Krieg in Europa: Angriff Russlands auf die Ukraine

josef

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Militärexperte Reisner über die "Achillesferse" der Ukraine, Trump und Drohnen gegen Europa
Militäranalytiker Markus Reisner in der "ZiB 2" über fehlende Abwehrsysteme, er prognostiziert einen "sehr harten Winter" für die Ukraine
Seit Beginn des Ukrainekriegs ist Militärexperte Markus Reisner, Offizier beim Bundesheer, ein gefragter Experte. Zu Recht. Immer am Punkt erklärt er kenntnisreich und verständlich die Lage in der Ukraine. So auch Sonntagabend in der ZiB 2 bei Marie-Claire Zimmermann.

Die für die Ukraine von Frankreich zugesagten Abwehrraketen werden nicht reichen, sagt er. Die Ukraine bräuchte monatlich etwa 50 Stück, die europäische Produktion hinke hier weit hinterher und die Amerikaner seien nicht bereit wieder Raketen herzugeben.

Von Trump fehle die Zusage, dass er 300 Stück Patriot Raketen liefert. Es geht um die sechs Monate, die es brauche, bis die Ukraine diese Abwehrraketen selber bauen könne. Trump versuche damit Druck auszuüben, um eine Art Waffenstillstand zu haben, um das dann als Erfolg verkünden zu können, analysiert Reisner. "Nachdem sich die USA im Iran völlig verzettelt hat, versucht man das jetzt quasi mit der Ukraine zu richten", sagt er.

Wird da aufgehen oder spielt das Russland in die Hände? Putin sehe, dass diese fehlenden Abwehrraketen die "Achillesferse der Ukraine" sei. Das sei auch der Grund, warum Russland seine Angriffe steigert. Mit neuen Waffensystemen und Drohnen, mit ballistischen Raketen aus Russland aber auch aus Nordkorea. "Russland ist überzeugt davon, diesen Krieg für sich entscheiden zu können"

Russland mobilisiert
Zimmermann weist an dieser Stelle auf die ukrainischen Drohnen hin, die etwa russische Öllager unter Beschuss nehmen. Hilft das alles nichts? Im Frühjahr und Sommer habe es die Ukraine geschafft, auf operativer und strategischer Ebene die Initiative für sich zurückgewinnen zu können. Aber jetzt verliere die Ukraine verliere gerade wieder, so Reisner. Die Russen hätten es immer wieder geschafft, sich anzupassen. Man gehe davon aus, dass Russland nach der Duma-Wahl noch eine Mobilisierung durchführen könnte und damit mit rund 300.000 Mann die Entscheidung an der Front herbeiführen möchte.


Militärexperte Markus Reisner war Sonntagabend zu Gast in der "ZiB 2".
Screenshot: ORF On

Hybride Kriegsführung gegen Europa
Und wie sieht Reisner die Drohnen, die sich in den vergangenen Monaten immer wieder auf osteuropäisches und Nato-Gebiet verirrt haben? Eine Provokation Russlands? Beabsichtigt Russland die Nato einzubeziehen in die Kämpfe? Reisner unterscheidet hier zwischen der Eskalation des Luftkrieges, die dazu führe, dass Drohnen auch in die Nachbarländer der Ukraine einfliegen.

Und auf der anderen Seite gezielte Drohneneinsätze, etwa jenem vor Leipzig-Halle, die Teil der hybriden Kriegsführung Russlands gegen Europa sei. Denn aus Sicht Russlands seien einige europäische Staaten wie Deutschland bereits Kriegspartei. Weil diese Staaten Drohnenbestandteile oder Bauteile produzieren, die die Ukraine für ihre Langstreckenkampagne brauche.

Sind diese Nato-Länder ausreichend gerüstet, um da abzuwehren? "Das versucht man gerade", so Reisner und erwähnt an dieser Stelle freilich, dass die Nato in den vergangenen Jahrzehnten abgerüstet hat und jetzt langsam wieder nachrüstet. Das sei natürlich zu kurz, "man hat ganz klar gesehen dass - wenn es der Gegner darauf ansetzt - er immer bezüglich Zeit und Ort überraschen kann". Das müsse man berücksichtigen, "wenn wir diese ganzen Drohnenüberflüge und auch Angriffe tatsächlich in Europa sehen".

"Sehr harter Winter" für die Ukraine
Am Ende gibt einen recht deprimierenden Ausblick. Der Winter in der Ukraine werde ein sehr harter werden, prognostiziert Reisner. Die Ukraine benötige laut Selenskyj dringend Patriot-Raketen um die im Winter erwarteten ballistischen Angriffe abfangen zu können. 80 Prozent der kritischen Infrastruktur der Energieversorgung seien zerstört oder beschädigt. Nach dem letzten Winter sie diese Infrastruktur kaum instand gesetzt worden. (Astrid Ebenführer, 24.8.2026)
Militärexperte Reisner über die "Achillesferse" der Ukraine, Trump und Drohnen gegen Europa
 

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Ukraine
Viele Tote nach Angriff auf Munitionsdepot
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Bei einem russischen Luftangriff auf das Dorf Myla in der Region Kiew sind Freitagabend mindestens 37 Menschen getötet worden, Dutzende wurden verletzt. Nach ukrainischen Angaben wurde ein Munitionsdepot getroffen. Die ukrainischen Behörden prüfen, ob das Kriegsgerät dort überhaupt gelagert werden durfte. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen Fahrlässigkeit ein.
Online seit heute, 16.06 Uhr (Update: 17.58 Uhr)
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Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde bei dem Drohnenangriff auf das knapp fünf Kilometer von der Stadtgrenze Kiews entfernte Dorf Myla ein Unternehmensgelände getroffen. Infolge des Angriffs sei ein Feuer ausgebrochen, zudem sei es zu weiteren Explosionen gekommen, so Tymur Tkatschenko, Gouverneur der Region Kiew.

