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WiniVision

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#1
Hi Leute!

Ich hätte eine ganz große Bitte!!!
Hat wer Lubis oder Karten wo die Flakstellungen zum Schutz von Moosbierbaum eingezeichnet sind, vor allem der Bereich Zwentendorf, Michelhausen Gollarn, Judenau-Baumgarten, Langenrohr, Tulln.
Komme leider nicht wirklich weiter :confused: , man hört immer wieder das da was war, aber leider nur im Übertragenen Sinn, da Augenzeugen ziemlich rar geworden sind.
Bitte - Danke :danke
 
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josef

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#2
Flak Großraum Moosbierbaum

Hallo Wini!

Leider kenne ich die genauen Standorte auch nicht, da durch Verbauung und besonders durch Grundstückskommassierungen die meisten (alle ?) Hinweise auf die Stellungen verschwunden sind. Habe diesbezüglich auch mit Herrn Richter von der Donau-Chemie schon gesprochen, der mir dies bestätigte! Im speziellen zum Schusterberg teilte er mir mit, dass die ehemalige Stellung nicht mit dem Gedenkkreuz für die dort gefallenen 43 Flakhelfer (Wiener Schüler) ident sei. Die Stellung lag nördlich des Kreuzes und bei der Kommassierung vor ca. 15 Jahren wurden alle restlichen Spuren beseitigt! Die Schüler wurden übrigens im Erdkampf wegen eines sinnlosen Durchhaltebefehles gegen eine Übermacht von Sowjetsoldaten von diesen in der Stellung niedergemetzelt, die Vorgesetzten und restlichen Verteidigungskräfte hatten sich zeitgerecht zurückgezogen...

Anbei eine Übersichtskarte der schweren Flak-Batterien - Stand Herbst 1944.
Quelle ist Heft 14 der MHS v. G.Holzmann "Der Einsatz der Flak-Batterien im Wiener Raum 40 - 45" aus 1970 (Gleiche Karte findet man auch bei L.Banny "Dröhnender Himmel - brennendes Land", R.Richter "Das werden der Donau-Chemie" und dem "Moosbierbaumer Heimatblattl")
 

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WiniVision

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#3
:danke Vielen Dank für die rasche Antwort, hat einige Rätsel gelöst aber auch wieder einige Fragen aufgeworfen. :gruebel
 
#4
Hallo!
Habe beim durchsehen von alten Fotos noch 2 von Flaks in Moosbierbaum gefunden.(Dachte diese wären verlorengegangen) Habe diese von meiner Mutter geerbt.Diese wohnte in der ehemaligen,Kolonie genannten Siedlung direkt im Werk.Diese Flak stand angeblich ziemlich in der nähe der "Kolonie".
Vielleicht gibt es doch noch mehr Fotos von den Kanonen,oder auch eventuell von dieser Kolonie.Und gab es eventuell Ausweichstellungen von geschützen.Fand eine ziemlich grosse Stellung in der nähe von Grub bei Würmla.Werde mal Fotos machen,wenns das Wetter zulässt.
lg
 

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josef

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#5
Flak Moosbierbaum

Die Fotos dürften von einem 3,7 cm Flak Geschütz stammen. Solche, vom Kaliber her als "mittlere Flak" bezeichneten Kanonen dienten (wie die 2 cm "leichte Flak) der Tieffliegerabwehr und standen deshalb in der Nähe der zu schützenden Objekte. Sie konnten wegen der geringen Reichweite nichts gegen die hochfliegenden Bomberverbände ausrichten!

Die "schweren Flakbatterien" waren in größerer Entfernung um die Werksanlagen (Nordwerk Pischelsdorf, Südwerk Moosbierbaum) in Stellung.
Siehe nachstehnde Karte, Stand Herbst 1944, gleichbleibend bis Kriegsende:

Quelle: G.Holzmann; Der Einsatz der Flak-Batterien im Wiener Raum 1940-45; Heft 14 der MH-Schriftenreihe
 

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#7
Noch einige Ergänzungen zu den Fotos!
Im Herbst 1943 wurde in Moosbierbaum, zum Schutz der dortigen Werke, die mittlere Heimatflakbatterie (Hei 16/XVII) mit dem sowjetischen 3,7 cm Geschütz -3,7 cm M 39 (r) - aufgestellt.
Die so genannte "Heimatflak" bestand aus einem kleinen Teil von Soldaten, welche im Alarmfall durch "Flakwehrmänner" (Milizionäre), rekrutiert aus der Belegschaft der zu schützenden Werke, verstärkt wurden. (Die Bilder dürften den militärische Stammpersonal der Batterie zeigen). Später kamen dann auch noch "Luftwaffenhelfer" (fälschlich auch als Flakhelfer bezeichnet) hinzu.

Unmittelbar nach erfolgter Aufstellung der Hei 16/XVII wurde vom Luftgaukommando der Auftrag zur Aufstellung einer weiteren Batterie (Hei 25/XVII), ebenfalls mit dem Geschütz 3,7 cm M 39 (r), erteilt. Zur Jahreswende 1943/44 gab es in Moosbierbaum dann bereits zwei mittlere Batterien mit 8 mittleren Flakzügen mit zusammen 24 Rohren vom Kaliber 3,7 cm im Einsatz.
Soll einer mittleren Batterie: 5 Züge
Soll eines Zuges: 3 Geschütze

Die Existenz der Hei 25/XVII ist nur für das 1 Quartal 1944 gesichert, denn die Batterie wurde zum Zwecke der Personaleinsparung wieder aufgelöst und ihre Flakzüge an die Hei 16/XVII angehängt bzw. eingegliedert.

