Kelleranlage Schellenhof Liesing

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Harald 41

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#1
Hallo;
Habe etwas im Buch von Marcello La Speranza ( Burgen,Bunker Bollwerke ) auf Seite 299 gefunden.
Es geht um die ehemaligen Kellerräume der aufgelassenen Bierbrauerei,in denen vor mehrerer Jahren noch eine Championzucht untergebracht war.
Diese Stollen sollen im Krieg als Rüstungsbetrieb adaptiert gewesen sein,auf diesem Areal sollten auch Teile von V2 Raketen hergestellt worden sein,
Währen des Weltkrieges wurde die Anlage getroffen und teilweise zerstört,es sollen auch noch verschüttete Personen ( Zwangsarbeiter ) unter den Trümmern begraben sein.( 1996 )
Meine Frage hat jemand noch Fotos,(Aufzeichnungen) von damals,2006 wurde die Brauerei eingeebnet und mit Wohnhäusern und einem Einkaufszentrum überbaut.
Heute ist nicht mehr erhalten.
http://www.google.at/imgres?imgurl=...hellenhof+Liesing&hl=de&sa=G&gbv=2&tbs=isch:1
LG Harry
 

josef

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#2
Hallo Harry,
siehe da:
Brauerei Schellenhof
Bundesland: Wien
Bezirk: Wien 23., Liesing
Gemeinde: Stadt Wien
Adresse: Wien 23., Ketzergasse 123 / Schellenhofgasse / Wildagasse
früher: Siebenhirten, Schellenhof Nr. 1
Homepage:
Bestand: vor 1622 - 1926
Produktion: 1845: 5.320 Eimer, 1858: 45.105 Eimer, 1894/95: 122.913 hl
Diverses: Gutsbrauerei; der Schellenhof wurde 1683 vor den herannahenden Türken zerstört
und 1685 samt Brauerei wieder aufgebaut; 1862 als Dampfbrauerei vollkommen
neu errichtet; 1926 Liquidation, die Brau- und Lieferrechte wurden von den
Wiener Verbandsbrauereien übernommen; während des 2. Weltkriegs diente die
Kelleranlage als U-Fabrik (Deckname „Sophie“) und während des Krieges als
Luftschutzkeller - bei einem Bomben-Volltreffer am 29. Mai 1944 wurden rund
300 Personen getötet, die noch heute hier verschüttet liegen

Devotionalien: Bierdeckel, Etiketten, Rechnungszettel, Reklametafeln
Alte Ansichten: Postkarten, Fotografien
Bauzustand: 2006: nach dem verheerenden Bombenangriff 1944 befand sich an der Stelle des alten Edelsitzes nur mehr ein ausgedehntes Ruinengelände; die Reste wurden abgetragen und an ihrer Stelle 1960/61 die Wohnhausanlage „Brauhausflur“ der Gemeinde Wien errichtet; das Pförtnerhaus, das Direktionsgebäude, das Gärtnerhaus, ein Stadel und das Gebäude der ehemaligen Gastwirtschaft sowie der Kellerberg mit der weitläufigen, teilweise zerbombten Kelleranlage (Halauska- /Kellerberggasse) und der ehemalige Eisteich „Schellensee“ sind erhalten

Nicht zu verwechseln mit der "Brauerei Liesing", in deren Kelleranlagen die U-Fabrik mit Decknamen "Renke" war!
Liesinger Brauhaus
Bundesland: Wien Bezirk: Wien 23., Liesing
Gemeinde: Stadt Wien
Adresse: Wien 23., Breitenfurter Straße 372-380
früher: Liesing
Homepage:
Bestand: 1838 - 1974
Produktion: 1894/95: 319.800 hl, 1925: 220.000 hl
Diverses: während des 2. Weltkriegs diente die Kelleranlage als U-Fabrik (Deckname „Renke“) ; von 1974 bis 1999 wurde nur mehr die Mälzerei, für alle Betriebe der
Brau AG, betrieben