Die Explosion zog die umliegende Infrastruktur in Mitleidenschaft. Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj entstanden an einem Wohnblock, einem Altersheim und einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung erhebliche Schäden. 300 Rettungskräfte standen im Einsatz. Die Hauptverbindungsstrecke von Kiew Richtung Westen musste in der Folge auf einem mehrere Kilometer langen Abschnitt für die Lösch- und Rettungsarbeiten komplett gesperrt werden.

Reuters/State Emergency Service Of Ukraine
Der Angriff auf das Industriegebiet in Myla ereignete sich Freitagabend

„Kriminelle Fahrlässigkeit“
In dem Depot des ukrainischen Militärs seien große Mengen von Granaten, Minen und Drohnen gelagert worden, sagte Selenskyj. Die Waffen hätten „dort absolut nicht sein dürfen“, fügte er hinzu. „Diejenigen, die das zugelassen haben, müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte er. „Munition darf nicht in der Nähe von Häusern oder Wohngebieten gelagert werden.“ Der Angriff ereignete sich am Freitag gegen 20.00 Uhr (Ortszeit). Noch in der Nacht gab die Staatsanwaltschaft die Einleitung von Ermittlungen wegen „dienstlicher Fahrlässigkeit“ bekannt.

Reuters/Oleksandr Gusev
Die Löscharbeiten in Myla gingen am Samstag weiter

Premier Serhij Korezkyj verwies auf einen ähnlichen Vorfall Anfang Juli am südwestlichen Stadtrand von Kiew. Damals sei zutage getreten, dass sich ein Staatsunternehmen trotz der Nähe zu Wohngebäuden nicht an die Vorschriften für die Lagerung von explosivem Material gehalten hatte. „Im fünften Kriegsjahr werden ein und dieselben Fehler begangen, das ist kriminelle Fahrlässigkeit“, schrieb er auf Telegram. Nach offiziellen Angaben starben im Juli mindestens neun Menschen.

In der Hauptstadt Kiew sind im Tagesverlauf bei russischen Drohnenangriffen mindestens ein Mensch getötet und acht weitere verletzt worden. Bei dem Todesopfer handle es sich um ein zweijähriges Mädchen, teilte Bürgermeister Witali Klitschko auf Telegram mit.

Russische Angriffe auf Häfen
Davor nahm die russische Armee in der Nacht erneut Hafeninfrastruktur ins Visier. In der Oblast Odessa starb bei einem russischen Angriff nach Behördenangaben eine Person. Drei seien verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region, Oleh Kiper, mit. Fünf Getreidetransporter seien ausgebrannt, drei weitere beschädigt worden. Alle Brände konnten laut Kiper gelöscht werden.

In der Region Ismajil, in dem sich die Donauhäfen des Landes befinden, wurde nach behördlichen Angaben Transportinfrastruktur beschädigt. Russlands Verteidigungsministerium teilte weiters mit, seine Truppen hätten auch einen Umschlagterminal im ukrainischen Hafen von Mykolajiw getroffen. Zudem seien ein Liegeplatz für Tankschiffe sowie Entladestellen für Kraft- und Schmierstoffe getroffen worden.

Tote durch ukrainische Angriffe in Russland
Bei einer ukrainischen Drohnenattacke auf die russische Region Belgorod seien unterdessen drei Menschen getötet worden, wie lokale Behörden am Samstag mitteilten. Drei Menschen seien schwer verletzt worden, hieß es weiter.

In Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim wurde laut Behörden ein Mensch getötet, drei weitere erlitten Verletzungen. Im südrussischen Gebiet Rostow wurden laut Lokalbehörden mindestens sieben Menschen bei ukrainischen Attacken verletzt. Ein Kind sei schwer verletzt ins Spital eingeliefert worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur TASS. In der russischen Hafenstadt Rostow am Don wiederum wurden laut dem regionalen Gouverneur Jury Sljusar zwei Wohnblöcke durch herabstürzende Drohnentrümmer beschädigt. Sieben Personen wurden verletzt.

Medien: Erneut Angriff auf russisches Warenlager
Ukrainischen Medienberichten zufolge soll auch das Warenlager eines Elektronikhändlers in Flammen aufgegangen sein. Seit Wochen attackieren die ukrainischen Streitkräfte immer wieder Logistikzentren großer russischer Unternehmen. Insbesondere die Onlineversandhändler Wildberries und Ozon gerieten dabei ins Visier.

29.08.2026, red, ORF.at/Agenturen

Ukraine: Viele Tote nach Angriff auf Munitionsdepot
 
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