KTL Wien Schönbrunn 1945

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hammetje1963

Guest
#1
Guten Tag allen,

Hier ein Bericht aus Holland.
Meine Deutsche Sprache und Grammatik sind nicht sehr gut, aber Ich versuche meine Fragen doch zu stellen.

Mein Vater war in Wien von November 1944 bis ungefähr mitte März 1945.

Er ist in 1990 verstorben, aber in seinen Notizbuch hat er vieles über sein dasein aufgeschrieben.

So hat er geschrieben, über seine Unterkunfte damals.

Er schrieb:" 16.Februar 1945 bis 20.Februar 1945 Aufenthalt Wien KTL Schönbrunn.
Ausbilding von Waffen SS.
Nichts technisch, sondern Sport und notwendige Körperausbildung."

Ich habe Jahren her Information gefragt beim DÖW in Wien (Wipplingerstr. 6-8) und mir ist damals gesagt, dass es Nirgendwo Anweisungen oder Deutungen gibt, dass es im Schloß Schönbrunn SS Einheiten gegeben hat.

Ich bin seit enizige Monate wieder in die Stimmung um, für mich noch immer unaufgeklährten Sachen aus mein Vaters Jugend im Krieg auf zu taugen.

Ich kam so eben auf die Website von turbo at, "Geheimprojekte".
Was sah Ich dort: "Wien Xlll Konzentrationslager und Lehranstalt der Waffen SS".

Ich fühle mich doch ein bißchen (viel) betrogen.
Sicher weil, doch meinen Vater so vieles für die Wiener gemacht hat.
Er war Sanitäter und damals nur 13 Jahren alt.
Er hat Wiener im Bunkeranlagen und Stollen geholfen, Verletzen aus Trümmer ausgegraben und Toten mithelfen begraben.
Er kam mit 14 nach Holland zurück und war völlig traumatisiert.

Entschuldige bitte, dass Ich etwas emotioniert schreibe.

Ist hier in dieses Forum jemand, die mir schreiben kann, wo Ich Informationen finden kann, also genauer oder peinlichgenau, wie Ich mich vorstellen kann, was diese "Ausbildung" enthaltet.

Ich bin Ihnen sehr dankbar, wenn sie eine Antwort geben kann.

Respektvolle Grussen.

Fritz de Graaff
Holland
 

josef

Administrator
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#2
Hallo Fritz,
versuche einige Hintergrundinformationen zu liefern:
...seine Unterkunfte damals:
Er schrieb:" 16.Februar 1945 bis 20.Februar 1945 Aufenthalt Wien KTL Schönbrunn. Ausbilding von Waffen SS.
Nichts technisch, sondern Sport und notwendige Körperausbildung."
KTL Wien-Schönbrunn: Kraftfahrtechnische Lehranstalt der SS in der damaligen "Kaserne Wien-Schönbrunn", später "Fasangarten-Kaserne", heute "Maria Theresien Kaserne".

http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Theresien-Kaserne

Betreffend der angesprochenen Ausbildung kann ich nichts sagen, vermute aber, dass es sich, in Anbetracht des damaligen Alters von 13 (14) Jahren deines Vaters, um eine sogenannte "Wehrertüchtigungsveranstaltung" handelte. Soweit mir bekannt, wurden HJ-Angehörige in der letzten Kriegsphase zur Körperausbildung in "Wehrertüchtigungslager" beordert...
Ich kam so eben auf die Website von turbo at, "Geheimprojekte".
Was sah Ich dort: "Wien Xlll Konzentrationslager und Lehranstalt der Waffen SS".
Im Rahmen der KTL gab es kurzfristig ein kleines Außenkommando des KZ Mauthausen in Schönbrunn, nachstehend der Hinweis aus der offiziellen "Mauthausen-Website":
Andere Bezeichnungen: Sonderkommando Wien
Art des Lagers: Außenkommando, Männerlager
Ort: Wien, Hietzing, Kraftfahrtechnische Lehranstalt der SS, Maria-Theresien-Kaserne, Fasangartenstraße
Höchste Belegungsstärke: 5
Gründung: 28.09.1944
Schließung: 10.04.1945
Firmen, Auftraggeber: Viktor Schauberger, Kraftfahrtechnische Versuchsanstalt der SS Arbeitseinsätze: Experimente zur Entwicklung alternativer Antriebsmöglichkeiten
Referenzen - Quellen: AMM B/39/1, B/39/2, B/39/3;
Referenzen - Literatur:
Vorläufiges Verzeichnis der KZ und deren Außenkommandos sowie anderer Haftstätten unter dem RFSS in Deutschland und den besetzten Gebieten
Viktor Schauberger. Auf den Spuren des legendären Naturforschers
Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen
Konzentrationslager in Österreich (1938 - 1945). Überblick und Geschehen (Dissertation)
Die Entdeckung der Levitationskraft. Teil 2
Quelle: http://www.mauthausen-memorial.at/db/admin/de/show_aussenlager.php?caussenlager=45
Ich habe Jahren her Information gefragt beim DÖW in Wien (Wipplingerstr. 6-8) und mir ist damals gesagt, dass es Nirgendwo Anweisungen oder Deutungen gibt, dass es im Schloß Schönbrunn SS Einheiten gegeben hat.
Da dürfte ein Missvertändnis vorliegen:
Nicht im Schloss Schönbrunn waren die SS-Einheiten, sondern in der Kaserne im Südbereich des riesigen Schlossgeländes...

