Bergkristall - St. Georgen a.d. Gusen

Geist

Worte im Dunkel
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Die Stellungnahme der Bundesanstalt Mauthausen Memorial sagt eigentlich eh schon alles über die Produzenten der Doku aus. Wenn sie das BAMM kontaktiert hätten, um deren Archivmaterial mit dem zu kombinieren und zu analysieren, das sie selbst gefunden haben, dann ließen sich wohl viele Fragen klären und Spekulationen vermeiden. Wollten die Filmemacher aber offensichtlich nicht …

Am 8. September 2019 strahlte das ZDF eine Dokumentation mit dem Titel „Die geheimste Unterwelt der SS aus“. Dort werden erneut Spekulationen rund um das Konzentrationslager Gusen und die Stollenanlage „Bergkristall“ angestellt. Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen möchte dazu folgendermaßen Stellung nehmen:

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist im Vorfeld der Recherchen zur TV-Dokumentation seitens der Filmemacher und ihres Rechercheteams kein einziges Mal kontaktiert worden. Die wissenschaftlichen Abteilungen der KZ-Gedenkstätte widmen sich seit vielen Jahren der Sammlung von Quellen und der Erforschung der Geschichte des KZ-Lagerkomplexes Mauthausen und Gusen und des Systems seiner Außenlager. Die hier vorhandene Expertise hätte einen wichtigen Beitrag zur richtigen Interpretation und sinnvollen Kontextualisierung der für die Dokumentation herangezogenen Quellen leisten können. Dies war seitens der Filmemacher anscheinend nicht gewollt.

Derzeit kann sich die KZ-Gedenkstätte Mauthausen in der Bewertung der Fakten nur auf jene Quellen und Indizien beziehen, welche in der TV-Dokumentation gezeigt bzw. genannt werden. Weitere Quellen, auf welche sich die Filmemacher in ihrer Argumentation beziehen, sind uns nach wie vor unbekannt. Die Anfragen seitens der KZ-Gedenkstätte nach einer Aushändigung von Kopien zum Zweck einer Bewertung und Quellenkritik wurden seitens der Verantwortlichen abschlägig beantwortet.
Selbst bei nur oberflächlicher Analyse der in der TV-Dokumentation als Beweise herangezogenen Quellen lassen sich in mehreren Fällen Falschinterpretationen oder auch ein manipulativer Einsatz dieser Quellen nachweisen.

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist durchaus der Ansicht, dass es hinsichtlich der Geschichte des KZ Gusen noch Themenkomplexe gibt, die einer genaueren historischen Aufarbeitung bedürfen. Zugleich sind wir aber der Überzeugung, dass die Forschung zu Gusen bereits heute auf einem Stand ist, der es als äußerst unwahrscheinlich erscheinen lässt, dass völlig neue Erkenntnisse auftauchen, aufgrund derer die Geschichte des KZ Gusen „neu geschrieben“ werden müsste. Die TV-Dokumentation zieht dagegen einzelne ungeklärte historische Details heran, die bei den SeherInnen primär Ungewissheit erzeugt.

Die TV-Dokumentation ist in ihrer Argumentation hinsichtlich des zu lüftenden „Geheimnisses“ wiederum äußerst widersprüchlich. In bereits bekannter Manier ist erstens erneut die Rede von Atomforschungen in der Stollenanlage „Bergkristall“. Zweitens wird die Existenz von „bis zu fünf“ Ebenen der Stollenanlage in den Raum gestellt, wobei auf einer davon ein unterirdisches Konzentrationslager untergebracht sein sollte. Und drittens wird schließlich dieses „unterirdische Konzentrationslager“ südlich des Lagers Gusen I, also mehrere Kilometer von den Stollen „Bergkristall“ entfernt vermutet. Es bleibt völlig unklar, wie die einzelnen „Hypothesen“ miteinander zusammenhängen sollen.

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen vertritt den Standpunkt, dass historische Informationen nicht auf der Grundlage von Spekulationen, sondern auf jener wissenschaftlicher Erkenntnis an die Öffentlichkeit weitergegeben werden sollte. Zum jetzigen Zeitpunkt sind sämtliche „Hypothesen“ der Filmemacher jedoch reine Spekulation. Die Veröffentlichung solcher Spekulationen trägt auch zur Verunsicherung der in Gusen lebenden Bevölkerung bei und erscheint uns deshalb wenig verantwortungsvoll.

