Krieg in Europa: Angriff Russlands auf die Ukraine

josef

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Russland setzt jetzt auf Stachelschwein-Panzer
Drohnenkäfige werden nun mit Metallstacheln verstärkt. Der erste Einsatz verlief nicht besonders erfolgreich, dennoch scheint sich die neue Panzerung durchzusetzen

Dieses Fahrzeug wurde mit Stachelpanzerung auf dem Drohnenkäfig ausgestattet.
Screenshot Telegram

Zuerst gab es "Cope-Cages": Metallgitter um Fahrzeuge herum. Die sollten Drohnen nach Möglichkeit abhalten, was nicht zuverlässig funktionierte. Danach folgten Schildkrötenpanzer mit riesigen Aufbauten aus Metallplatten. Diese hatten zur Folge, dass ukrainische Drohnen zumindest zuerst ein Loch in den dünnen Blechaufbau sprengen mussten, um mit einer zweiten Drohne den Panzer selbst zu treffen. Auf dem Schlachtfeld taucht jetzt die nächste Evolutionsstufe auf: Die russischen Streitkräfte greifen mit Panzerfahrzeugen mit darauf montierten Metallstacheln an. Die Geburtsstunde des Stachelschwein-Panzers.

"Mad Max"-Modifikation
Seit einigen Tagen kursieren Bilder derartiger Fahrzeuge mit auf den ersten Blick bizarr wirkenden Modifikationen. Zuerst wurde die Stachelschwein-Panzerung auf einem russischen BREM-Pionierfahrzeug gesehen. Dieses basiert auf dem Fahrgestell eines T-72-Panzers. Dieses Fahrzeug trägt offenbar hunderte von Bewehrungseisen, wie sie normalerweise zur Verstärkung von Beton herangezogen werden. Diese Stacheln ragen aus einem Anti-Drohnen-Käfig hervor, der wiederum am eigentlichen Fahrzeugrumpf befestigt ist.

Beide Seiten in Russlands 40 Monate andauerndem Krieg gegen die Ukraine nutzen BREMs, um liegengebliebene Fahrzeuge abzuschleppen. Die Abkürzung bedeutet übersetzt in etwa "Gepanzertes Reparatur und Bergungsfahrzeug". Neben einem Kran und einer Winde verfügen die Fahrzeuge meist über Räum- und Stützschilde, mit denen sie Erdarbeiten durchführen können. Deshalb sind BREMs beim Bau von Befestigungen unerlässlich. Gleichzeitig sind die Fahrzeuge dafür gemacht, feindliche Befestigungen aus dem Weg zu räumen. Allein schon aufgrund dieses Aufgabenspektrums sind die Fahrzeuge häufig sehr nahe der Kontaktlinie im Einsatz und damit ständigen Angriffen von Drohnen ausgesetzt.

Obsolete Panzer
Beim Stachelschweinmodell dürfte es sich um ein BREM auf Basis eines alten T-62 handeln. Dieser Panzer wurde in den 50er-Jahren entwickelt und ist heute hoffnungslos veraltet. Eigentlich war dieses Panzermodell spätestens mit 2012 außer Dienst gestellt. Nach nur drei Monaten im Angriffskrieg gegen die Ukraine waren die Panzerverluste aber so hoch, dass die russische Armeeführung auf die alten Sowjet-Modelle zurückgreifen musste.

Mindestens 279 T-62 wurden laut dem OSINT-Blog Oryx seitdem von den ukrainischen Streitkräften vernichtet, schwer beschädigt oder aufgegeben. Erbeutete T-62 wurden von der Ukraine in Truppentransporter umgebaut oder zu Bergefahrzeugen gemacht. Für die Ukraine ist die Bewaffnung der T-62 nutzlos: Sie verfügt nicht über die 115-Millimeter-Munition für diese Art von Fahrzeug.

Laut dem Journalisten David Axe ist es ungewöhnlich, dass diese Gefährte nun mit Stachelschwein-Panzerung auf ihren Cope-Cages (manchmal auch "Verzweiflungskäfige" genannt) ausgestattet werden. Einen Monat nachdem das erste russische Stachelschwein-Fahrzeug an der Front erschien, gibt es zunehmende Belege dafür, dass die kurios anmutende Panzerung auf russischer Seite zum Standard wird.

Das bedeutet, dass sie wohl auch bald von der Ukraine übernommen wird. Anti-Drohnen-Modifikationen wie Käfige sind auch auf Panzern der Ukraine mittlerweile Standard.


in BMP mit Stachelschwein-Panzerung.
Screenshot X / War Translated

Debüt gescheitert
Das erste bekannte russische Stachelschwein-Fahrzeug war ein BMP mit hunderten von Stacheln. Lange war das Fahrzeug aber nicht im Einsatz: Es wurde kurz nach der ersten Sichtung nahe der Stadt Trojizke in der Oblast Donezk vermutlich durch eine Mine bewegungsunfähig gemacht. Der BMP wurde von der berühmten ukrainischen Drohneneinheit "Birds of Magyar" anschließend gesprengt. Sie flogen eine explosive FPV direkt durch eine offene Luke des stehenden Fahrzeugs. Das Debüt schlug fehl, aber nicht wegen der ungewöhnlichen Panzerung. Axe warnt davor, die neueste russische Innovation als lächerlich abzutun: In Bewegung könnten die Stacheln durchaus in der Lage sein, Drohnen abzulenken.

Auch Bukhankas, die russischen Kleintransporter UAZ-452, wurden bereits mit Stacheln ausgestattet. Das "Brotlaib" genannte Fahrzeug ist aber ungepanzert. Selbst wenn eine FPV-Drohne in den Stacheln hängen bleibt und einen halben Meter von der Karosserie entfernt explodiert, dürfte das Fahrzeug zerstört werden.

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@wartranslated

Auf russischer Seite ist man jedenfalls von der neuen Stachel-Panzerung überzeugt. Im russischen Fernsehen liefen bereits Berichte über Panzereinheiten, die alle ihre Fahrzeuge mit Armierungsstahl ausgestattet hatten.

Vier Verteidigungsschichten
Die Stacheln sind somit eine vierte Schicht der Verteidigung gegen Drohnen. Schicht Nummer eins ist die eigentliche Panzerung des Fahrzeugs. Diese ist bei den meisten Panzermodellen aber am Wannendach nicht besonders dick. Verwundbare Stellen sind außerdem entlang der Ketten und in der kleinen Lücke zwischen Turm und Rumpf.

Als zweite Schicht kommen dann Anti-Drohnen-Käfige dazu und darauf neuerdings Metallstacheln, die an die Käfige geschweißt werden. Laut einem Bericht von Euromaidan Press werden die Stacheln vor dem Einsatz nach außen gebogen. Fertig ist der Igel- oder Stachelschwein-Panzer.

Als vierte Schicht kommen Störsender zum Einsatz, die Drohnensignale unterbrechen sollen. Diese Technik scheint aber immer seltener wirklich zu funktionieren. Die Ukraine verfügt mittlerweile über Drohnen, die die letzten Meter des Angriffs selbstständig fliegen können. Auch drahtgelenkte Drohnen werden auf beiden Seiten häufig eingesetzt, diese sind gegen Jammer immun.

Laut dem der Ukraine nahestehenden Conflict Intelligence Team ist es aber möglich, dass die Metallstacheln die Wirksamkeit von diesen Störsendern negativ beeinflussen und deren Effektivität weiter sinkt.

Gefahr für die Besatzungen
Für die Besatzungen selbst mögen die Stacheln einen psychologischen Effekt haben. Praktisch stellen sie aber ein Risiko dar. Es ist bereits jetzt schon schwierig, einen Panzer mit Drohnenkäfigen und anderen Modifikationen zu verlassen, wenn er getroffen wird. Stacheln dürften den Notausstieg der Besatzung jedoch zusätzlich erschweren.
(Peter Zellinger 27.6.2025)
Russland setzt jetzt auf Stachelschwein-Panzer
 

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Beschuss von Feldern
Russlands zweiter Krieg gegen Ukraine
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In der Nacht auf Freitag hat Russland Kiew mit den schwersten nächtlichen Angriffen seit Kriegsbeginn überzogen. Doch es gibt auch einen ganz anderen Kriegsschauplatz: Die Zerstörung der Landwirtschaft ist seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine integraler Bestandteil der Moskauer Strategie. Immer wieder wurden Getreidespeicher, Verladehäfen und mit Getreide beladene Schiffe im Schwarzen Meer beschossen. Mittlerweile aber feuert Russland auch regelmäßig Granaten auf Weizenfelder, damit diese vor der Ernte in Flammen aufgehen.
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Ein unter UNO-Ägide ausgehandeltes Abkommen, das die Sicherheit des Getreidetransports im Schwarzen Meer sichern sollte, wurde von Moskau 2023 aufgekündigt. Moskau will einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes treffen, der ein bedeutender Exportfaktor ist. Zugleich schwächt Russland damit – was Getreideexporte betrifft – auch seinen größten Konkurrenten auf dem Weltmarkt.

Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte nach der Invasion offen seine Absicht, ukrainisches Getreide auf dem Weltmarkt vollständig durch russisches zu ersetzen – und hatte dabei wohl auch die Erträge aus dem besetzten Osten der Ukraine im Sinn. Viele, vor allem afrikanische und nahöstliche Länder, die von den Getreidelieferungen abhängig sind, werden damit unter Druck gesetzt.

Exporte der Ukraine sinken heuer weiter
Und das mit Erfolg: Die Ukraine kündigte bereits Ende Mai einen Rückgang ihrer heurigen Weizenexporte an, von 16,2 Millionen metrischen Tonnen auf 15 Millionen. Grund dafür sind auch Importbeschränkungen der EU, die nach großen Protesten eigener Landwirte das Freihandelsabkommen aussetzte und wieder Quoten einführte. Russland seinerseits kündigte für heuer eine Rekordernte an.

Getreideversorgung als „Waffe“ Moskaus
Die Expertin Caitlin Welsh von der US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) spricht von einer „zweiten Front“ Russlands gegen die Ukraine. Und Svein Tore Holsether, Chef des norwegischen Düngemittelproduzenten Yara, warnte zuletzt gegenüber der „Financial Times“, dass Moskau die weltweite Versorgung mit Düngemitteln und Getreide „als Waffe“ einsetze. Denn einerseits erhöhe Moskau seine eigenen Düngemittelexporte, um unter anderem Europa abhängiger zu machen, andererseits greife es die ukrainische Landwirtschaft an, um die Rolle der Ukraine als eine landwirtschaftliche Großmacht zu zerstören.

Anfang Juni soll die Ukraine dagegen eine russische Fabrik angegriffen haben, die laut ukrainischen Medienberichten sowohl Düngemittel als auch Komponenten für Sprengstoff erzeugt. Russland ist der wichtigste Düngemittellieferant für die EU, Düngemittel sind von den Sanktionen ausgenommen.

Holsether zufolge sind derzeit mehr als 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche des Landes vermint, besetzt oder unbenutzbar. Vor der russischen Invasion im Februar 2022 exportierte die Ukraine etwa 50 Millionen metrische Tonnen Getreide und ernährte damit rund 400 Millionen Menschen weltweit.

Bericht über Angriffe auf Getreidespeicher
Die westliche Menschenrechtsorganisation Global Rights Compliance (GRC) dokumentierte in einem Bericht, der im Mai erschien, die russischen Angriffe auf Häfen, Verladestationen für Getreide und große landwirtschaftliche Betriebe. Dass sich in der Nähe in der Regel keine militärischen Ziele befanden und Russland teils Lenkwaffen einsetzte, deutet laut GRC klar darauf hin, dass die landwirtschaftlichen Objekte gezielt ins Visier genommen wurden. Darüber hinaus hält der Bericht fest, dass bei den Angriffen auch Zivilisten getroffen wurden; alle diese Angriffe verstoßen gegen das Kriegs- und Völkerrecht.

Beschuss von Getreidefeldern
Doch greift Russland immer öfter – etwa mit Drohnen und Granaten – auch Getreidefelder und Agrarpoduzenten an. Die Bauern lassen laut „Süddeutscher Zeitung“ („SZ“) mittlerweile einen mehrere Meter breiten Streifen zwischen Feldern frei, damit sich ein durch einen Granateneinschlag ausgelöstes Feuer nicht sofort auf umliegende Felder ausdehnt.

Die „SZ“ berichtete zudem, dass der Leiter Pawel Wnukow der Farm Agroindustria nordwestlich der Frontstadt Cherson Mitte Mai von Drohnen angegriffen wurde, als er mit seinem Auto auf einem Feldweg unterwegs war. Eine zweite Drohne zerstörte das Auto nur Momente, nachdem er sich daraus gerettet hatte, vollständig. Sein Kollege Serhij Jerochin sei am 17. Juni nur knapp von einer Kamikazedrohne verfehlt worden, die seinen Traktor schwer zerstörte. Laut Wnukow gab es allein in der zweiten Juni-Hälfte fünf durch russischen Beschuss ausgelöste Brände auf Getreidefeldern.

Drohnen auf Kuhstall
Ukrainische Medien berichteten Ende Mai von Drohnenangriffen auf den Produzenten Agrico Ukraine in Tschernihiw. Dabei wurden unter anderem das Erdäpfellager und zahlreiche Gerätschaften zerstört. In derselben Nacht wurde in der Region Charkiw der Produzent Agroservis mit zehn Drohnen angegriffen. Dabei wurden etwa 100 Kühe des wichtigsten regionalen Milchproduzenten getötet. Agroservis wurde nach eigenen Angaben bereits zum dritten Mal von Russland angegriffen.

