Innsbruck-Nordkette: Neuer Stollen zur Sicherung der Wasserversorgung

josef

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#1


Innsbruck zapft die Nordkette an
Mit dem Wasser der Mühlauer Quelle oberhalb von Innsbruck können derzeit 150.000 Personen versorgt werden. Doch Innsbruck braucht künftig viel mehr Wasser, daher wird das Stollensystem tief in der Nordkette erweitert.
Mit dem Wasser, das die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) jedes Jahr aus den Innsbrucker Bergen fassen, können derzeit 150.000 Personen versorgt werden. Elf Millionen Kubikmeter Wasser sind dafür pro Jahr nötig.

Ein kleiner Teil – 80 Liter pro Sekunde – kommt aus zehn Quellen rund um Innsbruck. Der größte Teil - etwa 90 Prozent - des Innsbrucker Trinkwassers kommt aus der Mühlauer Quelle. Sie liegt im Inneren der Nordkette in 1.140 Meter Seehöhe. Um an ihr Wasser zu kommen, wurde in den Jahren 1942 bis 1953 die Mühlauer Stollenanlage gebaut.


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1,6 Kilometer lang ist die bestehende Stollenanlage

Am wenigsten Wasser fließt im Frühjahr
Zwischen 600 und 1.600 Liter Wasser pro Sekunde fließen aus der Mühlauer Quelle. Das wenigste Wasser fließe dabei im Frühjahr, erklärt Robert Gschleiner. Er ist bei den IKB für die Trinkwasserversorgung zuständig. Wenn es im Frühjahr sehr schnell taue und das Wasser nicht genug Zeit habe, in den Boden einzudringen, dann rinne es eher an den Berghängen ab und sei somit für die Quelle verloren, so Gschleiner.


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Robert Gschleiner

Es dauere einige Zeit, bis das Schmelzwasser in den Berg eindringen kann, bis sich der Bergwasserspiegel entsprechend aufgefüllt hat. Daher rinne das meiste Wasser in der Quelle im September und Oktober.

Wenig Wasser bei Extremwetter
Der vergangene Sommer und auch der Herbst waren heiß und trocken. Trotz des vielen Niederschlags in diesem Winter liefere die Quelle derzeit so wenig Wasser wie noch nie, so Gschleiner. Das heißt, wenn der Winter schneereicher ist, muss auch das Frühjahr mitspielen, dass es entsprechend viel Wasser gibt. Starke Niederschläge und auch lange Hitzeperioden sind für die Trinkwasserversorgung somit nicht günstig.


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Die Mühlauer Quelle liefert zwischen 600 und 1.600 Liter Wasser pro Sekunde

Mehr Einwohner brauchen mehr Wasser
Neben der Klimaveränderung müsse man auch davon ausgehen, dass Innsbruck in den nächsten Jahrzehnten deutlich mehr Einwohner haben werde. Allein bis zum Jahr 2030 werde Innsbruck nach Schätzungen des Landes Tirol um 20.000 Einwohner wachsen.

Dazu komme noch die Menge an Wasser, die beim Transport zu den Haushalten verloren geht. Mit einem Verlust von 5,7 Prozent des Wassers liege Innsbruck sicher im österreichweiten Spitzenfeld, so Gschleiner. Im Durchschnitt könne man davon ausgehen, dass die Rohrnetzverluste bei zehn bis 15 Prozent in Österreich liegen, in anderen Ländern Europas seien diese weit höher.

Zusätzlich 350 Liter Wasser pro Sekunde nötig
Derzeit gebe es für Innsbruck noch genug Trinkwasser, meinte Gschleiner. Doch eine Bedarfsprognose zeige, dass in den nächsten 50 Jahren zusätzlich 350 Liter pro Sekunde nötig sind, um die Innsbrucker Bevölkerung ausreichend mit Wasser versorgen zu können. Daher müsse man jetzt handeln, um in Zukunft keine Wasserknappheit fürchten zu müssen.


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Tief im Berg rinnt das Wasser aus den Felsen

Ausgezeichnetes Trinkwasser:
Die Wassertemperatur der Quelle beträgt 4,5 Grad Celsius. Die niedrige Temperatur und die lange Verweildauer im Berg verhindern das Bakterien- und Keimwachstum.