In den Konzentrationslagern von Gusen sind von über 70.000 Gefangenen mehr als die Hälfte ums Leben gebracht worden. Das Projekt „Bergkristall“, so wie es in der seriösen Forschung beschrieben wird, war ein Projekt höchster Geheimhaltungsstufe zur Produktion einer „kriegsentscheidenden Waffe“, des Düsenjets Me 262. Ist es tatsächlich notwendig, diese wissenschaftlich fundierten Fakten auf Basis von Spekulationen zu überhöhen, um so das Interesse an der Geschichte des Nationalsozialismus zu erhöhen?

Das Ziel der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist es, die neu aufgeworfenen Fragestellungen gemeinsam lückenlos aufzuklären und Klarheit zu schaffen.
Quelle: Stellungnahme zum Konzentrationslager Gusen - Aktuell - KZ-Gedenkstätte Mauthausen
 

josef

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Derzeit kann sich die KZ-Gedenkstätte Mauthausen in der Bewertung der Fakten nur auf jene Quellen und Indizien beziehen, welche in der TV-Dokumentation gezeigt bzw. genannt werden. Weitere Quellen, auf welche sich die Filmemacher in ihrer Argumentation beziehen, sind uns nach wie vor unbekannt. Die Anfragen seitens der KZ-Gedenkstätte nach einer Aushändigung von Kopien zum Zweck einer Bewertung und Quellenkritik wurden seitens der Verantwortlichen abschlägig beantwortet.
Ich bin kein "Paragraphenverdreher" und kenne mich mit der "Jusristerei" zu wenig aus. Aber kann man bei den von den Filmemachern kolportierten schwerwiegenden Argumenten über ein unterirdisches KZ usw. diese nicht seitens der Behörde zur Herausgabe ihrer Unterlagen verpflichten?
 
Ich bin kein "Paragraphenverdreher" und kenne mich mit der "Jusristerei" zu wenig aus. Aber kann man bei den von den Filmemachern kolportierten schwerwiegenden Argumenten über ein unterirdisches KZ usw. diese nicht seitens der Behörde zur Herausgabe ihrer Unterlagen verpflichten?
ist auf Grund der Presserechte nicht soooo einfach. Allerdings werden in der Regel keine Beweise dahinter stehen ansonsten würde man sie ja vorweisen, um noch glaubhafter da zu stehen.
 
Tips, Bezirk Perg Margarete Frühwirth, Tips Redaktion, 28.10.2019:

Historiker schließen bei Infoabend geheime Konzentrationslager aus

Barbara Glück, Leiterin Gedenkstätte Mauthausen, Bgm. Erich Wahl, Christian Dürr, Kurator der Gedenkstätte Mauthausen, Martin Scheiber, BIG
Foto: maf


ST. GEORGEN/GUSEN. Für Fragen nach einer vom ZDF ausgestrahlten Dokumentation rund um den KZ-Komplex Gusen und das Stollensystem „Bergkristall“ stand bei einem Informationsabend ein Expertenteam zur Verfügung.

In der Dokumentation wurden Behauptungen über ein unterirdisches Konzentrationslager Gusen aufgestellt. Mit umfassenden Erläuterungen zum aktuellen Wissensstand und wissenschaftlich verbürgten Forschungsergebnissen gingen die Experten auf Fragen aus der verunsicherten Bevölkerung ein. Martin Scheiber, technischer Leiter der Bundes-Immobiliengesellschaft (BIG) zu den Untersuchungsergebnissen der acht Kilometer langen NS-Stollenanlage: „Unterirdisch kommt es je nach Geologie zu Anreicherungen von CO² oder auch Radon. Im hinteren Bereich nähert man sich dem Granit.“ Hier würde naturgegeben eine höhere Konzentration vorliegen. Im begehbaren Bereich des Stollensystems liege die Radonkonzentration bei rund 40 bis 100 Becquerel pro Kubikmeter – bei einem Grenzwert von 400 Bq/m³. Nach gründlichen Untersuchungen könne er sich nicht vorstellen, dass die Fläche des Systems größer wäre als 45.000 Quadratmeter.

