ORF-Berichte über außergewöhnliche, mystische und historische Orte sowie Bauwerke in Kärnten - Teil 2

josef

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#41
„Kennst du Kärnten“
Als einst Gold und Silber abgebaut wurden
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Im historischen Rückblick war Kärnten ein wichtiges Bergbau-Zentrum in Europa. Vor allem der Abbau von Gold und Silber war gewinnbringend. Trotz der schwierigen klimatischen Bedingungen, die den Bergbau zum Beispiel in der Teuchl auf die Sommermonate beschränkten, wurde er bis zum 18. Jahrhundert betrieben.
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Neben Kohle seien in Kärnten viele weitere Rohstoffe geschürft und abgebaut worden. Besonders Gold und Silber hätten im Verlauf der letzten Jahrhunderte zu den Metallen gehört, die in Kärnten gewinnbringend gefördert wurden, sagte die Historikerin Manuela Maier. Die Vorkommen seien so reichhaltig gewesen, dass der Naturforscher Belsazar Hacquet in einer seiner Publikationen sehr überschwänglich darüber berichtete: „Er hat geschrieben, dass es kaum ein so kleines Land in Europa gibt, in dem so viel Bergbau getrieben wird, wie in Kärnten“.

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Sanierte Hochöfen in der Heft in Hüttenberg

In der Teuchel wurde Silber abgebaut
Im 18. Jahrhundert wurden in Kärnten neben Gold auch Blei, Eisen und Silber abgebaut. Neben den heute noch bekannten Bergbauorten wie Hüttenberg (Heft) und Bleiberg habe es auch viele andere Abbaustätten gegeben, erklärte Maier: „Aus dem ältesten Rechnungsbuch des Berggerichtsbezirks Obervellach aus dem Jahr 1480 erfährt man, dass in der Teuchel, auch Teichel genannt, einem Nebental des Mölltals, auch Silber abgebaut wurde. Und das Tal wird als rau und sonnenarm beschrieben und auch als klimatisch äußerst ungünstig gelegen.“

Zur Teuchl: „Im Winter ein wahres Sibirien“
Die Bedingungen im Tal waren so ungünstig, dass der Bergbau jedes Jahr bereits im September eingestellt werden musste, so Mayer: „Sie lagen bis Pfingsten des darauffolgenden Jahres still. Der Bergbaubetrieb beschränkte sich somit nur auf die Sommermonate.“ Auch der Friesacher Geistliche und Forscher Franz Lorenz Hohenauer beschreibt die Teuchl als einen der isoliertesten und traurigsten Orte unserer Provinz, sagte Maier: „Es soll ein Exil sein. Zumal im Winter ein wahres Sibirien.“
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Die Teuchl im Winter

Gold und Silber zogen Menschen in die Teuchl
Vor allem Gold und Silber dürften die Menschen in die Teuchl gelockt haben, so Mayer: „An drei Orten, die er hier nennt, – in der Dechant, am Ladelnig und bei den Stollgruben – soll sich noch im 16. Jahrhundert ein Bergbau auf Gold und Silber befunden haben.“
Bis 1747 seien auch diese Gruben dem Verfall preisgegeben worden. Doch der Bergbau habe nicht so schnell aufgegeben, wie es auf den ersten Blick scheint. „Es hat dann im selben Jahr eine Untersuchung durch die Staatsverwaltung gegeben und der Bergbau wurde neuerlich erhoben. Im Zuge dessen konnten Erzgänge, Lager sowie Gold- und Silbergehalt rekonstruiert werden.“

Bau einer eigenen Schmelzhütte
Ab diesem Zeitpunkt sei man auch wirtschaftlicher vorgegangen, um sich den Fuhrlohn zu den Schmelzöfen im Drautal zu ersparen. Daher sei in der Teuchl eine eigene Schmelzhütte gebaut worden: „Diese wurde aber nie ganz ausgebaut und steht, wie es so schön heißt, mit unnützer Herrlichkeit noch heute zu Tage, so der Bericht Franz Wöllners.“

Auf lange Sicht waren die Investitionen dann aber doch höher als die Erlöse und so ist „der Bergbau dann Ende des 18. Jahrhunderts gänzlich eingestellt worden.“ Etwas ist geblieben. Wandert man durch die Teuchel, könne man die Reste der Schmelzhütte als stumme Zeitzeugen heute noch sehen, sagte Historikerin Maier.

06.05.2025 red, kaernten.ORF.at

Links:
Mölltal: Das Tal der tausend Stollen
Geschichtsverein Kärnten
Als einst Gold und Silber abgebaut wurden
 

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#42
„Kennst du Kärnten“
Als Bären in Kärnten ausgerottet wurden
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In Kärnten ist es schon vor langer Zeit „wild“ zugegangen, zumindest was die Tierwelt angeht. Luchse, Wölfe und vor allem Bären sorgten für Angst, Schrecken und teilweise große Schäden. Das veranlasste die damaligen Herrscher, Jagd auf die Bären zu erlauben. 1860 galten die Tiere dann tatsächlich als ausgerottet.
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In alten Aufzeichnungen finden sich zahlreiche Beweise dafür, dass es in Kärnten zahlreiche der genannten Wildtiere gab – festgehalten im Franziszeischen Kataster, der als letztes umfangreiches Werk einer statistischen historischen Beschreibung der Habsburger-Monarchie gilt.

„… welche dem Weidevieh Schaden zufügen“
Folgende Passage sei darin zu lesen, so Historikerin Manuela Maier vom Geschichtsverein für Kärnten: „‚In der Katastralgemeinde Wölfnitz wurden vor allem in den dicht bewachsenen Auen jährlich Bären gesichtet, welche dem Weidevieh Schaden zufügten‘. Wörtlich heißt es, ‚sie kommen aus dem, durch steile Wände und Klüfte von weitem auffallenden, bewaldeten Skarbin, wo man sie bisher noch nicht auszurotten imstande war.‘“

Ähnliches beschrieb man auch in der damaligen Katastralgemeinde Saager, „wo sich in den Waldungen Bären aufhalten und dort auch jährlich einige geschossen werden. Es heißt, sie nehmen ihren Zug aus dem Hochgebirge der Zell und des Obirs, schwimmen über die Drau und halten sich auch öfters in den dortigen Auen auf“, zitiert Maier.

