Ebensee "Zement" - Anlagen A und B

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Paule

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#82
UV-Anlage Zement

Tag Henry....

ich habe das Buch von Florian Freund "Arbeitslager Zement",was brauchst Du aus dem Buch genau?

Gruß Paule
 

Soundy

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#83
Grabungen im ehemaligen KZ Ebensee vor Abschluss

Die im Sommer begonnenen archäologischen Grabungen im ehemaligen KZ Ebensee (OÖ) werden in Kürze abgeschlossen sein. Auf einem rund 1.000 Quadratmeter großen Areal wurden die Mauerreste einer Schmiede, Fundamente, Gleisanlagen und eine große Zahl an Gegenständen freigelegt. Ein Teil davon soll der Öffentlichkeit ab 2010 in der permanenten Ausstellung in der Gedenkstätte zugänglich gemacht werden.

Ein Vergleich des freigelegten Areals inklusive der ausgegrabenen Artefakte mit historischen Aufnahmen lasse Rückschlüsse auf die Häftlingsarbeit in den unterirdischen Rüstungsanlagen zu, hieß es. So stieß man u.a. auf Gebrauchsgegenstände der Häftlinge wie Löffel und Blecheimer, Werkzeuge, Maschinenteile mit Firmenlogos, Isolatoren sowie Stacheldraht. Noch im September 2009 sollen mehrsprachige historische Hinweise am Gelände angebracht werden. Das Projekt wurde zu einem wesentlichen Teil aus EU-Mitteln finanziert.

http://www.wienweb.at/content_apa.aspx?menu=4&cid=1995001141250934

Soundy
 
#84
Hallo!

Ich habe da mal eine Frage an die Wissenden!

Ich war schon vor längerer Zeit bei einer Exkursion von meiner Schule in Ebense.
Wir haben uns auch den Gedenkstollen angesehen!
Beim hingehen zum Gedenkstollen fielen mir mehrere große Eingänge auf die in den Berg gingen!
Nun wollte ich ein wenig verspätet nachfragen ob der Rest der Anlage in dem der Gedenkstollen ist frei zugänglich ist oder nicht?

Wäre für Antworten Dankbar:hopp
 

josef

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#85
Ebensee

Hallo!
Ich habe da mal eine Frage an die Wissenden!
Ich war schon vor längerer Zeit bei einer Exkursion von meiner Schule in Ebense.Wir haben uns auch den Gedenkstollen angesehen!
Beim hingehen zum Gedenkstollen fielen mir mehrere große Eingänge auf die in den Berg gingen!
Nun wollte ich ein wenig verspätet nachfragen ob der Rest der Anlage in dem der Gedenkstollen ist frei zugänglich ist oder nicht?
NEIN! Wenn Du vom Gedenkstollen und unmittelbare Umgebung sprichst, so ist das die Anlage "Zement B" und da sind die "Österreichischen Bundesforste" (ÖBF) Eigentümer! Ein Stollen wird z.B. als Schießkeller verwendet, ein anderer dient zur Lagerung von Sprengstoff für den alpinen Wegebau...

Die Stollen im Bereich des Steinbruches (mit Gleisanschluss) - "Zement A", gehören den Gmundner Zementwerken der Fa. Hatschek und sind Bergbaugebiet => Betreten Verboten!

lg
josef
 

josef

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#86
Ebensee "Zement A" - alte Fotos aus 2000

Einige alte Fotos aus 2000 und 2004 von der Anlage „Zement A“ in Ebensee:

Fotos aus 2000:

1. Blick von der Umfahrung Ebensee zum ehem. Steinbruchgelände -> Zement A. Im Berghang rechter Bildrand -> Zement B.

2. Nochmals der ehemalige Steinbruch. Der heutige Kalksteinabbau befindet sich weiter oben und ist nicht einsehbar. Hier im Vorfeld befanden sich diverse Baueinrichtungen, ein Betonfertigteilwerk für die Stollenauskleidung Zement B sowie die Raffineranlage „Iltis“.

3. Links Gleiszuffahrt zu der heutigen Untertageverladeanlage für Kalkstein. Die Einfahrt in die Stollenanlage ist nicht ident mit den ursprünglichen 2 „Fahrstollen“. Rechts das Gleis führte früher zu den parallel zur Bruchwand verlaufenden Kesselwagen Ver- und Beladegleisen. Ein Gleis führte mit einiger Steigung weiter zur ca, 1 km entfernten Anlage „Zement B“.

4. An der Wand ist die heutige Stolleneinfahrt zur Kalksteinverladung zu erkennen.

5. Stolleneinfahrt zur 1976 errichteten Untertageverladung im ehemaligen Stollen 9 (auf amerikanischen Stollenplänen der Nachkriegszeit Nr. 5).

