Landwehrlager Köflach und weitere...

#1
In Köflach gab es auch mal ein BH Landwehr - Waffenlager welches in der Ortschaft lag. Als ich beim Heer war, hatten wir öfters die Ehre, nach Milizübungen in Öl konservierte STG 58 zu putzen. :danke

Das war in einer alten Fabrik, völlig unauffällig aber doch ziemlich Zentral im Ort gelegen. Ich vermute mal das es das nicht mehr gibt.

Hat da noch jemand Fotos oder Informationen??
 
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#2
Super Thema! Hatten wir das in diesem Forum eigentlich schon mal?
edit: (nach kurzer suche nur ein paar Schlagwörter)

Im Internet hab ich auf die schnelle auch nichts zu solchen Lagern gefunden.

Hätte dazu (viele) Fragen: :D
Weis wer wieviel es solche Lager gegeben hat und wo sich diese befanden?
In Villach hat auch ein solches bestanden, war im prinzip auch mitten in der Stadt, und jeweils nur ein bis zwei KM von den 3 Kasernen entfernt.
Warum hat man dann die Waffen nicht dort gelagert (Bewachung?), oder hat man es so dezentralisiert gemacht das bei einem Ausfall einer (oder mehrerer) Kasernen es noch Ausrüstung gegebn hätte?
Was wurde dann dort (noch) gelagert, nur Infantriewaffen, oder auch schwereres "Geschütz" (zB. Granatwerfer, 2cm Kanonen usw.), Funkgeräte, Bekleidung.....?
Mir erschliest sich nicht wie das dann im "Ernstfall" gemacht wurde? Wurde die Landwehr zu den Lagern befohlen und dann dort ausgestattet, oder wurden die Lager (von wem) geräumt und dann wohin transportiert und dann verteilt?

Das eine oder andere Lager wurde ja auch (von Insidern) ausgeräumt, soweit ich mich dunkel erinnern kann! :motzen:

Vielleicht weis hier ein "Insider" ja bescheid! :danke
 
#3
Landwehrlager Köflach

Wegen der Bewachung war das sicher nicht. Das Gebäude hatte nicht mal eine Alarmanlage, einen Zaun herum oder auch nur irgendwas. Einzig die Fenster hatten Gitter - so wie bei einer Trafik. Das hat mich damals selbst gewundert, da ich in Graz bei der Wache war und wir an Objekten die weitaus weniger "Lukrativ" waren, weitaus höhere Standards an Bewachung hatten.
Allerdings sah das Gebäude von aussen ja wirklich aus als steht es leer, wobei den Nachbarn sind sicher die 680er aufgefallen.

Meiner Meinung nach gab es dort nur Sturmgewehre, eventuell noch MG´s. Wen ich nicht komplett falsch liege, war das eine Lager für eine "Milizkompanie 542 oder 543"

LG

Pyro 73
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#4
Landwehrlager, Mob-Lager...

Super Thema! Hatten wir das in diesem Forum eigentlich schon mal?
edit: (nach kurzer suche nur ein paar Schlagwörter)
- Nauders/Reschenpass
- Achensee
- Nassereith (url SIVBEG funzt nicht mehr...)
- Loibl Pass

...habe ich in der "Schnelle" hier im Forum gefunden.

Die Lagerobjekte oblagen ebenfalls (wie die FAn) strengster Geheimhaltung, waren aber sicher in der unmittelbaren Nachbarschaft bekannt :)

Vielleicht können wir hier, da ja das Ganze (Raumverteidigung, FAn, Landwehr usw. ) nun schon längst "Geschichte" ist, Örtlichkeiten solcher ehemaligen Lagerobjekte eruieren?

Habe zu diesen Lagern auch nur sehr vage, allgemeine Infos! So gab es größere, zentrale „Mob-Lager" für Landwehr-Stammregimenter und Landwehrbataillone (meist in Kasernen, für schweres Gerät und Waffen) und viele kleine, den jeweiligen individuellen Gegebenheiten und Aufträgen angepasste, dezentral dislozierte „Landwehrlager“ (Kompanieebene, leichte Waffen u. Ausrüstung). Diese waren in verschiedensten Objekten untergebracht (ehemalige Lagergebäude, Firmenobjekte, Bauernhäuser, aufgelassene Schulhäuser usw. …).
Mir erschließt sich nicht, wie das dann im "Ernstfall" gemacht wurde? Wurde die Landwehr zu den Lagern befohlen und dann dort ausgestattet, oder wurden die Lager (von wem) geräumt und dann wohin transportiert und dann verteilt?
Vielleicht kann auch dazu ein "Insider" der ehem. Landwehr etwas aufklären?