Johann JaritzCC BY-SA 3.0
Links der Hochobir, rechts der Skarbin, der Ausläufer des Sattnitzzuges

Auch der deutsche Arzt Julius Heinrich Schlegel machte seine Beobachtungen und beschrieb die Kärntner Bären in einem seiner Reiseberichte so: „Als rötlich-braun, auch manchmal ein bisschen von weißer Farbe, die nicht selten ganze Felder von Mais und Hafer verwüsteten. Zudem schlugen sie Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde.“

Intensive Bejagung: 1860 galten Bären als ausgerottet
Die Bären wurden für die damalige, vorwiegend bäuerliche, Bevölkerung immer mehr zur Plage und so beschäftigte man sich intensiv mit der Jagd dieser Tiere, wie man auch im Dietrichsteinischen Fideikommiss der Herrschaft Hollenburg nachlesen kann. „Aber nicht nur der Bär kam vor, sondern auch Luchse und Wölfe. Letztere wurden für die Weidetiere weitaus gefährlicher. Von 1800 bis 1837 wurden 31 Bären an die Herrschaft abgeliefert. Bei dieser Zahl muss allerdings angemerkt werden, dass in den Listen nur jene Bären aufscheinen, die von den Jägern erlegt wurden. Jene der Herrschaft selbst und ihrer Jagdgäste sind hier nicht aufgezeichnet“, so Maier.

ognjeno – stock.adobe.com
Bärenspur im Schlamm

Es müssen wohl deutlich mehr Tiere erlegt worden sein, denn, so Maier: „1860 war der Bärenbestand auf Null reduziert. Am Skarbin, östlich von Klagenfurt, an der Annabrücke, wurde der letzte Bär erlegt. Sein Präparat war lange Zeit im Landesmuseum zu sehen.“

Gatterbären gelangten nach dem Krieg in Freiheit
Die Bären galten von da an in den südlichen Kronländern der Habsburger-Monarchie als ausgerottet. „Erst Fürst Auersberg hielt auf dem Schneeberg in Slowenien wieder Bären in einem Gatter. Das Gehege bestand bis zum Zweiten Weltkrieg, verfiel dann und die Bären gelangten in die freie Wildbahn“, so die Historikerin.
01.06.2025, red, kaernten.ORF.at
Als Bären in Kärnten ausgerottet wurden
 

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#43
„Kennst du Kärnten“
Velden: Wie der Teufelsgraben zu seinem Namen kam
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Der Teufelsgraben ist ein beliebtes Naherholungsziel in Velden am Wörthersee, speziell für Wanderer und Yoga-Liebhaber. Seine Vergangenheit ist Überlieferungen zufolge ziemlich schaurig. Eine Sage gibt Aufschluss darüber, wie der Graben zu seinem Namen gekommen sein dürfte – der Teufel hat natürlich damit zu tun.
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Der Teufelsgraben befindet sich direkt in Velden, rund 500 Meter nördlich vom Wörthersee entfernt. Es handelt sich um ein kleines Naturparadies, beliebt für Wanderungen und sportliche Aktivitäten.

Der abschreckende Name hat seinen Ursprung höchstwahrscheinlich in folgender Sagenerzählung, so Andreas Kleewein vom Geschichtsverein für Kärnten: „Es wird erzählt, dass eine Bäuerin, die reich werden wollte, dafür ihre Seele dem Teufel versprach. Als der Teufel dann aber die Seele holen wollte, flüchtete die Bäuerin in die Kirche von Kranzelhofen. Eine Ortschaft nördlich des Teufelsgrabens, wo sie vor dem Teufel in Sicherheit war.“

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Erzürnter Teufel soll Schlucht in Gelände gerissen haben
Der Teufel soll deswegen so erzürnt gewesen sein, dass er mit seinen Klauen eine Schlucht in das Gelände gerissen haben soll. „Aus dem heraus entspringt der Name Teufelsgraben“, so Kleewein. Das ist aber nur eine der schaurigen Geschichten, die man sich teilweise noch heute erzählt. „Durch den Teufelsgraben fließt der Damtschacher Bach, der seinen Ursprung im Gemeindegebiet von Wernberg hat und dann in den Wörthersee mündet.“ Der Damtschacher Bach ist auch als Tontscherbach oder als Teufelsgrabenbach bekannt.

Fotostrecke
Archiv der Marktgemeinde Velden am Wörther See
Die Lippitsch Mühle um 1904
Archiv der Marktgemeinde Velden am Wörther See
Wehr bei der Lippitsch Mühle um 1900

Andreas Kleewein
Viadukt im Teufelsgraben

Archiv der Marktgemeinde Velden am Wörther See
Spazierweg beim Viadukt um 1900

Andreas Kleewein
Viadukt im Teufelsgraben

Andreas Kleewein
Der Teufelsbrunnen

Namensgeber auch für Teufelsmühle
Einige kennen ihn auch als Pichlerbach, zumindest auf einem bestimmten Abschnitt. „Die Benennung als Pichlerbach erinnert an die einstige Gastwirtsfamilie Pichler in Velden. Das Wasser des Baches wurde in früheren Zeiten für den Betrieb der einstigen Lippitschmühle herangezogen, die auch gerne als Teufelsmühle bezeichnet wir“, erklärt Kleewein.

Wandert man das Bachbett entlang, kommt man oberhalb dieser einstigen Mühle auch zu einem kleinen Brunnen. Dieser zeige einen aus Eisen geschmiedeten Teufel, der auch Bezug auf den Namen Teufelsgraben und zu dieser Sage nehme.

