Bergmanns nicht verhindern. Sein Leichnam konnte erst nach 2 Tagen geborgen werden.
Textquelle: Infofolder Bergwerkgedenkweg

1. Blick über den Ort Richtung N (Donauauen). Im Mittelgrund, hinter den Häusern bzw. vor dem Auwald ist eine bewaldete Halde des ehemaligen Bergwerkes zu erkennen.

2. Richtung NO, Donauauen, im Hintergrund Kraftwerk Theiss, in der Mitte ein Forsthaus, ebenfalls auf einer Halde (Hochwasserschutz). Der Kohlenflöz streicht unter der Donau nach NO bis in die Gegend von Theiss (siehe auch Text…). Rechts, nicht mehr am Bild, liegt der Ort Angern mit dem Schloss „Wolfsberg“.

3. Nochmals Blickrichtung NO. Rechts ist der „Wetterkreuzberg“ bei Hollenburg mit der markanten „Wetterkreuzkirche“ als weithin sichtbare Landmarke zu erkennen. Im Übergangsbereich Auwald – Felder verlief der Donauarm, der von den Kohlenschiffen befahren wurde.

4. Revierkarte des Bergbaues, sie zeigt die Lage der Stollen in den Bereichen Thallern und Angern. Die gelben Punkte markieren Halden. Diese Karte stammt ebenfalls aus dem Infofolder.
 

Anhänge

josef

Administrator
Mitarbeiter
#3
Bergbau Angern

Tonbergbau Angern 1960 – 1964
Da das Vorkommen an Braunkohle und Ton in Tiefenfucha 1959 erschöpft war, wurde 1960 der Abbau oberhalb der Ortschaft Angern (an der Straße nach Tiefenfucha) begonnen. Bereits 1957 waren Bohrungen bis in etwa 60 Meter Tiefe vorgenommen worden. Eigentümer und Betreiber des Bergbaues Angern war die Steirische Magnesit AG, die spätere MAGINDAG. Dieser Abbau musste aber 1964 aus wirtschaftlichen Gründen wieder eingestellt werden. Braunkohle war auch hier - wie in Tiefenfucha - nur ein Begleitmaterial, nicht jedoch der Förderzweck. Hauptabbauziel war der Ton. Der Bergbau in Angern beschäftigte etwa 40 Arbeiter. Die Förderung erfolgte im Zweischichtbetrieb, bei Reparaturen wurde eine Nachtschicht eingerichtet. An der Tiefenfuchastraße war ein Holzgebäude, wobei sich rechts der Einfahrt die Kanzlei befand, anschließend das Magazin, dann die Schlosserei und der Gefolgschaftsraum. Westlich dieses Bauwerks befanden sich die Trafo-Anlage und das Kompressorhaus. Beim Stollenausgang waren die Bunker (Lagerräume für taubes Gestein, Kohle und Ton), daneben Wasserbehälter, deren Inhalt vorwiegend zur Kühlung des Kompressors diente. Die Beleuchtung im Gesenkfuß war elektrisch. Ansonsten wurden nur Karbid-Grubenlampen verwendet. Vom Gesenkfuß gingen die Hauptschächte aus. Zur Erinnerung an den ehemaligen Bergbau wurde im Jahre 2001 ein kleiner Schaustollen (etwa 3 m) unweit des ehemaligen Betriebsgeländes errichtet.
Textquelle: Infofolder Bergwerkgedenkweg

1. Blickrichtung O mit Schloss Wolfsberg, im Hintergrund wieder der Wetterkreuzberg. Rechts vom Aufnahmestandort zweigt die Straße nach Tiefenfucha ab, an der die Tongrube lag.

2. u. 3. Schau- und Gedenkstollen zur Erinnerung an das Tonbergwerk Angern.

4. Bergleute vor der „Haspelhütte“. In der Hütte war eine Seilwinde (Haspel) installiert, mit welcher die gefüllten Hunte im Schrägschacht an die Oberfläche gezogen wurden bzw. die leeren Hunte wieder in die Tiefe gelassen wurden.

5. Übersichtsskizze. Es zeigt die wenigen Baulichkeiten mit dem Eingang des Schrägschachtes (Gesenk) und in der rechten, unteren, Ecke die Lage des Schaustollens.

6. Nochmals ein Bild der Haspelhütte. Im Vordergrund sind das in die Tiefe des Gesenks führende Gleis und die primitiven Stufen zu erkennen.

Die Fotos 4., 5. und 5. sind im Schaustollen ausgehängt.
 

