Russische „Schattenflotte“

josef

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#1
Frachtschiff „Ruby“ mit 20.000 Tonnen hochexplosives Ammoniumnitrat an Bord irrt seit Tagen durch verschiedene Meere

Explosive Chemikalie an Bord
Irrlichternder Frachter findet keinen Hafen
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Das Frachtschiff „Ruby“ irrt seit Tagen durch verschiedene Meere auf der Suche nach einem Hafen, in dem es anlegen darf. Vier Staaten verweigerten ihm bisher die Einfahrt, denn die „Ruby“ hat rund 20.000 Tonnen hochexplosives Ammoniumnitrat an Bord. Zudem ist das Schiff in unbekanntem Ausmaß beschädigt. Fachleute bringen den Frachter in Zusammenhang mit der russischen „Schattenflotte“, mit welcher der Kreml Sanktionen umgeht.
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Am Dienstag winkte Malta ab: Die „Ruby“ darf nicht anlegen. Das Schiff dürfe nur dann in einen maltesischen Hafen einlaufen, wenn es zuvor seine explosive Fracht entladen habe, teilte die Verkehrsbehörde in Valletta mit. Die Behörde wies die Crew an, das Ammoniumnitrat auf keinen Fall innerhalb maltesischer Hoheitsgewässer umzuladen. Somit geht die Odyssee des Frachters auch nach Tagen mit unbekanntem Ziel weiter.

Die „Ruby“ war ursprünglich von der nordrussischen Halbinsel Kola in See gestochen. Unter unklaren Umständen zog sie sich kurz nach dem Verlassen des russischen Hafens Schäden am Rumpf zu, fuhr jedoch weiter. Nach Wochen im norwegischen Tromsö wurde das 183 Meter lange Schiff wegen der riskanten Ladung des Hafens verwiesen.

Als Zielort für eine Reparatur galt zunächst der Hafen Klaipeda in Litauen – aber die Behörden des baltischen EU-Staates verweigerten die Einfahrt ebenso wie der schwedische Hafen Göteborg, die dänischen Behörden wollten sogar eine Durchfahrt durch ihre Gewässer nur unter Auflagen genehmigen. Am Montag nahm das Schiff schließlich Kurs auf Malta, wo es am 8. Oktober eintreffen sollte, wie aus Onlineangaben der Trackingdienste Vesselfinder und Marinetraffic hervorgeht. Dort holte es sich die nächste Absage.

Ammoniumnitrat zerstörte Hafen von Beirut
Der Weg des Frachters war wegen seiner Ladung von mehreren Anrainerstaaten der Nord- und Ostsee in den vergangenen Tagen genau verfolgt worden. Ammoniumnitrat ist ein Düngemittel, kann aber auch für die Sprengstoffproduktion verwendet werden. Die Chemikalie gilt als Auslöser der Katastrophe im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut im August 2020, wo über Jahre große Mengen unsachgemäß im Hafen gelagert worden waren. Mehr als 200 Menschen kamen damals bei einer Explosion ums Leben, ein großer Teil der Stadt wurde verwüstet.

APA/AFP/Joseph Eid
Was vom Hafen übrig blieb: In Beirut explodierten im August 2020 Tonnen von Ammoniumnitrat

Nach Einschätzung von Fachleuten geht von der „Ruby“ derzeit keine unmittelbare Gefahr aus. „Das ist das Gute an Ammoniumnitrat. Es ist eigentlich ziemlich schwer zu entzünden“, sagte der Sprengstoffexperte Peter Hald von der dänischen Universität Aarhus dem dänischen Sender DR. „Es ist nicht so, dass es explodiert, wenn das Schiff irgendwo anstößt oder jemand etwas in die Ladung fallen lässt.“

Die „Schattenflotte“ des Kreml
Die „Ruby“ könnte aber, so Experten, noch eine andere Art von Risiko bergen. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wird vor der „Schattenflotte“ des Kreml gewarnt. Dabei handelt es sich um einen Verbund aus veralteten und schlecht gewarteten Schiffen unter der Flagge von Drittstaaten, mit deren Hilfe Kreml-Chef Wladimir Putin westliche Sanktionen umgeht. Diese Schiffe transportieren russische Güter durch Ost- und Nordsee.