6. Eine Wagengruppe wartet im Stollen auf die Beladung aus durch Schächte bediente Lagerbunker. Der Stollen ist an einigen Stellen besonders hoch, da ja ursprünglicht die senkrechte Montage von Raketen der „Versuchsstelle Peenemünde“ hier vorgesehen war. Nach der nicht erfolgten Verlagerung nach Ebensee wurden Erdölraffinerieanlagen in das Stollensystem eingebaut:
- "Ofen XXIII - XXX"
- "Dachs II"
- "Taube I"
 

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josef

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#87
Ebensee "Zement A" - alte Fotos aus 2004

Fotos aus 2004

7. Reste des zur Anlage „B“ weiterführenden Gleises.

8. Links befanden sich noch mehrere Gleise zur Ent- u. Beladung von Kesselwagen für die Ölverarbeitung.

9. Hinten der heutige Bahnverladestollen mit geschlossenem Rolltor.

10. -11, Weitere Stolleneingänge…

12. Alte Trafostation der Anlage.
 

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josef

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#88
Stollen Anlage "Zement B" - 2. Etage

Die von @malachit zum Fotorätsel 265. hier eingestellten Fotos zeigen die nicht für Besucher zugängliche 2. Etage oberhalb des Gedenkstollens (Stollen 5).

Der ausgebrochene Raum des Stollenprofils wurde oberhalb der abgesenkten Decke des Produktionsbereiches nochmals mit Betonfertigteilen ausgekleidet, um Raum für Büros, Lagerflächen usw. auf einer 2. Ebene zu schaffen:

1. Ehemalige Produktionsfläche Stollen 5 (Gedenkstollen) - oberhalb der Fertigteildecke befindet sich die 2. Etage.
2. Querschnitt ausgebautes Stollenprofil
(1. Aufnahme 9.2008, 2. Aufnahme Bildtafel Gedenkstollen)
 

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dj_beat_master

Aus dem Forum geworfen
#89
her einige Bilder von Zement A in Ebensee
 

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dj_beat_master

Aus dem Forum geworfen
#91
hier einen Kurzen Einblick in die Anlage Zement B
 

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josef

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#92
Als Folge der Fotos im 232. Rätselbeitrag kam eine Anfrage betreffend der Stolleneingänge von "Zement B" (Anzahl usw. ...).
Die Antwort dazu ist in diversen Vorgängerberichten in diesem Thread zu finden!

Stelle aber nochmals eine Zusammenstellung von bereits vorhandenen Mundloch-Fotos der Stollen von "Zement B" ein:

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Links: Geplante 9 Hauptstollen mit Querverbindungen lt. Büro DI. Fiebinger
Rechts: Tatsächlich ausgebrochene Stollen lt. Vermessungen aus der Nachkriegszeit
Für die Stollen 7 und 8 war aus geologischen Gründen kein Zugang vom Stollenvorfeld vorgesehen.
(Quelle: Bildtafeln im Gedenkstollen 5 - Aufn. 2008)

Die nachfolgenden Fotos der Stollenmundlöcher 1 - 6 und 9 stammen aus 2000, 2004 u. 2008 und sind teilweise in Beiträgen des gegenständlichen Threads schon einmal zu sehen:
 

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josef

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#93
Luftbilder vom "Hatschek-Kalksteinbruch" in Ebensee aus den frühen 1930iger Jahren, ab Anfang 1944 Baustelle für die Untertageanlage "Zement A":

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Bildquelle für beide Fotos: Rechtsfreie Fotos aus dem ÖNB-Projekt Österreichische Nationalbibliothek Crowdsourcing

Die rechts sichtbaren Anlagen wie Brecher, Förderbrücken und Bahnverladeanlage wurden nach der 1976 in Betrieb genommenen, in einem ehemaligen Stollen der "Anlage A" untergebrachten, unterirdischen Waggonverladung abgerissen.
 

josef

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#94
Beitrag aus den "Mitteilungen des Landesvereins für Höhlenkunde in OÖ. - 1989/1"
(S. 8 - 19)

Teil 1.
DIE EBENSEER STOLLENANLAGEN

(von Dietmar Kuffner)

I. Historischer Rückblick:

1. Einleitung
Zentrum der Entwicklung und Produktion der sogenannten Vergeltungswaffen (V-Waffen) des dritten Reiches war Peenemünde an der Ostsee. Aufgrund schwerer Bombenangriffe im Frühjahr 1943 an das Werk, das zwar größtenteils unterirdisch arbeitete, aber keine große Felsüberdeckung hatte und deshalb große Schaden erlitt, war die Arbeit dort zu unsicher geworden. Man plante deshalb, den Betrieb in Peenemünde einzustellen. Brigadeführer Kammler, dem die Leitung der V-Waffenentwicklung unterstand, schlug eine Dreiteilung des Werkes vor: Das Hauptwerk für die Montage sollte in Nordhausen im Harz entstehen, eine Schussbahn für die Raketentests in Blizna (Polen) und das Entwicklungswerk in Ebensee. (IRVING, 1976)


