"Ehemalige Raketenbasen" in Niederösterreich

josef

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#1
Animiert durch den Beitrag vom “Wettermachen” im “Verschwörungstheorie-Thread”
http://www.unterirdisch-forum.de/in...-siegesfeier-2014-in-moskau.11373/#post-93805

komme ich hier nochmals auf das “Impfen” von Gewitterzellen mittels Silberjodid zwecks Vermeidung bzw. Verminderung von Hagelschäden zurück. Dazu nochmals der Link zu den “Hagelfliegern” vom Flugplatz Krems-Langenlois in Gneixendorf:
http://www.hagelabwehr.com/index.php?id=20&no_cache=1

Unter “Hagelabwehr – Historisches” findet man einen Rückblick auf die 1956 von Langenlois ausgehenden Initiativen zur Hagelbekämpfung mittels Raketen, die das Silberjodid in die Gewitterwolken brachten. Ab 1976 kam dann die Umstellung auf die Beförderung des Silberjodids mittels Flugzeugen zu bzw. in die Gewitterfronten.

Zufällig entdeckte ich im Vorjahr eine ca. 40 Jahre alte “Schusshütte” der damaligen “Hagelschützen” in den Weinrieden zwischen Furth und Mautern. Diese kleinen Holzhütten waren im gesamten “Abwehrgebiet” verteilt. Sie dienten zur Lagerung einiger Raketen und boten den “Raketenschützen” ein wenig Schutz vor den Gewitterregen. Abgefeuert wurden die Raketen an Eisenrohren vor den Hütten.

Bilder 1 u. 2 zeigen eine “Schusshütte”,
Bild 3 einen “Raketenstart”
Bildquelle: Oben genannte Homepage der Hagelabwehr

Bilder 4 – 6: Eine der letzten noch erhaltenen “Schusshütten” im Weinbaugebiet zwischen Furth und Mautern.
 

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Geist

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#2
Am zweiten Bild sieht man einen Hagelschützen im gestreckten Galopp mit Rakete. Wurden diese Raketen also erst abgeschossen, als es schon zu hageln begann, nicht präventiv?
 

josef

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#3
Am zweiten Bild sieht man einen Hagelschützen im gestreckten Galopp mit Rakete. Wurden diese Raketen also erst abgeschossen, als es schon zu hageln begann, nicht präventiv?
Glaube kaum, dass dieser Herr in Anzug mit Krawatte ein "aktiver" Schütze war! Dürfte sich um einen Funktionär oder sonstige "wichtige" Person handeln...? Soweit ich mich erinnere, waren die "Schützen" Weinhauer oder Landarbeiter von größeren Weingütern, die lt. Einsatzplan bei bestimmten "Schusshütten" eingeteilt waren. Werde mal versuchen, einen ehemaligen "Hagelschützen" zu befragen, ob es ein bestimmtes Alarmierungsprozedere gab? Ich vermute eher, dass jeder eingeteilte Schütze nach eigenen Erfahrungswerten handelte. Dieser Personenkreis hatte sicher durch langjährige Tätigkeit in der freien Natur das nötige Gespür bzw. Erfahrung, wann, wo, wie usw. sich ein Gewitter entwickelt. Auch die "Vorwarnzeit" ist in der eher flachen Gegend länger als z.B. im Gebirge, ebenso die "Zugrichtung" der Fronten bei ca. 80% Westwind leichter absehbar...

Die ersten Raketen wurden meist knapp vor Beginn der Niederschläge abgeschossen und dann auch noch "begleitend" während des Gewitterregens. D.h. bei Durchzug von W nach O begannen die Abschussstellen im W zuerst und stellten dann das "Feuer" ein, während die östlich gelegenen Plätze noch schossen! Das Ganze war ähnlich dem "Flak-Feuer" bei Überflug, nur wesentlich weniger "Schüsse" :)

Jedenfalls ist das heutige gezielte Führen der Flugzeuge mittels Wetterradar weit effizienter als damals der "Schuss nach Bauchgefühl" :D

lg
josef
 
H

hebbel

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#4
Raketenbasen, so so. Hübscher Titel. Das die "echt" sind, sieht man ja an den Türen, denen das Herzerl fehlt. :D
Feine Fundsache aus der Technik- und Weinbaugeschichte. Wer wüsste schon, zu welchem Zweck diese Bretterbuden gebaut wurden? Danke. Wieder was gelernt.