Minen als großes Problem
Ein Problem ist auch, dass riesige landwirtschaftliche Flächen im Kriegsgebiet selbst und in angrenzenden Regionen vermint sind. Kiew vermeldete zuletzt, die verminte Fläche sei um 20 Prozent im Vergleich zum Stand Ende 2022 verringert worden. Damit bleibt aber eine Fläche von 137.000 Quadratkilometern, mehr als eineinhalbmal die Fläche Österreichs, vermint.

Gezielte Entminung von Ackerflächen
Ein beträchtlicher Teil davon sind landwirtschaftliche Flächen. Es gibt aber seit 2023 gezielte Bemühungen – mit internationaler Hilfe –, landwirtschaftlichen Boden zu entminen. Laut CSIS wurden bis Ende Oktober 531.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche überprüft und geräumt und 439.000 Hektar davon zur Bearbeitung freigegeben.

CSIS zufolge beliefen sich die Schäden durch direkten russischen Beschuss allein bis Ende 2024 auf umgerechnet rund 9,5 Milliarden Euro. Die Folgeschäden, insbesondere durch Ernteausfälle, schätzt CSIS auf 61,6 Milliarden Euro. Vor dem russischen Einmarsch habe die Landwirtschaft zehn Prozent des BIP ausgemacht und 41 Prozent aller Exporteinnahmen.
05.07.2025, guti, ORF.at/Agenturen

Beschuss von Feldern: Russlands zweiter Krieg gegen Ukraine
 

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Schutz auf dem Schlachtfeld
"Held der Ukraine" entwickelt drohnensichere Uniform
Der Overall soll vor allem vor Splittern schützen, die im Krieg eine große Gefahr für Soldaten bedeuten

Im Ukrainekrieg wird der Einsatz von Kampfdrohnen immer intensiver.
IMAGO/Alexander Reka

Major Oleh Shyriaiev kennt den Krieg. Der Kommandeur des 225. ukrainischen Sturmregiments hat seine Männer durch die Schlacht von Bachmut geführt, stand an vorderster Linie bei Tschassiw Jar und überschritt mit seiner Einheit im Sommer 2024 sogar die russische Grenze bei Kursk. Ein vor allem symbolischer Schlag, für den ihm später der Titel "Held der Ukraine" verliehen wurde.

Shyriaiev will diesen Krieg gewinnen, das hat er mehrfach betont. Vor allem will er aber die Soldaten auf dem Schlachtfeld schützen, die zuletzt verstärkt Drohnenangriffen ausgesetzt waren. Aus eigener Initiative tüftelt er deshalb an einer leichten, drohnensicheren Schutzausrüstung aus Kevlar, die auch splitterfest sein soll.

"Russland arbeitet mit einem hohen Tempo an der Entwicklung und am Einsatz unbemannter Systeme, also müssen wir uns darauf einstellen", zitiert The Telegraph den Major. Es gelte darauf zu reagieren – es gelte "Leben zu retten".

Tödliche Sprengsätze
Basierend auf seinen Erfahrungen auf dem Schlachtfeld hat sich Shyriaiev für eine Kombination aus Kevlar, einer hitzebeständigen Kunstfaser, die ursprünglich als Ersatz für Stahl in Rennreifen verwendet wurde, und anderen Materialien entschieden, die in Summe in der Lage sind, den Einschlag von Granatsplittern zu absorbieren.

Kevlar hält laut The Telegraph Kugeln nicht so gut auf wie die Keramikplatten, die häufig in herkömmlichen Schutzwesten verwendet werden. Es ist jedoch leichter und bietet einen guten Schutz gegen Granatsplitter, die aufgrund der Verbreitung von Drohnen zur größten Bedrohung auf dem Schlachtfeld geworden sind. "Wenn ein Drohnengegner eine Granate oder einen Sprengsatz abwirft, fliegen Splitter und ballistisches Pulver herum", erklärt der Fachmann.

Diese Overalls würde man dann unter den kugelsicheren Westen tragen, was in Summe den Schutz auf dem Schlachtfeld erhöhen sollte. An Erweiterungen, etwa einem verstärkten Knie- und Knöchelschutz, wird gerade noch gearbeitet. In letzter Instanz sollen noch auf diese Weise hergestellte Einlegesohlen für Stiefel entstehen, die zumindest etwas besser gegen Stöße von unten schützen sollen – gemeint sind Antipersonenminen.

Drohnen und Menschen
Der Trend zu mehr Mobilität und damit verbundener leichterer Schutzkleidung auf dem Schlachtfeld ist schon länger zu beobachten. Gepanzerte Anzüge können zudem bei sehr warmen Temperaturen zu einer Überhitzung der Soldaten führen. Solche Panzerungen sieht man deshalb vor allem noch bei Spezialeinheiten, etwa Bombenentschärfungstrupps. Ein weiterer Faktor für leichtere Kleidung ist, dass der Krieg in der Ukraine in weiten Gebieten sehr statisch geworden ist.

Soldaten verharren längere Zeit an einem Ort und sehen sich seltener direktem Waffenfeuer ausgesetzt. Die größere Gefahr in solchen Situationen sind wie erwähnt Angriffe von Drohnen und Artilleriebeschuss. Angriffe, gegen die der neue Overall besser schützen soll, ohne die Beweglichkeit der Truppen massiv einzuschränken.

Trotz der steigenden Relevanz von Drohnen sieht der Major weiterhin die Bedeutung von Fußsoldaten, die es zu schützen gilt. "Ohne Infanterie ist Krieg unmöglich", so Shyriaiev. Für die Aufklärung seien Drohnen sehr gut, aber gerade im Sommer sei dies in dichten Wäldern nahezu unmöglich. Einen Krieg könne man generell nur mit der Summe an verschiedenen Maßnahmen gewinnen. In diesem Krieg wären das unter anderem Drohnen und Fußsoldaten.

Nato rüstet auf
Parallel zu den Entwicklungen an der Front in der Ukraine rüstet Europa im Hintergrund massiv auf. Beim Nato-Gipfel in Den Haag Ende Juni einigten sich die Mitgliedsstaaten auf ein historisches Paket: Bis 2035 sollen fünf Prozent des BIP in Verteidigung fließen – davon 3,5 Prozent für klassische Rüstung und Personal, 1,5 Prozent für Infrastruktur, Cyberabwehr und Resilienz.

Zudem verstärkt die EU mit ihrer Initiative Readiness 2030 – ehemals ReArm Europe – den Aufbau gemeinsamer Kapazitäten und die Mobilisierung von etwa 800 Milliarden Euro für europäische Verteidigungsindustrien. Damit sind die Ausgaben der 23 EU‑Nato‑Staaten zwischen 2021 und 2024 von 214 Milliarden Euro auf 326 Milliarden Euro gestiegen – und sollen bis 2027 um weitere 100 Milliarden Euro wachsen.

Major Shyriaiev kämpft inzwischen mit seinen Innovationen an der Front gegen die Invasoren seines Landes. In einem Interview warnte er Europa vor den "räuberischen Ambitionen" Russlands, weitere Länder in Europa zu erobern, Polen bis Moldawien und sogar Teile Finnlands seien laut ihm potenzielle Ziele.

Er selbst will den Krieg möglichst schnell beenden. Seine zwei Kinder, die er in den vergangenen Jahren vor allem in Videocalls gesehen hat, sollten diesen Krieg nicht mehr weiterkämpfen, wünscht er sich.
(aam, 4.7.2025)
"Held der Ukraine" entwickelt drohnensichere Uniform

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Selenskyj bietet USA Drohnengeschäft an
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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwägt mit den USA ein Geschäft, bei dem die Regierung in Washington ukrainische Drohnen kauft und die Regierung in Kiew im Gegenzug US-Waffen erwirbt. Das sagte Selenskyj in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der US-Zeitung „New York Post“.
18. Juli 2025, 0.21 Uhr
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Ukrainische Drohnen seien in der Lage, Ziele in einer Entfernung von bis zu 1.300 Kilometern auf russischem Gebiet zu treffen. „Amerika braucht diese Technologie, und sie müssen sie in ihrem Arsenal haben“, sagte Selenskyj. Ihm zufolge sind die Drohnen das entscheidende Instrument, das es seinem Land ermöglicht habe, sich mehr als drei Jahre lang gegen die russische Invasion zu wehren.

„Wir sind bereit, diese Erfahrung mit Amerika und anderen europäischen Partnern zu teilen“, sagte Selenskyj. Die Ukraine sei zudem in Gesprächen mit Dänemark, Norwegen und Deutschland. „Ich denke, das ist wirklich ein Megadeal, eine Win-win-Situation“, sagte Selenskyj.

Drohnenpräsentation für US-Delegation
Das Geschäft sei Thema bei seinen jüngsten Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump gewesen, sagte Selenskyj der Zeitung. Am Donnerstag hatte Selenskyj bei der Vorstellung seiner neuen Regierung im Parlament bereits nicht näher beschriebene künftige Abkommen mit den USA angekündigt, die sein Land stärken würden.

AP/Ukrainian Foreign Ministry Press
US-Sondergesandter Kellogg (zweiter von links) inspiziert eine ukrainische Drohne

Am Dienstag präsentierten ukrainische Politiker einer Delegation rund um den US-Sondergesandten Keith Kellogg Drohnen aus ukrainischer Produktion. Laut dem Ministerium für strategische Industrien wurden dabei 30 Drohnenplattformen vorgestellt, von operativ-strategischen unbemannten Luftfahrzeugen (UAVs) über Abfangdrohnen bis hin zu Lenkdrohnen, die zunächst über längere Zeit im feindlichen Luftraum kreisen, ehe ihnen ein Ziel zugewiesen wird. „Diese Systeme werden von den ukrainischen Verteidigungskräften bereits in großem Umfang auf dem Schlachtfeld eingesetzt“, hieß es weiter.

Drohnen integraler Bestandteil der Kriegsführung
Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind Drohnen integraler Bestandteil der Kriegsführung. Russland hat seine Drohnenproduktion in den vergangenen Monaten hochgefahren. In der Vorwoche griffen Russlands Streitkräfte die Ukraine mit mehr als 720 Drohnen in einer Nacht an, es war der bisher schwerste Angriff seit Kriegsbeginn.

Mit den iranischen Schahed-Langstreckendrohnen und der russischen Variante Geran-2 kann die russische Armee auch Ziele im äußersten Westen der Ukraine treffen. Die ukrainischen Streitkräfte verfügen ebenfalls über Langstreckendrohnen. Anfang Juli wurde eine russische Waffenfabrik ins Visier genommen, die über 1.000 Kilometer östlich von Moskau liegt.

IMAGO/SOPA IMages/Mykhaylo Palinchak
Auch entlang der Front hat die Bedeutung von Drohnen seit Kriegsbeginn stark zugenommen

Entlang der Front hat die Bedeutung von Drohnen für die Kriegsführung seit dem russischen Einmarsch 2022 stetig zugenommen. Für die Ukraine, die sich mit einem zunehmenden Mangel an Infanterie konfrontiert sieht, sind Drohnen ein Mittel zur Kontrolle der Front und für Angriffe auf durchstoßende russische Truppen.

69 Prozent aller Angriffe auf russische Truppen und drei Viertel aller Angriffe auf russische Militärfahrzeuge seien heuer mit Drohnen erfolgt, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ukrainische Schätzungen. Artillerie wurde laut Reuters bei 18 Prozent der Angriffe auf Armeeangehörige und 15 Prozent der Attacken auf Fahrzeuge eingesetzt.

USA: Mehr Budget für Drohnenproduktion
Der Entwurf für das US-Budget für Verteidigung und nationale Sicherheit für das kommende Jahr sieht höhere Ausgaben für kleine Drohnen vor. Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte jüngst in einem internen Memo eingestanden, die USA seien bei der Drohnenentwicklung zurückgefallen. „Während unsere Konkurrenten Millionen billiger Drohnen produziert haben, haben wir uns in bürokratischen Hemmnissen verfangen“, zitierten US-Medien Hegseth.

Präsident Trump unterzeichnete im Juni ein Dekret, das Bundesbehörden anweist, Zulassungen für US-Drohnenhersteller zu beschleunigen und die US-Drohnenlieferkette vor „unzulässiger ausländischer Einflussnahme“ zu schützen.
cppp, ORF.at/Agenturen
Ukraine: Selenskyj bietet USA Drohnengeschäft an
 

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„Videospielkrieg“
Ukraine vergibt Punkte für Drohnenangriffe
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Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat sich zunehmend in einen Drohnenkrieg gewandelt. Seitens der Ukraine setzt man hierbei auf eine weitere Methode: Für jeden erfolgreichen Drohnenangriff würden Punkte an die Einheiten vergeben, die dann entweder ausbezahlt oder seit Neuestem in militärische Ausrüstung investiert werden könnten, berichtete die BBC am Freitag.
Online seit gestern 19.07.2025, 21.04 Uhr
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Die russischen Behörden teilten am Samstag mit, die Ukraine habe einen nächtlichen Drohnenangriff auf Rostow, eine südliche Grenzregion zur Ukraine, durchgeführt. Drohnenangriffe, die den ukrainischen Armeeeinheiten neue Punkte gebracht haben dürften. Bei der BBC heißt es dazu: „Töte russische Soldaten, gewinne Punkte: Macht das neue Drohnenprogramm der Ukraine den Krieg zum Videospiel?“ Auch der „Economist“ veröffentlichte kürzlich eine Analyse darüber, „wie Drohnen und Videospieltechniken im Ukraine-Krieg zusammenkommen“.

Tatsächlich gibt es das System schon länger, vergangenes Jahr sei es der BBC zufolge erstmals getestet worden. Die Idee dahinter ist einfach: Für jeden getöteten russischen Soldaten oder zerstörten Ausrüstungsgegenstand gebe es eine bestimmte Anzahl an Punkten. Unterschieden werde zudem nach den Kategorien „getroffen“ und „zerstört“.

