Revolution 1848

Geist

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#1
Hier gibt es eine Karte, in der die Orte der Barrikaden der Revolution von 1848 eingezeichnet sind, tw. mit erklärenden Texten.

1848 - Die vergessene Revolution - Map

Und ein Artikel dazu (Quelle: Die 160 Barrikaden der Revolution - science.ORF.at)

Die 160 Barrikaden der Revolution

Im heurigen Gedenkjahr geht ein Jubiläum fast unter: 1848, das Jahr, in dem es Österreich einmal mit einer Revolution versuchte. Eine neue Ausstellung geht ihren Spuren nach – und zeigt etwa auf einem Onlineplan die 160 Revolutionsbarrikaden in der Wiener Innenstadt.


„Die Revolution von 1848 ist in unserem historischen Gedächtnis kaum oder nur mehr peripher vorhanden, obwohl sie den Beginn unserer demokratischen Gesellschaft darstellt“, sagt die Kuratorin Michaela Maier vom Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung gegenüber science.ORF.at. „Die vergessene Revolution“ heißt dementsprechend die Ausstellung, die Montagabend passenderweise um 18.48 Uhr im Palais Niederösterreich in der Wiener Herrengasse eröffnet werden soll.

Mit Smartphone auf Barrikadenspaziergang
Von Paris ausgehend sprang der Revolutionsfunke vor 170 Jahren auf fast ganz Europa über – auch auf Wien. Neue soziale, liberale und nationale Ideen sorgten für das Feuer, das Metternich und den Kaiser – zumindest kurzfristig - vertrieb. Die Revolutionäre errichteten dabei im Mai 160 Barrikaden in der Innenstadt, dann nochmals im Oktober.


VGA/Sammlung Steiner/AKOÖ
Eduard Ritter: „1. Barrikade, Märzstrasse am 26. Mai 1848“, Lithografie

Für die Ausstellung wurde ein historischer Barrikadenplan in die Gegenwart transferiert. „Wir haben einige dieser Orte, wo sich Barrikaden befanden, aufgesucht und erneut fotografiert“, erklärt der Kunsthistoriker und wissenschaftliche Mitarbeiter Georg Vasold. „Wer heute einen ‚Barrikadenspaziergang‘ macht, kann mit einem Smartphone einen vor Ort befindlichen QR-Code einlesen und sieht zuerst den stadttopografischen Zustand von 1848 und dann den aktuellen Istzustand – denn das Bild am Smartphone wechselt.“

Ö1-Sendungshinweis
Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 3.9., 13:55 Uhr.
Die historischen Darstellungen seien sehr aufschlussreich, sagt Kuratorin Maier: „Nahezu auf jeder sind Frauen abgebildet, Bürgerinnen, aber auch Arbeiterinnen. Sie versorgen die Demonstranten oder aber kämpfen mit Schaufeln und Gewehren.“ Zu sehen sind Teile davon auch in einer Onlinevariante.


VGA/Sammlung Steiner/AKOÖ
Anton Zampis/Johann Nestroy: Aus der Serie „Kleine Episoden aus dem großen Drama: Wien im Belagerungszustand“

Auch Nestroy dabei
Der Barrikadenplan stammt aus der Sammlung Herbert Steiners, des 2001 verstorbenen Gründers des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Erstmals wird in der Ausstellung eine Auswahl dieses Bestandes öffentlich präsentiert.

