Debatte über die Gestaltung und Neuausrichtung der Präsentation von Geschichtsmuseen wie z.B. dem HGM-Wien

josef

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#1
Neue Geschichtsmuseen: Auf der Suche nach dem Narrativ
Die Debatte über eine Neuaufstellung des Heeresgeschichtlichen findet zu einer Zeit statt, in der viele Museen mit Wurzeln im 19. Jahrhundert ihre Ausstellungen hinterfragen

Das Zeughaus in Graz ist als historische Waffenkammer als "Museum im Museum" weitgehend im Originalzustand belassen. Nicht überall funktioniert diese Form der Musealisierung.
UMJ/N.Lackner


Das Weltmuseum Wien, vormals Völkerkundemuseum, erfand sich völlig neu: Kritisch zur Kolonialzeit und eigenen Sammlungsgeschichte, mehr auf Augenhöhe mit den dargestellten Volksgruppen.
APA


Das 2017 eröffnete Haus der Geschichte Niederösterreichs in St. Pölten durchbricht die chronologische Erzählform mit Querverweisen bis ins heute: Von der Völkerwanderung spiegelt man die Migrationsthematik bis ins 21. Jahrhundert.
Klaus Pichler


Dem Heeresgeschichtlichen Museum im Wiener Arsenal liegt vielfach noch der heroisierende und kriegsbeschönigende Erzählduktus des 19. Jahrhunderts zugrunde, befinden Kritiker. Jetzt wird an eine behutsame Neuaufstellung gedacht.
APA

Museumsobjekte sind weder gut noch böse. Sie sind zunächst einfach nur Objekte. Bedeutung erlangen sie erst durch den Blick der Museumsbesucher. Sie selbst entscheiden anhand ihrer Vorbildung, politischen Prägung und Erwartungshaltung über den symbolischen Gehalt des Gezeigten. Wichtig ist aber noch etwas: Wie werden die Objekte präsentiert? In welchem Rahmen, in welchem Raum, auf welchem Sockel? Und in welchen historischen Zusammenhang werden sie gestellt? Kurz: Welches Narrativ, welche Erzählung, liefern jene, die die Ausstellung gestalten, für den Betrachter mit?

All diese Fragen stellen sich aktuell in der Debatte um das Heeresgeschichtliche Museum (HGM), wobei es längst nicht das einzige Haus mit Wurzeln im 19. Jahrhundert ist, das einer Neubetrachtung unterzogen wird. Weltweit hinterfragen Geschichts-, Militär- und Nationalmuseen in den letzten 20 bis 30 Jahren ihre Narrative. Zentral dabei ist eine Erkenntnis: Geschichte ist keine Einbahnstraße, die Sicht auf sie ändert sich beständig und hängt vor allem davon ab, wer auf sie blickt.
Multiperspektive ist daher das Zauberwort, das viele Museen heute in ihren Ausstellungen umsetzen wollen – wenngleich viele Einrichtungen im angelsächsichen Raum darunter gerne vor allem einen Auftrag an die Technik verstehen: der Museumsbesuch als Hollywood-Inszenierung und Erlebnispark.

Geschichte im Wandel
Beim HGM kam eine Historikerkommission zu dem Schluss, dass dessen Objekte entweder zum großen Teil in gar kein Narrativ eingebettet werden oder falls doch, zwei Lesarten anbieten: die des 19. Jahrhunderts, wo es darum ging, Krieg als ruhmvolle Erfolgsgeschichte darzustellen; und die Nachkriegserzählung, die auf eine damals durchaus verständliche Neukonstitution der Nation Österreich hinausläuft, wie sie auch der kitschige Heimatfilm der Fünfzigerjahre transportierte.
Dabei könne man es heutzutage nicht belassen, meint im Gespräch mit dem STANDARD etwa Bettina Habsburg, die trotz ihres bekannten Familiennamens einen nüchtern-wissenschaftlichen Blick auf das Erbe der Monarchie hat. Die Historikerin und Museologin am Joanneum Graz hat mehrere Bücher zum Thema Narrative herausgegeben: "Mit jeder Veränderung im Heute ändert sich unser Blick auf das Gestern", sagt sie, "bewegen sich Museen nicht, fallen sie zwangsläufig irgendwann aus der Zeit und werden zu Museen ihrer selbst." Ein solches "Museum im Museum" muss dabei aber nicht per se ein verwerfliches Konzept sein, wenn man es denn kenntlich macht. So präsentiert sich das Landeszeughaus in Graz als historische Waffenkammer im Gesamten als ein einziges Museumsobjekt.

Beim Grazer Museum für Geschichte, an dessen Neuaufstellung Bettina Habsburg mitarbeitete, musste man hingegen "radikal" verändern: Heute seien dort "die Gegenwart, der Mensch und die Regionen der Steiermark Ausgangspunkt der Überlegungen".

Ein ähnliches Konzept verfolgt man in den letzten Jahren auf der Niederösterreichischen Schallaburg: Ergänzend zum großen Narrativ einer kulturhistorischen Schau (zuletzt die Donau, Islam oder Byzanz) werden mehrere zusätzliche Erzählebenen eingefügt, die das Thema zum Beispiel anhand einer individuellen Biografie noch einmal auf das Menschliche herunterbrechen. Die Debatte über das HGM findet der Leiter der Schallaburg, Kurt Farasin, "wichtig und richtig für die gesamte Museumslandschaft". Er plädiert beim HGM für weniger Objekte, aber mehrere Perspektiven darauf, die etwa auch Gegenwartsbezug zulassen.

Versucht hat man das zuletzt beim 2017 eröffneten Haus der Geschichte Niederösterreichs in St. Pölten. Die Ausstellung von der Urzeit bis ins Heute sucht neben der klassischen chronologischen Erzählung immer wieder den historischen Längsschnitt: So führt das Thema Völkerwanderung noch in derselben Ecke der Schau bis zu Flucht und Migration im 21. Jahrhundert, ehe man in der Chronologie zum nächsten Punkt vorrückt.

Belehrung oder Aufklärung?
Gründlich überdacht werden heute vor allem die ethnologischen Museen, deren Sammlungen untrennbar mit dem Kolonialismus verknüpft sind. So hat das 2017 erneuerte Weltmuseum Wien seine Schau nicht mehr wie zu Gründungszeiten üblich nach Weltregionen und Ethnien geordnet, sondern nach Themen und Geschichten, die sich aus dem jeweiligen Teil der Sammlung selbst ergeben.

Die Kultur Japans wird beispielsweise anhand der Wiener Weltausstellung 1873 und der damit einhergehenden Japan-Begeisterung im Jugendstil erklärt. Der Federkopfschmuck nordamerikanischer Ureinwohner wird direkt neben heute getragenen Baseballcaps indigener Aktivisten gezeigt und so ins Heute gespiegelt. Kolonialverbrechen werden nicht verschwiegen, sondern offengelegt, wodurch man Verständnis für heutige Verwerfungen schafft. Videostatements von Vertretern dargestellter Volksgruppen geben zusätzliche Perspektiven.

Kann all das auch zu belehrend werden? "Ich würde den Begriff ‚belehrend‘ nicht verwenden", sagt Museologin Habsburg. "Niemand will heute im Museum belehrt werden. Aber ich sehe mich in meiner Arbeit der Wissenschaft und der Aufklärung verpflichtet. Ich glaube an den Wert der Demokratie und der Menschenrechte." Aufgabe der historischen Museen sei es schon, "das Publikum beim Erwerb eines reflektierten Geschichts- und Politikbewusstseins zu unterstützen". Für Kurt Farasin ist zentral, dass man Besucher herausfordert, sich selbst Fragen zu stellen: "Wenn dann wildfremde Menschen nebeneinanderstehen und zu diskutieren beginnen, ist eine Ausstellung gelungen."