Neuer Stollen in Mühlauer Anlage
Das Wasser ist teilweise bis zu zehn Jahre im Gebirge, bis es im Stollensystem gefasst werden kann. Je länger es im Berg verweile, umso besser sei es in der Regel auch, so Gschleiner. Daher wollen die IBK das zusätzlich nötige Wasser aus der Nordkette gewinnen.

Dafür seien geologische Untersuchungen der letzten 100 Jahre ausgewertet worden, geoseismische Messungen seien durchgeführt worden, um die Gebirgssituation exakt erfassen zu können, erklärte der IKB-Experte. Alle Experten seien sich darin einig, dass in diesem Bereich der Nordkette noch sehr viel Wasser vorhanden sei.

800 Meter langer Stollen für zusätzliches Wasser
Einen Teil dieses Wassers wollen die IKB mit einem zusätzlichen, 800 Meter langen Stichstollen mit einem Durchmesser von drei Metern erschließen. Dafür werde man sich mit kleinen Sprengungen im Berg vorwärts arbeiten. Das sei nach Meinung der Experten die schonendste und auch die schnellste Variante. Außerdem gebe es in der 70 Jahre alten Anlage auch Sanierungsbedarf.

Das Aushubmaterial, das beim Bau des Stollens anfalle, könnte für Dammschüttungen verwendet werden. Hier seien die IKB in entsprechenden Gesprächen mit der Wildbach- und Lawinenverbauung. Das Projekt sei im Dezember 2018 bei der Behörde eingereicht worden, die dafür bereits ihre Zustimmung signalisiert habe, so Gschleiner. Die IKB hoffen, noch in diesem Jahr mit den ersten Baumaßnamen beginnen zu können.

Rohre sollen Qualität des Trinkwassers sichern
Während der geschätzten zwei Jahre Bauzeit werde die bestehende Anlage und damit das Trinkwasser für die Innsbrucker Bevölkerung entsprechend gesichert, versicherte Gschleiner. Daher werde man das Trinkwasser über provisorische Leitungen ableiten und dafür ein eigens gesichertes Rohrleitungssysteme im Stollen aufbauen. Diese Leitungen würden laufend kontrolliert.

Außerdem gebe es Notfallpläne für verschiedenste Szenarien, die auftreten könnten, so der Wasserexperte. Man habe Liefervereinbarungen mit der Stadtgemeinde Hall abgeschlossen, damit werde gegenseitig die Ersatz- und Notwasserversorgung so gut wie möglich sichergestellt. Hall würde im Notfall an Innsbruck 100 Liter Trinkwasser pro Sekunde liefern, so könne zumindest für einige Zeit die Versorgung sichergestellt werden.


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Im großen Becken wird das Wasser aus dem Stollensystem gesammelt

Die IKB rechnen mit zehn Millionen Euro an Kosten für die Arbeiten. Allerdings müsse man einige Unsicherheitsfaktoren berücksichtigen, da man trotz bester Berechnungen in einen Berg nicht hineinsehen kann und man nicht genau sagen könne, wie viele Meter Stollen man bauen müsse, um zu diesem erhofften Zusatzwasser zu gelangen.

Publiziert am 08.04.2019
Innsbruck zapft die Nordkette an
 

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#2
IKB bauen Stollen für mehr Trinkwasser aus
Die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) wollen im nächsten Jahr zwei 400 Meter lange Stollen in die Nordkette sprengen. So soll die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser für die nächsten 50 Jahre sichergestellt werden. IKB investieren dafür bis zu 20 Mio. Euro.
Online seit heute, 13.56 Uhr
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Die Mühlauer Quelle liegt im Inneren der Nordkette in 1.140 Meter Seehöhe. Um an ihr Wasser zu kommen, wurde in den Jahren 1942 bis 1953 die Mühlauer Stollenanlage gebaut. Sie ist 1,6 Kilometer lang und liefert rund 90 Prozent des Trinkwassers, das in der Stadt benötigt wird. Rund 150.000 Personen können damit versorgt werden.

Zwischen 600 und 1.600 Liter Wasser pro Sekunde fließen aus der Quelle. Dabei fließe im Frühjahr verhältnismäßig wenig Wasser, deutlich mehr im Sommer und Herbst, erklärte Robert Gschleiner. Er ist bei den IKB für die Trinkwasserversorgung zuständig.