Im Juli 1943 wurde auch die Raketenfertigung ins damals noch luftsichere Österreich verlegt. In den Raxwerken in Wiener Neustadt lief der Betrieb im Oktober 1943 an. Im November gab es bereits schwere Bombenangriffe auf dieses Werk.


2. Das Konzentrationslager
Die besondere Dringlichkeit der Raketenentwicklung veranlasste den Reichsführer SS, Himmler, diese Projekte unter Heranziehung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern voranzutreiben.


Am 18.11.1943 wurde mit dem Aufbau des Lagers in Ebensee und gleichzeitig auch mit dem 8tollenbau begonnen. Des Lager hatte einen durchschnittlichen Stand von 8000 Häftlingen.

Der Höchststand war zu Kriegsende mit 18437 zu verzeichnen. Insgesamt starben 8745 Häftlinge. Eindrucksvolle Schilderungen von den erschütternden Zuständen im Lager enthält das Werk von Prälat Franz LOIDL (1967).

Zur Organisation und Vorantreibung der Häftlingsarbeit in der Rüstungsproduktion wurde ein zentraler Sonderstab unter SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Dr. Ing. Kammler gebildet. Die Spitze dieses Sonderstabes war das "Baubüro Dr. Kammler" in Berlin.

Diesem Büro unterstanden regionale SS-Sonderinspektionen. Für Ebensee war dies der "SS-Führungsstab B 9" unter der Leitung von Dipl. lng. Karl Fiebinger, dem die gesamte Planung und der Bau der Anlagen oblag. Das Projekt wurde mit dem Decknamen "Solvay Kalksteinbergwerk, Bauvorhaben Zement", kurz Projekt "Zement" bezeichnet"

Ähnlich wie beim Stollenbau in Roggendorf plante man, in Anbetracht der bevorstehenden Befreiung durch die Amerikaner auch in Ebensee sämtliche Lagerinsassen in die Stollen zu schicken (Anlage B, Stollen 6), und diese mittels einer mit Sprengstoff gefüllten Dampflokomotive zu sprengen. Glücklicherweise wurde dieser verbrecherische Plan verraten. Die Häftlinge weigerten sich, weiteren Anordnungen folge zu leisten. (KENDLER,1986). Die Befreiung des Lagers erfolgte am 6.Mai 1945.

3. Die Anlagen
Die baulichen Anlagen erstreckten sich vom Traunseeufer in Rindbach an der rechten Talseite bis zur Offenseestraße, also über eine Strecke von 4,6 km.


Den Kern bildeten die beiden Stollensysteme Anlage A und B. Anlage A wurde im Gelände des Steinbruchs der Firma Hatschek gebaut, Anlage B auf der Finkerleiten, wo sich auch das KZ befand. Am südöstlichen Ende des Traunsees in Rindbach wurde ein kleineres Stollensystem in das "Kögerl" bei der Loiperngrube getrieben. Das Stollensystem wurde durch einen breiten offenen Kanal mit dem Traunsee verbunden und sollte angeblich der Wasserversorgung dienen.

Darüber hinaus wurde eine Reihe von weiteren Wasserleitungen und Grundwasserbrunnen errichtet. Die Brunnen wurden nach Kriegsende von der Gemeinde übernommen und stehen heute noch in Verwendung. Beim Landsgraben wurde eine Kläranlage errichtet und von dort aus eine Abwasserleitung zur Traun.

Zur Unterbringung der zahlreichen Zivilarbeiter wurden im Bereich des Steinbruchs ausgedehnte Barackenlager gebaut. Für höhere Bedienstete war die Wohnanlage an der Offenseestraße vorgesehen, die heute ebenfalls von der Gemeinde verwaltet wird.

Anlage A und B wurden ans Bahnnetz angeschlossen. Im Bereich des heutigen Sägewerks Schwaiger wurde ein eigener Werksbahnhof gebaut.

Für Ausbauarbeiten in den Stollen siedelte sich eine Reihe von Industriebetrieben an, darunter ein Betonwerk der Firma Hofmann&Maculan (Heute „Ebenseer") und die Siemens-Bauunion am Gelände der Saline Steinkogl.