Ich hoffe, ein wenig zur Aufklärung der Sachlage beigetragen zu haben,

lg nach Holland
josef
 
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hammetje1963

Guest
#3
Kaserne Schönbrunn

Hallo Josef

Ich bin dich sehr dankbar, für alle Informationen.

Deine Forschung gibt mir gute Hoffnung, weiter zu kommen.

Ich habe nie gewissen, daß "Schönbrunn", auch eine andere Stelle sein konnte.

Du schreibst:

"Da dürfte ein Missvertändnis vorliegen:
Nicht im Schloss Schönbrunn waren die SS-Einheiten, sondern in der Kaserne im Südbereich des riesigen Schlossgeländes..."

Mit diesen Informationen ist tatsächlich mein Mißvertändnis aufgeklärt.

Danke vielmals für deine Mühe.
Ich kann wieder weiter forschen und daß ist großartig.

Wenn Ich etwas finde, was vielleicht interessant ist, melde Ich daß sofort.

respectvollen Grüssen

Fritz
 
N

numpsi

Guest
#4
Hallo fritz!
Im März/April 2013 erschein ein Buch über Hietzing 1938-1955,
Ein Artikel über ein KZ-Schönbrunn soll es geben, allerdings war es kein KZ
sondern nur wenige kleine Baraken mit Gefangenen.
Kann Dir mehr sagen wenn das Buch erscheint.
Lg nach Holland

Oliver
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#6
Außenlager Wien-Schönbrunn des KZ-Mauthausen

Hallo Oliver,
zuerst einmal ein herzliches Willkommen im Forum und besten Dank für den Beitrag! .
..Artikel über ein KZ-Schönbrunn soll es geben, allerdings war es kein KZ sondern nur wenige kleine Baraken mit Gefangenen.
Auch wenn nur 5 KZ-Häftlinge dort inhaftiert bzw. zur Arbeitsleistung gezwungen waren - es war ein Außenlager von Mauthausen! -> siehe Beitrag #2 mit Details der offiziellen "Mauthausen-Seite"! Siehe auch Hinweis von @Stoffi! Darüber hinaus gab es noch mehrere Unterkunftsbaracken im riesigen Schlossareal für die verschiedensten "Lagerkategorien". Kann aber nicht sagen, ob für Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, Zivilarbeiter, Wehrmachtsangehörige oder sonst noch was...???

lg
josef
 
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HeidiT

Guest
#7
Hallo zusammen!

Der Grund dass ich hier heute schreibe ist folgender: auch mein Vater kam als Gefangener ("Politischer Holländer") vom KZ Buchenwald nach Wien-Schönbrunn.

Er war einer von 45 Holländern die am 9. November 1944 zusammen nach Wien-Schönbrunn, Kraftfahrtechnische Lehranstalt entlassen wurden. Hiervon habe ich Kopien erhalten vom ITS. Mein Vater war zu der Zeit 20 Jahre jung.

Nun weiss ich, dank (zwar wenige) Geschichten meines Vaters, eine Postkarte und Informationen die ich erhalten habe über ITS in Bad Arolsen, fast alles was mit ihm passiert ist. Jedoch über Wien-Schönbrunn kann ich keinerlei Informationen finden die mir dabei helfen können der letzte Teil zu erfahren.

Was ich wohl im Internet gefunden habe ist die Info über 5 Gefangene die wohl intern waren im KTL (http://www.tenhumbergreinhard.de/1933-1945-lager-1/1933-1945-lager-w/wien-schoenbrunn.html).
Mein Vater jedoch, musste mit den anderen Holländern arbeiten (womöglich Baracke bauen oder so, das weiss ich nicht genau). Eine Postkarte die er an Familie schrieb (ich meine vom Februar 1945) haben wir noch. Darauf schreibt er u.A. dass er nun in Wien sei, in Spiegelhütte (Ludwigsthal oder Ludwigstal). Eine Adresse lautet: SS Aussenstelle Ludwigst(h)al. Er hätte hier aber wohl mehr Freiheit als in Buchenwald.

