Ehemalige "Hütte Linz" und "Eisenwerke Oberdonau"

josef

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#1
Fotos Luftangriffe auf die RHG - Linz:

@otto stellte in dankenswerter Weise einige undatierte Fotos von einem Luftangriff auf die "Hütte Linz" und die "Eisenwerke Oberdonau" der "RHG" aus seinem Archiv zur Verfügung:

1. Die Werksanlagen sind fast zur Gänze von den Rauchschwaden der Explosionen und Brände verdeckt. Nur ein kleiner Teil an der Donau rechts der Steyregger-Eisenbahnbrücke (die Straßenbrücke gab es damals noch nicht) ist (noch) verschont (=> Werkshafeneinfahrt, Kraftwerk, Kokerei...). Links der Brücke zum Bildrand hin, sind die Anlagen der "Stickstoffwerke" und des Ölhafens zu erkennen. Die Westbahnstrecke mit den großen Verschiebebahnhöfen ist im unterem Bildbereich im Rauch fast nicht auszumachen. Rechts, fast parallel zur Traun, ist eine fast unwirksame "Vernebelungsaktion" zu sehen...
Bildquelle: NARA-Ref: 342-FH-3A04921-116223AC

2. Zum Vergleich mit der heutigen Situation ein GE-Bild

3. Nun hat es den im 1. Bild noch verschonten Teil bei der Donaubrücke ebenfalls voll erwischt...
Bildquelle: NARA-Ref: 342-FH-3A04934-62266AC

4. Aufnahme nach Kriegsende des Werkteiles "Hütte Linz" mit Gichtgas-Gasometer und Hochofengruppe
Bildquelle: NARA-Ref: 342-FH-3A04927-58627AC
 

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josef

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#3
Von @Otto bekam ich ein weiteres Lubi vom Angriff am 25.02.1945 auf die Bahnanlagen von Linz.

Dazu auf den Seiten der 461st B.G.:
http://www.461st.org/Missions/February1945.htm

Mission No. 183 25 February 1945
Target Linz South Main Marshalling Yard, Austria
Captain MacDougall led Mission No. 183 against the South Main Marshalling Yard at Linz, Austria. Smoke from effective smoke screens and from previous bombing necessitated pathfinder bombing despite CAVU weather. The results were unobserved.
1. Zeigt einen Teil des Stadtgebietes vom Hauptbahnhof westwärts Richtung Leonding. Die Westbahnstrecke Richtung Wels und die Abzweigung der Phyrnbahn sind gut zu erkennen. Am oberen rechten Bildrand sieht man die Gleisanlagen des Hauptbahnhofes mit den Bahnsteigdächern und rechts davon die Hallen der Bahnwerkstätte => damals „Reichsbahnausbesserungswerk“ (RAW) Linz.

2. Ein GE-Bild zum Vergleich mit der heutigen „Ist-Situation“...

3. Bei genauerer Betrachtung bzw. Vergrößerung des Fotos kann man oberhalb der Westbahn 2 Flak-Stellungen erkennen. Da ich die Örtlichkeiten nicht so genau kenne, vermute ich, dass es sich dabei um die Batterien „Gaumberg“ (=> roter Querstrich im Kreis) und „Froschberg“ (gelber Querstrich im Kreis) der „Flakuntergruppe West“ handelt.

Ich bitte die „Linz-Spezialisten“ hier im Forum, wie z.B. User @Flakuntergruppe, um Bestätigung bzw. Korrektur meiner Annahmen. Der rote Kreis umschließt die fallenden Bomben...

