Ebensee "Zement" - Anlagen A und B

#1
Malzeit Markus

( Ja ich lebe noch ! :) )

Eine Frage :
Du hast doch das Buch „Arbeitslager Zement“ von Florian Freund ?! Du schreibst auf deiner Webseite zu diesem Buch : „Bietet wertvolle Informationen zu den Stollenanlagen "Zement" und zur Entwicklung der deutschen Interkontinentalrakete“
Leider ist das buch zur zeit nirgends zu haben daher habe ich versucht über Herrn Wolfgang Quatember in zu kontaktieren. Leider hat es Herr Quatember nicht geschafft in dazu zu bewegen auf eine simple Frage eine Antwort zu geben !
Es ging ursprünglich nur um diesen Satz : „Zweck der Errichtung des SS-Arbeitslagers war der Bau riesiger unterirdischer Fabrikhallen zur Forschung und Entwicklung der A9/A10 Interkontinentalrakete durch den rücksichtslosen Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen“ ( Quelle : http://bob.swe.uni-linz.ac.at/Ebense...geschichte.php ).

Da es keinen endsprechenden Quellennachweis gibt, wollte ich von ihm wissen ob es sich um eine freie Interpretation von Indizien handelt die keinen Anspruch auf Historische Korrektheit haben !

Darauf bekam ich von ihm diese Antwort :

Sehr geehrter Herr Kliebenschedel,
weil Ihnen Herr Dr. Freund offensichtlich nicht antwortet, darf ich Sie auf einen Bericht von Bernd Henze verweisen.

Nun ja, den Bericht kenne ich und irgendwie erscheint mir eine Fortführung meiner bisherigen Arbeitsweise zu diesem Thema als kaum ertragreich. Also spare ich es mir Herrn Henze nach endsprechenden Quellen zu fragen !
Jetzt hab ich mal selber in der Endstehungsgeschichte des Versuchsserienwerkes Peenemünde Band V ( 1943 ) und VI ( 1944 , Schlussband ). Nachgeschaut und das mit meinen Unterlagen zur A8 und A9 Entwicklung zusammengeschmissen und konnte bisher keinen Hinweis auf eine geplante „Amerika- Raketenentwicklung“ in Zement finden !

Richtig ist das man wohl ab dem 26.8.1943 die Entwicklungsabteilung der HAP nach Ebensee „Kalk“ verlagern wollte ( ab 8.12.1943 his Kalk dann „Zement“ ). Ab Juni 1944 als die A9 Entwicklung in Peenemünde anlief wollte man diese gegen den willen von Brauns auch nach Zement auslagern . Ob die Verlagerungsabsicht ab dem 26.8.1943 in einen Zusammenhang mit der Wideraufnahme der A9 Entwicklung im Juni 1944 steht konnte ich bisher nicht feststellen ! Aus meinen Unterlagen kann man entnehmen das, das Projekt Zement bereits in seiner Planungs- und Baufase innerhalb weniger Monate für das A9 soweit zusammengeschrumpft wurde das man selbst auf Prüfstände verzichten wollte b.z.w. konnte !

Ich frage mich nun ernsthaft „WO ?“ :gruebel in welchem Dokument steht, das in Zement eine „Amerika- Rakete“ entwickelt werden sollte !!?? Das „Florian Freund“ dis schreibt, reicht mir nicht um dis als glaubwürdig anzusehen ! Mir schein es eher so das Herr Dr. Florian Freund sich wie so manch anderer Autor eines Mythos bedient hat ! Das muss nun nicht sein, aber mangels Quellennachweis ein naheliegender Gedanke !! :confused:

Gruß Henry
 
#2
Hallo Henry,

Ich habe das Buch leider auch nicht - nur Kopien der wesentlichen Seiten...

Freund zitiert dort eine "Besprechungsniederschrift am 15.1.44, Verlagerungsort Vorhaben "Zement"" BA MA RH 8/1210 (=> Bundesarchiv Militärarchiv Freiburg, OKH Heereswaffenamt.

