"Ehemalige Luftschutzstollen" in Neudörfl

Geist

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#21
Hallo Andreas,
ich habe noch ein paar Bilder von meiner Besichtigung gefunden, bzw. vom Hang dort und der näheren Umgebung! Vertiefungen gibt es einige, die vom Feld beginnend in den Hang führen. Meines erachtens konnte ich drei dieser Gräben finden, dürfte alles verschüttet oder eingebrochen sein.
Die Bilder 31-37 zeigen ein paar Details vom Gelände wo einst die Zugänge gewesen sein könnten. Bild 38,39, ein Blick in das vermüllte Relikt.

Blickrichtung S4 südwestlich:
ca. Bildmitte, links neben der Schotterstrasse hinter den Sträuchern befinden sich ca. der Lüftungsschacht!
Die Bilder 38 und 39 sehen doch gar nicht so uninteressant aus. Warst du nicht drin?
 
#22
Im zitierten Buch von Leopold Banny, Krieg im Burgenland - Warten auf den Feuersturm gibt es auf Seite 75 auch ein Lubi des "Rawe-Fabriksgeländes" mit dem Bildtext "WNF-Verlagerungsbetrieb Neudörfl - Anfang 1944..." (Bildquelle Gemeinde Neudörfl):

Interessant ist eine große Firmen-Aufschrift am mittleren, parallel zur Straße "Am Hohenbrand", befindlichen einstöckigem Gebäude (Pfeil), die ich als STECKERWOLF identifizieren konnte!

War dort vor dem Einzug des WNF-Verlagerungsbetriebes eine andere Firma in den Rawe-Hallen oder sollte diese Aufschrift zur weiteren Verschleierung beitragen?

GM-Bild mit ungefährer Lage der Gebäude lt. Lubi:
Auf diesem Areal stand genau wie es Josef ins Lubi eingezeichnet hat, die Fa. B.Rawe & Co ein deutscher Textilbetrieb / Weberei in der es Verlagerungstätigkeiten während des Krieges gab.
Die Nachnutzung des Areals nach dem Krieges wurde zum Teil bis 1957 von der Neudörfler Möbelfabrik, und zum Hauptteil von
Steckerwolf, eine Fabrik die Stecker bis ca. Anfang der 80-er Jahre herstellte. Verschleierung dürfte hier nicht bewusst betrieben worden sein.
Natürlich ist es auch möglich dass Steckerwolf bereits in den Kriegsjahren am Rawe Areal produzierte, oder die Datumsangabe "Anfang 1944" bezieht sich auf den Beginn der Verlagerung und nicht unbedingt auf das Aufnahmedatum.
Über Steckerwolf findet man heute so gut wie gar nichts, außer die Bezeichnung auf manch alten Stecker, ich habe eine Aufnahme aus einem Gemeindeblatt gefunden die das Areal 1962 zeigt
rechts im Bild die Bahnlinie und Straße Richtung Mattersburg, Straße untere Bildmitte nach links "Am Hohenbrand"
 

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josef

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#23
Auf diesem Areal stand genau wie es Josef ins Lubi eingezeichnet hat, die Fa. B.Rawe & Co ein deutscher Textilbetrieb / Weberei in der es Verlagerungstätigkeiten während des Krieges gab.
Die Nachnutzung des Areals nach dem Krieges wurde zum Teil bis 1957 von der Neudörfler Möbelfabrik, und zum Hauptteil von
Steckerwolf, eine Fabrik die Stecker bis ca. Anfang der 80-er Jahre herstellte. Verschleierung dürfte hier nicht bewusst betrieben worden sein.
Natürlich ist es auch möglich dass Steckerwolf bereits in den Kriegsjahren am Rawe Areal produzierte, oder die Datumsangabe "Anfang 1944" bezieht sich auf den Beginn der Verlagerung und nicht unbedingt auf das Aufnahmedatum.
Nochmals ein Dankeschön an @Andi79!
Die Variante mit der Aufnahme nach dem Krieg könnte demnach durchaus möglich sein! Jedenfalls ist der Hintergrund für die Firmenaufschrift STECKERWOLF geklärt.
Das Foto im "Banny-Buch" ist in etwa vom gleichen Blickwinkel aufgenommen, jedoch sehen die Gebäude "Am Hohenbrand" relativ neu aus, während die übrigen Hallen älter aussehen (-> schlechte Bildqualität...).
Im Anhang eine Vergrößerung eines Bildausschnittes:
 

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Bunker Ratte

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#25
Die Bilder 38 und 39 sehen doch gar nicht so uninteressant aus. Warst du nicht drin?
Hallo Geist,
nein, interessant wäre es natürlich! Man müsste jedoch zuerst allen Müll hier ausräumen um irgendwie weiter zu kommen, abgesehen von den vielen Glassplitter, war es mir ein wenig zu gefährlich. Der Schlurf ist auch nicht grösser als vielleicht 30cm, es sieht auch so aus als wär dies innen voll mit Müll und sonstigem Zeug und man würde hier nicht weiter kommen.