Murenabgang hat Stollenanlage beschädigt
Im Jahr 2012 gab es im hinteren Bereich der Stollenanlage einen großen Murenabgang. In diesem Bereich liegt der Stollen nur knapp unter der Erdoberfläche. Die Mure riss den Boden auf und sorgte so für einen direkten Durchgang zur Stollenanlage. So bestand bei Starkregen die Gefahr, dass das Wasser im Stollen verunreinigt werden könnte.

Das stelle ein großes Problem dar, denn man müsse dann das Wasser ausleiten und könne es nicht mehr für die Bevölkerung verwenden. Dann müsse man die Einwohnerinnen und Einwohner durch Wasser aus den Pufferbehältern versorgen, das könne man jedoch nur für kurze Zeit machen. Daher müsse man diesen Bereich sanieren, so Gschleiner.

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Robert Gschleiner

34 Prozent mehr Wasser in 50 Jahren nötig
Wie Prognosen belegen, wird der Wasserverbrauch in Innsbruck durch mehr Einwohnerinnen und Einwohner in den nächsten 50 Jahren um 34 Prozent höher sein als jetzt, hieß es von Seiten der IKB. Im Sommer und Herbst gebe es auch dafür ausreichend Wasser, das Problem sei jedoch das Frühjahr. Hier sei in den letzten Jahrzehnten die gesammelte Wassermenge in den Stollen zurückgegangen, daher müsse man für mehr Menschen mehr Wasser fassen, so Gschleiner.

Daher soll im nächsten Jahr ein 400 Meter langer Stollen in die Nordkette gesprengt werden, um so den Bereich der Stollenanlage umgehen zu können. Von diesem Umgehungsstollen abzweigend wird ein ebenfalls 400 Meter langer Stollen in den Berg gesprengt. Von diesem Quellstollen aus sollen die 350 Liter an zusätzlichem Wasser dann erschlossen werden, diese Menge hätten Geologen und Hydrologen errechnet.

IKB

Kosten zwischen 15 und 20 Millionen Euro
Das Bauprojekt startet im kommenden Frühjahr, 2024 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Damit die Baustelle effizient gestartet und abgewickelt werden kann, sind bereits ab Ende September Vorbereitungsarbeiten an den Zufahrtsstrecken erforderlich. Für Wanderer und Mountainbiker werden Alternativrouten empfohlen, um der Wegsperre zwischen der Arzler und der Rumer Alm sowie dem Baustellenverkehr zu entgehen.

Die IKB starten in den kommenden Wochen mit der Ausschreibung, sie rechnen mit 15 bis 20 Millionen Euro an Kosten.
23.09.2021, red, tirol.ORF.at
IKB bauen Stollen für mehr Trinkwasser aus
 

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#3
Tonnenschwerer Bohrer für Quellausbau
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In die Innsbrucker Nordkette wird ein Stollen zur Trinkwassergewinnung gesprengt. Am Donnerstag wurde der Bohrwagen zur Quellanlage transportiert. Er soll rund 40.000 Löcher in den Felsen bohren, in denen die Sprengladungen platziert werden.
Online seit heute, 7.12 Uhr
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Die Mühlauer Quelle liegt im Inneren der Nordkette in 1.140 Meter Seehöhe. Um an ihr Wasser zu kommen, wurde in den Jahren 1942 bis 1953 die Mühlauer Stollenanlage gebaut. Sie ist 1,6 Kilometer lang und liefert rund 90 Prozent des Trinkwassers, das in der Stadt benötigt wird. Rund 150.000 Personen können damit versorgt werden.

Teile der Stollenanlage sind sanierungsbedürftig
Wie Prognosen belegen, wird der Wasserverbrauch in Innsbruck durch mehr Einwohnerinnen und Einwohner in den nächsten 50 Jahren um 34 Prozent höher sein als jetzt, hieß es von Seiten der Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB) – mehr dazu in IKB bauen Stollen für mehr Trinkwasser aus. Außerdem sind einige Stollenabschnitte sanierungsbedürftig. Im Jahr 2012 gab es im hinteren Bereich der Stollenanlage einen großen Murenabgang.
IKB
Ein Teil der Stollenanlage ist sanierungsbedürftig

400 Meter lange Stollen wird in Berg gesprengt
Bis 2024 soll ein 400 Meter langer Stollen in die Nordkette gesprengt werden, um so den Bereich der Stollenanlage umgehen zu können. Von diesem Umgehungsstollen abzweigend wird ein ebenfalls 400 Meter langer Stollen in den Berg gesprengt.