lg
josef
 
#6
Die Angehörigen der zu mobilmachenden Verbände wurden in sogenannten "Mob-Sammelorten" und mit Masse nicht in Kasernen einberufen. Wo dieser Mob-Sammelort lag stand am Bereitsstellungsschein - jener Zettel, den jeder Miliz-Soldat übergeben bekommen hatte. Auf diesem waren sein Truppenkörper, der Code für den Truppenkörper (für den Fall eines verschlüsselten Aufrufen) und eben der Mob-Sammelort vermerkt.
siehe auch hier: http://www.bmlv.gv.at/miliz/mobilmachung.shtml

Warum die Einberufung nicht in die Kasernen erfolgte ist darin begründet, dass die Kasernen für die Massen an Soldaten zu klein gewesen wären.

Um die Ausstattung der einberufenen Soldaten zu erleichtern war die Ausrüstung der Angehörigen der raumgebundenen Landwehrverbände teilweise in Mob-Lagern, die in Mob-Sammelorten sich befanden, ausgelagert.
Diese wurden dort errichtet, wo Infrastruktur zur Verfügung stand (günstiger Kauf oder Anmietung).
Die Art des Gerätes, die sich dort befand war abhängig von der Größe des Lagers. Auf jeden Fall P, StG, MG,...Funkgeräte. Schwere Waffen eher weniger, da diese für die Ausbildung benötigt wurden. In den 90er-Jahren befanden sich aber auch zB PAL2000 in den Mob-Lagern eingelagert.
Munition war dort nie gelagert, sondern ausschließlich in den Mun-Lagern.
Die Sicherung erfolgte durch Alarmanlagen, Streifengänge durch die Gendarmerie und Kontrollen durch die Militärstreife.
 
#7
Ergänzung/Berichtigung:
Die richtige Bezeichnung der Lager außerhalb von Kasernen lautete Landwehrlager.

"Berühmt" wurde das Landwehrlager in Kartitsch, in das im Jahr ???? ein Einbruch erfolgte bei dem einige StG77 gestohlen wurden. Diese tauchten dann später am Balkan wieder auf.
 
#8
Ja, an Kartitsch kann ich mich auch erinnern.
War damals eine große Aufregung und damals kam auch das "Geheimnis" dieser Landwehrlager das erste mal so richtig an die Öffentlichkeit.

Hatten wir den soviele PAL das die auch in den Landwehrlagern gelagert wurden? :D

Angeblich waren in Villach auch 2cm Kanonen gelagert, laut hören sagen!!!

Mein Mob-Sammelort war der TÜpl Maarwiesen, auf halber Strecke zwischen Villach und Spittal a.d. Drau.

Vielleicht können wir hier, da ja das Ganze (Raumverteidigung, FAn, Landwehr usw. ) nun schon längst "Geschichte" ist, Örtlichkeiten solcher ehemaligen Lagerobjekte eruieren?
Das wäre echt eine Aufgabe.
Vielleicht komm ich mal dazu ein paar Fotos von der Anlage in zu Villach machen.
 
#9
wollte auch gerade von Kartitsch schreiben. Soweit ich mich noch an die Tirol-Heute Berichte im ORF bzw. die Zeitungsberichte erinnern kann, war das Lager ein Anbau zu einem Bauernhaus (quasi als Tenne getarnt). Gestohlen wurden damals aber meines Wissens nur StG 58, die Täter hatten nur gehofft, dass sich dort StG77 befinden!

Landwehrlager in Tirol welche mir bekannt sind

- Nauders (für Reschenpass für Bedrohung aus Italien)
- Nassereith (für Fernpass für Bedrohung aus Deutschland)
- Kufstein (für Inntal für Bedrohung aus Deutschland)
- Karitsch (für Osttirol für Bedrohung aus Italien)
- Achensee (für Achenpass für Bedrohung aus Deutschland)
- Scharnitz (für Seefelder Sattel für Bedrohung aus Deutschland)
- In Verhandlung war auch noch eine Lagerhalle in Stams und Silz als Landwehrlager zu nutzen, ob daraus dann etwas geworden ist weiß ich nicht

=> Allein schon die geografische Ausrichtung dieser Ort zeigt, dass es sich vor allem um natürliche Engstellen (Pässe, Täler) bzw. leicht zu verteidigende Hauptverkehrswege handelt. In der Nähe aller dieser Ort waren auch FAN oder vorbereitete Sperren und Sprenganlagen. Daher vermute ich, dass in den Landwehrlagern neben Waffen auch Sperrmaterial eingelagert wurde.

aus obiger Aufstellung wäre es auch naheliegend, dass es irgenwo im Arlberggebiet (Arlbergtunnel, Arlbergpass mit vorbereiteten Sperranlagen welche auch heute noch sichtbar sind, zB die Straßensperre im Arlbergtunnel) und im Wipptal (immerhin 23 FAN zuzüglich Sperren) Landwehrlager gab, damit hätte es dann wirklich an allen potentiellen Einmarschrouten nach Tirol Landwehrlager gegeben.