Devotionalien: Bierdeckel, Etiketten, Biergläser, Tonkrüge, Bierflaschen, Rechnungszettel, Biermarken, Reklametafeln
Alte Ansichten: Postkarten, Fotografien
Bauzustand: 2008: die ehemaligen Betriebsgebäude wurden komplett abgerissen - auf dem Gelände entsteht derzeit eine Wohnhausanlage; im ehemaligen Biergarten sind Tennisplätze untergebracht, das Gebäude der ehemaligen Restauration, in der jetzt ein Geschäftslokal untergebracht ist, überlebte als einziges Gebäude
Quellen: http://brautopo.bierdb.com/ => alle Brauereien/Braustättenübersicht

lg
josef
 
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josef

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#3
Brauerei Schellenhof, U-Anlage "Sophie"

...ein Stadel und das Gebäude der ehemaligen Gastwirtschaft sowie der Kellerberg mit der weitläufigen, teilweise zerbombten Kelleranlage (Halauska- /Kellerberggasse)...sind erhalten
=>Stand 2006!
Wie weit dies heute noch zutrifft, kann ich nicht sagen :fragend

lg
josef
 
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Harald 41

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#4
Hallo Josef;
:danke Für deine Erklärung,da gibt es aber leider in meinem Bericht einige Ungereimtheiten,dürfte falsch geschrieben sein?


Die Mühlen an der Liesing bildeten die Grundlage der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Die Haidmühle wurde zur Spinnerei und die beiden Gutshöfe wurden zu Industriebetrieben. Aus dem Schellenhof entwickelte sich die Brauerei Liesing, der Steinhof wurde zur Textildruckerei. Die Lehmvorkommen am Wienerberg ware

In "Marcello La Speranza BBB" ist es aber richtig in der Kellerberggasse wie Du sie beschrieben hast.

LG Harry

PS: Habe mir drei verschiedenen Luftaufnahmen ,da sollte noch etwas vorhanden sein,werde es mir in der nächsten Zeit ansehen und berichten.
 
#5
@Harald!

Leider sind 2 Sätze für mich nicht lesbar

Die Mühlen an der Liesing bildeten die Grundlage der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Die Haidmühle wurde zur Spinnerei und die beiden Gutshöfe wurden zu Industriebetrieben. Aus dem Schellenhof entwickelte sich die Brauerei Liesing, der Steinhof wurde zur Textildruckerei. Die Lehmvorkommen am Wienerberg wareIn "Marcello La Speranza BBB" ist es aber richtig in der Kellerberggasse wie Du sie beschrieben hast.

LG Harry

PS: Habe mir drei verschiedenen Luftaufnahmen ,da sollte noch etwas vorhanden sein,werde es mir in der nächsten Zeit ansehen und berichten.
 

josef

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#7
Lage der Brauereien auf GE:

Rot => ex Brauerei Schellenhof, U-Verlagerung "Sophie"
Gelb => ex Brauerei Liesing, U-Verlagerung "Renke"

Lage natürlich auch nur ungefähr, habe
es schnell hier herein geschrieben ( da keine Zeit gehabt)
, und nicht
im Office kontrolliert passiert so etwas noboddy`S perfekt.
:D:D:D ... aber (ein wenig) Spaß muss sein, sprach Wallenstein...
 

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#9
In den Kellern der Schellenhof-Brauerei befindet sich schon "ewig" der SSV Kellerberg und eine priv. KFZ-Reparaturwerkstätte. Zutritt ist nicht möglich da die Kellerzufahrt versperrt ist.
Ich war mehrere Jahre Gastschütze beim SSV Kellerberg. Schwammerlzucht gibt´s nicht mehr. Die Kelleranlagen sind wirklich sehr weitläufig, allerdings teilweise nicht begehbar wegen Einsturzgefahr. Ist allerdings alles leergeräumt, es gibt nur leere Hallen zu sehen.
Im Inneren überwacht der SSV Kellerberg mittels Video. Ich kann nur empfehlen, nicht einmal daran zu denken, dort irgendwie einzusteigen. Die sind wirklich heikel in der Beziehung und zeigen sofort an.
Hier der link zum Verein, ev. führt jemand Interessierte herum:
http://www.ssv-kellerberg.at/

Petes
 
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Harald 41

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#10
Hallo Petes;
:danke für Deine ausführliche und interessante Erklärung,schöne Bilder ist ja besser erhalten als ich vermutet habe.

