Eis der heimischen Gletscher ging weiter zurück, Hoffnung für die nachfolgenden Gletscherjahre

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#21
Hallstätter Gletscher schmilzt drastisch

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Die Gletscherschmelze ist nach wie vor enorm – das zeigen die Messergebnisse auch heuer. Besonders stark betroffen ist der Hallstätter Gletscher unterhalb des Hohen Dachsteins. Zum Teil ist das Eis dort in einem Jahr um 30 Meter zurückgegangen.

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Dort wo früher massenweise Schnee und darunter Eis lag, ist jetzt nur noch das Fragment einer Zunge zu sehen. Es ist viel zu warm, so der Meteorologe Klaus Reingruber von Blue Sky – der seit mittlerweile 17 Jahren laufend Messungen in Oberösterreich durchführt: „Wenn man es über die ganze Fläche rechnet, ist der Dachsteingletscher im Mittel um 1,4 Meter in der Eisdicke abgeschmolzen.“ Punktuell gebe es Stellen, wo der Hallstätter Gletscher um 20 bis 30 Meter in einem Jahr zurückgegangen sei, so Reingruber.

Rückgang auch mit freiem Auge zu sehen
Und diesen Rückgang sieht man mittlerweile auch mit freiem Auge nach kürzester Zeit, so der Gletscherexperte: „Das geht mittlerweile so schnell, dass man diesen Rückgang durchaus von einem auf das andere Jahr schon erkennt. Man sieht, dass die Felsinseln im Eis jetzt immer mehr auftauchen. Das ist das erste, das man sieht.“
Flugbild: Gerald Lehner
Hallstätter Gletscher

Düstere Prognosen der Experten
Schon einzelne extreme Jahre richten riesengroßen Schaden an und gehen dem ewigen Eis an die Substanz. Ändern wird sich das wohl nicht, denn auch die Prognosen der Experten ist düster: demnach wird das Gletschereis auch weiterhin schmelzen.
09.12.2020, red, ooe.ORF.at
Hallstätter Gletscher schmilzt drastisch
 

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#22
Hintereisferner: Rückzug eines eisigen Riesen
Der Hintereisferner im Ötztal ist einer der besterforschten Gletscher Österreichs. Seine Entwicklung dokumentiert die Gewalt des Klimawandels
Um das Jahr 1600 trug der Hintereisferner zu einer Katastrophe im Tiroler Ötztal bei. Gemeinsam mit weiteren Eismassen speiste er einen Gletschersee, der vom Vernagtferner, der sich in der damaligen Kleinen Eiszeit überraschend schnell und weit ins Tal hinunterschob, aufgestaut wurde. Irgendwann wurde die Last des Wassers zu groß: Der Gletschersee brach aus und verwüstete Siedlungen bis weit draußen im Tal. Sogar im Inn bei Innsbruck sollen noch Eisbrocken geschwommen sein.


Der Hintereisferner vor der Weißkugel (3.738 m): Historisch gesehen ist der Gletscher – einer der größten der Ostalpen – inzwischen ein Schatten seiner selbst.
Foto: Robbie Shone

Heute sind die Gletscher am Alpenhauptkamm hinter dem Touristenort Vent, der am Fuß der Wildspitze (3.768 m), dem höchsten Berg Tirols, liegt, vom Klimawandel geprägt. Der Hintereisferner, der sich durch ein langgezogenes Tal am Fuß der mächtigen Weißkugel (3.738 m) an der Grenze Österreichs zu Italien erstreckt, ist mit über sechs Qua dratkilometer noch immer einer der größten Gletscher der Ostalpen. Doch sein Eis schmilzt schnell: Seit 1950 hat er einen Kilometer an Länge verloren, seit 1910 gut zwei. Folgen ein paar heiße Sommer auf einander, kann er in fünf Jahren 100 Meter verlieren. Im Mittel büßt er einen Meter Eisdicke pro Jahr ein.

Im Hochtal nebenan ist vor 30 Jahren Ötzi, die berühmte Gletschermumie, ausgeapert. Den Hintereisferner macht aber eine andere Sache besonders: Er ist wohl der am besten dokumentierte und erforschte Gletscher Österreichs – auch wenn in dieser Hinsicht viele weitere wie der Jamtalferner oder die Pasterze nicht sehr weit dahinterliegen. Die historischen Erwähnungen des Hintereisferners reichen bis zum erwähnten Seeausbruch zurück – ein Ereignis, das damals auch eine der ersten bekannten bildlichen Gletscherdarstellung zur Folge hatte.

Zwei Messmethoden
Bereits in den 1890er-Jahren gab es hier Tiefenbohrungen und Bewegungsmessungen, schon davor wurden Karten angefertigt. 1953 war der Hintereisferner der erste Gletscher Österreichs, von dem eine Massenbilanz angefertigt wurde. "Damit gehört er zu den fünf ersten Gletschern weltweit, auf denen nach dem Zweiten Weltkrieg Massenbilanzmessungen durchgeführt wurden", erklärt der Glaziologe Rainer Prinz vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck. "Früher waren nur ein Gletscher in Schweden und ein oder zwei in den Rocky Mountains dran."


Eine historische Karte vom Hintereisferner aus dem Jahr 1894.
Foto: Rainer Prinz

Prinz kümmert sich um die gegenwärtige Datensammlung am Hintereisferner. Die Massebilanz, also die Differenz aus jährlichen Zugewinnen und Verlusten, wird hier heute auf zwei Arten erfasst. Zum einen mit der bewährten Methode der Pegelstangen, die ins Eis eingebohrt werden, um Niveauveränderungen auszumachen. Zum andern wurde 2017 ein Laserscanner installiert. Ferngesteuert in Innsbruck, tastet das Gerät die Oberflächen ab, woraus sich ein Geländemodell errechnen lässt. Aus mehreren Messungen lassen sich Höhen-, Volumens- und Masseänderungen ableiten. Die Daten werden zudem durch Lidar-Flüge – ein weiteres optisches Messverfahren – ergänzt.

Dramatische Verluste
Die Zeitreihe der jährlichen Massebilanzen ergibt ein von dramatischen Verlusten geprägtes Bild. Die letzten größeren Jahreszugewinne wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren gemessen, ein letztes ganz kleines Plus gab es Anfang der 1980er, dazwischen und danach liegen alle Werte im Minus. Die Spitzenwerte von heute überragen jene der 1980er und 90er bereits um zumindest ein Drittel.

Der Auslöser dieses Trends, der stellvertretend für die meisten Alpengletscher stehen kann, ist für Prinz eindeutig: "Nur unter Berücksichtigung des anthropogenen Treibhauseffektes lässt sich die Entwicklung der Alpengletscher seit der Kleinen Eiszeit erklären. Der anthropogene Einfluss nahm dabei kontinuierlich zu und liegt mittlerweile bei 100 Prozent." Die Entwicklung der Massenbilanz ist für ihn "ein direktes Bindeglied zwischen Klima und Gletscher".

Landschaft in Bewegung
Sofern die Wetterverhältnisse es erlauben, werden täglich Lasermessungen durchgeführt. "Es läuft gerade ein Projekt, das anhand dieser Daten die Schneeumverteilung im Winter untersucht", gibt Prinz ein Beispiel für aktuelle Forschung. Die Beobachtungen werden zur Validierung atmosphärischer Modelle verwendet. Die zentrale Frage: Bestätigen die Messdaten als "ground proof", was die hochaufgelöste Modellierung der Luftbewegungen voraussagt?

Gletscher und darüberliegende Atmosphäre sind in komplexen Interaktions- und Austauschprozessen miteinander verbunden. Verwirbelungen und Temperatureffekten über dem zerklüfteten Eis nachzuvollziehen ist nicht leicht. Im Sommer 2018 wurde etwa eine ganze Kette von Wetterstationen am Gletscher platziert, um die Vorgänge besser abbilden zu können. Forschungen wie diese können letztendlich auch zu der großen Frage beitragen, ob und wie sich das Verschwinden der Gletscher auf das lokale Klima auswirken wird. Prinz: "Wenn das Eis der Alpen ganz verschwindet, könnte das auch Auswirkungen auf die Zirkulation in den Bergtälern haben. Darüber wissen wir aber noch nicht viel."

Der Hintereisferner erlebte – wie viele andere Alpengletscher – um 1850 einen letzten Höchststand. Dort wo sich damals Eismassen wälzten, ist nun blanker Talboden. "Die Bergflanken sind hier sehr steil, und Starkregen und Gewitter lösen Muren aus. Unten sammelt sich Geröll an. Die Landschaft verändert sich von Monat zu Monat", schildert Prinz. In die Zukunft gedacht, wird diese Entwicklung die Anmutung des ganzen Gebirges verändern. Irgendwann in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhundert wird der Hintereisferner wohl so stark zurückgegangen sein, dass man nicht mehr von einem Gletscher sprechen kann.
(Alois Pumhösel, 5.1.2021)
Hintereisferner: Rückzug eines eisigen Riesen - derStandard.at
 

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#23
Gletscherschmelze setzt sich weiter fort
Die meisten Gletscher in Österreich sind seit der letzten Untersuchung weiter geschrumpft. Der Hornkees in den Zillertaler Alpen verlor 104 Meter an Länge, durchschnittlich zogen sich die Gletscher um 15 Meter zurück. Das belegt der Gletscherbericht 2019/20, den der Alpenverein am Freitag präsentierte.

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92 Gletscher in bundesweit zwölf Gebirgsgruppen wurden vom Gletschermessdienst des Alpenvereins im Haushaltsjahr 2019/20 beobachtet – ein „sehr guter, repräsentativer Schnitt“, erklärte Gerhard Karl Lieb, Leiter des Messdienstes. In Österreich gibt es noch rund 900 Gletscher.

85 von 92 Gletscher hätten sich zurückgezogen, zeigte der Alpenverein auf. Nur sieben seien mit einer Längenänderung von weniger als einem Meter stationär geblieben, berichtete Lieb.

Fotostrecke
ÖAV Museum und Archiv
Hornkees und Hornspitzen um 1920
ÖAV Gletschermessdienst / R. Friedrich
Hornkees 1976
ÖAV Gletschermessdienst / R. Friedrich
Hornkees 2000
ÖAV Gletschermessdienst / R. Friedrich
Hornkees 2010
Foto: ÖAV Gletschermessdienst / R. Friedrich
Hornkees 2020

Hornkees verliert in einem Jahr 104 Meter Länge
Mit einer Verkürzung von 104 Metern ist die größte Längenänderung am Hornkees in den Zillertaler Alpen gemessen worden. Vier weitere Gletscher zogen sich um mindestens 50 Meter zurück: Der Alpeinerferner (Stubaier Alpen) mit 67,2 Metern, die Pasterze (Glocknergruppe) mit 52,5 Metern, der Gepatschferner (Ötztaler Alpen) mit 51,5 Metern und das Schlatenkees (Venedigergruppe) mit 50,0 Metern.

Österreichischer Alpenverein/Kettenhuemer/G. Seitlinger
Schmiedingerkees im Jahr 1928

Überdurchschnittlich geschrumpft sei auch Österreichs größter Gletscher, die Pasterze am Großglockner. Er habe zuletzt 52,5 Meter an Länge eingebüßt, berichtete Andreas Kellerer-Pirklbauer vom Institut für Geographie und Raumforschung an der Universität Graz, der gemeinsam mit Lieb den Alpenvereins-Gletschermessdienst leitet. Die Pasterze ist einer der Gletscher, an dem auch regelmäßig die Dicke des Eises und die Gletscherbewegung gemessen wird. Im Vergleich zum Vorjahr sei die gesamte Gletscherzunge der Pasterze um durchschnittlich 6,1 Meter eingesunken – etwas mehr als in der Messperiode 2018/2019.

ÖAV/Gletschermessdienst
Andreas Kellerer-Pirklbauer vermisst einen Gletscher

Heißer Sommer setzte Eismassen stark zu
Trotz des verhältnismäßig schneereichen und damit gletscherfreundlichen Winters hätte der heiße Sommer den Eismassen im Beobachtungszeitraum 2019/2020 erneut stark zugesetzt, erklärte Kellerer-Pirklbauer. Obwohl die Winterniederschläge in den meisten Gebieten die langjährigen Mittel übertrafen und große Teile der Gletscher bis Juli von Schnee bedeckt waren, sei im August und September mit bis zu plus zwei Grad Celsius über der Durchschnittstemperatur eine starke Abschmelzung zu verzeichnen, führte Kellerer-Pirklbauer aus.