4. Batterie Gaumberg (?)

5. Batterie Froschberg (?)

6. Nochmals GE-Bild mit den ehem. Standorten der Flak-Batterien
 

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#4
Foto Luftangriff auf die RHG - Linz

zu "Gaumberg-Flak": Wurde von Josef präzise dargestellt. Die genaue Position müßte am beigefügten Google-Luftbild nur minimal verändert werden (siehe Anlagen). Diese 10,5 cm-Großbatterie wird auch als "Buchberg-Flak" bezeichnet, weil sich der Batterieberiech vom Bauernhaus Reisenberger bis etwa zum Maximilianeischen Turm Nr. 9 erstreckte.

zu "Froschberg-Flak": Es gibt dazu meines Wissens nur eine einzige Publikation und in dieser wird lediglich die Existenz der Batterie als solche erwähnt (Richard Kutschera im Jahrbuch der Stadt Linz 1965/66, Seite 255). Ob aufgrund der im Luftbild sichtbaren Bodenveränderungen angenommenen werden darf, es handle sich hier um die "Froschberg-Flak", wage ich zu bezweifeln. Es könnte sich auch um Bombentrichter handeln. Um diese weitgehend unregelmäßigen Vertiefungen (oder Aufschüttungen) als Erdringwälle einer schweren Flakbatterie ansprechen zu können, vermisse ich die sonst übliche Konfiguration einer Batteriestellung. Ich wäre froh, wenn ich meinen Wissensstand durch einen User-Beitrag erhöhen könnte.

zu "User Flakuntergruppe": Josef meint, ich könnte zur Flak in Linz etwas beitragen. Mein Nickname müßte korrekt lauten "Flakuntergruppe Nord", da ich mich seit Jahren mit dieser (nördlich der Donau) beschäftige. Hier verfüge ich über mehr Fachwissen als bei den drei anderen Flakuntergruppen (südlich der Donau). Auf Grund einer beabsichtigten Veröffentlichung möchte ich derzeit aber in diesem Forum keine Beiträge zur Flakuntergruppe Nord einbringen. Bei Bedarf könnten sich militärhistorisch Interessierte aber an den Moderator Markus wenden, er ist auf Grund einer von mir beantragten Reproduktionsgenehmigung seit Juni 2008 im Besitz des gesamten Manuskriptes. Zur reziproken Abgleichung von Wissensständen würde ich mich aber auch über E-Mails an "poestlingberg@liwest.at" freuen.

Beste Grüße an den Moderator Josef, den ich aufgrund seiner fundierten Fachkenntnisse sehr schätze. Ich bin vor allem über seine präzisen Formulierungen im Bereich der Militärterminologie erstaunt. So drückt sich meiner Meinung nach nur ein Fachmann mit militärischem Background-Wissen aus.

Euer Flakuntergruppe (Nord).
 

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josef

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#5
@Flakuntergruppe (Nord): Besten Dank für die Ausführungen!
...zu "Froschberg-Flak": Es gibt dazu meines Wissens nur eine einzige Publikation und in dieser wird lediglich die Existenz der Batterie als solche erwähnt (Richard Kutschera im Jahrbuch der Stadt Linz 1965/66, Seite 255).
Genau aus dieser Publikation habe ich die Bezeichnung, da sonst nirgends etwas zu finden ist!

Ich habe diese Stellung nochmals aus dem ursprünglichen Foto herausvergrößert...

1. Vergrößerung des Stellungsbereiches

2. Gleiches Bild mit Kennzeichnung:
Gelber Kreis => aufgeworfene Erdwälle um 3 Stellungen, geschlossener Kreis..
Roter Kreis => 3 Erdwälle mit nicht geschlossenem Kreis => Zugangsbereich an gleicher Stelle bei allen 3 Anlagen.
Grüne Kreise => mögliche Bombentrichter...?

Jetzt ist die Frage zu klären, was sich hinter dem atypischen Stellungsbild verbirgt? Z.B. Scheinstellung? Oder Scheinwerferstellung? Leichte Flakbatterie? usw. ...

3. Ausschnitt aus Karte mit Batteriestandorten:
Auf einer Karte mit den Luftabwehrstellungen des Raumes Linz, St.Valentin, Steyr und Wels im Buch von Leopold Banny; Dröhnender Himmel - brennendes Land; Bundesverlag Wien 1988; Seite 211, fand ich in der Nähe dieser Stellung (eher bei der Flak-Batterie Gaumberg) ein Symbol für eine Scheinwerferbatterie! (ROT auf Karte Abb. 3). Die Flak-Batterien sind auch ein Stück weiter westlich beim Zentrum Leonding eingezeichnet. Nun stellt sich die weitere Frage: Wie waren die Anlagen einer Scheinwerferstellung (Batterie) angeordnet...?
 