Aufarbeitung und Information
Ein geheimes, unterirdisches Lager südlich des Konzentrationslagers Gusen wäre schon aufgrund des geologischen Untergrundes auszuschließen, sagte Bertram Perz vom Institut für Zeitgeschichte an der Uni Wien. Die von den Filmemachern auf Luftaufnahmen interpretierten Lüftungsschächte könnten nach Meinung von Christian Dürr, Kurator der Gedenkstätte Mauthausen, Unterstände für die Wache gewesen sein. Christoph Freudenthaler, Sprecher der Plattform Johann Gruber, betonte die Dringlichkeit einer gemeinsamen Bewertung neuer Ergebnisse mit dem ZDF-Team. Ihr Anliegen nach einer transparenten Aufarbeitung betonte Barbara Glück, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, und verwies auf einen mittlerweile konstruktiven Dialog mit dem Fernseh-Team. „Wir werden die Bevölkerung natürlich über neue Erkenntnisse informieren.“
Historiker schließen bei Infoabend geheime Konzentrationslager aus
 
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Geist

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Ich war am Wochenende beim Menschenrechtesymposium in Gusen. Wenn man die Stelle in natura sieht, an der Sulzer ein unterirdisches KZ vermutet, dann schüttelt man nur den Kopf. Diese Felder, unter denen es sich befinden soll, sind so ziemlich die tiefste Stelle in der Umgebung mit einer Seehöhe von etwa 250 bis 260 m.
Anders gesagt: Er vermutet demnach, dass an der tiefsten Stelle einer Landschaft ein Stollen gegraben worden sein soll, obwohl nur ein paar hundert Meter entfernt die Hügellandschaft beginnt. Man hätte also in der Ebene einen Schacht abteufen und dann mühselig ein Stollensystem auffahren müssen.

Ein weiteres Argument, das bei der letzten Bergkristall-Führung zur Sprache kam, lautet so: Warum sollte man ein KZ unterirdisch anlegen, wenn es doch direkt daneben schon das KZ Gusen I gegeben hat? Das hätte einfach erweitert werden können ohne viel Aufwand. Und aus nationalsozialistischer Sicht war es doch viel wichtiger, unterirdische Verlagerungsräume für die Rüstungsindustrie zu schaffen und nicht für KZ-Häftlinge, deren Leben und Sicherheit den Entscheidungsträgern völlig egal war.

Es wurde übrigens auch eine Erklärung für die in einer Reihe verlaufenden zwölf oder dreizehn "Belüftungsöffnungen" vermittelt. Wenn man sich das Luftbild genau ansieht, erkennt man in der Gegend südlich des KZ Gusen I offene Deckungsgräben. Weiters haben ehemalige KZ-Häftlinge übereinstimmend berichtet, dass sie bei Luftalarm quer über die Straße auf die Felder getrieben wurden, weil dort einerseits die Deckungsgräben angelegt waren und andererseits sogenannte Hocklöcher. Das waren Vertiefungen, in die sich ein Mann hocken konnte. Die wurden natürlich zugeschüttet, nachdem sie nicht mehr gebraucht wurden, was auch den Verfüllungsverlauf auf den Luftbildern erklärt, die in der Ausstrahlung gezeigt wurden.
 
Danke für die Aufklärung. Vielleicht könnte man den Kampfausduck -auf die Felder getrieben- vermeiden. Es wurden Luftschutzmaßnahmen für die KZ-Insassen getroffen, wenn auch nur Deckungsgräben und Hocklöcher. Das war mir so nicht bekannt.
Warum sollte man ein KZ unterirdisch anlegen, wenn es doch direkt daneben schon das KZ Gusen I gegeben hat? Das hätte einfach erweitert werden können ohne viel Aufwand. Und aus nationalsozialistischer Sicht war es doch viel wichtiger, unterirdische Verlagerungsräume für die Rüstungsindustrie zu schaffen und nicht für KZ-Häftlinge, deren Leben und Sicherheit den Entscheidungsträgern völlig egal war.
Wurde in den Mittelwerken die unterirdische Unterbringung von Häftlingen praktiziert weil sie in kriegswichtiger Produktion eingebunden waren?
Schutz dieser Produktionsarbeiter halte ich für eine mögliche Begründung. Vielleicht handelt es sich beim unterirdischem KZ um eine Übertreibung.

In der Doku wurden noch 2 weitere Agumente angesprochen, der Aushub und die ankommenden Züge mit VErlagerungsgüter. Wurde das auch angesprochen?
 

josef

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Danke für die Aufklärung. Vielleicht könnte man den Kampfausduck -auf die Felder getrieben- vermeiden. Es wurden Luftschutzmaßnahmen für die KZ-Insassen getroffen, wenn auch nur Deckungsgräben und Hocklöcher. Das war mir so nicht bekannt.
Ich war zwar nicht bei dem vom @Geist zitierten Symposium, kann mir aber die Vorgehensweise der "Bewacher" gegenüber den KZ-Häftlingen sehr wohl unter dem Begriff "getrieben" vorstellen!