Österreichischer Alpenverein/Kettenhuemer/G. Seitlinger
Schmiedingerkees im Jahr 2020

Markante optische Veränderungen festgestellt
Zusätzlich zu den Längenänderungen habe man markante optische Veränderungen registriert, die zwar in Zahlen nicht erfassbar sind, aber den Gletscherschwund untrüglich belegen: Eisfrei werdende Felsbereiche, die Zerteilung von Gletschern, großflächiger Eiszerfall, ausdünnendes Eis, Bildung von Einsturztrichtern, Anreicherung von Schutt an den Gletscheroberflächen und die Bildung neuer Seen.
Davon hätten auch die ehrenamtlichen Gletscherbeobachter berichtet, darunter 24 Gebietsverantwortliche mit über 70 Begleitern. Diese würden wesentlich zur „Stärke der Daten“ beitragen, lobte Lieb und verwies auf sehr gute lokale und glaziologische Kompetenz der Freiwilligen. „Das vergangene Beobachtungsjahr ist ein weiteres in einer Periode drastischen Gletscherschwundes, die wohl noch lange andauern wird“, zogen die beiden Fachexperten Bilanz.

Gletscherschwund als sichtbares Zeichen des Klimawandels
Der unaufhaltsame Gletscherrückgang führe vor Augen, wie dringend der Schutz der hochalpinen Flächen neu definiert werden muss, betonte Alpenvereins-Vizepräsidentin Ingrid Hayek. Im Gegensatz zu CO2 oder einem Virus, den der Mensch über seine Sinneswahrnehmungen nicht begreifen könne, sei der Gletscherschwund ein sichtbares Zeichen.

„Der Gletscher ist ein Symbol für den Klimawandel an sich“. Angesichts des andauernden Gletscherschwundes seien die Gletscher aber wohl „als stille Mahnmale der klimatischen Veränderungen in ein paar Jahrzehnten nicht mehr wiederzuerkennen“. Umso wichtiger sei der Schutz der umliegenden hochalpinen Regionen – also auch der Gletschervorfelder.

OeAV/Gletscherbericht

Umfassender Schutzstatus 2006 aufgehoben
„Gletscherschutz bedeutet: Schutz ohne Wenn und Aber“, forderte Hayek. Jetzt habe man einen Gletscherschutz, von dem Skigebiete ausgenommen seien. Nachdem 1991 der absolute Schutz der Gletscher, der Gletschervorfelder und der Moränen in Tirol gesetzlich verankert und damit jede skitechnische Erschließung von Gletschern und ihren Einzugsgebieten verboten worden war, wurde der umfassende Schutzstatus 2004 wieder aufgehoben.

Hayek kritisierte das „Raumordnungsprogramm über den Schutz der Gletscher“ von 2006, das Gebiete von skitouristischem Interesse von der Regelung ausnimmt, und die geplante Skigebietserweiterung im Kaunertal, scharf. Sie hoffte auf Unterstützung von Politik und Tourismus sowie darauf, dass man den Alpenverein nicht als ewiger Verhinderer, sondern Bewahrer sehen solle. „Schließlich werben wir in Österreich auch mit den wunderbaren Bildern, wir wollen ja keine Fake-Bilder in die Welt setzen“, so Hayek.
10.04.2021, red, tirol.ORF.at/Agenturen

Gletscherschmelze setzt sich weiter fort
 

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#24
Gletschertagebuch
Guter Frühling für die Gletscher
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Seit Jahren setzt die Erderwärmung den heimischen Gletschern enorm zu: Große Eisflächen gingen verloren, das Tauwetter beginnt zunehmend früher. Wie Andrea Fischer und Hans Wiesenegger im aktuellen Gletschertagebuch berichten, gibt es heuer wieder einmal gute Nachrichten: Die Niederschläge im April boten den Gletschern Sonnenschutz.
Online seit gestern, 8.50 Uhr
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In den letzten Jahren war der Frühling eher für die Menschen gemacht: Es gab längere Schönwetterperioden mit Prachtwetter zum Grillen schon im März und erste Tage mit Badewetter im April. Im Jahr 2021 erleben wir einen Frühling wie früher: Im März fällt oft Schnee, und der April macht, was er will, und das ist mindestens einmal am Tag mit Niederschlägen verbunden. Die Gletscher präsentieren sich Ende April noch tiefwinterlich. Die Tourengeher finden noch Pulverschnee vor und nicht wie im Großteil der letzten 20 Jahre eine Schicht grobkörnigen und sandigen Harsches auf einer bereits durchfeuchteten Altschneedecke. Ein Frühling also wie gemacht für unsere Gletscher!


Fischer/Wiesenegger

Über Autorin und Autor
Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Hans Wiesenegger, Leiter des Hydrographischen Dienstes (HD) des Landes Salzburg.

Im Frühling steigt die Sonnenscheindauer recht schnell an, damit beginnt die entscheidende Zeit für die Schmelze von Schnee und Eis. Stellen sich langanhaltende Hochdrucklagen ein, bilden sich an der Oberfläche grobkörnige Schmelzharschschichten aus, und die während des Tages feuchte Oberfläche nimmt wesentlich mehr Energie auf als es Neuschnee macht. Auch wenn die täglichen Niederschläge des April 2021 oft nur wenige Zentimeter Schnee ausmachen, ist das genau die richtige Dosis an Sonnenschutz, die den Schnee konserviert.
Auch Saharastaub und Staub aus der Umgebung führen unter diesen Bedingungen nicht zu der sonst üblichen Verdunklung der Oberfläche. Die gletscherfreundlichen Jahre der 1970er und 1980er haben diese Verhältnisse über den ganzen Sommer beibehalten – wie es Rudi Carell in seinem Hit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ aus dem Jahr 1975 beschreibt. Gerade in den Frühlingsmonaten sind die Temperaturen durch die Klimaerwärmung mittlerweile besonders stark angestiegen. Auch wenn der März 2021 kühler war als das Mittel der letzten 30 Jahre, so war er dennoch wärmer als das Mittel 1961 bis 1991, wie im Klimabericht der ZAMG nachzulesen.

Regional starke Schneefälle
Der letzte Herbst war noch „Business as usual“ in Zeiten der Klimaerwärmung: Die Gletscher starteten Ende September meist ohne Schneebedeckung in den Herbst, auch das ein Phänomen der ersten Dekaden des 21. Jahrhunderts. Anhaltende Südwetterlagen brachten dann aber viel Schnee für die Gletscher des Alpensüdrandes. Die Kehrseite für die Täler waren Straßensperren und anhaltende Lawinengefahr in den Tallagen Kärntens und Osttirols.

Martin Stocker-Waldhuber
Hohe Tauern

Auf den Gletschern, die ihren Niederschlag von Nordstaulagen beziehen, fanden die Niederschläge allerdings wesentlich später statt und fielen deutlich geringer aus. Im November, März und April sind die Niederschläge an den Gletschern unterdurchschnittlich ausgefallen, im Oktober, Dezember, Jänner und Februar fiel besonders an der Alpensüdseite und Teilen des Hauptkammes extrem viel Niederschlag.

Schwierige Winterbegehung
Auch heuer war die Winterbegehung am Stubacher Sonnblickkees aufgrund der fehlenden Seilbahnunterstützung logistisch deutlich anspruchsvoller und aufwendiger als in der Zeit vor der CoV-Pandemie. Die am 24. April durchgeführten Messungen ergaben eine mittlere Schneehöhe von 4,20 Meter am gesamten Gletscher und liegen damit im Bereich des Mittels der letzten fünf Jahre.

Hans Wiesenegger, Andreas Gschwentner
Bild-Vergleich der Schneehöhen 2019 – 2021 am Totalisator Stubacher Sonnblickkees
Im Nahbereich des auf rund 2.500 Meter Seehöhe gelegenen Totalisators liegt ebenso durchschnittlich viel Schnee, im Vergleich zum Vorjahr jedoch rund ein Meter mehr.

Der Jamtalferner liegt an der Grenze zwischen Tirol und Vorarlberg und ist somit der westlichste Massenbilanzgletscher Österreichs. Den Großteil des Schnees bezieht dieser Gletscher aus Nordstaulagen, die im Winter 2020/21 nicht allzu häufig aufgetreten sind. Trotzdem zeigten die Messungen der Winterbilanz am 20. April eine für die letzten Jahre durchschnittliche Schneedecke. Ungewöhnlich für die letzten zwei Jahrzehnte ist die Schneegrenze, die noch bis ins Siedlungsgebiet von Galtür (1.600 m) hinunterreicht.

Noch scheint der Sommer in weiter Ferne, auch in den Langfristprognosen ist noch kein richtiger Sommer‘ a la Rudi Carell in Sicht. Das kann sich allerdings schnell ändern! Ein detaillierter Überblick über die Winterbilanzen in Österreich und den Nachbarländern erfolgt Anfang Juni.
05.05.2021, Andrea Fischer, Hans Wiesenegger

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#25
Eisverlust beim Glockner: Rückblick über Jahrhunderte
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Der Großglockner mit seinem detailgetreu gemalten Hauptgletscher: Das ist nur eine Facette der neuen Ausstellung „Natur wird Bild“. Die Residenzgalerie Salzburg zeigt nun ihre erste Schau, die der Landschaftsmalerei seit dem 17. Jahrhundert genauer nachspürt. Zur Dokumentation des Eisverlustes beim Glockner sehen Sie hier auch aktuelle Bilder vom Rest der Pasterze.
Online seit heute, 16.17 Uhr
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Die rund 85 Gemälde mit vielerlei Naturmotiven – von postkartengroßen Formaten bis raumfüllenden Bildern – umfassen deutlich mehr als die Barockzeit. Sie reichen von 1600 bis weit hinein ins Biedermeier und in die Zeit nach Napoleon zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Das hier ausgewählte Beispiel aus den Hohen Tauern Salzburgs ist in der Ausstellung nur eines von vielen.

Man nehme das um 1830 gemalte Bild „Der Großglockner mit der Pasterze“ von Thomas Ender (1793-1875). Es gehört zu einer Serie, die der Wiener Natur- und Landschaftsmaler einst bei Heiligenblut anfertigte. Sein Werk zeigt exemplarisch, wie sich Natur und Landschaft nicht nur in ihrer Wahrnehmung durch Künstler und Betrachter, sondern auch in der Realität der Gletscher und Felswände verändert haben. Bis heute.

Gemälde von Thomas Ender
Gemälde von Thomas Ender

Gemälde von Thomas Ender

Das Heute zum Vergleich
Die Pasterze hat heute eine um mehrere Kilometer kürzere und mehrere hundert Meter dünnere Gletscherzunge. Unsere aktuellen Luftbilder stammen von Juli 2021 und Juli 2020 – aufgenommen auf privaten Flügen in ca. 3.700 Meter Seehöhe (12.000 Fuß) auf dem behördlichen freigegebenen Flugkorridor über der Großglockner-Hochalpenstraße zwischen Salzburg und Kärnten. In der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern selbst herrscht Flugverbot.

Fotostrecke
Flugbild: Gerald Lehner
Juli 2021: Im Vergleich zur Lebenszeit von Maler Thomas Ender in der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Pasterze ein magersüchtiges Eiszünglein geworden – um mehrere Kilometer kürzer und 200 Meter dünner
Flugbild: Gerald Lehner
Violetter Punkt links: Die Pasterze dürfte demnächst die allerletzte Verbindung zu ihrem Nährgebiet im Hufeisenbruch und zum Oberen Pasterzenboden verlieren. Damit käme von oben keinerlei frisches Eis mehr nach. Rechts das Loch am Ende der Zunge ist eine so genannte „Gletschermühle“ – auch ein Zeichen glazialer Vergänglichkeit. Foto von Juli 2021 – aus großer Höhe über dem Ködnitztal.