Übersichtskarte
Ausweichrouten für Wanderer und Mountainbiker (PDF)
Um die Bohrlöcher für die Sprengungen in den Felsen treiben zu können, musste ein 27,5 Tonnen schwerer Bohrwagen über enge Kehren zur Stollenanlage gefahren werden. 40.000 solcher Löcher sind für die Sprengungen geplant. Dabei werden von März bis zum Herbst täglich etwa fünf Sprengungen durchgeführt, die teilweise auch im Stadtgebiet wahrgenommen werden können, teilte Robert Gschleiner mit. Er ist bei den IKB für die Trinkwasserversorgung zuständig.

Wegsperren nach Angaben der IKB unvermeidbar
Nach Angaben der IKB werden ab sofort auch weitere Transportfahrten rund um die Mühlauer Quelle durchgeführt. Das ausgehobene Material wird von der Quellanlage über Arzl abtransportiert. Daher sei eine teilweise Wegsperre leider unvermeidbar. Die IKB ersucht Wanderer und Mountainbiker auf Alternativrouten auszuweichen. Die Arbeiten in der Stollenanlage sollen 2024 abgeschlossen sein.
09.04.2022, red, tirol.ORF.at

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Tonnenschwerer Bohrer für Quellausbau
 

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#4
Innsbruck
Ausbau der Mühlauer Quelle abgeschlossen
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Nach knapp drei Jahren ist am Donnerstag in Innsbruck der Ausbau der Mühlauer Quelle offiziell abgeschlossen worden. Rund 90 Prozent des Innsbrucker Trinkwassers kommen aus der Quelle am Fuß der Nordkette. Das Projekt stellte die Verantwortliche vor einige Herausforderungen.
Online seit heute, 11.58 Uhr
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Die größte Herausforderung war die Geologie. Denn beim Vortrieb des 980 Meter langen Quellstollens stieß man auf ein völlig anderes Gestein als von den Fachleuten prognostiziert. Von Projektleiter Markus Wippersberger hieß es dazu in einer Aussendung der Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) am Freitag, man habe schnell auf die Geologie reagiert und alles gemeistert. Das Projekt konnte planmäßig abgeschlossen werden.

IKB
Mehr Wasser finden war neben dem Umbau für die Notversorgung und neben der Sanierung der alten Anlage eines der Projektziele

Neben dem Bau des neuen Stollens wurde die 70 Jahre alte Anlage an der Quelle saniert und für eine Notversorgung ausgebaut. Durch den Ausbau konnte auch die Wasserausbeute erhöht werden. Seit Dezember 2024 fließen pro Sekunde zusätzliche 350 Liter Wasser in das Innsbrucker Wassernetz – mehr dazu in Neuer Wasserstollen in Betrieb genommen.

Anzengruber: Projekt für die nächsten Generationen
Bürgermeister Johannes Anzengruber (JA) zeigte sich stolz und sprach von einem „Jahrhundertprojekt“. „Unser Quellwasser von der Nordkette ist unser wertvollstes Gut“, so Anzengruber. Die wenigsten Städte könnten von so hoher Trinkwasserqualität und verlässlicher Versorgung sprechen. Mit dem Projekt habe man vorausschauend für die nächsten Generationen gehandelt.

Mit dem neuen Stollen erreicht das Mühlauer Stollennetz eine Länge von 2.900 Metern. In das Projekt wurden insgesamt 43 Millionen Euro investiert. Am Donnerstag wurde das Projekt offiziell abgeschlossen, Restarbeiten werden noch bis Ende des Jahres erledigt.
12.09.2025, red, tirol.ORF.at
Ausbau der Mühlauer Quelle abgeschlossen
 
#5
Kostenexplosion bei Trinkwasserstollen

Der neue Trinkwasserstollen an der Innsbrucker Nordkette kommt um ein Vielfaches teurer als geplant. War noch vor vier Jahren von knapp über 13 Millionen an Gesamtprojektkosten die Rede, sind es heute 43 Millionen. Die Kosten wurden jetzt von einem technischen Büro außerhalb Tirols geprüft.

