Günter Nagel - Wissenschaft für den Krieg

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#1
Neues militärgeschichtliches Buch über die Heeresversuchsstelle Kummersdorf

KUMMERSDORF-GUT - Noch immer gibt es viele weiße Flecken in der Geschichtsforschung zur ehemaligen Heeresversuchsstelle Kummersdorf. Wer waren die Wissenschaftler, die in der Abgeschiedenheit der märkischen Heide streng geheime Projekte betrieben? Welche Experimente wurden durchgeführt? Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung „Versuchsstelle N“? Wie waren die Labors von Industrieunternehmen, wie die Hochschulen und staatlichen Forschungsstätten in die militärische Grundlagenforschung verstrickt?

Auf einen Teil dieser Fragen hat Günter Nagel in jahrelanger Recherche Antworten gefunden. Der Potsdamer Autor militärgeschichtlicher Bücher und Beiträge veröffentlichte jetzt im Franz-Steiner-Verlag ein neues Buch mit dem Titel „Wissenschaft für den Krieg – Die geheimen Arbeiten der Abteilung Forschung des Heereswaffenamtes“.

Ausführlich stellt Günter Nagel auf knapp 700 Seiten (einschließlich Anhang) Aufgaben, Gliederung, personelle Besetzung und Arbeitsweisen der Heeresforscher vor. Eine Person beleuchtet er besonders: Professor Erich Schumann. Er leitete die Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes, die Abteilung Wissenschaft im Oberkommando der Wehrmacht und das II. Physikalische Institut der Universität Berlin, eine Tarneinrichtung des Heeres.

Trotz wissenschaftlicher Akribie ist das Buch lesbar – nicht nur für Experten, sondern auch für die Menschen, die in der Nähe der früheren Heeresversuchsstelle wohnen und mehr über die Vergangenheit ihrer Heimat erfahren möchten.

Franz-Steiner-Verlag, ISBN 978-3-515-10173- 8,

http://www.maerkischeallgemeine.de/...sversuchsstelle-Kummersdorf-Wissenschaft.html


Leider teuer: 98.- € :(
 
M

Mastercloser

Guest
#2
Das Buch ist wirklich gut, aber nur Spezialisten zu empfehlen, da es tatsächlich mehr oder weniger um Kummersdorf und zugehörige Personen mit Focus auf Schumann geht.

Ich habe es jetzt zum ersten mal durch, wenigstens ein zweites mal ist dringend notwendig, um die Fülle an Informationen zu begreifen.
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#3
Das Buch ist hervorragend, und die Detailfülle unglaublich.

Ich kenne ja eine Menge der Original-Dokumente, und es ringt mir Hochachtung ab, wie Nagel den Bogen zu spannen versteht, und aus einzelnen Schnipseln eine ganze Geschichte zu erzählen vermag...

... bis auf seine Ausführungen zum A-Bomben-Test in Ohrdruf, die im Buch wieder bekräftigt werden, wenn auch in leicht abgeschwächter Form. Das nehme ich ich ihm immer noch nicht ab.
 
#4
Habe mir das Buch eben bestellt, bin gespannt auf einige Details da ich durch Zufall im November 2012 ein Treffen mit einem Zeitzeugen hatte der nach 45 als Jugendlicher Anlagen auf der HVS demontieren mußte. Er berichtete z.B., er sei mit dem Sohn eines gewissen Trommstorff befreundet gewesen und wußte auch etwas über dessen Verbleib nach dem Krieg. Der Zeitzeuge hat während der gesamten Kriegszeit in unmittelbarer Nähe zur HVS gewohnt, zuerst in Gottow und später in der Beamtensiedlung und er wohnt heute noch in der näheren Umgebung. Er berichtete unglaubliche Details die ich nach und nach überprüfen möchte, er ist etwas scheu aber ich konnte ihn für einen weiteren Interview- und Lokaltermin auf der HVS gewinnen, ich hoffe das klappt im März oder April 2013. Das Buch könnte ein wesentlicher Schlüssel sein.
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#6
Nagel-Buch, S. 557:
Trommsdorff, Wolf, Dr. 09.09.1904 - ?, Diss. Uni Göttingen 1935, ab 1935 WaF I c

1940: Patent für Stielhandgranate, wahrscheinlich noch weiteres Geheimpatent.
Nach 1945: Patente für Staustrahltriebwerk, Diffusoren und Feststoffraketen sowie div. Fachartikel in zahlreichen wehrwissenschaftlichen Zeitschriften
 
#7
Habe das Buch vorgestern bekommen und bin vollständig begeistert, vielen Dank für den Tipp. Habe sofort das Kapitel über Trommsdorff gelesen und fand deutliche Hinweise, dass mein Zeitzeuge sich richtig erinnert, Trommsdorff soll sogar mehrere Kinder gehabt haben. Mein Zeitzeuge erwähnte, dass T. nach dem Krieg für die Russen arbeiten durfte(?), er hätte aber einen reichhaltigen Fundus an Unterlagen (irgendwo eingemauert) vermutlich als Faustpfand zurückgehalten dessen er sich dann bediente. Schade das die Übersichtskarte der vers.Gottow im Anhang so winzig kleine, kaum lesbare Nummern zeigt aber Nagel gibt ja die Quelle an, ich werde versuchen die Karte in besserer Auflösung zu bekommen.