Flugbild: Gerald Lehner
Gesamtüberblick – vor fast genau einem Jahr im Juli 2020. Rechts Franz-Josef-Höhe, Endpunkt der Großglockner-Hochalpenstraße

Flugbild: Gerald Lehner
Heuer wurde die Pasterze schon wieder kürzer und der Schmelzwassersee größer. Hinten Schneewinkelscharte, Johannisberg und Hohe Riffl. Rechts: Franz-Josef-Höhe der Glocknerstraße

Flugbild: Gerald Lehner
Vor fast genau einem Jahr im Juli 2020, mit Teufelskampkees (links), Schneewinkelscharte, Oberem Pasterzenboden und Hufeisenbruch (rechts). Hinten Johannisberg

Flugbild: Gerald Lehner
Juli 2021. Auch die Vergletscherung beim Hauptgipfel auf der Adlersruhe (mit Erzherzog-Johann-Hütte links) und beim Eisleitl zeigt große Massenverluste – ebenso der Hofmanngletscher auf Heiligenbluter Seite. Hinter dem Glockner der Großvenediger in der Ferne

Flugbild: Gerald Lehner
Juli 2021: Die einst klassische Eiskletterei durch die Pallavicini-Rinne ist im oberen Teil nur noch reine Felskletterei – bis zum fünften Schwierigkeitsgrad. Oben links: Kleinglockner, rechts daneben der Ausstieg der Rinne mit dem letzten Stück auf dem Normalweg zum Hauptgipfel

Flugbild: Gerald Lehner
Alpinisten auf dem Kleinglockner, Ausstieg der Pallavicini-Rinne und Hauptgipfel

Nicht die erste Warmzeit in den Alpen
Man weiß heute, dass vor einigen Jahrtausenden in einer früheren Warmzeit anstelle der Pasterze dichte Lärchenwälder existierten und möglicherweise auch steinzeitliche Almen. Auch der Ausbruch – eines einzigen – der weltweit wenigen Supervulkane kann kleinere oder größere Eiszeiten auslösen. So litten schon die Römer – wegen des Taupo in Neuseeland – an Missernten und abwesenden Sommern. Ähnlich winterlich wirkte der Tambora in Indonesien, als sich Menschen in Europa noch nicht ansatzweise vorstellen konnten, wie groß oder klein die Erde ist.

Menschen waren Staffage im Barock
Viele weitere Bilder in der neuen Barock-Schau der Residenzgalerie Salzburg stammen aus dem eigenen Sammlungsbestand, dazu kommen viele Leihgaben. „Es ist eine Ausstellung die in die Zeit passt. Sie lädt zur Betrachtung in Stille ein“, sagt Elisabeth Resmann, Geschäftsführerin des DomQuartiers Salzburg.

War anfangs die Natur nur der Hintergrund, trat im Lauf des 17. und 18. Jahrhunderts die Darstellung von Wäldern oder Bergen selbst in den Mittelpunkt, die Menschen wurden zur Staffage. Die Landschaftsmaler beschäftigten sich auch stark mit ungezähmter Natur, malten Wildnis, abendliche und morgendliche Lichtstimmungen und beeindruckende Gewitter. Später gewannen eine idealisierte Natur und in Form gebrachte Landschaften wie barocke Gartenszenen an Bedeutung.

29.07.2021, Gerald Lehner, salzburg.ORF.at/Agenturen

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#27
Düstere Prognose für Dachsteingletscher
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2050 dürfte der Hallstätter Gletscher am Dachstein nur mehr 40 Prozent seines derzeitigen Volumens haben, so Experten. Bei einer Begehung mit Klimaministerin Leonore Gewessler und dem oö. Umweltlandesrat Stefan Kaineder wurden am Dienstag die aktuellen Messergebnisse präsentiert.
Online seit gestern, 17.18 Uhr
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Um 1856 erstreckte sich der Hallstätter Gletscher über 5,27 Quadratkilometer. Seither hat er 42,3 Prozent dieser Fläche verloren, das Volumen ging sogar auf 37 Prozent der damaligen Eismasse zurück. Dieser Schwund vollzog sich nicht gleichmäßig, immer wieder gab es auch Vorstöße. Der letzte wurde 1981 registriert, seither wird das Eis aber kontinuierlich weniger, so die Analyse der Klimaexperten.

"Wasser ist den Gletscher hinuntergeronnen“
Seit 2006 untersuchen BlueSky Wetteranalysen und die Uni Innsbruck im Auftrag der Energie AG und des oberösterreichischen Klimaschutzressorts die Entwicklung des Dachsteineises. In diesen 15 Jahren hat der Gletscher deutlich an Masse verloren. Auf dem Dachsteingletscher bahne sich ein Katastrophenjahr an, so Meteorologe Klaus Reingruber, der die Gletscherschmelze am Dachstein untersucht: „Der Gletscher schmilzt weiter stark ab, speziell in den letzten vier bis fünf Wochen“. Zu Beginn der Saison (Spätwinter/Frühling 2021) lag viel Schnee, aber der schmolz rasend schnell ab, „das heißt, die Abschmelzung ist in vollem Gange“. Die vergangenen Tage könne man die Situation als sehr, sehr dramatisch bezeichnen, auch aufgrund der starken Niederschläge, so Reingruber: „das Wasser ist den Gletscher hinuntergeronnen“.


Werner Dedl
Leonore Gewessler mit Stefan Kaineder bei der Begehung mit Pressevertretern

Reingruber erwartet, dass Anfang nächster Woche der Vorjahreswert – ein Minus von 1.400 Millimetern – bereits erreicht sein wird. Geht es in dieser Geschwindigkeit weiter, so sei ein neuer Negativrekord für 2021 möglich.

„Künftige Sommer gesundheitsschädlich heiß“
„Unsere Gletscher sind ganz sensible Naturjuwele und sie schmelzen seit Jahren kontinuierlich dahin“, warnte Gewessler, „und wenn wir so weitertun, werden sie unsere Kinder und Enkelkinder nur mehr aus Erzählungen kennen“. „Die Klimaforschung zeigt uns sehr eindrücklich, wie unerträglich und gesundheitsschädlich heiß es in den Sommern der Zukunft werden wird, wenn wir keine Trendwende beim Ausstoß der Treibhausgase erreichen“, betonte Kaineder.

40 Hitzetage pro Jahr werden Normalität
In den vergangenen drei Jahrzehnten ist die Jahresmitteltemperatur um 1,4 Grad Celsius gestiegen, die Zahl der Tage mit über 30 Grad Celsius hat sich mehr als verdoppelt. Laut einer Studie der Universität für Bodenkultur werden über 40 Hitzetage zur Normalität, im dicht besiedelten Zentralraum des Bundeslandes könnten es sogar bis zu 74 jährlich werden.
18.08.2021, red, ooe.ORF.at/Agenturen

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Düstere Prognose für Dachsteingletscher
 

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#28
Österreichs Gletscher zerfallen
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Die Gletscher in Österreich schmelzen wegen der Klimaerwärmung nicht nur immer schneller dahin. Sie zerfallen teils sogar richtiggehend und stürzen in sich zusammen, berichten Forscherinnen und Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
Online seit heute, 11.30 Uhr
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Nur einige winzige Exemplare sind noch im Gleichgewicht und wachsen im Winter beinahe so viel, wie sie im Sommer schrumpfen – etwa weil sie von Lawinen mit Schnee gespeist werden.

„Der Gletscherschwund ist ein großräumiger, übergeordneter Trend, aber einzelne Gletscher unterscheiden sich mitunter deutlich voneinander in der Art und Weise, wie und wie schnell sie schmelzen“, sagt ÖAW-Glaziologin Lea Hartl am Mittwoch in einer Aussendung. Gemeinsam mit Kollegen und Kolleginnen hat sie eine Bestandsaufnahme der Gletscher dreier Gebirgsgruppen in Vorarlberg und Tirol vorgenommen: Ötztaler Alpen, Stubaier Alpen und Silvretta.

“Gletscherzungen zerfallen“
Mit Hilfe von „Machine Learning“-Algorithmen untersuchten die Forscher und Forscherinnen, wie sich der Gletscherschwund seit 1969 veränderte. Das Ergebnis ihrer im „Journal of Glaciology“ erschienenen Studie: „Die Verluste haben nicht nur zugenommen, die Verteilung über die Gletscherfläche hat sich auch verändert.“ Zunächst waren sie noch recht gleichmäßig verteilt. Die Fließbewegung des Eises konnte das Abschmelzen an den Zungen teilweise ausgleichen. „Das ist immer weniger der Fall“, sagt Hartl. „Manche Gletscherzungen zerfallen regelrecht.“

Andrea Fischer
Jamtalferner in Tirol

Gletschertagebuch
Seit vielen Jahren berichten die Gletscherforscher Heinz Slupetzky, Andrea Fischer und Hans Wiesenegger über den Zustand der Gletscher in Österreich – hier der bisher letzte Beitrag vom Mai 2021.

Immer mehr Seitenarme würden zudem die Verbindung zu den Hauptzungen verlieren. Gletschertore und andere unterspülte Bereiche stürzen ein. Solche Phänomene bringen die Gletscher immer weiter weg von einem Gleichgewichtszustand, wo sie die im Sommer verlorene Masse in der kalten Jahreszeit wieder dazugewinnen.

Gletscher hinken Klimaerwärmung hinterher
„Nur einige wenige, sehr kleine Gletscher, die kaum mehr als solche zu erkennen sind, haben sich wieder etwas mehr einem Gleichgewicht angenähert“, so die Glaziologin Hartl. Das seien aber Ausnahmefälle durch günstige lokale Gegebenheiten: wenn sie zum Beispiel oft durch Lawinen genährt werden.

„Die Ergebnisse reihen sich in das Gesamtbild der weltweit rapiden Gletscherveränderungen ein, das kürzlich auch im Bericht des Weltklimarates dargestellt wurde“, heißt es. Weil die Gletscher verzögert auf Klimaveränderungen reagieren, könnte sich ein neues Gleichgewicht selbst dann nur mit Verzögerung einstellen, wenn die Erwärmung zeitnah abgefangen würde.
18.08.2021, red, science.ORF.at/Agenturen

Österreichs Gletscher zerfallen
 

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#29
Dachstein: Zukunft des Eispalasts ungewiss
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Sieben bis zehn Jahre gibt der Planai-Geschäftsführer der Dachstein-Attraktion noch – danach sei die Zukunft des Eispalasts ungewiss. Seit Wochen wird über den derzeit wenig ansehnlichen Gletscher auf dem Dachstein diskutiert.
Online seit gestern, 14.54 Uhr
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Neben dem Eispalast wurden in den vergangenen zehn Jahren auch eine Hängebrücke sowie die „Treppe ins Nichts“ errichtet. Manche sprechen von Massentourismus; Planai-Geschäftsführer Georg Bliem betont im Interview mit der APA jedoch: „Wir haben ein ruhiges Gewissen“. So wurde 2014 die Zahl der maximalen Tagesgäste von 3.500 auf 2.500 reduziert und auch der Zustrom von diesen wird über ein Online-Ticketsystem bei der Seilbahn über den Tag verteilt und gesteuert. Über den Sommer verteilt liegt die durchschnittliche Besucherzahl laut Bliem bei 1.200 pro Tag.

Starkregen setzte Gletscher zu
In den vergangenen Wochen habe dem Gletscher besonders der Starkregen zugesetzt, mehr als in anderen Jahren, so Bliem weiter. Erst vergangene Woche wurden aktuelle Messergebnisse vom Hallstätter Gletscher am Dachstein veröffentlicht: 2050 dürfte er nur mehr 40 Prozent seines derzeitigen Volumens haben, im Jahr 2100 werden wohl maximal noch kleine Eisreste übrig sein, erwarten Experten.

APA/BARBARA GINDL
Starkregen hat dem Gletscher besonders zugesetzt

„Tatsache ist: Der Gletscherschwund findet statt“, sagte auch der Planai-Geschäftsführer. Sieben bis zehn Jahre gibt er dem Eispalast noch – danach sei die Zukunft der Attraktion ungewiss.

Grüne fordern Neuausrichtung
Wie der Grüne Landtagsabgeordnete Lambert Schönleitner in einem Bericht der „Kronen Zeitung“ am Dienstag sagte, seien „Disneyland-und Heilewelt-Bilder mit touristischer Massenausrichtung der falsche Weg“. Es brauche eine Neuausrichtung. So manchen Besucher störe es auch, dass der Eispalast gekühlt werden muss, während daneben der Gletscher wegschmilzt.