Stefan Köchl
Yogapfad im Teufelsgraben

Anziehungspunkt für Touristen entstand
1864 begann mit der Anbindung ans Eisenbahnnetz auch der Tourismus in Velden. Der Teufelsgraben wurde von den Erholungssuchenden gerne als Wanderweg genutzt. Ein eigens gegründeter Verein sorgte für die Erschließung des Teufelsgrabens und installierte für die Wanderer auch Bänke zum Rasten.

"Von der Südbahn-Gesellschaft hatte man die Erlaubnis erhalten, den Weg unter dem großen Bahnviadukt, das den Teufelsgraben quert, hindurchzuführen, so Kleewein. Der damalige Bürgermeister von Velden am Wörthersee, Ernst Ulbing, stellte den Grund dafür kostenlos zur Verfügung. Er war Tourismus-Pionier und von Anfang an bemüht, den Fremdenverkehr und Tourismus im Ort zu fördern.
14.06.2025, red, kaernten.ORF.at
Wie der Teufelsgraben zu seinem Namen kam
 

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#44
„Kennst du Kärnten“
Hochzeitskirche St. Helena am Wieserberg

Viele Hochzeitspaare suchen eine außergewöhnliche Kirche, in der sie sich vor Gott und den Anwesenden die ewige Treue schwören. So ein besonderer Ort ist die Kirche St. Helena am Wieserberg in Dellach im Gailtal. Sie wurde im 16. Jahrhundert erbaut und symbolisiert Standfestigkeit und Durchhaltevermögen.
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St. Helena am Wieserberg steht einsam hoch über dem Gailtal in der Gemeinde Dellach, nur einen Katzensprung von der bekannten Ausgrabungsstätte Gurina entfernt. Historikerin Renate Jernej sagte: „Das ist ein kleines romanisches Kirchlein mit sehr schönen Fresken drinnen, Christusdarstellungen, die Evangelisten, die Apostel. Aber der Berg hat noch viel mehr zu bieten. Es gibt rundherum Befestigungsanlagen, man kann die Wälle noch in der Erde erkennen und bei Ausgrabungen vor rund 20 Jahren konnte man diese Befestigungen sogar datieren. Sie stammen aus insgesamt fast 1.500 Jahren.“

Erste Befestigung aus keltischer Zeit
Das heißt, die erste belegbare Befestigung am Berg von St. Helena stammt aus keltischer Zeit. „Es wurde eine Mauer freigelegt mit diversen Funden, Keramik, Knochen, das wurde auch C14 datiert. Das heißt, wir wissen sehr genau, dass rund um Christi Geburt hier oben eine kleine befestigte Siedlung war.“

In der Späthantike wurde noch einmal eine Mauer aus Kalkmörtel errichtet. Ob damals auch schon eine Kirche am Berg stand, weiß man heute nicht genau. „Ganz sicher wurde dann in frühmittelalterlicher Zeit eine Kirche gebaut und die kleine Kirche St. Helena ist wahrscheinlich der Überrest einer Burgkapelle. Und der Wall, die Befestigung aus frühmittelalterlicher Zeit, hat mehrere Bauphasen, also die erste wird so um 800 errichtet worden sein. Das ist eine Mauer, die aus einem Holzkasten besteht und vorne eine Blendmauer hat. Später, im 11. Jahrhundert, wurde das Ganze durch eine Steinmauer ersetzt“, so die Historikerin.


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Niki L.CC BY-ND 4.0
Filialkirche St. Helena

Hügel beinhaltete doch kein Grab
Ein Spaziergang zur Kirche St. Helena zahlt sich aber in jedem Fall aus. Wenn man nämlich zur rechten Zeit unterwegs sei, so Jernej, finde man auch sehr viele Parasole auf dem Weg nach oben. „Was man natürlich noch berücksichtigen soll, auch wenn man jetzt nicht mehr viel davon erkennen kann, dort war einmal ein großer Bichl, der sogenannte Wieser Bichl, wo man angenommen hat, dass es ein großes, halbstaatszeitliches Grab ist und dieser Bichl wurde bei archäologischen Grabungen vollständig abgetragen. Aber man fand kein Grab darunter, es war eine natürliche, eiszeitliche Verformung.“

Die Kirche St. Helena am Wieserberg ist das älteste Baudenkmal des Gailtals und steht entsprechend auch unter Denkmalschutz. In der etwa zehn Meter langen und sieben Meter breiten Kirche kann man einen beeindruckenden Saalbau mit einem rundgeschlossenen Triumphbogen sehen, unter dem immer noch gerne geheiratet wird.
19.06.2025, red, kaernten.ORF.at

Link:
Gurina Dellach

Hochzeitskirche St. Helena am Wieserberg
 

josef

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#45
„Kennst Du Kärnten“
Die Serviten im Gail- und im Lesachtal - Maria Luggau
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Die Serviten sind ein katholischer Orden, der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Florenz gegründet worden ist. In Kärnten findet man den Orden nur noch im Kloster im Wallfahrtsort Maria Luggau in der Gemeinde Lesachtal auf einer Seehöhe von fast 1.200 Metern. Es gab aber auch Serviten in Kötschach im Oberen Gailtal.
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Im Lesachtal sind die Serviten seit 1635 beheimatet. Sie lösten dort einen anderen Orden quasi ab, erzählt die Historikerin Heidi Rogy: „Die Serviten sind hier auf die Franziskaner gefolgt, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts im Maria Luggau gewirkt hatten. Neben dem Verlust der großzügigen Unterstützung durch die Grafen von Ortenburg, dürfte vor allem die vom Provinzialkapitel 1627 beschlossene Rückkehr zur strengeren Observanz, den Ausschlag für den Rückzug der Franziskaner aus Maria Luggau gegeben haben.“

F. Peter MüllerCC BY-SA 4.0
Kloster Maria Luggau

Serviten seit 1804 durchgehend in Maria Luggau
1786 schloss dann Kaiser Josef II. den Orden im Lesachtal, das Gebäude der Serviten wurde aber weiterhin für kirchliche Zwecke genutzt: „1804 kehrten die Serviten jedoch in das Kloster nach Maria Luggau zurück und sind bis heute hier geblieben.“ Aber auch am Fuße des Lesachtals waren die Serviten rund 270 Jahre lang beheimatet, nämlich in Kötschach.