Anhänge

josef

Administrator
Mitarbeiter
#4
Bergbau Tiefenfucha

Tonbergbau Tiefenfucha:
Tiefenfucha - Untertagabbau von Ton
Vom Schaustolleneingang ca. 500 m westlich Richtung Göttweig befindet sich jetzt ein großer Kinderspielplatz. Genau auf diesem Gelände befand sich das Hauptwerk bzw. der Hauptstollen mit dazugehörendem Lagerbunker und den verschiedenen Schutthalden. Der Bunker war ein einstöckiges Holzgebäude mit drei geräumigen Schütten. Je nach Qualitätsstufe wurde der Ton dort sortiert. Das Gesenke (Stolleneinfahrt in den Berg) war zweigleisig ausgeführt und ging in Bergrichtung ca. 80 Meter schräg in die Tiefe. Mit einer Seilwinde wurden die Hunte abwechselnd auf und abgelassen.


Die Arbeit
Die Bergleute arbeiteten meist von 6 Uhr früh bis 14.00 Uhr. Anschließend waren viele in den eigenen Weingärten tätig. Die Bezahlung erfolgte nach der Leistung. Wenn viele Hunte in einer Schicht gefüllt wurden, gab es eine Prämie.


Die Chronik
Aus einer Chronik, die im Haus Tiefenböck (Tiefenfucha Hausnummer 1) aufbewahrt wird, geht hervor, dass im Jahre 1891 durch Herrn Baron von Popp auf einigen Quadratmetern Grund - von der Familie Tiefenböck zur Verfügung gestellt - ein Bergwerksstollen errichtet wurde. Nach Überlieferung soll schon weit früher ein Tonbergwerk betrieben worden sein (Fam. Mayer-Melnhof, später
Steirische Magnesit AG). Das Material (Tachet) wurde zur Erzeugung von besonders feuerfesten Steinen und sogar von Feinkeramik (Vasen, Geschirr) verwendet. In den Jahren um 1950 verdienten bis zu 30 Bergleute (Knappen) aus Tiefenfucha und der näheren Umgebung im Untertagbergbau ihren Lebensunterhalt.


Die Schließung
Da in weiterer Folge der Abbau unrentabel geworden war, wurde das Tonbergwerk im Jahre 1958 geschlossen. Ein Stolleneingang lag genau über dem heutigen Schaustollen. Die stark eisenhältige Quelle daneben kommt noch heute aus den alten Stollengängen.
Textquelle: Infofolder Bergwerkgedenkweg

1. Beim Spielplatz im Mittelgrund war der Stollenmund der Tongrube. Die leichte Senke oberhalb in den Feldern, Wein- und Marillengärten zeigt den Verbruch der Grube an.

2. Nochmals Blick über Tiefenfucha Richtung NO. Die Senke in Bildmitte zeigt nochmals das Grubenfeld an, über den leichten Hügel führt die Straße nach Angern. Rechts ist das Donauknie bei Hollenburg zu erkennen, dahinter das Kraftwerk Theiss. Im Mittelgrund hinten der Höhenzug des Wagrams am Rande des nördlichen Tullnerfeldes…

3. Schaustollen im Ortsbereich von Tiefenfucha. Links die Hinweistafel für die eisenhaltige Quelle (siehe Text…). Am First der Mundlochzimmerung ist kein Sowjetstern, sondern ein Weihnachtsstern…

4. Krippe im Inneren des Schaustollens.

5. Holzstatue der hl. Barbara gegenüber dem Schaustollen.
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:

josef

Administrator
Mitarbeiter
#5
Bergbau und Ziegelwerk Oberfucha

Tonbergbau, Formsandgewinnung und Ziegelwerk Oberfucha:
In Oberfucha werden seit ungefähr 3 Jahrhunderten Ton, Formsand und Lehm abgebaut. Hauptsächlich waren die Besitzer des Gutshofes Geyer-Springer an dem Abbau beteiligt. Ton wurde zum Großteil an Hafner und Abnehmer aus Ungarn und Rumänien versandt. In diese Ländern ging der Versand auf der Donau. Das Material wurde in Kleedorf, westlich von Hollenburg sowie 200 m östlich der heutigen Eisenbahnbrücke bei Krems auf Flöße verladen.
Vom 24. Juli 1888 ist uns ein tragischer Unfall überliefert: Zwischen Wien und Linz war in der Donau eine Kette gelegt, die ein sogenannte Kettenschiff (Überfuhr) benötigte. Diese Kette wurde bei der Fahrt eines Schiffes auf eine gewisse Strecke gehoben. Das wurde Flößern aus Oberfucha zum
Verhängnis. Ihr Floß wurde auseinandergerissen. Der Verantwortliche - Kranzlmeister genannt - konnte sich retten. Sein Sohn und der Großvater von Frau Lackinger (Herrr Wöber) sowie die Pferde kamen in den Trümmern und im Wasser um.