Eine allgemeine Blaupause für Geschichtsmuseen wird man heute nicht mehr festlegen wollen. Die Möglichkeiten aber sind enorm.
(Stefan Weiss, 13.2.2021)

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Geschichtsmuseen des Bundes auf Sinnsuche
Neue Geschichtsmuseen: Auf der Suche nach dem Narrativ - derStandard.at
 

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#2
Heeresgeschichtliches Museum
„Aufräumen“ aufwendiger als gedacht
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„HGM neu denken“ hat eine Historikertagung geheißen, die kürzlich im Wiener Literaturhaus stattgefunden hat. Nach knapp zweijähriger Debatte wird es nun tatsächlich ernst mit der Neuaufstellung des Heeresgeschichtlichen Museums (HGM) Wien. Laut Historikerkommissionsleiter Wolfgang Muchitsch ist man aktuell in der „kritischen Phase“ – und es könnte zu weit höheren Investitionen kommen, verriet er gegenüber ORF.at.
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Debattenansätze und einzelne kritische Wortmeldungen hatte es in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach gegeben, nicht zuletzt auch initiiert und aufgegriffen von der österreichischen Literatur: „Eine der merkwürdigsten Einrichtungen der Stadt“ nannte Ingeborg Bachmanns „Malina“ 1971 das HGM. Und 1991 fragte Gerhard Roth in der Essaysammlung „Eine Reise ins Innere von Wien“: „Wer spricht in diesem Museum von den Gefangenen, die zu Hunderttausenden ums Leben kamen? Wer von den Krüppeln? Wer von dem Hunger in den Städten, der zu Kriegsende in Wien so groß war, dass man Waggons mit Weizenlieferungen an die Front beschlagnahmte?“

Roths Fragen nach einer angemessenen Repräsentation der Kriegsgräuel stellen sich auch in der laufenden Debatte – und erstmals in der Geschichte des Hauses könnte jetzt alles anders werden: Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte das HGM im Spätsommer 2019, als kritische Medienberichte eine „zutiefst rückwärtsgewandte Geschichtsvermittlung (…) bis hin zu einer Offenheit für Rechtsextremismus“ beanstandeten – zunächst im grünennahen Blog „Stoppt die Rechten“. Der schwerwiegendste Vorwurf damals: Im Museumsshop würden Nazi-Erinnerungsstücke verkauft und Literatur, die die Wehrmacht verherrlicht.

HGM
Unter starker Kritik steht der gesondert evaluierte HGM-Dauerausstellungsabschnitt „Republik und Diktatur“: Viele Uniformen und NS-Insignien, wenig Erklärung, so lautet der Vorwurf

Im Oktober 2020 stellte schließlich ein Rechnungshof-Bericht „gravierende Mängel“ fest, die vom Fehlen eines wirtschaftlichen Überblicks bis hin zur unzureichenden Erfassung der eigenen Sammlung reichten und den seit 2005 amtierenden Direktor Christian Ortner stark unter Druck setzten. In direkter Reaktion auf den Bericht wurden mehrere Historikerkommissionen eingerichtet, die den Shop, den besonders kritisierten Saal zur Geschichte von 1918 bis 1945 und das ganze Haus evaluierten – mit teils weitreichenden Empfehlungen. Da stellt sich jedenfalls die Frage: Warum erst jetzt?

„Vorauseilende Resignation“ der Historiker
Es habe von ihrer Zunft in den vergangenen Jahrzehnten eine „vorauseilende Resignation“ gegeben, meint die Historikerin Heidemarie Uhl nun selbstkritisch gegenüber ORF.at. Man habe „von vornherein das Gefühl gehabt, man läuft gegen Windmühlen an“, so Uhl, die das Haus bei einem musealen „Stand der 70er, 80er Jahre“ sieht.

Wie schon bei der Tagung „HGM neu denken“ sprechen sich Uhl und ihr Kollege Muchitsch auch im ORF.at-Interview für eine „echte Neugründung“ aus. „Geht es nicht darum zu sagen, wir wollen ein hervorragendes Museum?“, plädiert Uhl für eine Lösung, die über die Ausräumung der „ärgsten Kritikpunkte“ hinausgeht. „Nicht das Stückwerk der vergangenen Jahre und Jahrzehnte fortführen“, mahnt auch Muchitsch, Chef des Österreichischen Museumsbunds und des Grazer Joanneum-Verbands, der die Expertenkommission zu den HGM-Daueraustellungen leitete. Bisherige Neugestaltungen hatten sich darauf beschränkt, nur an den Stellschrauben einzelner Abschnitte neu zu drehen.

4,3 Millionen Euro nur „erster Schritt“
Wie grundlegend die Reformen sein werden, wird sich auch an der Höhe der Investitionen zeigen: „Wir sind fest entschlossen, dieses Problem nachhaltig zu lösen“, verlautbarte das Verteidigungsministerium im Mai in einer Medienaussendung. Schon nach Bekanntwerden des Rechnungshof-Berichts hatte Verteidigungsministerin Claudia Tanner eine Finanzspritze von 4,3 Millionen Euro angekündigt, die die Modernisierung vorantreiben soll. Das sei ein „erster Schritt“, heißt es aus dem Ministerium auf Nachfrage von ORF.at.

ORF.at/Zita Klimek
Auch zu sehen im HGM: Der Prototyp des Albatros B II aus dem Ersten Weltkrieg, eines von zwei original Flugzeugen

Dass die Summe weit höher sein könnte, damit habe man sich im Ministerium „bereits abgefunden“, zeigt sich wiederum Muchitsch optimistisch. Es sei „glaubhaft, dass man an einer großen Lösung interessiert ist“, versichert der Historiker, der mit einem ähnlichen Budget wie für die Renovierung des Deutschen Historischen Museums rechnet. Die mit einer vergleichbaren Ausstellungsfläche ausgestattete Berliner Institution wird derzeit um mehr als 40 Millionen Euro Gesamtkosten neugestaltet.

Nächste Schritte
Als nächste Schritte sind nun bis zum Sommer die Zusammenstellung eines wissenschaftlichen Beirats sowie bis Herbst eine Neuausschreibung des Direktorenpostens geplant. Ortners Vertrag ist bereits seit Längerem ausgelaufen.

In der Ausgestaltung des Beirats sowie der Direktionsausschreibung werde man ablesen können, ob der „Bestand weiterverwaltet“ werde „oder ob es tatsächlich eine Neugründung gibt“, betont Muchitsch, der von einer „besonderen Verantwortung“ des HGM sprach. Das Haus ist das einzige Museum des Bundes, das die österreichische Geschichte vom 16. bis ins 19. Jahrhundert vermittelt.

Glanz und Glorie der Habsburger
Was sich genau ändern soll: „Die Ansprüche der Darstellung einer modernen Militärgeschichte“ seien „über weite Strecken nicht gegeben", so lautet noch einmal kurz gefasst die Conclusio des Kommissionsberichts. Während das Museum seine Besucher mit dem pazifistischen Motto „Kriege gehören ins Museum“ auf dem Portal begrüßt, habe sich im Inneren des 1869 errichteten k. u. k. Hofwaffenmuseums, so die Kritik, nur wenig verschoben: Die Vermittlung von Glanz und Glorie der kaiserlichen Truppen, die damals im Vordergrund stand, um die Kriegsmoral von Zivilbevölkerung und Militär zu stärken, sei nur bedingt gebrochen, so der Bericht.

