Luftbilder alter Industriebetriebe in Wien - Stadlau

josef

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#1
Wieder einige Lubi aus den 1930iger Jahren

"Vereinigte Wiener Seidenfärbereien" und "Malzfabrik" in Wien 23., westlich Bahnhof Stadlau:

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Links der Mitte die Objekte der ehemaligen "Vereinigten "Wiener Seidenfärbereien", anschließend, getrennt durch das hohe Silogebäude, die "Malzfabrik"

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Seidenfärberei


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Seidenfärberei
, rechts ein Teil der Malzfabrik. Unterhalb der Hallen sind Güterwagen erkennbar, die dazugehörenden Gleise sind über eine Drehscheibe (-> im Grenzbereich Färberei und Silo Malzfabrik) verbunden.
Oberer Bildrand: Nordkopf Bahnhof Stadlau

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Seidenfärberei im Vordergrund, links die Malzfabrik

Alle Bilder: Rechtsfreie Fotos aus dem ÖNB-Projekt Österreichische Nationalbibliothek Crowdsourcing
 

josef

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#2
Am Gelände der "Vereinigten "Wiener Seidenfärbereien" findet man heute einen Gewerbe- bzw. Industriepark, die "Malzfabrik" besteht nach einigen Besitzerwechsel noch immer:

Firmengeschichte der Malzfabrik
Im Jahre 1884 gründeten Jakob Hauser und Moritz Sobotka die Firma HAUSER & SOBOTKA und begannen im selben Jahr mit dem Bau der Fabriksanlagen in Stadlau.
Ab 1885 wurde diese Firma auf ERSTE WIENER EXPORT MALZFABRIK HAUSER & SOBOTKA umbenannt. Nach einem Großbrand erfolgte um die Jahrhundertwende ein Neubau, der in wesentlichen Teilen bis heute erhalten geblieben ist.
Die Mälzerei konnte etwa 10.000 t Getreide pro Jahr verarbeiten und war damit zur damaligen Zeit eine der größten Malzfabriken Europas, wenn nicht die größte.
Gleichzeitig begann die Unternehmensführung mit einer systematischen Diversifizierung.
1892 wurde mit der Erzeugung von Malzkaffee begonnen und dieser als "Kathreiner-Kneipp-Malzkaffee" verkauft. Hauser & Sobotka waren auch die Hauptaktionäre der 1912 gegründeten "Kathreiner Malzkaffeefabriken AG".
Gustav Sobotka, ein Bruder des Firmengründers, der nach seinem Chemiestudium in der Hefefabrik des Barons Springer beschäftigt war, erarbeitete ein Verfahren zur Herstellung von Backmalzextrakt, das um die Jahrhundertwende in vielen Ländern Patentschutz erlangte.
Hauser & Sobotka verkauften den ersten, "DIAMALT" genannten, Backmalzextrakt am 24. September 1901. Als Verpackung diente eine Weithalsflasche aus Steingut. Dieses Backmittel fand bei den Bäckern große Anerkennung, und die Unternehmensführung ging daran, seine Vermarktung weltweit in die Wege zu leiten. Diesen Bemühungen war voller Erfolg beschieden, und bis zum Beginn des ersten Weltkrieges war aus dem Stadlauer Unternehmen ein für die damalige Zeit beachtlicher "Multi" geworden. Es wurden gegründet:
  • 1902 Deutsche Diamalt GmbH München (1905 umgewandelt in Diamalt AG)
  • 1905 British Diamalt Comp.
  • 1906 American Diamalt Comp.
  • 1909 Diamalteria Italiana
  • 1911 Compagnie Francaise du Diamalt
1903 wurde die Firma Hoff erworben, deren Verkaufsprogramm diätische Malzextrakte, Kanditen und Schokolade umfasste. Hoffs Malzextrakt hatte in der damaligen Zeit einen so guten Ruf, dass es sogar in die Weltliteratur eingegangen ist. In Dostojewskijs Roman "Die Brüder Karamasow" ist im VI. Teil, 11. Buch zu lesen:
"... In meiner Verzweiflung schrieb ich an den Grafen Mattei in Mailand; er schickte mir ein Buch und Tropfen, na, mag er! Und stell dir vor: Hoffs Malzextrakt hat geholfen! Ich kaufte ihn zufällig, trank anderthalb Flaschen und hätte sofort tanzen können, alles war wie weggewischt. Unverzüglich wollte ich eine Danksagung in die Zeitung einrücken; das Gefühl der Dankbarkeit erhob seine Stimme, und jetzt stell dir nur vor, nun gab es eine zweite Geschichte: In keiner Redaktion wollte man es annehmen..."
Ab 1907 wurden Hilfsmittel für die Textilindustrie erzeugt, von denen ein hochdiastatischer Malzextrakt unter der Markenbezeichnung "DIASTAFOR" als Entschlichtungsmittel große Bedeutung erlangte.
1909 wurde die Graf GmbH gegründet. "Graf-(Suppen-)Würze" und andere Suppenartikel eroberten in der Folge bedeutende Marktanteile.
1916 wurde mit einer 50%igen Beteiligung die Firma Dr. Wander GmbH Wien gegründet und unter anderem die inzwischen weltweit bekannt gewordene "OVOMALTINE" erzeugt.
1938 wurde der Firmenname auf Stadlauer Malzfabrik Aktiengesellschaft geändert.
1973 wurde die Aktienmehrheit durch die IREKS GmbH , Kulmbach, Deutschland, einem Privatunternehmen der Familie Ruckdeschel, mit ähnlichem Erzeugungsprogramm, erworben.
1984 - im Jahr des 100-jährigen Firmenjubiläums - wurde die heutige STAMAG Stadlauer Malzfabrik GesmbH gegründet, welche ab diesem Zeitpunkt die Geschäfte im Rahmen der beiden Geschäftsbereiche Malz sowie Back- und Konditoreizutaten abwickelt.
Seit der Ausgliederung der operativen Geschäftstätigkeit fungiert die Stadlauer Malzfabrik Aktiengesellschaft im Wesentlichen als Besitzgesellschaft. Sie hält aufgrund einer Kapitalerhöhung bei der STAMAG Stadlauer Malz-fabrik GesmbH seit dem Jahr 1995 eine Beteiligung an dieser mit einem knapp unter 50 % liegenden Ge-schäftsanteil.

Quelle: STAMAG -Historie

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