Die Ziegelerzeugung im großen Stil
Um die Jahrhundertwende (1900) wurde ein Ringofen für die Ziegelerzeugung errichtet, der den alten Feldofen ablöste. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts ging der Bergbau- und Ziegelbetrieb an Wilhelm Hanak über. Es wurden dann weiterhin Ziegel und Ton erzeugt. Das Landesgerichtsgebäude in Krems und die Schule in Brunnkirchen wurden um 1930-31 auch aus Ziegeln aus Oberfucha erbaut bzw. umgebaut.


Haftanstalt statt Ziegelofen
Im 2. Weltkrieg wurde das Reichsjustizministerium Besitzer der Anlage. Eine Haftanstalt wurde 1943 errichtet, die heute noch besteht. Dadurch wurde es nach Kriegsende ein USIA-Betrieb. Ende der 1950er Jahre wurde der Ziegelofen stillgelegt und das Gebäude abgerissen.


Erzeugung im Nebenerwerb
In kleinerem Umfang wurden auch vom Betrieb Haipl Ton und Formsand abgebaut. Abnehmer waren die umliegenden Hafnerbetriebe. Oser und Grabner Krems, Voith und die Gasserwerke in St. Pölten wurden ebenfalls beliefert. Das Material wurde händisch gegraben, mit Pferdefuhrwerken hinuntergebracht und für die St. Pöltner Firmen am Bahnhof Palt verladen. Welche Bedeutung der
Formsand hatte, kann man daran ermessen, dass zum Beispiel Herr Haipl aus Oberfucha als Formsandlieferant der Voithwerke in St. Pölten im 1. Weltkrieg ab 1916 vom Kriegsdienst enthoben war. Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Bergwerksbetrieb eingestellt.
Textquelle: Infofolder Bergwerkgedenkweg

1. Zeitgenössische Ansicht des Ziegelwerkes und der Tongruben.

2. Bereich der ehemaligen Tongrube. Heute rekultiviert, Obstgärten bzw. Eigenheimsiedlung.

3. Vergrößerung aus der alten Ansicht: Stollenmundloch der Tongrube, Feldbahn zur Verladeanlage, Feldbahnbrücke über Weg zum Verladebunker. Im Hintergrund ist Stift Göttweig zu erkennen.

4. Historisches Bild einer Feierlichkeit vor dem Stollenmundloch.

5. Letzter Rest, Ziegelmauerwerk für Brückenwiderlager der ehemaligen Feldbahnbrücke über Weg zum Verladebunker.

6. Bereich des ehemaligen Ziegelwerkes: Gelände der Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Krems-Stein in Oberfucha. Das Gebäude wurde 1943 vom Reichsjustizministerium errichtet (siehe Text...). Der Bau hatte ursprünglich nur eine Rohziegelfassade, der Verputz wurde erst in den 1960iger Jahren aufgebracht.
 

Anhänge

H

Harald 41

Guest
#6
Hallo Josef;
:danke für die Interessante Dokumentation über die ehemaligen Bergwerke und Ziegelöfen,streifte vor ca. 10-15 Jahre in der Gegen herum um Mineralien zu suchen.
Die Beiden Stollen in deinem Link kannte ich bis heute auch nicht,genau-sowenig die anderen Berg-baue.
Statzendorf kenne ich schon habe da eventuell noch etwas.

LG Harry



PS : Das letzte Bild von der Strafvollzugsanstalt kenne ich auch,nur wusste ich damals nicht was das ist.
Wenn ich mich nicht täusche ist in der näheren Umgebung auch noch ein riesiger Steinbruch Richtung St. Pölten,den wollte ich auch einmal aufsuchen.
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#7
Hallo Josef;
:danke für die Interessante Dokumentation über die ehemaligen Bergwerke und Ziegelöfen...
PS : Das letzte Bild von der Strafvollzugsanstalt kenne ich auch,nur wusste ich damals nicht was das ist.
Wenn ich mich nicht täusche ist in der näheren Umgebung auch noch ein riesiger Steinbruch Richtung St. Pölten, den wollte ich auch einmal aufsuchen.
Hallo Harry,
siehe bei "Bergbau Statzendorf"--- :)