Der Bau der Anlage war die größte Baustelle in der Geschichte des gesamten Salzkammerguts. Laut einem amerikanischen Militärbericht waren im Mai 1944 insgesamt 9890 Personen am Bau tätig. Der Großteil davon, nämlich 6916, waren KZ-Häftlinge.

Darüber hinaus waren 1168 Zivilarbeiter, 219 Techniker, 1231 Fremdarbeiter, sowie 356 Kriegsgefangene beschäftigt. Dazu kam noch die SS-Wache mit 513 Mann. Vergleicht man diese Zahlen mit der Bevölkerungszahl Ebensees, die 1939 nur 8653 betrug und der Zahl der Erwerbstätigen der Gemeinde Ebensee, mit 2379 im Jahr 1968, so erhält man einen Eindruck von der Dimension dieser Baustelle.

Über den Bau selbst wurde strengste Geheimhaltung gegenüber der Bevölkerung bewahrt. Als Zivilarbeiter wurden keine Einheimischen eingestellt. Auch ihnen war strengstes Stillschweigen auferlegt. Die sehr umfangreichen Materialanlieferungen erfolgten qrößtenteils in der Nacht, um möglichst wenig Aufsehen zu erregen.



4. Arbeitsweise
Aus einem amerikanischen Militärbericht, der den Zeitraum Mai 1944 erfasst, geht hervor, dass zu dieser Zeit in Anlage A an 8 Stollen gleichzeitig gearbeitet wurde. Der tägliche Stollenvortrieb betrug für die Pilotstollen (3x4 m im Querschnitt) etwa 3 Meter je Stollen, also insgesamt 24 m. Gearbeitet wurde in zwei Schichten: Tagschicht 7.00 his 18.00 und Nachtschicht von 19.00 bis 6.00 Uhr.


An Transportfahrzeugen waren von 37 geplanten LKW 14 im Einsatz, dazu 2 Pferdefuhrwerke. In den Stollen waren unter anderem 41 Luftkompressoren, 199 Luftbohrer, 14 Dampflokomotiven (z.T. zur Drucklufterzeugung) , 18 Diesellokomotiven, 1 elektrische Lokomotive und 12 Betonmischanlagen im Einsatz.

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Die Stollensysteme bestehen aus großräumigen Hauptstollen, die durch kleiner dimensionierte Querstallen verbunden werden. Die Hauptstollen weisen durchschnittlich 10-10,8 m Breite und ca.10,5 m Höhe auf. Diese großen Dimensionen machten ein Vorgehen, in mehreren Phasen notwendig. Abweichend von der traditionellen Tunnelbauweise im Kalk, die ein schrittweises Aufbauen der Tunnelgewölbe durch 3 voneinander getrennte Stollen vorsah, konnte hier, wohl aufgrund der günstigen Gesteinsverhältnisse und der steilen Lage der Schichten, folgendermaßen gearbeitet werden:


1. Zunächst wurde ein Pilotstollen mit 3 m Höhe und 4 m Breite mit Rechteckprofil geschlagen. Geleise für die Grubenbahn wurden verlegt, und das Abraummaterial abtransportiert. Bei Anlage A wurde eine isolierte Abraumhalde angelegt, bei Anlage B wurde vor den Portalen eine Arbeitsfläche durch das Abraummaterial aufgeschüttet.
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2. Die Pilotstollen wurden bei gleichbleibender Breite zunächst 2 bis 3 Meter nach oben hin erweitert. Dabei machte man sich das Abraummaterial zunutze indem man daraus eine etwa 2 m hohe Arbeitsplattform errichtete, und so von zwei Seiten bohren konnte.
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3. Synchron dazu wurde einige Meter dahinter die Plattform auf 5 bis 6 Meter erhöht, wodurch dann die geplante Stollenhöhe von ca. 10 Metern erreicht werden konnte.
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Erst dahinter wurde das Abraummaterial abtransportiert. Die Plattform wanderte damit in Vortriebsrichtung weiter. Allerdings lassen sich hier zwei verschiedene Vorgangsweisen unterscheiden:

a) Entweder wurde bei diesem Arbeitsschritt gleich die obere Hälfte des Profils fertig ausgesprengt, oder

b) man beließ das Profil in der ursprünglichen Breite und bewältigte die Erweiterung an den Ulmen in einem weiteren Schritt, indem man die Erweiterung in der oberen Hälfte von einer Holzplattform aus vornahm. (In Anlage B sind im Stollen 1 noch Reste einer solchen Plattform zu finden).

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Das Ergebnis ist wie im ersten Fall ein pilzähnliches Querprofil.

