Bis 2030 soll Graz eine U-Bahn bekommen

josef

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#1
U-Bahn in Graz: Machbarkeit wird geprüft
Tausende Menschen fahren in Graz täglich mit dem Auto. Dazu kommen tausende Pendler. Das öffentliche Verkehrsnetz stößt immer wieder an seine Grenzen. Einmal mehr taucht daher die Idee einer U-Bahn für Graz auf.
Immer wieder arbeitet man in Graz an alternativen Verkehrsmitteln. Sowohl über der Erde -wie etwa die Idee zur Murgondel- als auch unter der Erde. So diskutiert man in der ÖVP-FPÖ Stadtregierung nun einmal mehr über den Bau einer U-Bahn. Von der Stadt Graz heißt es, dass beide Vorhaben derzeit anhand von Machbarkeitsstudien durch Fachleute geprüft würden.

Ziel sei Entlastung der Verkehrsströme
Eine Art „Mini-Metro“ zwischen UKH und LKH, also eine West-Ost Achse, könnte gemeinsam mit einer Standseilbahn, zwischen Nord und Süd, Entlastung für Graz bringen. Derzeit werden die Verkehrsbewegungen in Graz mit Luftaufnahmen analysiert um zu sehen, wo Entlastung nötig sei.

Verschiedene Varianten für U-Bahn und Gondel
Eine U-Bahn wie etwa in Wien dürfe man sich in Graz nicht vorstellen, heißt es von den Verantwortlichen. Aber es gebe viele Varianten. Etwa eine Unterflurstraßenbahn. Diese autonom geführte Straßenbahn könnte kosteneffizient auf eigener Trasse betrieben werden. Natürlich würde der Bau Geld kosten, sagt Verkehrsexperte Kurt Fallast von der TU Graz, der die Projekte leitet. Allerdings koste auch der KFZ-Verkehr viel Geld. Rund 100 Millionen Euro würde beispielsweise eine Gondel-Verbindung vom Norden der Landeshauptstadt bis nach Puntigam kosten, schildert der Verkehrsexperte.

Pendler und Touristen könnten profitieren
Wenn als Pendler am Weinzödl Parkplatz im Norden etwa in eine Gondel einsteigen können und ohne Umsteigen bis zum Andreas Hofer-Platz gondeln können, sei das ein attraktives Angebot, so Fallast. Die Gondel würde alle 30 Sekunden und nicht alle zehn Minuten -wie ein Bus oder eine Straßenbahn- fahren. Das sei mehr als nur ein politisches Prestigeprojekt.

Außerdem sei eine Seilbahn auch ein touristisches Highlight, das Geld bringe und Graz-Besucher auf attraktiverem Weg in die Stadt befördere. Auch die gemischte Nutzung als Personen und Güterseilbahn wird von den Experten untersucht.

Publiziert am 11.04.2018
http://steiermark.orf.at/news/stories/2906283/
 

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#2
Graz soll Metro bekommen
Bis 2030 soll Graz eine U-Bahn bekommen: Am Donnerstag wurden die Pläne für zwei Linien mit einer Streckenlänge von insgesamt 25 Kilometern präsentiert. Damit will man den Staus, dem Lärm und der Luftverschmutzung entgegenwirken.
Online seit heute, 11.23 Uhr (Update: 15.15 Uhr)
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Dass die Stadt Graz sein Straßenbahnnetz massiv ausbauen will, ist schon länger bekannt – mehr dazu Experte hält Murgondel und Mini-U-Bahn für möglich (8.6.2019).

Machbarkeitsstudie präsentiert
Straßenbahnen sind von Staus aber oft nicht ausgenommen – und hier soll nun eine Mini-Metro Abhilfe schaffen. Diese Idee war bereits im Jahr 1999 Thema des Gemeinderats; 2018 brachte der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) die U-Bahn dann wieder ins Gespräch, und die Pläne wurden konkretisiert. Nun gibt es eine Machbarkeitsstudie, die am Donnerstag präsentiert wurde.