ORF
Blick in den Eispalast

Bliem bestätigte, dass der Eispalast gekühlt werden muss, damit im Inneren konstant um die null Grad Celsius herrschen. Zudem wird er im Sommer mit Planen abgedeckt. „Das Problem haben aber alle Gletschergebiete mit Eisgrotten oder dergleichen“, verteidigte der Geschäftsführer die Maßnahmen. Derzeit sei die Kühlung „noch wirtschaftlich darstellbar“ und das dürfte auch in den kommenden paar Jahren noch so sein, aber wie lange, sei unklar, so Bliem. Das Problem werde jedenfalls nicht mit populistischen Überschriften gelöst – es gelte auch rund 70 Arbeitsplätze am Gletscher zu erhalten.
25.08.2021, red, steiermark.ORF.at/Agenturen

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Dachstein: Zukunft des Eispalasts ungewiss
 

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#30
Pinzgau: Gletscherschwund immer schneller
Überwachungsdaten und Messungen zeigen, dass die Gletscherschmelze durch die Klimaerwärmung immer stärker voranschreitet – vor allem bei tiefer gelegenen Gletschern. Das zeigen Forschungen am Ödenwinkelkees im Weißseegebiet bei Uttendorf (Pinzgau).
Online seit heute, 14.52 Uhr
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Das Ödenwinkelkees oberhalb des Tauernmoos-Stausees bei Uttendorf füllte vor mehr als hundertfünfzig Jahren den Talboden komplett aus – bis zu 80 Meter hoch. Jetzt entzieht sich der Gletscher Wanderern und Forschern immer mehr: Innerhalb von nur fünf Jahren zog sich der Eisrand um gut 200 Meter zurück – jetzt muss man diese Strecke über Geröll steigen, um das Gletschertor zu erreichen.

„Intensive Dynamik in letzten fünf bis zehn Jahren“
„Die Glestscher sind Fieberthermometer, die uns völlig ungeschminkt den Spiegel vorhalten, was im Alpenraum temperaturmäßig geschieht. Wir haben in den letzten fünf bis zehn Jahren sicher noch einmal eine intensivere Dynamik, die wir beobachten können. Das ist schon richtig dramatisch“, sagt Bernhard Zagel, Gletscherforscher der Universität Salzburg.

Fotostrecke mit 5 Bildern
B. Lackner, Z_GIS
3D-Modell des Abschmelzens des Ödenwinkelkees bei Uttendorf – je dunkler das Blau, desto mehr Eis ging im letzten Jahr verloren
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Das Odenwinkelkees füllte einst das ganze Tal bis zu 80 Meter hoch
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Wasser rinnt vom Eis des Ödenwinkelkees bei Uttendorf
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Gletscherforscher in Gletscherhöhle (im Ödenwinkelkees bei Uttendorf)
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Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Gletscherzunge um rund 200 Meter zurückgezogen

Das aktuelle Gletschertor des Ödenwinkelkees ist noch sehr jung – und aktuell 60 Meter lang, 35 Meter breit und 16 Meter hoch. Ein 3D-Bild der Salzburger Forschungsgruppe zeigt den Gletscherschwund in nur einem Jahr: Je blauer umso größer der Eisverlust, sagt Zagel: „Die Maximalwerte waren da bis zu drei Meter innerhalb eines Jahres. Wenn man das auf die Fläche von eineinhalb Quadratkilometer umlegt, die der Gletscher hat, sind wir da bei viereinhalb Millionen Kubikmeter Eis, die allein durch die Oberflächen-Abschmelzung verlorengegangen sind.“

Gebiet wird auch nach Gletscher-Rückzug erforscht
Doch gemessen wird schon längst nicht mehr nur der Gletscherschund, Wasserabfluss, Schmelzwassertemperatur und dergleichen: „Es sind in dem Gebiet Geografen, Botaniker, Geomorphologen – in der letzten Zeit über das LTER (Long-Time Ecological Research) auch andere Disziplinen. Wir versuchen da einfach, langfristig einen Forschungsstandpunkt zu etablieren“, sagt Hans Wiesenegger vom hydrogafischen Dienst des Landes Salzburg.

Ziel ist nicht nur, ein genaues Bild der Folgen der Klimaerwärmungen zu erhalten – sondern auch ein Prognose, wie es hier in einigen Jahrzehnten aussehen könnte. Denn die derzeit von der Natur geschaffenen Kunstwerke wie die Gletscherhöhle am Ödenwinkelkees, die aus Tauwasser und durchströmender warmer Luft geschaffen wurden, sind inzwischen sehr schnell vergänglich – wie unsere Gletscher insgesamt.
13.09.2021, red, salzburg.ORF.at
Gletscherschwund immer schneller
 

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#31
Kärnten: Eiskargletscher bleibt stabil
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Jeden September werden Österreichs Gletscher im Auftrag des Alpenvereins vermessen. Für das Eiskar, den südlichsten Gletscher in Österreich, gibt es erste Daten. Der schneereiche Winter tat dem ewigen Eis gut, der Gletscher zog sich nicht weiter zurück.
Online seit heute, 12.51 Uhr
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Ausgerüstet mit Maßband, Sonde und Schaufel waren die Gletschermesser vor einer Woche im Eiskar in den Karnischen Alpen unterwegs. Seit knapp 30 Jahren wird Österreichs südlichster Gletscher akribisch vermessen. Jedes Jahr im Herbst werden Länge und Eisdicke bestimmt, zusätzlich wird auch eine Massenbilanz erstellt, erklärte Meteorologe Gerhard Hohenwarter.

Eiskar ist Familiensache
Er übernahm die Messung vor einigen Jahren von seinem Vater. Dass das Eiskar in nur 2.200 Metern Höhe noch existiert, hat vor allem mit seiner Lage zu tun: „Sein Überleben macht möglich, dass es immer wieder Winter gibt mit extrem viel Schnee. Große Lawinen gehen auf den Gletscher ab, dieser komprimierte Schnee schmilzt im Sommer nicht ab. Man muss sich aber vorstellen, dass in einem Sommer gut zehn Meter Schnee hier abschmelzen können, es muss also mehr liegen.“ Außerdem liege der Gletscher in einem schattigen Kar, Moränen säumen den Rand, dort stauen sich die Lawinen. Im Sommer wiederum bilden sich viele Quellwolken an der Kellerwand und beschatten den Gletscher.
Der extrem schneereiche letzte Winter tat dem Gletscher dementsprechend gut. Die Massenbilanz fällt diesmal positiv aus. Hohenwarter sagte, man sehe, dass die Hälfte mit Schnee bedeckt sei. Daher schaue die Bilanz positiv auf. Messungen könne man nicht durchführen, weil die benötigten Messmarken unter dem Schnee liegen. Das sei das beste für den Gletscher.
Bis Mitte des Jahrhunderts dürfte er halten
Als stabil wird somit Gletscher für heuer bewertet. Vor zehn Jahren war das Eiskar noch bis zu 45 Meter dick, seit 2014 senkt sich das Eis aber jährlich um bis zu einen Meter, so Hohenwarter. Eine Folge des Klimawandels, sagte der Meteorologe: „Bis zur Mitte des Jahrhunderts, wenn die Winter weiter so gut sind wie die letzten beiden, können wir hier noch messen. In der zweiten Hälfte wird es aber wohl nur noch wenige Eisflächen unter Schuttrücken geben, das ist dann kein richtiger Gletscher mehr.“
Die genaue Auswertung der Gletschermessung erfolgt in den kommenden Monaten, im Frühling veröffentlicht der Alpenverein dann den Bericht für alle größeren Gletscher.
19.09.2021, red, kaernten.ORF.at

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Eiskargletscher bleibt stabil
 

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#32
Kartenvergleich zeigt den Gletscherschwund
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Wie drastisch die Gletscher in Österreich innerhalb eines Jahrhunderts zurückgegangen sind, zeigt nun eine neue Karte des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) der Zillertaler Alpen West in Tirol. Eine historische Karte aus dem Jahr 1930 wurde überarbeitet – und um den heutigen Gletscherbestand ergänzt.
Online seit heute, 14.19 Uhr
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Die Zillertaler Alpen sind stark vom Gletscherschwund betroffen, wie auf der neuen Karte – die dem Alpenvereinsjahrbuch „BERG 2020“ beigefügt ist – ersichtlich wird. Die Gletscherzungen in diesem hochalpinen Bereich zogen sich in den vergangenen Jahren durchschnittlich um 30 bis 50 Meter pro Jahr zurück. Rekordhalter ist das Hornkees mit einer Rückzugslänge von 104 Metern in nur einem Sommer. Seit 2020 sind in den Ostalpen kaum mehr Gletscher mit positiver Massebilanz vorhanden.
APA/ALPENVEREIN/EINKEMMER
Weiß die Gletscher der Karte aus dem Jahr 1930, hellblau die Gletscherstände der Jahre 2017/18

Für den Alpenverein ist die Karte im Maßstab von 1:25.000 ein „einzigartiges Zeitdokument“, hieß es gegenüber der APA. Sie wurde auf Basis moderner Orthofotos und digitaler Geländemodelle hergestellt, welche die Gletscherstände erfassen. Dafür herangezogen wurden Luftbildaufnahmen aus Österreich und Italien.


APA/ÖAV-MUSEUM-ARCHIV
Die Berliner Hütte mit dem Waxeckkees um 1927

Neue Zeiten in der Kartografie
Doch die Alpenvereinskarte zeige auch deutlich, dass in der Disziplin der Kartografie eine neue Ära angebrochen ist: „Diese historische Karte ist ein exemplarischer Abschluss der rasterbasierten Kartografie. Wir befinden uns mitten im Umbruch hin zur modernen, geodatenbasierten Kartografie“, berichtete Werner Beer von der Abteilung Hütten, Wege und Kartografie des ÖAV.


APA/FRIEDRICH
Die Berliner Hütte mitd em Waxeckkees am 4. September 2021

Beer verdeutlichte, wie langwierig sich früher das Erstellen von Karten gestaltete: „Neun Jahre lang arbeitete man im Gelände, am Stereograph und Schreibtisch, um das gesamte Werk Zillertaler Alpen 1930 mit drei Karten zu Papier zu bringen. Früher arbeiteten die Kartografen nach der aufwendigen Geländeauswertung mit feinster Handgravur – zunächst auf Steinplatten, später auf Kunststofffolien“, berichtete Beer.

Auch heute ist Kartografie viel Arbeit
Doch auch heutzutage steckt noch ein hoher Arbeitsaufwand dahinter, obwohl moderne Datengrundlagen und Softwareprodukte vieles erleichtern. Das Aufgabengebiet der Kartografie wandelt sich derzeit – aufgrund der Schaffung einer flächendeckenden Datengrundlage bei der Kartenherstellung – hin zu einer zentralen Geodatenservicestelle für alle Vereinsthemen, so der ÖAV.
03.10.2021, red, tirol.ORF.at/Agenturen

Kartenvergleich zeigt den Gletscherschwund
 

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#33
Deutlicher Rückgang des Silvrettagletschers
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Die Gletscher werden von Jahr zu Jahr kleiner. Das Eis schmilzt, auch wenn es im Winter viel geschneit hat und der Sommer – so wie heuer – kühl war. So schrumpft auch der Silvrettagletscher zwischen Vorarlberg und der Schweiz: Zehn bis 20 Meter hat das Eis in fünf Jahren an Dicke verloren.
23. Oktober 2021, 19.10 Uhr
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Das Wetter im heurigen Sommer war in der Region kühl und ungewöhnlich nass. Doch auch ein für viele Menschen „schlechter“ Sommer ist für den Silvrettagletscher kein guter Sommer. In Zeiten der Klimakrise schmilzt das Eis unaufhörlich.

Das zeigen die Messungen: In fünf Jahren hat der Gletscher in der Größenordnung von zehn bis 20 Metern an Dicke verloren, sagt der Gletscherforscher Andreas Bauder von der ETH Zürich. Aber der Rückgang wird auch mit bloßem Auge sichtbar: „Nicht nur unten, sondern auch oben sehen wir zwei Felsinseln. Vor fünf Jahren war erst etwas von der oberen Felsinsel sichtbar“, erzählt Bauder.