LG Harry
 
#11
Deckname Renke

Bei der Zuordnung der Decknamen für die Brauereikeller ist Vorsicht am Platz. So produzierte nachweislich der Rüstungsbetrieb mit der Tarnbezeichnung "Renke 603" (das 603 dürfte sich auf den Flugmotor DB 603 beziehen) in Schwechat (damals Wien 23. Brauhausgasse 10), mit einer Belegschaftsstärke von 1.700.
Quelle: Luftschutz-Schadensmeldung (Schlußmeldung) über den am 8.2.1945 von 12.26 bis 13.40 erfolgten Luftangriff auf den LS-Ort Wien.
Im Betrieb Renke 603 wurden an diesen Tag getroffen:
Werksgebäude, schwer, 3 Sprengbomben
Werkshalle, mittelschwer, 1 Sprb.
Klederinger Keller, mittelschwer, 1 Sprb.
Vor Büroanlage, mittelschwer, 1 Sprb.
Werksküche, leicht 1 Sprb.
Produktionsausfall: 100% auf etwa 3 Wochen.
LG Zwölfaxinger
 

josef

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#12
Deckname "Renke"

Bei der Zuordnung der Decknamen für die Brauereikeller ist Vorsicht am Platz.
Dürfte mit der Verlagerung der Flumo-Fertigung (FMO) auf beide Standorte (Brauereikeller Liesing + Teile der Brauereikeleranlagen in Schwechat) zusammenhängen.

Lt. Wichert (Seite 10) war für Liesing ursprünglich der Deckname "Helene" vorgesehen, später wurde "Helene" einer U-Verlagerung in Attnang-Puchheim zugeordnet und "Renke" für Brauereikeller Liesing & Brauereikeller Schwechat vergeben. (Wichert Seite 14, 115 u. 139)!

Weiters gab es für die Schwechater Anlagen noch die Decknamen "Senta" (Wichert Seite 15 u. 142) und "Karpfen" (Wichert Seite 10 u. 128). Verlagert wurden Teile der Flugmotorenwerke Ostmark (FMO), Flugmotorenwerk der SDP-Steyr und der Heinkel-Werke Schwechat/Heidfeld...

lg
josef
 
#13
Deckname "Renke"

Ich hab im turm nette stunden erleben dürfen und bin wegen des Treads nochmal vorbeigesurft und sehet her was ich auf dem guten alten BingMaps gefunden hab. (birds eye/east up)

ewig her. da war:
ein riesiger ellenslanger gang, seitlich unzählige seitengewölbe (>bild) in denen irgendwelche große runde behältnisse waren, also richtig groß, und rund. bierbrauzeugs. lkw-befahrbar, locker.
damaliger offizieller einstieg über das 'verwalterhaus' (inkl verwalter) an der gelände kante. (das einzige was stehen geblieben ist).

zu sehen sind also ein teil der seitengewölbe. die reihe muss aber mind doppelt so lang gewesen sein.

mittlerweile ist alles verfüllt oder abgegraben, die siedlung bezugsfertig.

liebe grüße
 

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josef

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#15
Brauerei Liesing - "Renke"

Hier gibt es einige Bilder des Projektes bzw. vom Baugeschehen. Gut erkennbar die Geländestufe, in die Teile der Kelleranlagen hineinführten:

http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=427556

Und 2 Schnittdarstellungen des Bauvorhabens aus einer Projektbeschreibung. Blickrichtung W mit Teilen der Keller (GRAU - Bestand) in die Geländestufe. Wäre interessant, was mit den vorhandeen Gewölben geschieht! Muss mal die diversen Projektbeschreibungen durchstöbern, ob irgendwo etwas über eine Nachnutzung zu finden ist.
 