Die Hei 16/XVII blieb dann bis März 1945 bestehen.
Im Zeitraum März bis Ende Juli 44 gab es in Moosbierbaum an leichter bzw. mittlerer Flak eine mittlere Batterie mit fünf Flakzügen und dazu noch weitere zwei Flakzüge (insgesamt 7 Züge).
Ab Sommer 44 ging die Zahl der Geschütze, wegen fehlenden Personals und wegen des als gering eingeschätzten Angriffsrisikos durch Tiefflieger, laufen zurück.
 

josef

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#8
@Renato für die informativen Ergänzungen!

Ist etwas über einen Flakschutz der "Munitionssichtungstelle Trasdorf" bzw. "V2-Heimatlager "Isabella", ein paar km westlich der ex Raffinerie Moosbierbaum, heute Bereich Umspannwerk Dürnrohr, bekannt?

lg
josef
 
#9
Trasdorf hatte sicher keinen eigenen Flakschutz, war aber auch nicht nötig, da die Anlage direkt neben dem Schutzobjekt Moosbierbaum lag und somit durch die Flak-Untergruppen Moosbierbaum und Stetteldorf abgedeckt war. Mit 21.6.44 wurde für Moosbierbaum ein Flakschutz von 100 schweren Rohren angeordnet. Aber da waren die V-2 Komponenten schon weg.
 

josef

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#10
Trasdorf hatte sicher keinen eigenen Flakschutz, war aber auch nicht nötig, da die Anlage direkt neben dem Schutzobjekt Moosbierbaum lag und somit durch die Flak-Untergruppen Moosbierbaum und Stetteldorf abgedeckt war. Mit 21.6.44 wurde für Moosbierbaum ein Flakschutz von 100 schweren Rohren angeordnet. Aber da waren die V-2 Komponenten schon weg.
Danke, hatte mich zuwenig exakt ausgedrückt, ist mir klar, dass die Gegend durch die "schweren Batterien" der beiden Untergruppen abgedeckt war! Ich meinte "mittlere bzw. leichte Batterien" der Heimatflak zur Tieffliegerabwehr.
Mit 21.06.44...waren die V-2 Komponenten schon weg
Der damalige stellvertretende Dienststellenleiter von "Isabella", Siegfried Selle (späterer Vzlt. beim HMatA Wien, +1997), schrieb in seinen Aufzeichnungen: Am Morgen des 5. Februar 1945 verließ der letzte mit V2 beladene Zug das Lager.Gibt es darüber noch irgendwelche Unterlagen? In diesen nach dem Krieg von Selle niedergeschriebenen Berichten gibt es einige Ungereimtheiten...

lg
josef
 
#12
Hallo Josef,

ich kannte Seele persönlich gut, habe auch seine Chronik. Ohne Zeitzeugen grundsätzlich in Frage stellen zu wollen, glaube ich das der A-4 Komplex in Ostösterreich zusammen mit den Plänen der Raxwerke-Fertigung zu sehen ist.
Nach deren Aufgabe, als Folge der den alliierten Angriffen auf Wiener Neustadt (WNF) erfolgte auch die Umlagerung (siehe Bornemann). Substanzieles Material werden sie aus Trasdorf sicher vor dem Einsetzen der Öloffensive (Mitte Juni 44) abgefahren haben. Es kann schon möglich sein, dass noch "Schrottteile", was bei den unzähligen Modifikationsanweisungen kein Wunder wäre, noch länger hier lagerten.
Außerdem spielt einem die Erinnerung nach Jahrzehnten, wenns um Tag und Monat geht, oft einen Streich, was mann aber nicht gerne zugibt!
LG
Renato
 

josef

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#13
Isabella

Hallo Renato,
schließe mich deiner Meinung - Abfuhr vor bzw. spätestens zu Beginn der Öloffensive an, würde ja gegen jede Vernunft sprechen, so sensibles Material wie das A4 2 - 3 km Luftlinie entfernt eines Primärzieles zu lagern! Meine Zweifel auch zur Passage nach dem Räumungsbefehl im Dezember1944:
Mit Beginn des Jahres 1945 rollten somit Tag und Nacht pausenlos V2-Züge aus dem Lager.
Vorher schrieb er von "45 Lagerhütten" für V2...muss direkt einmal die auf den Lubi erkennbaren "Fischgräten-Hütten" nachzählen.

lg
josef
 

josef

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#14
Flakbatterie Schusterberg

Habe gestern zufällig etwas über die Tullner Gegend gefunden,auf der Suche nach einer Flakstellung Bei Raasdorf,könnte hier her passen?
http://www.tullnerfeld.info/alte_dorfblaetter/Ausgabe18/Seite15.htm
LG Harry
Danke Harry für den Hinweis bzw. Erinnerung, kenne die Berichte. Füge sie nachstehend ein, kann sein, dass die URL mal aus dem Netz verschwinden...