„Mit der Ansiedelung der Serviten in Kötschach sollte der Verbreitung des Kryptoprotestantismus im oberen Gail- und Lesachtal Einhalt geboten werden. Ermöglicht wurde ihnen dies durch eine Stiftung von Franz Walther von Herbstenberg und Frankeneck, eines Pflegers des Bistums Freising in Innichen und durch Hannibal Alphons, Emanuel Fürst von Porcia als grundherrschaftlicher Obrigkeit.“

Andreas Trost
Alte Darstellung des Klosters Maria Luggau

Das Kloster in Maria Luggau wird von 40.000 Pilgernden pro Jahr besucht und ist damit einer der beliebtesten Wallfahrtsorte Österreichs.

Kloster in Kötschach wurde Wallfahrtsort
Der Fürst überließ den Serviten die Pfarre St. Maria in Kötschach samt sämtlichen Einnahmen. Ab 1715 baute man dann das Kloster an die Pfarrkirche an. Kötschach wurde wieder zum Wallfahrtsort. Und wo ein Wallfahrtsort sei, sei auch ein kirchliches Wunder nicht weit, sagte Rogy: „Der Legende nach sollen Hirten an der Stelle, an der sich heute die Pfarrkirche von Kötschach befindet, Vieh dabei beobachtet haben, wie es die Nähe eines bestimmten Baumes suchte und vor diesem gewissermaßen niederkniete. Die Hirten, die diesen Baum untersuchten, entdeckten schließlich ein kleines Marienbild.“

Für die Einwohner war das Grund genug, dort eine Kapelle zu errichten. Die Kapelle wurde in der Folge zum Gailtaler Dom ausgebaut. Dom und Kloster mussten in den folgenden Jahren aber so einiges aushalten, sagte Rogy: „Unter Josef II. kam es dann erneut zum Niedergang des Wallfahrtswesens. 1823 wurden Kirche und Klostergebäude durch ein Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogen. Seit damals muss man in der Kirche in Kötschach die Stufen hinabsteigen. Im ersten Weltkrieg waren Kirche und Klostergebäude Granatenbeschuss ausgesetzt.“

1979: Serviten verlassen Kötschach
1979 fiel der Entschluss zur Auflösung der Serviten-Niederlassung in Kötschach, sagte Rogy. Seit 1981 sind im ehemaligen Kloster die Pfarrerwohnung, die Pfarrkanzlei und der Kindergarten untergebracht. Für die Serviten ist das Jahr 1987 von großer Bedeutung. Denn Papst Johannes Paul II. erhob die Wallfahrtskirche Maria Luggau zur Basilika.
30.06.2025, red, kaernten.ORF.at

Link:
Kloster Maria Luggau

Die Serviten im Gail- und im Lesachtal
 

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#46
Friesach-Virgilienberg: Funde aus dem Mittelalter
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Marco Ventre hat mit Historikerin Renate Jernej vom Geschichtsverein für Kärnten einen Ausflug auf den Virgilienberg bei Friesach unternommen. Dort wurden Gräber aus dem Mittelalter gefunden. Sie bieten eine spannende Reise in die Vergangenheit des Bundeslandes Kärnten.
Online seit gestern 12.07.2025, 7.46 Uhr
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Die mittelalterliche Stadt Friesach, mit dem Petersberg, wo alljährliche viele kulturelle Veranstaltungen stattfinden, kennt wohl jeder im Land. Auch der Burgbau zu Friesach ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Unser Fokus liegt heute aber am Virgilienberg, der viel Interessantes zu Tage gefördert hat, sagt die Historikerin Renate Jernej. Seinen Namen hat der Virgilienberg von dem ehemaligen Kollegiatstift St. Virgil: „Das wurde kurz vor 1240 gegründet. Das heißt, dort oben war einmal eine Gemeinschaft von Weltgeistlichen, also insgesamt sechs Geistliche und ein Propst lebten dort in einem Kanonikatshaus und in einem Propsthof.“

Johann JaritzCC BY-SA 4.0
Die Maßwerkfenster des Propsteigebäudes der Kirche sind noch relativ gut erhalten

Gräber aus dem Mittelalter gefunden
Nach mehreren Bränden in dieser Kirche sind heute nur noch eine Ruine und Teile des gotischen Chores zu sehen, sagte Jernej: „Das ist das, was man noch sieht. Was man nicht sieht, aber was man bei Ausgrabungen gefunden hat, sind Gräber von den dort ansässigen Geistlichen und Kanonikern. Nämlich als man die Mauer restauriert hat, das ist auch schon etliche Jahre her, wurden gleichzeitig archäologische Grabungen gemacht und direkt vor diesem Chor bei der ersten Stufe waren insgesamt sieben Gräber aus dem Mittelalter.“

Auf fünf dieser Gräber befanden sich sogar noch die Original-Grabplatten, sagte Jernej: „Man konnte auf diesen Grabplatten die Namen der Bestatteten lesen. Daher wissen wir, dass dort im 14. Jahrhundert ein Dekan Jakobus und ein Dekan Coboldus begraben wurden. Und was man noch sehen konnte auf einer dieser Grabplatten, war das Wappen eines dieses Dekans, nämlich ein Schwein, das auf den Hinterläufen steht und die Vorderhaxen erhoben hat.“

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Die Reste des Kollegiatstifts St. Virgil

Grabplatten mit hohem kunsthistorischen Wert
Diese Grabplatten haben einen hohen kunsthistorischen Wert: „Natürlich hat man überlegt, ob man sie nicht bergen soll und ausstellen soll, das war allerdings nicht möglich. Wegen der Brände waren diese Steine so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass sie bei einer Bergung wahrscheinlich zerborsten werden.“