Als „Paradies für Fans von Militaria“ ist das HGM auch heute bekannt: Wer Waffen, Geschütze, Uniformen, Fahnen und Schlachtengemälde sehen will, ist dort bestens aufgehoben, nicht aber jene Interessierten, die sich kontextualisierende Informationen wünschen, was nicht zuletzt für den besonders scharf kritisierten Bereich „Republik und Diktatur“ gilt, wo viele Hitler-Bilder ausgestellt sind.

Zugleich würden im HGM andere Perspektiven als die herrschaftliche fehlen: „Wo ist der einfache Soldat, wo die betroffene Zivilgesellschaft, die Perspektive ‚Feinde‘?“, so Muchitsch gegenüber ORF.at. Es mangle auch an Bezügen zur Gegenwart und Zukunft; die Schau endet 1991. „Gibt es überhaupt einen gerechten Krieg? Wie kann man Krieg legitimieren, wann und wie wurde Krieg legitimiert? All diese Fragen, die das Militär selbst zutiefst bewegen, werden hier nicht gestellt“, ergänzt Uhl.

Vorbild Dresden
Der Reformbedarf der Ausstellung sei „aber nur das Offensichtlichste“, meint Muchitsch und nennt ein fehlendes erkennbares Gesamtkonzept, eine Ergänzung der aus der Habsburger-Zeit stammenden Sammlungsbestände, bauliche Adaptionen und die Erweiterung des militärgeschichtlich und waffentechnisch versierten Teams um andere sozial- und geschichtswissenschaftliche Perspektiven als Desiderate des Hauses.

Was sich jedenfalls nicht ändern wird, ist die oft kritisierte Zuständigkeit des Verteidigungsministeriums: Eine Eingliederung in die Bundesmuseen ist derzeit vom Tisch. Diese museale Sonderstellung funktioniere aber auch anderswo gut, so Muchitsch. Das Militärhistorische Museum in Dresden, eines der Vorbilder für die HGM-Neugestaltung, wird ebenfalls vom Verteidigungsressort verwaltet.
17.06.2021, Paula Pfoser, ORF.at

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Heeresgeschichtliches Museum: „Aufräumen“ aufwendiger als gedacht
 

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#3
MUSEUMSPOLITIK
Heeresgeschichtliches: Fortschritt, Kritik und ein neuer Beirat
Beim Reformprozess des Heeresgeschichtlichen Museums gibt es zarte Fortschritte, aber auch Kritik: Ein Viererpräsidium soll das Haus nun laufend beraten

Das Heeresgeschichtliche Museum wurde 1869 vom Parlamentsarchitekten Theophil Hansen erbaut.
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Der Saal zur Revolutionszeit 1789 bis 1848.
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Am schärfsten kritisiert: Der Saal "Republik und Diktatur" zur Zeitspanne 1918 bis 1955.
APA

Langsam, aber doch kommt der Reformprozess rund um das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) in Gang. Das älteste Museum Wiens, das organisatorisch dem Verteidigungsministeriums unterstellt ist, geriet 2019 in die Kritik: Die museale Darstellung der österreichischen Militärgeschichte vom 16. bis ins 20. Jahrhundert sei größtenteils unzeitgemäß, unkritisch und habe zahlreiche Leerstellen. Eine Historikerkommission kam zu dem Schluss, dass den Ausstellungen vor allem eine kultur-, politik- und sozialhistorische Perspektive fehle und diese sich zu sehr auf Militärgeschichte "vom Feldherrenhügel aus" sowie unkritische Habsburg-Huldigung verengten.

Hinzu kam 2020 noch ein desaströser Rechnungshofbericht, der der Führung des Museums zahlreiche Mängel vorwarf. Christian Ortner, seit 2005 Direktor des HGM, ist noch im Amt, sein Posten soll aber demnächst neu ausgeschrieben werden. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner schloss Ortners Wiederbestellung zwar nicht aus, sie hielt nun in einer Aussendung aber erneut fest, dass man "das Museum auf neue Beine stellen" müsse. "In den letzten Jahrzehnten sind Fehler und Versäumnisse passiert, die es jetzt zu tilgen gilt." Dass das aber ohne neues Führungsteam gelingen kann, dürfte schwer zu argumentieren sein.

Als erste Maßnahme installiert wird nun ein international und interdisziplinär besetzter wissenschaftlicher Beirat. Den Vorsitz führt der Museumsbund-Chef und Direktor des Grazer Joanneums Wolfgang Muchitsch, der auch die eingangs erwähnte Historikerkommission leitete. Erstmals zusammentreten dürfte der Beirat im Februar. Seine Zusammensetzung war zuletzt Verhandlungssache zwischen Muchitsch und dem Verteidigungsministerium (BMLV). Laut STANDARD-Informationen ist der Beirat mittlerweile sehr umfangreich, weswegen beschlossen wurde, eine Art Kernteam, das als Präsidium bezeichnet wird, zu gründen.

Irritation, Kritik, Erwartung
Dieses Präsidium gab Tanner am Donnerstag bekannt. Es setzt sich zusammen aus Muchitsch, der Historikerin und Direktorin der Gedenkstätte Mauthausen, Barbara Glück, dem pensionierten General Horst Pleiner sowie dem Historiker Wolfgang Müller, der schon bisher Chef der Militärhistorischen Beiratskommission im BMLV war. Ein fünftes Mitglied dürfte später noch dazukommen, heißt es. Ein kursierender Erstentwurf der Ausschreibung zur Direktion ruft hingegen bereits Kritiker auf den Plan – konkret weil in dem Entwurf einzig österreichische Staaatsbürger zur Bewerbung zugelassen sein sollen und weil sich die Ausschreibung zu sehr an BMLV-interne Kandidaten richte.

Öffentlich stellte Tanner hingegen klar, dass das neue Präsidium in die Ausschreibung und Bestellung der Direktion eingebunden sein soll. Gut möglich also, dass sich die Kriterien der Ausschreibung noch ändern könnten.

Über die Zusammensetzung des erweiterten Beirats ließ Tanner noch nichts verlautbaren, hinter den Kulissen gab es dabei aber bereits Irritationen. So herrscht Verwunderung darüber, dass die Direktorin des Hauses der Geschichte und Museologin Monika Sommer sowie Peter Aufreiter, Direktor des Technischen Museums, zwar vorgesehen waren, dann aber vom BMLV wieder ausgeladen wurden. Gerade mit diesen Museen habe das HGM aber wesentliche Überschneidungen, heißt es.

Zu wenig Museumsexpertise?
Kritisch gesehen wird, dass zwar in Summe viel akademisches Wissen, aber zu wenig Museumsexpertise vertreten sein könnte, obwohl es beim Reformprozess gerade auf Fragen der praktischen Umsetzung ankommen würde. Trotzdem dürften von den für den Beirat nun vorgesehenen Expertinnen und Experten nach wie vor etwa 50 Prozent dem aktuellen HGM gegenüber kritisch eingestellt sein. Inwieweit jene vom BMLV Nominierten größere Veränderungen mittragen, wird sich erst zeigen.

