Gartenau/St. Leonhard - UTA, die zu einem OKH werden sollte

josef

Administrator
Mitarbeiter
#6
Tiefliegende Stollen sind geflutet, die höher liegenden Stollen durch Tagbaubetrieb großteils zerstört, Förder- (Transport-)Stollen vom Tagbaubetrieb zum xxx in Betrieb.

Das Projekt sah den Ausbau von 5 auf verschiedenen Horizonten (je 20 m Höhenabstand) liegenden, bereits vorhandenen Längsstollen auf ca. 300 m vor, von denen aus insgesamt 33 kavernenartige Querstollen ( ca. 10 m Sohlenbreite, 50 m Länge) ausgebrochen werden sollten.

lg
josef
 
H

hebbel

Guest
#10
Mal ergänzend als Zeitleiste, was ein US-Major 1999 untersucht hatte. Es war ja nicht alles Mythos:

- 1940: Die Schweizer beginnen mit dem Bau von Verteidigungsanlagen. Nach zwei Jahren haben sie drei maßgebliche "Forts" als Basis des Verteidigungssystems fertiggestellt. OSS Bern hatte Informationen über diese Anstrengungen.
- Anfang 1943: Das US-War-Department beginnt eine Studie über deutsche Kampftechniken in Gebirgsregionen. Mit diesen Erkenntnissen wollten sie die Deutschen in Italien schlagen.
- Anfang 1944: Die Amerikaner gelangen in den Besitz von deutschen Unterlagen über Gebirgskampftechniken. Ihnen wird klar, daß diese nicht nur im Apennin, sondern auch in den östereichischen und deutschen Alpen Anwendung finden könnten.
- Anfang Juli 1944: Das OKW zeigt Interesse in der Verteidigung der Alpen. Hintergrund: Falls die Alliierten die Gotenlinie durchbrechen sollten, bekommen die alten österreichischen Stellungen aus dem WK I Bedeutung.
- September 1944: Das OKW schickt eine 39-köpfige Ingenieurtruppe unter der Leitung von Generalmajor August Marcinkiewicz nach Innsbruck. Aufgabe war zunächst, Verteidigungspositionen an der Grenze zu Liechtenstein und der Schweiz, später dann weiter in südlicher Richtung zu erkunden. Entlang der österreichisch-italienischen Grenze sollten bestehende und neue Verteidigungspositionen eingebunden werden. Es ging zunächst nur um die Erkundung solcher Positionen, die dann einer genaueren Untersuchung unterzogen werden sollten. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Anweisungen für den Ausbau von Verteidungsstellungen und sonstiger Infrastruktur. Im Januar 1945 wurden die Erkundungen durch die Witterung unterbrochen und im März 1945 fortgesetzt.
- 22. September 1944: OSS Bern schickt einen Top-Secret Report an das US Department of State. Der Report spekuliert, daß die Deutschen ähnliche Anstrengungen wie die Schweizer unternehmen könnten. Verschiedene Anzeichen würden dies bestätigen. Könnten die Deutschen diese Verteidigungsstellungen besetzen, würde der Krieg unter entsprechenden Verlusten 6 Monate länger dauern. Das schweizerische Vorbild "Reduit" übersetzen die Amerikaner mit "Redoubt".
- Zeitpunkt unbestimmt: Der SD, an Nachrichten aus der neutralen Schweiz interessiert, etabliert eine Dienstelle in Bregenz.
- September 1944: SD Bregenz fängt den OSS-Report ab.
- September 1944: Gauleiter Franz HOFER erhält eine Kopie des Reports. Er ist von der Idee eines solchen Verteidigungssystems fasziniert.
- Früher November 1944: HOFER schickt eine Kopie des Reports an BORMANN. Zudem regt er eine sofortige Führervorlage an, damit umgehend mit den Arbeiten begonnen werden kann. Er ist bereit, persönlich bei HITLER vorstellig zu werden. Er verwendet den Begriff "Alpenfestung". Das OKW ist mit den abschließenden Vorbereitungen zur Ardennenoffensive beschäftigt. HOFERs "Führervorlage" erreicht HITLER nicht.
- November 1944: US-Zeitungen bringen erste Berichte über massive deutsche Verteidigungsanlagen in den Alpen.
- Früher Dezember 1944: GOEBBELS beginnt seinen Propagandafeldzug und lädt die deutschen Medienvertreter zu einem Meeting ein. Meldungen über die "Alpenfestung" dürfen nur in deutschen Medien erscheinen, wenn Medien neutraler Staaten darüber berichten. Die Journalisten fallen auch darauf hinein, daß die "Alpenfestung" existieren würde.
- Dezember 1944: Das US-War-Department, das Hauptquartier, SHAEF und die Medien sprechen vom "National redoubt".
- Januar 1945: GOEBBELS fabriziert Stories über die "Alpenfestung". Inhalt: Uneinnehmbare Verteidigungspositionen, große unterirdische, bombensichere Installationen und SS-Eliteeinheiten, die diese besetzen. U.a. SD Bregenz lanciert diese "Meldungen".

