Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen

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Diver

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#1
Das UNESCO Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen erstreckt sich über sechs Länder rund um die Alpen. Österreich ist mit fünf Pfahlbaustationen in Kärnten und Oberösterreich Teil dieses Welterbes.

Bei den Datei-Anhängen handelt sich um gescannte Postkarten (Impressum:Kuratorium Pfahlbauten) und anbei sind die dazugehörigen Bildbeschreibungen:

Bild1: Archäologin beim Vermessen inder UNESCO Welterbestation Abtsdorf I

Bild2: Damit die Dendrochronologie - so nennt sich diese Technik - eine Probe auswerten kann, müssen genügend Jahresringe für einen Vergleich mit vielen anderen Proben vorhanden sein.

Bild3: Die Experimentalarchäologie ist ein spannender Teilbereich der Archäologie. Dabei werden in wissenschaftlichen Versuchen, hier ein Bronzeguss, Einblicke in urgeschichtliche Herstellungsprozesse erlangt.

Bild4: Gedörrte Äpfel aus der Steinzeit, die sich durch die Überdeckung mit Wasser erhalten konnten.

Bild5-6: Broschüre des "Palafittes Guide"

Quellen und weitere Informationen:

http://www.palafittes.at/
http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4historische_Pfahlbauten_um_die_Alpen
http://www.bmukk.gv.at/ministerium/vp/2011/20110627.xml
http://www.wegmarken.at/2013/02/wegmarkentalk-cyril-dworsky.html

Lg. Thomas
 

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Diver

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#2
Habe gestern einen interessanten Vortrag in NHM über Pfahlbauten besucht.
Zitiere die Info-Broschüre die ich hierüber erhalten habe:

UNESCO - Welterbe
Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen


Ein neues Welterbe im Salzkammergut!

Österreich hat seit 2011 mit fünf urgeschichtlichen Pfahlbausiedlungen am Mondsee, Attersee (Beide OÖ) und Keutschacher See (K) ein neues UNESCO - Welterbe.
Insgesamt bilden 111 Fundstellen verteilt auf sechs Länder (Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Schweiz und Slowenien) gemeinsam das UNESCO - Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen.

Warum wurden die Pfahlbauten UNESCO - Welterbe?


Normalerweise verrotten und zerfallen im Laufe von tausenden Jahren die meisten Spuren eines urgeschichtlichen Alltags. Nur bei außergewöhnlichen archäologischen Fundplätzen können sich die Dinge des täglichen Lebens erhalten.
Unter Wasser in Seeböden oder in der durchfeuchten Umgebung von Mooren können jedoch besonders vergängliche Materialien, wie Holz, Textilien und Nahrungsreste erhalten bleiben.
In den Pfahlbausiedlungen finden wir die Holzkonstruktionen der ehemaligen Häuser, Werkzeuge aus Holz, Bein und Geweih, Behälter aus Bast und Rinde, ganze Boote, Reste von Nahrung und noch viel mehr seltener Funde die einen vielfältigen Einblick in das damalige Leben der BewohnerInnen gewähren.
Pfahlbausiedlungen sind eine unschätzbare Quelle an äußerst seltenem archäologischem Fundmaterial und wurde darum als besondere Auszeichnung zum UNESCO - Welterbe ernannt.

Warum sind manche Pfahlbausiedlungen Welterbe und andere nicht?


Von den ca. 30 bekannten Pfahlbaustationen in Österreich wurden drei Fundorte in Litzlberg und Abtsdorf im Attersee, die Station See im Mondsee und der Pfahlbau vom Keutschacher See in Kärnten als Welterbestätten ausgezeichnet. Nach der Station See im Mondsee wurde eine wichtige Kulturgruppe der Jungsteinzeit benannt: die Mondseegruppe, die spätestens im 38. Jahrhundert v. Chr. zum ersten Mal in Erscheinung tritt. Im Attersee finden sich besonders wichtige Beispiele von Pfahlbausiedlungen aus der Bronzezeit, beispielsweise die Welterbestätte Abtsdorf I, die ca. in der Mitte des 2.Jahrtausend v. Chr. bestanden hat.
Nicht jede Pfahlbausiedlung ist von ihrer Aussagekraft und aufgrund ihres Erhaltungszustandes gleichermaßen als Welterbestätte geeignet. Der Status eines Welterbes bedeutet sowohl Auszeichnung als auch Aufgabe, denn die Erhaltung der Fundstelle muss garantiert sein.
Manche Pfahlbaustationen befinden sich jedoch in sehr schlechtem Zustand und in gefährdeten Zonen, sodass ihr dauerhafter Schutz schwieriger ist, als bei anderen. Darum wurden sie nicht Teil des Welterbes, bleiben aber als archäologische Fundstellen unter der besonderen Bewahrung des Denkmalschutzes des Landes.

