Die Erdbebengefahr in Österreich wird von den Experten als mäßig eingestuft. Je weiter man in Richtung Süden blickt, desto höher wird sie. Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft ist eine Prognose von Erdbeben nicht möglich. Es kann aber abgeschätzt werden, in welchen Zeitabständen welche Stärke an Erdbeben zu erwarten sind. „Etwa alle 20 Jahre kann man mit einem Erdbeben mit leichten Gebäudeschäden rechnen in Kärnten. Das letzte hatten wir im Jahr 2013 in Bad Eisenkappel. Damals gab es Risse in den Gebäuden. Wir wissen, dass Erdbeben dieser Stärke wiederkommen werden“, sagte Rita Meurers.
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Grafik instrumentell registrierter Erdbeben in Kärnten seit 2000
Die Ursache für Erdbeben liege in der Plattentektonik. „Man kann die Erdkruste in Platten einteilen, die sich relativ zueinander bewegen. In Europa driftet die adriatische Platte nach Norden und trifft auf die eurasische Platte, sie kollidiert mit ihr. Dadurch wird im Untergrund enormer Druck aufgebaut, der sich dann in Form von Erdbeben löst, wenn das Gestein nicht mehr standhalten kann.“
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Modell der Erde mit tektonischen Platten
Erdbeben von Friaul 1976 in ganz Europa spürbar
Im Mai jährt sich das schwere Erdbeben von Friaul zum 50. Mal. Es gilt als eines der stärksten Erdbeben, das den Alpenraum in den letzten Jahrhunderten erschüttert hat, so Rita Meurers: „Es wurde nur von einem Ereignis im Jahr 1348 übertroffen, das aber auch in Friaul stattgefunden hat. Das heißt, man weiß schon seit vielen, vielen Jahren, dass hier die Erdbebengefährdung besonders hoch ist.“
Das damalige Beben war in weiten Teilen Europas wahrnehmbar, „im Norden bis zur Ostsee, im Westen bis zur belgischen Atlantikküste und im Süden bis Rom. Das ist also wirklich sehr beachtlich und kommt wirklich nur sehr selten vor.“
Schäden auch in Slowenien und im Gailtal
Schwere Schäden wurden damals auch in Slowenien und im Kärntner Gailtal registriert, wo es beträchtliche Mauerrisse und Abstürze von Kaminen und Dachziegeln gab. „Die Menschen sind in Panik geraten. Sie haben versucht, aus den Häusern zu flüchten. Und dabei hat es auch tatsächlich Verletzte gegeben“, so die Expertin.
1976 gab es laut Rita Meurers noch keine technischen Hilfsmittel, um Erdbebenbewegungen digital zu erfassen. Im Umkreis des Epizentrums standen nur wenige Seismometer zur Verfügung. Dadurch dauerte es lange, bis die Seismologen von damals das Epizentrum genau ausmachen konnten. Es lag in der Nähe von Gemona del Friuli. „In diesem Epizentralgebiet wurden einige Dörfer und kleine Städte zum Großteil zerstört. Es waren fast 1.000 Todesopfer zu beklagen es gab etwa 2.000 bis 3.000 Verletzte und über 100.000 Obdachlose.“
Bodenbewegungen werden regelmäßig überwacht
Heute werden flächendeckend und regelmäßig die Bodenbewegungen überwacht. Dafür sorgt ein hochsensibles Messnetz, das im Ernstfall dazu diene, Behörden und Bevölkerung zu warnen, sagte Rita Meurers: „Wir können sehr schnell warnen nach einem Erdbeben, weil wir sehr schnelle Informationen bekommen, auch über die Stärke und über das Ausmaß. Wir können auch vor Nachbeben warnen. Nachbeben sind immer einzukalkulieren bei Erdbeben von einer großen Stärke.“
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Fotos von Erdbeben-Messstationen in Kärnten
Viele Messstationen auch in Kärnten
60 Stationen umfasst das seismische Messnetz von GeoSphere Austria in ganz Österreich. Um möglichst weit von oberirdischen Störquellen entfernt zu sein, gibt es auch in Kärnten mehrere, mit Seismometern ausgestattete, unterirdische Messpunkte, sogenannte Breitbandstationen. Sie können auch geringste Erschütterungen im Erdreich erfassen, zum Beispiel in der Kölnbreinsperre, in Terra Mystica in Bad Bleiberg, in den Obir Tropfsteinhöhlen oder auf der Soboth. Im Fall eines Erdbebens werden aus den mit ihnen gesammelten Daten auch die Magnitude und das Epizentrum bestimmt.
Sogenannte „Strong Motion Sensoren“ liefern Daten über die Auswirkungen von Erschütterungen auf Gebäude und Infrastrukturen in Städten. Solche Messpunkte gibt es in Kötschach-Mauthen, Villach, in Gurk, Klagenfurt und beim Stausee auf der Soboth.
Katastrophenpläne und grenzübergreifende Kooperation
Enger Austausch besteht auch mit Forschungseinrichtungen in den Nachbarländern. „Im Rahmen von grenzüberschreitenden Projekten wurden Katastrophenpläne zurechtgelegt für den Fall einer Erdbebenkatastrophe. Es funktioniert sehr gut in dieser Region, dass die Institute grenzüberschreitend zusammenarbeiten. Man tauscht sich aus, man informiert und berät sich gegenseitig und man ist sich bewusst, dass die Erdbebengefahr in dieser Region, in Friaul und Kärnten, wirklich besonders hoch ist“, sagt Seismologin Rita Meurers von GeoSphere Austria.
09.03.2026, red., kaernten.ORF.at