#61
Durch das Buch "Der Brückenkopf Krems" von Volker Chytil erhielt ich neuen Anstoß mich um etwas zu kümmern das ich schon lange machen wollte.
Ich fürchte nur ich bin etwas zu spät, deswegen versuche ich noch schriftlich festzuhalten was es festzuhalten gibt.
Wie immer spielt meine Kindheit eine große Rolle - so auch in diesem Fall.

Mich faszinierte schon als Kind die gut 1,20 Meter dicke Mauer am Dachboden die offenbar um 10 cm bis 15cm auf gut zwei Quadratmeter , schön rund und gleichmäßig, nach innen gedrückt war.
Wie ich seit längerem weiß handelt es sich um einen Artillerietreffer - aber woher und warum war mir bis zu oben genanntem Buch nicht klar.

Von außen wurde der Treffer in der Nachkriegszeit wieder verputzt (siehe roten Kreis):

Foto privat

Nun der Grund warum ich vorher schrieb das es wieder mal "zu spät" ist - ich finde nämlich die Fotos von innen nicht mehr. Ich hoffe aber sie tauchen in den Tiefen meiner Festplatte wieder auf...
Problem ist nämlich... Das Schloss/Haus/Wohnung wurde nach dem Tod meiner Mutter verkauft - so dürfte sich auch die Möglichkeit des Zugangs zur Örtlichkeit an der ich aufwuchs drastisch reduziert haben.

Also Fakt ist - warum das Schloss hier einen (eigentlich gabs im Dach auch noch zwei) Treffer abbekam war dass der Kirchturm vom Traismauer in den letzten Kriegstagen russischer Artilleriebeobachtungspunkt war und die Wetterkreuzkirche das deutsche Gegenstück.
Bekannt ist auch das die Deutschen den Kirchturm von Traismauer niemals trafen - umgekehrt schon.

Ich hab mal ausgemessen und grob eingezeichnet (Der Stern kennzeichnet den Einschlag):

Foto www.google.at/maps

Hier Luftlinie Wetterkreuzkirche - Pfarrkirche Traismauer:

Foto www.google.at/maps

Noch ein paar Impressionen von verschiedenen Ansichten von verschiedenen Zeiten (rot gekennzeichnet immer Einschlagsrichtung):

Foto http://traismauer.topothek.at/


Foto http://traismauer.topothek.at/

Ich werde versuchen die fehlenden Bilder noch beizusteuern... ;)
 

josef

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#62
@Mississippiquee: danke für die interessanten Ausführungen :bravo:

Hier gibt es auch etwas über die Wetterkreuzkirche oberhalb Hollenburg.

Die Artilleriestellung dürfte jedoch nicht direkt beim Wetterkreuz gewesen sein, dort am Kirchturm saß nur der deutsche Beobachter.

lg
josef
 
#63
Hier gibt es auch etwas über die Wetterkreuzkirche oberhalb Hollenburg.

Die Artilleriestellung dürfte jedoch nicht direkt beim Wetterkreuz gewesen sein, dort am Kirchturm saß nur der deutsche Beobachter.
Hier auch noch die "Wetterkreuzseite"
Zitat:
1945
Als zu Kriegsende die Front zwischen Wagram und Hollenburg verlief, wurde auch das Wetterkreuz von den Kriegsereignissen betroffen. In der Pfarrchronik heißt es dazu:
"Der Zustand des Wetterkreuzes ist trostlos. Das Dach zerfetzt, die Mauern zerschossen, 2 Durchschüsse an der Ostseite, der Turm schwer angeschlagen, die Barockvollite rechts vom Turm herabgeschossen. Das Innere verwüstet, alle Figuren durch Pistolen- und Gewehrschüsse beschädigt. Die Bilder aus dem Rahmen und zerrissen, die Bänke zerschlagen, die Sakristeieinrichtung demoliert, alle Fensterscheiben durch den Luftdruck der Granate ausgeblasen. Durch den Plafond scheint der Himmel herein. Und wenn man von Angern nach Hollenburg geht (Kleedorf), sieht man durch den Turm an einer Stelle durch."

Dass die Artillerie nicht direkt bei den Kirchen war ist schon klar, aber:
1. Weitab von der Luftlinie kanns nicht gewesen sein und
2. Wo stand die Artillerie der beiden? (diese Frage vergaß ich oben nocht zu stellen)
 

josef

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#64
... aber:
Wo stand die Artillerie der beiden? (diese Frage vergaß ich oben nocht zu stellen)
Habe dazu in der mir zur Verfügung stehenden Literatur nachgesehen aber leider nichts konkretes gefunden:

- Im bereits zitierten "Traisental-Wienerwaldband" von Brettner steht nur, dass der Kirchturm von 2 Seiten aus beschossen wurde, ohne Treffer zu erzielen...,

- In den "Mitteilungen VI des heimatkundlichen Arbeitskreises für Stadt und Bezirk Tulln" Wird in einem Artikel über den "Erdkampf im Bezirk Tulln im April/Mai 45" auch der Nachbarbezirk St.Pölten mit Taismauer kurz erwähnt. Da wird nur von Artillerieduellen berichtet...

- Theo Rossiwall berichtet in "Die letzten Tage - die militärische Besetzung Österreichs 1945" ebenfalls von Artillerieduellen, auch über die Donau hinweg... Zum letzten Kriegstag 08.05.45 schreibt er (S.313): In Rückzugskämpfe bei Hollenburg Richtung Traismauer griffen auch 2 ungarische Kanonenboote von der Donau her ein...