Warum sieht man so wenig vom Pfahlbau-Welterbe?

Die meisten Pfahlbausiedlungen standen bei ihrer Erbauung an den Ufern der Seen und nicht im Wasser. Erst durch einen Anstieg des Wasserspiegels verschwanden sie in den Fluten. Deshalb gehört das Welterbe Pfahlbauten, zu den verstecktesten Welterbestätten die wir derzeit kennen. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten mehr über die Pfahlbauten zu erfahren:

SmartPhone App: Der "Palafittes Guide" ist eine Smartphone - App, die vor Ort erzählt, welche Schätze im Boden oder im Seegrund schlummern. Dieser Audioguide mit vielen Zusatzinformationen erlaubt es, die archäologischen Fundstellen vom Ufer zu entdecken und ist kostenlos im App Store und Android Market verfügbar.

Internet: Informationen über die Geschichte der Pfahlbauten und aktuelle Ereignisse beim UNESCO - Welterbe finden Sie auf www.palafittes.at. Besuchen Sie auch die internationale Website www.palafittes.org und www.facebook.com/ICGPalafittes.

Museen & Heimathäuser: Einen authentischen Eindruck der faszinierenden und hochentwickelten Kultur der Pfahlbauern bietet die örtlichen Museen mit vielen Funden aus der Pfahlbauzeit:

Österreichisches Pfahlbaumuseum in Mondsee
Marschall-Wrede-Platz 1, 5310 Mondsee
Tel.: +43 (0) 6232 2270; info@mondsee.at

Heimathaus Vöcklabruck
Hinterstadt 18, 4840 Vöcklabruck
Tel.: +43 (0) 7672 25249, heimathaus@asak.at

Heimathaus Schörfling am Attersee
Gmundnerstraße 8, 4861 Schörfling am Attersee
Tel.: +43 (0) 7662 2259, info. schoerfling@attersee.at

Die Seen verbergen mehr als man von Aussen sieht...

An den Ufern zahlreicher Seen um die Alpen sind prähistorische Dörfer versteckt. Die ersten Siedler erschienen bereits vor ca. 7000 Jahren südlich der Alpen in der Jungsteinzeit. Ab diesem Zeitpunkt entstand eine rege Siedlungstätigkeit an den Seen, die sich rasch ausbreitete. Viele wichtige Kulturtechniken, wie Ackerbau, die Viehzucht, oder die Verarbeitung von Metallen lassen sich in ihrer Entstehung und Verarbeitung erst durch die Erforschung der Pfahlbauten gut verfolgen.
Das Phänomen der Besiedelung der Seeufer setzte sich durch die Bronzezeit hindurch fort und ist bis in die beginnende Eiszeit zu verfolgen, sodass wir bis heute an die 1000 Siedlungen kennen. Die letzten Pfahlbaudörfer sind wahrscheinlich in der Mitte des 1. Jahrtausend v. Chr. aufgelassen worden.

Was ist das Kuratorium Pfahlbauten?


Zur Betreuung dieses jungen Welterbes in Österreich wurde 2012 das "Kuratorium Pfahlbauten" gegründet und mit dem nationalen Management der UNESCO - Welterbestätten betraut. Im Kuratorium Pfahlbauten sorgen Vertreterinnen und Vertreter des Bundesministeriums für Unterriecht, Kunst und Kultur, der Bundesländer Oberösterreich und Kärnten, sowie der Wissenschaft für die Entwicklung von Strategien und Kontrolle der Ziele des Managements des UNESCO Welterbes. Ebenso ist das Kuratorium Pfahlbauten der nationale Ansprechpartner im Rahmen eines Internationalen Koordinierungsgremiums.