LG
Dieter
 

t3atnö

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#5
Weinbauern

Ja die Weinbauern sind ein recht Schußfreudiges Volk :)
Raketenbasen,Starabwehr (Sturnus vulgaris ) mittels Leuchtpistole,Pyroknall,Böllern usw
Wieder mal ein sehr interessanter Beitrag :danke
 

josef

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#6
"Starfighter im Burgenland"

Ja die Weinbauern sind ein recht Schußfreudiges Volk :)
Raketenbasen, Starabwehr (Sturnus vulgaris ) mittels Leuchtpistole,Pyroknall,Böllern usw.
Du hast bei der "Starabwehr" den Einsatz der "Starfighter" in den burgenländischen Weinbaugebieten im Seewinkel vergessen :)

Dort werden um den Neusiedlersee die Stareschwärme mittels Flugakrobatik wagemutiger Piloten vertrieben. Hier ein Bericht von der Seite des "aerokuriers" über den Einsatz der einmotorigen Oldtimer in Illmitz:
Die Starevertreiber vom Neusiedler See - Tiefflug extrem: Piper Cub im Agrareinsatz
Sie umkurven alleine stehende Bäume und tauchen unter Stromleitungen hindurch: Die Agrarpiloten am Neusiedler See müssen das fliegerische Handwerk meisterhaft beherrschen. Mit ihren radikal abgemagerten Piper Cubs vertreiben sie von August bis Oktober Starenschwärme aus den Weingärten.

Alles grau in grau heute morgen, etwas Regen fällt aus den tief hängenden Wolken über dem Neusiedler See. Auch die Vögel gehen lieber zu Fuß, sagt man bei solchem Wetter gerne. Die Wolkenuntergrenze allerdings ist niemals ein limitierender Faktor für die Piloten der Land- und Forstflug GmbH im österreichischen Leopoldsdorf. Tiefflug steht heute auf dem Tagesplan.

Wie tief Tiefflug sein kann, wird sich heute wieder zeigen. So wie nahezu jeden Tag zwischen Mitte August und Mitte Oktober, wenn sich durchreisende Starenschwärme über die prallen Weintrauben hermachen wollen und die Leopoldsdorfer Agrarpiloten mit ihren Piper Cubs sie davon abzuhalten versuchen. Alleine Nebel kann das Fliegen verhindern, bei den Cubs ebenso wie bei den Vögeln.
Wir stehen in Illmitz, auf einem der neun Außenlandefelder der Weingartenpiloten, einer Wiese von vielleicht 250 Metern Länge. Den Cubs muss das genügen. Ähnliches gilt für die Piloten, die sich mit einer Infrastruktur zufriedengeben müssen, die hier aus einer kleinen Holzhütte, einem etwas gammeligen Wohnwagen und einem Tankwagen besteht. Kein Strom, kein Wasser, keine Toilette. Weingartenfliegen, das hat auch immer etwas von Rustikalurlaub in der Natur.

Seit Beginn der 60er Jahre setzt man hier – im Seewinkelgebiet zwischen Neusiedl, Gols, Podersdorf und Illmitz – zur Weinlesezeit recht erfolgreich Flugzeuge gegen die Stare ein. Tausende Vögel, alljährlich auf dem Weg in den Süden, schätzen den Geschmack der köstlichen Trauben des Weissburgunders, Traminers, Blaufränkisch oder des Zweigelts. Sie verweilen hier gerne. Der Schaden wäre enorm, würde man nicht zu dieser außergewöhnlichen und auch ökologisch vertretbaren Methode greifen.

Unsere J-3C, Baujahr 1939, startet bei leichtem Gegenwind in Richtung Norden. Kurz nach dem Abheben drehen wir mit zirka 30 Grad Schräglage nach rechts und überqueren „zwischen“ zwei fahrenden Autos eine parallel zur Startbahn verlaufende Straße in etwa zwei Metern über Grund und nehmen Kurs auf unser Einsatzgebiet. Wir fliegen einen Slalom zwischen einzeln stehenden Bäumen, hüpfen über niedrige Telefonleitungen und achten extrem konzentriert auf jedes noch so niedrige Hindernis wie Vogelscheuchen und einzeln stehende, dünne lange Stangen mit Papierdrachen, gedacht als Vogelscheuchen. Sowohl die Einheimischen als auch die Weinbauern sind früh unterwegs. Sie kennen ihre „Starfighters“ und grüßen uns sehr freundlich.