Quelle: Moosbierbaumer Dorfblatt'l. Unabhängige Moosbierbaumer Dorfzeitung;
• Ausgabe 17 und 18 - 2004; 19 und 20 - 2005, von Vzlt. Josef Goldberger


Die Russen kommen
Zwei Tage nach den Sprengungen im Trasdorfer Lager, am Abend des 9. April 1945, drangen die Russen in Atzenbrugg ein. Am 13. April verlief die Front schon auf Höhe Traismauer - Kapelln - Böheimkirchen. Die Flakstellungen auf dem Schusterberg konnten noch bis zum 13. April gehalten werden, dann ging die Munition aus und sie wurden bei hohem Blutzoll gestürmt. Unter den Gefallenen befanden sich unter anderem 43 erst 16 - 17-jährige Schüler, die erst kurz zuvor eingezogen und in aller Eile zu Flakhelfern ausgebildet wurden.*
Als die Russen Heiligeneich einnahmen, erschossen sie im Extrazimmer des Gasthauses Ring (dem heutigen Gasthaus Haidegger-Waldner) den Fleischhauer Anton Haidegger (den Großvater von Alfred Haidegger und Waltraud Waldner), und dessen Gehilfen, einen französischen Kriegsgefangenen namens Pierre nach einem Streit, bei dem Herr Haidegger einem Russen eine Ohrfeige verpasste. Ein Hilfsarbeiter wurde durch einen Schuss verletzt und erlag dieser Verwundung nach einigen Tagen. Im Ort wurde noch ein deutscher Soldat aufgestöbert und erschossen.
(Nach Aufzeichnungen von Oberst Girschik).
In Trasdorf wurde der Greißler Franz Reisner während der Besatzung eines Abends von den Russen erschossen.
Dazu liegen verschiedene Aussagen vor. Entweder kam er mit den Russen im Keller in der Bindergasse in Streit und wurde an Ort und Stelle erschossen oder er wurde aus dem Keller geholt und anschließend im Feuerwehrhaus getötet.
Damit endet der erste Teil unserer Serie. Für ihre überaus wertvolle Mitarbeit möchte ich mich ganz besonders bedanken bei den Frauen Anna Otzlberger, Margarete Selle und Herta Trünkel und bei den Herren Anton Otzlberger, Josef Fitz, Richard Heinz, Josef Lust und Alois Stiegler.
*Unsere Serie wird in den nächsten Heften mit der Aufzeichnung der dramatischen Ereignisse beim Endkampf am Schusterberg fortgesetzt.

Die Flakstellung am Schusterberg
Folge 1

Vorwort
Die unscheinbare Anhöhe in den Ausläufern des Alpenvorlandes zwischen dem südlichen Rand des Tullnerfeldes und dem Perschlingtal ist heute wieder von fruchtbaren Feldern überzogen, die von den fleißigen Bauern der Umgebung bestellt werden. Heute liegt dieser Höhenrücken friedlich da und kaum jemand würde glauben, dass gerade auf diesem "Berg" in jenen Tagen, Anfang 1945, so unsagbares Leid über viele junge Menschen kam.
Während meiner Recherchen für die Abhandlung zum Lager Isabella in Trasdorf wurde ich von verschiedenen Zeitzeugen immer wieder auf die Geschehnisse rund um den Schusterberg nördlich von Weinzierl und Ebersdorf während des Zweiten Weltkrieges aufmerksam gemacht. Also begann ich, den Zeitraum Anfang April 1945 näher zu untersuchen.
Einige Bücher waren bald gefunden und die Suche nach den "Helden" jener Tage konnte beginnen. Schon zu Beginn musste ich aber erkennen, dass ich die Geschichte des Schusterberges nicht ohne Hintergrundwissen erzählen kann.

Die Lage
Bis Mitte 1943 galten im Führerhauptquartier die Donau- und Alpenreichsgaue und die Protektorate Böhmen und Mähren als der
„Reichsluftschutzkeller".
Es lagen diese Gebiete zwar in der Reichweite der alliierten Bomberflotten, doch konnte man damals solchen Verbänden keinen Jagdschutz bieten. Die alliierten Jagdflieger hatten diese Reichweiten nicht und deshalb wären die Verluste bei den Bombern mangels Begleitschutz zu hoch gewesen. Die Reichsführung nützte diese Tatsache schon im Herbst 1942 und setzte die Sollstärken der Luftverteidigung in der Ostmark erheblich herab, um 120.000 Mann für die Ostfront mobilisieren zu können. Die dortigen Verluste, die der Ostfront allgemein und Stalingrad im Besonderen, sind hinlänglich bekannt.
Die sodann geschwächte Luftverteidigung wurde Ende 1942 umorganisiert. Die leichten und mittleren Flakgeschütze um Wien, Wr. Neustadt und um Rüstungsbetriebe wurden nicht mit Luftwaffen-Personal, sondern mit Wehrmachtssoldaten besetzt.

Die zivilen Geschützhelfer
Schon um Mitte September 1942 entstanden die Heimat-Flak-Batterien. Auch dafür hatte man keine Luftwaffenmänner mehr. Die Geschütze wurden von "Flak-Wehrmännern" bedient, das waren Belegschaftsangehörige von nahe gelegenen Fabriken, die im Alarmfalle die Geschütze besetzten.
Auch bei den Flak-Stellungen um das Werk Moosbierbaum wurden aus der Bevölkerung Geschützgehilfen rekrutiert. Sie mussten, solange der Luftkampf tobte, bei den Geschützen Dienst machen.
Aus Heiligeneich beispielsweise wurden folgende Herren auf den Schusterberg geholt:
Karl Winkler, Fleischhauer und Landwirt
Anton Haidegger sen., Fleischhauer
Josef Nolz, Landwirt
Karl Raab, Kaufmann Johann Fichtinger, Kaufmann
Rudolf Serloth, Gastwirt und Kinobesitzer
Anton Indinger, Seilermeister
Stefan Wejda, Elektriker
Rudolf Kammerhofer, Tischler und Leichenbestatter
Herr Manner.
Aus Weinzierl wurden geholt:
Josef Kopp, Landwirt
Karl Pölzinger sen., Gastwirt;
Josef Figl, Landwirt.
Diese Auflistung ist sicherlich nicht vollständig.
Sowohl diese Zivilisten als auch die jungen Luftwaffenhelfer waren gemäß Kriegsvölkerrecht keine "Soldaten" und hätten keinesfalls an den Kampfhandlungen teilnehmen dürfen. Hitlers Schergen aber interessierte das natürlich herzlich wenig. Hätte einer der Beteiligten jemals auf diesen Umstand aufmerksam gemacht, er wäre ziemlich sicher im Konzentrationslager gelandet oder wäre an Ort und Stelle erschossen worden.

