Besitzer einer zu Kriegsende von einem US-Kriegsgefangenen im Raum Braunau entwendeten Kette gesucht

josef

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#1
Wem gehört diese Weltkriegsbeute?
Das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich ist in den Besitz einer im Zweiten Weltkrieg gestohlenen Kette gekommen. Jetzt wird nach jener Familie gesucht, der die Kette im Jahr 1945 entwendet worden war.
Die Geschichte der Kette nahm im Jahr 1945 ihren Anfang, als Stan Muczynsky, ein Angehöriger der amerikanischen Luftwaffe, den Abschuss seines B24-Bombers überlebte und in Krems-Gneixendorf in österreichische Kriegsgefangenschaft geriet. Kurz vor seiner Rückreise in die USA raubte er auf einem Bauernhof eine als „Chariwari“ bezeichnete Schmuckkette.


Whitehall Photography
Eine Abbildung des ehemaligen Kriegssoldaten Stan Muczynsky sowie die Chariwari-Kette, die knapp 70 Jahre lang in seinem Besitz war

Ein gestohlenes „Souvenir“ aus Österreich
„Unter den Soldaten war es zu dieser Zeit nicht unüblich, einen wertvollen Gegenstand aus Österreich mitzunehmen“, erklärt Christian Rapp, der wissenschaftliche Leiter des Hauses der Geschichte im Museum Niederösterreich, in dem die Kette derzeit aufbewahrt wird. „Die Soldaten bezeichneten diese entwendeten Stücke als Souvenirs, die sie mit nach Hause nahmen.“

Muczynsky hatte sich das Schmuckstück der Überlieferung zufolge auf einem Bauernhof in der Nähe von Braunau angeeignet, nachdem er die dort lebende Familie bedroht hatte, um die Herausgabe von Wertsachen zu fordern.

Schlechtes Gewissen bis zum Sterbebett
Knapp 70 Jahre später war es Muczysky selbst, der in hohem Alter ein neues Kapitel in der Geschichte um die gestohlene Kette aufschlug. Sein schlechtes Gewissen hatte ihm Zeit seines Lebens zu schaffen gemacht und meldete sich erneut an seinem Sterbebett. In seinen letzten Lebenstagen sprach der Mathematiker und spätere Schuldirektor Muczynsky darüber, wie die Kette in seinen Besitz gekommen war und vertraute sich seinem Schwiegersohn Richard Smith an.


Museum Niederösterreich
Die Chariwari-Kette zeigt ein kleines Geweihstück und eine Silbermünze

„In diesem Gespräch bat er seinen Schwiegersohn auch darum, seine Kriegsbeute an die Familie zurückzugeben oder zumindest nach Österreich zurückzuführen. Sein Leben lang hatte er sich geniert, die Kette gestohlen zu haben“, erzählt Rupp.

Kette derzeit im Museum Niederösterreich
70 Jahre nach ihrer Entwendung übergab der Schwiegersohn schließlich die Kette dem österreichischen Honorarkonsul in St. Louis, von wo aus sie sich auf den Weg zurück nach Österreich ins Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich machte. Seither sucht das Museum gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung nach der ursprünglichen Familie.


Whitehall Photography
Der Schwiegersohn von Stan Muczynsky (re.) bei der Übergabe der Kette an den amerikanischen Justin Ungerboeck

Rätselraten um Besitzer
Viele Anhaltspunkte zur Familie aus dem Raum Braunau gibt es nicht. Bekannt ist nur, dass Muczynsky die Chariwari-Kette im Jahr 1945 entwendet hatte und der Besitzer heute Mitte 80 sein dürfte. „Die Kette hat ein kleines verkümmertes Geweihstück und eine alte Silbermünze, einen sogenannten Vereinstaler aus dem Jahr 1850. Insofern können wir davon ausgehen, dass die Kette aus dem späten 19. Jahrhundert stammt“, so Rupp. Die Experten gehen davon aus, dass der Bauernhof auch im Raum Salzburg liegen könnte.

Als Chariwari werden silberne oder versilberte Schmuckketten bezeichnet, die individuell mit Geldstücken, verkümmertem Geweih, Tierzähnen, Edelsteinen oder Tierpfoten gestaltet werden. Die Chariwari dient zur Befestigung von Taschenuhren und zur Verzierung von Trachtenlederhosen.

Hinweise und Rückfragen zu der Chariwari-Kette sind beim Museum Niederösterreich möglich: 02742/908090 bzw. info@museumnoe.at

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Publiziert am 23.05.2019
Wem gehört diese Weltkriegsbeute?
 

josef

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#2
Die Geschichte der Kette nahm im Jahr 1945 ihren Anfang, als Stan Muczynsky, ein Angehöriger der amerikanischen Luftwaffe, den Abschuss seines B24-Bombers überlebte und in Krems-Gneixendorf in österreichische Kriegsgefangenschaft geriet. Kurz vor seiner Rückreise in die USA raubte er auf einem Bauernhof eine als „Chariwari“ bezeichnete Schmuckkette.
Zuerst kritisiere ich die fehlerhafte Recherche zum ORF-NÖ. Beitrag:
Der US-Luftwaffenangehörige geriet mit Sicherheit nicht in Krems-Gneixendorf in österreichische Kriegsgefangenschaft!
Der B24-Bomber wurde irgendwo im Luftraum des damaligen Deutschen Reiches, wahrscheinlich im Bereich der damaligen "Ostmark" abgeschossen und der Crew-Angehörige geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft! Darauf hin kam er in das Kriegsgefangenenlager Stalag XVII B in Krems-Gneixendorf!