Nach Schätzungen des Industrieversicherers Allianz Commercial sind rund 1.400 dieser Schiffe und Tanker auf den Weltmeeren unterwegs, um russisches Öl, Industriegüter wie Ammoniumnitrat und inzwischen auch Flüssiggas (LNG) zu exportieren. Das berichtete das deutsche „Manager Magazin“.

„Ruby“ verhält sich „verdächtig“
Die Flotte halte „nicht nur Putins Kriegswirtschaft am Laufen, sondern – wie sich immer wieder zeigt – sie stellt auch ein immenses Risiko für die Umwelt und die internationale Seefahrt dar“, hieß es in dem Magazin. Der stetige Ausbau der „Schattenflotte“ habe sich für viele Kleinstaaten, etwa in Afrika, sowie für Privatunternehmen zu einem lukrativen Geschäft entwickelt.

Jacob Kaarsbo vom dänischen Thinktank Europa sagte DR, die „Ruby“ verhalte sich „verdächtig“. Er schließe nicht aus, dass das Schiff Teil eines hybriden Krieges ist, mit dem Russland die Reaktion der nordeuropäischen Staaten testen wolle.
25.09.2024, red, ORF.at/Agenturen

Links:
DR-Artikel
„Manager Magazin“-Artikel
Vesselfinder

Marinetraffic
Explosive Chemikalie an Bord: Irrlichternder Frachter findet keinen Hafen
 

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#2
Putins „Schattenflotte“
Havarierter Tanker nun vor deutschem Hafen
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Der tagelang in deutschen Gewässern manövrierunfähig treibende Öltanker „Eventin“ ist von einem Havariekommando nun vor den Hafen von Sassnitz auf der Insel Rügen gebracht worden. Der mit rund 99.000 Tonnen Öl beladene Tanker soll Behördenangaben zufolge nun so lange dort bleiben, bis über das weitere Vorgehen entschieden ist. Die unter der Flagge Panamas fahrende „Eventin“ wird der russischen „Schattenflotte“ zugerechnet, mit der Moskau zur Umgehung von Sanktionen Öl transportieren soll.
Online seit heute, 12.04 Uhr
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Der 274 Meter lange Tanker hat 99.000 Tonnen Öl an Bord. Mehrere Schlepper zogen die „Eventin“ seit Samstagfrüh zunächst in Richtung eines Seegebiets nordöstlich von Rügen. Im Laufe des Tages wurde der Plan geändert und der Stadthafen von Sassnitz angesteuert. In der Nähe des ursprünglichen Zielorts gibt es zahlreiche Windkraftanlagen im Meer.

Das Schiff liegt nun seit Sonntagfrüh an seinem neuen und vorübergehenden Bestimmungsort. Wann und wo das Schiff repariert werden soll, ist deutschen Medienberichten zufolge unklar. Das Havariekommando bewertete die aktuelle Lage als „stabil“. Dank besseren Wetters mit nachlassendem Wind könne der Tanker „mit zwei Schleppern sicher gehalten werden“.

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Teils vier Meter hohe Wellen
Der 274 Meter lange Tanker „Eventin“ war seit der Nacht zum Freitag wegen eines mutmaßlichen Stromausfalls manövrierunfähig in der Ostsee nördlich von Rügen getrieben. „Der Tanker hatte ein Blackout in der Ostsee und war manövrierunfähig“, wie das für das Notfallmanagement auf der Nord- und Ostsee zuständige deutsche Havariekommando mitteilte.

Das Schiff mit 24-köpfiger Besatzung wurde zunächst von einem Notschlepper gesichert. Am Samstag zogen drei Schlepper den Tanker dann zunächst in Richtung einer Position nordöstlich des Kaps Arkona an der Nordspitze Rügens. Heftiger Wind und hohe Wellen erschwerten die Fahrt. Laut Havariekommando gab es am Samstagnachmittag teils vier Meter hohe Wellen.