Zahlreiche Analysen und Anregungen finden sich in einem Buch, das inzwischen zur HGM-Debatte erschienen ist. Die Kulturwissenschafterin Elena Messner und der Politologe Peter Pirker haben das Werk Kriege gehören ins Museum – Aber wie? im Atelier-Verlag herausgegeben. Über 40 Wissenschafter, darunter auch die nunmehrigen Präsidiumsmitglieder Wolfgang Muchitsch und Wolfgang Müller, haben sich darin Gedanken zu Vergangenheit, Status quo und Zukunft des HGM gemacht.
(Stefan Weiss, 18.12.2021)
Heeresgeschichtliches: Fortschritt, Kritik und ein neuer Beirat
 

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#4
Neuer Leiter im Heeresgeschichtlichen Museum
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Der Historiker Georg Hoffmann (43) wird ab 2023 neuer Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums (HGM). Das gab das Verteidigungsministerium via Aussendung bekannt. Amtsinhaber M. Christian Ortner wird nach 17 Jahren nicht wiederbestellt.
Online seit heute, 9.29 Uhr
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Mit der Abteilungs- und Referatsleitung für Administration und Betrieb wurde zusätzlich ein neuer Posten geschaffen. Diese Funktion wird die Rechtswissenschaftlerin Stephanie Pracherstorfer-Prigl übernehmen, wodurch es erstmalig eine Frau in der Position der stellvertretenden Leitung des HGMs gibt, wie es heißt.

Durch die Schaffung der neuen Funktion sei es „uns gelungen, Wissenschaft und Wirtschaft bzw. die kaufmännischen Belange des Museums klar zu trennen“, so die Ministerin. Dadurch könne sich der gebürtige Steirer Hoffmann „voll und ganz der wissenschaftlichen Weiterentwicklung des Heeresgeschichtlichen Museums widmen und die wirtschaftlichen Belange werden auf eine professionelle Grundlage gestellt“. Tanner sieht somit den Weg „für ein modernes und zeitgemäßes Museum“ ermöglicht.

Bestellung für Jänner geplant
Hoffmann wird seitens des Ministeriums als „ein zukunftsorientierter Wissenschaftler mit einem Verständnis für museale Gestaltung“ bezeichnet. Als Militär- und Zeithistoriker, Ausstellungskurator und Milizoffizier bringe er die geforderten Voraussetzungen für die Führung des Museums mit. Die Bestellung soll im Jänner erfolgen.
APA/BUNDESHEER/CARINA KARLOVITS
Hoffmann war von 2017 bis 2019 Kurator am Haus der Geschichte (hdgö)

Hoffmann war von 2008 bis 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Karl-Franzens-Universität Graz, danach wechselte er nach Wien wo er von 2017 bis 2019 als Kurator am Haus der Geschichte Österreich (hdgö) arbeitete. Danach wechselte er für ein Jahr ins Österreichische Staatsarchiv, bevor er einige Monate als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Landesverteidigungsakademie wirkte. Im Herbst 2021 wechselte er als Historiker ins Bundesministerium für Landesverteidigung.

Kritik an Umgang des Museums
In den vergangenen Jahren hatte es zahlreiche kritische Stimmen über den Umgang des Museums mit der militärischen Vergangenheit Österreichs sowie Vorwürfe der Offenheit für Rechtsextremismus gegeben. Nach einem kritischen Rechnungshof-Bericht wurden 2020 mehrere Evaluierungskommissionen damit beauftragt, den Shop, den Saal zur Geschichte 1918-1945 sowie das ganze Haus zu evaluieren. Vor zwei Jahren hatte das Verteidigungsministerium eine umfassende Reform des HGM inklusive Neuausschreibung der Direktion angekündigt. Ortner behielt sein Amt seither weiter, obwohl sein Vertrag bereits seit längerem ausgelaufen war.

Ausgeschrieben wurde die Stelle erst im Juni 2022. Auf einem Dreiervorschlag fanden sich dann dem Vernehmen nach Hoffmann, Ortner und Dominik Kimmel vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. Museologen und Wissenschafter forderten daraufhin, die Leitungsposition neu auszuschreiben. In einem offenen Brief kritisierten sie ein intransparentes Berufungsverfahren und die Auswahl von Personen, die dem Verteidigungsministerium nahestehen. Daraufhin wurden drei weitere Kandidaten zu Gesprächen mit einer Personalberatung geladen.

Mobbingvorwürfe gegen Ortner
Im Zuge der Neuausschreibung erhoben laut Medienberichten mehrere Museums-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter Mobbingvorwürfe gegen Ortner, die dieser zurückwies. Indirekt nahm Tanner auf diese nun auf Ö3 allerdings Bezug: „Eines ist schon der Punkt: Neben inhaltlicher Eignung ist auch etwas anderes notwendig – das ist, schon auch verbindend und ausgleichend zu sein.“
21.12.2022, red, wien.ORF.at

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Neuer Leiter im Heeresgeschichtlichen Museum
 

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#5
Umstrittener HGM-Saal wird umgestaltet
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An einem geschichtsträchtigen Datum, am 8. Mai, schließt das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) den umstrittenen Saal „Republik und Diktatur“. Es ist ein erster Schritt einer lange geforderten Reform und Umgestaltung des Museums.
Online seit heute, 15.35 Uhr
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Das Datum der Schließung habe man bewusst mit dem Jahrestag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 gewählt, so Direktor Georg Hoffmann. Die Errichtung des Saals im Jahr 1998 sei damals „bahnbrechend“ gewesen, da es sich um die erste museale Befassung mit der Zeitspanne 1918 bis 1945 gehandelt habe. „Doch in den vergangenen 25 Jahren hat sich in der Wissenschaft und in der gesellschaftlichen Diskussion viel getan“, weshalb eine Neubetrachtung und Umgestaltung dringend notwendig sei.

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Die Planung für die Neugestaltung soll eng abgestimmt mit dem neuen Beirat so bald wie möglich starten. Bis 2025 bleibt der Saal zwar geschlossen, soll aber punktuell in die Vermittlungsarbeit miteinbezogen werden. Denn: „Der Raum soll in der Zeit ja nicht verschwinden.“ Grundsätzlich schwebt Hoffmann vor, Schicksale von Personen hinter den Objekten sichtbarer zu machen. Zum Republiksjubiläum im Jahr 2025 soll der 900 Quadratmeter große Raum in neuem Licht erstrahlen.

Breit angelegte Zusammenarbeit
Hoffmann will in den Umgestaltungsprozess zahlreiche Institutionen einbinden und „Diskussionen ins Museum holen“. er wolle mit einer breit angelegten Zusammenarbeit mit Institutionen vom Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien über Universitäten bis zur Initiative #HGMneudenken „ein Zeichen setzen“. Die Einladung an unterschiedlichste, auch internationale Kooperationspartner werde demnächst verschickt.
Einer mögliche Zusammenarbeit mit dem Haus der Geschichte Österreich (hdgö) steht Hoffmann, der dort von 2017 bis 2019 als Kurator tätig war, auf APA-Nachfrage sehr offen gegenüber. Die Herauslösung des HGM aus dem Verteidigungsministerium, die von Kritikern gefordert wurde, hält er hingegen für nicht sinnvoll.

Mehr Raum für Thema Holocaust
Auch die Frage, „wie man Gewalt heute ausstellen soll“, müsse hinterfragt werden. Wichtig sei es, stets auch die Folgewirkungen von Ereignissen bis hinein in die heutige Gesellschaft mitzudenken und abzubilden. Auch dem Thema Holocaust sowie der Errichtung der Demokratie nach 1945 soll mehr Raum als bisher gegeben werden. „Hier wurde zwar eine Diskussion aufgemacht, aber nicht zu Ende geführt“, sagte Hoffman bei einem Rundgang durch den Saal.