Und wegen Steinbruch Meidling: Suche den lieber nicht auf, da ist momentan eine sehr sensible, angespannte Stimmung und es gibt Anzeigen, wenn da jemand erwischt wird!

lg
josef
 
Zuletzt bearbeitet:
H

Harald 41

Guest
#8
Hallo Josef;
Mein letzter Beitrag ist auch wieder verschwunden:D,der Steinbruch war vor zehn Jahren schon nicht zu betreten,habe auch keine Lust mehr dahin zu fahren.
Zu Hausheim bei Statzendorf gibt es schon einen Beitrag und zwei Fotos aus dem ehemaligen Bergbau, hier wurde vor Jahren Braunkohle abgebaut.

Kohlenbergbau Statzendorf

LG Harry
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

josef

Administrator
Mitarbeiter
#9
Tonverarbeitung in Furth-Palt

Der Ton aus dem Bergbau Tiefenfucha wurde hauptsächlich in Furth verarbeitet. Gegenüber dem Bahnhof Furth-Palt befand sich ein Werk zur Erzeugung grobkeramischer, feuerfester, Materialien für die Auskleidung von Öfen => "Schamottewerk Kristen". Das Further Werk war ein wichtiger Zulieferer von Feuerfestmaterial für die Stahlindustrie. Dadurch wurde während des 2. Weltkrieges auf Befehl des Rüstungskommandos XVII (Mödling) das Werk von der "Steirischen Magnesitindustrie AG" (Leoben) übernommen. Die "Steirische Magnesit" war schon vor dem Krieg Besitzer der Tongrube Tiefenfucha. Der Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegszeit erforderte eine Modernisierung und Ausweitung der Produktion, was durch einen Fabriksneubau 1958-59 in Krems-Lerchenfeld bewerkstelligt wurde. Das Werk in Furth wurde geschlossen und in den Folgejahren abgetragen. Als letztes Objekt wurde 1963 der Schlot gesprengt. Der Bergbau Angern belieferte schon das neue Werk in Krems. Ende der 1990iger Jahre des vorigen Jahrhuderts kam das Kremser Werk in finanzielle Schwierigkeiten und wurde ebenfalls stillgelegt und demontiert. Am Gelände in der Kremser Industriezone befindet sich heute das RIZ (Regionales Innovationszentrum) und Biotechnologie-Firmen.

1922 nahm die "Keramikfabrik Palt" ihren Betrieb auf. Auch dieses Werk, an der Verbindungsstraße zwischen Furth und Palt gelegen, verarbeitete Ton aus den regionalen Bergbauen Tiefen- und Oberfucha. Nach nur 11 Jahren Betriebszeit musste das Werk wegen der Wirtschaftskrise 1933 schließen. Die Hallen wurden bis auf 1 kleines Objekt abgerissen und der Schornstein ebenfalls gesprengt. Heute erinnert noch die "Keramikstraße" an den einstigen Betrieb.

1. Ausschnitt aus einer Ansichtskarte von Palt aus ca. 1960. Leider sehr schlechte Bildqualität, in Bildmitte ist das Fabriksgebäude mit dem Schlot der "Steirischen Magnesit" zu erkennen. Rechts davon das Bahnhofsgebäude von Furth-Palt. Oberhalb, im Waldstreifen mit den Pappeln, war während des Krieges das "Flak-Lager Mautern". Links darüber und hinter den Pappeln ist die Kaserne Mautern zu erkennen. Rechts, hinter der Donauau sieht man die Türme von Krems-Stein und ganz am linken Rand den Kirchturm von Mautern. Im Bereich der Häuserzeile im Vordergrund war bis 1933 die "Keramikfabrik Palt".

2. Blick nach NO mit der ehemaligen "Keramikfabrik Palt". Im Vordergrund die Straße von Furth nach Mautern und vor den Fabriksgebäuden die Verbindungsstraße von Furth nach Palt. Die Gegend ist heute voll verbaut.