Die Luftwaffenhelfer
Zusätzlich wurden schon damals Schüler höherer Lehranstalten zu den Flak-Batterien eingezogen, wenn sie das 17. Lebensjahr erreicht hatten. Im Februar 1943 war es mit der Ruhe im "Reichsluftschutz-keller" vorbei. Am 13. dieses Monats griff die 15. US-Luftflotte (15. USAAF = United States Army Air Force) erstmals völlig überraschend die Messerschmitt-Werke und die Rax-Werke (Lokomotivfabrik) in Wr. Neustadt an. Gestartet war die US-Flotte mit 83 B-24 "Liberator" Bombern in Libyen, immerhin 1350 km von Wien entfernt. Der Angriff er folgte durch 61 Flieger, die anderen mussten frühzeitig wegen technischer Probleme umkehren. Die Luftabwehr auf österreichischem Gebiet hatte total versagt. Erst nach dem Angriff stürzten drei Maschinen infolge von Flaktreffern ab.
Meine Mutter hatte diesen Tag bestens in Erinnerung. Sie war damals Pflegerin in einem Pferdelazarett wenige Kilometer südlich von Wr. Neustadt. Man war die Ruhe gewöhnt und Mutter nahm gerade mit ein paar Freundinnen ein Sonnenbad auf einer Terrasse als das Brummen der Bomberflotte immer näher kam. Erst als die ersten Bomben auf die Stadt fielen, erkannte man, dass diese Flieger keine eigenen waren. Es war dies ein Angriff der Alliierten!
Die Stadt und die umliegenden Rüstungsbetriebe wurden schwer getroffen, aber das Pferdelazarett glücklicherweise nicht.
Trotzdem verlegte man dieses schon vor der Intensivierung der Luftangriffe weiter nach Westen in den Raum Enns.

Verstärkung kommt
Schnellstens wurde die Fliegerabwehr im Großraum Wien und Wr. Neustadt völlig umgruppiert und verstärkt. Bei den nächsten Angriffen erwartete die Amerikaner heftigste Gegenwehr und gemeinsam mit den Jagdfliegern fügte man den Angreifern erhebliche Verluste zu.
Anfang 1944 begann man auch um Moosbierbaum Flak-Einheiten zu stationieren. Die erste Fliegerabwehr bestand aus Ballonsperren und leichten und mittleren Flak-Batterien vom Kaliber 2 cm und 3,7 cm. Es war nicht schwer, sich in die Absichten der Alliierten hineinzudenken. Durch das intensive Bombardement von Industriezielen war leicht zu erkennen, dass man Moosbierbaums Werke schon bald angreifen würde. In Moosbierbaum wurden damals bis zu 20% der gesamten Reichsproduktion an Flugbenzin erzeugt. Die Ausschaltung dieser Produktion sollte die Luftwaffe lahm legen.
Laufend wurden aus allen Teilen des Reiches Flak-Kräfte zur Verstärkung in die Ostmark verlegt. Am 24. Mai 1944 trafen beispielsweise eine Nebelbatterie und eine Flak-Batterie aus Bordeaux, Frankreich, in Moosbierbaum ein.
Die Vernebelung des ganzen Landstriches war eine weitere Schutzmaßnahme gegen die Luftangriffe. Je nach Windrichtung wurde chemisch erzeugter Nebel aus Fässern freigesetzt, um den Angreifern die Sicht auf ihre Ziele zu nehmen. Dieses Zeug war einigermaßen schädlich, da in der nächsten Umgebung dieser Nebelfässer sämtliche Bäume eingingen.
Bis zum ersten Großangriff am 26. Juni 1944 wurde um Moosbierbaum ein Flak-Gürtel von 24 Geschützen eingerichtet. Diese Einheiten wurden aus Wien und aus Wr. Neustadt abgezogen und folgendermaßen aufgestellt:
12 Geschütze um Asparn
6 Geschütze um Bärndorf und
6 Geschütze um Michelhausen.

Folge 2


Die Verstärkung
Die Kanonen der Verstärkungseinheiten hatten alle Kaliber 8,8 cm und waren teilweise Beutegeschütze französischer und russischer Bauart. Diese hatten ursprünglich Kaliber 8,5 cm, wurden aber von den Deutschen auf 8,8 cm aufgebohrt, um die eigene Munition verschießen zu können. Die modifizierten Rohre hatten aber bei weitem nicht die Zuverlässigkeit der deutschen Rohre, es kam vermehrt zu „Rohrkrepierern“.