„Die museale Debatte ist an einem neuen Punkt angelangt, nicht zuletzt durch den Umstand, dass wir fast 80 Jahre nach Kriegsende am Ende der Zeitzeugenschaft angekommen und in eine neue Phase des kollektiven und kulturellen Gedächtnisses eingetreten sind“, so der HGM-Direktor. Grundsätzlich schwebt ihm ein interaktiver, aber auch veränder- und wandelbarer Raum vor, der laufend an neue Erkenntnisse angepasst werden könne: „Diskussion steht vor Präsentation.“
26.04.2023, red, wien.ORF.at/Agenturen

Umstrittener HGM-Saal wird umgestaltet
 

wolfsgeist

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#6
Umstrittener HGM-Saal wird umgestaltet
Anhang anzeigen 111397

An einem geschichtsträchtigen Datum, am 8. Mai, schließt das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) den umstrittenen Saal „Republik und Diktatur“. Es ist ein erster Schritt einer lange geforderten Reform und Umgestaltung des Museums.
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Umstrittener HGM-Saal wird umgestaltet
D.h. am 7.5. wird dort bei freiem Eintritt die Hölle los sein...
hgm.at
An jedem ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt für alle Besucher*innen frei!
 

josef

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#7
20 neue Jobs im HGM als „Meilenstein“
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Das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) verstärkt sein Team um mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es sei ein „Meilenstein“ für die Neuausrichtung des Museums, sagte Direktor Georg Hoffmann.
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Neue Mitarbeiter sollen vor allem die Bereiche Kuratieren, geschichtliche Forschung, Objektmanagement und Restaurierung stärken. Das HGM könne damit seiner Aufgabe nicht nur als Ausstellungshaus, „sondern auch als gesellschaftliche und auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Diskussionsplattform und als Bildungseinrichtung im Bundesheer nachkommen“, so Hoffmann.

Als Folge des „wichtigen Schrittes“ könnten nun interne wie externe Abläufe verbessert sowie die inhaltlichen und organisatorischen Anforderungen an ein zeitgemäßes Museum und Forschungsinstitut erfüllt werden.

Forschung als inhaltlicher Motor des HGM
Ziel sei es, Geschichte im HGM nicht nur zu präsentieren, sondern als Diskussionsort von Geschichte zu etablieren. Dabei solle über die Epochen hinweg nicht nur die Geschichte des Militärs, sondern insbesondere die Rolle des Militärs in der Gesellschaft, Krieg als Gesellschaftszustand sowie der Mensch als Akteur in der Geschichte beleuchtet werden, heißt es in einer Aussendung des Verteidigungsministeriums.

Die neue Struktur des HGM umfasst spezialisierte Forschungsbereiche und einen neuen Schwerpunkt im 20. Jahrhundert. Neben der historisch-inhaltlichen Forschung, soll auch die theoretische, objektzentrierte und museumswissenschaftliche Forschung vorangetrieben und die Provenienzforschung gestärkt werden. Die Forschung werde zum inhaltlich-theoretischen Motor des HGM.
„Im Sinne der geistigen Landesverteidigung“
Mit der personellen Verstärkung wurde ein erstes Ziel des Erneuerungsprozesses erreicht. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hatte den im Februar 2023 eingeleitet. Die Reform „sei ganz im Sinne der Stärkung demokratischer Werte in der Gesellschaft und einer Geistigen Landesverteidigung“, betonte Tanner.
22.05.2024, red, wien.ORF.at/Agenturen

20 neue Jobs im HGM als „Meilenstein“
 
#8
Erfolgsbilanz? im HGM

Was hat Hr. Hoffmann bis jetzt erreicht? Der neueste Saal der Stammausstellung Republik und Diktatur(erst in den 90er Jahren durch den damaligen Direktor Rauchensteiner eingerichtet) ist völlig veraltet, stellt falsch dar und gehört kontextualisiert, damit sich die Generation Schneeflockerl nicht darin fürchten muß. Das erste Fertigstellungsdatum 2025(80 Jahre Kriegsende) hat man schon einmal verpaßt, mittlerweile wird die Eröffnung für 2026 angekündigt. Als ich neulich dort war(Fotos machen vor Schließung Saal 1 und 2) konnte ich vom Cafe aus noch darin die Tische und Sessel von der Generalversammlung des Fördervereins herumstehen sehen(war im Frühjahr 2024) - sprich stehen dort seit 1 Jahr unberührt? Deswegen glaube ich nicht ganz, daß 2026 wieder eröffnet wird. Saal 1 und 2 sind mittlerweile auch schon zu, wobei beim letzten Mal, war der Seitensaal darin mit den Gewehren, gar nicht mehr offen. D.h. mit Saal 1, 2 und Republik und Diktatur sind derzeit fast 25 % des Museums nicht geöffnet. Im Geiste der neuen Führung gibt es jetzt Pseudodebatten wie, ich nehme einen Gegenstand her(z.b. den "Wallensteinbrief" an Pappenheim, bewerte ihn negativ und tu so als könnten sich die Besucher daran beteiligen. Nur steht das Ergebnis von vorhinein eh schon fest und die Debatte ist nichts anderes als Augenauswischerei. Der Youtube-Kanal offline, der Online-Katalog offline! Mittlerweile wird bei Letzteren dort statt den digitalisierten Beständen nur die 3D-Ansichten der Räume angezeigt(noch vom geschasten Vorgänger als Direktor) Den Jahresbericht 2023 erhielt im am vorletzten Tag der Veröffentlichungspflicht(30.12.2024). Die Außenstelle Ungerberg wird angeblich noch immer umgebaut, wobei ich persönlich eher vermute, daß die Klärung der Haftungsfrage noch immer offen ist(Grundstück gehört der ÖBB). Dafür gibts jetzt 20 Leute mehr Personal, alle recht fähig, zwar nicht gerade Militärhistoriker - aber des muß man ja nicht gerade sein um im Heeresgeschichtlichen Museum arbeiten zu können. Die Badewascheln(Aufsichtspersonen) in den Wiener Bäder früher mußten ja auch nicht schwimmen können. Sonderaustellung war neulich eine dubiose Kunstangelegenheit. Wahrscheinlich ist der Leitung kein militärisches Thema eingefallen, was soll man auch behandeln bei 500 Jahren Militärgeschichte? Im Kaiser Franz Josef-Saal konnte man den neuen Zeitgeist auch schon etwas erahnen. Das gabs eine Vitrine, deren Inhalt man leider nicht sehen konnte, weil die Museumsführung es besser hielt Poster davor anzubringen mit nichtssagenden Ansichten(ohne Erklärung natürlich! - diese Bilder erfordern keine Kontextualisierung!) Ja meine schlimmsten Befürchtungen für das HGM wurden leider wahr. Ich vermute in ein paar Jahren wird das HGM genauso wie das Miliärmuseum in Dresden sein: zerstört, neugeistig eingerichtet, ohne Zuschauer und ohne Waffen.
 

