Militärtechnik
"Sarg mit Propellern": Russland testet Drohnenabwehr mit rotierenden Stahlseilen
Die jüngste Innovation erinnert an einen Rasentrimmer und kommt selbst bei den eigenen Militärbloggern nicht sonderlich gut an
Rotierende Stahlseile sollen ukrainische Drohnen aus der Luft holen.
Screenshot russische Staatsmedien via Andrii Tarsenko
Die neueste Innovation auf den Schlachtfeldern des Ukrainekrieges zeigt vor allem, wie schwierig der Schutz vor Drohnen ist – und wie verzweifelt die Suche nach Gegenmaßnahmen zu den ferngelenkten Granaten ist. Das jüngste Konzept der russischen Armee erinnert an gewaltige Propeller und wird bereits als Rasentrimmer-Schutz verspottet.
Ein Video, das zuerst von dem ukrainischen Panzerexperten Andrii Tarsenko auf Telegram geteilt wurde, zeigt, wie eine ferngesteuerte Bodendrohne mit einer improvisierten Blechhülle von den rotierenden Stahlkabeln geschützt werden soll. Die Idee: Die Propeller sollen anfliegende Drohnen abwehren, bevor sie in Kontakt mit dem Gefährt kommen.
Mit dem Rasentrimmer an die Front
Das System besteht im Kern aus einer Rahmenkonstruktion, die auf Bodenfahrzeuge – in den aktuellen Tests auf UGVs (Uncrewed Ground Vehicles) wie die russischen Modelle Courier und Depesha – montiert wird. An den Seiten sowie an der Front und dem Heck des Fahrzeugs sind Wellen angebracht, an denen dünne Stahlseile befestigt sind. Elektromotoren versetzen diese in eine schnelle Rotation.
Bericht des russischen Staatsfernsehens
Diese Kabel erzeugen eine physische Barriere für Drohnen, so zumindest die Theorie. Laut dem russischen Zugführer "Struk" vom 70. Motorschützenregiment sollen die Kabel eine anfliegende FPV-Drohne entweder wegschleudern oder deren Rotoren so schwer beschädigen, dass sie vor dem Aufschlag abstürzt. Patente aus dem Jahr 2023 und Mai 2025 zeigen zudem Versionen mit starren Rotorblättern anstelle von Kabeln. Die Kabelvariante gilt jedoch als überlegen, da sie leichter ist und bei Bodenkontakt nicht so schnell bricht.
Fragwürdige Konstruktion
Erste Aufnahmen des Systems tauchten im russischen Staatsfernsehen auf. Getestet wird der Prototyp derzeit in den besetzten Gebieten der Region Saporischschja. In den Videos ist zu sehen, wie ein modifiziertes Depesha-Roboterfahrzeug mit einer massiven Blechhülle und Gummimatten überzogen ist, an dessen Ecken die Propeller rotieren.
Dabei fallen auch gleich die Nachteile der äußerst improvisiert wirkenden Konstruktion auf. An einigen Stellen berühren die Kabel den Boden, was die Mobilität des Roboters massiv einschränkt und Staubwolken aufwirbelt, die die Position des Fahrzeugs sofort verraten können. Beim Fachmagazin Militarnyi wirft man die Frage auf, wie lange es wohl dauern wird, bis sich ein solches Gerät in Unterholz und Büschen festfährt.
Sogar in russischen Militärblogs ist die Kritik an der neuesten Innovation auf dem Schlachtfeld heftig. Das ist umso erstaunlicher, als viele Kriegsblogger häufig ungefiltert die überlegenen russischen Superwaffen preisen, obwohl sich diese in der Realität oft als Luftnummern entpuppen.
Bei dem Prototyp auf Basis des Depesha-Roboters nimmt der Mechanismus fast den gesamten internen Raum ein. Für Munitionstransporte oder die Evakuierung von Verwundeten bleibt kein Platz. Außerdem ist unklar, wie man ein solches Gefährt bewaffnen kann. Zudem sind die Stahlkabel eine große Gefahr für Soldaten in der Umgebung. Und selbst wenn die Drohnenabwehr funktionieren sollte, ist das Fahrzeug gegen herkömmliche Panzerabwehrminen so gut wie schutzlos.