Aufgabe des Kuratoriums Pfahlbauten


.) die Sichtbarkeit und das Erlebnis UNESCO - Welterbe Prähistorische Pfahlbauten zu fördern
.) die Bewahrung der Pfahlbauten für die Nachwelt (als Kulturschatz und für Forschung)
.) Forschungsprojekte zu unterstützen, die uns mit neuen Erkenntnissen, die Geschichte erklären können

Ein Fund - Was nun?

Die Pfahlbauten sind Teil unserer gemeinsamen Vergangenheit. Zwar befinden sich alle bekannten Pfahlbausiedlungen in Tauchverbotszonen, dennoch kommt es immer wieder zu Zufallsfunden im Wasser und am Ufer. Diese Funde sind empfindlich und wichtige Spuren um die Entwicklung unserer Zivilisation zu verfolgen. Archäologinnen und Archäologen sind geschult diese Spuren richtig zu lesen und benötigen Ihre Unterstützung. Jede neue Information kann helfen. Wenn Sie etwas beobachten oder finden, was von archäologischem Interesse sein könnte, dann teilen Sie uns das bitte telefonisch oder per e-Mail mit. Bitte gehen sie jedoch nicht aktiv und eigenständig auf die Suche nach archäologischen Objekten, denn diese spezialisierte Arbeit ist nach dem Denkmalschutzgesetz nur Archäologinnen und Archäologen gestattet.

Ansprechpartner:

Mag. Cyril Dworsky
Kuratorium Pfahlbauten
NHM, Burgring7, 1010 Wien
www.palafittes.at
cyril.dworsky@univie.ac.at
Tel.: +43 (0) 664 8867 2334
Bei den Datei-Anhängen handelt sich um gescannte Postkarten (Impressum:Kuratorium Pfahlbauten) und anbei sind die dazugehörigen Bildbeschreibungen:

Bild1: Matthäus Much (1832-1909) gilt als Entdecker der Mondseekultur. Seine Funde unterschiedlichster archäologischer Objekte bildet einen bedeutenden Teil des Lehrbestandes des heutigen Instituts für Ur- und Frühgeschichte an der Uni Wien.

Bild2:
Die erste Pfahlbausiedlung in Österreich wurde 1864 von Ferdinand Hochstetter im Keutschacher See in Kärnten entdeckt.

Bild3: Bergung des eisenzeitlichen Einbaumes aus dem Wörthersee, Kärnten 2007

Bild4: Sichtbare Reste, aber unter Wasser: Pfähle von Häusern im Keutschacher See

Bild5: Ankerbojen für Segelboote verursachen große Krater im Seeboden, die auch archäologisch bedeutsame Siedlungsschichten großflächig zerstören können.

Bild6: Computeranimationen helfen eine bessere Vorstellung der urgeschichtlichen Dörfer zu bekommen.

Lg.Thomas
 

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josef

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#7
Österr. Pfahlbaumuseum Mondsee

Wer sich tiefer mit dem interessanten Thema beschäftigen will, sollte auch dem "Österreichischen Pfahlbaumuseum" im ehemaligen Kloster Mondsee einen Besuch abstatten!

Dazu einige Fotos aus dem Museum Mondsee:
 

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Diver

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#11
Hallo Josef,

zu deiner Frage ob das Leben wirklich so idyllisch und beschaulich war zitiere ich folgende Informationen aus der Broschüre

"Pfahlbauten " von PALAFITTES - Verein zur Unterstützung der UNESCO -Welterbe Kandidatur < Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen>

Bilder aus der Südsee inspirierten den Historiker Ferdinand Keller und die Künstler des 19. Jahrhunderts zu phantasievollen Lebensbildern von Pfahlbauten
Bild1: Ölbild von Auguste Bachelin 1867
Desweiteren gibt es verschiedene Interpretationen was die Haustypen selber betreffen:

