Italien: Funde in und um die antike Stadt Pompeji bei Neapel

josef

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#21
Schwierige Restaurierung
Neue Erkenntnisse über das schönste Mosaik der römischen Antike
Die berühmte Darstellung Alexanders des Großen wurde 1831 in Pompeji entdeckt und besteht aus Millionen Steinchen. Sie stammen aus dem gesamten Mittelmeerraum

Es handelt sich um die bekannteste Darstellung Alexanders des Großen und das wohl bedeutendste Mosaik der römischen Antike.
Gemeinfrei

Als der Vesuv im Jahr 79 nach Christus ausbrach und Asche auf die antike Stadt Pompeji niederging, waren Arm und Reich gleichermaßen betroffen. Auch das größte Privathaus der Stadt wurde bei der Katastrophe verschüttet. Seine betuchten Bewohner hatten nicht nur zahlreiche Kunstwerke angesammelt, sondern auch die Böden mit prunkvollen Mosaiken ausstatten lassen. Eines davon befand sich in der sogenannten Exedra, einem typischen halbkreisförmigen Raum altrömischer Häuser.

Es handelte sich um eine Reproduktion eines um Jahrhunderte älteren Gemäldes, das den Makedonierkönig Alexander den Großen wohl in der Schlacht um die Stadt Issos im Jahr 333 zeigte, in der seine Soldaten die Armee der Perser besiegten.

Als Pompeji im 19. Jahrhundert ausgegraben wurde, fand man in dem Gebäude, das heute Haus des Fauns heißt, das gut erhaltene, fast sechs Meter lange Mosaik. Etwas mehr als zwanzig Jahre verblieb es vor Ort, bevor es gemeinsam mit einem Teil des Bodens in das königliche archäologische Museum von Neapel gebracht wurde, das heute Archäologisches Nationalmuseum heißt und das Mosaik nach wie vor beherbergt.

Schonende Untersuchung
Nun unterzog ein Team um Giuseppina Balassone von der Universität Neapel Federico II das Mosaik einer genaueren Untersuchung. Die Arbeiten mussten vor Ort im Museum stattfinden, ohne das Mosaik zu bewegen. Die Methoden umfassten unter anderem Multispektral-Bilder, Röntgenfluoreszenzaufnahmen, Endoskopie und Wärmebildaufnahmen. Sie enthüllten Hohlräume und strukturelle Schwächen, die eine Bedrohung für das Bild darstellen und eine wichtige Basis für aktuelle Restaurationsarbeiten darstellen, die seit 2020 im Gang sind.


Die Untersuchung des Mosaiks musste vor Ort erfolgen, ohne es zu beschädigen.
2025 Balassone et al., CC BY 4.0, Deed - Attribution 4.0 International - Creative Commons

Doch auch über die Hintergründe der Entstehung des Bildes gibt es neue Erkenntnisse. Eine Besonderheit des Mosaiks sind die äußerst feinen Farbschattierungen der "Tesserae", wie die bunten Steinchen genannt werden, aus denen Mosaike zusammengesetzt sind. Die Abstufungen der Farben, etwa bei rosa Tesserae in Alexanders Gesicht, stammen nicht etwa von Bemalung, sondern gehen auf die natürliche Färbung des verwendeten Marmors zurück. Um den Charakter des als Vorbild dienenden Gemäldes nachzubilden, wurden besonders kleine Tesserae verwendet.

Stein des Mittelmeerraums
Es war für die antiken Künstler entscheidend, eine passende Auswahl an Farben zur Verfügung zu haben. Das Forschungsteam versuchte, aufgrund lithografischer Besonderheiten den Ursprung der Tesserae zu bestimmen. Die Forschenden verglichen dazu die Steine des Mosaiks mit bekannten Steinbrüchen aus römischer Zeit. Als Quellen kommen zahlreiche Orte des Mittelmeerraums infrage, darunter Italien, Griechenland, die Iberische Halbinsel und Tunesien.

Die roten Tesserae etwa dürften griechischen Ursprungs sein und vom Kap Matapan im äußersten Süden des heutigen Griechenland stammen. Einige der gelben Tesserae zeigen schwärzliche Einschlüsse, wie sie von Marmor nahe der heutigen Stadt Chemtou in Tunesien bekannt sind. Die dunkleren rosa Tesserae könnten aus Portugal stammen. Von der Iberischen Halbinsel stammt auch der Basalt, aus dem die schwarzen Steine bestehen.

Andere Farben wiederum waren auch näher am Zentrum des Römischen Reichs verfügbar. Weißen Marmor, wie er im Alexander-Mosaik zum Einsatz kam, gab es in Steinbrüchen des heutigen Italien. Heute kennt man diesen Stein als Carrara-Marmor.


Zahlreiche verschiedene Farben und Materialien wurden identifiziert und zu ihren wahrscheinlichen Ursprungsorten zurückverfolgt.
2025 Balassone et al., CC BY 4.0, Deed - Attribution 4.0 International - Creative Commons

Für die Restaurationsbemühungen sind vor allem die verwendeten Mörtel und Befestigungsmaterialien von Bedeutung. Manche stammen aus altrömischer Zeit, manche sind jünger. Bei der Überstellung ins Museum wurde das Mosaik mit Gips und Wachs behandelt, um es zu stabilisieren. Dabei blieben aber an manchen Stellen Hohlräume, die Schwachstellen darstellen. Später folgten verschiedene Restaurationsarbeiten. Nicht alle diese Maßnahmen taten dem Kunstwerk gut.

Authentische Darstellung
Neben seiner Bedeutung als Beispiel für antike römische Mosaikkunst ist das Alexander-Mosaik auch im Hinblick auf seine griechische Vorlage wertvoll. Gemälde waren als Kunstform im antiken Griechenland sehr populär, doch es gibt kaum erhaltene Exemplare. Das liegt unter anderem daran, dass in Griechenland Bilder nicht wie später bei den Römern direkt auf Wände, sondern auf Tafeln aus weniger widerstandsfähigem Material gemalt wurden. Das machte sie transportierbar, aber auch vergänglicher.

Die geschätzte Entstehungszeit der griechischen Vorlage, die meist dem Künstler Philoxenos von Eretria zugeschrieben wird, ist das Jahr 315 vor Christus, zwölf Jahre nach Alexanders Tod. Es könnte es sich damit um eine authentische Darstellung einer Schlacht Alexanders handeln. Die Waffen der persischen Armee sind jedenfalls korrekt dargestellt. Dieses Wissen dürfte im alten Rom nicht mehr vorhanden gewesen sein.

Vom Mittelalter in die Neuzeit war Alexander dann ein beliebtes Motiv für bildende Künstler, in deren Werken er manchmal als Held glorifiziert, manchmal dämonisiert wurde. Diese Darstellungen orientierten sich jedoch an schriftlichen, antiken Berichten. Das Alexandermosaik Pompejis konnte nicht als Vorlage dienen, denn es lag bis ins 19. Jahrhundert unter der Asche begraben.