Auf Liste von Putins „Schattenflotte“
Der unter der Flagge Panamas fahrende Tanker steht auf einer Liste von 192 maroden Schiffen, mit denen Russland das infolge seines Angriffs auf die Ukraine verhängte Ölembargo umgehen soll. Die „Schattenflotte“ von Russlands Präsident Wladimir Putin besteht aus alten und oft unversicherten Tankern. Im Dezember hatte die Europäische Union rund 50 Schiffe der russischen „Schattenflotte“ auf eine Sanktionsliste gesetzt.

APA/AFP/Havariekommando
Die „Eventin“ hat 99.000 Tonnen Öl an Bord

Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock warf Russland vor, mit seiner „Schattenflotte“ schwere Umweltschäden in Kauf zu nehmen und zugleich den Tourismus zu gefährden. „Mit dem ruchlosen Einsatz einer Flotte von rostigen Tankern umgeht Putin nicht nur die Sanktionen, sondern nimmt auch billigend in Kauf, dass der Tourismus an der Ostsee zum Erliegen kommt.“

Das jüngste Sanktionspaket der EU sei zwar ein wichtiger Schritt, reiche aber längst nicht, um die Ostsee zu schützen, heißt es vonseiten der Umweltschutzorganisation Greenpeace. „Jeden Tag fahren schrottreife Tanker von den russischen Ölhäfen Primorsk und Ust-Luga Richtung Südwesten“, so Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack.

Havarie vor Krim: Ölpest erreicht Asowsches Meer
Zwei russische Öltanker sorgen derzeit auch nach einer Havarie vor der von Moskau annektierten ukrainischen Halbinsel Krim für anhaltende Schlagzeilen. Die durch die Havarie verursachte Ölpest hat sich mittlerweile bis in das Asowsche Meer ausgebreitet und die Küste der südukrainischen Region Saporischschja erreicht.

Ein 14 Kilometer langer Ölteppich sei auf einer Landzunge am Asowschen Meer entdeckt worden, teilte der prorussische Verwaltungschef Jewgeni Balitski am Samstag auf Telegram mit. Ein zweiter, deutlich kleinerer Ölteppich sei auf einer anderen Landzunge gefunden worden. Die Ölpest hat zuvor auch Strände an der russischen Schwarzmeer-Küste und die Stadt Sewastopol auf der von Russland annektierten Krim-Halbinsel erreicht.
Das Asowsche Meer, das der Ölteppich nun ebenfalls erreichte, liegt nördlich des Schwarzen Meeres und ist mit diesem durch die Straße von Kertsch verbunden. Die Tanker „Wolgoneft-239“ und „Wolgoneft-212“ waren Mitte Dezember in dieser Meeresstraße in einem Sturm verunglückt. Die „Wolgoneft-212“ sank, die „Wolgoneft-239“ lief auf Grund und brach auseinander. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums liefen aus beiden Tankern bisher rund 2.400 Tonnen Schweröl aus.
12.01.2025, red, ORF.at/Agenturen

Links:
Deutsches Havariekommando
Deutsches Außenministerium
Greenpeace Deutschland

Putins „Schattenflotte“: Havarierter Tanker nun vor deutschem Hafen
 

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#3
Putins „Schattenflotte“
Alte Tanker als Milliardengeschäft für Reeder
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Trotz westlicher Sanktionen hat Russland 2024 mehr Öl exportiert als im Jahr zuvor. Bei der Verschiffung des auch für die Finanzierung des gegen die Ukraine geführten Angriffskrieges weiterhin wichtigen Rohstoffs rechnen Beobachter einer auf 650 Öltanker geschätzten und unter fremder Flagge fahrenden „Schattenflotte“ eine zentrale Rolle zu. Eine umfassende Datenauswertung einer internationalen Rechercheplattform legt nun nahe, dass rund ein Drittel dieser Öltanker von westlichen Reedereien stammt. Die Rede ist von Geschäften im Umfang von umgerechnet rund 5,8 Milliarden Euro.
4. Februar 2025, 22.39 Uhr
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Nach der russischen Invasion der Ukraine im Jahr 2022 hatte unter anderem die Europäische Union Sanktionen gegen russisches Öl verhängt. Laut der mit deutscher, belgischer, norwegischer, dänischer und niederländischer Beteiligung durchgeführten Untersuchung „Shadow Fleet Secrets“ wurden seitdem mindestens 230 alte Tanker an Unternehmen in Drittstaaten verkauft, die an russischen Ölexporten beteiligt sein sollen.