Für die Altertumsforscher des 19. Jahrhunderts war selbstverständlich, dass die teils eng beieinander stehenden Pfähle eine Plattform über dem Wasser trugen, auf der die einzelnen Häuser standen.
Erst die Erkenntnis variierender Seespiegel sowie am Ufer von Kleinseen und in Mooren aufgedeckte Holzböden und Feuerstellen führten im frühen 20. Jahrhundert zur Vorstellung von Uferpfahlbauten und ebenerdig angelegten Dörfern.
Heute kennen wir ganz verschiedene, jeweils dem Standort angepasste Konstruktionen, mit denen die frühen Bauern ihre Siedlungen am Wasser errichteten und- wo nötig- vor gelegentlichen Hochwassern schützen.


Bild2: Wandel der Modellvorstellung :
1884: Plattform im See
1922: abgehobene und ebenerdige Einzelhäuser im Uferbereich
1942: nur Ebenerdige Häuser an Land
2009: diverse Haustypen nebeneinander

Bild3: Modellvorstellungen heute: leicht abgehobene Häuser der Siedlungen
a.) Concise - Sous - Colachoz (Waadt) und
b.) Arbon - Bleiche 3 (Thurgau)
Quelle Text und Bilder:
Broschüre "Pfahlbauten " von PALAFITTES - Verein zur Unterstützung der UNESCO -Welterbe Kandidatur < Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen>

Lg. Thomas
 

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josef

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#13
Längsee in Kärnten - Einbaumfunde

Im Bereich des Strandbades von St.Georgen am Längsee wurde 2011 ein bereits 8 Jahre vorher von einem Hobbytaucher entdeckter Einbaum geborgen und wissenschaftlich untersucht. Nun liegen die Erkenntnisse der Untersuchung vor bzw. wurden zwischenzeitlich weitere Einbäume gefunden. Die Einbäume dienten den Bewohnern der prähistorischen Pfahlbausiedlungen als Fortbewegungsmittel...

Bericht v. 04.10. 2011:
Längsee: Einbaum aus Bronzezeit geborgen
Archäologen der Universität Wien haben einen aus der Bronzezeit stammenden Einbaum aus dem Längsee geborgen. Entdeckt wurde das rund 3.500 Jahre alte Boot bereits vor rund acht Jahren, nun wurde es gehoben, um weitere Schäden zu vermeiden.

Nach Angaben von Otto Cichocki vom Vienna Institute for Archaeological Science (VIAS) der Uni Wien, sind derartige Funde sehr rar. Der Einbaum wird nun in Wien untersucht und konserviert.

Das Boot lag nach Angaben des Wissenschaftlers noch bis vor wenigen Jahren im Bereich des Strandbades St. Georgen tief im Schlamm versteckt. So konnte es die Jahrtausende unbeschadet überstehen. Beim Bau eines Badestegs vor rund 30 Jahren wurde es - noch verborgen im Schlamm - durch einen Pfahl beschädigt.
Durch Erosion wurde der Einbaum allerdings zunehmend freigelegt, in einer Tiefe von vier bis sechs Metern lag es die vergangenen Jahre ohne Schutz im Wasser. Ein Taucher hatte das Relikt dann vor rund acht Jahren entdeckt und den Fund den Behörden mitgeteilt. Um weitere Beschädigungen zu vermeiden, entschloss man sich zur Bergung.
Aus Proben wurde mit Hilfe der C14-Methode ein Alter zwischen 1630 und 1460 v. Chr. ermittelt. Das Boot ist vier Meter lang und rund 60 Zentimeter breit, Bug und Heck sind erhalten. Im Gegensatz zu jüngeren Einbäumen, die meist aus Eichen gefertigt wurden, ist das nun geborgene Boot aus weichem Holz, die Holzart muss aber noch bestimmt werden.


C14-Methode:
Die Radiokohlenstoffdatierung (C14) ist ein Verfahren der radiometrischen Datierung, vor allem von organischem Material. Man kann einen Zeitraum zwischen 300 und ca. 60.000 Jahren bestimmen. In abgestorbenen Organismen finden sich gebundene C14-Atome, deren Menge gemäß dem Zerfallsgesetz abnimmt. Aus der Zahl der Atome kann man dann das Alter bestimmen. (Wikipedia)
Bereits vor einigen Jahren wurde vom Kärntner Landesmuseum ein Einbaum aus dem Längsee geborgen, der allerdings aus dem siebenten nachchristlichen Jahrhundert stammte und damit deutlich jünger war.