Ein weiterer Fund wurde in einem der Gräber gemacht, die keine Grabplatte hatten, sagte die Historikerin: „In diesem Grab fanden die Archäologen dann noch die Überreste des Kanonikas, nämlich das Skelett des Bestatteten.“

Bestatteter litt an starken Zahnschmerzen
Der Name des Geistlichen ist nicht bekannt, sagte Jernej: „Er wurde in einem einfachen Leinenhemd bestattet, ganz kleine Stoffreste waren noch erhalten. Noch dabei waren die Überreste der Haken, mit denen das Hemd geschlossen war. Also kleine Bronzehaken, die auf seiner Brust lagen.“ Außerdem musste der Geistliche an starken Zahnschmerzen gelitten haben, sagte die Historikerin: „Sein Unterkiefer war aufgrund einer eitrigen Fistel sehr stark verformt.“

Auch wenn heute von diesen Funden so gut wie nichts mehr zu sehen ist, sagte Jernej: „Wenn man dort steht, sollte man sich vielleicht erinnern, dass man auf den Gräbern jener Leute steht, die hier vor 700 Jahren gelebt haben.“
red, kaernten.ORF.at
Virgilienberg: Funde aus dem Mittelalter
 

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#47
„Kennst du Kärnten“
Die Geschichte der Garnitzenklamm
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Die Garnitzenklamm in Möderndorf bei Hermagor ist eine enge Schlucht, die sich auf rund 4,5 km erstreckt und Jahr für Jahr zahlreiche Wanderer anlockt. Sie hat eine äußerst spannende Entstehungsgeschichte.
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Rund 10.000 Jahre alt dürfte die Garnitzenklamm bei Hermagor sein: Unvorstellbare Mengen Wasser und Gestein donnerten vom Nassfeld Richtung Gailtal. Noch heute entspringt der Garnitzenbach am Gartnerkofel auf dem Nassfeld. Das Gebiet ist so faszinierend, dass es 1976 zum Naturdenkmal erklärt wurde so Historikerin Heidi Rogy: „Das Gebiet des Naturdenkmals umfasst den Bereich zwischen der Einmündung des Kreuzgrabens und der Wildbachsperre.“ Davor diente das Wasser des Garnitzenbachs für den Betrieb von Mühlen und Sägewerken. „Die Klamm nützte man außerdem zu Holzdrift“, so Rogy.

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Seit 1891 erschlossen
1884 gründete man in Hermagor die Sektion Gailtal des damaligen Deutsch-Österreichischen Alpenvereins und man begann eine Idee umzusetzen. „Diese begann damit, Wanderwege in der Gegend herzustellen und zu markieren, eine Unterkunftshütte auf dem Nassfeld zu errichten und die Garnitzenklamm bei Möderndorf zu erschließen“, so Rogy.

Man arbeitete intensiv an dem Vorhaben. Ab 1891 konnte man die Klamm dann auf einer Länge von etwa zwei Kilometern auf markierten Wanderwegen, Stegen und auch Brücken begehen.

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Aussichtswarten nach Landespräsidenten-Paar benannt
Bei zwei Wasserfällen waren Aussichtswarten errichtet worden. Als im August 1891 der damalige k.k. Landespräsident von Kärnten, Franz Freiherr von Schmidt-Zabiérow, und seine Frau Ida im Zuge einer Reise durch das Gailtal in Hermagor Aufenthalt nahmen, ließen sie es sich nicht nehmen, auch der neu erschlossenen Garnitzenklamm einen Besuch abzustatten: „Bei dieser Gelegenheit wurde die Klamm gleich hochoffiziell eröffnet. Der Eingang zur Klamm war für den hohen Besuch aus Klagenfurt festlich geschmückt worden. Begleitet wurden sie bei einem Gang durch die Klamm von den Klängen einer Musikkapelle. An den beiden Aussichtspunkten wurden mit Zustimmung der beiden Namenspaten Tafeln mit den Aufschriften Ida- bzw. Franzenswarte enthüllt.“

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Gailtalbahn führte zu touristischer Erschließung
1894 wurde dann die Gailtalbahn eröffnet und damit war Hermagor auch für Touristen gut erreichbar, so Rogy: „Nun konnte man auch von Klagenfurt einen Tagesausflug nach Hermagor machen und der Garnitzenklamm einen Besuch abstatten. Jetzt begann man auch verstärkt die Werbetrommel für einen Besuch der Klamm zu rühren.“

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Abschnittsweise Erkundungen möglich
Wer der Garnitzenklamm einen Besuch abstatten will, sollte sich vorher gut informieren. Es gibt vier Abschnitte. Die Abschnitte 1 und 2 sind problemlos zu erwandern. Für Abschnitte 3 und 4 sollte man aber schon geübter sein. Wer es dann durch die Klamm schafft, kann über die Kühweger Alm oder die Garnitzenalm bis auf das Nassfeld weiterwandern und dort in einer der zwei bewirtschafteten Hütten zur Belohnung einkehren. Die Garnitzenklamm hat noch bis zum 29. September geöffnet, bevor es dann in die Revisions- und Winterpause geht.
12.09.2025, red, kaernten.ORF.at
Die Geschichte der Garnitzenklamm
 

josef

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#48
„Kennst du Kärnten“
Die Pferdeeisenbahn von Pischeldorf
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Im 19. Jahrhundert gab es eine „Eisenbahnlinie“ vom Raunachmoos nach Pischeldorf (Gemeinde Poggersdorf), eine Strecke von exakt 5,2 Kilometern. Aber es war eine außergewöhnliche Bahnstrecke, denn keine Lokomotive, sondern Pferde waren unterwegs. Sie transportieren Torf als Brennstoff für die Nothburga-Eisenhütte.
Online seit heute, 5.59 Uhr
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Historiker Markus Böhm vom Geschichtsverein für Kärnten: „Damit die Pferde nicht stolperten, waren die Schwellen längs ausgerichtet. Die Trasse verlief über Annamischl entlang der nördlichen Flanke des Hammerberges. Wer genau schaut, kann im Wald noch heute Reste der Trasse entdecken.“

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Torfziegel für Eisenhütte
Auf dieser Feldbahn seien Torfziegel transportiert worden, die in der Stahlerzeugung gebraucht wurden. Der Torfabbau war damals ziemlich schweißtreibend: „Den Torf haben die Arbeiter damals händisch abgebaut, dann wurde er in Ziegelform gebracht. Jedes Zweierteam schaffte pro Tag ca. 5.000 Torfziegel. Die Ziegel wurden im überdachten Stellagen drei Monate lang Luft getrocknet und später im Werk nochmal bei Wärmezufuhr“, so Böhm.