Tatsächlich konnte man beim ersten Angriff auf Moosbierbaum den Feinden schwere Verluste zufügen. Man konnte das Überraschungsmoment nützen, da den Alliierten die Umgruppierungen der Flak noch nicht bekannt waren. Wohl auch deshalb wählte die 15. USAAF eine verhältnismäßig geringe Flughöhe von unter 5.000 Metern, einzelne Rotten flogen gar nur in 2.600 Metern Höhe. Zwar können bei diesen Flughöhen die Bomben genauer abgeworfen werden, andererseits hat die Flak aber eine erheblich höhere Treffergenauigkeit.

Flak-Schutz Mitte 1944
Bis Mitte Juli 1944 wurden noch weitere Flak-Einheiten aus dem Südwesten und dem Norden Deutschlands, aber auch aus dem Raum Fischamend und Wr. Neustadt herangekarrt. Die bereits installierten Batterien wurden abermals umgruppiert. Der so errichtete Flak-Schutz für Moosbierbaums Werke umfasste somit nördlich der Donau 24 Rohre Kaliber 8,8 cm bei Frauendorf an der Au und 16 Rohre Kaliber 8,8 cm bei Neuaigen.
Südlich der Donau standen 18 Rohre 10,5 cm bei Oberbierbaum, 24 Rohre 8,8 cm bei Michelhausen, 16 Rohre 8,8 cm am Schusterberg, 18 Rohre 10,5 cm bei Asparn und 4 Rohre 12,8 cm Eisenbahn-Flak bei Judenau.
Das waren insgesamt 120 Flakrohre, die auf die Angreifer warteten.

Bei diesen Umgruppierungen und Übersiedlungsaktionen setzte man meist ältere, erfahrene Soldaten ein, um die neuen Stellungen möglichst effizient ausbauen zu können, aber schon bald danach wurden diese Männer teilweise durch Luftwaffenhelfer ersetzt, um die Erfahrenen für neue Aufgaben zur Verfügung zu haben.

Die Geschütze der Eisenbahn-Flak wurden vom Sommer 1944 fallweise auch in der Höhe von Heiligeneich abgefeuert. Eisenbahn-Flak bei Heiligeneich?? wird so mancher fragen. Ja! Man hatte einen Gleisstrang vom Stellwerk des Bahnhofes Moosbierbaum bis ans Südende von Heiligeneich verlegt. Dort sollte ein großes Umspannwerk gebaut werden, es wurde aber nie fertiggestellt. Baumaterial, Geräte, Transformatoren und dergleichen sollten über diesen Bahnanschluss transportiert werden. Die Überreste dieses Bauwerkes wurden erst beim Abbruch des alten Kindergartens 1995 abgerissen. Das waren die hohen, undefinierbaren Mauern direkt neben der heutigen St. Pöltner-Straße am Ortsende von Heiligeneich. Vom Stellwerk Moosbierbaum nach Süden erkennt man noch heute den damaligen Bahndamm. Die Anhöhe wurde mittels eines Durchstiches überwunden. Der wird heute noch als Feldweg verwendet. In weiterer Folge verlief das Gleis neben dem Friedhof und der heutigen Siedlung von Heiligeneich weiter nach Westen bis zur Baustelle des Umspannwerkes.

Wenn dieses Gleis nicht anders benötigt wurde, holte man die Eisenbahn-Flak von Judenau hierher und feuerte von Heiligeneich aus die 12,8 cm Geschütze ab. Die Lärmbelästigung dieser Monsterkanonen für die Bevölkerung war enorm, schossen doch gleichzeitig auch die 16 Geschütze Kaliber 8,8 cm auf dem Schusterberg. Zwei Tage, nachdem im Frühjahr 1945 diese Eisenbahn-Flak abgezogen wurde, erhielt genau diese Gleisanlage bei einem Angriff einige schwere Treffer.

Die Buben
Bis Juni 1944 hatte man schon ca. 56.000 „Flak-Pimpfe“ zu den Waffen gerufen. Diese Bezeichnung bekamen die Buben von den „alten Hasen“, die richtigerweise der Meinung waren, dass man mit Kindern keinen Krieg führen sollte. Trotzdem erwiesen sich die Jungen als perfekte Geschützführer und -bediener.
Egal, ob die Luftwaffenhelfer „Führer, Volk und Vaterland“ retten wollten oder ob es eine Art sportlicher Ehrgeiz war, die Flak-Buben erreichten eine Fertigkeit und Schnelligkeit beim Bedienen der Geschütze, dass den alten, eingefleischten Luftwaffenmännern Hören und Sehen verging. Viele von den Luftwaffenhelfern waren sehr wohl durch die Propagandamaschinerie des Joseph Goebbels, durch die Schulungen in der Hitlerjugend, durch die Schule und wohl auch teilweise durch die Erziehung im Elternhaus soweit manipuliert, dass sie den „frechen Eindringlingen“ eine Lehre erteilen wollten. Aber ein gar nicht so kleiner Teil war sich vollkommen bewusst, dass dieser Einsatz den Untergang nicht wird aufhalten können. Das geht aus den Briefen der Jungen an deren Familien eindeutig hervor.

