"Ehem. Fabriks-Feuerwehr-Gerätehaus" Hoheneich der Fa.Backhausen

Bunker Ratte

Well-Known Member
#1
Bei meiner heutigen Tour im Niederösterreichischen Waldviertel, konnte ich so einige Interessante Orte entdecken, wie z.B. das ehemalige Fabriks-Feuerwehr-Gerätehaus der Werkskolonie Backhausen. Das Feuerwehr-Gerätehaus steht unter Denkmalschutz und wird renoviert bzw. vor dem kompletten Verfall bewahrt.
Aus der Ferne betrachtet wirkt es wie ein eingeschossiges Haus oder eine kleine Villa mit angebautem Türmchen, die geradezu idyllisch am Rand eines Wäldchens liegt. Geht man jedoch näher und schließlich um das Gebäude herum, erkennt man erst, dass es da auch noch ein Untergeschoss gibt. Dieses ist aber mit der Rückseite direkt an eine Geländekante gebaut, sodass es von hinten bzw. oben eben nicht zu sehen ist.

Von vorne betrachtet, erkennt man nun auch die drei großen Einfahrtstore für die Feuerwehrfahrzeuge und darüber die Beschriftung: Fabriks-Feuerwehr-Gerätehaus. Der Wortlaut erinnert daran, dass das Gebäude nicht zur Brandbekämpfung in Hoheneich errichtet wurde, sondern als Teil der außerhalb des Ortes gelegenen Werkskolonie der Firma Backhausen.

Das auf Möbel- und Vorhangstoffe spezialisierte Unternehmen Backhausen genießt heute vor allem wegen seiner Zusammenarbeit mit der Wiener Werkstätte am Beginn des 20. Jahrhunderts einen legendären Ruf. Gegründet wurde es allerdings schon Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien, bald darauf wurde die Produktion aber teils ins böhmische Chotěboř, teils nach Hoheneich verlegt. Hier, unweit von Gmünd und der Grenze nach Böhmen, wurde ab 1872 ein neues, in Teilen noch heute bestehendes Werk angelegt. Die Standortwahl hing eng mit der 1871 erfolgten Fertigstellung der Kaiser Franz Josephs-Bahn zusammen, die von Gmünd aus eine direkte Anbindung sowohl nach Wien als auch nach Prag ermöglichte.

Das Backhausen-Werk war, wie bei solchen Anlagen üblich, fast so etwas wie eine eigene kleine Siedlung. Neben den eigentlichen Produktionsgebäuden wurden Wohnhäuser für Arbeiter und Angestellte und eben auch ein werkeigenes Feuerwehrhaus errichtet. Die Nutzung durch die Betriebsfeuerwehr beschränkte sich freilich auf das Untergeschoss und den obligatorischen Schlauchturm. Im Obergeschoss war hingegen die Wohnung des Werksleiters untergebracht. Vielleicht erhielt das Gebäude auch deshalb einen Charakter, der bei aller Bescheidenheit doch etwas Repräsentatives an sich hat. Das gebänderte Untergeschoss und die in einfachen klassizierenden Formen gehaltenen Fensterumrahmungen bieten so etwas wie 08/15-Historismus, der zwar an der Wiener Ringstraße nicht weiter auffallen würde, am Rande eines damals 1100 Einwohner zählenden Waldviertler Dorfes aber doch ins Auge sticht.
Quelle: https://baudenkmaeler.wordpress.com/2016/05/21/ehm-feuerwehrgebaude-hoheneich-niederosterreich/

Wer mehr über die Backhausen GmbH erfahren möchte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Joh._Backhausen_&_Söhne

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HF130C

Well-Known Member
#6
Danke für diesen interessanten Bericht. Absolut sehenswert die Anlage.

Im Inneren sieht man, daß das Gebäude schon gestützt wird um nicht einzustürtzen!
Man sieht auf den Fotos, dass in diesem Geschoß die Wände herausgerissen wurden, darunter auch tragende, und anstelle dieser musste man die Stützen aufstellen. Offensichtlich wird im Zuge der "Sanierung" auch die Raumaufteilung "modernisiert". Wie sich das wohl mit dem Denkmalschutz vereinbaren lässt?

Die Schauhöhle ist ja interessant. Ist diese natürlichen Ursprungs oder wurde dieser Hohlraum erst für Zwecke des Unternehmens geschaffen? Wenn ja, war das Zwergerlmuseum sicher nicht der Hauptzweck...
 
#7
Danke für den interessanten Beitrag.
Backhausen ist eine der wenigen alten Firmen (von den üblich verdächtigen Branchen wie wir sie hier oft in den Lost Places sehen), die überlebt haben. Zuletzt auch mit einigen Schwierigkeiten.
 