„Je wichtiger das Ziel, desto mehr Punkte“
Der „Economist“ schreibt dazu: „Sobald ein Drohnenangriff protokolliert, identifiziert und bestätigt ist, gewinnt er eine Anzahl von Punkten, abhängig vom militärischen Wert des zerstörten Objekts.“ Dabei gelte: „Je strategisch wichtiger und großflächiger das Ziel, desto mehr Punkte erhält eine Einheit“, heißt es in einer Erklärung des Teams von Brave1, einer Plattform der ukrainischen Regierung, die Experten aus Regierung und Militär zusammenbringt.

Auch die Umsetzung sei vergleichsweise einfach, werde doch ohnehin bereits jetzt alles gefilmt, protokolliert und gezählt. Auf riesigen Bildschirmen würden Dutzende Videos ukrainischer Drohnen live übertragen, ausgewertet und Punkte an die verantwortlichen Einheiten vergeben werden, schreibt die BBC.

Effektive Nutzung begrenzter Ressourcen als Ziel
„Ich denke, in erster Linie geht es um qualitativ hochwertige Daten, die Mathematik des Krieges und darum, zu verstehen, wie man begrenzte Ressourcen effektiver nutzen kann“, wird Mychailo Fedorow, der ukrainische Minister für digitale Transformation und Kopf hinter dem Punkteschema, bei der BBC zitiert.

Laut Fedorow würden derzeit zwischen 90 und 95 Prozent der Kampfeinheiten an dem Programm teilnehmen und dabei einen „stetigen Strom nützlicher Daten“ liefern. „Wir haben angefangen, qualitativ hochwertige Informationen zu erhalten und Entscheidungen darauf basierend zu treffen“, sagte er.

Beim „Economist“ heißt es dazu, der Krieg in der Ukraine sei ein Katalysator für militärische Innovationen. Und eine der „interessantesten Entwicklungen“ sei genau diese Nutzung von „Videospielanreizen“, um die Effizienz der Streitkräfte im Kampf gegen die russische Invasion zu steigern.

Auch für Motivationssteigerung
Zudem diene das System laut Fedorow aber auch der Steigerung der Motivation der Soldaten: „Wenn wir die Punktwerte ändern, können wir sehen, wie sich die Motivation verändert.“ Auch ein Frontsoldat, der anonym bleiben wollte, sagte gegenüber der BBC: „Unsere Jungs sind erschöpft, und nichts motiviert sie wirklich mehr. Aber dieses System hilft.“ Schließlich gebe es für jeden Punkt eine Belohnung.

AP/Hanna Arhirova
Die Nutzung von „Videospielanreizen“ soll die Effizienz und Motivation der Streitkräfte fördern

„Amazon für den Krieg“
Bisher sei es nur möglich gewesen, Punkte in Bargeld umzuwandeln. Da viele Einheiten dieses aber ohnehin in neue Ausrüstung investiert hätten, sei nun ein neues System etabliert worden, wo die Punkte direkt für die Beschaffung dringend benötigter militärischer Produkte verwendet werden könnten.

Die BBC schreibt dazu: „Soldaten können mehr als 1.600 Produkte durchsuchen, ihre gesammelten Punkte verwenden, Artikel direkt von Herstellern kaufen und Bewertungen hinterlassen, wobei das Verteidigungsministerium die Rechnung danach übernimmt.“ Auch dieses von den Entwicklern genannte „Amazon für den Krieg“ laufe über die Regierungsplattform Brave1, so die BBC.

Der „Economist“ rechnete vor: Wenn ein Drohnenbetreiber einen russischen T-90M-Panzer zerstöre, könne er mit den dadurch gewonnenen Punkten 15 weitere Drohnen erhalten. Das System stelle also sicher, dass erfolgreiche Drohnenbetreiber neue Drohnen vor ihren weniger effektiven Kollegen erhalten. Durch den Direktkauf ermögliche das System den Kampfeinheiten außerdem, den standardmäßigen Beschaffungsprozess zu umgehen, der „langsam und umständlich“ sein könne.

Brave1 - кластер підтримки Defense Tech розробок в Україні (Screenshot)
Mittlerweile ist das Punktesystem in die ukrainische Regierungsplattform Brave1 integriert

„Moralisch fragwürdig“
Andere von der BBC befragte Soldaten wiederum, die ihren Namen ebenso nicht nennen wollten, sehen das Punktesystem kritischer. Punkte würden kriegsmüde Armeeangehörige nicht davon abhalten, aus dem Militär zu fliehen. Auch sei das ganze Konzept „moralisch fragwürdig“, so der Tenor. Ein Soldat sagte: „Dieses System ist nur das Ergebnis unserer verdrehten mentalen Gewohnheit, alles in Profit zu verwandeln. Sogar unseren eigenen verdammten Tod.“

Die BBC schreibt dazu: „Punkte für Tötungen. Amazon für den Krieg. Für manche Ohren mag das alles brutal, sogar gefühllos klingen. Aber das ist Krieg, und die Ukraine ist entschlossen, durchzuhalten. Indem sie so effektiv und effizient kämpft, wie sie kann.“ Ähnliches ist beim „Economist“ zu lesen. Kritiker und Kritikerinnen würden bereits seit den Golfkriegen entmenschlichende „Videospielkriege“ verurteilen. Auch sei die Verwendung quantitativer Ziele im Krieg nicht neu. Leichenzählungen seien etwa im Vietnamkrieg die primäre Methode der Fortschrittsmessung gewesen. „Sie bestimmten, wer Medaillen, Beförderungen und sogar Belohnungen wie Zeit fernab der Front erhielt.“ Die heutigen Soldaten, die mit Videospielen aufgewachsen seien, würden das Punktesammeln „zweifellos als eine wenig überraschende Weiterentwicklung dieser Idee“ sehen.

Drohnen integraler Bestandteil der Kriegsführung
Und im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind Drohnen mittlerweile integraler Bestandteil der Kriegsführung. Russland fuhr seine Drohnenproduktion zuletzt hoch. In der Vorwoche griffen Russlands Streitkräfte die Ukraine mit mehr als 720 Drohnen in einer Nacht an, es war der bisher schwerste Angriff seit Kriegsbeginn.

Vor allem entlang der Front hat die Bedeutung von Drohnen für die Kriegsführung seit dem russischen Einmarsch 2022 stetig zugenommen. Für die Ukraine, die sich mit einem zunehmenden Mangel an Infanterie konfrontiert sieht, sind Drohnen ein Mittel zur Kontrolle der Front und für Angriffe auf durchstoßende russische Truppen.

Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge sind die Drohnen sogar das entscheidende Instrument, das es seinem Land ermöglicht habe, sich mehr als drei Jahre lang gegen die russische Invasion zu wehren. Mit der Zunahme an Drohneneinsätzen gewinnt das Punktesystem daher wohl noch einmal mehr an Bedeutung.
20.07.2025, sita, ORF.at
„Videospielkrieg“: Ukraine vergibt Punkte für Drohnenangriffe
 

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Neueste russische Abfangdrohne hängt mit Kabelbindern an der MiG
Die Kreation einer angeblichen Freiwilligengruppe wäre wohl eine Gefahr für Mensch und Kampfjet gleichermaßen. Fix ist: Fliegen wird der "Erzengel" nicht wie vorgesehen

Die neue russische Abfangdrohne wurde mit Kabelbindern an einer MiG-29 befestigt. Noch dazu am Radarwarner.
Telegram / Projekt Erzengel

Im laufenden Wettrennen um die Hoheit im Drohnenkrieg spielen natürlich Abwehrmaßnahmen eine große Rolle: Wie soll man eine Drohne im Wert von ein paar Hundert Euro vom Himmel holen, ohne selbst wirtschaftlich daran zugrunde zu gehen. Raketen sind zu teuer, Rohrwaffen sind zwar effektiv, aber in ihrer Reichweite begrenzt. Deshalb tauchen zuletzt immer häufiger Bilder von Anti-Drohnen-Drohnen auf.

Diese Counter-Uncrewed Aerial Systems (CUAS) können eine Vielzahl von Formen annehmen, vom Laser über Sprengköpfe, die Drohnen per Splitterwolke vom Himmel holen. Aktuell am häufigsten sieht man allerdings ein Luftfahrzeug, das grob einer Bombe ähnelt, wären da nicht die vier Propeller, die das Fluggerät antreiben. Diese Drohnen-Abfang-Drohnen finden ihr Ziel selbstständig und fliegen den Angreifer direkt an, wo sie ihre Sprengladung zünden. Die ukrainischen Streitkräfte stellen derartige Fluggeräte mit dem 3D-Drucker her.

Kabelbinder am Radarwarner
Doch bei der russischen Luftwaffe will man einen Schritt weiter sein: Man habe es geschafft, einen Drohnenjäger in ein Kampfflugzeug, eine Mig-29 Fulcrum, zu integrieren. Bei näherer Betrachtung stellt sich aber schnell heraus: Die neue Superwaffe wirkt wie ein Heimwerkerprojekt. Der praktische Nutzen dürfte gegen null tendieren. Den Beweis liefert das Entwicklerteam in einem Werbevideo selbst.

Wobei schon der Begriff "Entwicklerteam" irreführend ist. Gebaut wurde die Drohne im Rahmen von "Projekt Erzengel". Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Freiwilligen, die Drohnen für die russische Kriegsmaschinerie entwickeln wollen. Der jüngste Streich ist besagter Quadcopter unter der Tragfläche einer MiG-29 SMT. Die Idee: Die Drohne wird von der MiG gestartet, um auf Abfangmission zu gehen. Die Ukraine griff zuletzt wieder vermehrt Ölraffinerien in Russland mit Drohnen an.

Doch schon bei der Montage des neuartigen Fluggeräts ist klar: So wird das nichts. Die Drohne wurde in dem Video mit zwei Kabelbindern an der MiG befestigt. Auch der Ort der Montage wirft Fragen auf: Üblicherweise werden derartige Zusatzgeräte an eigens dafür vorgesehenen Pylonen befestigt. Die Erzengel-Drohne wurde aber am Radarwarnsystem des Jets befestigt, wie The War Zone berichtet. Ein Start des Jets sei so nicht möglich, heißt es in dem Bericht – selbst in der russischen Luftwaffe.

So wird das nichts
Selbst wenn die MiG starten könnte, heißt es noch lange nicht, dass die Drohne überhaupt den Belastungen eines Hochgeschwindigkeitsfluges gewachsen ist. Die Propeller sind dafür nicht ausgelegt und würden wohl binnen kürzester Zeit zerstört. Außerdem verfügen Kampfjets über Selbstdiagnosesysteme, die den Start mit solchen Modifikationen verhindern.

Das hindert die Ersteller des Videos aber nicht daran, ins Cockpit der Mig-29 zu klettern. Es folgt ein Schnitt und der Start des Flugzeugs. Dass es sich dabei um einen Jet von Suchoi (also ein Mitglied der Su-27-Familie) handelt und nicht um eine MiG, entgeht dem fachkundigen Publikum freilich nicht.

Von der speziellen Variante der MiG-29 SMT soll es nur 14 Stück geben. Diese sind auf einem Übungsflugfeld in der Region Astrachan nahe der Grenze zu Kasachstan stationiert. Über ihren Einsatz in der Ukraine ist nichts bekannt.

Mehr Drohnen
Das Ziel der Freiwilligengruppe Projekt Erzengel ist es, die Produktion von billigen First-Person-View-Drohnen für die russische Armee zu beschleunigen. Seit dem Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine haben sich derartige Drohnen zu einem dominierenden Faktor entwickelt. Es gilt laut dem Rüstungsexperten Samuel Bendett vom Center for Strategic and International Studies als wahrscheinlich, dass das "Freiwilligenprojekt" vom russischen Verteidigungsministerium finanziert wird.

In der Vergangenheit hat Archangel behauptet, dass seine Quadcopter-Abfangdrohne eine Geschwindigkeit von bis zu 350 Kilometern pro Stunde erreichen und über eine Entfernung von 50 Kilometern fliegen kann. Die Angaben lassen sich natürlich nicht überprüfen. Derartige Drohnen müssen schneller und höher fliegen als Standardmodelle, die sonst nur für die Bekämpfung von Bodenzielen gedacht sind.

MiGs sind nicht in Frontnähe
Derartige Abfangdrohnen wie die ukrainische Sting werden üblicherweise vom Boden aus gestartet und nicht von Kampfflugzeugen. Nicht so bei der Gruppe Erzengel. Auf ihrem Telegram-Kanal teilte die Gruppe mit, dass es jetzt an der Zeit sei, derartige Abfangdrohnen auf Kampfflugzeugen zu montieren (wenn auch mit Kabelbindern). Das habe handfeste Vorteile: Somit könne die Drohne Kyjiw oder Lwiw erreichen, heißt es da. Die technische Machbarkeit wird beiseitegeschoben: Natürlich bewege sich das Flugzeug selbst "ein wenig" schneller als die Drohne, das sei aber kein Problem.

Dazu kommt, dass russische Kampfflugzeuge nicht einmal in der Nähe von Kyjiw operieren, die Chance, dass der Jet von der ukrainischen Luftverteidigung abgeschossen würde, ist zu groß. Laut The War Zone operieren russische Kampfjets nicht einmal in Frontnähe, sondern beschränken sich auf den Start von Marschflugkörpern und den Abwurf von Gleitbomben aus dem Hinterland.