Nagl: „Wir stoßen an unsere Grenzen“
Es sei ein neues Verkehrszeitalter, das in den nächsten Jahren in Graz anbrechen könnte, so Nagl bei der Präsentation: „Graz und der Zentralraum rund um Graz wachsen enorm – fast 500.000 Menschen leben und arbeiten hier, dementsprechend viel Verkehr gibt es auf unseren Straßen und unseren Plätzen.“ Verkehrsüberlastung, Staus, Lärm und Luftverschmutzung sind daher an der Tagesordnung: „Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten bemüht, durch Investitionen in Straßenbahn und Busse die Qualität des Öffentlichen Verkehrs zu verbessern und zu beschleunigen, nur stoßen wir letzten Endes jetzt auch an Grenzen“, so Nagl.

Zwei Linien
Abhilfe sollen nun zwei U-Bahn-Linien schaffen: Die M1 verbindet das UKH mit dem Hauptbahnhof, Lendplatz, Jakominiplatz, Uni, LKH und Berliner Ring, die M2 fährt von Webling über Don Bosco und dem Griesplatz weiter durch Geidorf bis Gösting.
Stadt Graz/Strohecker Architekten/Newages
„Wir brauchen eine attraktive Schnelligkeit bei gleichzeitig hoher Erschließungsqualität. Wenn wir uns anschauen, vom UKH bis zum Berliner Ring in 20 Minuten, so sind das sehr attraktive Fahrzeiten. Ähnliches gilt für die Nord-Süd-Linie, die beim künftigen Nahverkehrsknoten Gösting beginnt und bis nach Webling führt, und das in einer Fahrzeit von 22 Minuten“, sagt Peter Veit, Leiter des Instituts für Eisenbahnwesen an der TU Graz.

Automatisiert, kostengünstig und pünktlich
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h soll die Grazer U-Bahn die geplanten 27 Haltestellen im 2,5- bis Vier–Minuten-Takt vollautomatisch bedienen, erklärt U-Bahn-Experte Michael Lichtenegger: „Ein automatisierter Betrieb bedeutet fahrerlose Züge, es ist sehr kostengünstig zu betreiben, sehr energiesparsam zu betreiben, und es ist unglaublich pünktlich. Ein solch automatisiertes System ist auch sehr sicher, weil die Bahnsteige Türen haben.“

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Stadt Graz/Strohecker Architekten/Newages
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Kosten: 3,33 Milliarden Euro
Die Kosten für den Bau der Infrastruktur und Flotte liegen bei 3,33 Milliarden Euro. Nagl und auch die Experten gingen in ihren Berechnungen davon aus, dass der Bund sich an den Kosten mit 50 Prozent beteiligt; auch das Land Steiermark werde sich beteiligen müssen, um die U-Bahn für Graz möglich zu machen. Zunächst müsse aber erst einmal ein Grundsatzbeschluss fallen. Gibt es diesen und stehe die Finanzierung, werden Einreichpläne gemacht und das UVP-Verfahren abgewickelt – dafür seien drei Jahre einzuplanen.

Inbetriebnahme für 2030 geplant
Die Bauweise soll dann großteils unterirdisch mit Tunnelvortrieb erfolgen – der U-Bahn-Bau selbst könnte damit sehr schnell gehen, sagt Wulf Schubert vom Institut für Tunnelbau an der TU Graz: „Nach fünf Jahren etwa können wir die U-Bahn benützen.“
In Betrieb gehen soll die Metro damit bereits 2030. Die Prognosen der Experten gehen zum Start von täglich 200.000 Passagieren aus; insgesamt sollen dann 450.000 Fahrgäste pro Tag im öffentlichen Verkehr unterwegs sein – das wäre eine Steigerung von 41 Prozent gegenüber jetzt.