Die neuen Erkenntnisse werden nun helfen, das außergewöhnliche Kunstwerk für die Nachwelt zu erhalten.
(Reinhard Kleindl, 25.1.2025)
Neue Erkenntnisse über das schönste Mosaik der römischen Antike
 

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#22
KI entziffert Text aus 2000 Jahre alter verkohlter Schriftrolle
Immerhin ein Wort konnten englische Forschende der Papyrusrolle PHerc. 172 entlocken, die als Teil einer riesigen Bibliothek beim Ausbruch des Vesuv verschüttet worden war
Als der Vesuv 79 nach Christus ausbrach und Pompeji und das kleinere Herculaneum nahe Neapel unter einer gewaltigen Ascheschicht begrub, war das eine entsetzliche Katastrophe für die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Ecke der römischen Campania. Für Archäologen dagegen erwies sich das Ereignis Jahrhunderte später als einzigartiger Glücksfall.

Immerhin wurden durch die Eruption gleichsam ein Schnappschuss des römischen Alltag an der Küste des Golfs von Neapel mehr oder weniger vollständig konserviert. Bis heute werden regelmäßig bedeutende Funde aus dieser Zeit freigelegt. Einen ganz außergewöhnlichen (Wissens-)Schatz entdeckte man 1752 unter den Trümmern einer opulenten römischen Landvilla in Herculaneum: eine praktisch unberührte Bibliothek antiker Schriften, bestehend aus hunderten verkohlten Papyrusrollen.


Kaum zu glauben, dass man dieser verkohlten Papyrusrolle überhaupt noch etwas entlocken konnte
Foto: Diamond Light Source

Einzigartige Villa dei Papiri
Heute ist der Fundort als Villa dei Papiri bekannt. Der ursprüngliche Besitzer des Landguts ist der historischen Forschung kein Unbekannter, kam er doch aus dem unmittelbaren familiären Umfeld von Julius Cäsar: Lucius Calpurnius Piso Caesonius war ein römischer Politiker und der Schwiegervater Cäsars.

Als eine Art Mäzen beherbergte er den griechischen Philosophen Philodemus von Gadara mitsamt dessen vermutlich über 1000 Werke umfassenden Bibliothek. Die Sammlung ist die einzige erhaltene vollständige Bibliothek der klassischen Welt, über Jahrzehnte bis zur Vesuv-Katastrophe in einer hochrangigen Familie weitervererbt, um schließlich im Jahr 79 unter heißer Asche für die Nachwelt begraben zu werden.

Zerbrechlicher Wissensschatz
Doch diesen Schatz zu heben ist eine schmerzlich mühselige Angelegenheit. Etwa zwei Drittel der zerbrechlichen Schriftrollen sind seit ihrer Entdeckung entrollt worden, doch viele davon sind beim Versuch in Fragmente zerfallen. Den Rest beließ man in ihrem ursprünglichen angekokelten Zustand. Doch moderne Technik eröffnete mittlerweile auch Zugang zu diesen zusammengebackenen angeschwärzten Schriftrollen.


In den letzten Jahren ist es gelungen, mithilfe besonders energiereicher Röntgenstrahlen Scans von einigen Rollen und Bruchstücken anzufertigen. Um in dem Zeichendurcheinander auf den einander überlagernden Schichten Sinn zu entdeckten, kam Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Anfangs waren es nur einzelne Worte, doch dann traten ganze Textpassagen zutage: Die ersten rund 2000 griechischen Buchstaben einer der Rollen entpuppten sich beispielsweise als eigenes Werk von Philodemus von Gadara, in dem er über Lustgewinn und Mangel, den Geschmack von Kapern, das bewegende Flötenspiel eines gewissen Xenophantus und um Kritik an den vergnügungsfernen Stoikern ging.


Eine besonders starke Röntgenquelle und Künstliche Intelligenz halfen dabei, auf der Papyrusrolle PHerc. 172 einige griechische Buchstaben zu entziffern.
Foto: Diamond Light Source

Drei Rollen in Oxford
Drei der fragilen Schriftrollen aus der Villa der Papyri landeten auch in der Bodleian Library der Universität Oxford. Vorsichtshalber blieben sie jahrzehntelang unangetastet, doch nun analysierte man eine der Rollen mit jenen Hightech-Methoden, die bereits in Italien erstaunliche Ergebnisse geliefert hatten. "Wir waren lange Zeit davon überzeugt, dass keine der Techniken sicher oder effektiv genug wäre, um Informationen aus den Schriftrollen zu gewinnen", erklärte Nicole Gilroy, Leiterin der Buchrestaurierung der Bodleian Library.

Der erste Schritt zur Entschlüsselung des Inhalts der Rolle PHerc. 172 war ein bildgebendes Verfahren mithilfe der Diamond Light Source, einem Synchrotron in Harwell nahe Oxford. Diese riesige Maschine beschleunigt Elektronen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit und erzeugt dabei einen extrem starken Röntgenstrahl. "Es kann Dinge in einer Größenordnung von wenigen Tausendstel Millimetern sichtbar machen", sagt Adrian Mancuso, Direktor für Physik der Anlage.

Erste Erfolge
Die dabei gewonnenen Daten ermöglichten eine 3D-Rekonstruktion des Inneren der Schriftrolle. Doch das allein reicht nicht – denn sowohl die Tinte als auch der Papyrus bestehen aus Kohlenstoff und lassen sich am Bild kaum voneinander unterscheiden. Hier kommt Künstliche Intelligenz ins Spiel: Man ließ die KI nach den feinsten Abweichungen in der Materialstruktur suchen, die auf die Anwesenheit von Schrift hinweisen könnten.

"Die gesamte Schriftrolle ist voller Text", erklärt Stephen Parsons, Leiter des Projekts Vesuvius Challenge. "Jetzt können wir daran arbeiten, dass er auch deutlich zum Vorschein kommt. Wir werden von zunächst einer Handvoll Wörtern zu wirklich umfangreichen Passagen kommen."

Tatsächlich konnten bereits erste Buchstabenfolgen identifiziert und entziffert werden. Unter anderem tauchte das altgriechische Wort für "Ekel" auf. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Texte philosophischen Inhalt haben – möglicherweise Werke der epikureischen Schule, die lehrt, dass Erfüllung durch die Freude an einfachen Dingen gefunden werden kann.


Das Bild zeigt den Röntgenscan eines Teils der Papyrusrolle PHerc.172. Hier einzelne Worte zu erkennen fällt sogar der Künstlichen Intelligenz schwer.
Foto: Vesuvius Challenge

Es wird dauern
Trotz dieses ersten Erfolges steht das Projekt freilich noch am Anfang. "Wir brauchen vor allem bessere Bilder", betont Peter Toth, Kurator für griechische Sammlungen an der Bodleian Library. "Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Lesbarkeit des Textes weiter verbessern können."