Eine Handvoll gestandener Piloten stellt sich dieser in Europa wohl einmaligen fliegerischen Herausforderung. Es sind erfahrene Spezialisten mit entsprechender Tiefflugausbildung und der für diese Arbeit notwendigen behördlichen Lizenz. Geflogen wird mit Piper Cub wie J-3C, L-4, J-5 , PA-18 und L-18. Die recht betagten, aber gut gewarteten Fluggeräte sind für diese Arbeit bestens geeignet. Extrem abgespeckt, ohne Funk, ohne Anlasser, teilweise ohne zweiten Sitz und nur mit den allernötigsten Instrumenten ausgerüstet, sind die Fluggeräte sehr leicht. Dadurch reichen die 90 PS, einsitzig geflogen, für die Verfolgung der gefräßigen Fliegerkollegen gut aus.

Die meisten der rund 30 zum harten Kern gehörenden Piloten sind Freelancer. Das Spektrum reicht vom Airbuskapitän mit Bezug zur Basis bis zum engagierten PPL-Inhaber, der sich auf diese Weise seine Flugleidenschaft finanziert. Allen gemeinsam sind das solide fliegerische Handwerk und die extreme Erfahrung durch den täglichen Umgang mit dem Arbeitsgerät. Sie bewegen die alten Mühlen mit beeindruckender Sicherheit.

Wenn sich die Vögel bei Sonnenuntergang in ihre Schlafplätze zurückgezogen haben, bleibt auch den „Starfighters“ noch genügend Zeit, sich an lauen Spätsommerabenden beim gemeinsamen Lagerfeuer, einem saftigen Steak und einem guten Schluck Wein spannende und amüsante Fliegergeschichten zu erzählen.

Voraussetzungen für den „Starfighter“:
Mindesterfahrung von 200 Flugstunden, Kunstflugberechtigung. Letztere kann durch eine spezielle Gefahreneinweisung mit Kunstfluglehrer auf einem Kunstflugzeug ersetzt werden. Mindestens zehn StundenTiefflugausbildung, nach Erfahrung werden es meistens15 bis 25 Stunden. Charakterliche Eignung. Segelflugerfahrung und Spornraderfahrung ist von Vorteil.

Das firmeninterne Auswahlverfahren bestehen erfahrungsgemäß eher Bewerber mit mehr als 1000 Stunden Flugerfahrung.
Kontakt: Land- und Forstflug GmbH, Flugplatz, A-2285 Leopoldsdorf im Marchfeld
Quelle mit Bilderalbum: http://www.aerokurier.de/de//general-aviation/tiefflug-extrem-piper-cub-im-agrareinsatz.54004.htm
 

t3atnö

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#7
S t a r

Ja hab ich schon mal erlebt Höllenlaut das Ding,war in der nähe mit dem Fahrrad unterwegs.
Finde die Lärmbelästigung aber kontraproduktiv da der Seewinkel ja großteils Naturschutzgebiet ist und eigentlich ein Erholungsgebiet sein sollte :ichsagnix:
:schlecht:Aber GELD regiert die Welt:schlecht:
 

josef

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#8
"Starfighter" im Seewinkel

Ja hab ich schon mal erlebt Höllenlaut das Ding,war in der nähe mit dem Fahrrad unterwegs.
Finde die Lärmbelästigung aber kontraproduktiv da der Seewinkel ja großteils Naturschutzgebiet ist und eigentlich ein Erholungsgebiet sein sollte :ichsagnix:
:schlecht:Aber GELD regiert die Welt:schlecht:
Stimmt, da gibt es schon jahrelange Konflikte zwischen Birdwatcher und Winzer!
Habe gehört, in Podersdorf unternimmt man Versuche mit Falken...

lg
josef
 
#9
Raketen zur Hagelabwehr sind auch langsam wieder im kommen.
Diese unterliegen auch nicht dem neuen Pyrotechnikgesetz, bzw sind von den Regulierungen durch Pyroschein ausgenommen und können von unterwiesenen Personen abgeschossen werden.
 

josef

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#10
Raketen zur Hagelabwehr sind auch langsam wieder im kommen...
Nur bezweifle ich die Effizienz gegenüber vom Wetterradar geführten Flugzeugen!
...sind von den Regulierungen durch Pyroschein ausgenommen und können von unterwiesenen Personen abgeschossen werden.
Kenne weder die alte noch die neue Gesetzeslage, jedenfalls mussten seinerzeit die "Schützen" einen Kurs mit Prüfung belegen.

lg
josef
 

josef

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#11
Hagelflieger in der Steiermark

Auch im Luftraum über der Südsteiermark sind Hagelflieger im Einsatz:

[YouTube]6UufUIJwFyU[/YouTube]

lg
josef
 
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josef

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#12
Hagelflieger im Einsatz

Während eines starken Gewitters am Samstag den 5.5. versuchte ich von der Terrasse aus einen "Hagelbomber" über Stift Göttweig mit der Kamera "abzuschießen"...
Leider machte mir kein Flieger den Gefallen, exakt über das Stift zu fliegen :schlecht:
Zu guter Letzt gelang im Starkregen doch noch ein "Nachschuss" eines kurvenden Flugzeuges mit eingeschalteten "Nachbrennern" => Verbrennen von Silberjodidgemisch.
 