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#6
Foto Luftangriff auf die RHG - Linz

Froschberg-Flak und Gaumberg-Flak:
Ich habe mich heute mit den zwei Batterien vor Ort auseinandergesetzt und bin in beiden Fällen einen Schritt weitergekommen. Die Gaumberg-Flak hat Herr Johann Reisenberger (Jg. 1934) sehr deutlich beschrieben. Es handelt sich um eine Großbatterie aus drei einzelnen 10,5 cm-Batterien mit insgesamt 21 Rohren. Einen Bericht stelle ich nach Auswertung der Erkenntnisse hier in das Forum.
Bei der Froschberg-Flak konnte der Sohn der von Richard Kutschera genannten Zeitzeugin Ilse Austerer helfen. Er hat auf eine Publikation verwiesen (Erika Hamann: "Der Froschberg - eine Stadtteilgeschichte"). Dort wird die Froschberg-Flak "in der Nähe des heutigen Hauses Kudlichstraße 29" erwähnt. Das Ergebnis meiner vor Ort angestellten Erkundung deckt sich vollkommen mit der von Josef angestellten ursprünglichen Auswertung des Bomberzielfotos und ich ziehe zerknirscht meine geäußerten Zweifel zurück. Ein weiteres Indiz für den dortiger Flakeinsatz ergibt sich auch aus der gegebenen Geländekonfiguration der "Winklerwald-Anhöhe" und den aus den Einsatzgrundsätzen der Flakartillerie zur Tieffliegerabwehr. Das vorläufige Ergebnis meiner Recherche füge ich bei.
Der heute von Josef dargestellten Deutung des Ausschnittes aus dem Bomberzielfoto (Farbkreise zur Ausgrenzung von Bombentrichtern) schließe ich mich aus folgenden Erwägungern heraus an:
Ich vermute (wie schon oben angedeutet) den Einsatz leichter oder mittlerer Flak und ich schließe schwere Flak aus. Der Auftrag dieser Batterie war offensichtlich der Schutz des nahegelegenen Bahnhofes. Es könnte sich daher um zwei Flak-Züge zu je drei 3,7 cm-Geschützen handeln. Erfahrungsgemäß hat Richard Kutschera bei Auflistung der Linzer Flakbatterien auf eine Unterscheidung nach den Kalibern keinen großen Wert gelegt. Herr Adolf Austerer hat mir den Kontakt zu einer heute noch lebenden Schwester der damaligen Zeitzeugin (Ilse Austerer) in Aussicht gestellt. Ich bleibe dran und berichte weiter.
Bezüglich der heute von Josef erwähnten "Leonding-Flak" ist zu sagen, daß diese allgemein fälschlich als solche bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um zwei Batterien in der Nähe von Leonding (Rufling und Bergham), eine davon war die 3./372
Auf weitere gute Zusammenarbeit - Flakuntergruppe
 

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H

hebbel

Guest
#7
Das ist ja nicht mein Thema. 21 Rohre a´10,5 cm ? Meine Herren, daß hat mich dann doch umgehauen. Unabhängig davon müßte man sich vielleicht mal mit 'lostplaces' kurzschließen. Denn da muß es im Radius von ca. 30km vermtl. auch FuMG-Stellungen geben haben. Ich habe das jetzt nicht gecheckt. :D

Sehr interessant zu lesen. Danke.