PS:
ein sehr interessantes Thema! bitte auch um weitere Infos von allen die was wissen!
 
#12
Auch schwere Waffen in den Landwehrlagern

Es gab auch schwere Waffen in den Landwehrlagern. Abhängig von der Art und Stärke der Truppenkörper waren Granatwerfer aller Kaliber, rPAK, 8,5cm PAK 52/55 und diverse andere Waffen gelagert. Zusätzlich das gesamte Feldzeug- und Wirtschaftsgerät der eingesetzen Truppe, vom Funkgerät bis zur Feldküche. Auch sperrmaterial, bspw. die Transportkarren für die Panzerigel der Sperrkompanien.
Durch die hohe Einsatzstärke des Bundesheeres war bis zur Heeresgliederung 94 überhaupt kein Platz in den Kasernen, eine Lagerung der in den MobLagern (LANDWEHRLAGERN) ausgelagerten Gerätschaften innerhalb der Kasernen war gänzlich unmöglich. Erst in den 90er-Jahren begann man die Lager zu leeren (KARTITSCH war nur ein Anlaßfall, tatsächlich wurde damals die Heeresstärke massiv verringert und mit der Vernichtung von Waffen begonnen. Leider, kann man nur sagen!). Es gab aber auch Alarmanlagen in den Landwehrlagern, nur waren die aus Kapazitäts- und Kostengründen noch nicht vollständig ausgebildet.Im Landwehrlager KÖFLACH lag ua. die Ausrüstung der Sperrkompanie PACK, des Landwehrbataillons 542 (GABERLBATAILLON) und der Panzerjägerkompanie 53 (mit den 12 Stück PAK 52/55). Nach Auflösung dieser Verbände/Einheiten wurde das angemietete Objekt (Ursprünglich das Lagergebäude der Brauerei TUNNER bzw. der Schuhfabrik KOFLACH) noch einige Zeit von der HEERESVERSORGUNGSANSTALT GRAZ (HVA GRAZ) bzw. der HZA GRAZ genutzt.
 
#13
Danke Rocki.

Du hast ja scheinbar einige Informationen zu dem Thema.
Kannst du sagen wie viel es solche Lager in ganz Österr. gegeben hat?
Die 8,5 cm PAK 52 - ist das die Russen-PAK, das riesen Ding?

edit: gerade nachgegoogelt - wir hatten sage und schreibe 250 Stk. davon!!!
 
#18
Waren solche Kanonen (auch zu dieser Zeit) nicht schon etwas, sagen wir mal - überholt?
Laut wiki haben ja nur die CSSR, die DDR und wir die Kanone eingeführt.
Hatten wir die T-34 auch noch zu dieser Zeit? (außer in den FAN)
Dann würde sich das mit dem Kaliber wenigstens erklären.

Aber hatte sicher damit zu tun das wir damals keine Lenkwaffen haben durften!:motzen:
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#19
Pak M 52

Hatten wir die T-34 auch noch zu dieser Zeit? (außer in den FAN)
T-34 waren damals nicht mehr bei der Truppe! Da gab es schon den M-60 KPz.
Aber hatte sicher damit zu tun das wir damals keine Lenkwaffen haben durften
Ja! Die von Pak M52 verschossenen Granaten hatten angeblich eine enorme Durchschlagskraft auf Grund der hohen Vo durch das lange Rohr! Dies erklärte mir jedenfalls vor Jahren einmal ein Offizier...

lg
josef
 
#20
Um wieder auf das eigentliche Thema zurückzukommen:
Wurden diese schweren Waffen - und ich nehme an, das, wenn schon diese (alten) Kanonen dort gelagert wurden auch anderes schweres Gerät - bis zur Auflösung in den Landwehrlagern gelagert wurde?
Und ich denke man hat bei Einführung von neuem Gerät, einfach (das auszumusternde) dann in die Landwehrlager gebracht, wie es bei den meisten Armeen der Fall war/ist. (da wird nichts weggeschmiessen :D - zumindest im kalten Krieg war es so)

So Korps- oder Armeedepots (wie in Deutschland) hats bei uns ja nicht gegeben oder?
Ich nehme an das die Landwehrlager in Österreich diese Funktion übernommen haben.
 
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