3. Sprengung des Schornsteins der Keramikfabrik 1933. Blick Richtung S nach Furth mit Stift Göttweig im Hintergrund.

4. Der letzte, heute noch bestehende Gebäuderest der Keramikfabrik dient als Garage.

Quelle Bild 2. u. 3.: Heimatbuch der Marktgemeinde Furth bei Göttweig, Furth 1985
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:

josef

Administrator
Mitarbeiter
#10
Kraftwerk Theiss

Bekam eine Mail-Anfrage zum Bild 2 in Beitrag#2
2. Richtung NO, Donauauen, im Hintergrund Kraftwerk Theiss
Frage:
Wird das KW Theiss mit Kohle betrieben?
Beantworte die Frage im Forum, ist vielleicht auch für andere User interessant:

Nein, das EVN-Kraftwerk Theiss wird mit Erdgas betrieben (für Notfall ist auch ein Betrieb mit Öl möglich (=> Tanks in Reserve).

Siehe dazu: => http://de.wikipedia.org/wiki/Kraftwerk_Theiß

Einige Fotos:

1. Blick von der "Rohrendorfer Hoad" Richtung S zu den Donauauen mit Kraftwerk. Hinter dem Schlot das Traisental, die höchste Erhebung im Hintergrund ist der Schneeberg (2076 m), ca. 90 km Luftlinie vom Aufnahmepunkt entfernt.
2. Herbststimmung.
3. Von oberhalb Tiefenfucha Richtung NO.
 

Anhänge

B

Bartz

Guest
#11
Lieber Josef und Harald
Ich lese eure Beiträge sehr gerne und möchte an dieser Stelle beifügen, dass 1756 auch der Braunkohle Bergbau Wildshut im O.Ö St. Pantaleon in Betrieb gegangen ist. Mit mehrfachen Unterbrechungen wegen ständigen Hochwasser der Salzach und der nahegelegenen Moosach wurde der Betrieb 1949 eingestellt. In einer Chronik ist nach zulesen, dass Kaiserin Maria Theresia die Volkswirtschaftliche Bedeutung der Kohlefeuerung erkannte und sich nicht damit begnügte, dass man die Kohle hauptsächlich in Ziegelbrennereien verwendete, sondern auch in den Wohnungen verfeuern sollte. Zu diesen Zwecke ließ die kaiserin 1760 auf ärarische Kosten 4000 Zentner Kohle von Thalern in NÖ nach Wien schaffen und gab Befehl diese an die Armen abzugeben. Das Geschenk fand wenig Würdigung, den die armen Leute meinten, der aus der Tiefe der Erde herausgeholte Brennstoff sei nicht für Christliche Wohnungen bestimmt, sondern gehöre zu den Vorräten des Höllenfürsten. So kam es, dass nur ein geringer Teil angenommen wurde und dieser meist an Brandweinschenken weitergegeben wurde, weil es dort auf den Teufel nicht mehr ankam. 1777 wurde ein Dekret erlassen, dass alle Ziegelein verpflichtete Kohle zu verbrennen. Der Machtspruch der Wiener Regierung hatte nun vorläufig in den Ziegelbrennerein ein reiches Absatzgebiet für die Kohlenbergwerke erschlossen und Wildshut konnte neuerdings den Betrieb aufnehmen. Der Wiener Industrielle Feldmüller kaufte das Wildshuter Bergwerk, später Alois Miesbach. Dieser bohrte 1842 einen 19m tiefen Schacht. Ende 1852. Verkauft wurde das Bergwerk an weitere Private und schlußendlich an die Wolfsegg Traunthaler. Von 1946 -1949 baute in Wildshut die Fa. Riedel Kohle im Tagebau ab. 1949 kam es wegen Hochwassers und schlußendlich durch das öffnen der Salachsperren zur Überschwemmung. Der Schaden wurde auf ca. 150000 Schilling geschätzt. Nach dem die Kohle fast zur Gänze abgebaut war wurde der Betrieb eingestellt. 1947 wurde unabhängig davon im Ortsteil Trimmelkam die SAKOG gegründet.
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#12
Hallo Robert,
besten Dank für deinen, nach langer "Mitlesephase" erstellten, 1. informativen Beitrag!

Interessant für mich auch, die damalige Ausdehnung des Imperiums von Miesbach!

Wie wäre es mit weiteren Beiträgen, wie z.B. über die ehemalige SAKOG ...? :)

lg
josef
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#13
"Felsgrotte" bei Thallern

Sah im Vorbeifahren von der B37a aus in dem von der Donauniederung bei Thallern aufsteigenden Gelände eine frisch angeschlagene Öffnung in einer kleinen Felswand. Dachte zuerst an eine Öffnung eines alten Stollen des ehemaligen Kohlebergwerkes. Bei einem „Lokalaugenschein“ konnte ich nun (nur) eine kleine, neu aus dem Felsen geschlagene, grottenartige Vertiefung von ca. 1,5 m Tiefe erkennen. In den gewachsenen Fels sind Schrauben eingedübelt, die auf die vorgesehene Anbringung einer Absperrung (Gitter ?) hinweisen. Das Vorfeld wurde ebenfalls frisch geschüttet und mit Begrenzungssteinen versehen…

Leider konnten mir vorbeikommende Personen auch keine Auskunft über den Zweck des „Felsloches“ geben, vielleicht kennt jemand aus dem Forum den Hintergrund bzw. Sinn dieser Aktion?
 