Es geht um die Reduktion der Bauvorhaben Zement A und B: Wasser- und Brennstoffbehälter sollten ausserhalb und ungeschützt errichtet werden, weiters zwei "Spritzstände für die Interkontinentalrakete und die Flakrakete, ein Pumenprüfstand und ein Dampfanlagenprüfstand".

Wenn es dieses Dokument gibt, dann ist die Sache wohl eindeutig belegt...

Liebe Grüße,
Markus
 
#3
Nun ja, ich hoffe das man es lesen kann ! Als Anhang aus der „Entstehungsgeschichte des Versuchsserienwerkes Peenemünde Band VI ( 1944 , Schlussband ). B.z.w. RH 8 1210, das genannte Dokument. Allerdings steht da nichts von Interkontinentalraketen !

Gruß Henry

PS: ich hab den Bestand RH 8 1210 soweit ich das sehen kann inzwischen komplett vorligen !
 

Anhänge

#4
Hallo Henry,

Danke für die Dokumente! Ich finde die Sache einfach "Spitze". Was da von manchen Berufshistorikern als wissenschaftliche Arbeit abgeliefert wird ist einfach unglaublich. Noch dazu hat er die Angaben unter Anführungszeichen gesetzt => es sollte also ein wörtliches Zitat sein *kopfschüttel*..
:qualmer :qualmer :qualmer :qualmer :qualmer :qualmer :qualmer

LG,
Markus
 
#5
Nun ja, ich möchte nun keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber betrachtet man die Webseite des Zeitgeschichte Museums Ebensee und die anderen Webseiten die irgendwie mit „Zement“ und Ebensee zu tun haben, dann sticht das mit der A9/A10 Interkontinentalrakete schon heraus !
Bisher ist mir nicht ersichtlich welcher Sinn sich hinter eine derartige scheinbar nicht belegbare Behauptung verbirgt ! Ich könnte nun davon ausgehen das Florian Freund einem gewaltigen Irrtum aufgesessen ist, allerdings geht an anderer Stelle in RH 8 1210 hervor das :“außerhalb und ungeschützt 2 Spritzstände ( für A 9 und W ), 1 Pumpenprüfstand und 1 Dampfanlagenprüfstand.“ Der Stollen liegen. Was A9 ist dürfte klar sein ( http://www.v2werk-oberraderach.de/Irrtuemer/5-I.htm ), mit „W“ ist Wasserfall gemeint. Dieses Dokument ist vom 2.2.1944 und beinhaltet größtenteils den von dir Zitierten Text ! Befast man sich ein bisschen mehr mit den Entwicklungen, dann stellt man fest das neben dem A4, bis Juni 1944 ausnahmslos am „Wasserfall“ Projekt gearbeitet werden durfte. Da das A4 bereits in Fertigung war und im Mittelwerk extra eine Peenemünde Abteilung sich mit der Optimierung des A4 befasste, blieb für „Zement“ ursprünglich nur „Wasserfall“ und ab Mitte 44 nochzusätzlich das A9 .
Man müsste einen gewaltigen sehfehler haben um aus einem W ein A10 werden zu lassen oder ein A9 mit einer reichweite von 450 bis 550 km Als Interkontinentalrakete an zu sehen .
Allerdings hätte Freund recht wenn man von Spanien nach Marokko schießen würde ! Oder wie wäre es mit Istanbul, dort kann man von Europa bis Asien schießen !! :D Hat er nun sich geirrt ? oder schlecht recherchiert ? Oder hat er beides !? :gruebel


Nebenbei zum Thema U-Verlagerung, kennst du einen Thomas Pedit ?