Experten schütteln den Kopf
Damit hören die Ungereimtheiten nicht auf: Damit man technische Missverständnisse vermeide, habe man kurzerhand die eigenen Leute zu Kampfjetpiloten ausgebildet, heißt es im Video von Projekt Erzengel. Einmal davon abgesehen, dass die Ausbildung von Kampffliegern extrem aufwendig und zeitintensiv ist, ist es ohnehin unwahrscheinlich, dass die Erzengel-Drohne jemals wirklich eingesetzt wird. Derartige Drohnen werden häufig manuell über ein Headset gesteuert. Ein Pilot eines Kampfjets kann diese Aufgabe unmöglich übernehmen und nebenbei noch seine MiG-29 fliegen.

"Im Moment können wir mit Sicherheit sagen, dass es so gut wie ausgeschlossen ist, dass Russland in nächster Zeit Kampfjets einsetzt, um Abfangdrohnen in den Kampf gegen feindliche UAS am Himmel über der Ukraine zu schicken", heißt es bei The War Zone.
(Peter Zellinger, 13.8.2025)
Neueste russische Abfangdrohne hängt mit Kabelbindern an der MiG
 

josef

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Militärtechnologie
Russische Shahed-Drohnen streuen Panzerabwehrminen
Erstmals wurde eine Drohne abgeschossen, die offenbar für die Verminung von Straßen eingesetzt wurde

Eine Shahed/Geran-Drohne, die über Charkiw abgeschossen wurde.
AFP/IVAN SAMOILOV

Drohnen wie die russische Geran haben eigentlich nur einen Zweck: Die meisten fliegen stur in eine Richtung zu den voreingestellten Zielkoordinaten, wo sie dann explodieren. Es gibt zwar einige Varianten, die eine rudimentäre Form der Manövrierbarkeit beherrschen, aber üblicherweise sind Geran-Drohnen einfache, billige Wegwerfwaffen. Aus russischer Sicht also perfekt für den täglichen Drohnenterror über der Ukraine geeignet.

Bei der Geran-Drohne handelt es sich um die lokal produzierte Variante der Shahed-Drohne aus dem Iran. Offenbar ist eine Modifikation nun eine Variante als Minenleger.

Die ukrainische Nationalpolizei bestätigte den Einsatz dieser neuen Technologie. Jüngst wurde eine Shahed-Drohne in der Region Sumy abgeschossen. Unter den Tragflächen waren Behälter mit PTM-3-Panzerabwehrminen befestigt. Videos in sozialen Medien zeigen, wie mindestens einer der Deltaflügler Minen aus diesen Kanistern abwirft.


"Diese Methode ermöglicht es dem Feind, Straßen, landwirtschaftliche Flächen und andere Gebiete aus der Ferne zu verminen", erklärte die ukrainische Nationalpolizei.

Klein, empfindlich, tödlich
Bei den eingesetzten Minen handelt es sich um PTM-3-Panzerabwehrminen sowjetischer Bauart. Diese kompakten Minen in Plastikgehäusen sind mit magnetischen Zündern ausgestattet und reagieren auf die Annäherung oder das Vorbeifahren von Fahrzeugen. Schon kleinste Lageveränderungen von drei Grad lösen fünf Hohlladungen, vier an den Längsseiten, eine an der Stirnseite, aus. Das macht die Mine zur gefürchteten Panzerabwehrwaffe, ist aber auch für zivile Fahrzeuge sowie Passanten eine lebensbedrohliche Gefahr. Nicht ohne Grund ist es ukrainischen Soldaten streng verboten, sich derartigen Minen auch nur zu nähern.


Diese Panzerabwehrmine wurde in den Trümmern einer abgeschossenen Shahed-Drohne gefunden.
Nationalpolizei der Ukraine

Die Mine kann nicht von Soldaten per Hand verlegt werden. Sie ist auf eigene Abwurfbehälter angewiesen. Meist sind diese Verlegesysteme an Fahrzeugen oder Hubschraubern angebracht. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Mine mittels einer eigens dafür entwickelten Rakete zu verlegen.

Dafür steckt die Mine in einem Kasten, der Verlegekassette KPTM-3. Darin befindet sich eine Schnur, wird die Kassette ausgeworfen, zieht diese einen Stift aus der Mine, und nach 60 Sekunden ist die Waffe scharf.

Einsatz gegen Zivilisten
Die ukrainischen Behörden warnen eindringlich vor den Gefahren: "Wir fordern die Bürger auf, wachsam und vorsichtig zu sein! Dies gilt besonders für Fahrer von Fahrzeugen, die auf Feldern arbeiten oder auf Feldwegen mit eingeschränkter Sicht durch Grasbewuchs unterwegs sind", so die Polizei gegenüber der ukrainischen Militarnyi.

Zusätzlich warnen die Behörden davor, abgestürzte feindliche Drohnen zu berühren, die nicht explodiert sind. Diese könnten neben der Hauptladung auch getarnte Sprengfallen enthalten.

Der russische Militärkanal NGP-Razvedka prahlt mit der neuen Taktik: "Die Geran führt eine ferngesteuerte Verminung feindlicher Versorgungsrouten in Echtzeit durch." Mit einer Reichweite von über 1000 Kilometern könnten diese Drohnen theoretisch weit ins ukrainische Hinterland vordringen. Viel weiter, als das herkömmliche Verlegemethoden bislang möglich machten.

Laut The War Zone handelt es sich um eine weitere Eskalationsstufe im Drohnenkrieg. Die Ukraine setzt seit längerem Multicopter-Drohnen ein, um Minen zu verlegen. Die neue Shahed-Variante reicht aber noch viel weiter und bedroht Versorgungslinien und Verkehrswege weit hinter der Front. Von der Gefahr für die Zivilbevölkerung ganz zu schweigen.

Massenhafter Einsatz befürchtet
Experten zeigen sich besorgt über die drastische Steigerung der russischen Drohnenproduktion. Während Russland anfangs auf iranische Lieferungen angewiesen war, produziert es mittlerweile selbst 2000 Shahed-Drohnen pro Monat – mit Plänen für eine Verdreifachung dieser Zahl. Zum Teil werden auch Kinder als Arbeitskräfte in den Drohnenfabriken eingesetzt, wie Recherchen von russischen Journalistinnen und Journalisten im Exil zeigen.

Keine sichere Methode zur Räumung
Die Panzermine PTM-3 hat noch eine Eigenheit: Da sie höchst empfindlich auf Lageveränderungen reagiert, kann sie auch kaum von Menschen geräumt werden. Deshalb zerstört sich die Mine nach 16 bis 24 Stunden von selbst, wenn die Batteriespannung nachlässt. Es gibt ansonsten nur zwei weitere Methoden, die Mine vor Ablauf dieser Frist zu räumen: entweder durch eine Sprengladung oder mit dem Beschuss aus der Distanz durch ein Maschinengewehr – aber nur von einem gepanzerten Fahrzeug aus. Diese Maßnahme gilt aber als absolute Notmaßnahme, vor der selbst in alten sowjetischen Handbüchern gewarnt wird.

In der Vergangenheit bereitete die Mine den russischen Angreifern einiges Kopfzerbrechen. Damit sie korrekt funktioniert, muss eine Knopfzelle verbaut werden. Offenbar herrschte in der russischen Armee aber ein Mangel an derartigen Batterien.
(Peter Zellinger, 14.8.2025)
Russische Shahed-Drohnen streuen Panzerabwehrminen
 

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Größer und tödlicher
Eine Tonne Sprengstoff: Ukraine stellt gewaltigen Marschflugkörper Flamingo vor
Die Waffe dürfte eine Reichweite von 3000 Kilometern haben und wird laut ukrainischen Angaben bereits in Serie produziert

Die Flamingo wird laut Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums bereits in Serie produziert.
Efrem Lukatsky / AP / picturedes

Sie wirkt beinahe wie eine Waffe, die auch zum Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt worden sein könnte. Oder Anfang der 50er-Jahre zur Abschreckung im Kalten Krieg. Die Rede ist von der neuen ukrainischen Rakete oder genauer: dem neuen Marschflugkörper. Der Fotojournalist Efrem Lukatsky hat dieser Tage die erste Nahaufnahme der Waffe veröffentlicht und damit deren Existenz bestätigt. Mit der kolportierten Reichweite von 3000 Kilometern wäre es der Ukraine möglich, Ziele tief im russischen Territorium anzugreifen.

Der Marschflugkörper trägt laut dem Journalisten die Bezeichnung "Flamingo" und ist in der Lage, einen konventionellen 1000-Kilogramm-Sprengkopf ins Ziel zu bringen. Am Montag hat das ukrainische Verteidigungsministerium die Informationen bestätigt. Zudem werde die Waffe bereits in Serie produziert. Erste Flamingos wurden bereits eingesetzt, um Ziele in Russland anzugreifen, erklärte Verteidigungsminister Denys Shmyhal. Am Montag veröffentlichte die Ukrainska Prawda zwei Videos, die Flamingos beim Start von ihren Rampen zeigen.

Бойовий пуск ракети “Фламінго”
ZN UA Дзеркало тижня. Україна

Випробувальний пуск ракети “Фламінго"
ZN UA Дзеркало тижня. Україна

Dem ukrainischen Defense Express zufolge kann eine Flamingo für vier Stunden in der Luft bleiben und eine Maximalgeschwindigkeit von 950 km/h erreichen. Die Marschgeschwindigkeit beträgt etwa 850 bis 900 Kilometer pro Stunde. Mit einer Spannweite von sechs Metern und einem Startgewicht von bis zu sechs Tonnen ist die Flamingo einer der größten Vertreter dieser Waffengattung.

Auf dem veröffentlichten Bildmaterial ist eine deutliche Ähnlichkeit mit einer Rakete namens FP-5 zu erkennen. Diese wird von der Firma Milanion aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hergestellt. Dieses Unternehmen hat laut The War Zone bereits in der Vergangenheit mehrfach Material und Technologie an die Ukraine geliefert. So hat die Eliteeinheit Kraken eine Bodendrohne von Milanion im Einsatz. Auch das Datenblatt des Herstellers lässt den Schluss zu, dass es sich bei der Flamingo um eine FP-5 handelt. Ob es für die ukrainische Waffe zu Anpassungen gekommen ist, ist aktuell noch unklar.


Das Datenblatt der FP-5 von Milanion aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Flamingo dürfte auf diesem Marschflugkörper basieren.
Milanion Group

Zur Steuerung verwendet die FP-5 laut Milanion eine Kombination von Methoden, einschließlich verschiedener Arten der Satellitennavigation. Nach Angaben des Unternehmens ist sie so konzipiert, dass sie gegen elektronische Kriegsführung resistent ist. Ein Trägheitsnavigationssystem wird wahrscheinlich ebenfalls vorhanden sein.

Gewaltige Dimensionen
Fix ist: Die Flamingo ist gewaltig. Eine solche Größe und ein solches Gewicht gab es bei modernen westlichen Streitkräften bei einem Marschflugkörper seit Beginn des Kalten Krieges nicht mehr. Der US-amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper hat ein Startgewicht von bis zu 1600 Kilogramm und trägt einen 450 Kilogramm schweren Sprengkopf. Und der russische Langstrecken-Marschflugkörper Kh-101, der bis zu 5500 Kilometer weit fliegen kann, hat ein Abfluggewicht von etwa 2400 Kilogramm. Die deutsche Taurus wiegt insgesamt nur 1,3 Tonnen und hat nur eine Spannweite von etwas über zwei Metern.

Die Broschüre des höchstwahrscheinlichen Herstellers gibt auch Auskunft über die Produktionskapazität. Laut der Milanion-Gruppe können pro Monat 50 derartige Marschflugkörper hergestellt werden. Dies deutet darauf hin, dass zugunsten der Massenproduktion auf anspruchsvolle Konstruktionsmerkmale verzichtet wurde. So dürfte der Start aus einem Container nicht möglich sein, stattdessen wird eine recht einfache Rampe verwendet. Außerdem verfügt die FP-5 über keine klappbaren Flügel – die braucht sie bei dieser Form des Starts aber auch nicht. Dafür dauert die Vorbereitung länger, bis die Waffe einsatzbereit ist. Laut Defense Express dürfte diese Zeit bei mindestens 20, eher jedoch 40 Minuten liegen.

Zufällig haben die ukrainischen Streitkräfte auch eine weitreichende Waffe im Arsenal, die ähnliche Navigationssysteme verwendet und sich auch die Initialen mit der FP-5 teilt. Mit der FP-1 steht eine Langstreckendrohne zur Verfügung, die eingesetzt wurde, um Militäranlagen nahe Moskau anzugreifen. Laut ukrainischen Medienberichten ist es wahrscheinlich, dass auch hinter dieser Waffe die Milanion-Gruppe steckt.

Fix ist: Eine Reichweite von 3000 Kilometern würde es der Ukraine ermöglichen, militärische Produktionsanlagen im russischen Hinterland anzugreifen. Damit rücken russische Produktionszentren für Panzer, Schützenpanzer, Drohnen und Artilleriesysteme im Uralgebirge in die Reichweite der Ukraine. Bisher hat sich Kyjiw hauptsächlich auf langsamere Einweg-Angriffsdrohnen verlassen. Diese ähneln eher Kleinflugzeugen. Mit ihnen wurden immer wieder russische Raffinerien und Produktionsanlagen, etwa für die berüchtigten Shahed-Drohnen, angegriffen.