Bei meinen 2010/11 durchgeführten "vor Ort Recherchen" zur "Mun-Sichtungsstelle Trasdorf" bzw. "Lager Isabella" erzählten mehrere Ortsbewohner übereinstimmend das ihnen von ihren Altvorderen übermittelte Vorgehen gegenüber Kriegsgefangenen bei Luftalarm: Demnach wurden die Gefangenen wie Vieh durch den Ort Trasdorf "getrieben", um die LS-Höhlen am Berghang südlich des Ortes zu erreichen. Es wurde seitens der Wachmannschaften mittels Kolbenhieben und Tritten "nachgeholfen"! Dabei ging es nicht um den Schutz der Gefangenen sondern um den Eigenschutz der begleitenden Bewacher, rechtzeitig in Sicherheit zu kommen...
Auszug aus Beitrag #121 v. 15. Februar 2011:
Die ca. 300 – 400 russischen Kriegsgefangenen des Lagers (=> Objektgruppe 48.), die in der Mun-Sichtungsstelle arbeiten mussten, wurden bei Luftalarm von den Wachmannschaften „durch den Ort (Trasdorf) getrieben“ (Originalwortlaut der Erzählungen - Überlieferung älterer Personen an meine Informanten…), um zu 30 LS-Höhlen beim „Scheuerweg“ zu gelangen. Der „Scheuerweg“ ist ein von der Landesstraße nach Hütteldorf, südlich von Trasdorf, abzweigender Hohlweg. In die Lösswände beiderseits des Weges wurden je 15 kurze Höhlen zum Schutz der Gefangenen während der Luftangriffe gegraben. Eine Abstützung/Auszimmerung der Höhlen erübrigte sich durch die hohe Standfestigkeit des Lösses. Heute kann man noch die Reste von 4 dieser kurzen Höhlen erkennen. Durch die geringe Überdeckung und das ungeschützte, voll offene Mundloch, war der Schutzfaktor natürlich sehr gering!
Im gegenständlichen Fall handelte es sich (nur) um "normale" Kriegsgefangene, da war die "Eskalationsstufe" der Behandlung seitens der Bewacher gegenüber KZ-Häftlingen sicherlich noch höher...
 

Geist

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Danke für die Aufklärung. Vielleicht könnte man den Kampfausduck -auf die Felder getrieben- vermeiden. Es wurden Luftschutzmaßnahmen für die KZ-Insassen getroffen, wenn auch nur Deckungsgräben und Hocklöcher. Das war mir so nicht bekannt.
Das dazugehörige Luftbild findet man in diesem Artikel -> https://media.diepresse.com/images/uploads/7/4/c/5687116/73469-0-1_1568044564066362.jpg . Man sieht sehr gut am oberen Bildrand die SS-Baracken. Das KZ selbst grenzte nördlich an diesen Baracken an.

Wurde in den Mittelwerken die unterirdische Unterbringung von Häftlingen praktiziert weil sie in kriegswichtiger Produktion eingebunden waren?
Schutz dieser Produktionsarbeiter halte ich für eine mögliche Begründung. Vielleicht handelt es sich beim unterirdischem KZ um eine Übertreibung.
Die Häftlinge, die in der unterirdischen Rüstungsproduktion eingesetzt wurden, bekamen zwar schon eine Einschulung an der Maschine, die sie bedienen mussten. Das verlängerte unter Umständen das Leben der Häftlinge, weil sie ein Stückchen notwendiger waren als solche, die "nur" zum Schaufeln und Stemmen eingesetzt wurden, unantastbar machte diese Funktion aber auch diese Häftlinge nicht. Dass man also extra für diese angelernten Häftlinge ein U-KZ errichtet hätte, weil sie für die Produktion so wichtig waren, entsprach sicher nicht der Priorität der Entscheidungsträger. Wenn Häftlinge unterirdisch untergebracht waren, dann höchstens damit sie nicht so viel Zeit mit An- und Abmarsch verbrachten oder damit sie anderen Häftlingen nichts von den Rüstungsprodukten erzählen konnten, an denen sie arbeiteten.