Noch ein Einbaum im See
Zudem hat der Taucher, der das nun geborgene Boot entdeckt hat, auch die Überreste eines weiteren, jedoch schlechter erhaltenen Einbaums im Längsee gefunden und gefilmt.
Diese sind laut Cichocki allerdings seit Frühjahr dieses Jahres nicht mehr aufzufinden. Die Wissenschaftler befürchten, dass die Bootsreste von einer Strömung verfrachtet, eher aber illegal geborgen wurden und wollen deshalb Anzeige erstatten.

Reges Leben am See
Angesichts der Boots-Funde gehen die Archäologen von einer „regen menschlichen Aktivität“ in der Umgebung des Längsees aus, auch wenn abgesehen von Einzelfunden noch kein Nachweis einer Siedlung aus diesen frühen Zeiten gelungen ist.

Der Einbaum wird nun an der Uni Wien konserviert, was mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Cichocki hofft, dass das Boot zusammen mit anderen Einbäumen „am besten im hoffentlich bald realisierten Pfahlbaumuseum in Keutschach“ ausgestellt werden kann.

Im Sommer wurden ja 111 prähistorische Pfahlbauten rings um die Alpen zum Weltkulturerbe erklärt. Unter den fünf Fundstellen in Österreich befindet sich der Inselpfahlbau im Keutschacher See in Kärnten.
Quelle: http://kaernten.orf.at/news/stories/2504176/
 
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josef

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#14
Weiterer Bericht zu den Einbaumfunden im Längsee

Dazu aktuell bei ORF-Kärnten:
Längsee
Zwei nicht alltägliche Funde machte ein Hobbytaucher im Kärntner Längsee: Er fand zwei historische Einbäume. Der erste Einbaum, rund 3.500 Jahre alt, ist nun fertig untersucht, er wurde aus Erle gemacht. An der Uni Wien werden die Funde restauriert.

Im unmittelbaren Uferbereich in nur sechs Meter Tiefe fand der Hobbytaucher wie berichtet bereits 2011 Reste eines hohlen Baumes, der über Jahrtausende in Seekreide im Seeboden steckte - mehr dazu in Längsee: Einbaum aus Bronzezeit geborgen (kaernten.ORF.at, 4.10.2011). Unweit der ersten Fundstelle entdeckte der Hobbytaucher rund ein Jahr später einen weiteren Fund - erneut Reste eines Bootsrumpfes. Gemeinsam mit der Universität Wien, dem Landesmuseum, dem Bundesdenkmalamt, Einsatzkräften der Wasserrettung und den Österreichischen Bundesforsten als Eigentümer und Seebetreuer wurden die prähistorischen Fundstücke bei einem Spezialeinsatz geborgen.
Danach wurden die Einbäume nach Wien an das „Vienna Institute for Archaeological Science“ (VIAS) der Universität Wien überstellt, wo sie seitdem untersucht und detailgetreu restauriert werden, was mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Die Bundesforste unterstützen die Restaurierung finanziell, sagt Vorstand Georg Schöppel.

Erster Einbaum bereits datiert
Zur Altersbestimmung wird die so genannte „C14-Analyse“ herangezogen, mit der anhand des Zerfalls von Kohlenstoff 14 Pflanzen- und Holzreste genau datiert werden können. Proben des ersten Einbaumes wurden bereits ausgewertet. Demnach ist das Boot ein Relikt aus der Bronzezeit und wurde vor etwa 3.500 Jahren gebaut, erklärt Otto Cichocki, Paläontologe und Leiter des Bereichs Dendrochronologie an der Universität Wien.