4. Der nächste Schritt bestand in der Abtragung der stehengebliebenen Seitenleisten. Dazu war ein Holzgerüst nicht mehr erforderlich. In einigen Stollen wurden noch zusätzlich Gräben für Entwässerungs- und Abwasserrohre gezogen.
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5. Der weitere Ausbau der Stollen bestand
a) in einer vollen Betonverschalung
b) im Ausbau als Produktionshalle mit Betonfertigteilen und eingezogener Zwischendecke und Büroräumen im oberen Stock (Abb.1), oder


c) lediglich im Ausbau der Sohle.

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5. Die Änderung des Plans
Für den Aufbau der Raketenentwicklungen Ebensee galt der ausdrückliche Befehl, die Anlagen nur für Kriegsdauer einzurichten, und zwar für die Weiterentwicklung der V2-Rakete, auch bezeichnet als A4 (Aggregat 4), für die Entwicklung der A9 (geflügeltes A4) und für die Flakrakete "Wasserfall". Die Prüfstände sollten auf 25 t Schub ausgerichtet werden, dazu sollten Hallen kommen, in welchen die Raketen senkrechtstehend montiert werden konnten.


W. v. Braun und seine Ingenieure hatten aber größeres im Sinn. Ihr Ziel war damals schon die Weltraumfahrt. Dieses über die Kriegszwecke hinausgehende Vorhaben brachte W. v. Braun 1943 sogar für einige Wochen ins Gefängnis. Dennoch konnte er wieder hohe Militärs dafür gewinnen, die neue Anlage für eine Schubkraft von 200t und damit für Raketen auszubauen, die eine zehnmal größere Reichweite haben sollten wie das A4.

Diese Planung auf weite Sicht brachte dem Projekt aber schließlich seinen vorzeitigen Abbruch. Die Arbeiten blieben nämlich wesentlich hinter der Planung zurück, sodass mit einer Inbetriebnahme erst 1946 gerechnet werden konnte. Am 6.Juli 1944 wurde auf Vorschlag von Reichminister Speer der Plan aufgegeben. Die Anlage sollte für andere unterirdische Produktionsbetriebe umgebaut werden. Ob zu diesem Zeitpunkt schon die zahlreichen Prüfstände in den Stollen existierten, was vielfach behauptet wird, bleibt allerdings fraglich, da ja bekannt ist, dass im Mai noch an acht Pilotstollen gearbeitet wurde.

In Anlage B wurden Maschinen zur Fertigung von Kugellagern und Panzergetrieben der Firma Steyr-Daimler-Puch-AG eingebaut. Die Produktion begann Anfang 1945. Gleichzeitig wurde hier noch am Stollenvortrieb gearbeitet.

In Anlage A wurde eine Öl-Raffinerie errichtet. Im Mai 1944 begann von England aus die sogenannte Öloffensive, die bis November zum Totalausfall der Ölverarbeitung in den größten Raffinerien führte, die alle im Wiener Einzugsbereich lagen. Am 1.August 1944 wurde das "Ofenprogramm" beschlossen.

Dabei sollten 20 Kleindestillationsanlagen an dezentralen Standorten errichtet werden. Acht Öfen davon wurden von der SS in Ebensee gebaut. In dieser mit dem Decknamen "Dachs I" bezeichneten Anlage sollte Autobenzin erzeugt werden. Aus dem Rückstand wollte man in einer Vakuum-Anlage, "Dachs II", Schmieröl herstellen. Die Anlagen wurden aus Bestandteilen demontierter französischer Raffinerien aufgebaut. Darüber hinaus war noch eine Crackanlage "Taube I" geplant, sowie eine Anlage für Flugbenzin, "Iltis", für die im Wimmersberg schon mit dem Stollenbau begonnen wurde.

Bis zum Kriegsende konnte in der Anlage "Dachs 1" bestenfalls der Probebetrieb begonnen werden. Erst nach Kriegsende ging die Anlage in Betrieb. Die Produktion erfolgte mit primitivsten Mitteln. Die Benzingewinnung aus Erdö1 betrug lediglich 5% gegenüber 50 bis 60 % heute. Produziert wurde lediglich von Mai bis November 1945, wobei Rohö1 aus Rumänien und Zistersdorf, das auf der Donau in Schiffen lag, aufgearbeitet wurde. Pro Tag konnten damals etwa 1000 t Rohö1 verarbeitet werden.