26. November 2024, 10.36 Uhr

90 Prozent des Innsbrucker Trinkwassers stammen aus dem Inneren der Nordkette. Es ist das Wasser der Mühlauer Quelle, das sich viele Jahre den Weg durch das Gestein sucht und mit 1.600 Litern pro Sekunde aus dem Berg schießt. Die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) leiten das Quellwasser aus, sammeln es und transportieren es in die Haushalte. Der über 70 Jahre alte Stollen birgt aber Gefahren.

Gefahr des Eintritts von Oberflächenwasser

Oberflächenwasser könnte eintreten, erklärt Robert Gschleiner, IKB-Geschäftsbereichsleiter Wasser. Oberflächenwasser sei kein Trinkwasser und habe eine bräunliche Färbung. Man habe schon Vorkehrungen getroffen, wenn dieser Fall auftrete, um den Quellzulauf sofort zu stoppen. Aber das sei eine riskante Situation, so Gschleiner, denn Starkregenereignisse können über Stunden andauern, und dann habe man länger kein Wasser aus der Mühlauer Quelle. Da die Quelle über 90 Prozent des Innsbrucker Trinkwassers liefere, sei es dringend notwendig gewesen, diese Situation zu bereinigen.
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2434135_bigpicture_930840_unbenannt-1.jpg Der Stolleneingang im Gebiet der Nordkette​

In etwa zwei Wochen geschieht der Wassertransport über einen neuen und viel größeren Trinkwasserstollen. Zudem wurde eine neue Quelle mit 430 Liter Trinkwasser pro Sekunde erschlossen. Dieses Wasser möchten die IKB auch zur Stromerzeugung nutzen. Die IKB nennen es ihr Jahrhundertprojekt, es ist allerdings auch das teuerste, denn die Kostenprognosen stiegen sukzessive.

Kosten haben sich mehr als verdreifacht

Zu Projektbeginn 2021 waren es 13,3 Millionen Euro. Dann stiegen die Kosten auf 17,7 Millionen und Ende 2021 auf 25,9 Millionen. Letztes Frühjahr musste auf 30 Millionen erhöht werden. Diesen Herbst genehmigte der Aufsichtsrat schließlich 43 Millionen Euro. Somit ist das mehr als eine Verdreifachung der Kosten.

Schlechteres Gestein als von Experten prognostiziert

Obwohl das Projekt von Geologen und Hydrogeologen stets begleitet wurde, kam es zu Problemen, sagt Bereichsleiter Gschleiner. Beim Vortrieb habe man nach 50 bis 100 Metern ein Gestein angetroffen, das nicht dem entsprochen habe, was von den Experten prognostiziert worden sei. Statt auf Fels sei man auf den Mühlauer Mergel gestoßen, der sehr lehmig und nicht standfest sei.
ORF​
2434137_bigpicture_930838_unbenannt-3.jpg Nicht standfestes Gestein machte den Vortrieb teuer und kompliziert

Massive Sicherungsmaßnahmen nötig

Man habe den weiteren Vortrieb nicht wie geplant gestalten können, sondern in kürzeren Abständen sprengen und den Tunnel massiv auskleiden müssen. Dadurch habe man viel mehr Zeit benötigt, um voranzukommen. Zudem wurde die Tunneltrasse geändert, ehe man dann endlich auf Fels und auch auf neues Quellwasser stieß. Doch es drohte zu viel Wassereintritt, sodass die Behörde im Sommer 2023 den Baustellenbetrieb kurzzeitig stoppte.
Hermann Hammer 2403124_bigpicture_918472_pa280244.jpg Am Freitag soll bei einer Sitzung der IKB das Gutachten präsentiert werden​
Kostensteigerung wurde analysiert

All das sorgte für eine Kostenexplosion, die Teuerung tat ihr Übriges, so Gschleiner. Im Sommer wurde beschlossen, die Kostensteigerung von einem technischen Büro außerhalb Tirols analysieren zu lassen. Auch die Konzernrevision ist eingebunden. Am Freitag ist eine Sitzung geplant, dann soll das Gutachten präsentiert werden. Davor wollen sich auf ORF-Anfrage die IKB-Vorstände dazu nicht äußern.

red, tirol.ORF.at

Quelle: Kostenexplosion bei Trinkwasserstollen
 
#6
Gutachten wegen Kostensteigerung
Mehrkosten bei Trinkwasserstollen Mühlau


2. Dezember 2024, 17:27 Uhr / Georg Herrmann


Foto: IKB​
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Die Kosten für den Ausbau und die Sanierung der Mühlauer Quelle betragen 43 Millionen Euro.