Milanion selbst hat im Jahr 2021, also noch vor dem russischen Angriff, eine Kooperation mit einem großen ukrainischen Rüstungskonzern geschlossen. Das Unternehmen hat auch in anderen Ländern Niederlassungen, unter anderem in Großbritannien.
(pez, 19.8.2025)
Eine Tonne Sprengstoff: Ukraine stellt gewaltigen Marschflugkörper Flamingo vor
 

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Aufrüstung als Sicherheitsstrategie
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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lädt für Donnerstag Staats- und Regierungschefs der „Koalition der Willigen“ nach Paris, um über Unterstützung und Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu sprechen. Nach den in den vergangenen Jahren von den westlichen Partnern oft nicht erfüllten Erwartungen setzt die Ukraine nun aber stark darauf, selbst an Sicherheitsgarantien zu arbeiten. Den Weg dazu sieht Kiew vor allem in der eigenen Aufrüstung – im Land und durch Waffen von europäischen Verbündeten.
Online seit heute, 6.04 Uhr (Update: 6.51 Uhr)
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Sicherheitsgarantien sollen Russland davon abhalten, die Ukraine nach dem Ende des Krieges erneut anzugreifen. Auch eine internationale Schutztruppe ist laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Arbeit. Bisher haben die internationalen Gespräche dazu aber wenig bewirkt, und Kreml-Chef Wladimir Putin ignoriert weiterhin das Drängen der USA, sich für eine Friedenslösung einzusetzen, und spielt auf Zeit.

Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa bezeichnete am Donnerstag Sicherheitsgarantien als „absolut inakzeptabel“. Sie seien eine „Gefahr für den europäischen Kontinent“. US-Präsident Donald Trump setzt sich indes weiterhin für ein Friedensabkommen ein. „Es wird etwas passieren, aber sie (Putin und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, Anm.) sind noch nicht bereit. Aber es wird etwas passieren. Wir werden es schaffen“, sagte er am Donnerstag in einem Interview mit CBS News.

Reuters/Valentyn Ogirenko
Aus dem Westen benötigt die Ukraine vor allem die Patriot-Luftabwehrsysteme

Die Ukraine will in ihrer Verteidigungsstrategie gegen Russland auch angesichts der zurückgehenden Unterstützung aus den USA nicht allein auf die möglichen Sicherheitsgarantien der europäischen Verbündeten vertrauen. Zu oft wurden Versprechen nicht eingehalten und Erwartungen enttäuscht. So gab es beispielsweise mit dem Budapester Memorandum bereits 1994 eine Vereinbarung, die die Ukraine nach der Unabhängigkeit schützen sollte. Sie blieb aber unkonkret. Bei der völkerrechtswidrigen russischen Besetzung der Krim 2014 hat dieses Memorandum wenig geholfen.

Selenskyj: Kein Gesprächsbedarf mit USA
Mit Vorsicht reagierte die Ukraine daher auf einen europäischen Vorstoß zu einem Sicherheitsabkommen, das ähnliche Garantien wie die gegenseitige Verteidigungsklausel der NATO vorsehen würde. Ein NATO-Beitritt der Ukraine ist für Russland ausgeschlossen. Viel mehr setzt die Ukraine daher auf eigene Sicherheitsgarantien, die von Russland nicht untergraben werden können.

Auch von den USA will sich der ukrainische Präsident Selenskyj in der Diskussion über mögliche US-Verbote für den Einsatz weitreichender amerikanischer Waffen gegen Russland nicht reinreden lassen: „Wir setzen unsere im Inland hergestellten Langstreckenwaffen ein.“ Solche Dinge seien in letzter Zeit nicht mit den USA diskutiert worden, sagte er vor wenigen Tagen.

„Stählernes Stachelschwein“
Die Ukraine will sich vor allem mit einer milliardenschweren Aufrüstung absichern – mit eigener Rüstungsindustrie und durch die Lieferung von US-Waffensystemen, finanziert von europäischen Partnern. Die Ukraine müsse zu einem „stählernen Stachelschwein“ werden, sagte von der Leyen kürzlich, Europa werde dazu seinen Teil beitragen. Da die USA nicht mehr direkt Waffen an die Ukraine liefern wollen, wurde über die NATO ein neues Beschaffungssystem entwickelt.

Mit europäischen Geldern werden US-Waffen für die Ukraine gekauft. Im Fokus stehen Patriot-Flugabwehrsysteme. Unterstützung gibt es aber auch auf anderem Gebiet. Am Mittwoch teilte etwa die dänische Regierung mit, dass ein ukrainisches Verteidigungsunternehmen in Dänemark Treibstoff für Langstreckenraketen herstellen werde.

Fokus auf Produktion eigener Raketen
Auf finanzielle Unterstützung hofft die Ukraine auch für ihre ständig wachsende eigene Rüstungsindustrie. Schon jetzt läuft die Produktion von Drohnen, die in großem Ausmaß gegen Russland eingesetzt werden, auf Hochtouren. Inzwischen wird auch an selbst produzierten leistungsfähigeren Waffen gearbeitet. In ukrainischer Produktion wurde etwa die Kurzstreckenrakete „Sapsan“ entwickelt. Erst kürzlich wurde die „Flamingo“-Rakete präsentiert mit einer Nutzlastkapazität von 1.150 Kilogramm und einer angeblichen Reichweite von bis zu 3.000 Kilometern. Sie ist das erste in der Ukraine produzierte „schwere“ Raketensystem. Eine solche Waffe könnte für den Kreml eine wirksamere Abschreckung darstellen als jede Schutzzusage des Westens, analysierte der Waffenexperte an der Universität Oslo, Fabian Hoffmann.

APA/AFP/ZN.UA
Die in der Ukraine hergestellte Rakete „Flamingo“ befindet sich derzeit in der Testphase

Die Rakete befindet sich noch in der Testphase, wurde aber laut „Kyiv Post“ bereits bei einem Angriff auf die Krim eingesetzt. Selenskyj will damit bis spätestens Februar in eine Massenproduktion gehen. „Die wichtigste Garantie für die Sicherheit der Ukraine ist eine voll einsatzfähige, gut ausgebildete Armee, die ständig kampfbereit ist“, wurde der ukrainische Innenminister Ihor Klymenko in der „New York Times“ („NYT“) zitiert.

Selenskyj zufolge werden in der Ukraine inzwischen 40 Prozent der an der Front eingesetzten Waffen produziert. Der Anteil soll noch gesteigert werden, vorausgesetzt die Finanzierung ist möglich. Die Ukraine habe die industrielle Kapazität, Militärgüter im Wert von 35 Mrd. Dollar (30 Mrd. Euro) pro Jahr zu produzieren, analysierte Olena Bilousova von der Kyiv School of Economics gegenüber der „NYT“. Sie könne sich derzeit aber nur eine Produktion von bis zu 15 Mrd. Dollar leisten: „Die Finanzierungsfrage ist ein Engpass für unsere Verteidigungsindustrie.“

Armee kämpft mit Personalmangel
Unsicher ist, wie nachhaltig diese forcierte Aufrüstung ist, kämpft die ukrainische Armee doch mit einem erheblichen Personalmangel. Nach wie vor ist das russische Verteidigungsbudget mit mindestens 150 Mrd. Dollar heuer etwa dreimal so hoch wie das der Ukraine. Es produziert zudem weit mehr Munition als die NATO.

Unklar ist auch das Ausmaß der europäischen Partner, von denen viele selbst ihre Verteidigungsbudgets aufstocken müssen und mit Budgetengpässen kämpfen. Allerdings gab es zuletzt Zusagen aus Deutschland und Norwegen, die Ukraine im kommenden Jahr jeweils mit bis zu zehn Mrd. Dollar zu unterstützen. Diese Zusage größerer Finanzpakete könnten der Ukraine eine längere Planung auch für Ausbau und Entwicklung ihrer Verteidigungsindustrie geben.
04.09.2025, red, ORF.at/Agenturen

Ukraine: Aufrüstung als Sicherheitsstrategie
 

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DIY-Marschflugkörper
Mit dem Flamingo will die Ukraine Putins Ölindustrie mächtige Schläge versetzen
Mit ihrem neuen DIY-Marschflugkörper könnte die Ukraine endlich genügend Waffen haben, um im Krieg wieder die Initiative zu übernehmen. Ganz ohne westliche Hilfe dürfte dies aber nicht gelingen

Die ersten Testchargen waren mit einem pinkfarbenen Sprengkopf versehen – daher der liebliche Name des riesigen Flugobjekts in Kyjiws Arsenal.
AFP/ZN.UA/HANDOUT

Ob es sich bei der Geschichte, wie der erste ukrainische Marschflugkörper Marke Eigenbau zu seinem Spitznamen kam, um eine Legende oder um die Wahrheit handelt, ist unklar. Iryna Terekh, CEO der Kyjiwer Waffenschmiede Fire Point, gab kurz nach der Präsentation der neuen Waffe Mitte August gegenüber Politico zu Protokoll, dass die ersten Chargen als Hommage an die Rolle der Frauen im Krieg mit pinkfarbenem Sprengkopf gefertigt wurden – pink wie ein Flamingo. Anderswo heißt es, die unorthodoxe Farbgebung sei schlicht Folge eines Produktionsfehlers.

Auch wenn inzwischen ein weit dezenteres Grün über die Kappe des Flamingo gepinselt wurde, war der PR-Stunt des erst 2022 gegründeten Kyjiwer Start-ups perfekt. Dem Marschflugkörper, der mit seinen sechs Tonnen so gar nichts mit dem grazilen Vogel gemein hat, eilt in Medienberichten ein sagenumwobener Ruf voraus. Satte 1150 Kilogramm wiegt allein sein Sprengkopf, 3000 Kilometer weit und bis auf 14 Meter genau soll der Koloss den Sprengstoff in sein Ziel tragen können. Kampfjets braucht Kyjiw dafür nicht. Abgefeuert wird der Flamingo, anders als etwa der weit komplexere – und bisher nicht gelieferte – deutsche Taurus, nämlich vom Boden aus.

Nur neun Monate Entwicklungszeit
Klotzen statt kleckern – so lautet unter Kyjiws Strategen offensichtlich die Devise. Aus den Nadelstichen, die sie Russland bisher mit ihren Drohnen zugefügt haben, könnten mithilfe des Flamingo schon bald mächtige Schläge werden, die Machthaber Wladimir Putin zum Einlenken zwingen sollen. Schlanke neun Monate habe man an dem Prototyp gearbeitet, heißt es von Fire Point. Vor einer Woche soll der Flamingo erstmals gegen russische Stellungen auf der Krim getestet worden sein – erfolgreich, behauptet Kyjiw. Doch kann die Strategie aufgehen? Und könnte sich die Ukraine mit dem DIY-Marschflugkörper ein Stück weit unabhängig machen von ihren Partnern, die in Sachen Angriffswaffen seit jeher auf der Bremse stehen? DER STANDARD hat Fachleute um Einschätzung gebeten.

"Auf dem Boden kann die Ukraine derzeit kaum Druck ausüben. Ihre Chance, die Initiative zu ergreifen, sind Angriffe im Hinterland", sagt Markus Reisner von der Theresianischen Militärakademie. 90 Prozent der russischen Rüstungsbetriebe, heißt es, liegen innerhalb der Reichweite des Flamingo, Moskau und St. Petersburg ohnehin. Der Analyst macht aber vor allem die für Wladimir Putins Kriegskasse wichtige Ölindustrie als mögliche Ziele aus. Drohnenangriffe – im Juli etwa auf die Ostsee-Raffinerie Ust-Luga – ließen Russlands Ölproduktion schon jetzt um fast ein Fünftel einbrechen.


Der wichtigste Ölhafen Russlands, Noworossijsk am Schwarzen Meer, zählt zur kritischen Infrastruktur von Putins Wirtschaft. Der Einsatz des Flamingo könnte dort immense Schäden anrichten.
via REUTERS/Caspian Pipeline Con

Entsprechend tief ist mittlerweile das Loch in Moskaus Staatssäckel. Um 60 Milliarden Dollar dürften die Einnahmen aus dem Energiegeschäft heuer sinken. Bares, das dem Kreml bald fehlen könnte, wenn er um neue Soldaten für die Front buhlt. "Noch ist das nicht bedrohlich, weil Armee und Exportkunden nach wie vor bedient werden", sagt Reisner. Aber: "Russland muss immer mehr Ressourcen für die Abwehr aufwenden."

Saturierender Effekt nötig
Der Flamingo, der viel mehr Sprengstoff fasst als eine Kampfdrohne, könnte künftig weit größeren Schaden anrichten. 250 Stück sollen bis Ende des Jahres monatlich vom Band gehen, heißt es vom Hersteller Fire Point, der zuletzt ins Visier der ukrainischen Korruptionsjäger geraten ist. Auch wenn nicht absehbar ist, ob dieser ambitionierte Plan aufgeht – für Reisner ist der Flamingo schon jetzt ein Erfolg: "Die Ukraine hat bewiesen, dass sie ihn kostengünstig produzieren und Druck auf Russland ausüben kann, ohne von Lieferungen abhängig zu sein."

Läuft alles so, wie man es sich in Kyjiw vorstellt, könnte schon bald jener überwältigende Effekt eintreten, den es für schmerzhafte Schläge gegen Russland braucht. "Zehn Flamingos sind besser als ein deutscher Taurus, der bisher ohnehin nicht geliefert wurde", bringt Reisner die Gleichung auf den Punkt.

Sidharth Kaushal, der sich beim Londoner Royal United Services Institute mit der Rolle von Raketen in Kriegen befasst, sieht das ähnlich. "Einerseits kann die Ukraine mit dem Flamingo Ziele dauerhaft zerstören, da bisher die meisten Schäden für Russland reparabel sind. Zweitens beeinflusst die Existenz der Langstreckenraketen auch die Zuweisung von Russlands Luftabwehrressourcen – das wird wahrscheinlich über den aktuellen Konflikt hinausgehen."

Der ukrainische Militäranalyst Mychajlo Schyrochow warnt indes vor Euphorie. Es sei keineswegs gesagt, dass der Flamingo tatsächlich zum "Gamechanger" wird: "Erstens wären dafür hunderte Raketen erforderlich. Zweitens ist nicht bekannt, wie effektiv die russische Luftabwehr dagegenhalten kann. Daher sollte man die Ergebnisse ihres Einsatzes abwarten."