Von den 230 betroffenen Öltankern sollen den Angaben zufolge 127 von griechischen Reedereien stammen. 22 hatten britische Eigner, elf seien von deutschen und acht Schiffe von norwegischen Unternehmen verkauft worden. In Summe hätten Eigner aus 21 von 35 Ländern, die Sanktionen gegen den Ölhandel mit Russland verhängt haben, Tanker an die „Schattenflotte“ verkauft, berichtet der britische „Guardian“ mit Verweis auf die auch von der Rechercheplattform Follow the Money (FTM) veröffentlichten Untersuchungsergebnisse.

Großteil stand offenbar vor Verschrottung
Viele der Schiffe seien vor der Verschrottung gestanden, womit die Reeder nur einen Bruchteil der nun eingenommenen Beträge verdient hätten. „Die Nachfrage nach alten Tankern stieg nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine rasant an und ließ den Markt für alte, in die Jahre gekommene Tanker heiß laufen“, heißt es dazu bei der ARD.

Abseits davon, dass es Russland mit seiner „Schattenflotte“ offenbar gelingt, Sanktionen zu umgehen, sorgt auch der Zustand der betroffenen Tanker immer wieder für Schlagzeilen. Erst Mitte Jänner trieb nach einem Sturm etwa die mit 99.000 Tonnen Öl beladene „Eventin“ tagelang manövrierunfähig vor der deutschen Ostsee-Insel Rügen und musste in der Folge abgeschleppt werden. „Mit dem ruchlosen Einsatz einer Flotte von rostigen Tankern umgeht Putin nicht nur die Sanktionen“, hieß es dazu vonseiten der deutschen Regierung angesichts der wachsenden Sorge vor einer Umweltkatastrophe.

Reederei-Verband: „Besorgniserregend“
Die betroffenen Reedereien verteidigen indes den Verkauf. Zwei in Deutschland betroffene Reedereien erklärten laut ARD, dass die Verhandlungen zum Verkauf der Schiffe bereits vor dem Krieg begonnen hätten und die Überprüfung der Käuferseite keine Auffälligkeiten gezeigt habe. Die in Deutschland an der Recherche beteiligten NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“) zeichnen gleichzeitig ein undurchsichtiges Bild – unter anderem mit einem chinesischen Unternehmen, das offenbar nur kurz vor dem Kauf eines betroffenen Tankers gegründet wurde.

Der Verkauf der Schiffe sei nicht explizit verboten, betont dazu die ARD – der Sender verweist gleichzeitig aber auf die vom Branchendienst Lloyds List Intelligence geteilte Auffassung, wonach „allen Verkäufern klar gewesen sein muss, wohin ihre Schiffe letztlich gingen“. Die Rede ist von „gleich mehreren Warnsignalen“, die darauf hingedeutet hätten, „dass der Tanker nach dem Verkauf als Teil der russischen Schattenflotte fahren könnte“.
Dass ehemalige Schiffe der deutschen Handelsflotte inzwischen Teil der „Schattenflotte“ seien, wird laut NDR indes auch vom Verband deutscher Reeder (VDR) als „besorgniserregende Entwicklung“ kritisiert. Der aus dem Verkauf von Tankern erwirtschaftete Gewinn dürfe demnach „nicht auf Kosten von Sicherheit, Compliance oder ethischen Grundsätzen erzielt werden“.

