josef

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#42
Groß Mittel

Nun bin ich mal bei Groß-Mittel:
@Markus schreibt:
Groß-Mittel: der Straße vom Kasernen-Hauptteil nach Osten folgen, fast bis zum Ende des Mil-Areals. An dieser Stelle nach Süden abzweigen: dieser gesamte Wald bis zum südlichen Ende des Mil-Areals ist für mich der "Kandidat" Nr.1. Der Bahnanschluss ist mir aber noch unklar. Der Wald ist auf den Karten als "Sieben Joche" eingetragen.
Der Bahnanschluss dieses Lagers dürfte geklärt sein! Habe ja zum Glück einen Ausschnitt der ÖK 1:75.000 aus 1930: Da gab es noch das aus der Monarchie stammende umfangreiche Normalspur-Gleisnetz am dortigen Gelände! Glaube kaum, dass in den paar Jahren bis die Gebiete dort von der Wehrmacht übernommen wurden, Demontagen am Schienennetz vorgenommen wurden. Das Ganze wurde ja kräftig ausgebaut und erweitert! Wenn man die Karte genau betrachtet, hatte das Areal bei den „Sieben Jochen“ sogar 2 mögliche Schienenanbindungen:

1. Vom Militärnetz, ausgehend von der Strecke Sollenau – Blumau über die Abzweigung in die Muna beim Böhlerwerk/Laboratorium.
2. Von der Staatsbahn (Reichsbahn-) Strecke Leobersdorf – (Sollenau) – Ebenfurt. Diese Trasse ist am Lubi als Schneise im Waldgebiet nach dem Wr.Neustädter-Kanal auch heute noch gut zu erkennen.
 

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josef

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#43
St. Egyden

Nun kommt St.Egyden an die Reihe:

Dazu ein Auszug aus F.Brettner „Die letzten Kämpfe des II. Weltkrieges im südlichen Niederösterreich“ ISBN 3-9500669-2-6
Seite135 ff, bezogen auf 2.April 1945:
St.Egyden am Steinfeld

Die St.Egyder Munitionsfabrik wurde in die Luft gesprengt. Das Donnern der gewaltigen Explosionen war bis Neunkirchen zu hören.

Im Jahre 1890 begann man mit dem Bau einer Pulverfabrik im Föhrenwald etwa 1 km westlich von Straßenkilometer 53,2.

Während des 1. Weltkrieges wurde diese Fabrik von der Firma Dynamit – Nobel AG betrieben.

1938 wurde dort ein 1 km langes Waldstück abgeholzt, auf dem 50 Baracken 10 x 20 m groß als Munitionslager für die Wehrmacht erbaut wurden. Es wurden zuletzt dort 40 – 50 Wagonladungen Deutsche und auch Beutemunition gelagert. In der Pulverfabrik wurde die Beutemunition demontiert.

Weiters befand sich zwischen dem Munitionslager und St. Egyden ein Lager für V2 Raketen. Das Lager war mit einem hohen Drahtzaun und nach vorne mit einer hohen Bretterwand abgeschlossen. Vom Bahnhof St. Egyden führte ein Schienenstrang in das Lager bzw. bis in eine Baracke hinein. Ein Umladen konnte man nicht beobachten.

Mit Rücksicht auf die außerordentliche Geheimhaltung waren nur ausgewählte Militärkommandos mit der Bewachung betraut. Nähere Angabenwaren der Zivilbevölkerung nicht bekannt. Doch soll sich angeblich nur der Treibsatz der V2 (Brennstoff) in fester Form im Lager befunden haben.
Der Abtransport der V2 war „Geheim“ und ist unbekannt.
Soweit der Buchauszug. Da dürfte @Henry recht behalten, war wahrscheinlich der „Sprengkopf“ der Rakete gemeint => Befüllung und Lagerung? Möchte noch ergänzen, der Schwerpunkt des Buches liegt (wie bei allen anderen Bänden von Brettner) keinesfalls in der Beschreibung technischer Details von Waffen usw., sondern in den militärischen Abläufen, dem Vordringen der Sowjetarmee, im südlichen Niederösterreich.
Lg
josef
 
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fledermaus

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#44
Markus hat geschrieben:
@herb: Verkehrstechnisch ist das Lager sicher nicht schlecht. Aber warum baut man eine Waffe in Deutschland, lagert sie in Österreich und verschießt sie an der Kanalküste???
Wie abwegig ist es denn das die V2 nicht nach Westen sondern nach Osten transportiert werden sollten? wie oben schon mal geschrieben, Ungarn oder Baltikum?

Rein nur ne vermutung: Bau in deutschland, zwischenlager und endproduktion in österreich und dann verwendung im Osten?

mfg

RaLf
 
#45
Hallo,

@Josef: Danke! Ich denke damit sind alle 3 Lager lokalisiert. Weiß jemand in wie weit das Areal Groß-Mittel Sperrgebiet ist? Oder herrscht einfach fotografierverbot?