Lg
Michi
 

Andreas

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#26
Wow Archeologisch interessant, jede Menge Bodendenkmäler. Wer hier Zugänge freilegen möchte, legt sich aber mit dem Bundesdenkmalamt an:(.
Hat vielleicht jemand eine Luftaufnahme von diesem Gebiet, im Krieg oder kurze Zeit dannach?
 
#27
Auszug aus der Neudörfler Chronik. Leider habe ich diese nicht bei mir daher kann ich den genauen Titel nicht nennen.


Seite 57:
…während in den Fabriksräumen der optischen Fabrik gefangene Franzosen einquartiert wurden.

Seite 58:
In Neudörfl wurde ein Flak-Abteilung mit 3 Batterien, und zwar in Ungarfeld, Heutal und bei Katzelsdorf aufgestellt. Ihr Gefechtsstand befand sich in der Volksschule.

Die Fabrikshallen der Weberei Rawe und Co (Preisfabrik) diente längst der Unterbringung von militärischen Bekleidungsausrüstungen (Decken u.a.), jetzt wurde dort die Erzeugung von A-4 Rakete aufgenommen. Im Zillingdorfer Wald (nahe der alten Eiche) wurden große unterirdische Munitionsdepots angelegt.
Eine eigene kleine Feldbahn wurde vom Bahnhof über die Sauerbrunnerestraße vorbei an den Häusern des Neugebäudes entlang Hohenbrandäcker ( heute Straße am Hohenbrand) zum Zillingdorfer Wald gebaut und darauf die Granaten befördert.

Seite 59:
Den Ernst der Lage erkennend wurden in die Hänge am Gfangried 13m tiefe Luftschutzbunker von ital. Gefangenen gebaut. …. Diese Bunker boten genug Platz für einen Großteil der Neudörfler.
Besonders die Fabriksarbeiter und <Bewohner des unteren Ortsteiles sowie des Neugebäude flüchteten beim ersten Sirenengeheul dort hin.

Seite 60:
Am 30. Mai 1944 wurden schwere Bombenangriffe auf Neudörfl durchgeführt.
…. Die beiden Fabriken Preis und Elsinger blieben verschont, auch die unterirdischen Munitionsbunker im Zillingdorfer Wald erhielten keinen Treffer.

Seite 64:
… Während der Nacht (31. März auf 1. April?) sprengten deutsche Soldaten die unterirdischen Bunker und die unter Bäumen versteckt gelagerten Granaten.

lg

Cerberus9
 
#29
Ja, da bin deiner Meinung. Wenn ich nicht ganz irre würde es von einem örtlichen Chronisten (Historiker?) geschrieben. Werde versuchen das Buch zu bekommen.
Hatte es mir damals nur ausgeliehen.
 

josef

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#31
Auszug aus "Neudörfler Chronik":
Die Fabrikshallen der Weberei Rawe und Co (Preisfabrik) diente längst der Unterbringung von militärischen Bekleidungsausrüstungen (Decken u.a.), jetzt wurde dort die Erzeugung von A-4 Rakete aufgenommen
Da irrt der Chronist aber gewaltig! :eek:
Der einzige Bezug zum A-4 -> Projekt "Vorwerk Süd", befand sich im "Zillingdorfer Wald" auf Gemeindegebiet von Lichtenwörth und wurde in der Rohbauphase wieder eingestellt!

Firma Rawe & Co.:
Auszug aus WNF-Verlagerungsliste zum 05.12.1944:
1552501183287.png
 
#32
Ist die alte Eiche ungefähr dort, wo die Waldgasse in den Wald mündet oder weiter südlich?
ja die "alte Eiche" steht direkt am Ende der Waldgasse, in der unmittelbaren Umgebung ist aber nicht viel auszumachen ausser ein paar Bombentrichter, vielleicht ist das eher eine geographische Beschreibung eines Punktes den jeder dort kennt, und gemeint waren die ca. 1 km entfernten Anlagen des Vorwerkes. In näherer Umgebung der alten Eiche wurde Sand abgebaut bzw. die Gruben anschließend als Deponien betrieben, sollte hier mal was gewesen sein, ist es schon länger weg
 
#33
Auszug aus der Neudörfler Chronik. Leider habe ich diese nicht bei mir daher kann ich den genauen Titel nicht nennen.