Der Baumstamm sei zwischen 1630 und 1460 vor Christus ausgehöhlt worden. Er ist rund vier Meter lang und 60 Zentimeter breit. Bestimmt werden konnte nun auch die Baumart – eine Erle. Erlen bevorzugen feuchte Standorte an stehenden oder fließenden Gewässern, sagt Bundesforste-Vorstand Georg Schöppl. Ihr Holz wird unter Wasser besonders hart und dauerhaft, früher wurde es häufig als Pfahlholz, aber auch für Wasserleitungen oder Brunnentröge verwendet.

Die Proben des zweiten Einbaums sind noch nicht zur Gänze ausgewertet. Bereits jetzt lässt sich jedoch sagen, dass das zweite Boot aus Tannenholz gefertigt ist.

Aufwändige Konservierung und Restaurierung
Nach der Untersuchung der Funde folgt ein aufwändiger Konservierungsprozess, bei dem die Einbäume zunächst in Becken mit entmineralisiertem Wasser gelagert und entsäuert werden (Osmosebad). Dann müssen die über die Jahrtausende instabil gewordenen Zellwände des Holzes verstärkt werden, da sonst beim Trocknen der Rumpf zerreißen und stark schrumpfen würde.
Ist dieser Prozess erfolgreich beendet, kann mit der langsamen Trocknung begonnen werden, nach deren Abschluss der Bootsrest aus den Teilstücken rekonstruiert und in einem Museum ausgestellt wird. Die Pfahlbauten am Keutschacher See sind bereits 2011 als beispielhafte Fundstellen für den Alpenraum in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen worden.
Text- u. Bildquelle: http://kaernten.orf.at/news/stories/2596695/
 

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josef

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#16
Kleiner Hinweis von meiner Seite, oben am Ledrosee, ca. 20km westl. des Gardasees steht auch ein kleines Pfahldörfchen zum Angucken.
:danke Gerd !

Hier noch ein Querverweis zur Einbaumherstellung am Mondsee im Salzkammergut. Wo diese Wasserfahrzeuge der prähistorischen Pfahlbaubewohner noch bis in die 1920iger Jahre des vorigen Jahrhunderts hergestellt wurden!

lg
josef
 
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josef

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#17
OÖ.: Aktivierung der Pfahlbauforschung

Pfahlbauforschung neu gestartet

In Oberösterreich ist ein großes Archäologieprojekt angelaufen: Die Pfahlbauforschung an den Salzkammergut-Seen wurde neu gestartet. Derzeit ist dazu eine Unterwassergrabung am Attersee im Gange.

Es handelt sich um Vorarbeiten für die Landesausstellung 2020 mit dem Titel „Versunken - Aufgetaucht“ in Seewalchen, Attersee und Mondsee.

Teil des UNESCO-Welterbes
Das Projekt ist von Landeshauptmann Josef Pühringer als Kulturreferent zusammen mit unter anderem der Leiterin der Sammlung Ur- und Frühgeschichte des Oö. Landesmuseums, Jutta Leskovar, in einer Pressekonferenz am Mittwoch in Linz vorgestellt worden. Fünf Jahre lang sollen Archäologen mit einer speziellen Forschungstaucherausbildung am Attersee und am Mondsee die im Flachwasser noch vorhandenen Reste von rund 6.000 Jahre alten Siedlungen untersuchen - sie sind Teil des UNESCO-Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“. Es handelt sich um die erste derartige umfassende Grabung seit fast 30 Jahren. Inzwischen gibt es neue wissenschaftliche Methoden in diesem Bereich.

Taucher im Strandbad Seewalchen im Einsatz
Aktuell sind Taucher an der Grube vor dem Sprungturm des Strandbades in Seewalchen im Einsatz. Der Turm mit Zehn-Meter-Brett wurde 1959 gebaut. Die dort vorhandenen zwei Meter Wassertiefe waren allerdings zu wenig. Deshalb wurde eine Grube ausgebaggert - mitten in eine der prähistorischen Siedlungen am See. Seither rutscht immer wieder archäologisches Material von den Seitenkanten in die Grube. Diese wird deswegen regelmäßig neu ausgebaggert.