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cerberus9

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#9
Da Muße ich dir leider recht geben. Ich sehe es ebenfalls so. Alles nur Alibidiskusionen. War neulich bei einem Vortrag der als Podcast "Eine Stunde Geschichte" gesendet wurde. Titel war "Die letzten Monate des Krieges". Was Stalingrad und die Anzahl der Konzentrationslager in Deutschland und deren Belegungszahlen mit den letzten Monaten des Krieges zu tun haben, erschließt sich mir bis heute nicht. Über das vorgegebene Thema wurde eigentlich so gut wie gar nicht gesprochen. Erst als das Publikum Fragen stellen durfte, kam man dem Thema näher. Naturgemäs bezogen sich die Fragen auf Österreich. Leider waren da die deutschen Historiker ziemlich blank. Alle Fragen wurden ausweichend beantwortet. Selbst der Direktor es HGM konnte, trotz seiner eigenen Wortmeldung, die Frage warum Österreich bei der Befreiung einen Sonderstatus hatte, nicht wiklich erklären. Erst ein anderer Zuhörer aus dem Puplikum beantwortete die Frage. Wenn wirklich einige Exponate nicht mehr gezeigt werden, bzw. zurückgegeben werden sollen, wie man hört (zB. das türkische Zelt, weil es Kriegsbeute ist), so wird bald nichts mehr da sein was sich das Publik ansehen will.
Wenn wirklich Exponate zurückgegeben werden, dann sollten auch jene österreichischen Exponate an Österreich retourniert werden welche im Ausland in div. Museen lagern.

Auch die publikumsträchtigen Veranstaltungen wie Auf Rädern und Ketten, Montur und Pulverdampf, GoModelling, ..... etc. ,welche gleichzeitig Werbung für das Museum waren, gibt es nicht mehr. Wozu man jedoch 20!!! zusätzlich Leute benötigt (wer bezahlt die eigentlich, ach ja der Steuerzahler) wo es so gut wie keine nennenswerten Veranstaltungen mehr gibt ist mir auch nicht verständlich. So wird das Museum in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Aber dann wenigsten unter den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.
 
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struwwelpeter

Well-Known Member
#10
Vielleicht will sich jemand bewerben (Quelle):

Gesucht werden Bewerber:innen mit Studium der Geschichte und ausgezeichneten Englischkenntnissen in Wort und Schrift
...für die Betreuung von Kindergeburtstagen :D:D:D
...die Mitgestaltung und Durchführung von Vermittlungsstationen bei Museumsveranstaltungen....o_Oo_O
Screenshot 2025-05-13 222844.png
 

josef

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#11
Mensch im Zentrum
Weg vom Uniformfetisch: Die Neuausrichtung des Heeresgeschichtlichen Museums
Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien richtet sich neu aus. Über historische und aktuelle Konflikte soll der Wert von Frieden unterstrichen werden
Wer dieser Tage am Areal des Arsenals in Wien entlangspaziert, stößt auf geschäftiges Treiben. Baggerarbeiten übertönen das sonst übliche Vogelgezwitscher. Das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) wird, baulich und kuratorisch, modernisiert. Bereits seit Februar dieses Jahres werden die denkmalgeschützten Ausstellungssäle zum Dreißigjährigen Krieg, aufgrund ihres Alters immer wieder spöttisch als Museum im Museum bezeichnet, generalsaniert, nun ist auch der Vorplatz dran.

Ein weiteres Indiz für die umfassende Neuausrichtung des Museums ist die internationale wissenschaftliche Tagung Krieg und Erinnerung. Spuren des Krieges und ihre Verarbeitung. Mit Vorträgen von Experten aus Paris über Berlin bis Kiew zeigt schon ein Blick in die Sprecherliste, dass ein neuer Wind durch das alte Gebäude weht. "Wir wollen Impulse setzen. Da, wo das Museum verstaubt ist, entstauben wir. Da, wo sich über Jahrzehnte nichts geändert hat, packen wir’s jetzt an", bekräftigt Georg Hoffmann, der das Haus seit 2023 leitet und mit der Neuausrichtung betraut wurde. Diese wurde nach kontroversen Debatten rund um das Museum nötig.


Auf eine Zeit der Krisen folgt nun die Zeit der Neuausrichtung des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien.
HBF/RONJA KLIMA

Überwundene Zeit der Sinnkrise
Zur Erinnerung: Seit 2019 wurde das HGM intensiv diskutiert. Zu dem Vorwurf, das Museum betreibe altbackene Schlachtenkunde und sei zum Pilgerort für Monarchisten verkommen, kam der Verdacht, im Museumsshop würde rechtsextreme Literatur angeboten werden. Es folgten zwei Untersuchungskommissionen durch namhafte Historiker, die die Ausstellungen und den Shop durchleuchteten, die Initiative #hgmneudenken erarbeitete Visionen für eine Neugestaltung des Hauses und sogar der Rechnungshof schaltete sich in die Causa ein.

Viele Baustellen zugleich also für das Team rund um den neuen Museumsdirektor. "Die letzten Jahre waren für das HGM in vieler Hinsicht eine Sinnkrise", meint Hoffmann. Aus der Krise sei aber vieles gelernt worden, was nun in die Neugestaltung einfließe. Das große Ziel: Das HGM soll geöffnet und ein lebendiger Ort der Auseinandersetzung werden. Die aktuelle Tagung sei somit auch ein Signal, dass sich das Haus in internationale Debatten einbringen und der aktuellen Forschung auf dem Gebiet der Militärgeschichte Rechnung tragen möchte. Etwas, was lange nicht geschah.


Küfntig will man im Heeresgeschichtlichen Museum Wien ein Orte lebendiger Erinnerungskultur und der regen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sein. Damit soll ein Beitrag zum öffentlichen Diskurs und der reflektierten kollektiven Erinnerung geschaffen werden.
BMLV/Daniel Trippolt

Konflikte, Flucht und Migration
Im Hintergrund läuft die Erarbeitung einer völlig neuen Ausstellungskonzeption bereits auf Hochtouren. Damit sollen die erhobenen Vorwürfe endlich ausgeräumt und das Museum wieder international vorzeigbar werden, erzählt Hoffmann im STANDARD-Gespräch. Zukünftig werde das HGM eine moderne Militärgeschichte in der Erweiterung präsentieren. Was man darunter verstehen kann, erklärt Kerstin von Lingen, Professorin für Zeitgeschichte an der Universität Wien mit Fokus auf vergleichende Diktatur-, Gewalt- und Genozidforschung und Ko-Organisatorin der gemeinsam mit dem Arbeitskreis Militärgeschichte veranstalteten Tagung. "In der erweiterten Militärgeschichte geht es weniger um operative Geschichte oder genuin militärische Themen wie Uniformen, Waffen oder Auszeichnungen, sondern verstärkt um das Themenfeld Krieg und Gewalt und welche vielfältigen Auswirkungen diese auf eine Gesellschaft haben."

Dieses Verständnis schlage sich in der Neugestaltung des HGM deutlich nieder. "Wir wollen vom Objektschaukasten wegkommen und den Menschen ins Zentrum stellen", so Hoffmann. Dazu sei das HGM mit seinen enormen Sammlungen auch gut aufgestellt, erklärt er. "In der KuK-Armee dienten Soldaten aus allen Winkeln der Monarchie. Das bildet sich in den Sammlungen ab. Mit diesem Material können wir weit mehr als nur eine österreichische Perspektive auf Kriege bieten und zeigen, wie kriegerische Konflikte etwa mit Flucht und Migration zusammenhängen und damit den Bogen in die Gegenwart spannen."

Öffentliche Spuren von Kriegen
Auch bislang kaum genutzte Potenziale, wie das historische Gebäude des HGM selbst, sollen künftig in der Vermittlungsarbeit eingesetzt werden. Das Ausstellungshaus sei dabei das erste Objekt. Räumlichkeiten wie die Ruhmes- oder die Feldherrenhalle, in der die habsburgische Geschichte und ihre Kriegsfürsten glorifiziert werden, sollen laut Hoffmann künftig kontextualisiert und somit zum vielsagenden Ausstellungsobjekt werden.