Gruß Henry
 
#6
Henry hat geschrieben:
Nun ja, ich möchte nun keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber betrachtet man die Webseite des Zeitgeschichte Museums Ebensee und die anderen Webseiten die irgendwie mit „Zement“ und Ebensee zu tun haben, dann sticht das mit der A9/A10 Interkontinentalrakete schon heraus !
Bisher ist mir nicht ersichtlich welcher Sinn sich hinter eine derartige scheinbar nicht belegbare Behauptung verbirgt !
Das ist doch immer das Problem. Hier ist es die "Amerikarakete", dort die "frei Energie" und woanders der "Atombums"... :D
Die "Wahrheit" wird nur gehört, wenn sie spektakulär ist... :gruebel
 
I

Ingwer

Guest
#8
A

@ Henry,

Die Wissenschaftler in "D" damals, wie auch heute, egal wo und wann, werden
auch solche bleiben. D. h. nichts Anderes, als Dies:

Verbesserungen und Fortentwicklungen entstehen zuerst gedanklich, dann
auf Papier . Später in Modellen und Versuchsreihen und danach erst in
0-Serien.

Das schliesst nicht aus, dass es Weiterentwicklungen in oben genannter
Form gegeben hat. Es spricht sogar mehr dafür.

Wie auch immer: Wir wollen froh sein ,dass solche Waffen nicht zum Einsatz kamen. Irgendwann wären diese nach "D" zurückgekommen.
Der Braune wusste dies.
 
#9
Es kann ja nicht so schwer sein anhand dem was ich zeige festzustellen das es einzig und allein um die Entwicklung eines „Gleit-Aggregates“ auf Basis des A4 geht. Dargestellter Zeitraum ist 1940 bis 1945. Es wurden 3 verschiedene Grundformen für das Gleitaggregat getestet wobei sich dann die Form A4V12c als Aggregat 9 durchsetzte. Parallel dazu zeige ich einen Auszug aus genau der Quelle auf die sich „Freund“ beruft, beachtet man das Datum, dürfte es nun kein Zweifel geben das für „Zement“ die auf dem A4 basierende A9 – Gleitaggregat vorgesehen war.

Ingwer hat geschrieben:
@ Henry,


Das schliesst nicht aus, dass es Weiterentwicklungen in oben genannter
Form gegeben hat. Es spricht sogar mehr dafür.
Weiterentwicklung in oben genannter Form ? Was für eine Weiterentwicklung ???

Es gibt es keine Weiterentwicklung auf Basis des A9 mit Interkontinentalen Reichweite !

Da steht doch in dem einen Dokument : „Das Aggregat Gleiter A4V12c als letzte Entwicklungsstufe......

Und in dem anderen ( 6.9.1944 ) ‚:...erforderlich, an der bisherigen Form des A9 festzuhalten ....dem Entwurf A4 V 12 c nicht mehr abzuändern....

Das geht nun in den Dokumenten so weiter, egal ob es um das Triebwerk geht oder sonst etwas ! Es geht nur noch um die Steuerung des Aggregates, der Rest stand fest !

Ich weis nicht wie man darauf kommen kann das hinter der Projektbezeichnung A9 noch etwas anderes stecken könnte ! Das Triebwerks- Projekt mit den 30 t Hochdrucköfen mit Salpetersäure und Dieselöl nannte man A8 und das Megateil mit 100 und noch mehr t Schub A10. Die Kombination A10 mit einem Gleitaggregat wurde aufgegeben bevor man aus dem Gleiter A4 Projekt das A9 machte, das ist der Grund das es so schwer ist Unterlagen über eine A9-A10 Kombination zu finden !
Und überhaupt ! : wenn man sich wie „Freund“ schon auf Archiv Unterlagen beruft, dann hat man sicher auch selbst recherchiert und im Findmittel nach den endsprechenden Dokumenten gesucht !
Nun nutze ich für meine Recherchen ein Findmittel für FE Dokumente im NASM (USA)
und für das BA MA Freiburg hab ich auch ein Exemplar des RH 8 II Findmittel bekommen.
Das ist natürlich schön wenn man zuhause im Findmittel suchen kann und nicht erst nach Freiburg muss. Allerdings kann man auch in Freiburg , wenn man so oder so am Recherchieren ist gleich nachschauen was es sonst noch gibt !

Unschwer ist unten zu erkennen das es z.B. Dokumente für ein 4500 km Projekt A8-A10 oder sogar A10 10000km Projekt gibt !
Auffallend dürfte wohl die Bezeichnung A8-A10 für des Amerika Projekt sein !