Markus Böhm
Verweserhaus bei Pischeldorf

Zielbahnhof der Pferdebahntrasse war die Nothburga Eisenhütte. „Deren Verweserhaus steht noch immer bei Pischeldorf knapp vor der Gurk-Brücke direkt an der Straße. Graf Ferdinand Egger hatte das ehemalige Hammerwerk Freudenberg umbauen lassen und dann nach seiner Gattin Nothburga benannt. 1886 ging der Betrieb an die Freiherren Ferdinand und Karl von Helldorff.“

Spuren des Abbaus
38 Jahre lang sei in dieser Eisenhütte gearbeitet worden, so Böhm. Die Torfziegel seien verwendet worden, um die Anlage zu befeuern. „Laut Schätzungen wurden in den fast vier Jahrzehnten zwischen 580.000 und 850.000 Kubikmeter Torf abgebaut.“ Das ist so viel, dass man die Spuren dieses Abbaus noch heute deutlich erkennen kann: „Schauen Sie sich doch einmal ein Luftbild von Raunachmoos an. Darauf erkennt man noch deutlich die rechteckigen Abbauflächen.“

Das Raunachmoos war ein urzeitlicher Opferplatz. So haben die Torfstecher im Moor auch viele spannende Objekte gefunden. Darunter waren zum Beispiel ein Schwert, Beile oder Nadeln. Die Gegenstände wurden damals dem Geschichtsverrennen für Kärnten übergeben und gingen dann in den Bestand des Landesmuseums über."
16.10.2025, red, kaernten.ORF.at
Die Pferdeeisenbahn von Pischeldorf
 

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#49
„Kennst du Kärnten“
Als St. Ulrich in Frankreich lag
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Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die kleine Gemeinde St. Ulrich im Norden von Feldkirchen aufgrund der Grenzziehung zwischen Österreich und Frankreich von besonderen Herausforderungen geprägt. Die ungewöhnliche Lage führte zu alltäglichen Erschwernissen für die Bewohner, die ihre Felder und Einkäufe häufig in Frankreich erledigen mussten.
Online seit heute, 6.04 Uhr
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Die Jahre 1809 bis 1813 waren eine mehr als außergewöhnliche Zeit für Kärnten, ganz besonders für die kleine Pfarrgemeinde St. Ulrich, so Historiker Wilhelm Wadl vom Geschichtsverein für Kärnten: „Ein ganz spannendes Thema sind die Grenzprobleme, denen die St. Ulricher ausgesetzt waren, denn sie lagen ja schon seit josefinischer Zeit an der Kreisgrenze zwischen Villacher und Klagenfurter Kreis und das bedeutete, dass 1809 die Grenze zwischen Frankreich und Österreich unmittelbar am Dorf vorbeiführte.“

Felder plötzlich auf französischem Gebiet
Viele von ihnen hatten in der damals landwirtschaftlich geprägten Gegend Felder, die durch diese Grenzziehung plötzlich nicht mehr auf österreichischem Gebiet, sondern in Frankreich lagen, so Wadl: „Und die St. Ulricher, wenn sie auf ihr Feld fuhren, mussten sehr oft nach Frankreich fahren. Und wenn sie einkaufen gingen, mussten sie auch nach Frankreich fahren, denn Feldkirchen lag in Frankreich und das Dorf St. Ulrich nördlich davon in Österreich.“

Bis ins Jahr 1813 blieb die Situation unverändert – das Ende der französischen Besatzungszeit markierte schließlich einen Wendepunkt. In dieser Zeit erlangte der kleine Ort St. Ulrich eine besondere Bedeutung, die bis heute nachwirkt, erzählte Wadl: „St. Ulrich, ein Bauerndorf in früherer Zeit mit ungefähr 15 Bauernhöfen und einigen Keuschen. Mittendrin auf einem steilen Hügel die Ulrichskirche, die man schon von Weitem über dem Dorf thronen sieht.“

Der Heilige, der Geschichte schrieb
Der heilige Ulrich war einer der populärsten Heiligen im Mittelalter. Er war 50 Jahre lang Bischof von Augsburg und soll ein kämpferischer Mann gewesen sein. „Er war schließlich auch an der Schlacht am Lechfeld im Jahr 955 beteiligt, durch die die Ungarn endlich aus Mitteleuropa hinausgedrängt wurden und keine Überfälle mehr machten.“

Ihm zu Ehren gibt es in Kärnten zahlreiche Kirchen, wie eben St. Ulrich nördlich von Feldkirchen. „St. Ulrich ist insofern etwas ganz Bemerkenswertes, als es in historischer Zeit ein Zweikirchendorf war. Zwei Institutionen haben sich da gematcht, um die Kirchenrechte in einem und demselben Ort.“ In St. Ulrich unterstand die Pfarrkirche über Jahrhunderte dem Kloster Ossiach. Am südlichen Dorfrand habe es zudem die Katharinenkirche gegeben, bei der es sich vermutlich um eine adelige Eigenkirche gehandelt habe.