Verkehrsstadträtin Kahr für sachliche Diskussion
Verkehrsstadträtin Elke Kahr (KPÖ) – sie war nicht bei der Präsentation der schwarz-blauen Stadtregierung – fordert eine sachliche und unaufgeregte Diskussion um alle Vor- und Nachteile abzuwiegen: Die „am Gemeinderat vorbei beauftragte“ Studie sei genau zu prüfen, „zumal ja die eigentlich zuständigen Fachleute der Stadt nicht eingebunden waren und die S-Bahn als interessante Alternative gar nicht vorkommt. Klar ist aber, dass eine seriöse Abwägung der System-Varianten unabdingbar ist, bevor der Gemeinderat eine Entscheidung treffen kann“.

Es gehe um viel Geld sagte Kahr: „Deshalb ist es auch notwendig, die von uns bevorzugten S-Bahn-Verbesserungen für die Einpendler zu schaffen, weil wir zutiefst davon überzeugt sind, dass vor allem die Menschen wohnortnahe einen guten öffentlichen Verkehr bis in das Zentrum der Stadt brauchen. Da sind wir der Überzeugung, dass das eine S-Bahn leisten kann. Am allerwichtigsten ist, es darf auf keinen Fall dazu kommen, dass das Straßenbahnnetz, das wir weiter ausbauen wollen, deshalb auf Eis gelegt wird, das würde es bedeuten wenn eine U-Bahn kommt.“

Opposition skeptisch
Auch die Opposition ist skeptisch: NEOS spricht von einem „Luftschloss“, Bürgermeister Siegfried Nagl wolle sich lieber sein persönliches Denkmal setzen, als die beste Verkehrslösung für Graz umzusetzen – man fordert einen Ausbau des Straßenbahnnetzes. Ähnlich auch die Grazer Grünen, die sich auch für Maßnahmen über der Erde aussprechen. So soll laut den Grünen ein S-Bahn-Ring um die Stadt gebaut werden. Den U-Bahn-Plänen stehe man skeptisch gegenüber.
Bei der Grazer SPÖ spricht man von einer „schillernden Seifenblase“: "Natürlich ist eine U-Bahn ein reizvoller Gedanke, um sich einen Namen zu machen, ein Denkmal zu setzen. Aber: Die aktuelle Verkehrsmisere löst das nicht“, so der Grazer SPÖ-Klubvorsitzende Michael Ehmann.

Lang sieht bei der Finanzierung den Bund in der Pflicht
Der Verkehrsreferent des Landes, Anton Lang(SPÖ), sagte am Donnerstag zu den Grazer U-Bahn-Plänen: „Die Stadt Graz und das Umland werden in den kommenden Jahren massiv wachsen. Daher braucht es für die Landeshauptstadt und den Ballungsraum im Verkehrsbereich die bestmöglichen Lösungen.“ Die am Donnerstag präsentierten Pläne der Grazer Stadregierung seien jetzt fair und objektiv zu bewerten, sagte Lang weiter. Er sei als Verkehrsreferent für alle Vorschläge und Ideen gesprächsbereit.

Die Finanzierungsfrage könne erst nach Festlegen der konkreten Lösungen geklärt werden – und Lang weiter: „Für mich ist aber klar: Ein Grazer U-Bahn Projekt steht und fällt mit einer Finanzierungszusage des Bundes, denn der Großteil der Kosten muss vom Bund getragen werden“, sagte der steirische Verkehrsrefernt.