Jetzt aber wider genug verraten, die Signaturen hab ich unkenntlich gemacht weil ich noch keine Kopien dieses Bestandes habe .

Gruß Henry
 

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I

Ingwer

Guest
#10
A

@ Henry,

Ich habe Dich schon verstanden ! Ich bin nur dafür, genau zu sortieren, zwischen Gedanken ,Vorstellungen bzw. Entwürfen und/oder fertigen
Exemplaren auf der Erprobung.
Genau dies tust Du ja.

Wenn heutige Buchschreiber Vorstellungen bzw. Aggregate in der Versuchsreihe
zu fertigen Objekten hochstilisieren wollen, dann geht dies an der Realität
natürlich vorbei. Aber dies werden wir nicht ändern können. Fakt ist schon:
Da waren helle Köpfe zu Gange.
 
#11
Hallo Henry,

ich verstehe Deinen Ansatz sehr gut - ich muß nun aber eine sehr "ketzerische" Frage stellen:

Woher kam die Behauptung A9/10 = Amerikarakete dann überhaupt?
Es muss ja eine "Geschichte" für diesen Begriff geben => wo taucht er erstmals auf?

Liebe Grüße,
Markus
 
#12
Markus hat geschrieben:
Hallo Henry,

ich verstehe Deinen Ansatz sehr gut - ich muß nun aber eine sehr "ketzerische" Frage stellen:

Woher kam die Behauptung A9/10 = Amerikarakete dann überhaupt?
Es muss ja eine "Geschichte" für diesen Begriff geben => wo taucht er erstmals auf?

Liebe Grüße,
Markus
Das ist keine "ketzerische" Frage !

Wenn ich mich nicht irre hatte dis seinen Anfang in einem Amerikanischen Nachkriegsartikel 1945 ! In „Damals in Peenemünde“ 1963 und „V2 der Schuß ins Weltall 1952“ taucht das A9/A10 ebenso auf. Nur in Dokumente vor Kriegsende hab ich diese Bezeichnung bisher noch nicht gefunden ! Übernächste Woche bin ich wahrscheinlich wider im BAMA Freiburg, wenn ich es zeitlich hinbekomme werde ich mir einen bestimmte Bestand etwas gründlicher vornehmen !

Gruß Henry
 
#13
Ist zwar nicht mein Thema, aber ich las gerade "Die Rakete und das Reich" (ISBN 3-89487-325-6). Dort ist die Geschichte der deutschen Raketenentwicklung von 1929 bis Kriegsende sehr umfangreich einschließlich vieler technischer Details und beteiligten Personen dokumentiert. Eine mehrstufige (Amerikarakete) existierte wohl als Idee, ist jedoch nie darüber hinaus gekommen. Bis Kriegsende ist es nicht gelungen, die Leistung derart zu erhöhen, um noch eine zweite Stufe zu transportieren, es hat gerade so für eine konventionelle Bombe gereicht.
 
#14
Um nochmals auf die "ketzerische" Frage zurück zu kommen !

Vorne weg noch die Info das der 18 Topf – Ofen ursprünglich nicht für eine Serienfertigung gedacht war, sonder der „Mischdüsenofen“

Hier mal ein paar Technische Fakten die man gerne nachrechnen darf um sich dann ein paar Gedanken zu machen ! :

Von einem normalen 18 Topf A4 Ofen mit einem Ofendruck von 13 Atü ausgegangen habe ich bei einen Treibstoff Verbrauch von 125 kg/und einer Ausströmgeschwindigkeit
Von 2000 m/sec. , die bekannten 25 t Schubleistung, bei gleichen Treibstoffvolumen Salpetersäure und Dieselöl = 168 Kg/sec. Und einer Ausströmgeschwindigkeit von 1800 m/sec. Bekomme ich 30,24 t Schubleistung. Bei 25 t Schub durch Salbei und Diesel und wiederum 13 atü Ofendruck und 1800 m/sec. müsste ich einen Verbrauch von 139 kg/sec. Haben