Gruß
Dieter
 
#8
Foto Luftangriff auf die RHG - Linz

zu: „21 Rohre a´10,5 cm ? Meine Herren, das hat mich dann doch umgehauen“:
Na dann hauen Dich hoffentlich die insgesamt etwa 270 Rohre der Flakgruppe Linz nicht vollends um. (Leopold Banny; Dröhnender Himmel - brennendes Land; Bundesverlag Wien 1988; Seite
zu: „da muß es im Radius von ca. 30km vermtl. auch FuMG-Stellungen geben haben“:
Wenn hier nicht die batterieeigenen FuMG 39T(D4) gemeint sind, dann wäre ebenfalls bei Leopold Banny (Seite 211: ZNF) nachzuschlagen. Auch Richard Kutschera “Die Fliegerangriffe auf Linz im zweiten Weltkrieg“ - Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1965/6 -Seite 260“, erwähnt diese Einrichtungen der Ln-Truppe (in Urfahr-Treffling war übrigens ebenfalls ein FuMG 65 in Betrieb).
zu: „Unabhängig davon müßte man sich vielleicht mal mit 'lostplaces' kurzschließen“:
Danke für die Anregung. Die Auffindung der entsprechenden Sites wird „man“ ja wohl ohne Hilfestellung checken. Ich empfehle darüberhinaus "geheimprojekte.at" zu bemühen.
Frohes Schaffen! - Flakuntergruppe
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#9
@Flakuntergruppe:
Nochmals besten Dank für die prompte Recherchearbeit und Glückwunsch zu den Ergebnissen!

So kann ich dann auch meine Thesen betreffend Scheinwerferstellung usw. über Bord werfen... Bin bei Stellungsdarstellungen auf Karten im Buch von L.Banny auch bei anderen Flakzonen auf ungenaue Eintragungen gestoßen. Andernseits ist es sicher schwer, auf einer Karte des gesamten O.Ö. Zentralraumes von Steyr über Linz bis Wels alle Stellungen exakt einzuzeichnen bzw. zeitliche Änderungen zu berücksichtigen...

zu @hebbel:
Denn da muß es im Radius von ca. 30km vermtl. auch FuMG-Stellungen geben haben
. Hat es gegeben! Ab Anfang 44 wurden ja die Flakzonen/Großbatterien mit FuMG "Würzburg-Riese" ausgestattet. In der Datenbank bei 'lostplaces' sind (zumindest im Bereich Österreich, wo ich damals @Leif bei der Erstellung ein wenig unterstützte) nur die Stellungen 1.-3.Ordnung der Luftnachrichtentruppen vermerkt.

Lt. der Datenbank/Schauplätze bei www.geheimprojekte.at gab es ca. 1 - 2 km nördlich dieser Flak-Batterien eine FuMG-Stellung am Römerberg: http://www.geheimprojekte.at/t_linzf.html

Nur bezweifle ich den von @Markus angegebenen Decknamen "Kirsche" für diese Anlage. Vermute, dass dieser Deckname zu der nördlich der Donau gelegenen Stellung in Kirchschlag gehört => Bezug des Anfangsbuchstaben eines Decknamens zur Örtlichkeit der Stellung => Kirsche / Kirchschlag ...? @Flakuntergruppe bitte um Deine Meinung dazu, liegt ja in "Deinem Revier Untergruppe Nord":)

lg
josef
 

otto

Ruheständler im Dienst
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#10
Linz

Einen hätte ich noch der Vollständigkeit halber.

Datum: 25-07-1944
Nara-Ref.: 342-FH-3A04933-61955AC

OT:
@hebbel: Merseburg/Leuna/Lützkendorf => 157 Rohre 8,8/10,5/12,8cm nebst zwei Eisenbahnflakzügen mit 12,8cm plus Objektsicherung mit dem "Kraftei" ME-163 (Brandis). Zusätzlich in Planung 8 Stellungen Wasserfall.

Gruß
Gerd
 

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#11
Foto Luftangriff auf die RHG - Linz

Lt. der Datenbank/Schauplätze bei www.geheimprojekte.at gab es ca. 1 - 2 km nördlich dieser Flak-Batterien eine FuMG-Stellung am Römerberg: http://www.geheimprojekte.at/t_linzf.html - ... "Kirsche".