Ein weiteres Ziel ist es, die Technologie direkt vor Ort in Neapel einzusetzen, wo sich noch etwa 1000 der Schriftrollen befinden. Derzeit müssten die empfindlichen Rollen umständlich nach Oxford transportiert werden. Die Arbeit wird den Forschenden in den nächsten Jahren jedenfalls nicht ausgehen. Immerhin könnten neben den bereits bekannten Papyrusrollen in Herculaneum weitere literarische Schätze auf ihre Entdeckung warten. (Thomas Bergmayr, 6.2.2025)
KI entziffert Text aus 2000 Jahre alter verkohlter Schriftrolle
 

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#23
Farbenfrohe Megalografie
Spektakulärer Fund in Pompeji: Saal mit prunkvollem Dionysos-Fresko entdeckt
Die große Figurenparade auf pompejanischem rotem Hintergrund schmückte vor fast 2000 Jahren den Bankettsaal einer luxuriösen altrömischen Villa

Die altrömischen Fresken des neu entdeckten Bankettsaals zeigen dionysische Mysterienfeiern mit buntem Personal. Hier ist eine Detailaufnahme mit einem Flöte spielenden Satyr.
Foto: EPA/CESARE ABBATE

Als der Vesuv im Jahr 79 ausbrach, war das für die Menschen am Golf von Neapel eine Katastrophe ungeheuerlichen Ausmaßes. Für die moderne Geschichtswissenschaft erweist sich die Vulkaneruption dagegen bis heute als Glücksfall: Damals wurden die antiken römischen Städte Herculaneum und Pompeji unter meterdicker Asche begraben und für die Nachwelt (und zur Freude von Archäologinnen und Archäologen) konserviert.


Eingerahmt war der Raum mit zahlreichen Säulen, vom Marmorfliesenboden sind nur mehr wenige Reste vorhanden.
Foto: via REUTERS/POMPEII ARCHAE

Erst Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Stadt wiederentdeckt, offiziell begannen die Ausgrabungen 1748. Archäologisch faszinierend ist, dass durch das Unglück das Leben in der Stadt in den letzten Augenblicken des Untergangs wie eine Momentaufnahme festgehalten ist. Obwohl man vielleicht annehmen könnte, dass in den vergangenen fast 300 Jahren das meiste wohl schon freigelegt worden ist, kommt nach wie vor Prachtvolles aus altrömischer Zeit ans Licht. Weite Teile von Pompeji liegen noch immer unter der Asche des Ausbruchs verborgen.


Ein weiteres Detail des Freskos: eine Nymphe, die sich neugierig umblickt.
Foto: EPA/CESARE ABBATE

Ein Bankettsaal für üppige Feste
Nun haben Forschende die jüngsten Entdeckungen präsentiert, darunter eine regelrechte Sensation: Archäologen befreiten in der Regio IX von Pompeji eine üppige Villa aus dem ersten Jahrhundert vor Christus mit einem großen Bankettsaal vom Schutt und legten dabei erstaunliche Gemälde frei. Der Fund kann es durchaus mit der vor mehr als einem Jahrhundert entdeckten Mysterienvilla aufnehmen.

Der Saal im Haus des Thiasos genannten Gebäude war mit einem Tonnengewölbe bedeckt und wies dekorative Kassetten auf. Der gesamte Raum blickte einst auf einen großen Garten hinaus, dessen Überreste allerdings erst freigelegt werden müssen. Der Boden des Bankettsaals war mit Fliesen aus kostbarem buntem Marmor dekoriert, die jedoch großteils nicht mehr erhalten sind.


Leider sind nicht alle Wandbemalungen erhalten geblieben.
Foto: via REUTERS/POMPEII ARCHAE

Das Besondere an diesem Raum ist jedoch seine beeindruckende Bemalung: Die Wände zeigen tanzende Satyrn und Bacchantinnen, die den Gott Dionysos feiern, mit Zimbeln und Doppelflöten musizieren oder Opfer darbringen: Der Freskenzyklus stellt die Einweihung in die dionysischen Mysterien im Rahmen einer Prozession dar. "Diese Megalografie wirft ein neues Licht auf die Mysterien des Dionysos in der klassischen Welt", zeigte sich der italienische Kulturminister Alessandro Giuli bei der Vorstellung des Fundes begeistert. Mit Megalografie bezeichnet man in der Kunstgeschichte Bilder, die ihren Inhalt lebens- oder überlebensgroß abbilden.

Ein ungewöhnliches Element des Gemäldes ist, dass alle Figuren auf Sockeln dargestellt sind, als wären sie Statuen. Dennoch wirken sie dank der dynamischen Gesten, der Hauttöne und der Darstellung von Textilien sehr lebensnah. Das Fresko wird von den Fachleuten dem II. Stil der pompejanischen Malerei zugeordnet, der auf das erste Jahrhundert v. Chr. datiert werden kann, genauer: auf die Jahre 40 bis 30 v. Chr. Zum Zeitpunkt des Vesuvausbruchs im Jahr 79 n. Chr. war der Fries also bereits ein Jahrhundert alt.


Die Detailansicht zeigt Geflügel und darunter Meeresfrüchte, es repräsentiert das Element der Jagd.
Foto: EPA/CESARE ABBATE

Tänzerinnen und eine Nizianda
Das Fresko auf einem pompejanischen roten Hintergrund schmückt den großen Bankettsaal auf allen drei Seiten, die nicht dem Garten des Hauses zugewandt sind, und stellt die Prozession des Dionysos mit Tänzerinnen und Jägerinnen sowie jungen Satyrn mit spitzen Ohren dar. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie in dem prachtvollen Raum die High Society von Pompeji zu Empfängen zusammenfand, bei denen die Gäste auf Triclini lagen, schlemmten, tranken und Darbietungen verfolgten.

Das einzige andere bekannte Beispiel einer solchen Megalografie, die dionysische Mysterienriten darstellt, ist der berühmte Fries der Mysterienvilla, die sich etwas außerhalb von Pompeji befindet und ebenfalls im II. Stil gehalten ist. Die nun vorgestellten Gemälde bringen jedoch ein zusätzliches Element in die Darstellung dionysischer Rituale ein: die Jagd.

Das Thema der Jagd wird nicht nur durch die Jägerinnen, sondern auch durch einen zweiten, kleineren Fries, der über der Hauptszene verläuft, angedeutet. Hier sind verschiedene Tiere abgebildet, sowohl lebend als auch tot: ein Rehkalb, ein frisch zerlegter Eber, Hähne, verschiedene Vögel sowie Fische und Schalentiere.


Die Initiandin wird in die Mysterien des Dionysos eingeweiht.
Foto: EPA/CESARE ABBATE

Nur für Eingeweihte
In der Mitte des Freskos erscheint die Initiandin, eine Sterbliche, die in einem nächtlichen Ritual in die Mysterien des Dionysos eingeweiht werden soll, des Gottes, der stirbt und wiedergeboren wird und seinen Anhängern dasselbe verspricht.

In der Antike waren zahlreiche Kulte, darunter auch der dionysische Kult, ausschließlich für diejenigen reserviert, die sich einer Initiation unterzogen, wie es auf dem Fresko der Villa dargestellt wird. Diese Kulte wurden als "Mysterienkulte" bezeichnet, eben weil ihre Lehren nur Eingeweihten zugänglich waren. Sie versprachen den Gläubigen oft ein glückliches Schicksal sowohl im Leben als auch im Jenseits.