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Joe

Fehlerkramrumschlager
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#13
Den hast du doch gut erwischt. Ich habe letztes Jahr noch im Fernsehen einen Bericht über einen Hagelflieger in Süddeutschland gesehen.
Irgendwie schien mir der Pilot richtig Spaß am Job zu haben.
Gruß
Joe
 

josef

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#14
Wetterschießhütten

Im Stadtmuseum Korneuburg sah ich das Modell einer Wetterschießhütte. Dies ist die "Urform" der Hagelbekämpfung:

In Holzhütten wurden herkömmliche Böller senkrecht aufgestellt. Über der nach oben gerichtete Mündung des gusseisernen Böllers befand sich ein mehrere Meter langer, durch das Hüttendach reichender, konischer Blechtrichter. Bei bzw. vor Gewitter wurden die Schwarzpulverladungen der Böller Richtung Wolkenhimmel abgeschossen...

Das Modell einer Wetterschießhütte inmitten von Weinbergen:
 

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josef

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#15
Mehr zum historischen "Wetterschiessen"

Wetterschießen ist die Beeinflussung der Bildung von Niederschlägen durch Abbrennen von Explosivstoffen.

Durch diese Mittel versuchte man schon seit langem, Hagelschäden zu verhüten, bis dieses Verfahren zu Anfang des 19. Jahrh. verboten wurde. Der Bürgermeister Albert Stiger in Windisch-Feistritz in Steiermark nahm 1896 das Schießen aus Böllern, auf deren Mündung ein 4 m langes Rohr aufgesetzt ist, bei drohendem Hagelwetter mit Erfolg wieder auf. Stigers Verfahren wird in Steiermark und Oberitalien bereits in mehrern tausend Stationen angewendet. Durch eine Wetterkanone wird etwa 1 qkm Fläche vor Hagel geschützt.

Quelle http://de.academic.ru/dic.nsf/konversations_lexikon/79936/Wetterschießen


Dazu ein Auszug aus einem Dokument des Oberösterreichischen Landesmuseum Linz über einen Vortrag im Jahre 1900:
Hagelwetter und Wetterschiessen
Von Dr. Wilh. Trabert.
Vortrag, gehalten den 14. Februar 1900.


Ich will nun nicht vom uralten Wetterzauber sprechen, nicht von jenen Stangen mit Strohbüscheln, mit welchen man einst in Frankreich mit Sicherheit der Hagelgefahr begegnen zu können glaubte, ich will hier nur von den Versuchen, durch Schießen dem Hagel entgegenzutreten, sprechen, denn auch dieser Versuch ist uralt.
Ende des 18. Jahrhunderts war das Wetter schießen in Österreich, auch in Baiern und im Kurfürstenthum Augsburg-Trier sogar außerordentlich verbreitet. Um diese Zeit trat man aber auch allenthalben dem Wetterschießen und Wetterläuten energisch entgegen; überall stieß man aber auf den Widerstand des Volkes.
In Baiern wurde so lange und so heftig von den Gemeinden um Wiedergestattung des Schießens petitioniert, dass 1811 die Akademie der Wissenschaften in München mit der Erstattung eines Gutachtens vom Staate betraut wurde.

Dem Akademiker I m h o f wurde diese Aufgabe übertragen, und obwohl man damals nicht nur noch weniger, vielmehr geradezu gar nichts vom Hagelprocess wusste, konnte Imhof eine vernichtende Kritik des Wetterschießens verfassen, gestützt auf „Versuche", die uns freilich durch ihre unwissenschaftliche und leichtfertige Ausführung geradezu verblüffen. Ich erwähne sie nur, um darauf aufmerksam zu machen, dass sich schon 1811 die wissenschaftlichen Kreise mit dieser Frage befassen mussten.