Hoffmann will auch die Mauern des Arsenals hinter sich lassen und "raus zu den Menschen gehen". Ein Beispiel, wie das aussehen kann, ist das Äußere Burgtor am Heldenplatz in Wien. Das dortige Heldendenkmal, wo der habsburgischen Armee und den Gefallenen des Ersten Weltkriegs gedacht wird, gilt als Prestigeprojekt des autoritären Dollfuß-Schuschnigg-Regimes und war lange überhaupt nicht kontextualisiert. "Hier materialisieren sich die Spuren von Kriegen in der Öffentlichkeit. Das wollen wir als Museum aufgreifen, um kritische Fragen zur Erinnerungskultur zu stellen", kündigt er an.


Das Heldendenkmal am Äußeren Burgtor am Wiener Heldenplatz gilt Prestigeprojekt des autoritären Dollfuß-Schuschnigg-Regimes - ein Umstand der lange nicht eingehend aufgearbeitet wurde.
BMLV/Daniel Trippolt

Eskalation verstehen
Ein kritischer Umgang mit Erinnerung statt Uniformfetisch, so könnte man den Prozess der Neuausrichtung des HGM auf den Punkt bringen. Damit werde das Museum auch seinem Bildungsauftrag wieder gerecht, glaubt der Museumsdirektor. Denn: "Museen sind wesentliche Elemente in einer Demokratie, weil hier das kollektive Gedächtnis verhandelt wird." Wie Kriege erinnert und folglich ausgestellt werden, sei zentral, um etwas daraus zu lernen. Dieses Lernpotenzial betont auch von Lingen: "Sich an Kriege zu erinnern ist wichtig, um zu verstehen, wie schnell Konflikte eskalieren können, wenn bestimmte Interessengruppen die Oberhand gewinnen. So hat etwa die Rüstungsindustrie immer ein Interesse, die Tauglichkeit neuer Waffen zu testen oder die Nachfrage anzukurbeln."

Um Krieg nicht als etwas Abstraktes oder lange Vergangenes darzustellen, werden künftige Ausstellungen nicht nur historische Beispiele präsentieren, sondern auch aktuelle Konflikte wie jene in der Ukraine oder Gaza thematisieren, deutet Hoffmann an. "Wir wollen zu einer Diskussionsplattform werden, mit den Menschen in Austausch treten. Dann kann Militärgeschichte dazu beitragen, Werte wie Frieden und Demokratie hochzuhalten."
(Paul M. Horntrich, 8.10.2025)
Weg vom Uniformfetisch: Die Neuausrichtung des Heeresgeschichtlichen Museums
 
#12
Ich sammle schon jetzt vermehrt alles an alten Katalogen und Unterlagen des HGMs und kann mir so wenigstens Etwas an Erinnerung bewahren. Das ewiggedenke, kontextualisierte, antimilitaristische, pseudo-aufgeklärte Etwas zu dem es diese dauerbeschämten Kotauer verunstalten werden, werde ich mir ersparen. Das HGM ist tot.
 

Geist

Zeitgeschichte im Untergrund
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#14
Man kann tatsächlich nur hoffen, dass diese unreflektierte Form ein Museum zu gestalten, tatsächlich bald tot sein wird und ich freue mich auf die Neugestaltung. Es kann ja nur besser werden. Wenn jemand ein Museum besucht, will er mehr erleben als nur informationsbefreites Ausstellen und Glorifizieren von Kriegsereignissen, bei dem technische Daten über menschliches Leid erhoben werden.

Mit Grauen erinnere ich mich an zahlreiche nebeneinander aufgestellte Vitrinen mit Uniformen aus verschiedenen Epochen ohne auch nur eine einzige Infotafel darin. Die Neugestaltung war dringend notwendig. Jedes Bauernmuseum war informativer als das HGM im alten Gewand.

Im Beirat, der das HGM bei seiner Neuaufstellung und Modernisierung unterstützt, sitzen jedenfalls einige Menschen mit klingenden Namen, z.B. Barbara Stelzl-Marx oder Sönke Neitzel, um nur zwei herauszupicken, siehe Wissenschaftlicher Beirat.

Ich bin jedenfalls schon sehr auf die Umsetzung der Maßnahmen gespannt, die im obigen Beitrag 11 von 8. Oktober 2025 angekündigt werden – angesichts der Verstaubtheit des Museums eine Mammutaufgabe.
 

josef

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#15
Zu Besuch im HGM Wien: Hinter den Kulissen einer Neuausrichtung
Das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) Wien wird neu gedacht: Ein Werkstattbericht über Wandel und neue Perspektiven der Heeresgeschichte
Nives Pjanić vom Wissenschaftsmagazin alexandria hat sich im Heeresgeschichtlichen Museum umgeschaut und diesen Gastblogbeitrag verfasst.

"In mehreren Medienberichten über das Heeresgeschichtliche Museum in Wien werden schwere Vorwürfe gegen die Museumsleitung erhoben. Im Kern geht es dabei um rechtsextreme Umtriebe, um die Verharmlosung des Nationalsozialismus", heißt es in einer parlamentarischen Anfrage aus dem Jahr 2019. Lange Zeit war das HGM vor allem durch Kritik bekannt, weniger durch seine Ausstellungen. Heute aber ist das Haus im Umbruch. Unter der Leitung von Georg Hoffmann, den Verteidigungsministerin Klaudia Tanner 2023 zum Direktor ernannte, befindet es sich in einem Prozess der Neuausrichtung. Ich habe hinter die Kulissen dieser Neuausrichtung geblickt.


Georg Hoffmann ist seit 2023 Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums. Zuvor war er unter anderem Kurator im Haus der Geschichte.
©alexandria Magazin

Der Mensch im Zentrum
"Das Museum ist in einer absoluten Reform", sagt Hoffmann und betont die Schwierigkeit, ein so altes Gebäude, das von sich aus Geschichte ausstrahlt, zu modernisieren. "Aber es ist dringend notwendig", fährt er fort. Seine Worte werden von einer Geräuschkulisse begleitet, die selbst ein Indiz für Erneuerung ist: Baustellenlärm.

Der gesamte Vorplatz des Museums befindet sich im Umbau. Der Untergrund wurde aufgebrochen, um barrierefreie Wege zu schaffen. Bald soll auch eine neue Buszufahrt Besucher:innen direkt vor das Haus bringen. Auch die auf dem Vorplatz stehende Statue eines Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg soll künftig durch wechselnde Kunstinstallationen ersetzt werden.

Das Gebäude selbst erzählt Geschichte und ist zugleich Gegenstand der Aufarbeitung. Mitte des 19. Jahrhunderts als Denkmal monarchischer Macht errichtet, zieren es militärische Symbole und heroische Gemälde von Habsburger Schlachten. Heute steht das Haus vor der Aufgabe, diese Erzählung zu dekonstruieren. In der "Ruhmeshalle" etwa werden die dargestellten Schlachten nun auf Bildschirmen historisch kontextualisiert.


Im Zweiten Weltkrieg zerstört und hastig wieder zusammengesetzt, wird der ehemals wackelige Vorhof erneuert und barrierefrei gestaltet.
©alexandria Magazin

Hoffmann sieht in dieser Neuausrichtung mehr als nur eine bauliche Maßnahme: "Ein Museum ist ein zentraler Teil der Demokratie. Es darf nicht in der Vergangenheit stecken bleiben, sondern muss bis in die Gegenwart wirken." Die Verbindung von Militär und Gesellschaft, von Objekt und Mensch, wird zum neuen Leitgedanken. Der Mensch steht im Zentrum. Militärgeschichte soll nicht länger als Abfolge von Feldzügen und Siegen verstanden werden, sondern als Spiegel menschlicher Erfahrung. "Egal, welches Objekt wir betrachten, dahinter steckt immer ein Mensch", erläutert Direktor Hoffmann.