"Kirsche":
Ein glaubwürdiger Zeitzeuge der "Heimatflak" teilte mir mit, daß es am Freinberg (am selben Platz, an dem heute der ORF-Sendemast steht) drei militärisch genutze etwa 60 m hohe Sendemasten gegeben hat. Die doch sehr großen Funkmessgeräte "Würzburg-Riese" und/oder "Freya" hätte der in diesem Linzer Stadtteil beheimatete Zeitzeuge sicher gesehen, er verneint aber entschieden deren Existenz. Die Begriffe "Römerberg, Freinberg und Bauernberg" richtig zu lokalisieren fällt nicht nur "zuagroasten" Linzern schwer, da diese drei Stadtregionen ineinander übergehen. http://de.wikipedia.org/wiki/Freinberg_(Linz). Es wäre daher möglich, daß es sich bei "Kirsche" um die oben erwähnten drei Sendemasten gehandelt hat und daß diese nicht nur als Radiosender, sondern auch der Ln-Truppe zur Nachtjägerleitführung gedient haben. Ich gestehe, daß obenstehende Angaben zu "Kirsche" keine gefestigten Kenntnisse darstellen, sondern nur auf Annahmen beruhen. Mein Beitrag möge daher als Diskussionsgrundlage im Rahmen dieses Forums dienen.

Am Breitenstein in Kirchschlag bei Linz:
Unter anderem mit Unterstützung durch www.geheimprojekte.at kam ich zu folgenden weitgehend gefestigten Erkenntnissen. Am Breitenstein wurde ab 1940 durch die Luftnachrichtentruppe (Ln.) eine „Funkmeßgerätestellung 3. Ordnung“ betrieben. Eine derartige Einrichtung der Luftnachrichtentruppe führte die Bezeichnung "Mittlere Flugmeldekompanie". Die organisatorische Zugehörigkeit bzw. Truppenbezeichnung war 25. Kompanie des Luftnachrichtenregiments 218 der 8. Jagddivision Wien Cobenzl“. Der Personalstand einer „FuMG 3. Ordnung“ betrug ca. 150 Personen, etwa die Hälfte der Besatzung bestand aus hochqualifizierten Luftnachrichtenhelferinnen („Blitzmädchen“) und aus Flakwaffenhelferinnen des RADwJ. Das FuMG „Freya“ erfaßte den anfliegenden Flugzeugpulk auf weite Entfernung (bis zu 200 km) und stellte Höhe und Anflugrichtung fest. Mit dem ausgelösten Alarm übergab „Freya“ den Feindverband an den „Würzburg-Riesen“. Gleichzeitig hatte der nächstgelegene Würzburg-Riese (in Fraunschlag und Treffling) einen nach der Alarmierung gestarteten Nachtjäger im Strahl und führt ihn dem feindlichen Flugzeugpulk entgegen. Da am Breitenstein gleichzeitig eine Wetterdienststelle betrieben wurde, dienten die gemeldeten meteorologischen Werte dem Einsatz der deutschen Jagdfliegerverbände und ermöglichten gleichzeitig der Flakführung eine Prognose der Flugbewegungen feindlicher Bomberverbände.
Zusätzlich zu den zwei geschilderten Aufgaben wurden die Meßdaten der FuMG an die 7. Flakbrigade weitergeleitet. Gemeinsam mit den Radar-Großgeräten in Fraunschlag, Türkstetten, Kirchschlag und Treffling wurde gewährleistetet, daß die schweren Flakbatterien der Flakuntergruppe Nord über die Seiten- und Höhenwerte feindlicher Bomberpulks verfügten, bevor sich diese noch im Erfassungsbereich (30 km) der eigenen Batterie-Funkmeßgeräte befanden. Auch die zwei im Raum Kirchschlag stationierten Flakscheinwerfer erhielten von der Funkstelle am Breitenstein die für einen anfliegenden Bomberverband ermittelten Meßwerte. Sie konnten dadurch Feindflugzeuge schlagartig mit gebündelten Lichtkegeln erfassen, um den benachbarten schweren Flakbatterien die Möglichkeit zur optischen Zielerfassung zu geben. Die Scheinwerferstellung und Horchstation im nahegelegenen Pelmberg befand sich in einem Unterstellungsverhältnis zur Scheinwerferstellung in Kirchschlag.