Auch in Österreich wurde 1785 das Wetterschießen von Kaiser Josef II. verboten, und obwohl mit der größten Strenge vorgegangen wurde, gegen das revoltierende Volk Militär einschreiten musste, Strafen von mehreren Jahren Eisen verhängt wurden, hat es sich in manchen Gegenden doch erhalten bis auf den heutigen Tag, und in Windisch-Feistritz sind vor nunmehr vier Jahren von dem Bürgermeister Albert Stiger die Versuche im großen Stile wieder aufgenommen worden. Stiger ging dabei von dem Gedanken aus, dass das eigentlich Charakteristische, vor jedem Hagelwetter die beängstigende Ruhe und Stille sei, dass diese offenbar ein wesentliches Moment bei der Bildung des Hagels sei, und dass der, welcher diese Stille breche, damit auch die Bedingung für die Entstehung des Hagels beseitige.
Zunächst wurde auch von S tiger mit gewöhnlichen Pöllern geschossen, dann aber versuchte er die Wirkung der Schüsse durch Aufsetzen eines konischen Schalltrichters zu erhöhen, und zu diesem Zwecke verwendete er zunächst einen alten ausrangierten Locomotivrauchfang der Südbahn.

Hatte man früher schon die Schießversuche S t i g e r s in der Bevölkerung mit Kopfschütteln und mit Spott behandelt, so zweifelte man bei dem Transporte des Rauchfanges in die Weingärten schon völlig an Stigers gesundem Verstande.

Aber es sollte nicht lange dauern. Während bis 1896 seit 30 Jahren der Hagel alljährlich die Weinernte vernichtet hatte, blieb im Jahre 1896, im ersten Schießjahre, der Hagel aus. Viele wurden.— obwohl ja gewiss ein Jahr absolut nichts beweist — bekehrt, ja manche Nachbarn entschlossen sich, auch Schießapparate aufzustellen, aber im allgemeinen zweifelte man doch in Windisch- Feistritz noch recht sehr an der Wirksamkeit des Schießens.
Da kam der 1. Juli 1897, ein furchtbar drohendes Wetter zog mit großer Geschwindigkeit vom Bachergebirge her, das eigenthümliche Sausen, das Hagelgeräusch war bereits hörbar, alles hielt die Ernte von Windisch-Feistritz für verloren, auch Stiger zweifelte, aber geschossen wurde doch. Windisch-Feistritz blieb verschont, in der Umgebung ging das Hagelwetter mit furchtbarer Gewalt nieder. Seit diesem Tage ist in Windisch-Feistritz alles von der Wirksamkeit des Schießens überzeugt.

Nun aber kehrte sich die Sache um, nun kamen die Bauern der Umgebung mit der Beschuldigung, Stiger habe ihnen den Hagel hingeschossen, und nur mit Mühe gelang es, die Leute, zu beruhigen. Sie sollen eben auch schießen, rieth ihnen Stiger an.

So verbreitete sich denn das Wetterschießen allmählich in ganz Steiermark, aber auch in Italien wurde es mit außerordentlicher Wärme aufgenommen, und obwohl dort erst seit zwei Jahren geschossen wird, bestehen doch daselbst bereits 3000 Schießstationen, und im November vorigen Jahres wurde in Casale Monferato ein internationaler Schießcongress abgehalten, auf dem man sich mit Entschiedenheit für die Wirksamkeit des Wetterschießens aussprach.

In der That liegen ja eine Reihe sehr sonderbarer Thatsachen vor. Seit geschossen wird, wurde Windisch-Feistritz nicht mehr vom Hagel heimgesucht, ja selbst am 9. August 1898, als ein Hagelzug in geradliniger Bahn direct über Windisch-Feistritz hinwegzog, der vorher, in St. Bartholomä die Hälfte der Ernte vernichtete, war derselbe in Windisch-Feistritz soweit abgeschwächt, dass kein nennenswerter Schaden entstand; als aber das Wetter über Windisch-Feistritz hinüber war, brach es mit der alten Wucht los, so dass in Ober-Pulsgau wieder die Hälfte bis drei Viertel der Ernte vernichtet wurden.

Ganz ähnliche, sehr auffallende Thatsachen gibt es mehrere, und auch aus Italien liegen Berichte von vielen höchst merkwürdigen Erscheinungen vor, welche die ungemein rasche Verbreitung des Glaubens an die Wirksamkeit des Schießens erklärlich machen.
Es kann das alles Zufall sein, aber in vielen Fällen wäre es ein sehr sonderbarer Zufall; und umso mehr drängt sich die Frage auf: Ist denn vom wissenschaftlichen Standpunkte aus überhaupt eine Wirksamkeit des Schießens denkbar?