Er beinhaltet auch viele Karikaturen – etwa Metternich mit langer Nase – sowie Bilder des weitgehend vergessenen Malers Anton Zampis. In der Ausstellung werden auch ein paar Blätter von Zampis gezeigt, für die Johann Nestroy passende Dialoge geschrieben hat. „Von dieser Zusammenarbeit wussten nur ein paar Nestroy-Forscher, den Kunsthistorikern blieb das bisher verborgen. Insofern liefert die Ausstellung auch eine kunsthistorische Neuigkeit“, so Vasold.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at
 

josef

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#2
Die "vergessene Revolution" von 1848 und die Folgen

Die Revolution im Oktober 1848 war eine Mischung aus Reformideen des liberalen Bürgertums und spontaner Wut eines entrechteten Subproletariats
Am Ende stand Wien in Flammen
Nach einwöchiger Belagerung und Beschießung rückten im Oktober 1848 kaiserliche Truppen in die Stadt ein und erstickten die Revolution in Blut. Es gab rund 2.000 Tote, darunter viele Frauen und Kinder. Die zeitgenössischen Zeichner stellten die Vorgänge durchaus realistisch dar: die lodernden Vorstädte, die wüsten Plünderungen, Vergewaltigungen, Morde durch die "Kolonialtruppen" (kroatische Grenzsoldaten), die der Feldherr des Kaisers, Fürst Windischgraetz, gegen die Wiener eingesetzt hatte.

Die Revolution von 1848 war damit erledigt. Sie hatte mit brutalem Militäreinsatz durch Habsburg begonnen und endete mit einem solchen. Am 13. März 1848 demonstrierten tausende vor dem "Landhaus" in der Wiener Herrengasse. Erzherzog Albrecht ließ in die dicht gedrängte Menge feuern. Das erste Opfer war ein jüdischer Student aus Mähren namens Karl Heinrich Spitzer.

Es ging auch um die Emanzipation der Juden bei dieser Revolution, vor allem aber um die Emanzipation der Untertanen vom erdrückenden Feudalsystem und dem Metternich'schen Spitzel- und Unterdrückungssystem. Im Grunde waren es zwei Revolutionen: eine "bürgerliche", der es – wie überall in Europa – um bürgerliche Freiheiten, Volksvertretung, Verfassung, Presse-und Meinungsfreiheit ging. Und eine soziale, proletarische, die eine Änderung der katastrophalen Verhältnisse im Frühkapitalismus und während der frühen Industrialisierung wollte und gleich in einen Maschinensturm übergegangen war. Und um die Befreiung der Bauern von Zehent und Robot (Zwangsarbeit, Anm.), die auch nach Niederschlagung der Revolution blieben.

Gedenkprojekt 2018
1848 ist der Ausgangspunkt des Gedenkprojekts 2018 unter dem Vorsitz von Heinz Fischer, mit gutem Grund: "Republik, Demokratie und Verfassungsstaat sind ebenso direktes Erbe dieses Jahres wie Rede-, Versammlungs- und Medienfreiheit", sagt der Kurator der Ausstellung "1848 – Die vergessene Revolution", Wolfgang Maderthaner, Chef des Staatsarchivs. Allerdings: "Der sogenannte 'Völkerfrühling' der Revolution zeigte allerdings auch erste Momente eines fatalen Nationalismus."

Die Studenten, die die Träger der ersten Welle der Revolution waren, bei der das System Metternich gestürzt und das Kaiserhaus in die Defensive gedrängt wurde, trugen schwarz-rot-goldene Kokarden: Sie wollten eine Verfassung, aber auch eine "deutschnationale" Lösung für die Habsburger-Monarchie. Das ist der Grund, warum die FPÖ sich heute noch auf 1848 beruft. Aber auch die Ungarn, die Tschechen, die Italiener wollten nationale Selbstbestimmung.

Die Ausstellung im Palais Niederösterreich, vormals Landhaus, einfühlsam gestaltet von Hans Hoffer, musste mit relativ geringen Mitteln auskommen . Die meisten Exponate stammen aus der Sammlung von Herbert Steiner, Gründer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Die "vergessene Revolution" war eine Mischung aus Reformideen des liberalen Bürgertums und spontaner Wut eines entrechteten Subproletariats. Im August schoss dann die bürgerliche Nationalgarde auf demonstrierende Arbeiter. Das kurzzeitige Bündnis unterschiedlicher Interessen war zu Ende, die kaiserliche Militärgewalt konnte beiden den Garaus machen. Dennoch war der politisch-soziale Wandel – Ende des absoluten Feudalsystems, Aufstieg des Bürgertums, Emanzipation der Arbeiter – schon vorgezeichnet.
(Hans Rauscher, 4.9.2018)
Die "vergessene Revolution" von 1848 und die Folgen - derStandard.at
 

josef

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#3
1848 - Das Jahr der Revolution
Die Helden der 1848er Revolution