Vom Moment dass er von Buchenwald aus dorthin musste bis hin zu seiner Flucht (dank ein Bombardement) in 1945 weiss ich rein gar nichts.
Es gibt im Internet ein Interview mit einem vorm. Gefangener der auch zu der Gruppe von 45 Holländern gehörte und auch gibt es eine Geschichte von einer Frau deren Opa ebenfalls mit dabei war. Ich habe mehrm,als versucht mit ihr Kontakt aufzunehmen aber leider habe ich keine Antwort bekommen. Ihr Opa und mein Vater müssen sich gekannt haben, denn sie waren gleichzeitig in Kamp Amersfoort, Buchenwald und Wien-Schönbrunn; sassen jedes Mal beim gleichen Transport.
Der Mann aus dem Interview erzählte, dass sie Ausblick hatten auf das Schloss.


Ich hoffe irgendwie zu erfahren ob diese SS Aussenstelle auch zu Mauthausen gehörte, und wieso hier nichts über bekannt scheint. Ich kann das einfach nicht glauben. Beim ITS ist jedenfalls nichts weiter bekannt über Schönbrunn.

Über das Bombardement habe ich noch folgendes gefunden: http://www.458bg.com/missions.htm Da heisst es, dass am 20. April 1945 Zwiesel bombardiert wurde (der Eisenbahn). Es kann gut sein dass das das Moment war wo mein Vater mit seinem Freund die Flucht gelungen ist. Als ich noch jung war ist mein Vater mal nach Zwiesel gefahren, er wollte einmal zurück dorthin.

Ich bin sehr gespannt ob das genannte Buch etwas Licht ins Dunkeln bringen kann, ich hoffe es!
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#8
Hallo Heidi,
zuerst einmal ein herzliches Willkommen im Forum!

Nun zu den Fragen:
Da gibt es einige Verwirrung bzw. Verwechslungen! Ich versuche eine Rekonstruktion der Abläufe:

1.: 9. November 1944 Entlassung aus KZ-Buchenwald -> nach Wien-Schönbrunn, Kraftfahrtechnische Lehranstalt -> dürfte eine Einweisung in ein Zwangsarbeiterlager gewesen sein (?)Nicht in das Außenlager des KZ-Mauthausen Wien-Schönbrunn! Sonst wäre es keine Entlassung aus dem KZ-Buchenwald, sondern nur eine Überstellung in ein anderes KZ gewesen.

2.:
Eine Postkarte die er an Familie schrieb (ich meine vom Februar 1945) haben wir noch. Darauf schreibt er u.A. dass er nun in Wien sei, in Spiegelhütte (Ludwigsthal oder Ludwigstal). Eine Adresse lautet: SS Aussenstelle Ludwigst(h)al.
Hier beginnt die Verwirrung bzw. Verwechslung! Dein Vater kann damals nicht mehr in Wien gewesen sein, Spiegelhütte und Ludwigsthal liegen in der Nähe von Zwiesel in Bayern!

3.: 20. April 1945 Zwiesel - Luftangriff/Bombardierung -> dies ergibt durch die örtliche Nähe (Zwiesel-Spiegelhütte-Ludwigsthal) wieder einen sinnvollen Zusammenhang mit der Flucht...

Hoffe, ein wenig zur Klärung beigetragen zu haben, nachstehend noch ein GE-Bild von der Umgebung von Zwiesel in Bayern:
 

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#10
Guten Abend allerseits,Ich weiß nicht, ob es nötig ist, aber nach 8 Jahren kaufte ich ein Buch mit dem Titel "Wiking", geschrieben von Henk Kistemaker.
Er beschreibt seine Zeit von 1941 bis 1945 im Dienst der 5. Waffen-SS-Division "Wiking".
Auf einer Seite am Anfang seines Buches spricht er über einen Anschlusskurs in der Schönbrunner Kaserne in Wien.
Diese Kaserne existiert also wirklich.
Heute ist es die Maria-Theresien-Kaserne in Wien.

Internet:1937 begann hier nach Plänen des Architekten Robert Kramreiter der Bau einer Dollfuß-Jugendführerschule der Ständestaatsdiktatur, die aber bis zum "Anschluss" an das nationalsozialistische Deutsche Reich 1938 nicht mehr fertiggestellt werden konnte.
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht wurde der Halbzeitbau 1938 bis 1940 als Kaserne für die SS, später Waffen-SS, fertig gebaut.

Zur Zeit der NS-Herrschaft hieß es offiziell Kaserne Wien-Schönbrunn und wurde vom SS-Panzergrenadier-Regiment 4 "Der Führer" als Quartier eingesetzt,
Nach so vielen Jahren wieder ein Puzzlestück.
mein Vater hatte dort einen kurzen SS-Kurs.
Wenn diese Informationen nicht mehr interessant sind, tut es mir leid.

Etwas in mir sagte jedoch, dass ich dieses Stück nur platzieren musste.Vielen Dank für all Ihre Bemühungen und Ihre Hilfe.

Freundliche und respektvolle Grüße von
Frits (hammetje) aus Holland
 
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