Verkehrsministerin Gewessler zurückhaltend
Verkehrsministerin Leonore Gewessler von den Grünen sagte am Donnerstag, sie kenne die Pläne derzeit nur aus den Medien. Man sei mit dem Land Steiermark in guten und weit fortgeschrittenen Gesprächen zu den Ausbauplänen der Grazer Straßenbahn, so die gebürtige Steirerin. Hier bestehe die Möglichkeit, dass sich der Bund erstmals bei förderfähigen Plänen beteiligt, hieß es aus dem Büro der Ministerin. Bei der Weiterentwicklung des stadtregionalen öffentlichen Verkehrs liege der Fokus insbesondere auf dem Ausbau bestehender Systeme, die sich rasch umsetzen lassen, hieß es weiter.
18.02.2021, red, steiermark.ORF.at

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#3
Experte: Metro für Graz macht wenig Sinn
Seit Jahren wird über eine Mini-U-Bahn in Graz diskutiert – am Donnerstag wieder angeheizt durch eine Machbarkeitsstudie. Der renommierte Wiener Verkehrsexperte Hermann Knoflacher hält eine Metro in Graz aber für wenig sinnvoll.
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Die Grazer ÖVP-FPÖ-Stadtregierung präsentierte am Donnerstag eine Machbarkeitsstudie für eine Mini-U-Bahn: Dabei sprachen sich Fachleute einhellig für den Bau zweier Linien aus, eine zwischen Nord und Süd, eine zwischen Ost und West. Insgesamt soll es 27 Stationen geben, die Erstinvestition wird mit 3,3 Milliarden Euro beziffert; die Eröffnung soll bereits 2030 erfolgen – mehr dazu in Graz soll Metro bekommen.

„Nicht optimal“
Er halte von einer U-Bahn für Graz relativ wenig, es sei denn, man wolle die Tunnelbauindustrie fördern – für den öffentlichen Verkehr in Graz wäre sie aber nicht optimal: So fällt die Einschätzung von Hermann Knoflacher, mittlerweile emeritierter Professor am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der TU Wien, zum Thema Mini-Metro für Graz aus.

Was bekommt man für das Geld?
Man müsse sich fragen, was der Bürger für das Geld bekomme, „und der Bürger in Graz würde genauso wie in allen anderen Städten dieser Größenordnung mindestens die zehnfache Länge an Straßenbahnen bekommen – also 25 Kilometer U-Bahn oder 250 bis 300 Kilometer Straßenbahnen. Und man kann sich vorstellen, wie dann der öffentliche Verkehr in Graz funktionieren würde. Das setzt aber voraus, dass die Politik und die Verwaltung in der Lage sind, den Platz an der Oberfläche für die Straßenbahnen frei zu machen.“

Aber auch wenn man U-Bahnen baut, müsse man an den Oberflächen bei den Haltestellen große Fußgängerzonen mitplanen, sagt Knoflacher, und der Zugang zu einer U-Bahn sei aufgrund des Höhenunterschiedes nicht so einfach wie bei Straßenbahnen.

3,3 Milliarden zu niedrig geschätzt
Vergleichbare Städte mit U-Bahnen etwa in Deutschland hätten zudem mit relativ hohen Betriebskosten zu kämpfen – Rolltreppen und Aufzüge verursachen hohe Zusatzkosten, sagt Hermann Knoflacher: 3,3 Milliarden seien da seiner Ansicht nach insgesamt eine viel zu niedrige Schätzung.
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Fahrradgeschwindigkeit
Dass in der Studie eine Geschwindigkeit von 80 km/h angegeben werde, bedeute nicht, dass man tatsächlich mit dieser Geschwindigkeit von A nach B komme, sagt Knoflacher: „Die U-Bahn hat in Graz bei der Haltestellendichte und bei der Streckenlänge im Schnitt eine Geschwindigkeit, die ungefähr mit dem Fahrrad auch gefahren werden kann, und das Fahrrad ist halt immer noch gesünder und billiger.“
Dass Straßenbahnen im Autoverkehr stecken bleiben, könne man mit eigenen Spuren und mit der Bevorzugung bei Signalanlagen verhindern: Solche Maßnahmen seien billiger und wirksamer – man müsse nur den Mut haben, dem Auto den Platz an der Oberfläche wegzunehmen, so Knoflacher abschließend.
19.02.2021, red, steiermark.ORF.at
Experte: Metro für Graz macht wenig Sinn
 
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