W

wolfmann

Guest
#1
In vielen Beiträgen zur deutschen Atomforschung wird das Papier von Fritz Houtermann "Zur Frage der Auslösung von Kern-Kettenreaktionen", August 1941 zitiert.
T.M. benennt ihn sogar als Beleg für eine deutsche Atombombe, da Houtermann über die Kernspaltung mit schnellen Neutronen sowie über Plutonium (Element 93) schreibt :D.
Ich habe mir einmal eine Kopie des Papiers besorgt. Es ist aus verschiedenen Blickwinkeln ausgesprochen interessant, zeigt es doch, daß Deutschland weiter war, als mancher Historiker uns glauben machen will (Insbesondere Paul Lawrence Rose). Es unterstützt auch die Frage, warum ein solcher Atomphysiker für von Ardenne und die Reichspost arbeitet. So ist sein Schlußsatz:
Für die Anregung zu dieser Arbeit und deren Ermöglichung danke ich Baron Manfred von Ardenne
Außerdem zeigt es, daß es mehr geniale Atomphysiker in Deutschland gab, als die 10 in Farm Hall internierten.
Mit Atombomben hat das allerdings nur soviel zu tun, wie z.B. andere bekannte deutsche Arbeiten, z.B. von Heisenberg.

Kurz zusammengefaßt geht Houtermann von der Vermutung aus, daß die Anreicherung von U235 so aufwendig ist, daß es auf absehbare Zeit keine nennenswerten Mengen angereicherten Urans geben wird.
.....eine Anreicherung auf das etwa 2-3fache, d.h. auf eine Konzentration des U235 von 1,5 bis 2% genügen würde um mit k=10-15 den kritischen Wert für K gerade zu erreichen
und

Doch bietet die Isotopentrennung wägbarer Mengen schwerer Elemente heute noch so erhebliche Schwierigkeiten und erfordert, wie der Verfasser an anderer Stelle gezeigt hat, so erhebliche Energien, daß es durchaus zweifelhaft erscheint, ob unter diesen Umständen die zur Isotopentrennung oder Anreicherung erforderliche Energie nicht sogar die beim Spaltprozess zu gewinnende Energie übersteigt.
Er hat in diesem Papier untersucht, wie in Natururan eine gesteuerte Kettenreaktion ausgelöst werden kann. Dabei geht er im wesentlichen vom Resonanzeinfang von Neutronen aus, die die Grundlage der gesteuerten Kernspaltung sind, anders als der Einfang schneller Neutron bei der unkontrollierten Kernspaltung (Bombe).
Dazu hat er die verschiedenen Möglichkeiten diskutiert:
Kettenreaktion mittels schnellen Neutronen, mit langsamen (thermischen) Neutronen, verschiedene Moderatoren und verschiedene Konzepte.
Als Moderatoren benennt er schweres Wasser und flüssiges Methan, sowie Beryllium und möglicherweise Kohlenstoff.

Die Quintessenz seiner Arbeit ist der Hinweis, daß sich der Einfangquerschnitt von U238 und U235 für thermische Neutronen bei niedrigen Temperaturen Vergrößert (bis auf das Doppelte), und daher eine Kettenreaktion wahrscheinlicher wird. Er beendet seine Ausführung mit dem Vorschlag, einen solchen "tiefgekühlten" Natururanreaktor (Moderator = hier wird er nicht konkret, flüssiger Wasserstoff ?) als Neutronenquelle zu nutzen.
In ähnliche Richtung gingen auch die Versuche von Harteck in Hamburg. Wegen der erforderlichen Kühlleistung hat er von einer Energieerzeugung abgesehen und eben nur die Nutzung als Neutronenquelle gesehen.

Vergleichen wir etwa die Neutronenergiebigkeit einer solchen Apparatur mit der besten bisherigen Neutronenquelle, einem Zyklotron*, so zeigt sich leicht, daß eine solche Anlage mit einer Menge natürlichen Urangemischs von ca. 1t der Leistung von etwa 10^4 bis 10^5 Zyklotrons entspricht.
Er schlägt diese als Brutreaktor für das Element 239 mit der Kernladungszahl 93 (Plutonium) vor, da sich dieses später durch chemische Verfahren anreichern ließe.

Zusammenfassen sieht man, daß er sich im wesentlichen Gedanken über die gesteuerte Kernreaktion machte, und als einfacher zu handhabendes Material die Erbrütung von Pu vorschlug. Dieses kann zwar "doppelt genutzt" werden, wird von ihm aber auch nur zur Energiegewinnung beschrieben.