Der weitere Inhalt der Story dürfte tatsächlich einen realen Hintergrund haben:
Bei Herannahen der Front in den Großraum Krems wurde ein Großteil der Kriegsgefangenen im April 1945 in Fußmärschen nach Westen evakuiert! Siehe dazu den Textauszug aus geheimprojekte.at:
Ab Anfang April 1945 begann die schrittweise Räumung bzw. Evakuierung des Lagers Gneixendorf. Die Gefangenen wurden in Nationengruppen Richtung Westen in Marsch gesetzt. Als Erste verließen die Russen, am 8. April die 4000 Amerikaner, danach die Franzosen und die Übrigen das Lager. Insgesamt blieben nur rund 300 westliche Gefangene und eine kleine Anzahl von Russen im Lager zurück.
In die leeren Unterkunftsbaracken wurden aus dem Osten heranströmende Flüchtlinge und Ostarbeiter aus der Region einquartiert. Der großen Zahl der bei Außenkommandos eingesetzten Gefangenen wurde teilweise freigestellt, den Evakuierungsmarsch in den Westen mitzumachen oder zu bleiben. So verblieben einige tausend dem Stalag XVII B unterstellte Gefangene im Außeneinsatz bis Kriegsende am Ort ihrer Tätigkeit. Rund 10.000 ehemalige Gneixendorfer Lagerinsassen marschierten aber Richtung Oberösterreich, den Amerikanern entgegen. Es wurden Marschpakete von je 500 Mann gebildet und als Bewachung marschierten einige Volkssturmmänner mit.
Die Marschroute führte durch die Wachau, über Mauthausen nach Linz und weiter über Eferding und Altheim zum Weilhartsforst nördlich Braunau. Die Kolonnen brauchten für die rund 300 Kilometer lange Strecke circa 18 Tage. Auch die Insassen von Stalag XVII A aus Kaisersteinbruch waren schon einige Zeit vorher in die Wälder des Weilhartsforstes evakuiert worden. Die Gneixendorfer lagerten in der Nähe des Ortes Überackern. Am 2. Mai 1945 trafen die ersten Einheiten der Armee Pattons ein, die Gefangenen waren somit befreit. Sie verblieben noch bis zum 12. Mai 1945 im Weilhartforst und wurden dann mit amerikanischen Armeelastern zum Flugplatz Pocking gebracht. Hier fand die endgültige Entlassung statt bzw. wurden die Amerikaner, Franzosen, Belgier und Briten mit Transportflugzeugen auf französische Flugplätze ausgeflogen.


Weilhartsforst - Bereich Überackern
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Übersicht OÖ. - Bayerischer Grenzraum beim Zusammenfluss von Salzach und Inn mit "Weilhartsforst" (Kreis)
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josef

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#4
Weiß man ob dort noch Reste zu sehen sind?
Wenn man die Berichte so durchliest, dürften keine großartigen Reste mehr vorhanden sein:

Auszug aus "Braunau-History" , KapitelTragische Ereignisse kurz vor Kriegsende:
Erscheinungen des „Endkampfes“ waren auch in Braunau und Umgebung nicht ohne Konsequenzen: Tausende Kriegsgefangene aus dem Lager Krems-Gneixendorf wurden vor der heranrückenden Roten Armee nach Westen getrieben und kamen nach einem fast dreiwöchigen Marsch am 25. April 1945 im Weilhartsforst bei Überackern an. In einem „improvisierten Lager" sahen sie einem ungewissen Schicksal entgegen, bis am 2. Mai amerikanische Truppen auf das Lager stießen und die Versorgung organisierten.
Nach einem Auszug aus der Ortsgeschichte von Überackern bei http://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/muehlen_in_ueberackern_a.pdf ist für die Epoche 1939 – 1945 zu finden:
Der Zweite Weltkrieg brachte noch größeres Leid über den Ort als der vorhergehende Krieg. Von Anfang an waren die Güter des täglichen Bedarfs rationiert und konnten nur mit Lebensmittelkarten und Bezugsscheinen erworben werden. In den meisten Familien waren die Männer zum Militär eingezogen, und so herrschte überall Arbeitskräftemangel. Die den Bauern zugeteilten Kriegsgefangenen konnten da kaum Ersatz leisten. Die schlimmste Zeit kam aber erst mit dem Ende des Krieges. Ende April 1945 kamen 10.000 Kriegsgefangene in den Weilhartsforst, wo im Wald ein provisorisches Lager für sie errichtet wurde. Diese Gefangenen waren aus dem Lager in Krems-Gneixendorf durch das Näherrücken der russischen Armee nach Westen evakuiert worden. Genau im Gebiet von Überackern kam der Tross kurz vor dem Kriegsende zum Stillstand. Etwa 2000 Gefangene wurden bei den Bauern im Ort einquartiert, davon allein 800 im Stadl der Obermühle! Es dauerte noch mehrere Wochen über das Kriegsende hinaus, bis alle Gefangenen entlassen und abtransportiert waren. Zurück gelassen wurde eine Spur der Verwüstung im Ort.
Demnach müssten etwa 8.000 Kriegsgefangene im Forst ihr Lager aufgeschlagen haben...


...und bei
Barbara Stelzl Marx; "Zwischen Fiktion und Zeitzeugenschaft - Amerikanische und sowjetische Kriegsgefangene im Stalag XVII B Krems-Gneixendorf"
ist zu lesen:

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S. 100-101 Zwischen Fiktion und Zeitzeugenschaft
 
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