@Henry: das mit dem Teststand ist eine Super Info! WIr haben den entsprechenden Wald lange durchsucht - die meisten Reste stammen vom Mun-Lager. Ich konnte nur ein Fundament nicht zuordnen - eine relativ große ausbetonierte Grube/Becken?. Im Netz steht ein Teilfoto:

Foto

Das Becken würde auf dem Foto rechts folgen und geht etwa 2 m in die Tiefe. Vieleicht ist das der Beginn eines Teststandes...
...ich weiß nur nicht, ob die Sache nicht etwas zu klein ist. Jedenfalls steht gerade dieses Fundament extrem weit abseits des Munitionslagers...

LG,
Markus
 
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#46
Wie schon beschrieben, ein „künstlicher Teich“ war dem Prüfstand angedacht !
Das dürfte das Auffälligste Bauliche Merkmal eines Prüfstandes sein und der
erste Bauabschnitt müsste aus dem ausheben der Grube bestanden haben.
Wenn die tatsächlich damit angefangen haben und diese 1 bis 3 Gruben nicht wider
verfüllt wurden, müssten die heute noch zu finden sein !
Auf dem Bild ist nicht fiel zu erkennen, da müsste man auch erst mal eine Skizze machen
damit man eine Vorstellung bekommt wie es da aussieht !

Gruß Henry
 
#47
fledermaus hat geschrieben:
Wie abwegig ist es denn das die V2 nicht nach Westen sondern nach Osten transportiert werden sollten? wie oben schon mal geschrieben, Ungarn oder Baltikum?

Rein nur ne vermutung: Bau in deutschland, zwischenlager und endproduktion in österreich und dann verwendung im Osten?

mfg

RaLf
Osten ? Nein !

Weil es im Osten keine Ziele gab die man mit dem A4 treffen hätte können !!

Gruß Henry
 
#48
Henry hat geschrieben:
Wenn die tatsächlich damit angefangen haben und diese 1 bis 3 Gruben nicht wieder verfüllt wurden, müssten die heute noch zu finden sein !
Das Problem: Der Wald ist voll von Gruben - aber alle in der Größe von Mun-Baracken...


Henry hat geschrieben:
Auf dem Bild ist nicht fiel zu erkennen, da müsste man auch erst mal eine Skizze machen damit man eine Vorstellung bekommt wie es da aussieht !
Um es klar zu sagen - das Bild ist Sch.... :D

War noch das letzte Jahrhundert der Fototechnik - zu Hause sieht man, dass man nichts am Bild hat..

=> Ich muß dort wieder hin - am besten jetzt im Winter ohne Laub...

LG,
Markus
 

josef

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#50
Bahnanschluss Lager St.Egyden

Markus schrieb:
...hast Du es schon mit Eisenbahn-Geleisplänen probiert?

@St. Egyden: vom Bahnhof entlang der Bahnlinie nach Nordosten gehen. Kurz nach der ersten erhaltenen Straße nach Nordwesten (Richtung Saubersdorf)zweigt etwas ab (ex Feldbahn?). Von hier, fast bis zum Ende des Waldes, nach Nordwesten, liegt mein "Kandidat" Nr.2
Lt. Gleisplan Bhf. St.Egyden (42 od.43?) war das der Normalspuranschluss, dürfte nach Abtragung der Gleisanlagen seither "etwas" zugewachsen sein.

lg
josef
 
#53
Hallo,

ich habe am Wochenende ca. 7 Stunden in den Wäldern um Wr. Neustadt verbracht. Davon entfielen ca. 10 min auf St. Egyden, der Rest auf die Suche nach den Triebwerkstestständen.

Ich hoffe ich komme in den nächsten Tagen dazu die Fotos aufzuarbeiten.

@henry - 3 Fragen:

- Könntest Du mir den genauen Wortlauf der Aussage Wernher von Braun's bezüglich der Teststände des Raxwerkes schreiben?

- Hast Du Unterlagen zu den A4-Testständen in Peenemünde? => PVII ist gut dokumentiert, aber was ist mit dem anderen (PI?)?

- Gibt es deutsche Teststände für liegende Triebwerkstests?

LG,
Markus
 
#55
Es gab Prüfstände für liegende Tests und für stehende, das war in der Regel von der Art des Triebwerks abhängig. In der Regel wurden Triebwerke für stehende Starts auch in einer aufrechten Haltung getestet. Das Triebwerke für das A4 oder „Wasserfall“ konnten aus konstruktiven gründen nur aufrecht oder maximal mit einer geringen Neigung getestet werden, liegend hätten sie nicht Funktioniert ! Markus : Aus sicherlich verständlichen Gründen möchte ich nicht komplette Kopien oder genaue Quellenangaben von Inhalten weitergeben, die ich in einem Buch zu veröffentlichen gedenke. Das komplette Schreiben W.v.B. schick ich dir aber dennoch per e-Mail sobald ich es verwendbar aufgearbeitet habe ! Wer hier sonst noch mit list sollte wissen das mit der Veröffentlichung des Buches Alle Dokumente mit Archivsignatur genannt werden, so das jeder sich diese besorgen kann. Im übrigen hat es nur dann einen Sinn ein Buch zu veröffentlichen wenn man den Inhalt nicht schon vorher preis gibt ! Also nicht böse sein wenn ich nur so viel zeige, das man ( sofern noch vorhanden ) die Prüfstände eventuell finden kann !