Bis 1948 lag die Anlage dann still. Dann plante das Wiederaufbauministerium eine erneute Inbetriebnahme. Eineinhalb Jahre lang wurde die Anlage repariert und instandgesetzt. Zur Wiederinbetriebnahme kam es allerdings nicht. Die Anlage wurde 1951 abgebaut und ging zum Großteil als Reparationsleistung an Frankreich nach Algerien.
 

josef

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#95
Teil 2.
DIE EBENSEER STOLLENANLAGEN


II. Die Stollenanlagen

1. Stollensystem Anlage A (Kat.Nr.: 1617/K2)
Die Stollenanlage liegt auf dem Steinbruchgelände der Firma Zementwerke AG, Hans Hatschek in Ebensee. Der Steinbruch liegt in den NW-Abhängen des Haslergupf, einer Vorlagerung des Eibenbergs und ist von Ebensee aus kaum zu übersehen. Vom Ortszentrum aus ist er über die Bahnhofstraße und die Dr. Rasperstraße zu erreichen. Die insgesamt 21 Portale liegen in 430 bis 480 m Seehöhe und sind ebenfalls unschwer zu finden.

Das Stollensystem Anlage A weist eine Gesamtlänge von 5440 m auf. Die maximale Horizontalerstreckung beträgt 510 m. Die Anlage besteht aus einem Hauptsystem in 430 m Höhe, das durch insgesamt 9 Schächte mit einzelnen höherliegenden Stollen in Verbindung steht. Das Hauptsystem besteht aus 12 Stallen, von denen die längsten fünf eine Länge von 330 m haben. Verbunden werden sie durch zwei bzw. drei durchgehende Querstollen, von denen zwei ebenfalls an den Tag führen. 11 weitere Querschläge verbinden jeweils nur zwei Hauptstollen miteinander.

Die Stollen sind nur zu einem kleinen Teil mit Beton ausgekleidet. Insbesondere die Kreuzungsstellen mit den Querstollen sind ausgebaut. Während des Raffineriebetriebes kannten die einzelnen Stollenteile luftdicht voneinander abgeschlossen werden. Dadurch konnte man Brände leicht unter Kontrolle bringen.

Tatsächlich wurde damals ein Brand während des Probebetriebes innerhalb weniger Minuten auf diese Weise erstickt. Die Anlagen in den Stollen wurden mittels ausgespannter U-Bootnetze vor Steinschlag gesichert. In den Stollen 7 und 8 sind riesige Tanks aus Stahlbeton eingebaut. Auch im Stollen 9 befanden sich gemauerte Tanks die aber dem Steinbruchbetrieb weichen mussten. Die Destillationskolonnen der Raffinerie befanden sich in den Stollen 8, 9 und 10. Diese Stollen weisen stellenweise enorme Raumhöhen auf. Im Stollen 9 befinden sich zwei mit Beton ausgekleidete Hallen mit einer Höhe von 17 bzw. 19 Meter. Vermutlich handelt es sich hierbei um die geplanten Raketenmontagehallen.

Von den neun Schächten münden fünf in höherliegende Stollen. Am Portal von Stollen 12 befand sich eine große Bewetterungsanlage. Zwei Schächte im Stollen 11 waren Rauchabzugsschächte, die in einen riesigen Betonklotz münden, der die Form eines Hauses hat und heute noch am oberen Plateau des Steinbruchs steht. Dadurch wollte man Schäden der Anlage durch eventuelle Bombenangriffe vermeiden. Von zwei Schächten in den Stollen 3 und 5 ist der Verlauf und eine mögliche Verbindung mit höherliegenden Stollen nicht bekannt.

Die oberen Stollen liegen 20-49,5 m über dem Hauptsystem. Sie sind untereinander nicht verbunden, bilden also kein zusammenhangendes oberes Stockwerk. Die Stollen H2-H5 liegen auf dem oberen Plateau des Steinbruchs und sind streckenweise Abbauarbeiten zum Opfer gefallen. Stollen. H1 sollte ein Wasserreservoir beinhalten, Stollen H6 mündet in die Decke von Stollen 9. Stollen H7 verläuft quer über die Stollen 10, 11 und 12. Er ist voll ausgebaut, beinhaltet eine Reihe von Betonsockeln und hat Anschluss an die Rauchabzugsschächte aus dem Stollen 11.

Das Stollensystem liegt im Trias-Plattenkalk, dessen Schichten steil nach Westen einfallen. Typisch für dieses Gestein ist, dass es stellenweise von oft mehreren Metern mächtigen, tonig, mergeligen Zwischenlagen durchsetzt ist. Diese Mergelschichten erschwerten einerseits den Stollenvortrieb, indem die Bohrer häufig steckenblieben, andererseits führten sie zu oft mächtigen Verbrüchen. Die Stollenabschnitte im Kalk zeigen hingegen kaum Verbruchserscheinungen. In den Stollen 3,6,10,11 und 12 erreichen die Verbruchmassen zuweilen Höhen von bis zu 8 Metern. Nach einer Planaufnahme aus dem Jahr 1965 waren damals alle diese Verbrüche, mit Ausnahme jenes, im Mittelabschnitt von Stollen 6 bereits niedergegangen. Im Querstollen A, zwischen den Stollen 1 und 2, wurde eine wasserführende Tonlage vollständig ausgewaschen und bildet heute eine große offene Spalte. Das ausgewaschene Material überschwemmte den Querstollen A, dessen Portal 1972, nach dem Selbstmord eines Jugendlichen im Stollensystem zugeschüttet wurde, mehrere Meter hoch, wodurch dieser heute fast unzugänglich ist. Bei den Vortriebsarbeiten stieß man im Stollen 5 auf eine aktive Karsthöhle, die ins Stollenentwässerungsnetz eingebunden werden musste (siehe Bericht: Adlerhöhle).