Bemerkenswertes Joint Venture
Dass es die Ukraine geschafft hat, mitten im Krieg eigene Marschflugkörper zu produzieren, sei Ergebnis eines bemerkenswerten Joint Venture. So beziehe Fire Point viele Bestandteile in Nachbarstaaten – Schyrochow nennt Polen, Rumänien und Tschechien –, die dann im Westen der Ukraine zusammengesetzt würden. Beim Hersteller betont man, der technisch vergleichsweise einfach gestrickte Flamingo mit seinem Turbofan-Triebwerk, das auch in Kleinflugzeugen zum Einsatz kommt, sei zu hundert Prozent "made in Ukraine", den benötigten Spezialtreibstoff will man künftig in Dänemark herstellen.

Dass der markante Riese leicht ins Netz des russischen Radars gehen könnte, dürfte eingepreist sein, glaubt der Londoner Forscher Kaushal – was zählt, sei der Kostenfaktor. Während etwa ein US-Tomahawk mit bis zu vier Millionen Dollar zu Buche schlägt, kommt ein Flamingo laut Schätzungen auf deutlich unter eine Million.

Viel spricht deshalb dafür, dass die Ukraine auf das Prinzip Masse statt Klasse setzt. Ihre Strategen könnten sich eines Konzepts bedienen, mit dem bisher der Feind – allerdings meist gegen zivile Ziele – erfolgreich war: Bevor die Flamingos abheben, sollen Drohnen Russlands Luftabwehr schachmatt setzen: "Dies deutet auf eine Sättigungsstrategie hin, die nicht davon abhängt, dass eine einzelne Rakete ihr Ziel erreicht, sondern davon, dass genügend Raketen die Abwehr durchdringen", sagt Kaushal.

st der Flamingo für Kyjiw also der Befreiungsschlag, mit dem sich das Land im Offensivbereich von seinen Partnern im Westen emanzipiert? Analyst Schyrochow bleibt skeptisch: "Ohne nachrichtendienstliche Daten der USA kann die Ukraine den Flamingo nicht effektiv einsetzen." Deshalb werde dieser zu Beginn wohl vor allem Ziele anfliegen, deren Koordinaten wohlbekannt sind: "Im Idealfall die Krim-Brücke." Wie Russlands Machthaber Putin auf einen solchen Schlag – oder auf die Zerstörung seiner Ölindustrie – reagieren würde, weiß freilich niemand.
(Florian Niederndorfer, 8.9.2025)
Mit dem Flamingo will die Ukraine Putins Ölindustrie mächtige Schläge versetzen
 

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Russische Gerbera-Drohnen: Mit Sperrholz und Schaum gegen Europa
Die Drohnen im Luftraum über Litauen, Polen und vermutlich Rumänien sind die billige Version der ohnehin kostengünstigen Shahed. Gefährlich sind sie trotzdem

Eine Gerbera-Drohne stürzte nahe dem Dorf Czosnowka in Ostpolen ab.
Dariusz Stefaniuk via REUTERS

Die jüngsten russischen Luftraumverletzungen über NATO-Gebiet haben die Aufmerksamkeit auf einen neuen Drohnentyp gelenkt, der seit Juli 2024 im Ukraine-Krieg zum Einsatz kommt.

Die "Gerbera" (russisch: Гербера) steht für eine Generation kostengünstiger Kampfdrohnen, die speziell darauf ausgelegt sind, gegnerische Luftabwehrsysteme zu überlasten und zu täuschen. Oder wie im Fall des Eindringens in den NATO-Luftraum: Die Abwehrfähigkeiten auf die Probe zu stellen.

Billigste Bauweise
Die technischen Spezifikationen der Gerbera offenbaren eine bewusst einfache Konstruktion: Mit dem extrem geringen Startgewicht von maximal 18 Kilogramm, einer Spannweite von 2,5 Metern und einer maximalen Geschwindigkeit von 160 km/h entspricht ist sie sogar noch ein wenig kleiner als die berüchtigten Shahed/Geran-Drohnen. Besonders bemerkenswert ist jedoch die Reichweite von bis zu 600 Kilometern bei einer maximalen Einsatzhöhe von 3.000 Metern.

Der Rumpf besteht aus einem internen Sperrholzrahmen, der von einem Körper aus Hartschaum ummantelt wird – Materialien, die man zur Not auch im Baumarkt bekommt. Diese Bauweise reduziert die Produktionskosten erheblich: Ukrainische Geheimdienste schätzen, dass eine einzelne Gerbera-Drohne etwa 10.000 US-Dollar kostet – ein Bruchteil der Kosten einer Shahed-136.

Komponenten aus China und dem Westen
Als Antrieb dient ein Druckpropeller, angetrieben von einem handelsüblichen Verbrennungsmotor. Typischerweise kommt ein DLE60 60-cm³-Motor des chinesischen Herstellers Mile Hao Xiang Technology zum Einsatz, der auf chinesischen Marktplätzen für 430 bis 550 US-Dollar erhältlich ist. Alternativ wurde auch der Stinger 70-cm³-Motor des kanadischen Herstellers RCGF Stinger beobachtet.

Die elektronische Ausstattung zeigt die internationale Verflechtung der Lieferketten und wohl auch die Umgehung von Sanktionen: Verbaute Chips stammen von Analog Devices und Texas Instruments (USA), NXP Semiconductors (Niederlande), STMicroelectronics und U-Blox (Schweiz) sowie XLSEMI (China) – trotz bestehender Exportbeschränkungen für Dual-Use-Technologien nach Russland, wie der ukrainische Geheimdienst GUR auf seiner der Seite War Sanctions meldet.

Ködern, aufklären, töten
Die Gerbera kann laut russischen Quellen in drei verschiedenen Konfigurationen eingesetzt werden.

Als Kamikaze-Drohne wird sie mit einem Sprengkopf von bis zu fünf Kilogramm ausgestattet – deutlich weniger als die 60 bis 90 Kilogramm schweren Gefechtsköpfe der Shahed-136. Für Angriffe auf kleinere Ziele reicht es dennoch. Die Reichweite dürfte mit einer solchen Zuladung aber erheblich sinken. Manche Quellen sprechen von etwa 300 Kilomtern.

Ausgerüstet mit einer stabilisierten Kamera des Typs KHY10S90 von Topotek und einem Mesh-Netzwerk-Modem XK-F358 von Xingkay Tech, wird die Gerbera als Aufklärer eingesetzt. Diese beiden Komponenten kosten zusammen etwa 8000 Euro und ermöglichen Datenübertragung auch unter elektronischen Störmaßnahmen.


Fotos des ukrainischen Geheimdienstes zeigen eine Gerbera-Drohne. Die Außenhaut aus Hartschaum und Styropor ist gut zu erkennen.
Main Directorate of Intelligence (Ukraine) / GUR

Die wichtigste Funktion der Gerbera ist jener des Kugelfangs: Sie soll ukrainische Luftabwehrsysteme von gefährlicheren Zielen ablenken. Durch ihre visuelle Ähnlichkeit zur Shahed-136 zwingt sie Verteidiger, wertvolle Kapazitäten der Flugabwehr auf eine eigentlich unbewaffnete Drohne zu verschwenden.

Waffe mit Mesh-Netzwerk
Besonders bemerkenswert ist das Mesh-Netzwerk-System der Gerbera. Vernetzte Drohnen können Daten untereinander austauschen und Signale vom Operator weiterleiten. Damit wird jede Drohne zu einer Art Repeater in der Luft. Das wiederum macht sie gegen elektronische Kriegsführung widerstandsfähiger und macht es erheblich schwerer, die Drohnenoperationen etwa mit Jammern zu stören.

Dazu kommt, dass die Technologie es möglich macht, die Drohnen im Schwarm zu steuern. Das heißt, ein Operator ist in der Lage, gleich mehrere Gerbera-Drohnen zu kontrollieren.

In China gebaut, in Russland endmontiert
Laut ukrainischen Geheimdiensterkenntnissen wurde die Gerbera nicht in Russland entwickelt und wird dort auch nicht gebaut. Stattdessen wird sie vom chinesischen Unternehmen Skywalker Technology als Bausatz geliefert und in der Alabuga-Drohnenfabrik in Jelabuga, Russland, für den operativen Einsatz nur endmontiert. Die Gerbera ist nicht im Produktkatalog von Skywalker Technology aufgeführt, was darauf hindeutet, dass sie speziell unter einem Vertrag mit der Russischen Föderation entwickelt wurde, wie die britische The Independent berichtet.

Eine der Drohnen, die über Polen abgeschossen wurden, gibt darüber Aufschluss: Auf ihr ist noch das Datum der finalen Qualitätskontrolle (2. September) zu sehen, gemeinsam mit den Buchstaben БГ, was für das Wort "Einsatzbereit" steht, wie Militarnyi berichtet.

Der Angreifer ist aktuell im Vorteil
Seit November 2024 machten Köder-Drohnen wie die Gerbera etwa die Hälfte aller von Russland gestarteten Drohnen aus – eine Taktik, die Russland intern "Operation falsches Ziel" nennt. Diese Strategie zeigt Wirkung: Ukrainische Luftabwehrkräfte müssen zwischen echten Bedrohungen und Ködern unterscheiden, was im Einsatz keine leichte Aufgabe ist.

Zum Vergleich: Eine Sidewinder-Rakete kostet rund 400.000 Dollar pro Stück. Wird diese auf eine an sich harmlose Köderdrohne im Wert von 10.000 Dollar abgefeuert, ist dies wirtschaftlich nicht lange tragbar.

https://www.youtube.com/shorts/XFlLZFJqCi4?feature=share

Deshalb ist es das erklärte Ziel der Ukraine, pro Tag bis zu 1000 Abfangdrohnen starten zu können. Diese haben sich bislang als sehr effektiv in der Abwehr der täglichen russischen Drohnenwelle erwiesen. Diese Mini-Drohnen könnten den Kostenvorteil wieder auf die Seite der Verteidiger bringen: Sie kosten zwischen 2000 und 5000 Dollar pro Stück und sind damit noch einmal deutlich günstiger als die Gerbera-Drohnen.

Europa sucht billige Abfangdrohnen
Nicht ohne Grund ist nach der russischen Provokation über Polen die Nachfrage nach ukrainischem Know-how gestiegen, wie der Kyiv Independent berichtet. Demnach sind in Kyjiw Anfragen aus Polen, Deutschland, Dänemark und den baltischen Staaten eingegangen, die sich bei ukrainischen Herstellern nach Abfangdrohnen erkundigt haben.

Aktuell geben sich die Drohnenbauer noch zögerlich: Erstens wird jede Abfangdrohne in der Ukraine gebraucht. Zweitens befürchtet man in Kyjiw, dass hinter manchen Anfragen auch Spionagetätigkeiten stecken könnten. Eine breite Ausfuhr der Technologie ist aktuell ohnehin unwahrscheinlich. Diese wird durch strenge Exportkontrollen der Ukraine verhindert.
(Peter Zellinger, 14.9.2025)
Russische Gerbera-Drohnen: Mit Sperrholz und Schaum gegen Europa
 

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Militärtechnik
Wie gefährlich sind Russlands Iskander-Raketen für Europa?
Die Aufregung über die Iskander-M in Kaliningrad ist übertrieben – sie stehen dort schon eine ganze Weile. Dennoch handelt es sich um eine tödliche Waffe

Russische Soldaten üben das Nachladen eines Iskander-M-Systems während der Übung Sapad (Westen) 2025. Russland hat Iskander-Systeme in Kaliningrad stationiert.
EPA/RUSSIAN DEFENCE MINISTRY PRE

Als am Wochenende plötzlich Videos und Fotos von zwei russischen Raketenstartern auf einer von Bäumen gesäumten Straße auftauchten, war die Aufregung groß. Schnell fiel geschulten Augen auf: Es handelt sich um das Artilleriesystem Iskander-M. Im Bildtext wurde schnell klar, dass die Waffensysteme in einer Straße in der russischen Exklave Kaliningrad stationiert waren.

Das geschah wohl im Zuge des fünftägigen Sapad-2025-Manövers. Dabei handelte es sich offiziell um eine Übung der belarussischen und russischen Streitkräfte mit zusätzlichen Einheiten aus Kreml-freundlichen Ländern wie Bangladesch, Iran, China und einigen afrikanischen Staaten. Im Westen, und vor allem in Polen, wurde die Übung aber als Säbelrasseln interpretiert. Höhepunkt war die Stationierung der Iskander-Raketen, in angeblicher Nähe zur polnischen Grenze. Doch wozu ist dieses System überhaupt in der Lage?

Berlin ist nicht in Reichweite
Um eines vorwegzunehmen: Die von gewissen Kreisen aufgeregt ventilierte Behauptung, die Raketen würden direkt auf Berlin zielen, erweist sich bei einem Blick auf das Datenblatt der Iskander als pure Panikmache. Zwar hat die Iskander-M eine Reichweite von 500 Kilometern, aber das ist eher eine theoretische Angabe unter Laborbedingungen. Eine Iskander könnte Berlin erreichen, wenn sie direkt an der Grenze zu Polen gestartet wird. Nun wird Russland es wohl vermeiden, die Iskander direkt an die polnische Grenze zu stellen, da wären plötzlich sehr viele neugierige Augen auf das Waffensystem gerichtet.

Tatsächlich befinden sich die Abschuss-Lkw entlang der Autobahn E28 südlich der Siedlung Kudryavtsevo. Von hier aus ist Berlin nicht zu treffen, auch Stockholm, wie häufig behauptet, liegt außerhalb der Reichweite.