Die Motive sind teilweise so kunstvoll ausgeführt, dass man die dargestellten Spezies identifizieren kann. Hier links sind Mittelmeer-Muränen zu erkennen.
Foto: EPA/CESARE ABBATE

Zusätzliche Mittel
Die italienische Regierung um Premierministerin Giorgia Meloni hat kürzlich zusätzliche Mittel in Höhe von 33 Millionen Euro für strategische Ausgrabungen, geplante Instandhaltungs- und Aufwertungsarbeiten in der antiken Stadt und ihrem Gebiet bereitgestellt, betonte Giuli. In Pompeji wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten mehr als 13.000 Räume in 1070 Wohneinheiten sowie öffentliche und sakrale Räume entdeckt.
(tberg, red, 26.2.2025)
Spektakulärer Fund in Pompeji: Saal mit prunkvollem Dionysos-Fresko entdeckt
 

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#24
Menschliches Gehirn
Dieses schwarze Glas entstand im Kopf eines Vesuv-Opfers
Die Katastrophe von Pompeji und Herculaneum trug sich anders zu als gedacht. Das vermutet ein Forschungsteam anhand des einzigen natürlichen Glases aus organischem Material

Dieses schwarze Glas entstand bei der Katastrophe von Herculaneum/Pompeji aus einem menschlichen Gehirn.
Paolo Petrone

Glas wie dieses gibt es kein zweites Mal: Es glänzt wie Obsidian und entstand ebenfalls durch einen Vulkan – allerdings im Kopf eines Menschen. Unter extremer Hitze und rapider Abkühlung verwandelte sich das Gehirn eines jungen Mannes in das schwarze Glas. Er war eines der Opfer von Herculaneum und Pompeji, die im Jahr 79 beim Ausbruch des Vesuvs starben.

Was dabei mit seinem Gehirn und Rückenmark passierte, ist nicht nur für diese Fundstätten einzigartig, sondern "das einzige bekannte Beispiel dieser Art auf der Welt", betont der forensische Anthropologe Pier Paolo Petrone von der Universität Neapel in einer Aussendung. Mit seinem deutsch-italienischen Forschungsteam veröffentlichte er im Fachblatt Scientific Reports eine neue Studie zu dem spektakulären Fall. Der Leichnam wurde bereits in den 1960er-Jahren an einer Kultstätte in Herculaneum entdeckt, jedoch quasi unberührt gelassen – zum großen Glück heutiger Archäologinnen und Archäologen, die den Körper 60 Jahre später mit Hightechmethoden gründlicher untersuchen können.


Die Eruption des Vesuv in einer künstlerischen Darstellung. Mindestens 2000 Personen dürften dabei gestorben sein und wurden von Wolken aus heißem Gas und Asche überrascht.
IMAGO/Gemini Collection

Bereits vor fünf Jahren berichteten Fachleute über das Gehirn, das aussieht wie aus dunklem Glas, nun konnte durch gründliche Analysen nachgewiesen werden, dass es sich tatsächlich um Glasmaterial handle, erläutert Erstautor und Vulkanologe Guido Giordano von der Universität Rom III auf STANDARD-Nachfrage und spricht von einer "absoluten Premiere".

Hüter der Kultstätte
Im Zentrum der Analyse steht ein unbekannter Mann, der mit etwa 20 Jahren in der antiken Küstenstadt Herculaneum verstarb. Er lag zu diesem Zeitpunkt auf einem Bett in einem kleinen Zimmer, das zum sogenannten Collegium Augustalium gehörte. In diesem mit Wandmalereien verzierten Gebäude trafen sich die Anhänger des Kaiserkults des Augustus, womöglich auch zu Ehren des Halbgotts Herkules, der Herculaneum gegründet haben soll. Womöglich handelte es sich um einen Hüter der Kultstätte, dessen Leben wohl in der Nacht des 24. Oktober 79 ein rasches Ende fand.


Das Opfer war etwa 20 Jahre alt und befand sich in einer kleinen Kammer der Kultstätte im Bett. Hier sind die Überreste zu sehen, die Spuren des Schädels rechts.
Pier Paolo Petrone

Für den Tod hunderter Bewohnerinnen und Bewohner werden pyroklastische Ströme verantwortlich gemacht, also Walzen aus Magma, Asche und Gas, die ein paar Stunden nach der Eruption mit einem Tempo von mehreren Hundert km/h den Vesuv hinunterrasten und die Stadt unter sich begruben. Für ihre Temperatur wurden maximal 465 Grad Celsius berechnet, und sie dürften nicht besonders schnell abgekühlt sein.

Doch genau das wäre nötig, damit Glas entsteht: Material muss sowohl stark aufgeheizt werden als auch drastisch abkühlen, damit die flüssigen Anteile beim Verfestigen keine Kristalle bilden. Im Gegensatz zu Quarzsand und Silikaten, die die Grundlage für das bilden, was wir landläufig unter Glas verstehen, besteht organisches Gewebe großteils aus Wasser. Das ist noch dazu bei durchschnittlichen Umgebungstemperaturen flüssig und wird erst bei null Grad Celsius fest. Das macht das Entstehen von organischem Glas auf natürlichem Weg fast unmöglich.

Eine neue Hypothese
Das Glashirn von Herculaneum ist laut der Forschungsgruppe der bislang einzige bekannte Fall auf der Erde. Sie wollte nachweisen, dass es sich tatsächlich um Glas handelt, und verstehen, wie die harte Hirnsubstanz überhaupt entstehen konnte. Dafür führte unter anderem die Glas-Expertengruppe um Joachim Deubener an der Technischen Universität Clausthal in Deutschland einige Analysen am Gehirnfragment durch. Die Geräte sind laut Deubener zu sehr hohen Heizraten von 1000 Grad pro Sekunde in der Lage.

Die Ergebnisse lieferten über die extreme Heizrate des Materials den experimentellen Nachweis, dass es sich um Glas handelte. "Das Material besteht zum größten Teil aus Kohlenstoff, welches auch seine schwarze Farbe begründet", sagt Deubener dem STANDARD. Erstaunlich war dabei, dass Hirn und Rückenmark auf eine Temperatur von mindestens 510 Grad Celsius erhitzt werden und dann rasch erkalten mussten, um zu Glas zu werden.


Die Fundstätte Herculaneum, im Hintergrund der Vesuv.
Pier Paolo Petrone

Weil dies die Temperatur der üblichen Magma-Asche-Walzen übersteigt, musste eine neue Erklärung her. Das Team rekonstruierte ein mögliches Szenario, bei dem der erste pyroklastische Strom in Form einer dünnen, aber weit über 510 Grad heißen Aschewolke in Herculaneum ankam. "Sie hinterließ einige Zentimeter sehr feiner Asche auf dem Boden, aber die thermische Wirkung war schrecklich und tödlich", sagt Erstautor Giordano. So schnell, wie sie gekommen war, muss sie auch wieder verschwunden sein – so kühlte alles wieder rasch ab, und das Gehirn des Kultisten wurde nicht vollständig vernichtet, sondern "verglaste". Solche Wolken wurden bereits bei anderen Vulkanausbrüchen beobachtet.

Tod durch rasante Aschewolke
Giordano vermutet auch, dass die enorm heiße Wolke in Herculaneum viele andere Menschen tötete. Erst später in der Nacht wurde die Stadt durch die Ablagerungen weiterer, weniger heißer Ströme verschüttet und für die Nachwelt konserviert. Pompeji hingegen dürfte von dieser frühen Aschewolke verschont geblieben sein.