Leopold BANNY schrieb in seinem Buch „DRÖHNENDER HIMMEL, BRENNENDES LAND“: „Ab Februar 1945 erschienen die amerikanischen Bomber fast täglich über dem Wiener Raum und steigerten die Luftangriffe zu einer alles demoralisierenden Intensität. Auch in den Flak-Stellungen erwartete man das baldige Ende des militärischen Ringens: Die Luftwaffenhelfer wurden bis auf eine geringe Zahl von Spezialisten im Februar und im März 1945 nach Hause entlassen, wo sie meist umgehend die Einberufung zum RAD, zum ReichsArbeitsDienst, erhielten.“

Der Schusterberg
Nicht so war es am Schusterberg! Während die anderen Flak-Geschütze mangels Luftangriffen nicht mehr benötigt wurden, hatten die Leute am Schusterberg das Pech, dass ihre Kanonen im Abwehrkampf gegen die heranrückenden Russen dringend gebraucht wurden. Die jungen Luftwaffenhelfer hielten am Schusterberg Stellung und bekamen den Befehl: „Bis zum letzten Mann und zur letzten Patrone auf dem Posten zu bleiben!“ (Originalzitat aus der Pfarrchronik).
Dass die Geschützstellungen von führenden Offizieren frühzeitig verlassen wurden wurde mir von verschiedenen Seiten unabhängig immer wieder berichtet.
Und wie sie gehalten haben! Als Ende März 1945 die Luftangriffe aufhörten und die Ostfront immer näher rückte, begann man, die Stellungen für den Erdkampf umzurüsten. Nachdem die herannahenden Russen am 9. April in Atzenbrugg einmarschierten versuchten sie ab dem 10. April immer wieder, die Stellungen am Schusterberg zu nehmen. Obwohl die Russen Panzer, Grenadiere und Infanterie (alle mit jahrelanger Fronterfahrung) einsetzten, wehrten sich die Flak-Besatzungen immer wieder erfolgreich. Als die Russen den Berg im Norden über Hütteldorf umgehen wollten wurden sie von einem 2 cm-Flak-Geschütz nordöstlich von Hütteldorf unter Beschuss genommen und zurückgeworfen. Egal, was die Angreifer auch versuchten, die „Buben“ hielten sie nicht nur tagelang in Schach, sondern fügten ihnen schwerste Verluste zu und schossen fast alle russischen Panzer der ersten Angriffswelle ab.

Folge 3

Das Ende
Das Ende sollte am 13. April kommen. Die Front verlief zu diesem Zeitpunkt schon auf Höhe St. Pölten – Herzogenburg – Traismauer. In den Stellungen am Schusterberg ging die Munition aus. Die Russen konnten den Berg im Süden umgehen (man erzählt von einem einheimischen Verräter, der den Russen geholfen haben soll) und schließlich wurden die Verteidigungsanlagen ohne nennenswerte Gegenwehr mit aufgepflanzten Bajonetten gestürmt. Die Russen machten keine Gefangenen. Alle noch in den Stellungen befindlichen Soldaten und Flak-Helfer mussten hier ihr Leben für eine verlorene Sache lassen.

Belege
Der Pfarrchronik, geführt von Pfarrer Griessler, entnehmen wir:
„Die Kampfhandlungen an diesem Tage forderten auch nicht wenige Menschenleben, bei Tautendorf (Schusterberg) liegen über 60 Tote deutscherseits begraben, in Hütteldorf gegen 30, Russen zerstreut in Gärten, mehrere in Heiligeneich auf Äckern und Feldern, ihre Zahl ist unbekannt.“

Hofrat Walter Miedler aus Königstetten war selbst als Luftwaffenhelfer in Ternitz, bei Wr. Neustadt und auf der Schmelz in Wien eingesetzt. Er schreibt in einem Brief:
„Der besagte 13. April 1945 war ein Freitag. Er brachte für die gesamte Besatzung der am Schusterberg hauptsächlich zum Schutze des Werkes Moosbierbaum stationiert gewesenen schweren Großbatterie 2. und 9./290 den ebenso sicheren wie auch qualvollen Tod. Ein großes Holzkreuz kündet weithin den Ort des grauenvollen Gemetzels während der allerletzten Kriegstage. Die am Kreuzessockel angebrachte Gedenktafel weist 43 in dieser Stellung gefallene Kameraden aus. Und aus den nur spärlich vorhandenen Berichten darüber erfährt man, dass 20 dieser Toten Luftwaffenhelfer waren.
Von der Tullner Mittelschule waren zeitweise 25 Jungen als LwHs in Katzelsdorf, auf der Schmelz und in Michelhausen/Streithofen eingesetzt. Ein gütiges Schicksal forderte von ihnen keinerlei Opfer.

Anders war es ihren aus anderen Schulen gekommenen Kameraden auf dem Schusterberg ergangen. Ihnen wurde zum Verhängnis, dass sich von ihrer Stellung aus ein weiter Einblick in das unter ihnen liegende Perschlingtal bot.
Im Erdkampf eingesetzt, hielten sie zusammen mit den Flak-Soldaten die vom Osten anrückenden russischen Truppen volle sechs Tage lang, vom 8. bis zum 13. April, an diesem Punkt auf. Wütend darüber, machten die Angreifer nach der am sechsten Tag gelungenen Umgehung der Stellung und deren anschließenden Ausschaltung keinerlei Gefangene. Es gab nur Tote.“

Angesichts dessen scheint die Schilderung von Hofrat Miedler am glaubwürdigsten, da er nach dem Krieg mit Hilfe des Kameradschaftsbundes diesen Geschichten ausführlich nachgegangen ist.