In vielen Stollenabschnitten, besonders aber im Eingangsbereich von Stollen 12, findet man Tropfsteine und Sinterröhrchen mit mehr als einen Meter Länge. In den hintersten Teilen von Stollen 6 findet man feine Gipsnadeln auf ausstreifenden Mergellagen. Im Querstollen B befindet sich eine Spalte mit pyritführendem Mergel, die von Mineraliensammlern bereits vollkommen ausgeräumt wurde.

Die Firma Hatschek benutzt heute Teile des Stollensystems für den Steinbruchbetrieb. In den Stollen 9, H5 und im Verbindungsschacht befindet sich die Brecher- und Verladeanlage. Stollen 8 und H4 werden als Garagen für Großmaschinen benutzt.

Das Stollensystem wurde von Dezember 1987 bis Mai 1988 in 7 Fahrten und insgesamt 45 Stunden unter Tag vermessen.

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2. Stollensystem Anlage B (Kat.Nr. : 1617/Kl)
Die sechs Portale des Stollensysteme liegen am Fuß der NW-Abhänge des Seebergs in der Ortschaft Roith (Ebensee). Dort wo die Finkerleitenstraße, die im leichten Anstieg die sogenannte Finkerleiten, eine würmzeitliche Eisrandterrasse hinaufführt, die Höhe der Terrassenfläche erreicht, befindet sich eine Kreuzung. Geradeaus weiterfahrend zweigt nach wenigen Metern linker Hand eine Schotterstraße ab, die leicht ansteigend zum Fuß des Berges führt, an dem sich die Portale befinden.


Anlage B sollte aus 9 Hauptstollen mit maximal 260m Lange und drei Querstollen bestehen. Insgesamt waren sieben Portale vorgesehen. Die Gesamtlänge des Systems sollte 2870 m ausmachen. Davon wurden allerdings nur 2259 m, also 78% fertiggestellt. Auch der Ausbau der Stollen ist unvollständig. Die Hauptstollen sollten zu Fertigungshallen mit Betonfertigteilen ausgebaut werden. In dieser Art wurden jedoch nur die jeweils vorderen Abschnitte der Stollen 1,2 und 5 fertiggestellt. In diesen Stollen und auch in einigen Querstollen wurde 1945 bereits produziert, während in anderen Teilen noch gesprengt wurde.

Stollen 9 konnte mit dem übrigen System nicht mehr verbunden werden. Stollen 8 wurde als einziger nicht begonnen. Zur Zeit der Befreiung des Lagers 1945 erfolgte an fünf Stellen noch Vortrieb bzw. Erweiterung: In den Pilotstollen 6 und 7, im mittleren Querstollen und in den hinteren Teilen der Stollen 1 und 5 stecken noch die Bohrer in den Löchern, teilweise auch Sprengstoff. An diesen Stellen lässt sich die Arbeitsweise gut rekonstruieren (siehe Kap.I.4).

Im Gegensatz zu Anlage A ist Anlage B durch Verbruchvorgänge und Wassereinbrüche weniger verändert worden. Die sehr steil einfallenden Schichten des Plattenkalks bilden stabile Tunnelgewölbe. Lediglich die südlichsten Abschnitte des Systems, vor allem Stollen 5, liegen im Hauptdolomit. Hier erfolgt eine intensive Abgrusung des Gesteins und damit umfangreiche Schuttbildung.

Portal 4 liegt direkt in einer Oberflächenrinne und ist heute dadurch schon fast vollkommen verstürzt. Das Stollensystem liegt etwa 10 m über dem Niveau der Finkerleitenterrasse. Mit dem Abraummaterial wurde vor den Portalen eine 400m lange und bis zu 50m breite Arbeitsplattform aufgeschüttet.

Das Stollensystem wurde im Februar 1987 in 14-stündiger Arbeit vermessen.