Gruß - Flakuntergruppe
 
#12

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josef

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#13
Zuerst einmal mein Dank an @Otto für das weitere Lubi und an @Flakuntergruppe für seine unermüdliche Aufklärungsarbeit zum Thema :bravo:

Nun zu "Kirsche":

In der Chronologie der Datenbankunterlagen zu geheimprojekte.at fand ich folgendes:

Ursprünglich (2000) nur "FuMG-Stellung Kirsche" - Linz, ohne weitere Angaben.
dann "FuMG-Stellung Kirsche" - Linz, Lichtenberg
und jetzt als aktuelle Version Linz - Römerberg... Vielleicht kann Markus dazu berichten, wie er auf Römerberg kam?

Da kommt die 2. Version mit "Lichtenberg" schon näher zu Kirchschlag! Habe dazu folgendes gefunden:

Luftnachrichten-Regiment 218

Kommandeure:

Obstlt Herbert Jakisch, ? - 2.45
Oberst Ernst Loewe, 2.45 - 5.45
Stab:

Formed 10.43 in Wien-Cobenzl from Stab/Luftnachrichten-Regiment bei I. Jagdkorps.

I. Abteilung:

Formed 10.43 in Wien-Döbling from Stab I./Luftnachrichten-Regiment 211.

1. Fernsprech- und Fernschreib-Betriebs-Kompanie at Wien-Cobenzl (new)
2. Funk-Kompanie at Wien-Cobenzl (new)
3. Flugmelde-Auswerte- und Betriebs-Kompanie at Wien-Cobenzl (new 4.44)
4. Telegrafen-Bau-Kompanie at Wien-Weidling from Luftnachrichten-Kommando für Leitungsbau
5. Funkleit-Kompanie at Linz (Stellung "Kirsche") (new); 2.9.44 renamed 10./Luftnachrichten-Regiment 218
6. Funkleit-Kompanie at Bad Gleichenberg/Steiermark (Stellung "Gladiole") (2.44 new); 2.9.44 renamed 11./Luftnachrichten-Regiment 218
25. Technische-Kompanie at St. Andrä/Wördern/Donau (4.44 new); from 12.44 attached to II./Luftnachrichten-Regiment 228
Quelle: http://www.ww2.dk/ground/ln/ln218.html

Die anderen "Würzburg 65 - Riese" Geräte (Türkstetten, Kirchschlag und Treffling) waren ja den Flak-Einheiten direkt zugeteilt und unterstellt und hatten demnach keine Decknamen der Luftnachrichten-Einheiten.

Die FuMG-Stellung Fraunschlag, auch als Stellung Neufelden an der Mühl (so bei geheimprojekte.at) oder manchmal auch als Stellung Altenfelden bezeichnet, hat als 11. mittl. Flugmelde-Leit-Kompanie der II./LnRgt238 (Amstetten) auch einen Decknamen der Ln-Truppe, nämlich "Rehpinscher". Dieser leitet sich von der Bezirks- (Kreis-)Stadt "Rohrbach" ab!

Als Resümee der Geschichte würde ich folgende Ergänzungen/Änderungen der Schauplätze/Datenbank bei geheimprojekte.at vorschlagen:

Kirchschlag-Breitenstein: FuMG-Stellung "Kirsche"... und
Streichung dieser Stellung bei Linz-Römerberg
Linz-Freinberg: Funkstation der LW (Ln-Truppe)


lg
josef
 

josef

Administrator
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#15
Hallo Josef and FlakUGr,

weil hier gerade über die bodengestützten Möglichkeiten zum Funkmess diskutiert wird - so sah das Ganze von oben aus.

Schönes Wochenende
Gerd
Danke Gerd für das Bild mit der wunderbaren Darstellung des Luftraumes über LIENZ in Osttirol...:)

Vor allem kommt die Landschaftsstruktur durch die Höhendifferenz zwischen den Talschaften (Lienz 673 m)und den umgebenden Gebirgszügen mit Höhen zwischen 2.000 - 3.000 m sehr ausdrucksvoll zur Geltung. Muss nachsehen, habe schon irgendwo eine Radaraufnahme der Gegend von Linz gesehen...

lg aus Niederösterreich
josef

P.S.: Die Schneeschaufel wartet...
 

otto

Ruheständler im Dienst
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#16
Mission 164 // 461st BG

Josef, manchmal kommt der Zufall zu Hilfe :) - Mission 164 aus zwei unterschiedlichen Perspektiven.