Verschalung soll gesichert werden
Mit der Ausgrabung soll einerseits die Umgebung der Grube erforscht und andererseits diese mit einer Verschalung gesichert werden, um die Erosion aufzuhalten. Seit Anfang Oktober saugen Taucher den abgelagerten Schlamm am Seeboden ab und bergen Fundstücke. Anders als bei Ausgrabungen am Land fällt dabei viel organisches Material an: Holz, Geweih, Nahrungs- und Pflanzenreste sowie Textilien. Sie haben sich in der Feuchtigkeit im See jahrtausendelang erhalten. Nach ihrer Bergung muss sofort die Austrocknung verhindert werden. Sie werden nass, bei zehn Grad Celsius und dunkel gelagert, bis sie konserviert werden können.

Diese Funde beantworten Fragen über den prähistorischen Alltag: Was ist damals gewachsen, welches Klima herrschte, womit haben sich die Menschen ernährt? Die Holzpfähle der Häuser können obendrein mittels Dendrochronologie, also anhand der Jahresringe im Holz, datiert werden.

Umwelt- und Besiedelungsgeschichte
Darüber hinaus werden auch in einem auf mehrere Jahre angelegten Programm Siedlungen im Hinterland der Seen von mehreren wissenschaftlichen Disziplinen gemeinsam untersucht, um die Umwelt- und Besiedelungsgeschichte im oberösterreichischen Alpenvorland im 4. Jahrtausend vor Christus zu erforschen. Dabei wird es neben Ausgrabungen auch Luftbildarchäologie, die Auswertung von Sedimentproben sowie den Einsatz von Bodenradar mit neuester Technologie geben.

Zahlreiche Universitäten beteiligt
An der Pfahlbauforschung sind neben dem Landesmuseum unter anderem die Universitäten Wien und Innsbruck sowie die Uni für Bodenkultur in Wien, das Naturhistorische Museum und das Kuratorium Pfahlbauten sowie die betroffenen Gemeinden beteiligt, deren Bevölkerung laufend durch eine intensive Informationsarbeit in das Vorhaben eingebunden werden. Die wissenschaftliche Leiterin des Landesmuseums, Gerda Ridler, bestätigte auf Anfrage, dass es sich um eines der größten archäologischen Projekte in Oberösterreich seit Langem handle. Die Forschungen würden derzeit auch durch die 2018 geplante Landesausstellung unter dem Motto „Welterbe Donaulimes“ befeuert.
Text u. Foto: http://ooe.orf.at/news/stories/2736877/
 

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josef

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#18
Kärnten: Prähistorische Pfahlbauten am Keutschacher See in Gefahr

Prähistorische Pfahlbauten in Gefahr

Die 6.000 Jahre alten versunkenen Pfahlbauten im Keutschacher See sind UNESCO-Weltkulturerbe. Sie sollen nun durch optische Schutzzonen gesichert werden, denn Schwimmer, Taucher und Fischer gefährden die Siedlung.

Die neue Schutzzone rund um die versunkene Welt im See wurde aus einer Bojenkette gebildet, die weithin erkennbar ist. Lieselore Meyer vom Kuratorium Pfahlbauten in Kärnten sagte, das unsichtbare Welterbe werde dadurch sichtbar gemacht, denn die Pfahlbauten seien teilweise in der Seekreide.

Angeln verboten
Das Sichtbarmachen der Dorfruine in ca. zwei Meter Tiefe ist nur ein Grund für die Bojenkette. Die Sicherheit des empfindlichen Welterbes ist der zweite Grund für die Absicherung. Der markierte Bereich soll nämlich jetzt Schwimmer, Fischer und Boote abhalten, die eine Gefahr für die Pfahlbauten darstellen, so Meyer. Der Platz sei bei Fischern beliebt, weil sich die Zander dort auch gerne aufhalten. Die Haken der Fischer könnten sich in den Pfählen verfangen und sie weiter herausziehen. „Was herausgezogen wird, das wird mit der Zeit abgeschwemmt und geht verloren“, so die Expertin.