Kritiker auf Telegram bezeichnen das System als "Sarg mit lustigen Ventilatoren". Ein direkter Treffer durch eine RPG (Panzerfaust) würde die Konstruktion sofort zerstören; für darin befindliche Soldaten (so sie denn Platz haben) wären die rotierenden Stahlseile eine tödliche Falle, selbst wenn sie den initialen Angriff überleben. Ähnliche Systeme wurden bereits für Kampfpanzer und den UAZ-452 Buchanka, ein ungepanzertes Transportfahrzeug, patentiert.
Ob sich diese Konstruktionen bewähren, ist fraglich, aber nicht ausgeschlossen. Auch Stachel- oder Käfigkonstruktionen oder Schildkrötenpanzer wurden anfangs belächelt, erwiesen sich richtig eingesetzt jedoch als effektiv.
Russland arbeitet an eigenen Roboterdrohnen
Im Jänner 2025 gab die russische Verteidigungsholding Vysokotochnye Kompleksi bekannt, dass sie eine Charge von "Bodenrobotersystemen" des Typs Depesha an die russischen Streitkräfte geliefert habe. Die Plattformen wurden bereits zuvor im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt, unter anderem als Kamikaze-Bodendrohnen.
Depesha wurde vom russischen Signal Research Institute entwickelt und erstmals auf der Messe Army-2024 vorgestellt, wie die Kyiv Post berichtet. Das Allrad-Elektrofahrzeug kann eine Nutzlast von bis zu 200 Kilogramm transportieren und ist damit für Nachschublieferung oder zur Evakuierung von Verwundeten geeignet. Mit Waffensystemen wie Maschinengewehren oder automatischen Granatwerfern ausgestattet, soll die Bodendrohne auch Kampfmissionen bestreiten können.
Depesha kann Berichten zufolge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h über unwegsames Gelände fahren. Über die Reichweite des Fahrzeugs ist nichts bekannt, sie dürfte mit dem Einsatz von vier Rotoren aber nicht allzu hoch sein.
(pez, 12.2.2026)
"Sarg mit Propellern": Russland testet Drohnenabwehr mit rotierenden Stahlseilen
"Sarg mit Propellern": Russland testet Drohnenabwehr mit rotierenden Stahlseilen
Die jüngste Innovation erinnert an einen Rasentrimmer und kommt selbst bei den eigenen Militärbloggern nicht sonderlich gut an
Rotierende Stahlseile sollen ukrainische Drohnen aus der Luft holen.
Screenshot russische Staatsmedien via Andrii Tarsenko
Die neueste Innovation auf den Schlachtfeldern des Ukrainekrieges zeigt vor allem, wie schwierig der Schutz vor Drohnen ist – und wie verzweifelt die Suche nach Gegenmaßnahmen zu den ferngelenkten Granaten ist. Das jüngste Konzept der russischen Armee erinnert an gewaltige Propeller und wird bereits als Rasentrimmer-Schutz verspottet.
Ein Video, das zuerst von dem ukrainischen Panzerexperten Andrii Tarsenko auf Telegram geteilt wurde, zeigt, wie eine ferngesteuerte Bodendrohne mit einer improvisierten Blechhülle von den rotierenden Stahlkabeln geschützt werden soll. Die Idee: Die Propeller sollen anfliegende Drohnen abwehren, bevor sie in Kontakt mit dem Gefährt kommen.
Mit dem Rasentrimmer an die Front
Das System besteht im Kern aus einer Rahmenkonstruktion, die auf Bodenfahrzeuge – in den aktuellen Tests auf UGVs (Uncrewed Ground Vehicles) wie die russischen Modelle Courier und Depesha – montiert wird. An den Seiten sowie an der Front und dem Heck des Fahrzeugs sind Wellen angebracht, an denen dünne Stahlseile befestigt sind. Elektromotoren versetzen diese in eine schnelle Rotation.