Um auf diese Frage zu antworten, müssen wir uns klarmachen, was beim Schießen denn eigentlich geschieht. Geschossen wird, wie schon erwähnt, durchaus mit Pöllern, denen ein konisches Eisenrohr aufgesetzt ist, das bei den neuesten Schießapparaten eine Länge von 4 m und einen oberen Durchmesser von etwa 10 cm hat. Wenn nun geschossen wird, dann haben wir zu beachten, erstlich die Detonation, welche entsteht, zweitens aber einen ganz eigenthümlichen Wirbelring, ähnlich den Rauchringen der Raucher, der in sich rotiert und pfeifend wie ein Geschoss mit großer eschwindigkeit dahinsaust.
Bei den horizontalen Schießversuchen, die in St.Katharein bei Brück a. d. Mur von Herrn Suschnig, Procuristen und Werksleiter der Firma C. Greinitz Neffen, mit außerordentlichem experimentiertalente in ganz systematischer Weise angestellt wurden, sind Geschwindigkeiten von 50—70 m pro Secunde gemessen worden. Die verticale Geschwindigkeit ist aber, wie dies auch die Helmholtz'sehen theoretischen Untersuchungen der Wirbelringe verstehen lassen, wesentlich größer; es ist bisher nicht gelungen, sie zu messen.

Dass bei verticalen Schüssen dieser Wirbelring beträchtliche Höhen erreichen kann, das geht klar aus dem Umstände hervor, dass man bei den Versuchen in St. Katharein den Ring bis zu 28 Secunden lang sausen hören konnte!

Noch weit merkwürdiger ist aber die enorme mechanische Energie, welche diesem Wirbel innewohnt. In St. Katharein wurde auf ein in 100 m Distanz aufgestelltes Gerüst geschossen, das mit Packpapier überzogen war, dies wurde regelmäßig vom Ringe zerfetzt. Da aber manchmal der Ring durch den Wind aus seiner Bahn abgelenkt wurde, so waren, um doch die Einschlagstelle des Ringes genau fixieren zu können, in 20, 40, 60 und 80 Metern Vorscheiben aufgestellt, die durch Sackleinwandstücke gebildet waren, die durch Leisten beschwert wurden. Wiederholt kam es nun bei den Versuchen, denen Director Pernter und ich beiwohnten, vor, dass diese Holzleisten von 3 cm Breite und l1/« cm Dicke vom Ringe getroffen und in 2, 3, ja einmal in 5 Stücke zersplittert wurden, wobei eines dieser Holzstücke bis 18 m weit geschleudert wurde. Ja vor kurzem kam es vor, dass bei den Versuchen mit einer neuen Pulverart eine der großen, etwa faustdicken Stangen, an denen die Leinwandlappen angenagelt sind, einfach zerbrochen wurde. Ich war zwar bei diesem Versuche nicht anwesend, aber ich habe eine Photographie der ganzen Situation, die gleich aufgenommen wurde, gesehen.

Auch Stiger sah einmal eine Schwalbe todt aus der Luft fallen. Die Energie dieses Wirbelringes ist also jedenfalls eine ganz erstaunlich große.
Nun aber wollen wir zur Frage übergehen, die sich ja uns allen aufdrängt: Wie wäre denn eine eventuelle Wirksamkeit des Schießens auf die Hagelbildung überhaupt zu denken?

Es sind offenbar nur zwei Möglichkeiten vorhanden. Es könnte sich entweder um eine Abschwächung jener Bedingungen handeln, welche zum raschen und plötzlichen Aufsteigen und damit zur intensiven Condensation führen, also um eine Beeinflussung der Bewegungsvorgänge beim Hagelwetter; oder aber es könnte sich speciell um eine Verhinderung der Hagelbildung, also entweder um eine Verhinderung des Zusammenfließens der unterkühlten Tröpfchen oder gar um eine Verhinderung des Entstehens solcher Tröpfchen handeln, eine Annahme, die überhaupt nur dann einen Sinn hätte, wenn wir voraussetzen wollten, dass unter dem Einflüsse einer ganz geheimnisvollen und uns noch unbekannten Kraft speciell beim Hagelwetter bis in sehr niedere Luftschichten hinab solche unterkühlte Tröpfchen sich bildeten.
Man hat ja vielfach einer directen Umsetzung von Wärme in Elektricität beim Hagelwetter das Wort geredet, aber es ist dies lediglich eine Hypothese, zu deren physikalischer Begründung, vorläufig wenigstens, keinerlei Thatsaehen vorliegen.