Fotostrecke
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Selbst im September ist das Eis des Gletschers noch geschmolzen
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Vor fünf Jahren war nur ein kleiner Teil der oberen Felsinsel sichtbar, sagt Gletscherexperte Bauder

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Der Gletscher hat in fünf Jahren zehn bis 20 Meter an Dicke verloren



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Gletscherzunge um zwei Meter geschmolzen
Nur ganz oben, auf 3.000 Metern Höhe, konnte sich der Schnee des vergangenen Winters halten, rund 70 Zentimeter sind geblieben. Unten auf der Gletscherzunge sind heuer über zwei Meter Eis geschmolzen, sogar noch Ende September ist das Eis zu Wasser geworden.
„Der wechselhafte Sommer, der gefühlt günstig für die Gletscher erscheinen mag, hat nicht ausgereicht“, erklärt der Gletscherexperte. „Es ist mehr Eis abgeschmolzen über den Sommer als über den Winter Schnee auf den Gletscher gefallen ist.“

100 Gletscher unter Beobachtung
Fast 1.000 Gletscher gibt es in Österreich, fast 100 stehen unter Beobachtung. Die Entwicklung ist bei allen ähnlich.
red, vorarlberg.ORF.at
Deutlicher Rückgang des Silvrettagletschers
 

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#34
EISSCHWUND
Unsichtbare Alpengletscher werden mit Laser überwacht
Von 43 Silvretta-Gletschern sind nur 33 durch sichtbares Oberflächeneis erkennbar

Der Jamtalferner im Silvrettagebirge wird ebenso wie zahlreiche andere Gletscher der Region in den nächsten Jahrzehnten verschwinden.
Foto: REUTERS/Lisi Niesner

So wie die meisten der rund 1.000 Gletscher in den österreichischen Alpen setzt die Erderwärmung auch den Eiskappen in der Silvretta zu (Videos), an der Tirol, Vorarlberg und die Schweiz Anteile haben. Drei Gletscher auf österreichischer Seite dieses Gebirgszugs sind seit 2006 komplett abgeschmolzen: Der Fluchthornferner Süd, der Litzner Gletscher Ost und eine dritte Eismasse, die nur eine wissenschaftlich Bezeichnung hatte, erklärte Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Innsbruck. In den nächsten 15 Jahren wird dort auch der Jamtalferner verschwinden, immerhin einer der 30 größten Gletscher Österreichs.

In früheren Gletscher-Inventaren war es durch den hohen Anteil an blankem Eis relativ einfach, die Gletscher klar abzugrenzen, etwa mit Luftaufnahmen, sogenannten "Orthofotos". Doch die Eismassen werden immer kleiner und von Geröll bedeckt. "Sie werden nach und nach unsichtbar, einem Laien würden sie vielfach gar nicht mehr auffallen", sagte Fischer.

Hochpräzise Laser-Scans
Erstmals hat sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen nun ein Gletscher-Inventar vorgelegt, das auf zwei Datensätzen von hochpräzisen Laser-Scans ("LiDAR") der Silvretta-Region basiert. Damit hat sie festgestellt, dass die Fläche der Silvretta-Gletscher seit 2006 um rund ein Drittel zurückgegangen ist, wie sie nun im Fachjournal "The Cryosphere" berichtet.

Solche Scans werden mithilfe von laserbestückten Flugzeugen erzeugt, die das Gelände sehr genau vermessen. "Von allen Verfahren zur Erzeugung von digitalen Höhenmodellen ist LiDAR mit einer Genauigkeit von wenigen Zentimetern und einer Auflösung von ein mal ein Metern das bei weitem genaueste Verfahren", betonte Fischer die Vorteile etwa gegenüber Radar-Methoden, wie sie von Satelliten aus eingesetzt werden. Mit diesen erhalte man etwa 50-mal-50-Meter-Pixel, "da hat man auf einem österreichischen Gletscher in der Breite drei Pixel, da sehe ich keine Details". Durch die Laser-Scans wird dagegen die Bewegung und die Schmelze der verborgenen Eisflächen sichtbar.


Der Gletscher V am Schnapfenkuchl im Jahr 1954 und im Vorjahr.
Foto: data.gv.at/Montage

Immer mehr unsichtbare Gletscher
Auch mit Orthofotos, die mit einer Auflösung von 0,5 Metern gar nicht so schlecht seien, sei diese präzise Modellierung der Oberfläche wie durch das Laserscan-Höhenmodell nicht möglich. Dabei gebe es wesentlich größere Fehler, speziell wenn es um die Detektion dieser verborgenen Eisreste geht.

Und die Zahl dieser unsichtbaren Gletscher nimmt zu, verweist Fischer auf die im Vergleich etwa zur Großglockner-Region oder den Westalpen tiefer gelegenen Silvretta-Gletscher, weshalb dort das Abschmelzen rascher vonstatten gehe. Das oberflächliche Verschwinden des Eises mache es aber zunehmend schwieriger, seine weitere Entwicklung zu beobachten.
Dabei sollte man "auch die Gletscherreste nicht aus den Augen verlieren", mahnt Fischer. Denn die schuttbedeckten Eisreste können das Gelände destabilisieren und das Aufkommen von Vegetation verlangsamen. "Das Abgleiten des Schuttes auf den Gletscherresten und ausbrechende Wasseransammlungen können zu Muren und Steinschlag führen, der Straßen, Schutzhütten, Wanderwege und andere Infrastruktur beschädigt. Die Probleme reichen also bis ins Tal", so Fischer.

Unaufhaltsame Entwicklung
Die Wissenschafter rechnen damit, dass Ende des Jahrhunderts nur mehr etwa zehn Prozent der Fläche der Alpengletscher übrig sein werden, in den Ostalpen noch etwas weniger. "Diese vom anthropogenen Klimawandel getriebene Entwicklung lässt sich nicht mehr aufhalten, wir müssen also versuchen, die Situation genau zu beobachten, damit wir Probleme frühzeitig erkennen können", betonte Fischer. Sie empfiehlt daher, alle drei bis fünf Jahre eine Laservermessung der Oberfläche durchzuführen.

Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, könnten in Zukunft in höher liegenden Regionen wie dem Himalaya hilfreich sein, wo einerseits mehr Zeit bleibe, andererseits aber die Abhängigkeit der Menschen vom Schmelzwasser höher sei. Damit könnte man sowohl das Gefahrenpotenzial als auch die verfügbaren Wasserressourcen besser abzuschätzen.
(red, APA, 10.11.2021)

Studie
The Cryosphere: "High-resolution inventory to capture glacier disintegration in the Austrian Silvretta."

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Unsichtbare Alpengletscher werden mit Laser überwacht
 

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#35
Neue Gletscherseen als Gefahr
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Mit dem Gletscherschwund infolge des Klimawandels entstehen neue Gletscherseen, die zur Gefahr für die darunterliegenden Täler werden können. Schon in der Vergangenheit hätten ausgebrochene Gletscherseen Vermurungen und Verwüstungen verursacht, warnt die Innsbrucker Glaziologin Andrea Fischer.
Online seit heute, 17.35 Uhr
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Im Zuge des Klimawandels denke man bei den Gletschern meist nur an das Verschwinden des Eises, so die Glaziologin. Was passiert, wenn die Gletschervorfelder dann freigelegt werden, werde dagegen viel weniger bedacht. Durch die Gletschertätigkeit entstehen dort vielfach Mulden, die sich mit Wasser füllen. So entstehen laut der Gletscherforscherin durch den Rückzug des Eises neue Seen und damit neue Gefahren.

Andrea Fischer

„Zum Teil sind diese neuen Seen, die Gletscherseen, moränengedämmt, also mit Lockermaterial abgedämmt oder sogar noch mit Eis. Diese Dämme sind naturgemäß relativ instabil“, so Fischer: „Diese Seen können also durch Starkniederschläge oder durch das Ausschmelzen des noch vorhandenen Eises ausbrechen und für Überflutungen bis in die Talregionen sorgen“. Das seien genau die Folgen des Gletscherrückgangs in den Alpen, die uns in den Tälern am meisten beschäftigen werden, so die Wissenschafterin.

Ausbrüche von Gletscherseen schon in der Vergangenheit
Ausbrüche von Gletscherseen seien in historischer Zeit mehrfach belegt, als Folge des Klimawandels auch in jüngerer Zeit. So ist im Bereich der ehemaligen Zunge des Sulzenauferners in den Stubaier Alpen der dort entstandene See vor einigen Jahren ausgebrochen und hat für Vermurungen gesorgt.
Andrea Fischer

Vorwarnsysteme werden erforscht
Die neuen Seen, die sich beim Gletscherückzug bilden, haben sehr unterschiedliche Ausmaße. Manche sind laut Fischer bis zu 60 Meter tief, andere seien nur so groß wie ein Swimmingpool. „Die Forscher beschäftigen sich gerade damit, diese Mechanismen bei der Seebildung und auch bei den Seeausbrüchen besser zu verstehen, damit wir gut in der Lage sind, effiziente Vorwarnsysteme zu installieren“, so die Glaziologin.

Andrea Fischer

Man müsse verstehen, wieviel Prozent dieser Seen mit sehr labilen Dämmen ausgestattet sind, etwa mit Dämmen mit Eiskernen. „Wie lange dauert es, bis diese Eiskerne ausgeschmolzen sind? Wie lange haben wir quasi Zeit, eine Ableitung des Wassers zu installieren, bevor es zu diesen Ausbrüchen kommt?“, das seien grundlegende Fragen, schildert die Forscherin. Und es gelte herauszufinden, wo und wann Monitoringsysteme installiert werden müssen, um bei einem Seeausbruch die Bevölkerung rechtzeitig warnen zu können. In der Regel bleibe hier eine halbe Stunde, so Fischer.
11.11.2021, red, tirol.ORF.at
Klimawandel: Neue Gletscherseen als Gefahr
 

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#36
LAND DER SCHMELZE
Forschung unter Zeitdruck an schmelzenden Gletschern
Die Hochalpen sind wie kaum eine Region vom Klimawandel betroffen. Forschende beobachten die Gletscherschmelze und ihre vielfältigen Folgen

Treibhausgase in der Erdatmosphäre führen dazu, dass zwar Sonnenstrahlung auf der Erdoberfläche eintritt, die Rückstrahlung von der Erde aber gehemmt wird. Das Resultat: Es wird immer wärmer.
Foto: Nasa

Acht Minuten, mehr braucht es nicht, um von der Sonne zur Erde zu gelangen – zwar nicht für unsereins, aber für Lichtteilchen. Es ist eine absurd kurze Zeitspanne, wenn man bedenkt, dass die Teilchen für Jahrtausende unterschiedliche Stationen des Fusionsreaktors Sonne durchlaufen haben, bis sie ausgespuckt werden – und sich ihren Weg durch das Vakuum bahnen. Bahnen ist ein schlechter Begriff, wenn es um Photonen geht, wie Lichtteilchen in der Wissenschaftssprache genannt werden. Es gibt aber eine gute Entschuldigung, diesen Begriff trotzdem zu verwenden: Es existiert schlicht kein passenderes Wort, um zu beschreiben, wie sich Photonen verhalten.

Licht können sowohl Wellen- wie auch Teilcheneigenschaften zugeschrieben werden, es ist somit zugleich lokalisiert im Raum und ausgedehnt. Eine Bahnkurve der Photonen ist in diesem Sinn nicht klar definiert – was das Gerede vom "Weg bahnen" äußerst unpassend erscheinen lässt. Nach wenigen Minuten trifft das Photon jedenfalls in der Erdatmosphäre ein, und das nächste Kapitel seiner spektakulären Reise beginnt.

Eine Frage der Strahlung
Das größte globale Problem unserer Zeit wird oft als ein Problem des Temperaturanstiegs betrachtet. Das stimmt auch, doch was dahintersteht, ist genau genommen eine Frage der Strahlenbilanz – die für uns und unseren Planeten aufgrund unserer eigenen Aktivitäten zunehmend ungünstig ausfällt.