Seite 57:
…während in den Fabriksräumen der optischen Fabrik gefangene Franzosen einquartiert wurden.

Seite 58:
In Neudörfl wurde ein Flak-Abteilung mit 3 Batterien, und zwar in Ungarfeld, Heutal und bei Katzelsdorf aufgestellt. Ihr Gefechtsstand befand sich in der Volksschule.

Die Fabrikshallen der Weberei Rawe und Co (Preisfabrik) diente längst der Unterbringung von militärischen Bekleidungsausrüstungen (Decken u.a.), jetzt wurde dort die Erzeugung von A-4 Rakete aufgenommen. Im Zillingdorfer Wald (nahe der alten Eiche) wurden große unterirdische Munitionsdepots angelegt.
Eine eigene kleine Feldbahn wurde vom Bahnhof über die Sauerbrunnerestraße vorbei an den Häusern des Neugebäudes entlang Hohenbrandäcker ( heute Straße am Hohenbrand) zum Zillingdorfer Wald gebaut und darauf die Granaten befördert.

Seite 59:
Den Ernst der Lage erkennend wurden in die Hänge am Gfangried 13m tiefe Luftschutzbunker von ital. Gefangenen gebaut. …. Diese Bunker boten genug Platz für einen Großteil der Neudörfler.
Besonders die Fabriksarbeiter und <Bewohner des unteren Ortsteiles sowie des Neugebäude flüchteten beim ersten Sirenengeheul dort hin.

Seite 60:
Am 30. Mai 1944 wurden schwere Bombenangriffe auf Neudörfl durchgeführt.
…. Die beiden Fabriken Preis und Elsinger blieben verschont, auch die unterirdischen Munitionsbunker im Zillingdorfer Wald erhielten keinen Treffer.

Seite 64:
… Während der Nacht (31. März auf 1. April?) sprengten deutsche Soldaten die unterirdischen Bunker und die unter Bäumen versteckt gelagerten Granaten.

lg

Cerberus9
zu diesem Befehlsstand bei der Schule (heute Rathaus/Hauptschule) gab es auch einen Bunker
im Anhang ein Bericht der Sprengung dieses Bunkers im Zuge des Rathausneubaus
Quelle: Neudörfler Gemeindezeitung 2018

Eine Flak selbst stand keine in Neudörfl, auch nicht die o.a.
Ungarfeld (Wiener Neustadt)
Heutal ( Lichtenwörth)
Katzelsdorf = Katzelsdorf

lg.

Andi
 

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josef

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#35
Da hat jemand abgeschrieben!
Entweder L.Banny vom Ortschronisten oder umgekehrt :)

Habe bei Banny nachgelesen, der widerspricht sich, so schreibt er auf Seite 79:
Neudörfl wurde ab Herbst 1943 zu einem Rüstungszentrum ausgebaut. In der Weberei Rawe (Preiserfabrik) kam ebenfalls ein Teil der V-2 Raketenfertigung, während am Ortsrand von Neudörfl an der Pöttschinger Straße Hunderte ausländische Fremdarbeiter, von deutschem Militär bewacht, in eine rasch erbaute Barackensiedlung verlegt wurden. Der angrenzende Zillingdorfer Wald wurde zum Sperrgebiet erklärt. Bald stellte sich heraus, daß die vielen Fremdarbeiter, hauptsächlich Holländer und Belgier, gewaltige unterirdische Betonbauwerke errichteten, die vermutlich als bombensichere Fertigungsstätten der V-2 Raketen dienen sollten.
Gleichzeitig wurde auch eine Feldbahn vom Bahnhof Neudörfl zum Zillingdorfer Wald gebaut und dort ein riesiges Heeresmunitionslager errichtet.
Zusätzlich zum Schutz dieser Anlagen wurde eine Flakabteilung nach Neudörfl verlegt. Der Gefechtsstand befand sich in der Schule. Am "Ungerfeld" befand sich eine Doppelbatterie 8,8 cm, im "Heuthal" eine Doppelbatterie 10,5 cm und zwischen Neudörfl und Katzelsdorf eine weitere Einzelbatterie 10,5 cm.

Danach folgt der von @Bunker Ratte in Beitrag #1 zitierte Absatz:
Der Aufrüstung in seinem Heimatort stand der damalige Bürgermeister mit Sorge gegenüber. Zum Schutz der Zivilbevölkerung ließ er von italienischen Kriegsgefangenen beim südöstlichen Ortsrand - im "Gfangried" - drei bis zu dreizehn Meter tiefe Luftschutzbunker bauen.