Der Ausbau und die Sanierung der Mühlauer Quelle sind ein Jahrhundertprojekt der Innsbrucker Kommunalbetriebe. Beim Projektstart im Jahr 2022 waren die Projektkosten mit 25,9 Millionen Euro prognostiziert, jetzt liegen sie bei 43 Millionen Euro. Ein externes Gutachten hat sich mit der Kostensteigerung beschäftigt.


INNSBRUCK. Mit Ende dieses Jahres werden die dringend nötige Sanierung der mehr als 70 Jahre alten Bestandsanlage und der Bau des neuen Quellstollens abgeschlossen sein. Die durchgeführten Arbeiten sollen die verlässliche Trinkwasserversorgung Innsbrucks sichern. "Das ist ein technisch höchst komplexes Verfahren, für das viel Spezialwissen nötig ist. Die Quellen und das Gestein werden seit langem beobachtet, damit wir nun behutsam einen neuen Wasserweg bahnen können“, erklärte IKB-Vorstandsmitglied Thomas Pühringer bei der Projektpräsentation im März 2022. Zeitgleich wird die bestehende Anlage saniert.

Foto: IKB​
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Die Hauptarbeiten sollen mit Ende 2024 abgeschlossen sein.

Trinkwasserversorgung

Mehr als 90 Prozent aller Innsbrucker Haushalte werden mit Trinkwasser aus der Mühlauer Quelle versorgt. Bevor das Quellwasser völlig naturbelassen in die Haushalte transportiert wird, sickert es mehr als zehn Jahre durch das Gestein der Nordkette und wird mit Mineralien angereichert. "Unsere Quellen sind ein wirklich kostbares Gut. Sie ermöglichen uns, ganz Innsbruck zu hundert Prozent mit naturbelassenem Trinkwasser zu versorgen. Das können nicht viele Städte von sich behaupten. Daher ist es uns besonders wichtig, die Quellen zu schützen und die Anlagen laufend zu kontrollieren, instand zu halten und bei Bedarf zu erweitern", betonte IKB-Vorstandsvorsitzender Helmuth Müller im März 2022. Für die Arbeiten wurden Projektkosten von 25,9 Millionen Euro prognostiziert. Inzwischen betragen die Kosten für das Projekt rund 43 Millionen Euro. Ein von der IKB beauftragtes externes Gutachten bestätigt nun die Vorgehensweise und die Kostenentwicklung.

Wichtige Investition

Die Investition von 43 Millionen Euro war dringend nötig, um die Trinkwasserversorgung der gesamten Stadt langfristig sicherzustellen. Die prognostizierten Projektkosten betrugen beim Baustart 25,9 Millionen Euro und stiegen im Laufe der Bauzeit aufgrund folgender Faktoren auf 43 Millionen Euro an:


Veränderte geologische Bedingungen: Das Projekt wurde von Beginn an von externen Geologinnen und Geologen begleitet. Im Laufe der Hauptarbeiten erkannten diese, dass das angetroffene Gestein massiv von der prognostizierten Geologie abwich. Das verdeutlichte, wie komplex die Arbeiten in einem vielschichtigen Berg wie der Nordkette sind und wie wenig sich die Bedingungen auch von den Expertinnen und Experten im Detail prognostizieren lassen.

Der neue Sach- und Wissensstand erforderte einen deutlich höheren Materialeinsatz, um die Standsicherheit des Stollenvortriebes zu gewährleisten, und deutlich mehr Bauzeit. Zudem wurden mehr Erkundungsbohrungen nötig. Außerdem führte der anfangs unerwartet hohe Wasserzutritt dazu, dass die Bewilligungsbehörde den Vortrieb zwischenzeitlich einstellte und Projektergänzungen forderte, was sich zusätzlich auf die Kosten auswirkte.

