"Ehem. Kurort" Neuhaus an der Triesting

Bunker Ratte

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#1
Bei meiner Reise durch Neuhaus an der Triesting, blinzelte mich ein schönes historisches Gebäude an. Natürlich konnte ich mir das nicht entgehen lassen und ging eine Runde im Ort um hier ein wenig aus der Vergangenheit zu erblicken. Zu meinem Glück traf ich auf dem Gelände einen Anrainer, den ich zu den umliegenden Gebäuden um Auskunft fragte. Er erzählte mir: es handelte sich um das ehemalige Kurhotel Stefanie, hinter den wurde um 1911 eine Heilanstalt erbaut. Interessanterweise ist der Herr im ehem. Bädertrakt des Hotels aktuell wohnhaft in der Badgasse. Zur damaligen Zeit wurden die Pensions-und Badegäste mit einem Fiaker nach Neuhaus gefahren. Die Anlagen ließ Graf Simon Wimpffen zur damaligen Zeit errichten.

Die Geschichte des Kurortes Neuhaus an der Triesting:
1889 begann Simon von Wimpffen als Mitbesitzer des Gutes mit dem großzügigen Ausbau von Neuhaus; es entstanden Hotels, Villenanlagen, Teich, Freibad, Medizinalbäder, Rodelbahn vom Peilstein, Musikpavillon, Postamt, Apotheke, Wasserleitung, elektrisches Licht. 1895 wurde der Bau des Kurhotel Stefanie von Simon Graf Wimpffen errichtet, um seinen Gästen Unterkunft bieten zu können 1896 wurde der erste Bauabschnitt eröffnet. Insgesamt wurden an Wohninfrastruktur drei Hotels, 37 Villen in zwei Bauphasen in den Jahren 1895 und 1911 geschaffen. Neuhaus als mondäner Kurort wurde auch vom Kaiser und einigen Erzherzogen besucht; der kaiserliche Hof war häufig zu Gast und auch Gesandte des Kaiserhauses weilten hier als Gäste des Grafen Wimpffen. 1911 wurde das Curhotel d’Orange zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens des Fin de siècle in Neuhaus.
1913–1914 entstand eine Rollschuhhalle. 1914 endete das Projekt Kurort Neuhaus durch den Beginn des Ersten Weltkriegs. 1925 starb Simon Graf Wimpffen; sein ihm nachfolgender Neffe, Georg, war wirtschaftlich glücklos. 1927 bestand zwischen dem Hotel d’Orange und Baden (Hauptplatz 17) eine direkte Busverbindung. 1927 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Im April 1945 lag Neuhaus in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs tagelang an der Frontlinie. 31 Menschen starben; die Burg brannte im Laufe der Kämpfe aus. 1946 wurde die stark beschädigte Kirche instand gesetzt. 1976 erwarb die Familie Starlinger-Huemer, größter Unternehmer der Region, die Burg und begann deren Renovierung. Der Ort wuchs durch die Aufschließung neuer Baugründe. 1994 waren die historischen Kurhotels, nicht zuletzt infolge von deren Vermietung als Flüchtlingslager, weitgehend verfallen. 1998 begann Starlinger nun auch die weiteren vom Unternehmen erworbenen historischen Hotels, d’Orange und Stefanie, zu sanieren. 2002 wurde mit hohem finanziellen Aufwand der Erholungspark samt Biotop-Teich gestaltet; auch die Renovierung des d’Orange schritt voran. 2004 war als erstes Gebäude des alten Kurorts, die Wiederherstellung des d’Orange abgeschlossen; das Bauwerk bietet nunmehr exklusives Wohnen im Wienerwald.

Kurhotel Stefanie
Um 1911 wurde hinter dem Hotel eine Heilanstalt erbaut. Bäderbedürftige Gäste sollten durch Medizinalbäder ihre Gesundheit wiedererlangen, Kurarzt war ein Dr. Kosel. Zwischen dem Hotel und dem Bädertrakt wurde ein gedeckter Gang errichtet, damit die Patienten vom Wetter unbeschadet in ihre Zimmer gelangen können. 1913 wurde der Kurbetrieb aufgenommen. Im selben Jahr wurde, wegen des großen Zulaufs zum Hotel Stefanie, in Fahrafeld an der Kreuzung zu Neuhaus das Bahnhofhotel des Grafen Wimpffen eröffnet. Die Pensions- und Badegäste wurde mit einem Fiaker nach Neuhaus gefahren. Die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg bewirkte das Fortbleiben der Gäste von Neuhaus, so wurde der Bäderbetrieb vorerst vorübergehend und ab 1919 ganz eingestellt, das Hotel bis 1945 gesperrt. Im Frühjahr 1938 wurden deutsche Kradschützen, Gebirgsjäger und andere Einheiten einquartiert. 1945 wurden die vor dem Abzug der deutschen Soldaten im Park vor dem Hotel aufgestellten Munitionskästen gesprengt; dabei gingen im Zentrum von Neuhaus etliche Fensterscheiben zu Bruch. Auch erhielt das Haus 1945 Kriegsschäden, doch war es noch so weit intakt, dass Neuhauser Familien, die im Krieg ihr Hab und Gut verloren haben, hier vorübergehend untergebracht wurden; dito eine Polizeistation mit neun Zivilpolizisten, die Gemeindekanzlei sowie das Postamt. 1953 kaufte der Fleischermeister Ratkofsky aus Fahrafeld das Gebäude der Kuranstalt und errichtete darin eine Fleischerfiliale, die 1962 wegen Pensionierung aufgelassen wurde.