Neben ihrer geistlichen Bedeutung spielte die Kirche in St. Ulrich auch eine zentrale Rolle im Schutz der Bevölkerung, so Wadl: „Als eben in den 1470er Jahren die Türken aus dem Gurktal über den Zammelsberg von Norden auf St. Ulrich kamen und die Bevölkerung sich eben in der Wehrkirche verschanzte.“

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Kirche in St. Ulrich

St. Ulrich auch als Namensgeber
Trotz seiner geringen Größe war St. Ulrich in früheren Jahrhunderten von beachtlicher Bedeutung – so sehr, dass es sogar namensgebend für ein Gericht war, „das im 16. Jahrhundert von Landgericht Kraig zum Landgericht Glanegg wechselte. In St. Ulrich befand sich auch ein Amtsmann des Klosters Ossiach, denn Ossiach war der einzige Grundherr des Dorfes. Alle Bauern unterstanden diesem Benediktinerkloster und die Ossiacher Mönche waren auch jahrhundertelang die Pfarrer von St. Ulrich“, so Wadl.

Heute ist St. Ulrich ein beliebter Zuzugsort. „Leider ist es in St. Ulrich ähnlich wie in vielen anderen Dörfern, die durch starken Zuzug geprägt sind, dass das örtliche historische Bewusstsein sehr darunter leidet und viele Zuwanderer eigentlich wenig Ahnung von der historischen Vergangenheit des Ortes haben, den sie dauerhaft bewohnen“
22.10.2025, red, kaernten.ORF.at
Als St. Ulrich in Frankreich lag
 

josef

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#50
„Kennst du Kärnten“
Als es in Klagenfurt einen Bärenzoo gab
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Wenn man in Klagenfurt den Namen Prechtl nennt, erinnern sich viele an ihre Kindheit und Jugend. Denn der Name Prechtl stand für Kino, Vergnügungsparks mit Autodrom & Co. Allerdings begann alles ganz anders, nämlich mit einem von Hermann Prechtl geplanten Wildtierzoo in Klagenfurt. Die Pläne führten später zum Bärenzoo der Familie Prechtl.
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Hermann Prechtl stammte aus einer Salzburger Schaustellerfamilie, die Zeit ihres Lebens auf Jahrmärkten unterwegs war. Prechtl selbst war für seine exotische Tierschau bekannt. Ab dem Jahr 1925 quartierte er sich im Winter mit seinen Tieren in dem von ihm erworbenen Gasthof Kalter Keller am Klagenfurter Kreuzbergl ein. Dort spielte er dann mit einer Idee, erzählte Roland Bäck vom Geschichtsverein für Kärnten: „Nämlich mit der Idee eines dauerhaften Tiergartens am Kreuzbergl in Klagenfurt. 1936 gelangte schließlich eine Zeitungsmeldung, dass in Klagenfurt ein Tiergarten geplant sei, sogar bis in den Stadtrat von Graz.“

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Die Bärengasse am Klagenfurter Kreuzbergl erinnert an den Bärenzoo

Pläne für einen städtischen Tierpark
Das steirische Veterinär- und Marktamt, das für den steirischen Zoo Rosenhain in zuständig war, wollte sich diese Chance nicht entgehen lassen und übermittelte an Klagenfurt gleich eine Liste mit abzugebenden Tieren, sagte Bäck: „Darunter befanden sich zum Beispiel auch Raubtiere. Weiter gedieh dieses Projekt aber vorerst nicht.“

Prechtl wollte aber die Möglichkeit, einen Zoo in Klagenfurt zu errichten, nicht so einfach ziehen lassen. „1937 sprach der Inhaber der Tierschau Prechtl wieder beim Bürgermeister der Stadt Klagenfurt, Adolf Wolf, vor. Er schlug, ausgehend von seiner fahrenden Tierschau, einen städtischen Tierpark mit einheimischen Wildtieren, Wassergeflügel und diversen Exoten als besondere Attraktion vor.“

Stadt verwies auf finanzielle Grenzen
Der damalige Klagenfurter Bürgermeister forderte aber Details, nämlich den genauen Lageplan des Zoos, die Kosten der Tierpflege und wie hoch die Einnahmen mit so einem Zoo für die Stadt wären, sagte Bäck: „Wolf stand dem Projekt nicht negativ gegenüber, er sah jedoch die finanziellen Grenzen der Stadt.“

Denn die Stadt hatte erst kurz zuvor, neben anderen Projekten, in eine Staumauer und in das Forstsee-Kraftwerk investiert. „Prechtl vermutete hingegen eine Intrige der Beamtenschaft im Rathaus gegen ihn“, sagte Bäck. Und damit dürfte er gar nicht so weit daneben gelegen haben.


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Der Schrotturm wurde vor dem 2. Weltkrieg vom Klagenfurter Bürgermeister Adolf Wolf erworben

Vermutungen über Eigeninteressen
Der Klagenfurter Bürgermeister hatte 1927 privat den Schrotturm am Wörtherseeufer erworben und ihn zum Aussichtsturm umgebaut. Dazu errichtete er das legendäre Restaurant zur Schrottenburg. Außerdem gründete Bürgermeister Wolf 1936 die Wörthersee-Sportfeste-AG (WÖSPAG).
Könnte es sein, dass er für seine Projekte keine Konkurrenz auf der anderen Seite des Kreuzbergs haben wollte, fragt Bäck: „Diese Frage muss unbeantwortet bleiben.“ Doch aus dem Zoo für Klagenfurt wurde vielleicht deshalb vorerst nichts.