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3. Kesselhausstollen und Trafo-Stollen (Kat. Nr.: 1617/K3 , K4)
Die beiden Stollen liegen nur ca. 30m südwestlich des Hatschek-Steinbruchs. Südwestlich des Steinbruchs folgt man hinter dem Haus Alte-Traunstraße 31 dem Bahndamm des Steinbruchbetriebes in südwestliche Richtung. Bereits nach wenigen Metern breitet sich ein , von dichtem Gestrüpp bewachsener Platz aus, der bergwärts von einer steilen, glatten Felswand begrenzt wird. In dieser Felswand befinden sich die beiden, 25 m voneinander entfernten Portale.


Der nördliche der beiden Stollen, der Kesselhausstollen besteht aus einem Eingangsbereich in dem sich die Einfassungen von drei Toren befinden und einer großräumigen Halle. Neben Bauschutt findet man große Betonsockel der ehemaligen Anlage.

Der Trafo-Stollen ist zur Gänze mit Stahlbeton ausgekleidet und war zur Unterbringung einer Umspannanlage vorgesehen .


4. H-Stollen (Kat.Nr.: 1617 /K5 )
Die zwei Eingänge befinden sich etwa 350 m ENE des Almhauses an der Alten-Traunstraße , am Fuß des Haslergupfes. Beide Eingänge waren seit Jahren durch abgerutschte Schutt- und Erdmassen verschlossen gewesen. Im November 1988 wurde einer der beiden Eingänge in mehrstündiger Grabarbeit auf schliefbare Größe geöffnet .


Der Stollen hat eine Länge von 117,5 m. Er diente als Luftschutzstollen für die damals hier untergebrachten Techniker und Zivilarbeiter. Aufgrund des brüchigen Gesteins (Kössener Schichten) sind die vorderen Abschnitte bis zum Querstollen stark verbrochen. In den hinteren Teilen findet man schöne Bodensinterformen.
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III. Literaturverzeichnis:

AUSZÜGE aus Dokumenten des FIR. : Ebensee - Internat. Hefte der Widerstandsbewegung, 2.Jg. ,Nr.3, Wien 1960

HINDINGER, G.: Das Kriegsende und der Wiederaufbau demokratischer Verhältnisse in Oberösterreich im Jahre 1945. ... Wien 1968

IRVING, D. : Die Geheimwaffen des Dritten Reiches. – Gütersloh 1965

KENDLER, E. : Nie wieder! Das Kozentrationslager Ebensee - Bad Ischl, o.J. ( 1986) - Erstveröff. in: Beiträge zur Geschichte des Bezirks Gmunden (II) . Unterrichtspraktische Veröffentlichungen des Päd. Inst. des Bundes f. O.Ö , Linz 1984

LOIDL, F. : Entweihte Heimat. KZ Ebensee,- Miscellanea aus dem Kirchenhist. Inst d. Kath. -theol. Fak.Wien XIII, Wien 1971

MARSALEK, H.; Die Geschichtedes KZ Mauthausens.- 2. Aufl. Wien, 1980

SCHAUSBERGER, N. Rüstung in Österreich 1938-1945. Eine Studie über die Wechselwirkung von Wirtschaft, Politik und Kriegsführung- - Wien 1970

USFET, "German Underground Installatioens, part one of the Unique Designs and Costructions Methods.” Combned Intelligence Division Office, Chief Engeneer, USFET, APO 887, PB 25.638, 1945


Quelle: https://www.zobodat.at/pdf/MittVerHoehlenkOOe_092_1989_0001-0061.pdf
 
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Zentrum der Entwicklung und Produktion der sogenannten Vergeltungswaffen (V-Waffen) des dritten Reiches war Peenemünde an der Ostsee. Aufgrund schwerer Bombenangriffe im Frühjahr 1943 an das Werk, das zwar größtenteils unterirdisch arbeitete, aber keine große Felsüberdeckung hatte und deshalb große Schaden erlitt, war die Arbeit dort zu unsicher geworden
Ist jemanden Bekannt wo das in Peenemünde gewesen sein soll? Von Unterirdischer Produktion ist mir nichts bekannt, soll nicht möglich gewesen sein wegen Grundwasser. mfg.kallepirna
 

josef

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#97
...war Peenemünde an der Ostsee. Aufgrund schwerer Bombenangriffe im Frühjahr 1943 an das Werk, das zwar größtenteils unterirdisch arbeitete
Hallo Kalle,
die Einleitung wurde von den Höhlenforschern, wie im Quellenhinweis am Ende des Absatzes angemerkt, aus einer Veröffentlichung des umstrittenen Autors David Irving übernommen...

Die weiteren Passagen sind meines Erachtens im Großen und Ganzen eine den (bekannten und belegten) Tatsachen entsprechende kompakte Kurzfassung des Themenkomplexes Ebensee.
 
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