Kurhotel Stefanie (links)
Da die gräflichen Erben das Hotel Stefanie verkaufen wollten, wurde 1968 allen Wohnparteien gekündigt. Ab Sommer 1972 stand das Haus lange Zeit leer. 1977 kaufte das Gebäude der Gastwirt Satran aus Altenmarkt, und ließ es außen renovieren, ohne dass ein Betrieb eröffnet wurde. Ab April 1982 arbeitete der Eigentümer mit Flüchtlingen aus dem Polenlager in Neuhaus an der Innenausgestaltung. Am 1. Juni 1982 zogen 30 polnische Flüchtlingsfamilien ein. Das Hotel wurde zum Durchgangslager für Polenflüchtlinge. Zeitweilig waren bis zu 150 Personen verschiedener Nationen untergebracht: Polen, Tschechen, Rumänen, Iraker, Iraner, Afghanen sowie Jugoslawen.

Hotel Neuhaus (Nr. 47)
1886 kaufte Simon Graf Wimpffen den im Zentrum von Neuhaus stehenden Gutshof und baute ihn, verbunden mit einer Aufstockung, in ein Herrenhaus um, wo der Graf, so er nicht auf Schloss Fahrafeld, die obere Etage bewohnte. Von dort aus war es ihm bequem möglich, die Umsetzung seiner Bauplanungen zu überschauen. Etwas später wurde in den unteren Räumen ein Gast- und Beherbergungsbetrieb etabliert, das Hotel Neuhaus wurde feierlich eröffnet am 28. Februar 1897. Der Gastbetrieb wurde mit ungarischen Weinen beliefert; vierzehntäglich kamen Schweine und Rinder in die eigene Fleischerei nach Fahrafeld, von wo aus der ganze Gutsbetrieb versorgt wurde. Graf Wimpffen wollte mit dem Hotel sowie seinen weiteren Plänen dem Semmering Konkurrenz machen.

Hotel Neuhaus wurde zum bekanntesten Gastbetrieb der Umgebung. Sieben bis neun Pferdegespanne brachten die Sonntags- und Wochenendausflügler vom Bahnhof Weissenbach-Neuhaus zum Hotel, dessen Küche und Keller als gut und billig galten. Für die Unterhaltung der Gäste sorgte u. a. ein vor dem Hause musizierendes Zigeuner-Ensemble. Zu diesem Hotel wurde 1913 ein großer Saal gebaut, der Glassalon. Von 1922 bis 1924 war Hotel Neuhaus geschlossen, wurde dann wieder eröffnet, florierte jedoch kaum. Von September 1938 bis gegen Ende 1939 war der Gastbetrieb im Hotelgebäude gesperrt. Um Weihnachten 1939 erfolgte die Übernahme durch den Pächter Josef Breitschopf, der das Lokal als einfaches Gasthaus bis 31. Mai 1959 mit unterschiedlichem Erfolg führte. 1945 erlitt das Herrenhaus große Schäden, die nur notdürftig behoben wurden. Im größten Zimmer des ersten Stocks (vorne links) wurde im Herbst 1945 eine Schulklasse eingerichtet; ihr folgte ein zweites Klassenzimmer (hinten links) im April 1948. Bis 5. September 1954 blieb die schulische Nutzung aufrecht. Ebenfalls im Herbst 1945 eröffnete Otto Weiser aus Neuhaus im rechten unteren Teil des Hotels eine Gemischtwarenhandlung. 1948 übernahm die Konsumgenossenschaft Wienerwald dieses Lokal und führte es ohne Wasseranschluss und Klosett bis 1. September 1973.

1946 eröffnete Theresia Sohn aus Neuhaus in einem kleinen Raum links hinten ein Lebensmittelgeschäft, welches 1963 von Johann Binder aus Neuhaus übernommen und bis 1967 betrieben wurde. Nach den Unruhen in Ungarn wurden 1956 zehn Flüchtlingsfamilien im ersten Stock des Hauses einquartiert. 1959 ging der Pächter Josef Breitschopf, in Pension. Ihm folgte für kurze Zeit, eine Tochter von Georg Graf Wimpffen, Maria Franziska, die sich bald durch Bedienstete vertreten ließ. Nach kurzer Zeit versuchte sich eine weitere Tochter von Graf Georg, Marianne, als Wirtin, schloss aber 1966 das Geschäft für immer. 1970 kaufte die Firma Horvath für ihren Betrieb das Hotel Neuhaus sowie den Glassalon; 1977 war Komm.-Rat Ziesa neuer Eigentümer des Hotels Neuhaus, 1982 die Familie Huemer.

Quelle: Auszug aus Wiki von Neuhaus an der Triesting ein Liftbild aus der Topothek von Weissenbach an der Triesting

Die ersten Bildchen meiner Erkungung im Ort vom Gebäude des ehem. Hotels Stefanie:
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Bunker Ratte

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#5
Ehemalige Holzfabrik Neuhaus an der Triesting, neben dem Hotel D'Orange:
laut Auskunft des Anrainers soll sich in diesem Gebäude eine Holzfabrik befunden haben, nähere Hinweise konnte ich leider nicht erfahren. Eventuell kann hier jemand weiterhelfen.

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Bunker Ratte

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#8

Bunker Ratte

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#10
Ist über die Nachnutzung des Gebäudes etwas bekannt? Wäre schade um die historische Fassade.
Hallo MHSTG44,
laut den Anrainer sollte es renoviert werden,es ist jetzt im Besitz der Fam Satran,es sollte zu einen Wohnhaus umfunktioniert werden. Als ich am Sonntag vorbei fuhr,lag schon Baumaterial auf den Gelände,ich halte euch am laufenden,bin sehr oft in dieser schönen Gegend unterwegs. Das Triestingtal ist für mich faszinierend, und wer weiss,was es noch für Schätze verbirgt;).
Lg
Michi
 
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