Fische nutzen Untiefen zum Laichen
Ein Problem für die Pfahlbausiedlung konnte aber trotz Bojen und Informationstafeln bisher noch nicht gelöst werden: jenes mit den Fischen. Denn manche suchten sich die Untiefe bei den versunkenen Häusern als Laichplätze aus. Um Abzulaichen tragen sie die schützende Schlammschicht ab und fördern so die Zerstörung, so Meyer. Man berate mit Experten, wie man die Fische dort wegbekommen könnte. Eine Lösung für das Problem mit den Fischen gibt es aber noch nicht.
Text u. Bilder: http://kaernten.orf.at/news/stories/2769459/
 

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josef

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#19
Keutschach: Museum für prähistorische Pfahlbauten geplant

Museum für prähistorische Pfahlbauten

Auf dem Grund des Keutschacher Sees liegt eine 6.000 Jahre alte Pfahlbausiedlung, nun soll sie für Besucher erlebbar werden. Schon im nächsten Jahr sind in einer ersten Phase drei Ausstellungsgebäude geplant.

Auf dem Grund des Keutschacher Sees befinden sich die Überreste einer jungsteinzeitlichen Pfahlbausiedlung. Entdeckt wurde die 6.000 Jahre alte Siedlung bereits 1864, seit 2011 ist sie auch Teil des UNESCO-Welterbes. Nun soll die nicht einsehbare Fundstätte auch für Besucher besser erlebbar werden. Dazu wurde ein internationaler Ideenwettbewerb ausgeschrieben, 32 Projekte wurden eingereicht.

Sieger wurde ein dreiköpfiges Architektenteam aus Oberkärnten und Salzburg, das Vorhaben wurde Donnerstagabend dem Gemeinderat vorgestellt. Drei Grundstücke am östlichen Ufer des Keutschacher Sees werden in das Projekt eingebunden: ein naturbelassenes Seegrundstück, das Strandbad mit seiner vorgelagerten Halbinsel und das sich nach Osten ausbreitende Ramsar Moor. 650.000 Euro soll das gesamte Projekt kosten.

Wissenspfad am See
Auf dem Seegrund sind entlang eines Steges drei Ausstellungsgebäude mit Fund- und Ausgrabungsstücke geplant, errichtet werden sie mit einer der ältesten Handwerkstechnik, dem Weidenflechten.

Themen der Ausstellung werden die prähistorische Pfahlbauten und die Lebensweise der damaligen Menschen sein. Endpunkt dieses „Wissenspfades“ soll ein Steg in den See sein, mit Blick auf die markierte Fundstelle der ehemaligen Pfahlbausiedlung, der Baubeginn ist bereits für das nächste Jahr geplant.

„Kein Pfahlbauten-Disneyland“
Im angrenzenden Strandbad plant die Gemeinde Bauten mit Bezug auf das Thema Pfahlbau im und am Wasser. Die Details werden gerade ausgearbeitet, geplant sind unter anderem Pfähle im Wasser. Eine Rekonstruktion der Siedlung werde es aber nicht geben, sagt Tourismusleiter Stefan Meisterle. Schon aus wissenschaftlichen Gründen, denn noch sei nicht klar, wie die 6.000 Jahre alte Siedlung genau ausgesehen haben könnte. „Ein Pfahlbauten-Disneyland wird es nicht geben“, so der Tourismusleiter.

Bootsfahrten und Erlebnisspielplatz
Auch die vorgelagerte Halbinsel und das Ramsar Moor sollen in das Gesamtprojekt eingebunden werden, zum Moor sind für die Besucher etwa Bootsfahrten geplant. 2017 wird am benachbarten Rauschelesee außerdem ein Pfahlbau-Erlebnisspielplatz für Kinder eröffnet.

Realisiert werden soll das Vorhaben mit dem Land, die einzelnen Projekte werden derzeit vom Architektenteam erarbeitet und müssen dann noch vom Keutschacher Gemeinderat beschlossen werden. „Es geht darum, dass die nicht einsehbare Fundstelle spürbar und erlebbar wird“, sagt der Keutschacher Bürgermeister Karl Dovjak. Die Ausstellung soll das ganze Jahr über kostenlos besucht werden können.

Heuer mussten zum Schutz der prähistorischen Siedlungen optische Schutzzonen am See errichtet werden, denn die Pfahlbauten waren durch Schwimmer, Taucher und Fischer gefährdet.
Text u. Bilder:http://kaernten.orf.at/news/stories/2815046/
 

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