Bis dahin war es Mythos. Sie haben sich selbst und gegenseitig veräppelt. Jetzt aber wird es konkret:

- Später Januar 1945: HOFER präsentiert seine Führervorlage persönlich bei HITLER. Dieser zeigte sich zugänglich und autorisierte Arbeiten zur militärischen Befestigung der Alpenregion. HOFER ist Verantwortlicher und arbeitet mit Generalmajor August MARCINKIEWICZ, "Fortress Engineer Commander XIV" zusammen.
- Ende Januar 1945: MARCINKIEWICZ erhält Befehl, Defensivpositionen an den Grenzen zu Liechtenstein, Österreich und der Schweiz, speziell im Bereich zwischen Bregenz und Feldkirch auszubauen.
- Mitte Februar 1945: Beginn der Bauarbeiten an der Schweizer Grenze mit 2.000 Zivilsten der OT.

Soweit mal in Hinblick auf die "Alpenfestung"...
 

kps

Active Member
#11
Tiefliegende Stollen sind geflutet, die höher liegenden Stollen durch Tagbaubetrieb großteils zerstört, Förder- (Transport-)Stollen vom Tagbaubetrieb zum xxx in Betrieb.

Das Projekt sah den Ausbau von 5 auf verschiedenen Horizonten (je 20 m Höhenabstand) liegenden, bereits vorhandenen Längsstollen auf ca. 300 m vor, von denen aus insgesamt 33 kavernenartige Querstollen ( ca. 10 m Sohlenbreite, 50 m Länge) ausgebrochen werden sollten.

lg
josef
Könnt Ihr bitte einen Stollenplan einstellen?

VG
küs
 
H

hebbel

Guest
#12
Du glaubst wirklich, das sie etwas derartiges haben? Ich nicht. Deshalb meine "Grummeligkeit". Ich erwarte da nix. Leider.

LG
Dieter
 

malachit

Well-Known Member
#16
Der Gesamtstollenplan ist u.U. bei der Betreiberfirma erhältlich.
Die Stollenlänge beträgt etwa 70 km.
Oberirdisch wird im Tagebau abgebaggert.

Ansonsten: Vorredner- Seidlerbuch.
 
H

hebbel

Guest
#17
Na, geht doch. :D

Bei der Quellenreview habe ich festgestellt, daß mir ist ein Fehler unterlaufen ist. Es gibt zwei OSS-Reports in diesem Zeitraum. Nur gut, daß sie alles aufschreiben "durften" und der Autor die Quellen akribisch vermerkt hat.

1. Der DULLES-Report über die "Alpenfestung", September 1944. Interessanterweise gibt der Autor an, daß sich die einzig bekannte Kopie dieses Reports in HOFERs Befragungsprotokoll befindet.* HOFER selbst referenziert darauf in:
Franz Hofer, Military Study No. B-457, The Alpine Defense-Line and Alpine-Fortification (US Army European Command, Historical Division, August 1946)

2. Eine allgemeinere Studie des OSS. Diese ist vom 22. September:
US Office of Strategic Services, Research and Analysis Branch, Report No. 232, South Germany: An Analysis of the Political and Social Organization, the Communications, Economic Controls, Agriculture and Food Supply, Mineral Resources, Manufacturing and Transportation Facilities of South Germany (Washington, DC: USGPO, 1944)

Für die OKW-Aktivitäten:

Hans Wolfgang Schoch, Military Study B-212, National Redoubt (US Army European Command, Historical Division, 1946)
August Marcinkiewicz, Military Study B-187, Alpenfestung (US Army European Command, Historical Division, June 1946)

Ansonsten HOFER, aber auch

Georg Ritter von Hengl, Military Study No. B-461, The Alpine Redoubt (US Army European Command, Historical Division, 1946)

* Hmm. Durcheinander in den Archiven? Möglich. Ich schiele mal in Richtung OSS. :D Am Zugang zu den Quellen wird es wohl nicht gelegen haben, wurde diese Arbeit doch von einem West Point Absolventen am Combat Studies Institute, US Army Command and General Staff College, Fort Leavenworth angefertigt.

LG
Dieter
 
#18
Der Stollenplan ist ausufernd, der gesamte Berg ist ausgehöhlt wie ein Schweizer Käse. Wenn ich mich an den Wortlaut des Vortrages vom Tagebauleiter erinnere wurde das Portlandflöz auf insgesamt 32 Horizonten abgebaut, wobei 12 Horizonte unterhalb Werksgelände und Grundwasserspiegel lagen, diese sind seit abschalten der Pumpen mit Grundwasser gefüllt. Interessant sind militärgeschichtlich nur Eduard- und Gustavstollen, die großen, über 20m hohen Kavernen auf dem Dynamithorizont sind natürlich eine Schau für sich und der Abbau dort erfolgte zur Kriegzeit exzessiv. Der 1943 angelegte und eingerichtete Luftschutzbunker vom Großadmiral Dönitz erklärt sich selbst beim betrachten wohingegen die Befehlsstelle des RFSS Himmler, Rätsel in ihrer Funktion und Anlage aufgibt.

Eulengebirge
 

malachit

Well-Known Member
#19
Genau.Ein Gesamtplan der Anlage liegt als CAD Dingens bei der Fa.LEUBE vor, alleine, ich habe nicht nach dessen Überlassung gefragt.

Weil Eule das erwähnte: Der Abbau war so exzessiv, dass die Firste eigentlich zu schwach sind und unten bersten.Langsam aber stetig.
 
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