Bei der Entwicklung des „Mischdüsen-Ofen“ spricht man von einem Ofendruck von 40 Atü bei gleichbleibendem Brennkammervolumen und Düsenhalsquerschnitt und ebenso 25 t Schub, aber einer Ausströmgeschwindigkeit von angenommenen 2200 m/sec. Ich gehe davon aus das die Höhere Ausströmgeschwindigkeit auf den höheren Ofendruck zurück zu führen ist. Ich nehme mal an das der Höhere Ofendruck durch eine schnellere Treibstoffverbrennung erreicht werden sollte, diese wiederum durch eine feinere Zerstäubung ( Oberflächenvergrößerung ) des Brennstoff und einer besseren Vermischung mit dem Oxidator. Dieses sollte durch die Mischdüse ( Injektor ) erreicht werden, wozu es bekanntlich unterschiedliche Ausführung als Bohrungs- oder Ringspaltdüse gab . Nach meiner Berechnung würde sich dabei der Verbrauch des Treibstoffs je sec. Auf 114 kg Salbei / Dieselöl reduzieren. Überkopfgerechnet bekomme ich bei 12000 kg Treibstoff und 114 kg verbrauch 106 sec. Brennzeit.

Nun ist in einem Bericht zu lesen :

Stand der Vorarbeiten 20.6.1941 . Bl.Nr. 637/41 gk Dr. Th.

1. A4 Projekt HNO3 – Gasöl
Nach Rechnungsunterlagen von TB Endwurf, Lehrgewicht 40 atü Salpetersäure gerät
A4 3910 kg.
Treibstoffgewicht 12000 kg
t-Stoff 350 kg
Startgewicht 16260 kg
Angenommene WA = 2200 m/sec. Ergibt sich eine Brennzeit von 104 sec.
Und 430 km reichweite.

In der Berühmten Zeichnung des zweistufigen Aggregates ( nach meiner Meinung Fälschlich als A9-A10 Kombination bezeichnet ) sind folgende Daten :

Rüstgewicht 3000 kg
Nutzlast 1000 kg
Brennstoff + Rest 11910 kg
t-Stoff 350 kg
Startgewicht 16260 kg

Im Monatsbericht vom 27.11.1941ist zu lesen :

3) A4 Projekt mit Salbei

Nach Fertigstellung der Unterlagen ........
Bei Beibehaltung der Größe A4 und Leitwerk ergibt sich 500 km reichweite.
Durch Hohes Startgewicht liegt die Anfangsbeschleunigung unter 0,3 g. Dies wird aus steuerungstechnischen Gründen für nicht ausreichend erachtet. Um eine geforderte Anfangsbeschleunigung von0,5 g zu erreichen , ist eine Erhörung des Schubes von 25 t auf 30 t erforderlich.


Das A4 Salbei Projekt hatte ohne Gleitflügel bereits eine rechnerische Reichweite von 500 km, die Daten auf der Zeichnung 88/41 BSM zur zweiten Stufe der Kombination sind identisch zum Salbeiprojekt. Mit Flügel müsste die Rakete schwerer sein und eine weitaus höhere Rechweite gehabt haben !!

Weiter heißt es Im Monatsbericht vom 27.11.1941:

e) Da für ein Projekt Gleiter A4 mit Salbei-Triebwerk, Schussweite ca.500 km, Nutzlast ca. 2t, die Projektunterlagen ( Stabilität und Lastfälle ) vorhanden sind, wurde seitens Wa Prüf 11/Va vorgeschlagen, als Ablösemuster des A4 mit O2 eine Gleiter mit Salbeitriebwerk zu bauen. Auf grund einer Entscheidung des Herrn Abteilungschefs wird jedoch die Entwicklung eines Gleiters bis zur Entscheidung über die führbarkeit eines Salbeigerätes in Geschossform (A8) zurück gestellt und alle Vorarbeiten zur Entwicklung eines Gerätes in Geschossform aufgenommen.
........
Die Triebwerksentwicklung wird unverzüglich auf der Basis von 30 t Schub so weitergeführt, dass der Bau beider Geräte mit dem gleichen Triebwerk möglich ist. .....