In der Doku wurden noch 2 weitere Agumente angesprochen, der Aushub und die ankommenden Züge mit VErlagerungsgüter. Wurde das auch angesprochen?
Wurde nicht angesprochen oder ich hab's nicht gehört. Verlagerungsgüter kamen allerdings sowieso in die Gegend, weil ja "Bergkristall" in St. Georgen eingerichtet wurde, was etwa 3 km entfernt ist und auch in Gusen selbst gab es ja die Anlage "Kellerbau".
 

Geist

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Da ja die Existenz der Untertageverlagerung "Bergkristall" und die Zwangsarbeit, die durch KZ-Häftlinge geleistet wurde, untrennbar miteinander verbunden sind, poste ich diesen Beitrag im Kurier hier:

Polen will Überreste von ehemaligem KZ Gusen kaufen
Das kündigte Polens Premier Morawiecki bei einem gemeinsamen Besuch mit Merkel in Auschwitz an.
Polen will Überreste des einstigen KZ-Komplexes Mauthausen-Gusen in Oberösterreich kaufen. Dies kündigte der polnische Premier Mateusz Morawiecki am Freitag bei einem gemeinsamen Besuch mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im früheren NS-Vernichtungslager Auschwitz an, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Ziel sei es, die Erinnerung an die Opfer, darunter viele Polen, zu erhalten.

Außenlager von Mauthausen
Im Konzentrationslager Gusen, einem Außenlager des KZ Mauthausen, hielten die Nationalsozialisten bis zur Befreiung durch die Alliierten 1945 mindestens 71.000 Menschen aus 27 Nationen gefangen, mehr als die Hälfte kam zu Tode. Im September hatten bereits ehemalige polnische Überlebende des einstigen KZ-Komplexes Mauthausen-Gusen an die österreichischen Behörden appelliert, die Überreste des Lagers Gusen von den jetzigen Privatbesitzern zu kaufen.
Warschau habe angeboten, die Stätte von Österreich zu kaufen, um diese für die Geschichte zu erhalten, sagte Morawiecki laut dem Bericht, ohne allerdings auszuführen, wie dieser Kauf vonstattengehen könnte. "Wir können nicht erlauben, dass dieser Ort eines früheren Vernichtungslagers in einen Ort verwandelt wird, der des Gedenkens nicht würdig ist", sagte der polnische Premier demnach.
Quelle: Polen will Überreste von ehemaligem KZ Gusen kaufen
 

Geist

Worte im Dunkel
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Mittlerweile wurde der Kurier-Artikel etwas überarbeitet:

Polen will Überreste von KZ Gusen kaufen
Premierminister kritisiert, dass Österreich das ehemalige Außenlager von Mauthausen vernachlässigt.
von Marlene Penz

Harte Worte über den Umgang Österreichs mit dem KZ Gusen im Bezirk Perg (OÖ) findet der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki: „Wir können nicht erlauben, dass dieser Ort eines früheren Vernichtungslagers in einen Ort verwandelt wird, der des Gedenkens nicht würdig ist.“ Und bietet beim Besuch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Auschwitz an, die Überreste des österreichischen Lagers zu kaufen. Damit soll der geschichtsträchtige Ort erhalten bleiben. In dem Außenlager des KZ Mauthausen starben sehr viele von Morawieckis Landsleuten. Auf einer Gedenktafel in der Ortschaft Gusen ist vermerkt, dass 27.821 Polen umkamen.
Tatsächlich gehört das Areal des einstigen Lagers nicht, wie bei Mauthausen, der Republik Österreich, sondern Privatpersonen. Es befinden sich dort Wohnbauten und Firmen. Allerdings gibt es Überreste, die unter Denkmalschutz stehen – etwa zwei SS-Baracken oder Reste der SS-Festhalle, der Steinbrecher, in dem die Häftlinge arbeiteten, sowie der Appellplatz, der 2018 bei Bauarbeiten freigelegt wurden.


