"Das Terramare-Schlössl am Heuberg" errichtet 1904

Bunker Ratte

Well-Known Member
#1
Habe heute in Wien, ein Gebäude erblickt, daß mich von seiner Bauart verzauberte! Das auf einem leichten Hang liegende Grundstück mit dem Historisch sehenswerten Gebäude dürfte noch im Originalzustand sein. Auf der Nord-westlichen Seite neben dem Grundstück befindet sich ein Rad u-Fußweg hangabwärts, wo mich auch der Zaun mit den Spitzen und der Stacheldraht darüber auf längst vergangene Zeiten erinnert.

Eine alternde Schönheit am Heuberg: Das Terramare-Schlössl verfällt. Eine Renovierung ist ungewiss.
HERNALS. Viel hat das prunkvolle Anwesen in der Heuberggasse 10 schon erlebt, war es doch der Wohnsitz des österreichischen Dichters und Dramatikers Georg Eisler von Terramare. Danach diente das herrschaftliche Gebäude als Sitz der kroatischen Botschaft und befindet sich nun im Besitz des Staates Bosnien und Herzegowina.

Doch das Baujuwel steht leer und wird zusehends dem Verfall überlassen. Und: Es befindet sich in keiner Schutzzone. Immer wieder wenden sich Leser an die bz und fragen, was hier passiert. So auch Alexandra Bachtiar: "Gibt es denn keine Möglichkeit, das Gesicht Dornbachs zu bewahren? Der ganze Heuberg wird mit Plattenbauten und Betonburgen verbaut." Auch der Künstler Hermann Härtel zeigt sich in Bezug auf das Schlössl besorgt.

Schwierige Zuständigkeiten
Sah es im Jahr 2015 noch so aus, als würde Bewegung in das Geschehen rund um die marode Liegenschaft kommen, ist seither wieder Stillstand eingekehrt und die Zukunft der klassizistischen Villa samt Parkanlage ist nach wie vor ungewiss. Denn: Seit die kroatische Botschaft 2014 aus der ursprünglich prunkvollen Villa ausgezogen ist, steht das Areal leer. Eigentümer ist der Staat Bosnien und Herzegowina, was die Liegenschaft zu einem exterritorialen Gebiet macht und die Thematik zusätzlich verkompliziert.

Im Herbst 2015 sahen Anrainer aufgrund des maroden Baumbestandes auf dem Areal auch die Sicherheit von Passanten durch herabfallende Äste gefährdet. Daraufhin meldete sich auch die Botschaft Bosnien und Herzegowinas zu Wort und übernahm die Beseitigung der Gefahrenquelle, wie der Botschafter Tomislav Leko bestätigte. Die Gefahrenquellen wurden auch tatsächlich aus der Welt geschafft und zu Beginn des Jahres 2016 übernahm der Eigentümer auch den Erhalt und die Pflege des gesamten Baumbestandes am Areal. Damals versicherte Tomislav Leko dem 17. Bezirk, dass an einen Verkauf nicht gedacht werde.

Weiter Ungewissheit
Das ist mittlerweile fast ein Jahr her und in der Causa herrscht seither Stillstand. Der Baumbestand ist zwar inzwischen keine Gefahr mehr, doch ansonsten hat sich im Hinblick auf eine Sanierung oder etwaige Nutzung des Gebäudes nichts Neues ergeben. An der Villa nagt auch weiterhin ungehindert der Zahn der Zeit.

Vom Eigentümer ist nach mehrmaliger schriftlicher Anfrage vonseiten der bz kein Statement dazu zu bekommen. Auch Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer hat keine neuen Informationen: "Bezüglich des Terramare-Schlössls gibt es derzeit nichts Neues zu berichten. Ich bin seinerzeit mit der Botschaft dahingehend verblieben, dass wir über allfällige weitere Schritte der Eigentümer unterrichtet werden. Wann die Renovierungsarbeiten vorgenommen werden, können wir aufgrund des extraterritorialen Status der Liegenschaft nicht beeinflussen." Was mit der Villa geschehen wird, darüber kann nach wie vor nur spekuliert werden.
Quelle: Verfallendes Terramare Schlössl

31.jpg
 

Anhänge

Bunker Ratte

Well-Known Member
#3
Der Dichter "Georg Eisler von Terramare" verbrachte einen Teil seines Vor-Exillebens in diesem Hause!

Der Sohn des Wiener Industriellen Josef Eisler von Terramare[1] und der Engländerin Edith, geb. Bles[2] besuchte das Wiener Schottengymnasium. Danach studierte er in Cambridge und Germanistik an der philosophischen Fakultät in Wien[1], wo er 1913 mit der Dissertation „Andreas Gryphius’ Cardenio und Celinde in der neueren Literatur“[3] abschloss.
1529437470275.jpeg
Ab 1922 leitete er die sehr erfolgreiche Laientheatergruppe Wiener Schottenspiele, bevor er als Regisseur in Bern, Hamburg und Troppau wirkte. 1925 erhielt er vom Wiener Magistrat die Bewilligung, seinen Adelsnamen als bürgerlichen Namen zu führen.[4] 1939 ging er, aufgrund der Nürnberger Gesetze aus "rassischen" Gründen verfolgt, mit seiner Frau, der Schauspielerin Erni Terrel, von der Tschechoslowakei über Italien nach Bolivien ins Exil. Dort gründete er im Oktober 1939 die Kleine Casino-Bühne. Sie spielten anfangs wöchentlich in einem Hotel. Ab 1941 entwickelte sich eine engere Zusammenarbeit mit der Federación de Austriacos Libres en Bolivia und als diese 1944 ein eigenes Domizil bezog, bekam auch das Theaterensemble darin eine Spielstätte.

Er wurde vor allem durch seine katholisch geprägten Mysterienspiele bekannt (Ein Spiel vom Tode, dem Antichrist und den letzten Dingen u. a.).

1959 wurde die Terramaregasse in Wien-Liesing nach ihm benannt.

Seine Frau Erni Terrel (* 2. November 1906, † 27. September 1985, geborene Erna Beutel) schloss sich, nach einem Gastspiel bei der F.D.B. (Freie Deutsche Bühne) in Buenos Aires, mit Fritz - den sie später heiratete - und Ernst Kalmar den Kammerspielen in Montevideo an.
  • Mutter Maria, 1916
  • Matthias Grandeggers Erlebnis, 1920
  • Ein Spiel von der Geburt des Herrn, den Hirten und den Königen, 1921
  • Ein Spiel vom Tode, dem Antichrist und den letzten Dingen, 1922
  • Ein Spiel vom Tode, 1923
  • Stimmen am Wege. Ein Buch um Franz von Assisi, 1924
  • Die Magd von Domrémy, 1925
  • Irmelin. 3 kleine Legenden, 1925
  • Eginhardt im Märchenland, 1927
  • Ein Spiel von den letzten Dingen, 1927
  • Die Auferweckte, 1932
  • Uns ward ein Kind geboren. Wiener Weihnachtslegenden, 1. Aufl. Wien, Ibera Verlag, 1998. ISBN 3-900436-71-1
  • Therese Krones. Schauspiel in 4 Bildern
Quelle: Georg Terramare (Wiki)

33.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
Oben