Verweis auf anstehende Verkäufe
Die deutlichen Worte sind laut NDR wohl auch eine Art „Mahnung für künftige Verkäufe“. Demnach seien derzeit 89 Tanker der deutschen Handelsflotte 15 Jahre und älter, und in diesem „Alter werden Tanker häufig abverkauft“. Um zu verhindern, dass weitere Schiffe in Putins „Schattenflotte“ landen, stehe aber auch eine Anpassung des Sanktionsregimes im Raum. Bereits in Vorbereitung sei demnach bereits die „direkte Sanktionierung weiterer Tankschiffe“.
06.02.2025, pepr (Text), lenz (Lektorat), beide ORF.at
Putins „Schattenflotte“: Alte Tanker als Milliardengeschäft für Reeder
 

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#4
Auf hoher See
Wie Europa Russlands Schattenflotte bekämpfen will
Moskau umgeht mit dubiosen Schiffen westliche Sanktionen und macht damit ein Milliardengeschäft. Europa verschärft nun den Kurs, die USA machen dabei aber nicht mit

Der Tanker Eagle S, der unter der Flagge der Cookinseln unterwegs ist, gilt als Teil der russischen Schattenflotte.
AFP/Lehtikuva/ANTTI AIMO-K

Schattenflotte, Geisterflotte, dunkle Flotte: Was einem Film der Mission Impossible-Reihe entsprungen sein könnte, ist seit längerer Zeit Realität. Staaten wie Nordkorea, Iran oder Venezuela nutzen bereits Schiffe, die man nicht direkt mit den genannten Staaten in Verbindung bringen kann, um trotz der Sanktionen gewisse Exporte und auch Importe durchführen zu können. Als Flaggenstaaten dienen Länder wie Liberia oder Panama, die es mit den Vorschriften nicht so genau nehmen. Außerdem werden Flaggenstaat und Schiffsname oft geändert – und die Ortungsgeräte mitunter ausgeschaltet.

Nun ist Russlands Schattenflotte in aller Munde, auch wenn der Kreml bestreitet, damit etwas zu tun zu haben. Experten und Expertinnen gehen davon aus, dass einige Hundert bis deutlich über tausend alte und schlecht gewartete Schiffe in Moskaus Auftrag durch die Weltmeere schippern. Ihr Auftrag ist es, für Milliardeneinnahmen zu sorgen und damit auch die Moskauer Kriegskasse für den Angriff auf die Ukraine zu füllen.

Westliche Preisobergrenze
Ende 2022 führte der Westen als Reaktion auf Russlands Vollinvasion der Ukraine eine Preisobergrenze ein. Russisches Öl darf seitdem nicht mehr als 60 US-Dollar pro Barrel kosten. Schiffe, die sich nicht daran halten, dürfen keine westlichen Dienstleistungen etwa in Sachen Versicherung oder Finanzierung mehr in Anspruch nehmen. Im Schatten des Welthandels wird dies von russischer Seite umgangen und so ein großes Geschäft gemacht. Lettlands Regierung zufolge laufen fast 85 Prozent der russischen Rohölexporte über die Schattenflotte durch die Ostsee.

Doch das ist nur ein Teil des Problems für den Westen. Seit Sommer 2024 häufen sich potenzielle Sabotageakte, bei denen russische Schiffe der Schattenflotte in der Nähe gesichtet worden sind. Konkret geht es um die Beschädigung wichtiger Unterseekabel in der Ostsee. Einige westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass die Schäden unabsichtlich durch unerfahrene Crews auf den schlecht gewarteten Schiffen verursacht wurden.

Sicherheitsbeamte und -experten in Europa sehen das anders. Katja Bego vom britischen Thinktank Chatham House sagte der Washington Post: Es sei schwierig, angesichts dieser "wiederholten Muster" und der Art der Vorfälle nicht von einem "Verbrechen" zu sprechen.

Neue Nato-Operation
Als Reaktion auf diese Zwischenfälle hat die Nato Mitte Jänner die Operation Baltic Sentry angekündigt, um die Unterseekabel künftig besser zu schützen. Auch haben Anrainerstaaten wie Finnland oder Estland vereinzelt Tanker der Schattenflotte festgesetzt, um sie zu untersuchen.