Das heißt nicht, dass die Bedrohung nicht real ist: Fast das gesamte polnische Staatsgebiet, weite Teile der baltischen Staaten Litauen und Lettland, einschließlich ihrer Hauptstädte, liegen im Gefahrenbereich. Etwa ein Drittel Estlands ist ebenfalls noch innerhalb der Reichweite, wie der ukrainische Defense Express unter Berufung auf die OSINT-Community Cyber Boroshno berichtet.

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Während der russischen Übung wurden Starts der nuklearfähigen Iskander-M simuliert. Die Mannschaften übten auch das rasche Nachladen des Werfersystems, wie aus russischen Onlinevideos hervorgeht.

Lkw aus Belarus
Die 9K720 Iskander-M wird in der Nato SS-26 Stone-B genannt. Damit ist üblicherweise das gesamte Werfersystem gemeint. Dieses besteht eigentlich aus zwei Teilen: Dem Fahrzeug samt dem Werfer. Dazu kommt ein Transportfahrzeug sowie ein Lade-Lkw, der mit einem Kran ausgestattet ist. Bei allen Fahrzeugen handelt es sich um vierachsigen Gelände-Lkw MSKT-7930, der in Belarus hergestellt wird. Ist der Lkw mit beiden Raketen beladen, ist er laut CSIS Missile Defense Project 43 Tonnen schwer. Das Trägerfahrzeug verfügt außerdem über gewisse amphibische Eigenschaften.


Eine Rakete wird in das Trägerfahrzeug geladen. Das Foto entstand bei einer Übung im Jahr 2024.
EPA/RUSSIAN DEFENCE MINISTRY PRE

Der zweite Teil ist die Rakete an sich, die verwirrenderweise die Bezeichnung 9M723 trägt. Dabei handelt es sich um eine ballistische Kurzstreckenrakete. Wobei im Fall derartiger Waffensysteme mit Kurzstrecke eine Distanz von 400 bis 500 Kilometern gemeint ist. Die Rakete ist 7,3 Meter lang und hat ein Startgewicht von 3,75 Tonnen. Der Gefechtskopf wiegt zwischen 480 und 700 Kilogramm.

Verschiedene Gefechtsköpfe
Dieser ist standardmäßig mit Streumunition beladen. Es gibt aber auch Splitter und Penetrationsgefechtskopf. Letztere sollen Ziele wie Bunkeranlagen durchschlagen. Die Rakete kann auch mit einem nuklearen Sprengkopf bestückt werden.

Es existiert auch eine Exportvariante, deren Leistungsfähigkeit aber deutlich eingeschränkt wurde: Sie verfügt nur über eine Reichweite von 280 Kilometern und die Nutzlast wurde auf 482 Kilo beschränkt.

Wie bei aktuellen russischen Waffensystemen üblich, gehen die Grundzüge der Entwicklung noch auf die Sowjetunion zurück. Die Arbeit am Iskander-System begann im Jahr 1987 mit einer Modifikation des Vorgängermodells Oka. 1998 begannen schließlich erste Tests, die bis 2005 dauerten. 2006 wurde das Iskander-System offiziell in Dienst gestellt.

Frage der Genauigkeit
Wie präzise eine solche Rakete ihr Ziel tatsächlich treffen kann, hängt von der technischen Ausstattung ab. Verfügt die Rakete nur über Trägheitsnavigation kann sie ein 300 Kilometer weit entferntes Ziel auf nur 200 Meter genau treffen. Diese Trefferquote steigt erheblich, sobald die Rakete mit der russischen Glonass-Satellitennavigation gelenkt wird. Hier ist ein Streukreis von 50 Metern möglich. Noch präziser wird die Rakete aber erst mit einem optionalen optischen Suchkopf. Hier sinkt die Abweichung auf zehn bis 20 Meter.

Fragwürdige Erfolge
Damit eine Iskander nicht schon im Flug abgefangen wird, ist ihre Flugbahn für eine ballistische Rakete vergleichsweise flach, sie erreicht eine maximale Höhe von 50 Kilometern. Außerdem ist sie laut russischen Angaben in der Lage, während des Zielanfluges abrupte Ausweichmanöver zu fliegen. Auch radarabsorbierende Beschichtungen und kurz vor dem Einschlag ausgestoßene Täuschkörper sollen die Überlebensfähigkeit der Rakete erhöhen. Dabei dürfte es sich aber um übliche propagandistische Übertreibung handeln: Wie ukrainische Streitkräfte berichten, kann eine Iskander sehr zuverlässig mit einem Patriot-System abgefangen werden.

Mit einem Iskander-System können aber auch Marschflugkörper gestartet werden. Diese haben jüngst ein Upgrade erhalten: Offenbar detonierte der Sprengkopf nicht immer wie vorgesehen, zuletzt bei einem russischen Angriff auf ein ukrainisches Regierungsgebäude. Deshalb haben die russischen Streitkräfte die 9M727-Marschflugkörper nun mit zusätzlichen Aufschlagzündern ausgestattet, die eine Detonation um jeden Preis erzwingen sollen.

Voll mit westlichen Bauteilen
Apropos Detonation: Ohne Bauteile aus dem Westen würde keine einzige Iskander in ukrainischen Wohnhäusern explodieren oder wäre in der Lage, europäische Staaten zu bedrohen. Wie der ukrainische Geheimdienst meldet, wurden in dem ausgebrannten Exemplar, das in dem ukrainischen Regierungsgebäude landete, 35 Komponenten aus den USA gefunden. Dazu kamen Teile aus Japan und der Schweiz.

Dass Russland Iskander-M-Systeme in Kaliningrad stationiert, ist ebenfalls nicht neu und Teil der "russischen Erpressungs-Diplomatie", wie es die Analysten des Center for Strategic and International Studies (CSIS) nennen.

Seit 2009 drohte Russland wiederholt mit dem Einsatz von Iskander-M-Raketen als Reaktion auf den Aufbau der US-Raketenabwehr in der Region. 2013, 2015 und 2016 wurden Raketeneinheiten immer wieder in Kaliningrad stationiert. Seit 2018 sind die Iskander-M dauerhaft in Kaliningrad stationiert.
(Peter Zellinger, 18.9.2025)
Wie gefährlich sind Russlands Iskander-Raketen für Europa?
 
Quelle: Handelsblatt
18.9.2025: Schaden an Haus in Polen: Wahrscheinlich war es eine Rakete (Anmerkung: eines westlichen Kampfjets)
Ein in Polen nach dem Eindringen russischer Drohnen beschädigtes Haus ist nach Regierungsangaben höchstwahrscheinlich von der Rakete eines westlichen Kampfjets getroffen worden. „Alles deutet darauf hin, dass das eine Rakete war, die von unserem Flugzeug bei der Verteidigung Polens abgefeuert wurde“, sagte der Koordinator der polnischen Geheimdienste, Tomasz Siemoniak, in Warschau. Man müsse aber die Ergebnisse der laufenden Ermittlungen abwarten, um sicherzugehen.
Bei dem Eindringen vieler russischer Drohnen in den polnischen Luftraum in der vergangenen Woche waren polnische F-16 Kampfjets und in Polen stationierte Maschinen vom Typ F-35 aufgestiegen und hatten Flugroboter abgeschossen. Die Bilder vom beschädigten Dach des Hauses im ostpolnischen Dorf Wyryki, 15 Kilometer von der Grenze zu Belarus, gingen um die Welt.
 

josef

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Drohnenabwehr
Europa setzt auf ukrainisches Know-how
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Das Eindringen russischer Drohnen in polnischen – und damit NATO-Luftraum – letzte Woche hat Schwächen und Ineffizienzen des westlichen Verteidigungsbündnisses aufgezeigt. Die EU will gegensteuern und setzt auf eine „Drohnenallianz“ mit Kiew. Die kriegsgeschulte Ukraine will den Europäern zudem bei der Entwicklung ihrer Verteidigungstechnologien helfen. Ein erstes Abkommen dazu wurde zwischen Polen und der Ukraine am Donnerstag unterzeichnet.
Online seit gestern 18.09.2025, 23.53 Uhr
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Nach dem Eindringen russischer Militärdrohnen in den polnischen Luftraum soll die Armee des NATO-Landes von der Ukraine in der Bekämpfung der Flugobjekte ausgebildet werden. Man habe daher mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium ein Abkommen unterzeichnet, das unter anderem den Erwerb von Fähigkeiten im Umgang mit Drohnen betrifft, sagte Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz am Donnerstag bei einem Besuch in Kiew.

„Wir sind bereit, unsere Erfahrung zu teilen und polnische Militärs und Ingenieure auszubilden, wie die Abwehrsysteme in verschiedenen Bereichen einzusetzen sind, besonders im Luftraum“, schrieb der ukrainische Verteidigungsminister Denys Schmyhal nach dem Treffen. Kiew zähle dabei auch darauf, dass gemeinsame Rüstungsprojekte mit Polen aus dem europäischen Rüstungsprogramm „SAFE“ mitfinanziert werden.

Reuters/Dariusz Stefaniuk
Eine der in der letzten Woche in polnischen Luftraum eingedrungenen Drohnen Russlands

Bei dem Eindringen vieler russischer Drohnen in den polnischen Luftraum in der vergangenen Woche waren polnische F-16-Kampfjets und in Polen stationierte Maschinen vom Typ F-35 der niederländischen Luftstreitkräfte aufgestiegen und hatten Drohnen abgeschossen. Dieses Verfahren ist jedoch aufwendig und teuer. Der Vorfall offenbarte Lücken bei der Abwehr von Militärdrohnen durch das westliche Verteidigungsbündnis.

Ukraine mit innovativen und kostengünstigen Methoden
Max Enders, Chef des Münchner Start-up-Unternehmens Tyton, das Drohnenabwehrsysteme herstellt, sagte gegenüber der „Financial Times“ („FT“), es gebe eine „ganze Reihe von Bedrohungen, gegen die sich Europa derzeit nur schwer verteidigen kann“. Die Ukraine hingegen entwickelte seit Beginn der russischen Invasion 2022 viel innovative und kostengünstige Methoden zum Umgang mit russischen Angriffsdrohnen, wie das Blatt weiterschrieb.

Da herkömmliche Radarsysteme die kleinen, tief fliegenden im Iran entwickelten Schahed-Angriffsdrohnen nicht erkennen können, haben ukrainische Technologieunternehmen ein landesweites System von akustischen Sensoren entwickelt, die diese anhand ihrer Geräusche identifizieren können.

Diese Informationen werden an Hunderte von mobilen Einsatzgruppen weitergeleitet, die hauptsächlich mit Flugabwehrkanonen und schweren Maschinengewehren ausgerüstet sind – eine weitaus kostengünstigere Lösung als der Einsatz von Raketenabwehrsystemen.

Selenskyj: Polen bei Drohnenangriff Russlands schutzlos
Nach Einschätzung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sei Europa nicht für einen Krieg gegen Russland gerüstet. Das habe der jüngste Vorfall in Polen gezeigt, wie er im Interview mit dem britischen Sender Sky News zuletzt sagte. Der ukrainische Staatschef verglich in dem Interview den Vorfall in Polen mit dem bisher stärksten russischen Angriff auf die Ukraine.

Die Ukrainer hätten mehr als 700 der über 800 von Russland eingesetzten Flugobjekte abgewehrt. Polen sei es hingegen nur gelungen, vier der 19 Drohnen abzuschießen, die in den Luftraum des Landes eingedrungen seien – und dabei hätten sie es noch nicht einmal mit Marschflugkörpern und Raketen zu tun bekommen.

Reuters/Valentyn Ogirenko
Eine ukrainische FPV-Abfangdrohne während ihres Fluges inmitten eines russischen Angriffs auf die Ukraine in Dnipropetrowsk

Seine Worte seien nicht als Affront gegen Warschau gemeint, betonte Selenskyj. „Sie sind nicht im Krieg, daher ist es klar, dass sie nicht gerüstet sind für solche Sachen.“ Aber die Ukraine könne den Polen und den Europäern insgesamt bei der Entwicklung ihrer Verteidigungstechnologien und dem Training von Soldaten helfen, da sie kriegsgeschult sei. Kiew brauche aber Geld, um die Entwicklungen umzusetzen.

Von der Leyen: Europa braucht „Drohnenwall“
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte nur Stunden nach dem Vorfall in Polen erklärt, Europa müsse an seiner Ostgrenze einen „Drohnenwall“ errichten. Dazu wurde ein neues Programm zur militärischen Unterstützung der Ukraine vorgeschlagen. Das Programm für einen qualitativen militärischen Vorsprung („Qualitative Military Edge“) solle Investitionen in die Fähigkeiten des ukrainischen Militärs fördern, kündigte sie an.

Die östlichen NATO-Mitglieder sollen zudem fast 100 Milliarden Euro an verteidigungsbezogenen Krediten erhalten, von insgesamt 150 Milliarden Euro, die aus dem gemeinsamen Haushalt der EU bereitgestellt werden.

„Drohnenallianz mit Ukraine“
Bei der Drohnenproduktion kündigte von der Leyen eine „Drohnenallianz“ mit der Ukraine an. Für das Projekt werde Europa sechs Milliarden Euro bereitstellen, sagte sie. Zum Hintergrund der Initiative sagte von der Leyen, man wolle mit der Stärke der europäischen Industrie dazu beitragen, den ukrainischen Erfindergeist im Bereich der Drohnentechnologie zum Vorteil in den Kampfgebieten werden zu lassen. Bereits heute gingen mehr als zwei Drittel der Verluste an russischer Ausrüstung auf das Konto von Drohnen, die die Ukraine einsetze. Russland hole allerdings durch den Vorteil industrieller Massenproduktion schnell auf.