  • Dadurch bedingte längere Bauzeit: Auch die durch die natürlichen geologischen Bedingungen verlängerte Bauzeit erhöhte die Kosten.
  • Inflation: steigende Kosten für Arbeit und Material: Die generelle starke Teuerung genau in der Bauphase wirkte sich ebenso auf die Kosten der Bauarbeiten aus.
  • Versorgungssicherheit, Umweltauflagen und Genehmigungsverfahren: Die sichere Versorgung der Innsbrucker Bevölkerung mit erstklassigem Trinkwasser rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, der Naturpark Karwendel und der Schutz des Naturraumes, der Quellen und Gewässer standen immer im Vordergrund. Aufgrund der veränderten geologischen Bedingungen waren neue Genehmigungen nötig und die Vortriebsarbeiten mussten pausieren. Auch die angewandte Technik änderte sich aufgrund der neuen Gegebenheiten und Auflagen stets entsprechend dem Stand der Technik.


Um diesen Kostenanstieg extern analysieren zu lassen, beauftragte die IKB die Firmen Geotechnik und Tunnelbau Ziviltechniker Gesellschaft m.b.H. (IGT) aus Salzburg und 3G Gruppe Geotechnik Graz ZT GmbH. Das Gutachten bestätigte, dass:


  • das Projekt Mühlauer Quelle vor großen Herausforderungen stand und sich trotz aller Schwierigkeiten sehr dynamisch und positiv entwickelte.
  • sich die Kosten in einem plausiblen Bereich bewegen, die Kostenhöhe nachvollziehbar ist und unter den gegebenen Umständen keine unnötigen Kosten produziert wurden.
  • die vorhandene Bauzeit und die entstandene Bauzeitverlängerung aufgrund der geänderten Randbedingungen als plausibel zu betrachten ist und folglich auch die Höhe der daraus entstandenen Kosten.
  • die Projektbearbeitung und Projektabwicklung mit großer Sorgfalt und auf einem hohen Detaillierungsgrad erfolgten und dass die Projektbeteiligten auf die permanenten Projektänderungen und Planänderungen rasch reagierten und somit erheblich zum Projektabschluss und -erfolg beitrugen. Demzufolge wurden keine weiteren Kosten und Bauzeiten generiert.
  • sämtliche Projektziele erreicht wurden – wie etwa die Verhinderung der Trübungen, die Sicherung des zukünftigen Trinkwasserbedarfs und die Sicherung der Notwasser- und Ersatzwasserversorgung Innsbrucks.
Die bestellten Gutachter bestätigten, dass die Grundsätze der Sparsamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit in einer angemessenen und dynamischen Projektentwicklung eingehalten wurden. Letztendlich wurden alle Projektziele erreicht, sodass das Projekt innerhalb der neu gesetzten Rahmenbedingungen abgeschlossen werden kann.

Foto: MeinBezirk​
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Präsentation des Projekts im März 2022: Bgm. Georg Willi, IKB-Vorstandsvorsitzender Helmuth Müller, Vizebgm. Johannes Anzengruber, IKB-Geschäftsbereichsleiter Wasser Robert Gschleiner, IKB-Vorstandsdirektor Thomas Pühringer und Projektleiter Reinhold Gruber

Warum wurde die Mühlauer Quelle saniert und erweitert?

Die bestehende Quellanlage war bereits mehr als 70 Jahre alt und sanierungsbedürftig. Durch einen neuen Umgehungsstollen fließt das Wasser nun nicht mehr durch Abschnitte, in denen es zu Trübungen kommen könnte. Weiters wurde die Versorgungssicherheit bei Notfällen erhöht. Um den Trinkwasserbedarf von Innsbruck langfristig zu sichern, war auch ein weiterer Stollen nötig: 350 Liter pro Sekunde zusätzliches Trinkwasser können ab Mitte Dezember an die Innsbrucker Haushalte und Betriebe fließen. Mit diesem Wasser kann zudem die Stromproduktion in zwei IKB-Wasserkraftwerken um insgesamt rund 11,7 Gigawattstunden pro Jahr gesteigert werden. 2025 werden Restarbeiten stattfinden. Damit wird die Trinkwasserversorgung der fünftgrößten Stadt Österreichs für die nächsten Generationen gesichert sein, betonen die IKB in einer Aussendung.


Zahlen und Fakten

· Hauptbauarbeiten: 2022 bis Ende 2024
· Projektkosten: 43 Millionen Euro
· Zusätzlich erschlossenes Wasser: 350 Liter pro Sekunde
· Gesamte Länge des erweiterten Stollensystems: mehr als 2.900 Meter

Quelle: Gutachten wegen Kostensteigerung: Mehrkosten bei Trinkwasserstollen Mühlau
 
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