Um eine erneute Festsetzung zu verhindern, griff Moskau letzte Woche zu drastischen Mitteln. Am 13. Mai kontaktierte das estnische Militär den flaggenlosen Tanker Jaguar, um Kontrollen auf dem Schiff durchzuführen. Plötzlich drang ein russischer Su-35-Kampfjet in den estnischen Luftraum ein und flog nahe am Schiff vorbei. Das estnische Militär verzichtete daraufhin auf die Kontrollen und eskortierte die Jaguar lediglich aus den estnischen Gewässern.

Das sei vollkommen neu, erklärte Estlands Außenminister Margus Tsahkna. Damit habe Moskau erstmals eine direkte Verbindung zur Schattenflotte offenbart, sagte er. Am Sonntag setzte Russland dann einen griechischen Tanker in der Ostsee fest. Für Tsahkna ist es ein klarer Vergeltungsakt vonseiten Moskaus.

Neue Sanktionen
Am Montag schließlich verkündeten die EU und Großbritannien neue Sanktionen gegen die Schattenflotte, wie sie schon länger unter anderem von der Ukraine und den Ostseeanrainerstaaten gefordert wurden. Strafmaßnahmen wie Zugangsverbote für Häfen oder Dienstleistungsverbote wurden auf weitere Schiffe, Unternehmen und Personen, die mit der Flotte in Verbindung stehen, ausgeweitet.

Die USA, die im Jänner noch unter Präsident Joe Biden 183 Schiffe der russischen Schattenflotte sanktionierten, verzichteten hingegen auf weitere Strafmaßnahmen. Donald Trump meinte am Montag nach einem Telefonat mit Wladimir Putin, er wolle damit mögliche Friedensgespräche nicht torpedieren. Und auch der Wunsch der EU, die Preisobergrenze für russisches Öl weiter zu senken, ist ohne Trumps Zustimmung nicht erfüllbar.
(Kim Son Hoang, 21.5.2025)
Wie Europa Russlands Schattenflotte bekämpfen will
 

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#5
Schattenflotte
Wie ein russisches Schiff die digitale Kommunikation Europas gefährdet
Die Jantar ist ein Spionageschiff und seit Monaten beinahe ungestört in der Nordsee unterwegs. Das Ziel: Tiefseekabel kartografieren, anzapfen und sabotieren


Die Jantar wurde von der HMS Proteus gestellt. Konsequenzen gab es keine. Eine neue Recherche zeigt die mehrmonatige Spionagemission des russischen Schiffes auf.
AFP/MOD /-

Wirklich gefährlich sieht die Jantar nicht aus. Das Schiff mit dem markanten blauen Rumpf verfügt weder über Kanonen noch über Raketenwerfer. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handle sich um ein harmloses ziviles Schiff. Nur die zahlreichen Sensoren und Radarkuppeln verraten: Es handelt sich um ein Spionageschiff. Die Jantar ist Russlands wichtigster Aufklärer in der Nordsee. Im Visier steht die elektronische Kommunikation des Kontinents.

Die primäre Mission scheint das Ausspionieren von Unterwasserkabeln zu sein. Wie die Financial Times in einer umfassenden Recherche enthüllte, konnte das Schiff mittels Radardaten von Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation über wichtigen Kommunikationsleitungen mitten in der Irischen See lokalisiert werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Jantar in der Nordsee auftaucht. Im Jänner dieses Jahres wurde sie von einem U-Boot der britischen Marine gestellt und mit einer Fregatte der britischen Marine aus dem Ärmelkanal eskortiert. Mit auf den Weg gab es eine strenge Warnung, sich von den Unterseekabeln fernzuhalten. Genützt hat all das offenbar wenig.

Eine Fülle an technischen Möglichkeiten
Die Mission der Jantar begann im November 2024. Damals verließ das Schiff einen abgelegenen Fjord auf der russischen Kola-Halbinsel zu einer dreimonatigen Mission. Ausgestattet mit modernster Überwachungstechnik, war sie unterwegs, um die Unterseekabel zu kartieren. Diese sind für europäische Staaten von enormer Bedeutung: Ein Großteil der digitalen Kommunikation ist auf diese Leitungen angewiesen: Internet, Energie, Militärkommunikation und Finanztransaktionen.