Anhänge

josef

Administrator
Mitarbeiter
#14
Ehem. Kohlebergbau Thallern

Bei meiner Besichtigungstour in Thallern entdeckte ich noch 2 Hinweise auf den ehemaligen Bergbaubetrieb:

1. Gedenkstein
2. Fahrgestell eines Hunts ohne weitere Angaben vor einem Gasthaus...
 

Anhänge

#15
Bergwerkgedenkweg

Als Projektleiter und Erbauer des Bergwerkgedenkweges möchte ich folgende Erklärungen abgeben.
Der Bergwerkgedenkweg wurde zur Erinnerung an 250 jährige Bergwerkgeschichte für die Pfarrgemeinden Angern, Brunnkirchen, Oberfucha, und Tiefenfucha geschaffen.So findet jährlich in einem der 5 Orte im ersten Dezemberwochenende die historische Barbarafeier statt.Der Weg hat Museumscharakter und wurde von der NÖ Volkskultur gefördet.Im Jahre 2011 wurde vom ORF NÖ ein Beitrag als Kulturerbe NÖ gebracht.
Im Jahre 1997 wurde die alte Bergfahne aus dem jahre 1845 neu restauriert.
Zu der Felsengrotte in Thallern:
Diese Grotte wurde von der Agragemeinschaft für die jahrhundertlange Verbundenheit (seit 1455) zum Stift Göttweig erichtet. In der Grotte befindet sich
eine Lourdesmadonna die lang im Besitz des Schloß Wolfsberges war.
Das Schloß war lang im Besitz von Heinrich Drasche dem ehemaligen Bergwerkbesitzer.
Oberhalb der Grotte befindet sich das ehemalige Barbaraabbaufeld.
weitere infos:

http://www.bergwerkgedenkweg.at/

Glück Auf
Leopold Koller
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

josef

Administrator
Mitarbeiter
#17
Bericht über eine Untersuchung der Kohlevorkommen in der "Kremser Bucht" - Auszug aus einer Expertise der

"Geologischen Bundesanstalt - Abteilung Rohstoffgeologie"
Rohstoffpotential südliches Waldviertel - Dunkelsteinerwald
aus 1982:
 

Anhänge

josef

Administrator
Mitarbeiter
#19
Nachfolgend 2 Fotos vom Galgenberg bei Stratzing Richtung S "über die Donau" mit dem Bereich des ehemaligen Kohlereviers Angern - Thallern - Brunnkirchen:

1. Schloss Wolfsberg oberhalb von Angern, Thallern ist durch den Auwaldgürtel verdeckt.
2. Panoramabild: Die Grubenfelder erstreckten sich auf einem Streifen vom linken bis fast zum rechten Bildrand von der Donau bis hinter dem Schloss Wolfsberg. Am rechten Bildrand ist Brunnkirchen zu erkennen...im Hintergrund, oberhalb Schloss Wolfsberg liegt Krustetten.
 

Anhänge

T

Tunnelgeher

Guest
#20
Hallo!
Danke dass es dieses tolle Forum gibt!
Ich bin neu hier und habe gerade dieses Thema entdeckt.
Vor ca. 10 Jahren hatte ich noch die Gelegenheit, mit einem Ortskundigen in einen ehemaligen, heute endgültig verschlossenen, Stollen bei Oberfucha einzusteigen. Der Einstieg war eher versteckt und verwachsen, aber zugänglich. Ich habe gestaunt, wie weit ein Gang ins Innere des Berges hineingeführt hat. Am Anfang musste man sich bücken, aber dann wurde der Stollen breiter und höher und es ging sicher 1-2 Kilometer weit ins Innere des Berges. Es existiert noch ein Plan des Stollensystems.
In Weingärten in diesem Bereich merkt man an "abfallenden" terrassenartigen Stellen, dass es hier Erdeinbrüche über alten Stollen gegeben hat.
LG, Tunnelgeher
 
Oben