Für den Vulkanologen ist dieses Szenario bis heute relevant für den Katastrophenschutz. Es zeigt, dass "sehr dünne Ströme eine sehr große Gefahr darstellen, die nur kleine Auswirkungen auf die Strukturen haben, aber aufgrund ihrer Temperaturen tödlich sein können". Das Wissen um solche schnellen Aschewolken könne helfen, wirksame Präventionsmaßnahmen umzusetzen.


Im Gehirnglas sind erstaunlich detaillierte Strukturen von Nervenzellen erhalten geblieben, etwa Axone und Dendriten (weiße Pfeile), wie Aufnahmen im Elektronenmikroskop zeigen.
Giordano et al. 2025, Scientific Reports

Die neuen Erkenntnisse tragen aber auch zur Faszination um die Geschichte des antiken Katastrophenortes bei, an dem nun auch das vielleicht einzige natürliche Glas entdeckt wurde. Laut dem Anthropologen Petrone ist es wahrscheinlich, dass die besonderen Bedingungen zu Beginn des Ausbruchs am Fundort kombiniert mit dem schützenden Knochenmaterial um Gehirn und Rückenmark die Voraussetzungen dafür bildeten, dass sich daraus organisches Glas bilden konnte.
(Julia Sica, 28.2.2025)
Italien: Funde in und um die antike Stadt Pompeji bei Neapel
 

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#25
Eindrucksvolles Pärchen
Pompeji: Lebensgroße Figuren an monumentaler Grabanlage entdeckt
Die beiden Hochreliefskulpturen stellen eine Frau, wahrscheinlich eine Priesterin, und einen Mann dar und stammen aus der späten republikanischen Zeit
Bei einer archäologischen Ausgrabung in der Nekropole Porta Sarno nahe Pompeji haben Forschende ein annähernd lebensgroßes Relief eines Paares freigelegt, das einst ein monumentales Grab zierte. Die Entdeckung gewährt neue Einblicke in die römische Bestattungskultur und die soziale Struktur der antiken Stadt, die im Jahr 79 nach Christus beim Ausbruch des Vesuv unter meterdicken Ascheschichten verschwand.
Das Grabungsprojekt unter der Leitung der spanischen Universität von Valencia widmet sich vor allem der Erforschung der sozialen Identität der Verstorbenen. Das multidisziplinäre Team aus Archäologinnen, Architekten, Restauratorinnen und Anthropologen hat erste Ergebnisse der Untersuchung der Funde aus der Nekropole Porta Sarno nun im E-Journal of the Excavations of Pompeii veröffentlicht.


Das eindrucksvolle steinerne Pärchen an einer monumentalen Grabanlage in der Nekropole Porta Sarno dürfte zu Lebzeiten der Elite von Pompeji angehört haben.
Foto: Alfio Giannotti / Parco archeologico di Pompei

Zuschauen bei der Restaurierung
Die detailreich gemeißelten Figuren, eine Frau und ein Mann, wurden zur Restaurierung in die Große Palästra von Pompeji, den antiken Trainingsplatz für Ringkämpfe, gebracht und sollen demnächst öffentlich zu bestaunen sein. Besucherinnen und Besucher haben dann die Gelegenheit, den Restaurierungsprozess aus nächster Nähe zu verfolgen.

Die Erforschung der Porta Sarno begann bereits in den 1990er-Jahren, als Arbeiten an der Circumvesuviana-Bahnlinie stattfanden. Schon damals wurden bedeutende Funde gemacht: Bei einer Grabungskampagne im Jahr 1998 entdeckten Archäologen mehr als 50 Brandbestattungen, die von Stelen und monumentalen Grabbauten umgeben waren, darunter ein imposanter Grabbogen.

Prominentes Pompejanerpaar
Bei der jüngsten Entdeckung in der Nekropole kam schließlich ein monumentales Grab mit einer großflächigen Wand ans Licht, in die mehrere Nischen eingearbeitet sind. An der Front dieser Struktur wurde das neue Relief gefunden. Die prominente Platzierung und die künstlerische Gestaltung der beiden steinernen Figuren lassen darauf schließen, dass das Paar in der Gesellschaft Pompejis eine angesehene Stellung innehatte.

Besondere Aufmerksamkeit schenken die Archäologinnen und Archäologen der weiblichen Figur. Ihre symbolträchtige Darstellung deutet darauf hin, dass sie eine Priesterin der Göttin Ceres, der Göttin der Landwirtschaft und Fruchtbarkeit, war. Offenbar spielte sie zu Lebzeiten eine wichtige Rolle im religiösen Leben der Stadt.


Nahaufnahme des Fundes: Die beiden Hochrelief-Skulpturen müssen nicht zwangsläufig ein Ehepaar darstellen. Auch Mutter und Sohn wären eine Möglichkeit, so die Fachleute.
Foto: Alfio Giannotti / Parco archeologico di Pompei

Hinweise auf ihre priesterliche Berufung lieferten vor allem ihr Schmuck und hier insbesondere eine sogenannte Lunula, ein halbmondförmiger Anhänger, der in der Mitte der Halskette hängt. Das Leben der meisten Frauen in der römischen Gesellschaft beschränkte sich auf das häusliche Umfeld. Höhere Positionen erlangten Frauen daher allenfalls als Priesterinnen, wo sie allerdings durchaus eine ähnliche Machtposition innehatten wie männliche Priester. Dieser und vorangegangene Funde legen nahe, dass Frauen eine aktivere Rolle im religiösen und gesellschaftlichen Leben der Stadt spielten als bisher angenommen.

Nicht zwangsläufig verheiratet
Die Frau ist verschleiert dargestellt und trägt einen großen Umhang über einer Tunika, während sich der Mann in eine Toga hüllt, die über seine linke Schulter gewickelt ist. In ihrer Rechten hält die Frau etwas, das nach einem Lorbeerzweig aussieht. Diese wurden verwendet, um religiöse Stätten zu reinigen und zu segnen, indem man damit Weihrauch und den Rauch von aromatischen Kräutern verteilte.

Dass die beiden zu Lebzeiten ein Ehepaar waren, ist allerdings keineswegs gesichert. Nicht immer waren bei solchen Grabdenkmälern tatsächliche Paare dargestellt. "Manchmal sieht man auch zwei Männer oder drei", sagte Zuchtriegel. "Es könnte schon ein verheiratetes Paar sein, aber es könnte auch eine Mutter-Sohn-Kombination sein. Es gab keine Inschrift, also wissen wir es nicht." Damit bleibt wohl zumindest vorerst auch ihre Identität ein Geheimnis.


Auch zahlreiche Objekte, die für römische Bestattungsrituale typisch sind, kamen bei den Ausgrabungen ans Licht, darunter diese Glasflasche, in der sich wahrscheinlich einst ein parfümiertes Öl befand.
Foto: Parco archeologico di Pompei

Römische Bestattungsrituale
Aufgrund der stilistischen Merkmale ordnen die Fachleute die beiden Hochrelief-Skulpturen in die späte republikanische Zeit im ersten Jahrhundert v. Chr. ein, einer Epoche, in der wohlhabende Familien ihre gesellschaftliche Bedeutung durch aufwendige Grabmonumente zum Ausdruck brachten. "Das Projekt bietet eine großartige Gelegenheit, unser Wissen über das Leben in den Außenbezirken Pompejis zu vertiefen", sagte Zuchtriegel anlässlich der Vorstellung des Fundes.