Bild 1: Mission 164 // 20-01-1945 // 461st BG
461st BG Mission 164

Bild 2: Mission 164 // 20-01-1945 // 461st BG
NARA-Ref.: 342-FH-3A04916-116222AC

Schade nur das die weiter oben angesprochen Flakstellungen nicht mit erfasst wurden.

Gruß
Gerd
 

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#17
Nun zu "Kirsche":
Als Resümee der Geschichte würde ich folgende Ergänzungen/Änderungen der Schauplätze/Datenbank bei geheimprojekte.at vorschlagen: Kirchschlag-Breitenstein: FuMG-Stellung "Kirsche"... und Streichung dieser Stellung bei Linz-Römerberg Linz-Freinberg: Funkstation der LW (Ln-Truppe):

In der Anlage wird mein derzeitiger Wissensstand über Einrichtungen der deutschen Luftwaffe (Flakartillerie und Luftnachrichtentruppe) dargestellt. Nicht enthalten sind in dieser Auflistung wegen der großen räumlichen Entfernung die Nachtjägerleitstelle Fraunschlag „Rehpinscher“ (mit Freya“ und „Würzburg-Riese), die Flugmeldezentrale im Schloss Ottensheim (Flugmeldekompanie des Luftnachrichtenregiments 167) und einige kleinere Flugmeldestationen wie z.B. Karlsberg (Gemeinde Haibach). Die in der Graphik angegebenen Werte kann man als gesichert annehmen (soweit man dies bei Recherchen nach mehr als 60 Jahren behaupten kann ohne als überheblich eingestuft zu werden). Bezüglich meiner Erkenntnisse über die Flakuntergruppe Nord stelle ich mich zur Erlangung eines höheren Wissensstandes gerne einer Diskussion im Rahmen dieses Forums.

Eine andere Thematik, die nun dankenswerterweise durch Josef ins Spiel gebracht wurde, sind die Organisations- bzw. Tarn-Bezeichnungen der FuMG-Stellungen im Rahmen der Luftnachrichtentruppe. Ich verfüge dazu auch nur über die von www.geheimprojekte.at zur Verfügung gestellten Werte. Ich kann daher nur insoferne zur Wahrheitsfindung beitragen, als ich meine geographische Kenntnis des Mühlviertler Raumes und die dort erfolgten Befragungsergebnisse zur Erarbeitung von Schlußfolgerungen einbringe. Meine achfolgenden Statements mögen daher in diesem Sinne und nicht als Klugsch……erei verstanden werden. Ich steige mit großer Erwartungshaltung in diese Kommunikation ein, um letztlich gemeinsam der Wahrheitsfindung so nahe als möglich zu kommen.

zu Kirchschlag-Breitenstein:
Das Unterstellungsverhältnis der am Breitenstein eingesetzten Luftnachrichteneinheit kann durch Feldpostbriefe eines Lw.-Gefreiten (in einem späteren Brief Lw.-Uffz.) vom Jänner 1944 und März 1945 belegt werden. Zur Absenderadresse mit der Feldpostnummer "FP-Nr. L-62811 Lpga Wien“ wurde von der absendenden Kompanieschreibstube (verbotenerweise) die Dienststampiglie „Wetterdienststelle Kirchschlag“ hinzugefügt. Laut Norbert Kanapinn „Die deutsche Feldpostübersicht 1939-1945“ handelt es sich bei dieser FP-Nr. um die „25. Kompanie des Luftnachrichtenregiments 218“. Bei www.geheimprojekte.at ist zu dieser Ln.-Kompanie kein Zusammenhang zu „Kirsche“ erkennbar. Ich würde diese Tarnbezeichnung daher bis zum Vorliegen gesicherter Erkenntnisse vorerst einmal auch nicht „Lichtenberg“ zuordnen.

