Norfolk - fast vollständig erhaltene keltische Kriegstrompeten gefunden

josef

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Seltene keltische Kriegstrompeten gefunden
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In Norfolk im Osten Englands sind bei Grabungsarbeiten keltische Kriegstrompeten freigelegt worden. Der Fund ist archäologisch besonders wertvoll, weil eines der Blasinstrumente fast vollständig erhalten ist – eine Seltenheit in ganz Europa.
Online seit heute, 13.02 Uhr
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Auf einem privaten Gelände im Osten Englands hat die Firma Pre-Construct Archaeology das vermutlich rund 2.000 Jahre alte, praktisch vollständig erhaltene Exemplar eines solchen auch Carnyx genannten Blasinstruments gefunden und sich sofort mit mehreren Spezialisten in Verbindung gesetzt. Einer davon ist Fraser Hunter vom schottischen Nationalmuseum in Edinburgh, der sich den Fund schon vor Ort in einem Museum in Norwich ansehen konnte: „Das Material ist sehr zerbrechlich – ein Wunder, dass es überlebt hat. Es wurde sehr sorgfältig freigelegt und es wird noch viel Arbeit brauchen, um es zu stabilisieren und richtig zu untersuchen,“ so Hunter gegenüber ORF Wissen .

Die Überbleibsel aus der Eisenzeit wurden besonders vorsichtig in einem ganzen Erdblock geborgen – zum Glück, weil dadurch das poröse Metall nicht zerbrochen ist. Zu verdanken ist das den im Vergleich zu früher modernen archäologischen Möglichkeiten, sagt Fraser Hunter: „Eine so vollständige Version ist sehr ungewöhnlich. Das gab es bisher nur in Tintignac in Frankreich. Normalerweise findet man nur Bruchstücke davon wie im schottischen Deskford oder in Österreich in Leisach in Osttirol.“

Wildschwein-ähnlicher Kopf
Ein wildschwein-ähnlicher Kopf, gefertigt aus dünnem Bronzeblech und aufrecht gehalten: Keltische Kriegstrompeten wurden in ganz Europa im Kampf eingesetzt und finden sich auch auf vielen altrömischen Abbildungen wieder. Von der „Norfolk Carnyx“ ist sogar das Mundstück erhalten, betont der Spezialist Fraser Hunter vom schottischen Nationalmuseum: „Die sind extrem selten – es gibt in ganz Europa sonst nur zwei solche Mundstücke. Und sie bestimmen ganz wesentlich, wie das Instrument geklungen hat.“

Norfolk Museum Service
Wildschwein-ähnlicher Kopf

Der Fund könnte auch neue Erkenntnisse dazu liefern, wie solche Blasinstrumente mit den damaligen Mitteln überhaupt hergestellt wurden, meint der Archäologe. Das muss zur damaligen Zeit ein enormer Aufwand gewesen sein: Im Auftrag der National Museums Scotland hat man versucht, eine solche Kriegstrompete zu rekonstruieren. Allein die Fertigung des Instruments habe 400 Arbeitsstunden benötigt – und das mit schon vorgefertigten, millimeterdünn ausgewalzten Blechen.

Genaue Untersuchung steht noch bevor
Die Carnyx wurde zwar nicht nur in der Schlacht geblasen, sondern auch bei keltischen Feierlichkeiten – die beiliegenden Funde in Norfolk deuten für Fraser Hunter aber auf Kampfhandlungen hin. Neben der Kriegstrompete lagen dort auch ein Kopfstück einer Standarte, also einer militärischen Fahne, und mehrere Schildbuckel. Bevor man daran denken kann, die empfindlichen Fundstücke in einem Museum auszustellen, müssen sie noch genauer untersucht und vor allem konserviert werden.

An der Bergung und Begutachtung des Fundes beteiligt sind die Firma Pre-Construct Archaeology und die staatliche Denkmalpflege-Behörde Historic England sowie Spezialisten des Norfolk Museums Service und der National Museums Scotland.
19.01.2026, Kristina Singer, ORF Wissen

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