Die Photonen, die von der Sonne kommend auf der Erde eintreffen, sind hochenergetisch. Ein großer Teil von ihnen schafft es gar nicht ungehindert bis zur Erdoberfläche, sondern kollidiert mit Teilchen der Atmosphäre. Die Streuung des Sonnenlichts an Luftmolekülen ist auch der Grund dafür, warum der Mittagshimmel blau ist und die Morgen- und Abendsonne den Horizont in ein sattes Rot hüllt. Jene Lichtteilchen, die es bis zum Erdboden schaffen, geben ihre Energie teilweise an den Boden ab. Auch der Erdboden gibt seinerseits Strahlung ab – allerdings handelt es sich dabei um die viel weniger energiereiche Infrarotstrahlung. Die Infrarotstrahlung wird ebenfalls in der Erdatmosphäre gestreut und erhöht so den Energiegehalt der Lufthülle.


Die Pasterze ist der größte Gletscher Österreichs und wird jährlich von bis zu einer Million Touristen besucht. Doch die Gletscherzunge ist stark im Rückzug begriffen.
Foto: Getty/iStock/amriphoto

Fataler Kreislauf
Dabei zeigt sich: Je mehr Treibhausgase wie CO2 in der Atmosphäre sind, desto größer ist die Rückstreuung der von der Erde ausgesandten Infrarotstrahlung. "Es geht der Erde wie einem Menschen, dem man immer mehr wärmeisolierende Kleidungsschichten aufzwingt, bis er an seiner eigenen Hitze zu leiden beginnt", fasste der deutsche Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber den fatalen Kreislauf des Treibhauseffekts einmal zusammen.

Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid oder Methan haben die perfide Eigenschaft, dass sie die hochenergetische Sonnenstrahlung weitgehend ungehindert passieren lassen, jedoch der weniger energiereichen Erdstrahlung den Weg ins Weltall versperren. Die Treibhausgase hindern den Planeten also, die von der Sonne eintreffende lebensspendende Energie in jenem Ausmaß abzugeben, wie es seit Jahrtausenden der Fall war. Warum das so ist, ergibt sich aus den Gesetzen der Quantenmechanik: Ein Molekül absorbiert Strahlung genau dann, wenn die jeweiligen Schwingungen zusammenpassen. Dummerweise weiß ein CO2-Molekül mit Sonnenstrahlung gar nichts anzufangen, wohingegen es mit der Erdstrahlung bestens harmoniert. Dasselbe gilt für Methan und alle anderen treibhauswirksamen Gase.

Schmelzende Zeitzeugen
Wie weithin bekannt gelangen durch menschliche Aktivitäten völlig unnatürliche Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre – etwa durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern oder die Freisetzung von Methan aus Mülldeponien. Die Strahlungsbilanz aus eintreffender Sonnenstrahlung und austretender Erdstrahlung, die sich über Jahrtausende eingestellt hat, gerät ins Wanken.

Nirgendwo ist der vom Menschen verursachte Klimawandel schon bisher so stark zu spüren wie bei den großen Eismassen des Planeten – an den Polen und auf den Gletschern im Hochgebirge. In Österreich kann nichts und niemand ein deutlicheres Zeugnis über die klimatischen Veränderungen ablegen wie die heimischen Gletscher.

Als Andrea Fischer in den frühen Nullerjahren ihre wissenschaftliche Karriere als Gletscherforscherin begann, war der Rückzug der Eismassen bereits im Gange, doch die Dynamik und die Folgen waren den Forschenden damals noch viel weniger klar als heute.


Foto: Reuters/LISI NIESNER

Die große Schmelze
"2003 war das Jahr der ersten extremen Gletscherschmelze. Man hat damals diskutiert, ob das jetzt ein außergewöhnlicher Ausreißer ist oder ob es das neue Normal sein wird", sagt Fischer. "Inzwischen wissen wir, wie diese Diskussion ausgegangen ist." Die extreme Schmelze ist ungebrochen. 2003 war auch das Jahr, in dem Fischer an der Universität Innsbruck promovierte. Heute ist sie Vizedirektorin des Instituts für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Akademie der Wissenschaften in Innsbruck.

In der österreichischen Glaziologie sind Andrea Fischer und ihr Team vor allem für ihre Feldforschungen im Gebirge bekannt. Sie klettern in Eishöhlen, die durch die Schmelze freigelegt werden, und jagen Bohrköpfe in die Tiefe des Eises, um Eisbohrkerne für die Forschung zu ziehen.


Ein frischer Eisbohrkern aus dem Kaunertaler Gletscher zeigt Einschlüsse, die Einblicke in die Klimageschichte gewähren.
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Vergangenheit rekonstruieren
Eisbohrkerne sind eine elegante Möglichkeit, um mit den eisigen Klimazeitzeugen ins Gespräch zu kommen. Die Wissenschaft stellt die Fragen, und die Eisbohrkerne liefern allerlei erstaunliche Antworten. Vielfach können sie aus erster Hand bestätigen, was zuvor bereits angenommen wurde. In anderen Fällen zwingen ihre Zeugnisse, Vorstellungen über die Vergangenheit deutlich zu revidieren. Und manchmal bleiben Rätsel einfach stehen.
"Gletscher bieten uns eine geniale Möglichkeit, etwas über die Vergangenheit zu lernen", sagt Wolfgang Schöner, Glaziologe an der Universität Graz. Durch Eisbohrkerne lässt sich etwa rekonstruieren, wie die Atmosphäre in der Vergangenheit zusammengesetzt war.

Dieses einmalige Archiv, das uns Einblicke in die Klimageschichte von Jahrtausenden liefern kann, droht in wenigen Jahrzehnten zu verschwinden. Auch in diesem Jahr geht erneut ein unwiederbringlicher Teil verloren. Der Winter in den österreichischen Hochalpen war ungewöhnlich niederschlagsarm. Durch den ausbleibenden Schnee ist eine massive Eisschmelze zu erwarten.


In einem Zelt haben sich Forschende im März 2022 einen temporären Arbeitsplatz auf dem Kaunertaler Gletscher errichtet. Dort werden Eisbohrkerne gezogen, anhand derer die Klimageschichte rekonstruiert werden kann – solange noch Eis da ist.
Foto: APA / Roland Schlager

Tragischer Rekordhalter
Die Forschenden versuchen daher, möglichst jeden Tag für Bohrungen zu nutzen, um Daten zu gewinnen, solange es noch möglich ist. "Das brennt uns wirklich unter den Nägeln", sagt Andrea Fischer. Ihre Feldforschungen führen sie beispielsweise zum Jamtalferner in der Silvretta. Bereits seit 1880 gibt es für diesen Gletscher Messungen zu seiner Massenbilanz.

Wie die Daten zeigen, ist er ein trauriger Rekordhalter: Er ist jener Gletscher Österreichs, der am schnellsten zurückgeht. Der Jamtalferner hat keine Firnreserven mehr, und es gibt keine Stellen mehr, an denen sich neues Eis bildet. "Dieser Gletscher ist wirklich am Sterben, es ist nur mehr eine Frage von wenigen Jahren, bis er zum Großteil völlig abgeschmolzen sein wird", sagt Fischer.

Will man also einen sterbenden Gletscher erforschen, ist der Jamtalferner das prädestinierte Studienobjekt. "Man kann dort jetzt sehr viele Strukturen beobachten, die sich unter einem zerfallenden Gletscher bilden." Dazu zählt etwa die Entstehung von Eishöhlen – "das ist ein für uns neuer Prozess, den wir hier beobachten können", sagt Fischer.


Was sich durch Eishöhlen über Gletscher lernen lässt, untersuchten die Glaziologen Andrea Fischer und Martin Stocker-Waldhuber unter anderem bei einem Lokalaugenschein am Jamtalferner im Oktober 2021.
Foto: Reuters/LISI NIESNER

Rasante Schmelze
So hat sich etwa gezeigt, dass der Gletscher über weite Strecken an der Zunge unterhöhlt ist. Er schmilzt gewissermaßen von oben und von unten zugleich, wodurch sich die Schmelze beschleunigt. "Es bilden sich große Einbruchstrichter, die einfach kollabieren. Diese Endphase des Gletschers geht also wesentlich schneller vor sich, als es mit den konventionellen Modellen erfassbar war", sagt Fischer.
Um die jeweilige Eisdicke zu bestimmen, benutzt die Glaziologin sogenannte Schmelzpegel. Es handelt sich dabei um Stäbe, die ins Eis gebohrt werden und deren Länge regelmäßig gemessen wird. Durch die Daten lässt sich ablesen, wie viel Eis verloren geht.
Die Gletscherforscherin Lea Hartl ist ebenfalls am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Akademie der Wissenschaften tätig und eine Forschungspartnerin von Andrea Fischer. Für Hartl nimmt sich vor allem die Geschwindigkeit und das Ausmaß der aktuellen Schmelze bemerkenswert aus.


"Es steht nicht gut um die österreichischen Gletscher", sagt die Gletscherforscherin Lea Hartl.
Foto: ÖAW

Ernüchternder Ausblick
"Es steht nicht gut um die österreichischen Gletscher", sagt Hartl. "Seit dem letzten Gletscherhöchststand um 1850 haben wir mehr als die Hälfte an Fläche und Volumen der Gletscher verloren." Einen überwiegenden Teil davon allein in den jüngsten Jahrzehnten. "Es geht also rapide dahin", sagt Hartl.

Was die Zukunftsaussichten der österreichischen Gletscher angeht, sieht es entsprechend düster aus. "Abhängig vom Emissionsszenario ist für den Alpenraum zu erwarten, dass gegen Ende des Jahrhunderts von den derzeit 4000 Alpengletschern nur mehr etwa 700 bis 1000 vorhanden sein werden", sagt Fischer. "Die meisten davon werden aber nicht in den österreichischen Alpen sein, sondern in den Westalpen, die etwas höher gelegen sind."


Der Jamtalferner-Gletscher schmilzt von oben und von unten zugleich.
Foto: Reuters/LISI NIESNER

Entscheidene Klimapolitik
Tatsächlich macht es einen großen Unterschied, wie sich der Treibhausgasausstoß in den kommenden Jahren entwickelt. "Wenn gar keine Klimamaßnahmen gesetzt werden, was ein sehr pessimistisches Szenario wäre, dann würden die österreichischen Gletscher bis Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden", sagt Fabien Maussion, der an der Universität Innsbruck federführend zu Gletscherentwicklungsmodellen arbeitet.

Dabei versuchen Maussion und sein Team, Modelle für die vergangene und künftige Entwicklung von Gletschern weltweit zu entwickeln, um etwa ableiten zu können, was Treibhausgasemissionen konkret für das Eis bedeuten. Dass diese Simulationen immer präziser sind, sei auch der Datenrevolution der vergangenen zwanzig Jahre zu verdanken. "Die Satellitendaten zu den Gletschern haben sich wirklich extrem verbessert", sagt Maussion. Der Blick aus dem All erlaubt also detaillierte Erkenntnisse über die Eismassen und gibt Aufschluss darüber, was zu tun wäre, um sie zu erhalten.

"Die neuesten Studien zeigen, dass in den optimistischen Szenarien, wenn es uns gelingt, die Treibhausgase stark zu reduzieren, am Ende des Jahrhunderts ungefähr noch 30 Prozent des heutigen Gletschervolumens in Österreich erhalten wären", sagt Maussion. "Die Gletscher können nur in den höchsten Lagen überleben, und wie viele tatsächlich überleben können, hängt von unserer Klimapolitik ab."


"Wenn gar keine Klimamaßnahmen gesetzt werden, was ein sehr pessimistisches Szenario wäre, dann würden die österreichischen Gletscher bis Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden", sagt Gletscherforscher Fabien Maussion.
Foto: Universität Innsbruck

Künstliche Erhaltung
Bei diesen doch recht ernüchternden Aussichten stellt sich natürlich die Frage, ob es nicht auch technische Lösungen geben könnte, den einen oder anderen Gletscher zu retten. Wolfgang Schöner hat eine Machbarkeitsstudie für einen solchen Ansatz für den größten österreichischen Gletscher, die Pasterze, vorgelegt. "Ein Vorteil der Pasterze wäre, dass es dort Wasser vor Ort gibt, aus dem Schnee erzeugt werden könnte", sagt Schöner. Doch der künstliche Schnee müsste schließlich über den Gletscher verteilt werden – eine technische Lösung dafür liegt nicht auf der Hand. Insgesamt zeigte sich, dass so ein Ansatz "theoretisch möglich, aber unwahrscheinlich teuer ist und insgesamt nicht gut umsetzbar sein wird", sagt Schöner.