Auszug aus der Pfarrchronik:
8. April 1945, Weißer Sonntag. Nur ein Gottesdienst bei geschlossenen Toren, nur 20 Teilnehmer. Einquartierungen in den Kellern, im Orte wird es stille, leere Straßen, ständige Schießereien im Osten und Westen, vom Turm Rauchsäulen und Brand im Osten sichtbar. Sprengung auf dem Schusterberg.
9. April 1945: stets wachsende und näherkommende Schießereien, schier unerträglich gegen Abend, gegen 7 Uhr Russeneinmarsch von Moosbierbaum her, im Hause Ring 2 Mann erschossen, im Pfarrhaus Einfall von rückwärts durch Garten und Scheune. „Visitationen“ in allen Räumen, ein buntes Treiben bis Mitternacht.
10. April 1945: endloses Kommen und Gehen, Küche stets belagert, kochen, essen, Eier und Hühner bevorzugt, suchen und nehmen, Kirche gewaltsam geöffnet, „musiziert“ auf dem Chor, Instrumente arg mitgenommen, auch allerlei anderes Inventar beschädigt und entwendet. Letzte heilige Messe.
11. April 1945: Das „Programm“ des 10. wird fortgesetzt und wiederholt. Erschießungen und Selbstmorde, insgesamt 10 bzw. 6.
13. April 1945: Ausmarsch zur Offensive gegen die Westfront hart hinter Heiligeneich, vormittags schärfste Schießerei, alles in den Kellern, schwere Schäden an Kirche und Pfarrhaus, Stadl und Garten, auch im Orte, harte Kämpfe um den Schusterberg bei Tautendorf ca. 60, bei Hütteldorf ca. 30 Tote auf deutscher Seite, nachmittags Ruhe, Detonationen immer entfernter, schwere Tanks (Panzer) fahren gegen Hütteldorf.
14. April 1945: weniger Rüsten auch mehr Ruhe, doch „Visitation“ geht weiter
15. April 1945: endlose Trains gegen Trasdorf ...
Mein besonderer Dank gilt Herrn Richard Heinz, Heiligeneich, der Familie Gutscher, Weinzierl, Pfarrer Richard Jindra mit der Pfarrchronik, die mich bei der Recherche tatkräftig unterstützten.

Chronik Zwentendorf.
Damit endet der Bericht über die Ereignisse am Schusterberg. Sollte unter unseren Lesern noch jemand sein, der sich an damals erinnern kann, möge er sich bitte bei Herrn Josef Goldberger melden.
 
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H

Harald 41

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#15
:danke Josef Fürs hineinkopiere,habe es gestern schon gelesen ist interessant geschrieben wäre schade wen es wieder verschwindet.

LG Harry
 
#16
Flak Schusterberg

Die Russen konnten den Berg im Süden umgehen (man erzählt von einem einheimischen Verräter, der den Russen geholfen haben soll) und schließlich wurden die Verteidigungsanlagen ohne nennenswerte Gegenwehr mit aufgepflanzten Bajonetten gestürmt. Die Russen machten keine Gefangenen. Alle noch in den Stellungen befindlichen Soldaten und Flak-Helfer mussten hier ihr Leben für eine verlorene Sache lassen.
Ist sehr faszinierend was es doch noch für informationen gibt!!
Möchte hier selbst keine Hypothesen aufstellen,oder gerede wiedergeben.
Aber wie schon beschrieben,meine Mutter stammt aus der sogenannten Werkskolonie direkt im Werk Moosbierbaum,war angestellt in Atzenbrugg auf der Gemeinde.Grossvater war im Werk lokomotivführer,zuständig für den Verschub,wurde von der Gestapo verhaftet,weil er angeblich Fremdarbeiter zu gut behandelt hat,etc..
Und jedenfalls gab es eine Tante,die angeblich einer Widerstandszelle angehörte,(deswegen sie auch fast... wurde).Es wurde immer wieder viel erzählt,und ich hing damals schon immer an den lippen,und hörte ganz genau zu.Und da wurde immer wieder erwähnt das es in Hasendorf einen Sender gab,der die Amerikanischen Bomber auch eingewiesen hat.Und auch das V2 Lager nicht ganz unbekannt war.Und als ich jetzt las,das die Schusterberg Stellung möglicherweise durch verrat genommen wurde,mich entsinnen kann,das einmal darüber heftig diskutiert wurde.(Mein Onkel war nach dem Krieg Gendarm in Atzenbrugg,seine Frau,die Tante die der Widerstandszelle angehörte) Höre noch den Onkel wie er sagte,Wenn das rauskommt das du (die Tante) da beteiligt warst,fällt mir das auf den Kopf.
Ich konnte mit den gewissen erzählungen oft nie so recht was anfangen.Aber irgentwie fügt sich da einiges zusammen.
Aber wie gesagt,spinn mir da nichts zusammen,kenn die Geschichten aus erster Hand.Wüsst noch ein wenig mehr,aber will keine Namen nennen,oder mich auch hier nicht wichtig machen.
lg
 

josef

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#17
Lubi Flak-Dreifachbatterie Michelhausen 05.09.1944

Nachstehend ein Lubi der Flak-Dreifachbatterie südlich Michelhausen (in Richtung Streithofen).