NATO-Mission „Eastern Sentry“ an Ostflanke
Als weitere Reaktion auf den Drohnenvorfall in Polen, startete die NATO letzte Woche zudem eine Luftverteidigungsmission namens „Eastern Sentry“, an der Kampfflugzeuge, Schiffe und Aufklärungssysteme beteiligt sind, die entlang der Ostflanke von Finnland bis Bulgarien stationiert sind.
Polen, die baltischen Staaten und Finnland – die an Russland angrenzenden EU-Staaten – kündigten zudem alle Pläne zur Verstärkung ihrer Grenzen an. EU-Beamte warnen jedoch, dass dieser Ansatz nur dann wirksam sein wird, wenn er einheitlich ist und auf gemeinsamen und vollständig integrierten Technologien basiert.
Grafik: APA/ORF; Quelle: APA
Einer der EU-Beamten sagte gegenüber der „Financial Times“ („FT“): „Die Verteidigungshaltung Europas ist zu fragmentiert, aber gerade in diesem Bereich müssen wir wirklich viel mehr Koordination sehen.“ „Es kann nicht sein, dass ein Staat an seiner Grenze das eine tut und ein anderer etwas anderes“, fügte der Beamte hinzu. „Russland wird seine Vorgehensweise einfach an unsere Schwächen anpassen.“

NATO stark von USA abhängig
Neben einigen technischen Hindernissen stellt sich jedoch auch die Frage nach dem politischen Willen. Ein funktionierender NATO-Schutzschild hänge sehr stark von den USA ab, die unter Präsident Donald Trump ihren Schwerpunkt von Europa auf andere Schauplätze verlagern, wie etwa der „Economist“ schreibt. Die europäischen Luftstreitkräfte verfügen zwar über Hunderte von Kampfflugzeugen – die Hauptquartiere sind jedoch nach wie vor auf die Beteiligung und das Fachwissen der USA angewiesen.
19.09.2025, flam, ORF.at/Agenturen

Drohnenabwehr: Europa setzt auf ukrainisches Know-how
 

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Neue Warnung vor Drohnen in Dänemark
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Nur Stunden vor einem Gespräch europäischer Verteidigungsminister zu Plänen für den Aufbau eines Drohnenabwehrsystems an der EU-Ostflanke am Freitag sind im EU- und NATO-Staat Dänemark erneut Drohnensichtungen gemeldet worden. Der Flughafen Aalborg musste in der Nacht vorübergehend geschlossen werden. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Flughafenschließungen seit Anfang der Woche. Woher die Drohnen kamen, ist nach wie vor unklar.
Online seit heute, 11.21 Uhr (Update: 11.46 Uhr)
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Der Luftraum über dem Flughafen sei am Donnerstag um 23.40 Uhr Ortszeit geschlossen und am Freitag um 0.35 Uhr wieder geöffnet worden, meldete die Nachrichtenagentur Ritzau. Die Polizei habe die Sichtung einer Drohne noch nicht bestätigt. Der Luftraum über dem Flughafen war bereits in der Nacht auf Donnerstag wegen der Sichtung von Drohnen geschlossen worden.

Konkret wirkte sich die neue Luftraumsperre auf zwei Flüge aus: Der KLM-Flug KL1289 sei nach Amsterdam zurückgekehrt, und der Scandinavian-Airlines-Flug SK1225 aus der Hauptstadt Kopenhagen sei annulliert worden, meldete der Flugverfolgungsdienst FlightRadar24 am Freitag. Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen warnte vor einer Zunahme derartiger Vorfälle.

Mehrere Überflüge dokumentiert
In den vergangenen Tagen hatte es in Dänemark mehrere Drohnenüberflüge auf Flughäfen gegeben. In der Nacht auf Donnerstag waren Drohnen über den Flughäfen Esbjerg, Sönderborg und eben Aalborg sowie über dem Luftstreitkräftestützpunkt Skrydstrup entdeckt worden. Schon in der Nacht auf Dienstag musste der Flugbetrieb auf dem Kopenhagener Flughafen eingestellt werden, weil mehrere große Drohnen stundenlang über das Gelände geflogen waren.

Eine Spur von den Tätern fehlt bisher. Die Ermittler hätten noch keine Hinweise auf die Verantwortlichen, sagte der Chef des dänischen Militärgeheimdiensts, Thomas Ahrenkiel, am Donnerstag. Geheimdienstchef Finn Borch sprach gleichzeitig von einer „erhöhten Gefahr russischer Sabotage in Dänemark“. Laut Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen handelte es sich offensichtlich um „das Werk eines professionellen Akteurs“.

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„Dänemark Opfer hybrider Angriffe“
Frederiksen warnte am Donnerstag vor einer Zunahme solcher Vorfälle. Ihr Land sei „Opfer hybrider Angriffe“, sagte sie in einer Videobotschaft. Sie warnte davor, dass sich solche Drohnenflüge „vervielfachen könnten“. Auch sagte sie: „Es gibt hauptsächlich ein Land, das eine Bedrohung für die Sicherheit Europas darstellt, und das ist Russland.“

Zudem nimmt die dänische Polizei verstärkt die Grenzregion zu Deutschland in den Blick. „Wir sind an der dänisch-deutschen Grenze in Süderjütland hinsichtlich des möglichen Transports von Drohnen über die Grenze besonders wachsam“, kündigte die Polizei von Süd- und Süderjütland, dem Teil Dänemarks, der direkt an Deutschland grenzt, via X an.

Bericht über russisches Kriegsschiff
Die Boulevardzeitung „Ekstra Bladet“ berichtete über ein russisches Kriegsschiff, das in den Tagen der Drohnenüberflüge mit ausgeschaltetem Signal nahe dänischen Gewässern vor der Südspitze von Langeland und Lolland gelegen haben soll. Die „Alexandr Schabalin“ sei bei einem Hubschrauberflug entdeckt worden, schrieb das Blatt. Es werde vermutet, dass die Drohnen von dort stammen. Offiziell wurde dazu aber nichts gesagt, nur so viel: Das Ziel der Überflüge sei es, Angst zu verbreiten, so Justizminister Peter Hummelgaard am Donnerstag. Die Bedrohung durch solche Aktionen werde bestehen bleiben. Die Regierung werde daher neue Techniken zur Erkennung und Neutralisierung von Drohnen beschaffen. Sie werde zudem ein Gesetz vorschlagen, das es Betreibern kritischer Infrastruktur erlaube, Drohnen abzuschießen.

EU-Staaten sprechen über „Drohnenwall“
Strategien zum Abschuss von Drohnen widmen sich am Freitag neun EU-Mitgliedsstaaten und die Ukraine. EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius wird mit Vertretern der acht an Russland oder die Ukraine angrenzenden EU-Mitgliedsstaaten Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Bulgarien und Rumänien sowie Dänemark und der Ukraine per Videoschaltung über erste Vorschläge zur Stärkung der Drohnenabwehr sprechen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte Mitte des Monats einen europäischen „Drohnenwall“ gefordert. Notwendig ist laut von der Leyen eine „gemeinsam entwickelte, gemeinsam eingesetzte und gemeinsam aufrechterhaltene europäische Einrichtung, die in Echtzeit reagieren kann“. Nach EU-Angaben liegen bisher lediglich vage Vorstellungen darüber vor, wie der „Drohnenwall“ aussehen soll.

Zusätzliche Sensoren
Als möglicher erster Schritt wurde der Einsatz zusätzlicher Sensoren an der östlichen EU-Außengrenze genannt. Ein integriertes gemeinsames System zur Drohnenabwehr dürfte erheblich zeitaufwendiger sein. EU-Verteidigungskommissar Kubilius bezeichnete das Programm als Teil der neuen Projekte im Verteidigungsbereich, an denen die EU derzeit arbeitet.

In den vergangenen Wochen hatten bereits Polen, Estland und Rumänien Verletzungen ihres Luftraums durch russische Drohnen und Kampfflugzeuge gemeldet. Die NATO wertete das als gezielte Provokationen Moskaus, sie schoss mehrere Drohen ab. Moskau wies jede Verwicklung in die Drohnenvorfälle als „absurde Spekulationen“ zurück. Die russische Botschaft in Kopenhagen sprach stattdessen von einer „inszenierten Provokation“.
26.09.2025, red, ORF.at/Agenturen

Vor EU-Beratungen: Neue Warnung vor Drohnen in Dänemark
 

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Militärtechnik
Ukrainische "Kamikazedrohnenboote" mit Motor aus Österreich
Im Inneren des Schreckens der Schwarzmeerflotte steckt ein Motor aus Österreich
Ein Kamikazedrohnenboot aus der Ukraine strandete 900 Kilometer entfernt in der Türkei. Der Vorfall ermöglichte Einblick in dessen Technologie


Magura Drohnen sind einer der Gründe, warum die russische Schwarzmeerflotte de facto nicht mehr handlungsfähig ist.
via REUTERS/Ukrainian Presidenti

Türkischen Fischern ist es zu verdanken, dass die Welt nun einen genaueren Einblick in die ukrainischen Magura-Seedrohnen erhält. Diese Drohnen sind ein Schlüsselelement im Kampf der Ukraine gegen die Schwarzmeerflotte. Der Ukraine, einem Land ohne eigene Marine, ist es gelungen, die russische Flotte de facto handlungsunfähig zu machen. Drohnen wie die Sea Baby oder eben die Magura sind es, die Jagd auf russische Kriegsschiffe machen und dabei bislang höchst erfolgreich waren und mindestens 24 Schiffe der Schwarzmeerflotte zerstörten oder schwer beschädigten.

Bislang waren über die Magura-Drohnen nur relativ wenig bekannt. Als Basis dienen Jetskis, die zu fernsteuerbaren unbemannten Wasserfahrzeugen umgebaut und mit Sprengstoff befüllt werden. Nun wurde eine beschädigte Magura in türkischen Gewässern vor der Küstenstadt Çarşıbaşı am Schwarzen Meer gefunden. Çarşıbaşı liegt rund 900 Kilometer Luftlinie vom ukrainischen Odessa und rund 600 Kilometer von der Küste der von Russland besetzten Halbinsel Krim entfernt. Dort hat die Ukraine die meisten ihrer Drohnenangriffe auf die Schwarzmeerflotte durchgeführt.

Wie türkische Behörden gegenüber IHA Media berichten, ist türkischen Fischern in der Nacht von Montag auf Dienstag ein Glasfaserboot aufgefallen, welches sie daraufhin in den Hafen schleppten. Den Behörden wurde schnell klar, dass sich im Inneren des Bootes eine Bombe befindet. Der Hafen wurde gesperrt und das Bombenkommando alarmiert.

Motor aus Österreich
Bilder des Einsatzes kursierten schnell in den sozialen Medien. Zu sehen ist etwa, wie die Drohne in den Hafen gehoben wird. Schnell war klar, dass es sich dabei um Magura-V7 handelt, wie es hauptsächlich vom ukrainischen Militärnachrichtendienst GUR und Drohneneinheiten eingesetzt wird. Die Versionsummer 7 deutet auf signifikante Updates gegenüber der 2022 erstmals gesichteten Magura hin.

So verfügt der Magura über einen gyrostabilisierten elektrooptischen Turm. Darüber hinaus scheint es zwei flache Satellitenantennen auf dem Rumpf zu geben, wie The War Zone berichtet. Dabei dürfte es sich um Empfangsgeräte der zweiten Generation von Starlink handeln. Eine dritte Antenne dürfte von dem europäischen Starlink-Konkurrenten Intellian stammen. Diese Information lässt sich aber nicht verifizieren, da die Antenne auf den Aufnahmen abgebrochen ist.

Angetrieben werden die Magura von einem Motor, der eigentlich für Jetskis gedacht ist. Diese stammen von der Firma Rotax aus dem oberösterreichischen Gunskirchen. Das Unternehmen ist auf die Herstellung von Motoren für Motorräder, Sportflugzeuge und Schnellboote spezialisiert. Auch die Kraftstoffpumpe dürfte von dem oberösterreichischen Unternehmen stammen.

Sprengstoff oder Drohnenträger
Eigentlich sind Maguras als Kamikazedrohnen-Boote konzipiert. Mittlerweile gibt es aber unterschiedliche Varianten für mehrere Einsatzzwecke. So dienen die Boote als Startplattform von First-Person-View- (FPV) und Bomberdrohnen. Es existieren darüber hinaus Varianten mit Maschinengewehren und Flugabwehrraketen. Das in der Türkei geborgene Exemplar schien aber weder über Starter für Drohnen noch über Geschütztürme zu verfügen. Alles spricht dafür, dass das gestrandete Exemplar mit rund 300 Kilo Sprengstoff beladen war.

Im vergangenen Dezember gab der ukrainische Militärgeheimdienst bekannt, dass eine modifizierte Luft-Luft-Rakete vom Typ R-73 (AA-11 Archer) von einer Magura V5 abgefeuert wurde, um einen russischen Mi-8-Hubschrauber über dem Schwarzen Meer abzuschießen. Dies war der erste bekannte Fall, in dem ein USV ein Flugzeug abgeschossen hat.

Seit Mai 2025 gibt es Berichte, dass Magura-Drohnen mit AIM-9 Sidewinder-Luft-Luft-Raketen ausgestattet wurden. Diese wurde eingesetzt, um zwei russische Su-30 Kampfflugzeuge über dem Schwarzen Meer abzuschießen.

Es ist die in der Türkei gestrandete Drohne, auch nicht die erste Magura, die verloren geht: Ein Exemplar wurde in der Nähe von Sewastopol von den russischen Streitkräften sichergestellt. In Sewastopol befindet sich das Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte. Eine weitere Magura fiel den Russen im Westen der Krim in die Hände, wie russische Militärblogger berichten. Seitdem gibt es laut The War Zone immer wieder Spekulationen, Russland könnte mittels Reverse Engineering versuchen, die Seedrohne nachzubauen.
(Peter Zellinger, 1.10.2025)
Im Inneren des Schreckens der Schwarzmeerflotte steckt ein Motor aus Österreich
 
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