Das erste Bild zeigt den Prüfstand 1 in Peenemünde, was man hier schlecht erkennen kann ist das Gebunkerte Fundament unterhalb der Stahlkonstruktion. Dieser Prüfstand war Vorbild für die Prüfstände in Raderach, allerdings waren diese etwas größer und konnten wie die Fahrbaren im Prüfstand 7 , komplette Raketen aufnehmen ! Ich hab da mal eine simple Darstellung von den Russen, wie die Prüfung funktioniert hat. Da sind einmal die Treibstoffbehälter mit den Nummern 18 und 19, 21 sind Waagen die den Gewichtsverlust aufzeichneten. Nr. 24 sind Stickstoffbehälter die den Treibstoff aus den Tanks durch die Rohrleitungen zum Ofen pressten. 10 ist die Waage die das Schubgewicht aufzeichnete, 6 und 7 sind Ventile an denen man die Mischung einstellte.
Hinter den Prüfständen befand sich in der Regel ein Bunker mit einem Periskop oder Sehschlitze aus Panzerglas, wobei die Treibstoffbehälter in zwei getrennten Bunkerräume untergebracht waren .Die Stickstoff- Flaschen waren meist im freien . Ist dann mal ein Ofen explodiert, sind die Flaschen bei den Temperaturen gleich mit geplatzt ! Irgendwo habe ich noch Bilder von Prüfstände der Russen und den Amerikaner auf denen A4 Triebwerke getestet wurden, allerdings muss ich diese erst suchen.

Gruß Henry
 

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#56
Vom Prüfstand 1 hab ich einige Minuten Film der diesen Prüfstand recht gut Dokumentiert,
allerdings hat dieser eine sehr schlechte Bildqualität. Ich werde bei Gelegenheit ein paar Skizzen davon machen !

Gruß Henry
 
#57
Hallo Henry,

Danke für die Infos und Bilder - natürlich verstehe ich Deine (teilweise) Zurückhaltung!!!

Hier folgen nun die Bilder vom Wochenende - ich bitte wiederum um Rückmeldungen, Meinungen, Anregungen - besonders zu den Fotos der Teststände!!!

Vorwerk

Maria

LG,
Markus
 
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#58
Hallo,

zu dem Areal, das ich für die Teststände halte noch eine kurze Zusatzbeschreibung:

Es besteht aus 3 Bauten bzw. Baustellen:

1) Eine Flache mit ca. 50 x 20m. In diesem Areal befinden sich (in Richtung Osten gesehen) folgende Abschnitte nebeneinander:
-eine ca. 50m lange Grundmauer, Breite ca. 30cm.
-ein bewachsenes Areal, das wie die Reste von Holzbaracken wirkt
-ein freies Areal, das Querriefen im Boden aufweist (Schienen?), siehe Übersichtsfoto
-ein Betonbauwerk, das aus mehreren Stahlbetonfundamenten mit ca. 2x2m ,mit diversen Varianten, besteht, Foto
-eine Grube, Tiefe 2m, aber offensichtlich nicht fertiggestellt

2) Eine große Baugrube, die etwas größer als der dritte Bau ist

3) Ein relativ weit fortgeschrittenes Bauwerk

LG,
Markus
 
#59
Kannst du von den „Dicken Dinger“ einen Zeichnung des Grundriss mit ungefähren Größenangaben anfertigen ?

Zum Sauerstoffwerk ?

Ein bekannter in Frankreich hat zwei unterirdische Sauerstoffwerke untersucht dieses hat fast den gleichen Grundriss wie das Sauerstoffwerk im Raderach b.z.w. wurde nach dessen Planungsunterlagen gebaut : http://francois.bayeux.free.fr/dieppedalle.htm

Groß Henry
 

josef

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#60
Lager St. Egyden

Als Ergänzung zu den Lubi von @bunkerratte der Anschluss nach S beim Bahnhof St.Egyden:

Da sind in der Vegetation deutliche Spuren des für die A4 - Lagerung typischen "Fischgräten-Musters" (zumindest nach einer Richtung) von Lagergebäuden zu erkennen. Das helle Dreieck westlich der Südbahntrasse ist eine Waldbrandfläche (1994). Die Brandbekämpfung gestaltete sich damals wegen der laufend hochgehenden Munition sehr schwierig!

Darum zum wiederholten Male die Warnung aus dem Beitrag von Markus:
http://www.turbo.at/geheimprojekte/t_wnmun.html

ACHTUNG!
Die Gebiete um Wiener Neustadt sind noch heute hochgradig munitionsverseucht! Ein Besuch der dortigen Anlagen ist mit absoluter Lebensgefahr verbunden!
 

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