Quellenhinweis:
- "National Collection of Aerial Photography"-GB
- G.Holzmann; Der Einsatz der Flak-Batterien im Wiener Raum 1940-45; Heft 14 der MH-Schriftenreihe
 

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josef

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#18
Flak-Doppelbatterie Schusterberg

Gestern begutachtete ich den Standort der ehemaligen Doppelbatterie "Schusterberg" (12 Stk. 8,8 cm Flak-Geschütze) zwischen Atzenbrugg-Heiligeneich im Tullnerfeld und Weinzierl im Perschlingtal. Von den Einrichtungen der Doppelbatterie gibt es überhaupt keine Reste mehr! Lt. Auskunft eines dort arbeitenden Weinhauers wurden sämtliche Fundamentreste bei der vor Jahren durchgeführten Grundstückskommassierung zur Gewinnung von geraden bzw. ebenen Ackerflächen in einstige Gräben geschoben und meterhoch mit Erde überdeckt. Der Informant konnte sich noch an verschiedene Betonobjekte (Kdo. - bzw. Messbunker, Fundamentreste von Mannschaftsbaracken in einer Senke usw.) erinnern.

Heute erinnert nur mehr das sogenannte "Schusterbergkreuz" an die zwischen 9. u. 13. April 1945 dort im Erdkampf gegen die Russen gefallenen 43 Flaksoldaten bzw. Flakhelfer. Mindestens 20 der Gefallenen waren Oberschüler aus Wien, die als Flakhelfer eingezogen wurden und durch sinnlose Durchhaltebefehle „verheizt“ wurden…
Dazu nochmals Auszug aus Beitrag #11:
Hofrat Walter Miedler aus Königstetten war selbst als Luftwaffenhelfer in Ternitz, bei Wr. Neustadt und auf der Schmelz in Wien eingesetzt. Er schreibt in einem Brief:
„Der besagte 13. April 1945 war ein Freitag. Er brachte für die gesamte Besatzung der am Schusterberg hauptsächlich zum Schutze des Werkes Moosbierbaum stationiert gewesenen schweren Großbatterie 2. und 9./290 den ebenso sicheren wie auch qualvollen Tod. Ein großes Holzkreuz kündet weithin den Ort des grauenvollen Gemetzels während der allerletzten Kriegstage. Die am Kreuzessockel angebrachte Gedenktafel weist 43 in dieser Stellung gefallene Kameraden aus. Und aus den nur spärlich vorhandenen Berichten darüber erfährt man, dass 20 dieser Toten Luftwaffenhelfer waren.

Von der Tullner Mittelschule waren zeitweise 25 Jungen als LwH in Katzelsdorf, auf der Schmelz und in Michelhausen/Streithofen eingesetzt. Ein gütiges Schicksal forderte von ihnen keinerlei Opfer.

Anders war es ihren aus anderen Schulen gekommenen Kameraden auf dem Schusterberg ergangen. Ihnen wurde zum Verhängnis, dass sich von ihrer Stellung aus ein weiter Einblick in das unter ihnen liegende Perschlingtal bot.
Im Erdkampf eingesetzt, hielten sie zusammen mit den Flak-Soldaten die vom Osten anrückenden russischen Truppen volle sechs Tage lang, vom 8. bis zum 13. April, an diesem Punkt auf. Wütend darüber, machten die Angreifer nach der am sechsten Tag gelungenen Umgehung der Stellung und deren anschließenden Ausschaltung keinerlei Gefangene. Es gab nur Tote.“
1.-3. Das Schusterbergkreuz mit der Gedenktafel. Das Kreuz wurde etwas abseits der damaligen Geschützstellungen an der Hangkante zum Perschlingtal errichtet.
4. Blick von der Straße Trasdorf – Hütteldorf nach Süden. Die Felder steigen leicht zur Hochfläche des Schusterberges an. Die Flak-Stellung befand sich im Bereich zwischen den Leitungsmasten. Hinter den noch erkennbaren Bäumen befindet sich der steilere Abfall ins Perschlingtal.
5. Vom Kreuz Richtung W und SW. Links das Perschlingtal Richtung Kapelln (Bez. St.Pölten). Rechts Richtung Aufnahmepunkt voriges Foto.
6. Der Schatten des Kreuzes weist über die kommassierten Ackerflächen des Schusterberges nach NO zu den damaligen Flak-Schutzobjekten in Moosbierbaum und Pischelsdorf. Heute Kraftwerk (ehemals Südwerk) und rechts davon das DC-Werk an der Donau (damals Nordwerk). Die Geschützstellungen befanden sich lt. Auskunft des Informanten auf der Ackerfläche Richtung Strommasten und weiter...
 

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#19
Schusterberg

:bravo: Danke Josef für die Bilder! Erhalten sind jedoch noch sehr viele Weinkeller die Strasse hinauf zum Schusterberg die damals als Verstecke gedient haben.
 

josef

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#20
...Erhalten sind jedoch noch sehr viele Weinkeller die Strasse hinauf zum Schusterberg die damals als Verstecke gedient haben.
Die vielen Keller und Lösshöhlen in den Gräben der Gegend wurden von der Zivilbevölkerung bei Luftgefahr aufgesucht. Lt. meiner Auskunftsperson kam z.B. die Bevölkerung von Rust im Tullnerfeld während der Kämpfe im April 45 bis in die Keller von Weinzierl ins einige Kilometer entfernte Perschlingtal um Schutz zu suchen!

Die im Munitionssichtungslager und Nebenzeugamt Trasdorf (Isabella) eingesetzten Gefangenen, wurden bei Luftalarm, wie schon an anderer Stelle berichtet, in die Lösshöhlen des Scheuergrabens gebracht...

Als Beispiel einer der vielen Kellerlöcher im Perschlingtal und die Reste der Lösshöhlen im Scheuergraben:
 

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