1965 wurde eine von Überlebenden westlicher Nationalitäten finanzierte Gedenkstätte in Gusen eröffnet.
© Bild: GMC

Angebot an die Republik

Der Großteil steht im Besitz zweier Unternehmerfamilien, beide wollen ihn veräußern und haben ihn der Republik Österreich bereits angeboten. Die türkis-blaue Regierung hat auch Interesse daran gezeigt: „Es liegt eine Machbarkeitsstudie vom Innenministerium über die Nachnutzung vor“, erklärt Erich Wahl, Bürgermeister von St. Georgen a. d. Gusen.
Im Gemeindegebiet befindet sich der „Bergkristall“, das unterirdische Waffen- und Flugzeugwerk der Nazis. Er selbst sei Ende Oktober bei Innenminister Wolfgang Peschorn gewesen, um nochmals deutlich zu machen, wie wichtig es wäre, diese Stätten zugänglich zu machen und zu erhalten. „Es wäre problematisch, wenn sich hier ein Drittstaat einkaufen würde“, sagt der Bürgermeister.
Auch das Gedenkdienstkomitee Gusen engagiert sich dafür, dass die Republik die Geschichte des KZ beleuchtet und die Reste nicht verfallen lässt: „Seit dem Zerfall der Regierung ist nichts mehr weitergegangen, wir kennen das Ergebnis der Studie nicht. Wir haben eine Petition an die Verhandler von Grünen und ÖVP gerichtet, dass sie das Thema in die Verhandlungen miteinbeziehen“, sagt Martha Gammer vom Komitee.
Wie Warschau die Überreste kaufen will, ist unklar: „Laut der polnischen Verfassung ist es nicht möglich, Grund in Österreich zu erwerben“, erklärt Gammer.
Betrachtet man den desolaten Zustand einiger Objekte, sollte aber rasch gehandelt werden: „Wenn nicht jetzt etwas getan wird, dann ist es bald zu spät“, sagt Christian Aufreiter, der Bürgermeister von Langenstein, zu dem Gusen gehört.

Geschichte: Das vergessene Konzentrationslager

Unter dem Namen KZ Gusen sind drei Lager in Oberösterreich in der NS-Zeit zusammengefasst. Sie wurden als Außenlager des KZ Mauthausen geführt. Das Lager Gusen I wurde 1938/40 in Gusen (Gemeinde Langenstein) gegründet. 1944 folgten Gusen II in St. Georgen a. d. Gusen und Gusen III in Lungitz. Im KZ Gusen waren von 1944 bis April 1945 bis zu doppelt so viele Häftlinge untergebracht wie in Mauthausen – und es gab auch bedeutend mehr Opfer.
Während der sowjetischen Besatzung wurde der Lagerkomplex weitergenutzt und nicht zu einer Denkmalstätte erklärt, sondern als Betriebsstätte fortgeführt. Nach dem Abzug der Besatzungsmacht gingen die Grundstücke wieder an die ursprünglichen Eigentümer zurück oder wurden von der Republik Österreich veräußert.
Überlebende westlicher Nationalitäten haben sich Ende der 1950er-Jahre dort ein Grundstück gekauft und selbst eine KZ-Gedenkstätte gebaut bzw. finanziert. 1997 wurde diese der Republik Österreich übergeben. 2004 wurde die Stätte um ein Besucherzentrum erweitert.

( kurier.at, map ) | Stand: 07.12.2019, 17:00
Quelle: Polen will Überreste von KZ Gusen kaufen
 

josef

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...und auch der ORF-OÖ. berichtet heute über das vorherige Thema:

Polen will Überreste vom KZ Gusen kaufen

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Polen will Überreste des ehemaligen KZ-Außenlagers Gusen kaufen. Diese Ankündigung des polnischen Premierministers wird vom Mauthausen-Memorial, den Verantwortlichen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, skeptisch gesehen. Die vorhandene Gedenkstätte müsse zwar aufgewertet werden, aber durch Österreich.
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Konkret geht es um das frühere Außenlager Gusen des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen. In dem Außenlager sind von den Nazis besonders viele Polen ums Leben gekommen. Daher das Interesse des polnischen Premiers Mateusz Morawiecki, Überreste des Lagers zu kaufen. Es soll damit in einen würdigen Ort des Gedenkens verwandelt werden, so Polens Premier.

„Stimmt nicht, dass noch gar nichts vor Ort ist“
Kritik, die Barbara Glück vom Mauthausen-Memorial, so nicht nachvollziehen kann: „Es gibt das Memorial Gusen, das Krematorium mit einem Besucherzentrum und einer Ausstellung, es gibt eine Zugänglichkeit zum Bergkristall-Stollen. Also, dass noch gar nichts vor Ort ist, stimmt nicht.“ Dennoch müsse die Gedenkstätte aufgewertet werden, so Glück.