Neben dem eindrucksvollen Relief brachten die Ausgrabungen auch zahlreiche Artefakte ans Licht, die weitere Hinweise auf die Bestattungsrituale der antiken Pompejanerinnen und Pompejaner geben. Dazu gehören Keramikgefäße und Salbengläser, die wahrscheinlich bei Trankopferzeremonien genutzt wurden. Solche Rituale, bei denen parfümierte Öle ausgegossen wurden, waren unerlässlich, um bei Beerdigungen gleichsam alle Sinne anzusprechen, aber auch um einen olfaktorischen Gegenpol zu den unangenehmen Gerüchen bei einem Todesfall zu bilden.
(Thomas Bergmayr, 3.4.2025)
Pompeji: Lebensgroße Figuren an monumentaler Grabanlage entdeckt
 

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#26
Unerschrockene Siedler
Pompeji wurde nach seiner Zerstörung neu besiedelt
Nach der Katastrophe lebten mehrere Hundert Jahre lang Menschen in Pompeji. Das belegen neue Ausgrabungen

Dieses Pferdeskelett wurde bei den neuen Ausgrabungen gefunden.
UFFICIO STAMPA Parco Archeologico di Pompei

Der Untergang von Pompeji ist die wohl bekannteste Katastrophe der Antike, die schon von zeitgenössischen Historikern beschrieben wurde. Ein Ausbruch des Vulkans Vesuv verschüttete die Stadt mit vulkanischem Material und überraschte damit die Einheimischen. Ihren größten Ruhm erlangte die Stadt aber erst lange nach ihrem Untergang. Durch die plötzliche Bedeckung entstand eine Momentaufnahme, als das Leben der Stadt praktisch eingefroren und für die Nachwelt in beispielloser archäologischer Qualität konserviert wurde.

Seit dem Beginn der Ausgrabungen im 18. Jahrhundert ist die Stadt ein Quell immer neuen Wissens über das Leben in der römischen Antike, mit immer neuen Überraschungsfunden. Nun berichtet der Archäologische Park von Pompeji von einer neuen Überraschung. Eine aktuelle Ausgrabung legt nahe, dass es nach der verheerenden Katastrophe zu einer Wiederbesiedelung gekommen war.


Auch ein prunkvolles Mosaikfragment kam zutage.
UFFICIO STAMPA Parco Archeologico di Pompei

Bisher übersehen
Vermutungen über eine Rückkehr von Menschen gab es bereits in der Vergangenheit. Die neuen Ausgrabungen finden nun Belege dafür. Als echte Neubesiedelung der ursprünglichen Stadt darf man sich das eher nicht vorstellen. Deren Infrastruktur lag schließlich unter vulkanischer Asche begraben. Doch Überlebende, die keine Möglichkeit hatten, sich anderswo ein neues Leben aufzubauen, dürften ebenso wie Menschen aus Nachbarorten an den Ort der Katastrophe zurückgekehrt sein. Ein Grund dürfte die Suche nach wertvollen Gegenständen gewesen sein.

Die Erkenntnis kommt angesichts der verheerenden Ausmaße der Katastrophe überraschend. Dass man bisher nichts darüber wusste, liegt wohl an der von Leidenschaft getriebenen Ausgrabungsarbeit im Zuge der Freilegung Pompejis. "In der Begeisterung, das Niveau von 79 zu erreichen, mit wunderbar erhaltenen Fresken und noch intakten Einrichtungsgegenständen, wurden die schwachen Spuren der Wiederbesetzung des Ortes entfernt und oft ohne jegliche Dokumentation weggefegt", sagt Ausgrabungsleiter Gabriel Zuchtriegel.

Prekäre Verhältnisse
Das Leben dürfte prekär und schlecht organisiert gewesen sein, doch die Besiedelung erstreckte sich über mehrere Hundert Jahre, bis das Gebiet im 5. Jahrhundert endgültig aufgegeben wurde. Zuchtriegel beschreibt eine Art Lager, das damals innerhalb der noch erkennbaren Ruinen der Stadt errichtet worden war.

Der schlechte Zustand dieses Lagers dürfte auch Kaiser Titus zu Ohren gekommen sein. Er entsandte einst zwei Konsuln, die sich um einen Wiederaufbau von Pompeji und Herculaneum kümmern sollten. Außerdem ging es darum, die Habseligkeiten von Menschen zu sichern, die in der Katastrophe umkamen und keine Erben hinterließen. Sie sollten karitativen Zwecken zugeführt werden. Die Neugründung gelang aber nicht, und Pompeji erreichte nie wieder seine einstige Blüte.

Die Archäologie kann aber nun der Geschichte Pompejis ein neues Kapitel hinzufügen. "Wir holen die Teile hervor, die aus der Geschichte entfernt wurden", betont Zuchtriegel und regt an, auch anderswo den Blick auf Dinge zu lenken, die zu oft im Schatten scheinbar wichtigerer Dinge verborgen bleiben.
(Reinhard Kleindl, 9.8.2025)
Pompeji wurde nach seiner Zerstörung neu besiedelt
 

josef

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#27
Verschüttete Baustelle
Zufallsfund in Pompeji löst Rätsel um superfesten römischen Beton
Baumaterialien, die in teilweise fertiggestellten Räumen in Pompeji gefunden wurden, liefern gut erhaltene Beweise für die raffinierte Zementherstellung der Alten Römer

Eine fast 2000 Jahre alte, freigelegte Baustelle in Pompeji, die aussieht wie frisch verlassen, eröffnet neue Einblicke in fast 2000 Jahre alte Bautechniken.
Archäologischer Park Pompeji

Bauwerke wie das Pantheon lassen noch heute über die antike Baukunst staunen. Das ziemlich genau 1900 Jahre alte Bauwerk im Herzen Roms besaß rund 17 Jahrhunderte lang die weltgrößte Kuppel. Mit 43,4 Metern Durchmesser ist sie bis heute die größte Betonkuppel des Planeten, die nicht durch Stahl verstärkt ist. Dieses architektonische Meisterwerk – und seine fast zwei Jahrtausende währende Stabilität – wäre ohne extrem haltbaren Beton nicht möglich geworden.

Dessen Zusammensetzung und Herstellung faszinieren seit vielen Jahrzehnten Fachleute in aller Welt. Und in den vergangenen Jahren konnten die wesentlichen Geheimnisse der römischen Zement- und Betonherstellung gelüftet werden. Zunächst ging man lange davon aus, dass die besondere Festigkeit der römischen Bauwerke durch die Verwendung von gelöschtem Kalk (erhitzter Kalkstein gemischt mit Wasser) zustande kam.

Vermutung des "Heißmischens"
Jüngste Forschungen insbesondere einer Gruppe um den aus Bosnien-Herzegowina stammenden MIT-Professor Admir Masic deuten jedoch auf ein Verfahren hin, das als "Heißmischen" bekannt ist. Dabei wird Branntkalk – trockener, erhitzter Kalkstein – direkt mit Wasser, Vulkangestein und Asche gemischt. Durch die dabei entstehende chemische Reaktion erhitzt sich die Mischung. Archäologische Beweise für diese Methode lagen bis vor Kurzem jedoch noch nicht vor.