In allen diesen Fällen — das ist jedenfalls das Wesentliche — würde es nun eines besonderen Energieaufwandes nicht bedürfen. Die für den Gewitterprocess nothwendige Energie ist ja längst in der Atmosphäre aufgespeichert, ist vorhanden und harrt nur des Momentes ihrer Auslösung. Nur um eine Beeinflussung dieser Auslösung würde es sich handeln, und es kann daher eine derartige Einwirkung durchaus nicht als principiell unmöglich bezeichnet werden, wie man dies etwa bei den Versuchen des sogenannten „Regenmachens" ruhig thun kann, denn hier haben wir thatsächlich die Energie nicht zur Verfügung, die zur Condensation des Dampfes erforderlich ist.

Die Wirkung des Schießens könnte man sich nun aber auch auf zweifache Weise vorstellen: es könnte der Schall das Wirksame sein, es könnte aber auch der entstehende Luftwirbelring, der sicher die Wolkenhöhe erreichen kann, die Hauptsache sein.
Wenn wir zunächst an die Schallwirkung denken wollen, so könnte man z. B. eine solche in dem Sinne annehmen, dass durch die Erschütterung, welche die Schallwellen mit sich bringen, die unterkühlten Tröpfchen zum Erstarren gebracht werden. Ein Zusammenfließen zum Hagelkorn wäre damit gewiss unmöglich gemacht; die winzigen Eiskügelchen würden langsam zu Boden sinken, unterwegs schmelzen und lediglich als Regen am Erdboden erscheinen.
Auch die eine merkwürdige Erscheinung, die in Steiermark so vielfach bemerkt wurde und in Casale von den verschiedensten Seiten als Thatsache betont wurde: wo geschossen wird, dort hören die Blitze auf, fände hierin eine ungezwungene Erklärung, denn mit dem Zusammenfließen der Tropfen hört auch die Neuerzeugung der Elektricität von selber auf.

Es muss aber betont werden, dass es durchaus nicht bewiesen ist, dass Schallwellen unterkühlte Tropfen wirklich zum Erstarren bringen können, und — auch das ist ja beachtenswert — in ganz Steiermark schreibt man dem Wirbelringe die Hauptwirkung zu.

Ich gestehe auch offen, dass, nachdem ich die Versuche in St. Katharein gesehen, ich diese Erklärung nicht mehr aufrecht erhalten möchte.
Da eine andere Einwirkung des Schalles wohl ausgeschlossen erscheint, bliebe somit nur die Möglichkeit einer Wirksamkeit des Wirbelringes übrig. Können wir uns nun durch ihn eine Verhinderung des Zusammenfließens der unterkühlten Tröpfchen oder eine Verhinderung der Abkühlung gewöhnlicher Tröpfchen auf Temperaturen unter Null denken? Vorstellen können wir es uns gewiss nicht, wir müssten einen geheimnisvollen elektrischen Einfluss zuhilfe nehmen, und wenn wir das nicht wollen, wenn wir uns nicht in ganz nebelhafte Hypothesengefilde begeben wollen, dann gäbe es nur eine Möglichkeit: es könnte eine mechanische Wirkung des Wirbelringes vorhanden sein. Es wäre nicht ausgeschlossen, dass bei der gewaltigen Energie desselben, bei der sicher vorhandenen nicht unbeträchtlichen Luftmischung in verticaler Richtung, die er hervorbringt, ein gewisser Ausgleich der in verticaler Richtung bestehenden Temperaturgegensätze und damit die Beseitigung oder doch Herabminderung jener günstigen Bedingungen geschaffen würde, welche der heranrückende Gewitterprocess zu seiner vollen Entfaltung an der betreffenden Stelle bedarf. Diese Wirkung würde auf eine Beeinflussung des Bewegungsvorganges, auf Abschwächung der Plötzlichkeit des Aufsteigens und der Condensation hinauslaufen.
• .
Das einfachste freilich wäre: absprechen, das Wetterschießen rundweg als Unsinn zu verwerfen. Dem Naturforscher ziemt aber, nur das als Unsinn zu verwerfen, was in Widerspruch steht mit anderen Naturthatsachen.