„Republik sollte Grundstücke kaufen“
Sie plädiert jedoch dafür, dass die Republik Österreich die derzeit in Privatbesitz befindlichen Grundstücke kauft, denn für sie sei klar, so Glück: „Dass dies nicht nur ein Ort des Gedenkens an die polnischen Opfer ist, sondern dass es ein internationaler Gedenkort bleibt und dort auch noch ein weiterer internationaler Gedenkort entsteht, weil dort natürlich sehr viele Nationen ihre Opfer zu beklagen haben.“ Insgesamt hat es mindestens 71.000 Gefangene aus 27 Nationen gegeben, mehr als die Hälfte kam zu Tode.

Link:
Polen will Überreste vom KZ Gusen kaufen
 
Die LSD-Gräben hätte ich auch erkannt!
Aber (gleich) 13 Luftschächte in einem Stollen? Dann kann der darunterliegende Stollen echt zur Unterbringung der Gefangenen - unterirdisches KZ - gedient haben? Eine Produktion wäre da ja nicht mehr so geschützt.
Das war nicht anderes als eine Vorposten-Linie. Für Luftschächte ist da garnicht genug Aushub, bzw. Arbeitsspuren und sichtbare Bodenverdichtung.
 

josef

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KZ Gusen: Privateigentümer signalisieren Verkaufsbereitschaft
Innenministerium prüft derzeit Optionen für "den weiteren Umgang mit Gedenken in Gusen"

Der polnische Premier Mateusz Morawiecki hat das Kaufinteresse am Freitag bei einem gemeinsamen Besuch mit Angela Merkel im früheren NS-Vernichtungslager Auschwitz angekündigt.
Foto: EPA/ANDRZEJ GRYGIEL

St. Georgen/Gusen/Auschwitz-Birkenau – Polen will Überreste des einstigen KZ-Komplexes Mauthausen-Gusen in Oberösterreich kaufen. Zu dieser Ankündigung sagte der Sprecher des Innenministeriums, Christoph Pölzl, am Sonntag zur APA, dass ein Teil der Privateigentümer eine Verkaufsbereitschaft signalisieren würde. Das Innenministerium prüfe daher aktuell die Optionen für den weiteren Umgang mit Gedenken in Gusen.

Ein Großteil der Grundstücke des einstigen Konzentrationslagers Gusen ist im Privatbesitz. Nachdem ein Teil der Privateigentümer eine Verkaufsbereitschaft signalisiert hatte, habe das Innenministerium 2018 eine Machbarkeitsstudie als Entscheidungsgrundlage "zum weiteren Umgang mit dem Gedenken in Gusen" in Auftrag gegeben. Derzeit prüfe man die Optionen, die darin enthalten sind. Welche Optionen dies sind, wollte Pölzl aber nicht verraten.

Barbara Glück vom Mauthausen-Memorial plädierte am Sonntag in einem Bericht des "ORF Oberösterreich" dafür, dass die Republik Österreich die Grundstücke kaufen sollte. Es sei schon einiges vor Ort und dennoch müsse die Gedenkstätte aufgewertet werden.

Pölzl sagte zur Aussage von Frau Glück, dass sie "als Direktorin für das Mauthausen Komitee Österreich" spreche und die Sache aber eine "politische Entscheidung" sei. Wenn das Innenministerium mit der Prüfung der Optionen fertig sei, brauche es in weiterer Folge eine gemeinsame Entscheidung der Republik Österreich.

Polnischer Premier kündigte Kaufinteresse an
Im Konzentrationslager Gusen, einem Außenlager des KZ Mauthausen, hielten die Nationalsozialisten bis zur Befreiung durch die Alliierten 1945 mindestens 71.000 Menschen aus 27 Nationen gefangen, mehr als die Hälfte kam zu Tode. Dass Polen die Überreste des ehemaligen KZ kaufen möchte, kündigte der polnische Premier Mateusz Morawiecki am Freitag bei einem gemeinsamen Besuch mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im früheren NS-Vernichtungslager Auschwitz an.