Ein Zufallsfund in Pompeji, das im Jahr 79 unserer Zeitrechnung unter Vulkanasche begraben wurde, hat das nun aber geändert: Dort wurde eine Baustelle durch die Asche bestens konserviert und kürzlich freigelegt. Archäologen seien dabei in der Lage, "klar zwischen Materialien zu unterscheiden, die die Menschen in Pompeji bewusst für den Bau verwendet haben, und den Vulkanablagerungen, die die Stadt verschüttet haben", sagt Masic.

Die Materialien befanden sich dabei in demselben Zustand wie damals, "als die Eruption die Stadt in ihrer Zeit eingefroren hat", ergänzt der Forscher. "Als ich sie untersuchte, hatte ich das Gefühl, in die Zeit um 79 nach Christus zurückgereist zu sein und neben den Arbeitern zu stehen, während sie ihren Beton mischten und gossen."


Lageplan des Archäologischen Parks von Pompeji, mit dem Fundort in der Regio IX in hellblau (oben, Mitte) und dem Domus IX 10, 1 in zusätzlichen Details, mit farbcodierten Stapeln von Rohbaumaterialien (rechts): violett: Schutt; grün: Stapel von trockenen vorgemischten Materialien; blau: Stapel von Tuffsteinen.
Masic et al., Nature Comm. 2025

Dieser Erhaltungsgrad sei beispiellos und habe dem Team äußerst wertvolle Einblicke gegeben. Bis dahin hat sich ein Großteil unseres Wissens über römische Bautechniken auf schriftliche Überlieferungen gestützt, da die Funde von Werkzeugen und Rohstoffen aus archäologischen Stätten relativ begrenzt und fragmentarisch sind.

Aufschlussreiche Funde
Wie Masic und sein Team im Fachblatt Nature Communications berichten, konnten sie Branntkalk, Vulkanasche und Zuschlagstoffe identifizieren – alles Materialien, die die Verwendung der Heißmischungstechnik belegen. Zudem fanden sie Gewichte und Messinstrumente, die ihrer Meinung nach dazu gedient haben könnten, gleichbleibende Mischungsverhältnisse beim Betonieren und gerade, ebene Wände zu gewährleisten.


Ein Stapel ordentlicher, gestapelter Keramikdachziegel und Tuffsteinblöcke im Atrium 2 der neu ausgegrabenen Regio IX im Archäologischen Park Pompeji.
Archäologischer Park Pompeji

Die Autoren analysierten auch die chemische Zusammensetzung und Mikrostruktur dieser Baumaterialien. Sie fanden dabei eine charakteristische molekulare Signatur und ein Muster von Rissen und Porosität, das direkt mit der Anwendung von Branntkalk und Heißmischtechniken auf der Baustelle in Verbindung gebracht werden konnte.

Der Vergleich mit früheren Bauwerken zeigt, dass die Methode in der spätrepublikanischen und kaiserzeitlichen Epoche weit verbreitet war. Sie ermöglichte es Gebäuden, Brücken und Aquädukten, über Jahrtausende hinweg Erdbeben und Vulkanausbrüchen standzuhalten. Wie eben auch dem Pantheon in Rom.

ktualität der Forschungen
Die neue Entdeckung hat nicht nur historische, sondern auch aktuelle bautechnische Bedeutung: Das Verständnis der Selbstreparaturmechanismen des altrömischen Betons könnte die Entwicklung langlebigerer und nachhaltigerer Baumaterialien vorantreiben, wie die MIT-Forschungsgruppe argumentiert. Mit anderen Worten: Der römische Superbeton könnte helfen, die Emissionen der Branche zu reduzieren und die Lebensdauer von Bauten zu erhöhen.
(Klaus Taschwer, 10.12.2025)
Zufallsfund in Pompeji löst Rätsel um superfesten römischen Beton
 

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#28
Pompeji
Frühe Badehäuser waren unhygienisch
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Öffentliche Bäder sind zentrale Treffpunkte im antiken Pompeji gewesen. Sie laufend mit frischem Wasser zu versorgen war vor über 2.000 Jahren aber nicht einfach. Das Badewasser wurde recht selten gewechselt und war daher regelmäßig verunreinigt, was nun Proben von antiken Kalkablagerungen zeigen.
Online seit heute, 8.05 Uhr
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Die öffentlichen Bäder im antiken Pompeji waren mehr als nur Orte der Hygiene. Die Menschen nutzten sie auch als soziale Treffpunkte und trafen im beheizten Wasser wahrscheinlich auch wirtschaftliche und politische Entscheidungen.

Große luxuriöse Bäder der Römer gab es in Pompeji erst ab der Zeit kurz vor Christi Geburt. Die Bevölkerung der süditalienischen Stadt nutzte aber auch schon davor öffentliche Badehäuser, die sogenannten republikanischen Bäder. „Davon hat es in Pompeji mehrere gegeben und sie waren oft gewissermaßen zwischen anderen Häusern eingezwängt“, erklärt der Archäologe Cees Passchier von der Universität Mainz im Gespräch mit ORF Wissen. „Verglichen mit den späteren Badehäusern waren diese Einrichtungen noch recht klein.“

„Glücksfall für die Wissenschaft“
Trotz ihrer geringen Größe war der Betrieb der frühen Badehäuser eine Herausforderung. Aquädukte, die die Wasserversorgung automatisierten, gab es noch nicht. Das Badewasser stammte aus bis zu 40 Meter tiefen Brunnen im Vulkangestein. Um es an die Oberfläche zu bekommen, nutzten die Menschen einfache Maschinen und Muskelkraft. „Sie haben mehrere Kübel an einem Seil befestigt, das dann von Sklaven durch eine Art Tretrad bewegt wurde“, so Passchier.

Cees Passchier
Das beheizte Frauenbad, oder Caldarium, der Stabian-Thermen in Pompeji

Dass es sich beim Badewasser um sehr kalkhaltiges Grundwasser handelte, ist laut dem Archäologen eine Art Glücksfall für die Wissenschaft. „Weil das Wasser in Pompeji hart war und Kalkablagerungen hinterlassen hat, können wir diese Ablagerungen nun untersuchen.“ Zusammen mit einem Forschungsteam unter der Leitung von Gül Sürmelihindi von der Universität Oxford und der Uni Mainz analysierte Passchier Kalkablagerungen aus Kanälen, Becken und Wasserleitungen, die auch nicht zuletzt durch die spätere Schicht Vulkanasche bis heute erhalten blieben. Das Ergebnis der Analysen präsentiert das Forschungsteam, dem auch Christoph Spötl vom Institut für Geologie der Universität Innsbruck angehörte, derzeit in einer Studie im Fachjournal „PNAS“.

Begrenztes Frischwasser
Da das Befüllen der Becken recht herausfordernd war, wurde das Badewasser wahrscheinlich nicht allzu oft gewechselt. „Für ein kleineres republikanisches Bad gab es damals weniger als eintausend Liter frisches Grundwasser pro Tag. Das heißt, dass es maximal einmal täglich neu befüllt wurde“, erklärt Passchier. Zum Vergleich: eine handelsübliche mittelgroße Badewanne fasst heute 200 bis 250 Liter.