Und dann der Widerspruch:.
Auszug aus Bildtext zu einem alliierten Aufklärungslubi vom 7.8.44 auf Seite 119:
...Weiters erkennt man am Ende der Hauptstraße (rechts) die Eisenbahn und ganz rechts die ehemalige Textilfabrik Rawe, wo ab 1943 Flugzeuge hergestellt wurden (siehe Schachinger F.: "Neudörfler Geschichte und Geschichten", Seite 57 bis 60). Vom Bahnhof vorbei an den Flugzeugwerken führte eine kleine Feldbahn zum Munitionslager im Zillingdorfer Wald.
 
#36
Das mit der Flak in Neudörfl kann ich bestätigen. Ich bin im Besitz eines Luftbildes, auf dem diese Flakstellung zu sehen ist. Ich kann es aber hier leider nicht einstellen, da ich es von einer Person hier im Forum erhalten habe, der es mir nur gegeben hat, unter dem Vorbehalt, es nicht zu veröffentlichen da er selbst ebenfalls keine Rechte daran hatte.
 

josef

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#37
Das mit der Flak in Neudörfl kann ich bestätigen. Ich bin im Besitz eines Luftbildes, auf dem diese Flakstellung zu sehen ist.
Auch im schon mehrmals zitierten Buch von Buch von L.Banny, Krieg im Burgenland, warten... ist auf Seite 120 ein Lubi mit der Großbatterie "Heuthal" auf den Feldern westlich des Zillingdorfer Waldes bzw. der Straße nach Pöttsching und des gegenüber liegenden Barackenlagers.

Nur war die II. Flak-Untergruppe Neudörfl der Flak-Gruppe Wiener Neustadt nur sekundär für den Schutz der Betriebe in Neudörfl zuständig! Primär war sie ein Teil des Flak-Ringes um das Rüstungszentrum Wiener Neustadt!

Siehe dazu Skizze der schweren Flak-Batterien im Raum WN:

1552513129024.png
1552513200000.png
Quelle: G.Holzmann; Der Einsatz der Flak-Batterien im Wiener Raum 1940-45; Heft 14 Militärhistor.Schriftenreihe HGM, Wien 1970
 

josef

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#38
Hatte so eine vage Erinnerung an weitere Beiträge über Neudörfl und wurde nach kurzer Suche auch fündig:

Bei den Recherchearbeiten zu den "V-2 Heimatlagern" Isabella, Maria und Lina diskutierten wir 2006 auch über die Fundamentreste im Zillingdorfer Wald. Damals "enträtselten" wir den tatsächlich vorgesehenen Verwendungszweck der Betonruinen im Wald zwischen Neudörfl und Pöttsching (besonders hervorzuheben sind dazu die Forschungsarbeiten von @Markus bzw. die Unterstützung von @Henry). Ursprünglich standen nur die den frühen 1980iger Jahren zuzuordnenden Literaturhinweise von L.Banny zur Verfügung, wo kryptisch von unterirdischen V-2 (A 4) Fertigungsstätten die Rede war...

Und wie auch aus der(den?) etwa gleichen Zeit stammenden Ortschronik(en ?) zu entnehmen ist, basierte(n) diese auf dem gleichen Wissensstand!

So entstand 2006/2007 als Zusammenfassung der neuen Erkenntnisse der Bericht von Markus über das "Vorwerk Lichtenwörth" (zwischenzeitlich auch als "Vorwerk Süd oder Vorwerk Rax bezeichnet)!

So, nun nach der eher langatmigen Einführung zum oben angekündigten weiteren Chronik Beitrag aus 1982 - gefunden im Thread zum Lager "Isabella" Trasdorf (Beitrag # 75), eingestellt von einem User "Da Papa" :) am 7. März 2006...
 

Andreas

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#39
Ich war heute in Leobersdorf einen LSS besichtigen und habe dies auch gleich für einen kleinen Abstecher nach Neudörfl genutzt.
Leider war es schon ziemlich spät um das Gelände genauer zu inspizieren. Da ich aber die richtige Ausrüstung dabei hatte, konnte ich ein paar Fotos von innen machen. Ich glaube das es sich auch um einen Notausstieg handelt, da beide Öffnungen ziemlich groß sind.
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Laut Auskunft eines Lokalchronisten, gab es zwei Eingänge (siehe nächsten 2 Fotos).
Die Stollen wurden in das Erdreich gegraben und mit Holzpölzungen verstärkt.
Da das Holz nach dem Krieg als Bauholz begehrt war bzw. das verbliebene rasch verrottet, war die Gefahr eines Versturzes hoch und daher wurden die Eingänge schnell zugeschüttet.
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Weiters ergab sich im Gespräch der Hinweis, das als Teil des Schleinzer Walls, sich in diesem Gebiet eine Bunkeranlage befinden soll, kennt die jemand (Google Maps)?
Google Maps.JPG
 

josef

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#40
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