Eine Frage die mich seit 2008 beschäftigte hat sich mit Nagels Arbeit auch geklärt, die Lösung lag ebenfalls in einer Karte im Anhang. Das Buch von Anfang bis Ende lesen wird mir schwerfallen, dafür sind einzelne Kapitel zu Themen die ich selber schon vor Ort sah, echt spannend zu lesen. Ich hatte schon vor paar Jahren Nagels Buch "Atomversuche in Deutschland" gekauft und fand den Inhalt sehr aufschlußreich und reichhaltig, wenn auch die Daten weit verstreut im Text versteckt waren. Mit seinem neuesten Werk zeigt Nagel, dass er sehr viel mehr publizistische Erfahrung gesammelt hat, nach meiner Meinung eine deutliche Steigerung. Man merkt auch, dass Nagel jemand ist der sich für das was er da schreibt und berichtet selbst flammend interessiert und mit Begeisterung bei der Sache ist.

Bislang war über den Herrn Trommsdorff im Netz nicht wirklich viel zu finden, keinen genauen Vornamen und auch kein Geburtsdatum, Nagel hat da wirklich viel zusammengetragen - und von der Versuchsstelle-N hatte ich bislang noch nie gehört ich habe aber 2 Luftbilder wo ich sie nun entsprechend der beschriebenen Lage finden konnte. Der Carls hat phantastische Luftbilder der HVS, aufgenommen mit den besten Optiken, denn die Alliierten verwendeten genausoviel Energie in die Aufklärung der Urananlage wie auf die Zerstörung der Auerwerke in Oranienburg. Im Zusammenhang mit Aufklärungsflügen des bis dahin nicht bekannten Standortes der Uranmaschine wurden 1944 - April 45 sehr gut aufgelöste Luftbilder bis in die weitere Umgebung angefertigt.
 
#9
Nagel macht ja auf Seite 694 in der Karte den Eintrag "wahrscheinlicher Standort Versuchsstelle N". Hätte er es konkret gewußt dann hätte er es auch konkret benennen können, aber wie so vieles auf der HVS ist es schwierig die Funde genau zuordnen zu können. Du warst sicher schon vor Ort und weißt wo das ist (ungafähr da wo sich die Senke mit dem Tümpel befindet - s/ö großer Geschoßfangkorb).

Ich finde es garnicht so schlecht, dass es nicht ganz klar ist, so habe ich für den nächsten Besuch schon wieder einen Anlaufpunkt :).

Eulengebirge
 
M

Mastercloser

Guest
#10
Du warst sicher schon vor Ort und weißt wo das ist (ungafähr da wo sich die Senke mit dem Tümpel befindet - s/ö großer Geschoßfangkorb).
Genau, das ist die eine Stelle. Die Reste der Geschützstellungen sind übrigens auch noch da. Und ein Stück weiter, aber nicht viel, war die VS Na.
Wo da die N-Stoff Erforschung gewesen sein soll, würde mich schon interessieren.
Die andere Stelle an der Vers Ost ist da schon eher möglich, da ist noch einiges an Beton im Wald (durchaus interessantes, soweit bekannt). Aber natürlich auch Spekulation.

Wann bist du denn mal wieder in der Gegend?
 
#11
Hallo Mastercloser,

ich hoffe, dass es im März klappt in der Gegend zu sein, habe einiges vor. Wir können uns gern mal treffen, melde mich bei dir per PN wenn ich einen genauen Termin weiß - habe aktuell meinen Dienstplan noch nicht.

Gruß,
Eulengebirge
 
M

Mastercloser

Guest
#13
so ich hab mir jetzt die Stelle rund um die beiden Geschossfangkörbe nochmal genau angesehen. Auf der einen Seite ist junger Wald ohne Fundamentreste, da war bei den Russen eine Feldbäckerei.
Auf der anderen Seite sind Fundament- und Mauerreste, da war die Prüfstelle für die Seegeschütze. Ich hab immer noch keine Ahnung, wo da evt. die Stelle für den N-Stoff gewesen sein soll.
 
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