Mit der begrenzten Menge an Frischwasser stieg natürlich auch die Zahl der Personen, die im selben Wasser badeten. In den analysierten Beckenablagerungen fanden die Fachleute daher zum Teil auch starke Spuren menschlicher Nutzung und organischer Abfälle. „Wir wissen nicht genau, worum es sich handelt, aber naheliegend sind natürlich Spuren von Schweiß, Urin und Ähnlichem“, so die Erstautorin der Studie, Gül Sürmelihindi, im Gespräch mit ORF Wissen. „Die Verschmutzung genau zu quantifizieren ist das Ziel künftiger Studien – Trinkwasserqualität hatte es aber auf keinen Fall.“

Proben zeigen Fortschritte
Anhand der Kalkablagerungen rund um die republikanischen Bäder konnte das Forschungsteam auch aufzeigen, dass sich die Wasserversorgung in Pompeji nach und nach verbesserte. „Während einer späteren Phase konnten wir feststellen, dass die Wasserhebemaschinen renoviert oder modernisiert wurden. Ihre Effizienz hat sich im Laufe der Zeit verbessert, was zu einem geringeren Wasserverlust führte und sich deutlich in den Ablagerungsmustern abzeichnet“, so Sürmelihindi.

Mit der steigenden Effizienz konnten auch größere Badehäuser gebaut werden. Die kleineren wurden nach und nach aufgegeben, wofür es laut dem Forschungsteam mehrere mögliche Gründe gibt. Neben der Konkurrenz durch die größeren Bäder könnten auch die unhygienischen Bedingungen zum Ende einiger kleiner republikanischer Badehäuser beigetragen haben.

Cees Passchier
Das Innere der Wasserverteilungsstruktur des Aquädukts von Pompeji

Aquädukt veränderte Versorgung
Die größte Verbesserung in der Wasserversorgung geschah in Pompeji jedoch um die Zeit um Christi Geburt, als das römische Reich ein großes Aquädukt errichtete, das Wasser aus etwas weiter entfernten Karstquellen anlieferte. Der Großteil der kalkhaltigen Grundwasserbrunnen wurde danach ebenfalls nicht mehr verwendet. Der Umbau in der Wasserversorgung, der der Stadt Zugang zu kühlem Nass in Trinkwasserqualität bescherte, lässt sich laut dem Forschungsteam auch in den neuen Daten gut nachvollziehen.

Mit dem Plus beim Wasserangebot gab es dann noch mehr und größere Bäder in Pompeji, in denen die hygienischen Bedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch besser waren. Und noch mehr Badehäuser waren in Planung. „Während des Ausbruchs des Vesuvs (Anm.: 79 n. Chr.) gab es tatsächlich weitere Badehäuser, die in Pompeji gerade gebaut wurden, die sogenannten zentralen Bäder. Sie sollten noch größer werden, wurden aber nie fertiggestellt“, so Passchier.
13.01.2026, Raphael Krapscha, ORF Wissen/Agenturen

Frühe Badehäuser waren unhygienisch
 

Geist

Zeitgeschichte im Untergrund
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#29
Sex und Gladiatoren: Graffiti in Pompeji

Liebe, Sex und Gladiatoren: Um Themen wie diese drehten sich Graffiti in der untergegangenen Stadt Pompeji, die mit Hilfe moderner Belichtungstechniken nun besser sichtbar gemacht wurden.

Das Projekt heißt „Bruits de Couloir“, übersetzt in etwa „Flurfunk“, denn es geht um Alltagstratsch, der nicht in den klassischen Schriften aus dem antiken Pompeji überliefert ist. Zu finden sind diese Graffiti in einem Fußgängerkorridor, der einst die beiden Theater der Stadt miteinander verband. Dieser Durchgang birgt Hunderte Sprüche, Namen, Zeichnungen und Kritzeleien, die jetzt neu dokumentiert und interpretiert werden sollen.

MIC – Archäologische Parks von Pompeji
Graffiti von Pompeji mit Gladiatoren

Grundlage ist eine Zusammenarbeit aus mehreren Disziplinen, sagt Marie-Adeline Le Guennec, Expertin für Römische Geschichte an der Universität Quebec in Montreal. Der Ausgangspunkt der Historikerin waren Graffiti, die in den Herbergen und Gasthäusern der Stadt zu finden sind und die in ganz ähnlicher Form auch die Wände des Korridors zieren.

„Methe liebt Chrestus“

Es geht zum Beispiel um klassische Liebeserklärungen wie „Methe liebt Chrestus“, sagt Eloïse Letellier-Taillefer von der Pariser Sorbonne-Universität. Dazu kommen Fanbezeugungen und Unmutsäußerungen, also die gesamte Palette an Inhalten, wie wir sie auch heute von Graffiti kennen. Die Theaterdarbietungen in dem Viertel kommen kaum vor, sagt die Archäologin und Kunsthistorikerin:

„Man hat alle Themen, die man will: Schiffe, Tiere, Leute, Liebe, Sex, Gladiatoren, aber sehr selten etwas mit Theater. Das zeigt eine andere Seite von den Theatern, die nichts mit den Aufführungen zu tun hat, sondern mit dem Alltagsleben in der Stadt.“

Mit neuer Technik zu besserer Rekonstruktion

Auch das Sprachniveau ist sehr unterschiedlich, inklusive Schreib- und Grammatikfehler. Auch sexuelle Inhalte stehen an der Wand, ergänzt Louis Autin, Professor für Latein an der Pariser Sorbonne: „Einige Erklärungen sind sehr pejorativ und auch sehr vulgär – mit Verben, die man nicht in einem Lateinkurs lernt.“

Projet de recherche „Bruits de couloir“ – SU/UQAM, 2025
Speziallampe, die zur Rekonstruktion der Graffiti eingesetzt wurde

Der 27 Meter lange und drei Meter breite Durchgang war wahrscheinlich überdacht, was die gut erhaltenen Inschriften erklären könnte, die weniger der Witterung ausgesetzt waren als andere Mauern der Stadt. Dass es dort Hunderte Graffiti gibt, ist schon lange bekannt.

Das neue Forschungsprojekt macht die Inschriften und Bilder aber wesentlich besser sichtbar. Mit Hilfe der computergestützten RTI-Technik, dem Reflectance Transformation Imaging, können die dreidimensionalen Inhalte besser beleuchtet und rekonstruiert werden, etwa auch bei fehlenden Einzelteilen, die durch Erosion nicht mehr vorhanden sind.

Aufnahmen bald online

Rund 15.000 Bilder mit unterschiedlicher Belichtung sind durch diese computergestützte Fototechnik in dem Gang entstanden, darunter 79 Graffiti, die bis jetzt noch nicht dokumentiert waren. In den kommenden Wochen sollen die Aufnahmen auf einer Plattform zu Verfügung gestellt werden – zur Beforschung des Alltagslebens der Ruinenstadt und für alle, die die Inschriften und Zeichnungen nicht direkt im Archäologischen Park Pompejis besichtigen können.

Kristina Singer, ORF Wissen

Dieser Beitrag begleitet das Ö1-Mittagsjournal, 3. Februar 2026.
Quelle mit Video und Tondatei: Sex und Gladiatoren: Graffiti in Pompeji
 
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