Im September hatten bereits ehemalige polnische Überlebende des einstigen KZ-Komplexes an die österreichischen Behörden appelliert, die Überreste des Lagers Gusen von den jetzigen Privatbesitzern zu kaufen.
(APA, 8.12.2019)
KZ Gusen: Privateigentümer signalisieren Verkaufsbereitschaft - derStandard.at
 
Für die KZ auf polnischem Gebiet besteht ja die Sprachanordnung der polnischen Regierung "es sind keine polnischen KZ, sondern deutsche KZ in Polen".
Wie ist es dann mit Gusen: Polen ist Eigentümer von deutschen KZ in Österreich?
 

josef

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Innenministerium hält Studie zu KZ Gusen zurück
Der Erinnerungsfleckerlteppich rund um das KZ Gusen soll zu einem würdigen Gedenkort werden. Im Innenministerium will man sich nicht in die Karten schauen lassen

Am 9. März 1944 begann in St. Georgen unter dem Tarnnamen "Bergkristall" der Bau einer der größten unterirdischen NS-Rüstungsanlagen.
Foto: BIG / Helga Loidold

Man hat sich mit der dunklen Seite der Gemeindegeschichte in St. Georgen an der Gusen nicht immer leichtgetan. So war noch 1989 ein eigener Gemeinderatsbeschluss nötig, um die Zeit des Nationalsozialismus überhaupt in das damalige Geschichtsbuch der Gemeinde zu bekommen. Der Mantel des Schweigens wurde nach 1945 aber nicht nur vonseiten der lokalen Bevölkerung ausgebreitet. Das offizielle Österreich verlegte das Gedenken nach Mauthausen. Und das ehemalige KZ Gusen war Jahrzehnte in der gesellschaftlichen Wahrnehmung kaum präsent. Mehrere Bauten aus der NS-Zeit gingen mit dem Ende der sowjetischen Besatzung in Privatbesitz über.

Mit der Neugestaltung der Dauerausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen verbesserte sich die Situation dank einer stärkeren Einbindung des Lagers Gusen zwar, das zähe Ringen um ein einheitliches und vor allem würdiges Gedenkkonzept ging aber weiter. Das Memorial Gusen, das Krematorium mit einem kleinen Besucherzentrum und die Möglichkeit, den ehemaligen Bergkristall-Stollen zumindest vier Tage pro Jahr begehen zu können, sind für viele nur kleine Mosaiksteine des Gedenkens.

Kritik aus Polen
Wiederholt wurde in den letzten Jahren insbesondere von polnischer Regierungsseite, aber auch von zahlreichen Überlebendenverbänden ein entsprechendes Gesamtkonzept eingemahnt. Zuletzt am vergangenen Wochenende vom polnischen Premier Mateusz Morawiecki.

Dieser kündigte überhaupt an, dass Polen die baulichen Überreste des Lagers zu kaufen gedenke. Es solle damit in einen würdigen Ort des Gedenkens verwandelt werden. Die Möglichkeit zum Kauf bestünde tatsächlich, da drei Grundbesitzer bereits 2018 ihre Verkaufsbereitschaft signalisiert hatten. Konkret stehen das ehemalige "Jourhaus", zwei Häftlingsbaracken und zwei SS-Gebäude sowie das Steinbruchgelände mit einem großen Schotterbrecher und der ehemalige Appellplatz zum Verkauf. Kolportiert wird eine Kaufsumme von rund zwei Millionen Euro.

Langsame Prüfung
Interesse zeigte bereits damals auch die Republik Österreich. Man entschied sich aber zunächst, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Dem Vernehmen nach liegt das Konzept bereits seit einem Jahr im Innenministerium auf dem Tisch – und dennoch hat man sich wieder für den Mantel des Schweigens entschieden. Konkrete Details zur Studie, die immerhin als Entscheidungsgrundlage "zum weiteren Umgang mit dem Gedenken in Gusen" dienen soll, gibt es nämlich aktuell von ministerieller Seite nicht. Geprüft werden aktuell, und das offensichtlich ziemlich genau, mögliche "Optionen".
Auf Landesebene will man sich jetzt aber nicht länger mit einem Verweis auf die Warteschleife zufriedengeben. Noch am Montag deponierte Landeshauptmann Thomas Stelzer (VP) schriftlich seine Bitte in Wien, man möge ihn doch über konkrete Inhalte der Machbarkeitsstudie entsprechend informieren.

Gedenkstättenleiterin Barbara Glück zeigt sich im STANDARD-Gespräch dennoch zuversichtlich, dass die Republik Österreich die geschichtsträchtigen Grundstücke erwerben wird: "Die Aufarbeitung in Gusen ist keine Momentaufnahme, sondern ein längerer Prozess. Aber es ist bereits viel passiert. So etwas geht halt nur in kleinen Schritten."
(Markus Rohrhofer, 10.12.2019)
Innenministerium hält Studie zu KZ Gusen zurück - derStandard.at
 
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