Das ist beim Wetterschießen nicht der Fall. Man kann nicht sagen, die bisherigen Versuche hätten bereits seine Wirksamkeit über allen Zweifel bewiesen, aber sie ermuntern zur Fortsetzung derselben. Wollte Gott, dass wirklich darin ein Mittel zur Abwehr dieses furchtbaren Feindes der Landwirtschaft gefunden wäre!
Quelle: Auszug aus http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/SVVNWK_40_0119-0144.pdf
 

josef

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#16
Wieder ein „Starfighter“ abgestürzt

Die hier in den Beiträgen #6 - #8 behandelte "Starabwehr" durch Einsatz der "Starfighter" in den burgenländischen Weinbaugebieten im Seewinkel hat wieder ein Opfer gefordert:
„Starfighter“ abgestürzt - Pilot stirbt

In Weiden am See (Bezirk Neusiedl am See) ist Dienstagnachmittag ein Sportflugzeug, mit dem Vögel aus Weingärten vertrieben werden, abgestürzt. Der Pilot kam bei dem Absturz ums Leben.

Der 75-jährige Mann aus dem Bezirk Neusiedl am See war allein mit dem Sportflugzeug unterwegs, um Stare aus den Weingärten zu vertreiben. Dabei ist das Flugzeug in einer Hochspannungsleitung hängen geblieben und abgestürzt. Beamte der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes nahmen noch am Dienstag die Ermittlungen auf. Nach ersten Erkenntnissen dürfte der Pilot durch die Sonne geblendet worden sein und so die Starkstromleitung übersehen haben, hieß es Mittwochfrüh von der Landespolizeidirektion.

Hochspannungsleitung gerissen
Die Hochspannungsleitung wurde bei dem Anprall abgerissen. Das Flugzeug blieb etwa 200 Meter weiter in einer Grünbrache liegen, schilderte der Kommandant der Feuerwehr Weiden am See, Christoph Wachtler, der APA. Die Einsatzkräfte wurden um 15.08 Uhr alarmiert.

Ein Notarzteinsatzfahrzeug und ein Rettungswagen sowie die Feuerwehr rückten zur Absturzstelle aus. Die Hochspannungsleitung stand zunächst noch unter Strom, die Abschaltung habe aber gut funktioniert, hieß es von der Landessicherheitszentrale (LSZ). Der 75-jährige Pilot verstarb noch an der Unfallstelle. Laut Angaben des Flugunternehmers, soll es ein erfahrener Pilot gewesen sein.

Pilot starb noch an Unfallstelle
Die Absturzstelle befindet sich außerhalb des Ortsgebietes von Weiden in der Nähe eines Lagerhauses. Zeugen hörten laut Polizei im Lagerhaus ein Geräusch, das als „Peitschenknall“ beschrieben wurde. Danach sahen sie, dass die Stromleitung gerissen war und entdeckten schließlich das abgestürzte Flugzeug.

Immer wieder Unfälle
Bei der Starevertreibung mittels Flugzeug ereigneten sich in den vergangenen Jahren mehrere Unfälle. 2012 wurde eine Pilotin bei einem Absturz verletzt. Im August des Vorjahres kollidierte bei Gols ebenfalls ein Flieger mit einer Stromleitung. Für den Pilot kam jede Hilfe zu spät.
http://burgenland.orf.at/news/stories/2725967/



Hier noch weitere Berichte über Unglücksfälle aus den Vorjahren:

http://burgenland.orf.at/news/stories/2552335/

http://burgenland.orf.at/news/stories/2606991/

http://burgenland.orf.at/news/stories/2664828/
 

josef

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#17
Wetterschießhütte bei Göttweig...

Bei der Durchsicht alter Ansichtskarten im Online-Archiv der Nationalbibliothek entdeckte ich eine Karte aus 1909 mit dem Stift Göttweig, Aufnahmestandort Furth bei Göttweig, auf der eine "Wetterschießhütte" zu sehen ist! (Modell im Museum Korneuburg siehe Beitrag #14).

Bildquelle ÖNB: http://akon.onb.ac.at/#center=u2e54yt9e6tz&zoom=11&query=Göttweig, Österreich&id=AKON_AK047_450
 

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josef

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#19
"Wetterkanone"

Eine weitere ganz primitive Form zur Gewitterbekämpfung fand ich in der "Sammlung Mader" im "Höbarth-Museum" Horn:

Eine Vorderladekanone mit einem durch Eisenringe verstärktem Holzrohr:
 

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#20
Silberjodid

Wisst Ihr eigentlich, dass das ganze auf Spekulationen beruht. Nirgends und niemand hat je bewiesen, dass das Silberjodid die Hagelkörner wirklich verhindert. Das ganze ist Glauben und Hoffnung gepaart mit Glück.
Bei uns glauben auch jede Menge Leute daran und es wird viel Geld dafür
ausgegeben. Bewiesen ist gar nichts.

gruß
 
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