Bunker Ratte

Well-Known Member
#8
Man sieht auf den Fotos, dass in diesem Geschoß die Wände herausgerissen wurden, darunter auch tragende, und anstelle dieser musste man die Stützen aufstellen. Offensichtlich wird im Zuge der "Sanierung" auch die Raumaufteilung "modernisiert". Wie sich das wohl mit dem Denkmalschutz vereinbaren lässt?
Hallo HF130C,
erstmal danke für die Blumen,
laut Auskunft einer netten Dame vom Verkauf der Fa.Backhausen, wird dieses Objekt original getreu saniert. Vorallem der Schlauchturm ist interessant mit seinem Laubsägedekor. Sie sagte auch, das dieses Gebäube unter Denkmalschutz steht. Herzlichen dank der netten Dame für das Gespräch und die Auskunft! Vermutlich wird hier ein Museum entstehen der Fa. Backhausen, ist aber reine spekulation!

Die Schauhöhle ist ja interessant. Ist diese natürlichen Ursprungs oder wurde dieser Hohlraum erst für Zwecke des Unternehmens geschaffen? Wenn ja, war das Zwergerlmuseum sicher nicht der Hauptzweck...
Die Höhle ist natürlichen Ursprungs und diente in den Kriegsjahren als Schutz für die Arbeiter im Betrieb. Das Museum wurde erst vor ca.10Jahren in der Höhle errichtet. Auch diese Informationen habe ich von der Netten Dame erfahren!

Lg
Michi
 

HF130C

Well-Known Member
#9
Danke für die Angaben aus erster Hand, es war eine gute Idee, vor Ort weitere Infos einzuholen!

laut Auskunft einer netten Dame vom Verkauf der Fa.Backhausen, wird dieses Objekt original getreu saniert.
Dann sieht es ja nicht so schlecht für das Gebäude aus. Es passiert ja leider öfters, dass solche Sanierungen denkmalgeschützter Gebäude "irrtümlich" misslingen und dann wegen "Gefahr in Verzug" das Gebäude einfach abgerissen wird. Ganz prominent und unter öffentlicher Beobachtung ist das z.B. in Graz mit dem berühmten "Kommod-Haus" in der Innenstadt passiert. Die Denkmalbehörde ist da offenbar recht machtlos bei solchen Machenschaften.

Die Höhle ist natürlichen Ursprungs und diente in den Kriegsjahren als Schutz für die Arbeiter im Betrieb. Das Museum wurde erst vor ca.10Jahren in der Höhle errichtet.
Konntest du erfahren, wie weit die Höhle begehbar ist? Was sieht man da drinnen, was wird in diesem Museum ausgestellt? (..ich nehme einmal nicht an, dass es ein Gartenzwergmuseum ist ...). Eventuell konntest du die vom Eingang sichtbare Schautafel lesen, die weitere Auskünfte gibt?
Denkst du, dass ein Besuch lohnt oder ist dieses Museum auch schon ein LP?
 

Bunker Ratte

Well-Known Member
#10
Dann sieht es ja nicht so schlecht für das Gebäude aus.
Das hoffe ich auch, weil dieses Gebäude eine einzigartige Struktur bzw. symbolig aufweist! Die ich zu vor noch nie gesehen habe;)

(..ich nehme einmal nicht an, dass es ein Gartenzwergmuseum ist ...).
Ich konnte die Höhle leider nicht besichtigen, weil die nette Dame keinen Schlüssel für den Zugang hatte. Nur so viel steht fest, das es sich tatsächlich um eine Märchengrotte(Höhle) handelt, die von der Firma eingerichtet wurde. Mehr Informationen konnte ich nicht erfahren. Da sich der Eingang vom Ausgang in etwa einer Entfernung von 50m befindet, nehme ich an das sie auch nicht grösser sein wird? Jedoch finde ich denoch interessant ob noch Spuren der Vergangenheit zu sehen sind. Ich denke, einen Besuch ist das Gelände wert.

Lg
Michi
 

HF130C

Well-Known Member
#11
Jedoch finde ich denoch interessant ob noch Spuren der Vergangenheit zu sehen sind. Ich denke, einen Besuch ist das Gelände wert.
Danke für den Hinweis. Dann sollte man dieses Museum für einen allfälligen Besuch im Auge behalten. Idealerweise könnte man ergänzend bei der Firmenleitung wegen einer Besichtigung der aufgelassenen Werkhallen vorstellig werden.
 

Bunker Ratte

Well-Known Member
#12
Idealerweise könnte man ergänzend bei der Firmenleitung wegen einer Besichtigung der aufgelassenen Werkhallen vorstellig werden.
Hmmm, laut Auskunft des Verkaufes, ist dies nicht gestattet! (Zu gefährlich wegen Einsturzgefahr) Eventuell lässt sich die Geschäftsführung erweichen, die bei meinem Besuch leider nicht vor Ort war. Vielleicht mach ich einen Abstecher, wenn ich mal nach Ottenstein fahre:D

Lg
Michi
 

wolfsgeist

Well-Known Member
#13
Dieses schöne Gebäude im Waldviertel wird gerade renoviert.

Edit: Und natürlich war die Bunker Ratte schon vor Jahren hier ;) Mit der Renovierung scheint es nicht voran zu gehen, die selben Stützen wie in #3 habe ich von außen gesehen.

3.JPG
 

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