Drachenhöhle Syrau / Vogtland / Sachsen

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bunkersachse

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Märchenhafte Unterwelt des Vogtlandes

Von J. Klimpke

Der März 1928 ist in der Geschichte der vogtländischen Gemeinde Syrau ein einschneidender Termin. An diesem Tag wurde die Drachenhöhle entdeckt.

Steigt man die Stufen zur Höhle hinab, betritt man eine andere Welt. Man taucht ein in ein Meer der Stille, in welches das von der Decke kommende tropfende Wasser den Takt angibt. Es wird so still, das man bisweilen seinen eigenen Herzschlag hören kann. Und wenn sich die Augen an das Licht gewöhnt haben, wird man vom Zauber der einmaligen Grotte gefangen genommen. Doch die Höhle ist nicht einfach nur eine Höhle. Hier gibt es natürlich den Drachen, der ihr den Namen gab. Neben diesen erwarten den Besucher noch eine Klamm, ein Kristallsaal sowie die Drachenschlucht und das Zwergenreich. Der weitere Weg führt durch die Walhalla in den Irrgarten. Unterwegs kann man unterirdische Seen bewundern in denen die von der Decke fallenden Wassertropfen malerische Wellen erzeugen. Dabei lässt das klare Wasser beim Blick auf den Grund jegliches Gefühl für Entfernungen und Tiefen verschwinden.
Genauso abenteuerlich wie heute ein Gang durch das unterirdische Reich anmutet, war die Entdeckung der Höhle selbst. Dabei hätte diese durchaus schon rund 30 Jahre früher geschehen können, als nach Wasser für eine örtliche Wasserversorgung gebohrt wurde. Man wurde allerdings erst in 120 Meter Tiefe fündig, unwissend, das man nur wenige Meter neben der Bohrung lediglich 18 m tief hätte bohren müssen.
Der heutige Höhlenpark war bis 1928 ein Kalksteinbruch. Fünf Jahre zuvor hatte ihn die Gemeinde erworben und plante, ihn stillzulegen. Um den damals 67 jährigen Bruchmeister Ludwig Undeutsch aber nicht erwerbslos werden zu lassen, gestattete man ihm noch einige Arbeiten.
Am eingangs erwähnten 14. März 1928 sollte sich aber das Schicksal des Steinbruchs eindeutig erfüllen. Beim Anfertigen eines Sprengloches verschwand der dabei benutzte Bohrmeisel plötzlich in der Tiefe. Es war nicht das erste Mal, das ein Meisel in dieser Felsspalte verschwunden war, doch diesmal lag er zu tief, um ihn wieder herauszuholen. Betrübt erzählte Ludwig Undeutsch zu Hause vom Verlust des teuren Werkzeugs. Sein Sohn Willy fasste daraufhin den Entschluss, dem Vater den Meisel zurückzuholen. Mit einem Freund begab er sich zum Bohrloch, verbreiterte es soweit, das er hindurch passte und lies sich an einem Seil in die Tiefe. Unten angekommen, band er sich los und erkundete als erster Mensch zum Schein einer matten Petroleumlampe einen Teil der Höhle.
Am nächsten Tag setzte Willy Undeutsch und vier andere Männer die Erkundung der Höhle fort. Nachdem sich schließlich auch die Mitglieder des Gemeinderates ein Bild von der unterirdischen Schönheit gemacht hatten, begann die Erschließung der Höhle. In nur 199 Tagen wurde sie zur ersten Schauhöhle des Freistaates Sachsen ausgebaut.
Am 28. September 1928 wurde sie für den Besucherverkehr geöffnet und lockte schon im ersten Monat 15. 000 Schaulustige an. Bereits im Mai 1929 hatte sich die Investition der Gemeinde amortisiert und alle aufgenommenen Kredite konnten zurückgezahlt werden.
Heute ist die Drachenhöhle ganzjährig geöffnet. Führungen finden täglich statt.
Momentan herrschen angenehme 10 Grad Celsius in der Höhle.

Zeitungsartikel - November 2010

Historischer Nachrtag

Bergwerksverzeichnis des Oberbergamts Freiberg 1939 - 40

Seite 66, Drachenhöhle Syrau
Drachenhöhle Syrau (Schaugrube)
Lage: Syrau, Kr. Plauen. (Meßtischbl. 133)
Bergmannsrevier: Zwickau.
Eigentümer, Verwaltung und Anschrift: Gemeinde Syrau, vertreten durch Bürgermeister Schimmel in Syrau über Plauen i. V. 4. (Ruf: Mehlteuer 127)

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