"Die Pasterze wird jährlich von bis zu einer Million Leuten besucht. Diese Einnahmen aus dem Tourismus könnte man nutzen, um das zu finanzieren. Aber selbst das rentiert sich nicht", sagt Schöner. Die Studie habe auch die Erkenntnis gebracht, "dass die Gletscher etwas sind, was in Österreich großteils verschwinden wird, selbst wenn wir starke Gegenmaßnahmen einführen würden".


Die Österreichischen Gletscher werden großteils verschwinden. Besonders stark ausgeprägt ist die Schmelze am Jamtalferner bei Galtür.
Foto: Reuters/LISI NIESNER

Eis und Atmosphäre
Generell beschäftigt sich Schöner in seiner Forschung mit den Zusammenhängen der Veränderungen in der Atmosphäre und den Auswirkungen auf die Gletscher – sowohl aus einer historischen Perspektive heraus wie auch in Modellen für die zukünftige Entwicklung. Dabei ist auch viel Arbeit am Berg erforderlich. Manche Energieflüsse, die auf die Gletscher einwirken, sind relativ einfach zu messen – etwa die Sonnenstrahlung. Andere, etwa durch Turbulenzen in der Atmosphäre, sind viel schwieriger zu bestimmen. "Da braucht man viele Versuche, um die Prozesse aus der Kombination von Messung und Modellierung richtig verstehen zu können", sagt Schöner.

Die Forschungen von Wolfgang Schöner und seinem Team vermögen auch Aufschluss darüber zu geben, was den heimischen Gletschern eigentlich zusetzt. Dabei zeigt sich etwa, dass der Niederschlag nur einen recht geringen Beitrag dazu leistet. "Die Veränderungen der Schneemenge von einem Jahr zum nächsten spielen nur eine geringe Rolle verglichen mit der Schmelze, die im Sommer passiert", sagt Schöner.

Gemeinhin wird oft angenommen, dass die steigende Temperatur für die Schmelze verantwortlich ist. Das ist aber nur bedingt richtig. "Die Energie, die aus der Atmosphäre kommt, ist nicht die Temperatur, sondern das ist die Strahlung, die von der Sonne kommt. Es ist also die Strahlung, die dafür sorgt, dass die Gletscher so stark abschmelzen", sagt Schöner. Da andererseits auch die Temperatur mit der Strahlung korreliert, gibt es auch eine Korrelation zwischen Temperatur und Gletscherschmelze – das bedeutet aber nicht, dass die Erwärmung kausal für die Schmelze verantwortlich ist.

Der Temperaturanstieg korreliert zwar mit der Gletscherschmelze, ist aber nicht ursächlich dafür verantwortlich. Die eigentliche Ursache ist die Strahlung.
Foto: Reuters/LISI NIESNER

Selbstverstärkender Prozess
Bei der Strahlung gilt es wiederum den Albedoeffekt zu berücksichtigen: Wenn weniger Schnee auf dem Gletscher liegt, nimmt der Rückstrahleffekt ab, und die Schmelze verstärkt sich. "Es gibt einen Verstärkungseffekt, durch den sich die Schneegrenze immer weiter nach oben verschiebt", sagt Schöner. Zusätzlich verschlechtern die vom Menschen emittierten Treibhausgase die Strahlungsbilanz für die Gletscher.

Trotz aller Klarheit, was den generellen Trends der Gletscherschmelze angeht, bleiben Unsicherheiten und ungelöste Fragen, welche regionalen Entwicklungen sich einstellen werden. "Die globalen Modelle sind sehr gut, aber regional kann es durchaus Effekte geben, die noch nicht gut fassbar sind. Genau dazu arbeiten wir, weil gerade Gletscher sehr lokale Phänomene sind", sagt Fischer.

Für Glaziologinnen und Glaziologen stellt sich neben dem Prozess der Gletscherschmelze in weiterer Folge auch die Frage, welche Konsequenzen die Entgletscherung mit sich bringen. In vielen Gegenden der Welt sind die Gletscher eine lebenssichernde Quelle von Trinkwasser. So ist etwa die Millionenstadt Santiago de Chile auf Schmelzwasser aus den Anden angewiesen, um ihre Bewohnerinnen und Bewohner mit Wasser versorgen zu können.


60 Kilometer von Santiago de Chile entfernt befindet sich ein Gletscher, dessen Schmelzwasser die Millionenstadt mit Trinkwasser versorgt.
Foto: AFP PHOTO / CHILE'S PRESIDENCY / MARCELO SEGURA

Identitätsstiftende Gipfel
In Österreich spielen die Gletscher keine existenzielle Rolle, weder für die Wasserversorgung noch für das Wetter – dafür sind sie schlicht zu klein. Sie sind aber von touristischer Bedeutung und spielen eine wichtige Rolle für die österreichische Identität. Die ersten Worte der österreichischen Bundeshymne "Land der Berge, Land am Strome" kommen nicht von ungefähr.

Was die Wasserversorgung angeht, werden sich die fehlender Gletscher hierzulande dennoch bemerkbar machen. Nicht in einem für die Menschen existenziellen Ausmaß, aber insbesondere in Tropenjahren, wenn im Sommer wochenlang kein Niederschlag fällt, liefern die Gletscher bisher vergleichsweise viel Wasser, betont Schöner. "Wenn man an den Inn denkt oder die Salzach, sind die Beiträge der Gletscher bei ausbleibendem Niederschlag sehr relevant. Das wird in Zukunft fehlen."

Energie und Landwirtschaft
Von den veränderten Wasserkreisläufen ist nicht nur die Trinkwasserversorgung abhängig, sondern auch die Landwirtschaft und die Energiewirtschaft durch Wasserkraftwerke. Dadurch wird deutlich, dass die Gletscher nicht bloß ferne Eismassen sind, an denen ein paar Alpinistinnen und Alpinisten Gefallen finden, sondern dass ihre Anwesenheit und ihr Verschwinden unmittelbare Folgen für weite Teile der Gesellschaft haben.

Weiters hat der Gletscherschwund Auswirkungen auf die Ökosysteme – dabei gilt es für die Forschenden aber noch etliche Fragen zu klären: Wie schnell kommen die Pflanzen wieder zurück? Wie verändern sich die Gewässer, was sind die ökologischen Folgen? Und was haben wir an Naturgefahren zu erwarten oder zu berücksichtigen? "Da passiert ganz viel, und wir haben jetzt zum ersten Mal die Gelegenheit, zu sehen und zu vermessen, was passiert, wenn das Eis verschwindet", sagt Hartl.

Für Andrea Fischer besteht die grundlegendste Frage darin, wann sich nach der Abkehr vom jetzigen stabilen System nach dem Abschmelzen der Gletscher wieder ein neues stabiles Gleichgewicht einstellen wird.


Noch können die Österreichischen Eismassen beforscht und bewundert werden – allerdings nur noch wenige Jahrzehnte und teilweise nur Jahre.
Foto: Apa/Schlager

Vergänglichkeit des Eises
Kaum eine andere Wissenschaftsdisziplin ist so deutlich mit der Vergänglichkeit des eigenen Forschungsgegenstands konfrontiert wie die Glaziologie. Wie gehen Gletscherforschende damit um? Wolfgang Schöner holen solche Fragen insbesondere in Diskussionen ein. Solange er in einem Forschungsprojekt steckt, "ist man ganz auf diese Detailfrage, die man lösen will, konzentriert".

Nachdenklich stimmen Schöner seine Beobachtungen im Laufe seiner Forschungskarriere. "Mittlerweile bin ich viele Jahre im Gebirge unterwegs und habe mit wissenschaftlichen Augen sehr genau gesehen, wie rasch sich die Gletscher verändert haben." Angesichts dessen, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gletscher einst eher als Randerscheinung abgetan worden sind, sei die aktuelle Entwicklung "alarmierend". Lange sei gesagt worden, die Gletscher würden bloß etwas kleiner werden, "aber was das alles bedeutet, hat man nicht diskutiert".

Schönheit mit Ablaufdatum
Auch Lea Hartl findet es "sehr schade, wenn die Gletscher verschwinden". Als Glaziologin, die sich viel im Gebirge aufhält, genießt sie den Anblick der Eismassen im Sommer wie im Winter. "Während der Arbeit ist es nicht so, dass man die ganze Zeit verzweifelt ist, weil man weiß, den Gletscher wird es nicht mehr lange geben", sagt Hartl. Dennoch würde sie das Thema stets begleiten, "weniger bezogen auf einzelne Gletscher als vor allem gesamtgesellschaftlich".

Andrea Fischer kann der Vergänglichkeit ihres Forschungsgegenstands bei allem Bedauern um den Verlust der Eismassen auch etwas Positives abgewinnen: "Für mich ist es in erster Linie wahnsinnig spannend, dass man etwas erforschen kann, das zuvor noch nicht in dieser Form bekannt war. Für die Forschung wäre es das Schlimmste, wenn sich gar nichts verändern würde."


Die Vergänglichkeit des eigenen Forschungsgegenstandes ist in der Gletscherforschung allgegenwärtig. Andrea Fischer (im Bild in einer Eishöhle im Jamtalferner) kann dem auch etwas positives abgewinnen: "Für die Forschung wäre es das Schlimmste, wenn sich gar nichts verändern würde.
"Foto: Reuters/LISI NIESNER

Einmalige Situation
Wenn man weit in die Geschichte der Erde zurückblickt, hat es immer wieder Phasen gegeben, in denen die Gletscher geschmolzen sind, und dann wieder jene, in denen sie sich neu gebildet haben. Einmalig an der jetzigen Situation ist, dass die Ursache für die Schmelze durch die Handlungen einer einzigen Spezies verursacht worden sind.

"Vor dem Hintergrund einer langen Zeitachse bin ich überzeugt, dass das, was wir in einem Menschenleben wahrnehmen können, erdgeschichtlich nicht so eine große Rolle spielt, wie uns das jetzt erscheint", sagt Fischer. "Die Erde existiert auf einer wesentlich größeren Zeitskala als das in jener eines kurzen Menschenlebens überhaupt fassbar ist."
(Tanja Traxler, 11.6.2022)
Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe des STANDARD-Wissenschaftsmagazins FORSCHUNG erschienen.

WISSEN
Zunehmende Schmelze
Albedoeffekt ist der wissenschaftliche Fachausdruck für ein Phänomen, dass uns allen aus dem Alltag gut bekannt ist: Weiße Oberflächen strahlen Licht ab und neigen daher dazu, uns zu blenden. Dunkle Oberflächen strahlen viel weniger auf, dafür erwärmen sie sich stärker durch einfallende Strahlung. Bei der Gletscherschmelze führt der Albedoeffekt zu einem sich selbst verstärkenden Prozess: Während vergletscherte Flächen ein hohes Rückstrahlvermögen haben, absorbiert die Landmasse, die unter den Gletschern zum Vorschein kommt, umso mehr Strahlung. Die für die Schmelze verantwortliche Erwärmung nimmt also noch zusätzlich zu – was zu weiteren Gletscherabschmelzungen führt.
Bohrkerne als Archive
Eisbohrkerne ermöglichen Forschenden, jenes Eis im Detail zu analysieren, das aus einer Zeit stammt, lange bevor der Mensch darauf einwirken konnte. Je tiefer die Forschenden bohren, umso länger können sie in die Vergangenheit zurückblicken. Die Eisbohrkerne liefern etwa Informationen darüber, wie die Atmosphäre zu einer bestimmten Zeit zusammengesetzt war. Grönland und die Antarktis sind beliebte Gegenden, um Eisbohrkerne zu ziehen – oder die alpinen Gletscher, wobei diese Methode dort nur noch wenige Jahrzehnte durchführbar sein wird.
(Tanja Traxler, 12.6.2022)
Forschung unter Zeitdruck an schmelzenden Gletschern
 

josef

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#37
WORST CASE
Extremer Sommer für die Gletscher
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Die Gletscher in Österreich erleben einen schlimmen Sommer. Der wenige Schnee vom Winter taut in der Hitze, und der Sahara-Staub beschleunigt den Prozess. Ende Juni lag noch nie so wenig Schnee in 3.000 Meter Höhe wie heuer. In diesem Sommer droht daher ein beispielloser Aderlass des ehemals ewigen Eises. Gletscherforscher und -forscherinnen rechnen mit noch nie da gewesenen Schmelzraten.
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Die Gletschermilch fließt reichlich talwärts dieser Tage, ob in der Silvretta, den Zillertaler Alpen oder in den Hohen Tauern. Überall taut es stark. Wo Ende Juni noch meterhoch Schnee liegen sollte, ist jetzt schon das blanke Eis zu sehen. Und auch das schmilzt rasant.