3) Projektierte Geräte:

Aug grund der vorhandenen Angaben werden folgende Aggregat- Projekte nochmals durchgerechnet und die erforderlichen Windkanal-Messungen vorgenommen.
a) A4 mit Gasöl-Salbei, verlängertem Rumpf und veränderten Leitwerk , erhöhten Schub auf 30t ( A8 ) , Nutzlast 1t, Schussweite 450 km.

b) A4 Gleiter mit Gasöl –Salbei ( als Projekt abgeschlossen ), Schub 30t , Nutzlast 2-3 t, Schussweite 450 km.
.........
Auf grund der vorläufigen Klärung wurde am 17.11.1941 für sämtliche Projekte eine einheitliches Triebwerk mit 30t Schub 40 atü Ofendruck festgelegt.

Nach dem Bericht vom 21.1.1941 zum Stand der Entwicklung der Gleitaggregate am 1.1.1941 wird der Gleiter A4 V 12 c ( Grundlage des späteren A9 ) mit einer Reichweite von 500 kg angegeben. (Der Rumpfkörper des A4 hat 13300 cm, die zweite Stufe des zweistufigen Aggregat hat dis ebenso ! )
Weiter wird in diesem Bericht eine Kombination eines Gleiters A4 V13 mit einer 100t A10 genannt.

Die Berühmten A9-A10 Zeichnung entspricht der Kombination A4 V 13 + A10 .
Die Überlegung des Zweistufen Aggregates dieser Art entstand vor der Berechnung das A4 Salbei Projektes mit 25t 40 Atü und 500 km Reichweite. Die auf der Zeichnung angegebenen Daten entsprechen aber dem Salbei Projekt ohne Flügel !





Fasse ich nun zusammen ergibt sich folgendes Bild :


Nach den Technischen Daten muss die Zeichnung der Zweistufen Kombination vor dem 27.11.1941 entstanden sein, damit zeigt es die Kombination mit 25t + 100t Schub und 2500 km Reichweite. Erst danach wusste man das man 30t Schub bei Salbei – Dieselöl Triebwerken benötigt, und man von 180 t für das A10 endsprechend der Zeichnung vom 18.12.1941 ausgehen konnte. Für eine A4 Gleiter + A10 Kombination ergibt sich aber kein Sinn wenn man die Daten des A4 Salbei Projektes angibt ! ( Das A8 gab es auch erst mit dem Bericht vom 27.11.1941)

Nach allem was ich bisher an Dokumenten und Zeichnungen gesehen habe, halte ich es für ausgeschlossen das man eine Zeichnung mit derartigen Fehlern anfertigt .
Ein Gleiter mit 25t Niederdruckofen leistet 500 km und ein A4 mit 40 Atü Salbei Hochdruckofen ohne Gleitflügen ebenso 500 km . Wäre die Zeichnung richtig, dürfte kein Gleitaggregat sondern eine normale A4 mit 40 Atü Salbei Triebwerk zu sehen sein !

Die erste Stufe hat die Technischen Daten :

17000 kg Rüstgewicht
16260 kg Nutzlast
50560 kg Brennstoff
1500 kg T Stoff

Startgewicht 85320 kg

Bei 30 t Schub 40 Atü Ofen ermöglicht das theoretisch ein 180 t Triebwerk mit einer Brennzeit von 62 sec.

Man kann es drehen und wenden wie man will, die Daten wie auch die Zeichnung passen gleich dreifach nicht zusammen !
Wenn ich richtig gerechnet habe, dann ist diese Zeichnung B 88/41 BSM entweder eine Fälschung oder sie wurde Verfälscht !

Gruß Henry
 
#15
Und dem noch etwas darauf zu setzen habe ich hier ein Nachkriegsbild die Wernher von Braun mit einer A9-A10 „b“ Kombination zeigt. Beachtet man auf dem Bild den Lichteinfall b.z.w. die Schatten entsteht der Eindruck das bei der Rakete das licht von links kommt, von Braun aber von rechts beleuchtet ist . Handelt es sich hierbei um eine Fotomontage ?