Die Jantar verfügt laut dem Bericht über ausgefeilte technische Möglichkeiten: Das Schiff kann dem Bericht zufolge Tauchboote mit Manipulatorarmen aussetzen, um Leitungen anzuzapfen und Informationen abzufangen. Gleichzeitig sollen die Tauchboote in der Lage sein, Sprengsätze zu platzieren. Laut dem Bericht würde es aber schon reichen, die Zeitsignale der Unterseekommunikation zu manipulieren, um für massive Störungen zu sorgen.

Westliche Marineoffiziere bestätigten gegenüber der FT, dass die Jantar wahrscheinlich Knotenpunkte zwischen mehreren Kabeln identifiziert, wo Störungen maximale Auswirkungen hätten. Das Schiff gehört zur russischen Einheit GUGI (Hauptdirektorat für Tiefseeforschung), die direkt dem russischen Verteidigungsministerium untersteht.

Die Schattenflotte aus der Arktis
Die GUGI-Flotte umfasst 50 Fahrzeuge, darunter U-Boote und kleinere Tauchfahrzeuge, von denen einige Tiefen von 6.000 Metern erreichen können – mehr als das Zehnfache eines konventionellen Militär-U-Boots. Die Jantar als Überwasserschiff ist kostengünstiger über lange Distanzen zu betreiben und dient als Plattform für Tauchboote und Taucher.

Der Stützpunkt der Einheit liegt in der Bucht Olenya Guba an der Barentssee, nahe der norwegischen Grenze. Die CIA verfolgt diese Basis seit den 1960er Jahren. Die Sicherheitsvorkehrungen sind extrem: Schwimmende Trockendocks sollen U-Boote vor Satellitenerfassung schützen, und eine neue Verteidigungsbarriere wurde über die Buchteinfahrt gespannt. GPS-Jamming in der Region ist so intensiv, dass selbst die Verfolgung ziviler Schiffe schwierig bis unmöglich ist.

Spionage rund um Irland
Die FT-Analyse zeigt: Nach einer Zurückhaltung im ersten Jahr des Ukrainekrieges hat GUGI die Aktivitäten wieder intensiviert. Von Oktober 2023 bis November 2024 waren elf russische Schiffe in britische und irische Gewässer eingedrungen.

Die Jantar wurde im November stundenlang stationär über drei großen Kabeln in der Irischen See geortet – CeltixConnect-2, Geo-Eirgrid und Rockabill –, die Irland mit Großbritannien verbinden.

Gerade in Großbritannien ist die Sorge vor Sabotageakten am Kommunikationsnetz groß: 99 Prozent der digitalen Kommunikation Großbritanniens laufen über Unterseekabel, drei Viertel der Gasversorgung durch Unterwasserpipelines. Besonders sensibel sind Kabel des Integrated Undersea Surveillance System – ein amerikanisch-britisches Militärnetzwerk zur Überwachung feindlicher U-Boote.

Nato sucht nach Antworten
Die Royal Navy sucht deshalb nun Finanzierung für einen neuen Verteidigungsring aus Sensoren und Unterwasserdrohnen, genannt "Atlantic Bastion", um Kabel und britische Trident-U-Boote vor Sabotage zu schützen. Das System würde das bestehende Patrouillensystem zwischen Grönland, Island und Großbritannien mit zusätzlicher Aufklärung durch unbemannte Fahrzeuge über und unter Wasser sowie Sonarstationen am Meeresboden verstärken. Aktuell setzt die Royal Navy Kriegsschiffe und Überwachungsflugzeuge ein, die bei verdächtigen Aktionen Sonarbojen abwerfen können.