Bärenzoo 1969 gegründet
Anknüpfend an die Idee von Hermann Prechtl gründete Wilhelm Prechtl dann 1969 den Klagenfurter Bärenzoo auf dem Kreuzbergl. Die Tiere waren in einer großen Käfiganlage im östlichen Bereich des Kreuzbergls untergebracht. „Prechtl setzte damit eine sehr lange Familientradition fort, denn zuvor tourte die Familie jahrelang mit Bären-Dressuren durch Europa.“

Die Bären auf dem Kreuzbergl entwickelten sich kurzfristig zu wirklichen Stars von Klagenfurt, sagte Bäck: „Gezeigt wurden Braunbären, Eisbären, Kragenbären, Lippenbären, ein Malaienbär und als besonders seltene Art eine der größten Bärenarten der Welt, die Kodiakbären Hansl und Gretl, die sogar Junge bekamen.“

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Das Betriebsgelände Prechtl in der Kellerstraße, gegenüber befand sich am Waldrand der Zoo

Aus für den Bärenzoo im Jahr 1984
Vis-à-vis beim Gasthof Kalter Keller auf dem Kreuzbergl lebten die rund 100 Tiere der rollenden Zooshow von Hermann Prechtl. Die Kosten wurden aber immer mehr, die Besucher zahlen weniger, die Stadt zog ihre Unterstützungsabsichten zurück. „Das besiegelte das Aus für den Klagenfurter Bärenzoo und damit auch ein Stück Klagenfurter Geschichte.“

Die Tiere wurden in einen Zoo nach Spanien und in einen Safaripark nach Holland gebracht. Das Gehege am Kreuzbergl wurde 1984 abgebaut, der Gasthof weggerissen. An ihn erinnern heute noch die Tiergarten-, die Bären- und die Tigergasse am Kreuzbergl.
red, kaernten.ORF.at

Link:
Die Geschichte des Kreuzbergls (kaernten.ORF.at; 19.7.2023)
Als es in Klagenfurt einen Bärenzoo gab
 

josef

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„Kennst du Kärnten“
Der geheimnisvolle Garten von Damtschach
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Der Garten von Schloss Damtschach bei Wernberg ist ein ganz besonderer Ort, er steht sogar unter Denkmalschutz. Der Landschaftsgarten, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde, gehört zu den bedeutendsten Gartenanlagen Kärntens.
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Das Schloss Damschach präsentiert sich als mächtiger Bau inmitten der Gemeinde Wernberg und stammt im Kern aus dem frühen 16. Jahrhundert. Seit 1847 ist es in Besitz der Familie Orsini-Rosenberg. Zuvor war aber die Familie Jöchlinger von Jochenstein im Besitz der Anlage und aus dieser Familie geht eine besonders schillernde Persönlichkeit namens Felix Freiherr von Jöchlinger hervor, so Historiker Peter Wiesflecker.

„Eine schillernde Persönlichkeit, die nicht so recht auf ein beschauliches Landschloss zu passen schien. Er war ein wilder Geselle, ein Prachtexemplar von einem Mann, scheute keine Gefahr und nahm sich vom Leben was er wollte. Er kannte keine Schranken, war rücksichtslos. Die Frauen flogen ihm nur so zu, sollte später einmal ein Familienmitglied über ihn berichten.“

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Schloss Damtschach

Dessen war sich auch der Freiherr zu Lebzeiten bewusst, was er auch in seinem Testament vermerkte: „Doch dies war nur die eine Seite. Zugleich war er ein Mann auf der Höhe seiner Zeit, mit einem außergewöhnlich guten Geschmack. Einige Möbel aus seinem Besitz haben sich erhalten und sie beeindrucken bis heute mit ihrer unaufdringlichen Eleganz.“

Im englischen Stil angelegt
Zudem setzte sich Jöchlinger mit der Erschaffung der Gartenanlage beim Schloss Damtschach ein Denkmal: „Er ließ den Garten im englischen Stil anlegen, mit der Gartenmauer und der Ruine, die im Stil der Romantik damals jedes Gartenkonzept beinhaltete, fanden Spolien aus der ehemaligen Burg Aichelberg Verwendung. Brücken, Stege, ein Aquädukt und ein Badehaus sollten die Anlage vervollständigen.“


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Grabstein von Wolfgang Felix Jöchlinger von Jochenstein

Viel Zeit und Geld in Garten investiert
Der Freiherr investierte nicht nur viel Zeit, Arbeit und Leidenschaft in sein Gartenprojekt, so Wiesflecker: „Sondern auch beträchtliche Mittel. Sein Nachlassinventar führt die Pflanzen an, die er für seinen Garten erworben hatte. Der große Aufwand, mit dem Felix Jöchlinger die Gartenanlage geschaffen und betreut hat, ließen seine Nachkommen, aus welchen Gründen auch immer, dieser über Jahrzehnte nicht mehr zukommen.“
Seine drei Töchter, die zu gleichen Teilen Besitzerinnen des Schlosses waren, ließen den Garten eher verwildern. Auch ihre Kinder zeigten wenig Interesse an der aufwendigen Gartengestaltung: „Erst in den 1930er Jahren konnte Jöchlingers Urenkel Felix Orsini-Rosenberg die Anteile der einzelnen Miteigentümer ablösen. Unter seinem Sohn, dem Architekten Felix Orsini-Rosenberg und dessen Frau Brigitte wurde die Gartenanlage gegen Ende des 20. Jahrhunderts wiederhergestellt.“

Biedermeierliche Gartenarchitektur
So steht heute der Park von Schloss Damtschach sogar unter Denkmalschutz: „Er ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der biedermeierlichen Gartenarchitektur in Kärnten.“ Neben dem Garten zeugt auch noch die Grabstätte von Wolfgang Felix Freiherr von Jöchlinger vom Wirken des Aristokraten. Mit ihm endete 1846 die männliche Linie seines Hauses. „Der ihm gesetzte Grabstein am Friedhof von Damtschach teilt dies bis heute mit. Die darauf angebrachte Inschrift hatte Felix Jöchliner im Übrigen selbst verfasst.“ Sie lautete „Der Letzte seines Namens und Stammes, einer alten Deutschen Familie.“
23.11.2025, red, kaernten.ORF.at
Der geheimnisvolle Garten von Damtschach

Fortsetzung der Serie "KENNST DU KÄRNTEN" siehe ORF-Berichte über außergewöhnliche, mystische und historische Orte sowie Bauwerke in Kärnten - Teil 3
 
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