Diese Kabel erzeugen eine physische Barriere für Drohnen, so zumindest die Theorie. Laut dem russischen Zugführer "Struk" vom 70. Motorschützenregiment sollen die Kabel eine anfliegende FPV-Drohne entweder wegschleudern oder deren Rotoren so schwer beschädigen, dass sie vor dem Aufschlag abstürzt. Patente aus dem Jahr 2023 und Mai 2025 zeigen zudem Versionen mit starren Rotorblättern anstelle von Kabeln. Die Kabelvariante gilt jedoch als überlegen, da sie leichter ist und bei Bodenkontakt nicht so schnell bricht.
Fragwürdige Konstruktion
Erste Aufnahmen des Systems tauchten im russischen Staatsfernsehen auf. Getestet wird der Prototyp derzeit in den besetzten Gebieten der Region Saporischschja. In den Videos ist zu sehen, wie ein modifiziertes Depesha-Roboterfahrzeug mit einer massiven Blechhülle und Gummimatten überzogen ist, an dessen Ecken die Propeller rotieren.
Dabei fallen auch gleich die Nachteile der äußerst improvisiert wirkenden Konstruktion auf. An einigen Stellen berühren die Kabel den Boden, was die Mobilität des Roboters massiv einschränkt und Staubwolken aufwirbelt, die die Position des Fahrzeugs sofort verraten können. Beim Fachmagazin Militarnyi wirft man die Frage auf, wie lange es wohl dauern wird, bis sich ein solches Gerät in Unterholz und Büschen festfährt.
Sogar in russischen Militärblogs ist die Kritik an der neuesten Innovation auf dem Schlachtfeld heftig. Das ist umso erstaunlicher, als viele Kriegsblogger häufig ungefiltert die überlegenen russischen Superwaffen preisen, obwohl sich diese in der Realität oft als Luftnummern entpuppen.
Bei dem Prototyp auf Basis des Depesha-Roboters nimmt der Mechanismus fast den gesamten internen Raum ein. Für Munitionstransporte oder die Evakuierung von Verwundeten bleibt kein Platz. Außerdem ist unklar, wie man ein solches Gefährt bewaffnen kann. Zudem sind die Stahlkabel eine große Gefahr für Soldaten in der Umgebung. Und selbst wenn die Drohnenabwehr funktionieren sollte, ist das Fahrzeug gegen herkömmliche Panzerabwehrminen so gut wie schutzlos.
Kritiker auf Telegram bezeichnen das System als "Sarg mit lustigen Ventilatoren". Ein direkter Treffer durch eine RPG (Panzerfaust) würde die Konstruktion sofort zerstören; für darin befindliche Soldaten (so sie denn Platz haben) wären die rotierenden Stahlseile eine tödliche Falle, selbst wenn sie den initialen Angriff überleben. Ähnliche Systeme wurden bereits für Kampfpanzer und den UAZ-452 Buchanka, ein ungepanzertes Transportfahrzeug, patentiert.
Ob sich diese Konstruktionen bewähren, ist fraglich, aber nicht ausgeschlossen. Auch Stachel- oder Käfigkonstruktionen oder Schildkrötenpanzer wurden anfangs belächelt, erwiesen sich richtig eingesetzt jedoch als effektiv.
Russland arbeitet an eigenen Roboterdrohnen
Im Jänner 2025 gab die russische Verteidigungsholding Vysokotochnye Kompleksi bekannt, dass sie eine Charge von "Bodenrobotersystemen" des Typs Depesha an die russischen Streitkräfte geliefert habe. Die Plattformen wurden bereits zuvor im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt, unter anderem als Kamikaze-Bodendrohnen.
Depesha wurde vom russischen Signal Research Institute entwickelt und erstmals auf der Messe Army-2024 vorgestellt, wie die Kyiv Post berichtet. Das Allrad-Elektrofahrzeug kann eine Nutzlast von bis zu 200 Kilogramm transportieren und ist damit für Nachschublieferung oder zur Evakuierung von Verwundeten geeignet. Mit Waffensystemen wie Maschinengewehren oder automatischen Granatwerfern ausgestattet, soll die Bodendrohne auch Kampfmissionen bestreiten können.
Depesha kann Berichten zufolge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h über unwegsames Gelände fahren. Über die Reichweite des Fahrzeugs ist nichts bekannt, sie dürfte mit dem Einsatz von vier Rotoren aber nicht allzu hoch sein.
(pez, 12.2.2026)