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#16
Deckname Renke

Aufgrund der geringen Erdüberdeckung habe ich gewisse Zweifel ob die Liesinger Brauereikeller für eine Untertageverlagerung geeignet waren (siehe Bild).
Es könnte sein, dass Wichert bei der Auswertung der Unterlagen ein Fehler unterlaufen ist. Die Keller der Schwechater Brauerei lagen damals im 23. Wiener Bezirk "Schwechat" (heute ist der 23. Bezirk Liesing). So könnte eine Verwechslung möglich geworden sein. Letztlich könnte man nur durch Einsicht in die Originalunterlagen eine Klärung (oder auch nicht) herbeiführen.
LG
 

josef

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#17
Aufgrund der geringen Erdüberdeckung habe ich gewisse Zweifel ob die Liesinger Brauereikeller für eine Untertageverlagerung geeignet waren (siehe Bild).
Es könnte sein, dass Wichert bei der Auswertung der Unterlagen ein Fehler unterlaufen ist. Die Keller der Schwechater Brauerei lagen damals im 23. Wiener Bezirk "Schwechat" (heute ist der 23. Bezirk Liesing). So könnte eine Verwechslung möglich geworden sein. Letztlich könnte man nur durch Einsicht in die Originalunterlagen eine Klärung (oder auch nicht) herbeiführen.
LG
Es ist bekannt, dass es bei Wichert ungenauigkeiten, Fehler, Verwechslungen usw. gibt. Die Angaben, welche Wichert in sein Buch einarbeitete, stammen von den diversen geheimen Akten und Listen der U-Verlagerungen. Dazu gab es keine Bezirksangaben der Wien betreffenden Anlagen.

Der Eintrag zu "Renke" lautet auf Seite 14 => Basis A.1 Liste der Decknamen für Untertageverlagerungen nach dem Stand v. 6. Juli 1944:

Brauereikeller Liesing & Schwechat, Wien

und auf Seite 139 => Basis A.3 Alphabetisches Decknamenverzeichnis unterirdischer Bauten nach dem Stand v. 15. Januar 1945, ausgefertigt vom Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion, Amt Bau-OT, Amtsgruppe Technik:
Gleiche Bezeichnungen wie vorhin, nur ergänzt um die Objektnummern 603, 96

Betreffend Überdeckung: War bei den meisten Verlagerungen in Brauerei- und Weinkeller, soweit sie nicht direkt in einen Berghang führten, ungenügend!

lg
josef
 
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#18
Tarnbezeichnungen - Wichert

Danke für deine ausführlichen Hinweise. Irrtümer gibt es immer, ich möchte nur eine solche "Verschreibung" bei Wichert anführen:

Mondfisch (S. 134 u. 194): "Stollen Valentin am Nibelungenberg" (BArch R3/443 S. 19) wird wohl richtiger zu lesen sein: "Sankt Valentin - Nibelungenwerk"
LG
 
#20
Hier gibt es einige Bilder des Projektes bzw. vom Baugeschehen. Gut erkennbar die Geländestufe, in die Teile der Kelleranlagen hineinführten:

http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=427556

Und 2 Schnittdarstellungen des Bauvorhabens aus einer Projektbeschreibung. Blickrichtung W mit Teilen der Keller (GRAU - Bestand) in die Geländestufe. Wäre interessant, was mit den vorhandeen Gewölben geschieht! Muss mal die diversen Projektbeschreibungen durchstöbern, ob irgendwo etwas über eine Nachnutzung zu finden ist.

Vielen Dank Josef!

Hab mich auf der, für mich, sehr interessanten Seite lange herumgetrieben und Bilder zu den Gewölben gefunden.
Nach Kontaktaufnahme mit dem dortigen User hab ich Erlaubnis seine Fotos hier einzustellen. Er schreibt das; ein großteil der Stollen zugeschüttet wurde aber ob das wirklich alle stollen betrifft weiß auch er leider nicht.
Die Aufnahmen bei Bing.Maps zeigen tiefe Gruben paralell zur Rudolf-Waisenhorn-Gasse daher gehe ich davon aus das auch der obere "Bestand" nicht mehr vorhanden ist.

:gruebel ... den von Josef eingestellen querschnitt hab ich übringes trotz intensiver suche nicht finden können ...hm. sehr verdächtig. der zapft sicher irgendwelche geheimen quellen an. wieder einmal. :D

Liebe Grüße und nochmal danke für den link!
 

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