zu Türkstetten:
Hier war ein FuMG „Freya“ im Rahmen einer ZHF (siehe Leopold Banny (Seite 211: ZNF) stationiert. Unabhängig davon gab es dort auch temporär eine 8,8 cm-Batterie. Im Gegensatz zur schweren Flakbatterie mit vier Geschützen bestand die ZNF bis zum Kriegsende. Hier ließe sich unschwer ein Zusammenhang zu der von Josef genannten „Funkleit-Kompanie at Linz (Stellung "Kirsche") (new); 2.9.44 renamed 10./Luftnachrichten-Regiment 218“ herstellen, weil Lichtenberg und Türkstetten geographisch ineinander übergehen, wobei es sich damals bei „Türkstetten“ nur um eine unbedeutende Gehöftansammlung gehandelt hat und daher vermutlich der nächstgrößere Ort „Lichtenberg“ zur Lokalisierung verwendet worden ist.

zu Lichtenberg:
In Lichtenberg waren zwei 8,8 cm-Batterien und in Neulichtenberg zu Kriegsende eine motZ-Batterie im Rahmen der Heeresflak disloziert. Mit Sicherheit kann dort eine Einrichtung der Ln.-Truppe mit FuMG-Großgeräten ausgeschlossen werden.

zu Treffling:
Nur hier trifft Josefs Statement zu: „Die anderen Würzburg 65 - Riese Geräte waren den Flak-Einheiten direkt zugeteilt…". Tatsächlich scheint das dortige FuMG 65 in erster Linie der 12,8 cm RAD-Doppelbatterie 2./340 zur Feuerleitung gedient zu haben. Es ist jedoch nicht auszuschließen, daß die gewonnenen Messwerte auch der Ln.-Truppe zur Verfügung standen.

Gruß Flakuntergruppe
 

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#18
Josef, manchmal kommt der Zufall zu Hilfe :) - Mission 164 aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Schade nur das die weiter oben angesprochen Flakstellungen nicht mit erfasst wurden. Gruß Gerd
Danke für die ausgezeichneten Luftaufnahmen. Wahrlich so ist es. Wenn es mehr derartige Bilder von den Stellungsräumen der 7. Flakbrigade bzw. vom Flakregiments 118 gäbe, wäre meine Arbeit weniger mühsam bzw. wären diese Fotos eine verläßliche Grundlage zur ergänzenden Befragung der Bevölkerung vor Ort.
Gruß - Flakuntergruppe
 

josef

Administrator
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#19
Ein weiteres Dankeschön an @Flakuntergruppe zu den Ausführungen und besonders zur Karte über die Dislokation der Untergruppe Nord!:danke Kann sein, dass meinerseits nach genauerem Kartenstudium dazu noch einige Fragen kommen...

Die von mir (voreilig) angedachte Neuzuordnung von "Kirsche" sollte demnach bis zu einer hoffentlich möglichen Klärung belassen werden!

lg
josef
 

josef

Administrator
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#20
Feldpostbrief...

@Flakuntergruppe betreffend Feldpostbrief:
Kenne mich mit Feldpostangelegenheiten nicht so aus. Wenn ich aus meiner Sicht diesen Postbeleg betrachte, ist der

- Absender: "FP-Nr. L-62811 Lpga Wien“
mit verbotener Dienststampiglie „Wetterdienststelle Kirchschlag“

- Empfänger: Herr Dr. XY in Linz/Donau.


Was bedeutet nun der Ortsstempel "St.Andrä v.d. Hagentale" am Schriftstück?
Ich würde die Sachlage so interpretieren:

Der Absender verwendet ein Feldpostformular, welches aus irgend welchen Gründen mit einem Stempel der Wetterdienststelle Kirchschlag versehen ist für eine Mitteilung nach Linz.

Aufgegeben wurde das gute Stück in "St.Andrä v.d. Hagentale" (Gemeinde St.Andrä-Wördern, Bezirk Tulln, NÖ.), damals Standort der
25. Technische-Kompanie at St. Andrä/Wördern/Donau (4.44 new); from 12.44 attached to II./Luftnachrichten-Regiment 228
???

lg
josef
 
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