Die Tatsache, dass das HGM aus der Monarchie stammt, ist sowohl Herausforderung als auch Chance: Es verfügt über eine Sammlung, die weit über Österreich hinausreicht – bis nach Südosteuropa, in den Osten der Ukraine. In diesen Objekten steckt europäisches Gedächtnis, weshalb das Museum das Potenzial hat, nicht nur Österreich, sondern ganz Mitteleuropa zu repräsentieren.


Ein Haus, das von sich aus Geschichte ausstrahlt: Auf den Mauern um das Museum finden sich Einkerbungen aus den vergangenen Jahrhunderten.
©alexandria Magazin

Geschichte unter dem Putz
Wie tief die Veränderung reicht, wird im liebevoll benannten "Saal Eins" sichtbar. Während große Teile des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurden, blieb dieser Raum erhalten, samt seiner unberührten Objekte aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Osmanische Fahnen, die nun von der Decke genommen wurden, hingen über siebzig Jahre lang an der gleichen Stelle. Heute zeigt sich ein anderes Bild: Der Saal ist eine Baustelle, grau und staubig, der Boden aufgebrochen, die Decken nun leer. Der Denkmalschutz gibt die Richtung vor: Der Raum wird originalgetreu restauriert, die historische Farbgebung wiederhergestellt.


"Saal Eins" des Heeresgeschichtlichen Museums. Über Jahrzehnte hinweg unberührt, jetzt eine Baustelle.
©alexandria Magazin

Ein Besuch in der Werkstatt für Holzrestaurierung zeigt, wie viel Sorgfalt und Fachwissen hinter der Erhaltung historischer Objekte steckt. Hier arbeitet Holzrestauratorin Victoria Michlmayer an einem brüchigen Ruder eines alten Seeflugzeugs. "Flugzeuge sind eigentlich nicht meine Stärke", sagt sie lachend und fügt hinzu: "Es ist ein bisschen wie bei Sherlock Holmes – man rekonstruiert die Geschichte eines Objekts, Stück für Stück."


In der Werkstatt wird das brüchige Flugzeugruder vorsichtig bearbeitet.
©alexandria Magazin


Das Flugzeugteil liegt neben einem Modell, das seine ursprüngliche Form zeigt.
©alexandria Magazin

Zwischen Geschichte, Gegenwart und Gespräch
Während Restaurierung bewahrt, macht Vermittlung lebendig. "Das ist der wichtigste Bereich, weil wir hier direkt mit den Menschen in Kontakt treten", erklärt Georg Rütgen, Leiter des Vermittlungsteams. Rund zwei Drittel der Besucher:innen kommen aus Schulklassen. Die Programme sind lehrplanorientiert und die Vermittler:innen scheuen nicht vor Diskussionen mit den Schüler:innen zurück. "Je mehr Kritik kommt, desto besser. Das zeigt Interesse, und daraus entstehen die besten Diskussionen."

Historische Konflikte werden in Beziehung zur Gegenwart gesetzt, von den Religionskriegen des 17. Jahrhunderts bis zu heutigen geopolitischen Spannungen. "Im Grunde geht es in allen Kriegen immer um dasselbe: Macht und Geld. Und das kann man Jugendlichen anhand der Geschichte sehr gut erklären", erläutert Rütgen.

Mittlerweile umfasst das Team rund 28 Personen. Museumsbotschafter:innen, die Besucher:innen ansprechen, Fragen beantworten und Hintergründe erklären. Das ist besonders wichtig, weil das HGM ein komplexes Haus ist, dessen Inhalte manchmal sperrig wirken, erklärt Rütgen. Die Vermittler:innen helfen, sie zugänglich zu machen.

Ein Museum versucht sich neu zu erfinden
Das Heeresgeschichtliche Museum steht exemplarisch für die Herausforderung, ein historisches Haus institutionell und inhaltlich neu zu positionieren. Die Neuausrichtung verbindet bauliche Modernisierung, wissenschaftliche Kuratierung und erweiterte Vermittlungsarbeit, um militärische Geschichte kritisch zu reflektieren und stärker auf menschliche Erfahrungen und gesellschaftliche Zusammenhänge zu beziehen. Ob diese Neuausrichtung gelingt, werden die nächsten Jahre zeigen. Die Ansätze sind aber bereits vielversprechend.
(Nives Pjanić, 29.1.2026)

Nives Pjanić ist Historikerin und Redakteurin beim Wissenschaftsmagazin alexandria.

Zu Besuch im HGM Wien: Hinter den Kulissen einer Neuausrichtung
 
#16
Ich bin auch schon sehr gespannt auf das kontextualisierte, reformierte modernisierte, aufgeklärte, reflektierte, um- und neugestaltete, entglorifizierte, enthakenkreuzte, dauergedenkende, dauerbeschämte, hoffentlich endlich jetzt auch für Geschichtsdes und -uninteressierte niederbarrierig zugängliche, von Kriegstrophäen hoffentlich befreite(Restitution beginnend bei den Osmannen!) informationsbereicherte, Minder- und Mehrheiten berücksichtende Etwas zu dem das Museum, vormals das HGM, gestaltet wird.
 
#17
Früher bin ich dort gerne hin und wieder zu Besuch gekommen.
Meistens in Begleitung mit Kindern.
Höhepunkte waren die "Auf Rädern und Ketten" Veranstaltungen. Diese Vorstellungen waren eindrucksvoll und es gab auch anschließend einen kleinen Markt, wo Bastlermodelle erworben werden konnten. Das Restaurant im HGM war zwar klein aber nicht so teuer. Noch heute erzählt mir mein Enkel davon, wie er dort seinen Hetzer versehentlich liegen ließ, welchen er sich zuvor selbst am Markt gekauft hatte.
Oder auch der weihnachtliche Adventmark, welcher zu Beginn sehr stimmungsvoll war. Zeitgleich waren auch Veranstaltungen im Inneren wie Säbelfechten aber auch ein riesiger Zeichentisch für die Kinder.
Als Zuckerl gab es die freien Parkplätze, welche meistens in der Nähe beim HGM für "Auswärtige" verfügbar waren.
Ich selbst wurde von einer Firma zu einer Vorführung ins HGM eingeladen. Erstaunlicherweise stellte sich diese als Museumstour heraus, welche vom damaligen HGM Direktor Rauchensteiner selbst durchgeführt wurde. Ich hatte damals viel um die Ohren und war nur auf einen kurzen "Höflichkeitsbesuch" eingestellt, kann aber dazu sagen es war eine sehr eindrucksvolles Erlebnis.

Irgendwann später gab es plötzlich Erhebungen, weil eine 8.8 ausgestellt wurde und "Kriegsmaterial" im Shop oder bei Veranstaltungen angeboten wurde. Dann kamen die freien Parkplätze weg, sowie das langsame Einstellen von "Auf Rädern und Ketten". Der Weihnachtsmarkt, welcher sich mit der Zeit leider auch in eine kommerzielle Richtung entwickelte gab es in einem Jahr, dann wieder nicht.
Interessant war auch früher, dass es beim HGM ausstellungsmäßig eine Zeit nach 1918 nur sehr eingeschränkt gegeben hat.
 

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