Die Eingangs erwähnte Beschreibung von schnellen Neutronen und Pu steht nicht im Zusammenhang, sondern ist in völlig verschiedenem Kontext erwähnt. Das papier hat also nichts mit "konkreten" Bombenplänen zu tun.

Gruß

Wolfgang

*P.S. gab es also doch zumindest ein Zyklotron?
 
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Justus

Guest
#4
Kurz zusammengefaßt geht Houtermann von der Vermutung aus, daß die Anreicherung von U235 so aufwendig ist, daß es auf absehbare Zeit keine nennenswerten Mengen angereicherten Urans geben wird.
:fragend :fragend

Jetzt staune ich aber wirklich. Nach dieser Quelle soll Houtermans ein Verfahren für die Produktion von kernwaffenfähigem Uran235 auf chemischem Wege gefunden haben.

Zitat aus der Quelle:

……. Houtermans schreibt in seiner Arbeit wörtlich: …

"Da nun viel größere Mengen, nämlich das 139fache an Uran235 zur Verfügung stehen, so ist die Verwertbarmachung desselben als ,Brennstoff‘ für eine Kettenreaktion ein für unsere Themenstellung viel wichtigerer Vorgang, als die Isotopentrennung, die bloß das Uran235 zu verwerten gestattet.

Für die Anregung zu dieser Arbeit und deren Ermöglichung danke ich Baron Manfred von Ardenne.

Berlin-Lichterfelde-Ost, August 1941." ……

Ist dieses Zitat korrekt? Wie glaubwürdig oder ist die Quelle?


Merkwürdig ist für mich, dass Houtermans anscheinend von 1941 bis 1945 in Ardennes Labor gearbeitet hat ...

(Quelle). Zitat:
1941 Der Kernphysiker F. G. Houtermans beginnt eine Tätigkeit im Lichterfelder Labor des Technikers Manfred von Ardenne. Houtermans führte Experimente über den Energieverbrauch bei der Isotopentrennung durch.

... und dass es aus dieser Zeit wohl nur zwei veröffentlichte Berichte gibt. Wenn man im net zu Houtermans Tätigkeit recherchiert, fällt auf, dass in vielen Abhandlungen seine Arbeiten aus dieser Zeit lediglich mit der Bemerkung … nach einer kurzen Periode von 1944-1945 an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin … oder ähnlich klingenden markigen Sätzen belegt werden. Die anderen Zeiten davor oder danach sind inhaltlich wesentlich besser dokumentiert. Warum eigentlich?


Ach ja, es gibt von Houtermans ja diese zwei Veröffentlichungen zur Kernforschung. (siehe hier)

Verzeichnis der Geheimberichte aus der Zeit von 1939-45 zur deutschen Kernforschung im Stadtarchiv Haigerloch

F.G. Houtermans:

* Zur Frage der Auslösung von Kern-Kettenreaktionen (Anmerkung: Das ist wohl die oben beschriebene Publikation von 1941)
* Zur Frage der Auslösung von Kern-Kettenreaktionen (Mitteilungen aus dem Laboratorium Manfred von Ardenne, September 1942)

Was steht denn eigentlich in den Mitteilungen vom September 1942? Und an was genau hat Houtermans bei Ardenne denn nach 1942 gearbeitet? Ich glaube, wenn man das klären kann, ist man schon ein großes Stück weiter!


PS: Ich ziehe für mich daraus jedenfalls den Schluss, dass die Deutschen spätestens seit 1942 über das Prinzip im Bilde waren. Es ging m. E. danach wohl nur um die Fragen der Umsetzung. Und dass das A-Programm eingestampft war, davon kann ja wohl keine Rede sein. Wozu haben „sie“ denn sonst Anfang 1944 fünfzehn Ultrazentrifugen in Betrieb genommen (Quelle)? Nur, die alleine hätten wohl bis Anfang 45 nicht genug Material erzeugen können. Aber wenn an der angeblichen Behauptung Houtermans …. 139fache an Uran235 zur Verfügung stehen ... was dran sein sollte, ….:fragend :fragend
 
#5
vieleicht stimmt es ja doch mit der aufgegebenen Uraniumbombe.
Es wird nur falsch interpretiert.

Der Infrarotzünder scheint der Schlüssel zum Geheimnis zu sein.
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#6
Lieber rak64,

ich will dir nicht zu nahe treten, aber es wäre deutlich interessanter, sich mit einem Thema richtig zu befassen und nicht andauernd neue Baustellen aufzumachen, ohne diese dann fertigzustellen. Sonst wirst Du nämlich bald keine Antworten auf Deine Fragen mehr bekommen...
 
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