Die Nullgradgrenze liegt seit Wochen immer wieder in 4.000 Metern und höher, also weit oberhalb aller Gipfel in Österreich, dazu kommen noch viel Sonne und Gewitter. Nicht einmal in den Nächten reicht es auf den Gletschern noch für leichten Frost. Es ist der Worst Case.

Historisch noch nie da gewesen
Von einer „historisch noch nie da gewesenen Situation“ zu dieser Jahreszeit spricht Glaziologin Andrea Fischer von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Sie erwartet heuer einen deutlichen Flächenverlust, gerade weil die Gletscher schon in den vergangenen Jahren so ausgedünnt seien. „Die Gletscher werden am Ende des Sommers sehr wahrscheinlich deutlich anders aussehen als bisher.“ Allerdings sei das nur eine Beschleunigung des Prozesses, der sonst in einigen Jahren eingetreten wäre.

Ulrich Alber
Das Schlatenkees in der Venedigergruppe (Osttirol) ist bereits großteils schneefrei

Wenig Schnee im Winterhalbjahr
Das Übel hat schon im Winter seinen Lauf genommen. Der Winter war gerade am Alpen-Hauptkamm, wo die meisten Gletscher in Österreich liegen, schneearm, auch der Frühling war fast ein Totalausfall, was Neuschnee betrifft.

Mehrere Episoden mit Sahara-Staub haben den Schnee im Frühling zudem schmutzig gemacht, und das beschleunigt das Schmelzen, seitdem es im Mai abrupt warm geworden ist. Der dunkle Staub wirkt wie ein Schneeschmelzkatalysator, er verringert das Reflexionsvermögen des Schnees und erhöht die Absorption der Sonnenenergie.

Hintereisferner: Gletschermassenänderung seit 2007

Massenbilanz in Kilogramm pro Quadratmeter
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WinterSommerJahresbilanz
Quelle: Universität Innsbruck (Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften)

Auf dem Hintereisferner in den Ötztaler Alpen, einem der bestuntersuchten Gletscher der Alpen, sei im Winterhalbjahr um 44 Prozent weniger Schnee gefallen als im langjährigen Schnitt, so der Glaziologe Rainer Prinz von der Universität Innsbruck. Dieser Schnee ist mittlerweile fast zur Gänze geschmolzen, der Gletscher ist so ausgeapert wie letztes Jahr erst im August. Seit drei, vier Wochen schon schmilzt das Eis auf der Gletscherzunge.

Sommer begann schon im Mai
Verlief der Mai in den letzten Jahren noch kalt, war er heuer auf den Bergen laut Auswertung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) einer der wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Auf dem Sonnblick (3.109 Meter) in den Hohen Tauern war sogar kein Mai bisher so warm wie heuer, die mittlere Temperatur lag bei 0,0 Grad. Noch wärmer ist der aktuelle Juni, für den sich schon die nächste Extremplatzierung in der langen Messreihe abzeichnet.
Markus Köss
Auch im Gurgler Tal in Tirol apern die Gletscher bereits aus

Sonnblick und Zugspitze bald schneefrei
Auch auf dem Sonnblick nimmt die Schneehöhe seit Mai rapide ab, mittlerweile liegt nicht einmal mehr ein Meter, ein Negativrekord für die Jahreszeit. Hält der Trend an, ist der Sonnblick schon in zwei Wochen praktisch schneefrei. Ein absolutes Novum so früh im Sommer und ein alarmierendes Zeichen der Klimakrise. Selbst im bisher heißesten Sommer 2003 lag noch bis in den August hinein Schnee. Letztes Jahr war die Schneehöhe Ende Juni noch fast vier Meter mächtig, trotzdem waren die Gletscher im Sonnblick-Gebiet am Ende des Sommers deutlich geschrumpft.

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Was dem Sonnblick bald bevorsteht, ist auf der Zugspitze, mit fast 3.000 Metern der höchste Berg Deutschlands, an der Grenze zu Tirol schon Realität. Seit einer Woche gibt es keine geschlossene Schneedecke mehr, nur noch Schneeflecken. „So früh wie noch nie in den letzten 75 Jahren“, sagt Gudrun Mühlbacher vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in München. Nur 1960 sei die Situation ähnlich gewesen, aber auch nicht so extrem. Normalerweise liegen Ende Juni auf der Zugspitze noch zwei, drei Meter Schnee.

300 Millionen Tonnen Eisverlust in einer Woche
Die Lage der Gletscher ist in den ganzen Alpen gleich dramatisch, in Frankreich, Italien und in der Schweiz war der Winter schneearm, und der Sommer hat früh begonnen. Schweizer Glaziologen um Matthias Huss von der ETH Zürich haben errechnet, dass die Hitzewelle in der Woche von 15. bis 21. Juni die Schweizer Gletscher 300 Millionen Tonnen Schnee und Eis gekostet hat. Alle fünf Sekunden hätte man damit ein olympisches Schwimmbecken volllaufen lassen können.

Und das ist nur der Anfang, denn noch ist erst Juni. Ist die schützende Schneedecke einmal weg, frisst jeder heiße und sonnige Tag auf den Gletschern rund zehn Zentimeter Eis. Bis Ende September und damit noch rund drei Monate dauert die durchschnittliche Schmelze auf den Alpen-Gletschern an. Damit seien heuer Schmelzraten möglich, wie sie noch nie aufgetreten sind, auch nicht in den bisherigen Extremjahren, so ÖAW-Forscherin Fischer.

Weiße Planen gegen Abschmelzung
Die Hitze und der Schneeschwund gehen auch an den Gletscherskigebieten nicht spurlos vorüber. Auf dem Rettenbachferner in Sölden (Tirol), wo im Herbst der traditionelle Skiweltcup-Auftakt stattfindet, hat man in den letzten Tagen die Piste mit weißen Planen abgedeckt, um das Schmelzen zu bremsen. So hofft man einen Teil des Schnees über den Sommer zu konservieren.

Das Zudecken von neuralgischen Stellen des Gletschers, etwa auch an Liftanlagen, ist ein probates Mittel, das seit rund 20 Jahren in vielen Gletscherskigebieten angewandt wird. Die Planen reflektieren das Sonnenlicht besser als die im Sommer oft schmutzige Schnee- und Gletscheroberfläche. Damit lässt sich das Sterben der Gletscher zwar nicht aufhalten, aber immerhin verzögern, sagen Experten.

Markus Köss
Auf dem Rettenbachferner wird die Skipiste mit weißen Planen zugedeckt

Probleme für Gletscherskigebiete
Auf dem Hintertuxer Gletscher, dem einzigen Ganzjahresskigebiet in Österreich, übt man sich in Zweckoptimismus. Derzeit seien 20 Kilometer Pisten präpariert, heißt es auf Anfrage. Die Schneehöhe wird mit bis zu 135 Zentimeter angegeben. Über 50 Trainingsmannschaften aus über 20 Nationen trainieren dieser Tage am Hintertuxer Gletscher. Den Skibetrieb wegen Schneemangels einstellen müssen habe man am Hintertuxer Gletscher bisher noch nie in all den Jahren. Darauf hofft man auch heuer. Für den Skibetrieb Anfang Juli wird jedenfalls genug Schnee liegen, heißt es von offizieller Seite.

Am Stilfserjoch in Südtirol sieht man die Situation schon kritischer, auch wenn im obersten Bereich des Gletschers in 3.400 Meter Höhe derzeit noch über zwei Meter Schnee liegen. Wenn das warme Wetter so weiter anhalte, könne es passieren, dass man Ende Juli für einige Zeit den Skibetrieb einstellen müsse, so der Tenor. Das hätte Folgen für Trainingsmannschaften, Hotels und Angestellte. In dem reinen Sommerskigebiet an der Grenze zur Lombardei würden derzeit täglich rund 600 Skifahrer und Skifahrerinnen trainieren, Nationalmannschaften aus der ganzen Welt.
Und so hofft man in den Gletscherskigebieten auf regelmäßigen Neuschnee im Juli und August. Doch darauf würde die Gletscherforscherin Andrea Fischer nicht so sehr bauen. „Dieses Wunder“, sagt sie, „wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht eintreten, weil schon in den letzten Jahren auf den Gletscher in den Alpen kaum mehr größere Sommerschneefälle vorgekommen sind.“ Die Klimakrise lässt grüßen.
26.06.2022, Daniel Schrott, ORF-Wetterredaktion, für ORF.at

Links:
Worst Case: Extremer Sommer für die Gletscher
 

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#38
Kitzsteinhorn-Gletscher um zwei Drittel geschrumpft
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Durch die Klimaerwärmung und das wärmere Wetter im vergangenen Winter und Frühjahr ist es heuer ein besonders schlechtes Jahr für die heimischen Gletscher. Gut zu erkennen ist das auch auf dem Kitzsteinhorn (Pinzgau), wo der Gletscher in den letzten 70 Jahren um zwei Drittel geschrumpft ist.
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In den 1960er Jahren galt der Sommerskilauf auf dem Kitzsteinhorn als ein mögliches Zukunftskonzept für den lokalen Tourismus. Schnee und Eis waren genügend vorhanden. 60 Jahre später fehlt das doch nicht ewige Eis. Die Gletscherfläche ist seit ihrer ersten Vermessung vor knapp 70 Jahren um rund zwei Drittel zurückgegangen.

Klimaerwärmung stark spürbar
Seit 2010 wird die Entwicklung des Gletschers auf dem Kitzsteinhorn auch wissenschaftlich beobachtet und gemessen. „In diesem Jahr ist der Gletscher schon sehr von der Klimaveränderung betroffen. Wir haben aus dem Winter sehr wenig Restschneemenge – es ist zirka halb so viel, wie wir letztes Jahr hatten. 2021 waren es im Mai noch vier Meter Schnee, heuer nur noch zwei Meter. Das variiert natürlich von Jahr zu Jahr. Es waren heuer auch noch ein sehr warmer Mai und Juni und zusätzlich lag eine Sahara-Staub-Auflage auf dem Schnee, die die Schmelze noch verstärkt hat, weil die dunklere Oberfläche natürlich mehr Wärme entstehen hat lassen“, erklärt Norbert Karlsböck, Vorstand der Gletscherbahnen Kaprun.

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Sommerskilauf auf dem Kitzsteinhorn in den 1960er Jahren
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Sommerskilauf auf dem Kitzsteinhorn in den 1960er Jahren
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Sommerskilauf auf dem Kitzsteinhorn in den 1960er Jahren
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Der Gletscher auf dem dem Kitzsteinhorn im Juli 2022
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Der Gletscher auf dem dem Kitzsteinhorn im Juli 2022

Tourismus an Gletscherschwund angepasst
In Kaprun hat man sich an die Entwicklungen des Gletschers angepasst, neue Schwerpunkte wurden gesetzt. „Die Erfahrungen der letzten zehn Jahre haben gezeigt, dass die wirtschaftliche Entwicklung im Sommer durchaus positiv ist, auch wenn kein Sommerskilauf mehr möglich ist. Jetzt steht der Naturgenuss im Vordergrund: wandern, bergsteigen, mountainbiken. Der wirtschaftliche Erfolg ist durchaus besser geworden“, meint Karlsböck.

Gerade im Sommer würden viele Gäste die Möglichkeit schätzen, mit der Gondel auf 3.000 Meter Seehöhe zu fahren. Den Gletscher werden sie aber nur mehr rund 30 Jahre lang bewundern können – dann soll das ewige Eis bis auf wenige Flecken geschmolzen sein.
01.08.2022, red, salzburg.ORF.at
Kitzsteinhorn-Gletscher um zwei Drittel geschrumpft
 
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