Erste vorbereitende Sitzung des Reichstages in der Winterreitschule in der Wiener Hofburg im Juli 1848, Schwarz-Weiss-Negativ, 1848
© Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Das Jahr 1848 ist im österreichischen Bewusstsein vornehmlich über den Feldherrn der Gegenrevolution Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky verankert. Es gibt in Österreich kein wirkliches Gedenken an die Helden der 1848er Revolution: nicht an den erschossenen Robert Blum oder an den in Abwesenheit zum Tode verurteilten Hans Kudlich, nicht an die hingerichteten Revolutionäre Wenzel Messenhauser und Hermann Jellinek. In Erinnerung geblieben sind die Sieger, der blutjunge Kaiser Franz Joseph und seine Generäle Fürst Windischgraetz, Joseph Graf Jellacic und eben Radetzky.


Hans Kudlich, Lithografie von Eduard Kaiser, 1848
© Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Nicht nur eine Revolution
1848 gab es in Österreich mehrere Revolutionen. Und ihre Ziele waren grundverschieden. Die Revolutionäre in Oberitalien wollten ein unabhängiges Italien, die Ungarn ein eigenes Königreich, es gab Revolutionen in Prag, in Krakau und natürlich in Wien. In den österreichischen Provinzstädten blieb der revolutionäre Eifer sehr bieder, auch wenn man in Linz "tun wollte, was die Wiener tun".
Es gab ein Bündel von unterschiedlichsten Interessen und Zielen: die bürgerliche Verfassungsbewegung, die Bauernrevolten, die Protestwelle der frühindustriellen Arbeiterschaft, die nationalen Befreiungsbewegungen, die Frauenemanzipation.
Die Ziele des liberalen Bürgertums waren die Freiheit der Meinung, die Versammlungsfreiheit, die Budgethoheit und die Unantastbarkeit des Eigentums. Die Bauern wollten die entschädigungslose Streichung ihrer Feudallasten. Die in prekären Verhältnissen lebenden Menschen wollten Beschäftigung, Erhöhung der Löhne, Arbeitszeitverkürzung und Senkung der drückenden indirekten Steuern.


Wiener Oktoberaufstand 1848, Dachbrand der Hofbibliothek und der Augustinerkirche am Josefsplatz, Kolorierte Lithografie, 1848
© Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Das Ende des Feudalzeitalters
Schließlich erreichten nur die Bauern, was sie wollten, nämlich die Aufhebung der Grunduntertänigkeit und damit des Feudalsystems, allerdings nur gegen entsprechende Ablösezahlungen. Die bürgerlichen Ziele, Gleichheit, Mitbestimmung, Wahlrecht, Lehr- und Lernfreiheit, Meinungsfreiheit, wurden zwar festgeschrieben, waren aber im Neoabsolutismus vorerst ausgesetzt und wurden erst viel später verwirklicht. Die Anliegen der Arbeiter, der Nationalitäten, der Frauen wurden hingegen weiter unterdrückt. Doch 1848 bedeutete das formelle Ende des Feudalzeitalters und den ersten Start des Parlamentarismus und der demokratischen Mitbestimmung.


"Im Namen der konstitutionellen Regierung still! Ich werde vorlesen." Eine revolutionäre Kaffeehausszene in Wien, Schwarz-Weiß-Negativ, 3. März 1848
© Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv
1848 : Republik Österreich
© Bundeskanzleramt Österreich 2017 Die Wiedergabe mit Quellenangabe ist vorbehaltlich anderslautender Bestimmungen gestattet.
 
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