- und bei Rauchensteiner "Der Krieg in Österreich 1945" ist zu lesen:
17.4. - die bisher bei den Kämpfen in Österreich wenig in Erscheinung getretene deutsche Donauflottille griff mit 2 Kanonenbooten erfolgreich ein, um einen sowjetischen Übersetzversuch östlich Hollenburg Richtung Traismauer gemeinsam mit nördlich der Donau befindlichen Sicherungskräften zu vereiteln. Wie weit die Kanonenboote von der Donau aus weiter in die Kämpfe zwischen 17.04. und 08.05. eingriffen bzw. ob bei irgend einem Autor eine Verwechslung (deutsch/ungarisch...) vorliegt, ist nicht ersichtlich...

Nirgends Hinweise auf den Standort der Batterien...

Leider ist die Diskussion ein wenig zu spät entstanden, war gestern Vormittag in der Landesbibliothek in St.Pölten, da hätte ich weiter nachsehen können :) - werde beim nächsten Besuch mal die "Traismauer-Bestände" durchsehen...

lg
josef
 
#65
Schon etwas älter, aber naajaa...

Links im Bild ein kleiner Teil der typischen Siedlungsgebäude im NS Stil für die Arbeiter der Hermann Göring Werke.


Im Zuge der Planungen für den Neubau des Sportplatzes stieß die Gemeinde auf die Betonfundamente eines möglichen ehemaligen Arbeitslagers.
Julia Schrenk
20.12.2013, 16:03

Lange galt es als fix, dass der Sportplatz des SC Traismauer an seinem bisherigen Standort abgerissen und etwas außerhalb neu gebaut werden soll. Dann allerdings wurden Betonfundamente des ehemaligen Gefangenenlagers unterhalb des gesamten Spielfeldes entdeckt. Die Gemeinde musste ihre Pläne folglich umwerfen, der Sportplatz soll nun doch auf seinem aktuellen Standort neu gebaut werden. Denn die Grundstücke, die man dort erschließen und verkaufen wollte, würden durch die Betonfundamente an Wert verlieren.

Lange war nicht ganz klar, was sich tatsächlich unter den Rasenflächen des Fußballclubs befindet. Das soll jetzt geklärt werden. Elisabeth Eder, Mitglied der „Historischen Runde“ in Traismauer, hat sich bereit erklärt, Archive zu durchforsten und sämtliche Akten und Infos zu sammeln, um die Geschichte des Platzes aufzuarbeiten.
Präsentation

Laut Eder soll sich dort, wo jetzt der SC Traismauer kickt, während des Zweiten Weltkriegs ein Arbeitslager für österreichische und deutsche „Zivilverpflichtete“ befunden haben. Ebenso ein Lager für Kriegsgefangene, vor allem aus Polen und Russland, aber auch Italien, Belgien und Frankreich. Im Gefangenenlager sollen Zwangsarbeiter für die Rüstungsfirma M. Miller AG tätig gewesen sein. Sie sollen als Zulieferbetrieb für die „Reichswerke Hermann Göring“ fungiert haben. Im Jahr 1945 berichtete die Traismaurer Pfarrchronik von einer „1000-köpfigen Arbeiterschaft“. Kurz nach Kriegsende soll das Lager abgebaut und danach bereits als Sportstätte genutzt worden sein. Im Frühjahr sollen die Rechercheergebnisse präsentiert werden. Auch dem Wunsch der Liste MIT, eine Gedenktafel zu errichten, soll Rechnung getragen werden.
(kurier) Erstellt am 20.12.2013, 16:03
 

josef

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#66
Ehem. Lagergelände beim Sportplatz Traismauer

:danke Steph !

Also stimmen die Infos die ich 2009 bei meiner Begehung vom HS-Direktor i.R., Herrn K., bekam :)
Zitat aus Beitrag 11:
Für die Stammbelegschaft des Werkes wurde im Norden des Stadtzentrums eine Arbeitersiedlung im typischen NS-Stil errichtet. Noch weiter nördlich, an der Straße zur Donau im Bereich der heutigen Sportanlagen, war ein Barackenlager für die Fremdarbeiter und Kriegsgefangenen.
lg
josef
 
#68
Ich hab heute mal (analoge) Bilder gemacht vom Stolleneingang, besser gesagt von einem der Stolleneingänge, bei "MartinMiller" und dem darüberliegenden Bunker am Hang (hatte schön auf einem Hochformat platz). Sobald das entwickelt ist, werd ich es hier einstellen...

Wann kommen die bilder ? Ist schon ne lange zeit her und ich forsche auch nach den überresten vom krieg obwohl ich erst 15 bin
 
Zuletzt bearbeitet:
S

Senator74

Guest
#70
WOW... Du legst Dich ja mächtig ins Zeug - dabei bin ich der Einheimische (wobei ich Dich ja nicht kenn...)
Alle Achtung. Aber mir machts Spaß, und ich bin erstaunt über die "AHA"-Momente dies immer noch gibt.

Danke ... jedenfalls.
Dem AHA kann ich mich anschliessen, wenn auch für eine andere Region (Heimat). Über mancherlei stolpert man ja fast, aber vieles bleibt einem verborgen, wäre man nicht hier Mitglied.
 
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