Quelle: http://www.ninfinger.org/~sven/models/boxtops/sharkita9.jpg


Gruß Henry
 

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#17
Ja , schon richtig, aber wo wären die b.z.w. würde nicht die eine Lichtquelle den Schatten der anderen aufheben ? Bei besonders „hartem“ licht kann man auch bei manchen Aufnahmen gegenläufige Schatten des selben Objektes erkennen. Beachtet man an von Brauns linkem Bein den deutlichen Schatten, so dürfte dieser vom Sockel der Rakete stammen. Am Linken Arm ist ebenfalls ein deutlicher Schattenwurf zu erkenn.
Die Rakete wird also von rechts beleuchtet, allerdings dürfte dann auf der rechten Seite der Rakete kein Schatten zu erkennen sein !
Mann kann nun schon davon ausgehen das von Braun auf ein Raketenmodell zeigt, aber ob es genau dieses ist ?

Gruß Henry
 

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I

Ingwer

Guest
#18
Montage

Die Montagen, welche an Dienstagen für andere Tage erstellt werden, sind wir ja schon gewohnt. :D

Ich hatte ja schon geschrieben. Möglich ist alles ! Vor Allem wird ja gefaked,
was das Zeug's hergibt. Wundern würde mich das nicht ! :D
 
#19
Endschuldige bitte „Ingwer“ es freut mich natürlich das du ein humorvoller Kollege bist, aber ich würde es dennoch bevorzugen sachbezogene Beiträge zu bekommen .

Um es nochmals kurz zu fassen, war meine Behauptung das „Freund“ sich mit einer A9-A10 Entwicklung für „Zement“ geirrt hat. Markus wollte wissen woher die Behauptung A9/10 = Amerikarakete stammt . Ich vertrete seit geraumer Zeit die Behauptung das die Bezeichnung A9-A10 ein Nachkriegsprodukt ist und das ganze ursprünglich einen Politischen Hindergrund hatte und in neuerer Zeit noch einige Irrtümer von Historikern u.s.w. dazu gekommen sind. Das ganze betreibe ich auf gleich drei Foren um aus den Antworten brauchbare Anstöße heraus filtern zu können. Das Funktioniert bisher wunderbar und was dabei heraus kommt ist das was ich als Fragen gepaart mit den bisherigen Erkenntnissen wieder in den Foren niederschreibe !


Neben dem Bild das du so nett kommentierst hab ich auch ein bisschen technisches zu der Zeichnung B 88/41 BSM ( Ursprüngliche Darstellung des sogenannten A9-A10 ) geschrieben. Es wäre schön wenn du dis auch kommentieren könntest, feileicht hab ich irgendwo einen Fehler in meiner Denkweise oder Berechnungen !?

Gruß Henry
 
#20
Hallo Henry,

Henry hat geschrieben:
Von einem normalen 18 Topf A4 Ofen mit einem Ofendruck von 13 Atü ausgegangen habe ich bei einen Treibstoff Verbrauch von 125 kg/und einer Ausströmgeschwindigkeit
Von 2000 m/sec. , die bekannten 25 t Schubleistung, bei gleichen Treibstoffvolumen Salpetersäure und Dieselöl = 168 Kg/sec. Und einer Ausströmgeschwindigkeit von 1800 m/sec. Bekomme ich 30,24 t Schubleistung. Bei 25 t Schub durch Salbei und Diesel und wiederum 13 atü Ofendruck und 1800 m/sec. müsste ich einen Verbrauch von 139 kg/sec. Haben
Dem kann ich rein mathematisch folgen. Probleme habe ich allerdings mit der Einheit Tonnen. [kg/s] x [m/s] ergibt [kgm/s²] bzw. [N]


Nach meiner Berechnung würde sich dabei der Verbrauch des Treibstoffs je sec. Auf 114 kg Salbei / Dieselöl reduzieren. Überkopfgerechnet bekomme ich bei 12000 kg Treibstoff und 114 kg verbrauch 106 sec. Brennzeit.
Dem kann ich auch folgen.
Fortsetzung folgt....

LG,
Markus
 
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