Nato-Experten räumen ein, dass Europas Streitkräfte in den 2000er Jahren, während sie sich auf Antiterror-Operationen im Nahen Osten konzentrierten, maritime Tiefwasser-Fähigkeiten vernachlässigten. Kapitän Niels Markussen, Leiter des Nato-Zentrums für die Sicherheit kritischer Unterwasser-Infrastruktur, sagte: „Wir haben nicht realisiert, wie wichtig dies geworden ist; wir haben es einfach vergessen."
(pez, 1.10.2025)
Wie ein russisches Schiff die digitale Kommunikation Europas gefährdet
 

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#6
„Schattenflotte“
EU bringt neues Sanktionspaket auf Schiene
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Am Montag haben Europas Außenministerinnen und -minister das inzwischen 19. Sanktionspaket gegen Russland vorbereitet. Strafmaßnahmen gegen das Öl- und Gasgeschäft sollen die Kriegskasse des Kreml schrumpfen lassen. Dabei rückt auch Russlands „Schattenflotte“, die inzwischen auf bis zu 1.400 Schiffe anwuchs, zunehmend ins Visier.
Online seit heute, 14.34 Uhr (Update: 15.45 Uhr)
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Das 19. Sanktionspaket dürfte diese Woche auf dem EU-Gipfel beschlossen werden. Im Vorfeld trafen einander am Montag die EU-Außenministerinnen und -minister in Luxemburg. EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas sagte, dass Russland „nur Stärke versteht“. Auch Österreich werde das Paket unterstützen, sagte Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) am Wochenende.

Österreich soll eine Ausnahme für die Raiffeisen Bank International (RBI) von den Sanktionen gefordert haben, aber damit gescheitert sein, wie der „Standard“ berichtete. Österreich zog seine Forderung anschließend zurück. Schellhorn begründete die Entscheidung mit dem Ziel, die EU müssen mit „einheitlicher Stimme“ sprechen.

Rechtsstreit der RBI
„Es geht uns darum, dass wir österreichische Unternehmen schützen und einen Rechtsrahmen haben, damit diese Unternehmen auch eine Klarheit haben“, so Schellhorn. Doch es „kann nicht sein, dass wir die Ukraine weiter mitfinanzieren und russische Oligarchen auf der Jacht weiterfahren“.

Hintergrund ist die Forderung der RBI, dass sanktionsrechtlich eingefrorene Aktien des österreichischen Baukonzerns STRABAG im Wert von rund zwei Milliarden Euro, die derzeit im Besitz der russischen Firma Rasperia sind, freigegeben werden, damit sie an Raiffeisen übertragen werden können.
Thema in Luxemburg war auch der Umgang mit eingefrorenem russischem Vermögen. Die EU-Kommission schlug vor, dieses Geld zur Finanzierung eines neuen Kredits in Höhe von 140 Milliarden Euro für die Ukraine zu verwenden.

Vorgangsweise der „Schattenflotte“
Vor allem sollen durch das neue Paket aber die Einnahmen Russlands aus Öl- und Gasexporten weiter gedrosselt werden. Am Montag sprach sich bereits eine Mehrheit der EU-Länder für ein schrittweises Ende russischer Gaslieferungen bis Ende 2027 aus.
Nun will Kallas auch die russische „Schattenflotte“ stärker sanktionieren. Sie „finanziert Russlands Krieg und dient zugleich als Ausgangspunkt für hybride Angriffe“, so Kallas bei dem Treffen. Mit der Flotte umgeht Moskau seit Jahren die Strafmaßnahmen und liefert weiterhin Öl und Gas ohne Preisdeckel.

Dafür werden meist veraltete Schiffe mit schwer nachvollziehbaren Eigentumsverhältnissen gechartert und verschiedene Methoden genutzt, um die Herkunft von Ölladungen zu verschleiern. Mitunter wird der Transponder des satellitengestützten automatischen Schiffsidentifizierungssystems (AIS) ausgeschaltet oder manipuliert, manchmal Öl auf hoher See zwischen Tankern umgeladen.

Vielerlei Risiken
Dem Außenministertreffen am Montag lag ein neues Arbeitspapier des Europäischen Auswärtigen Diensts (EAD) vor. Er schätzt die Größe dieser Flotte mittlerweile auf 600 bis 1.400 Tanker. „Diese Schiffe tragen nicht nur zur russischen Kriegswirtschaft bei, sondern stellen auch eine erhebliche Gefahr für Umwelt und Schifffahrtssicherheit dar“, hieß es in dem Dokument, das der dpa vorlag.

Unglücke könnten Ölkatastrophen und andere Meeresverschmutzungen mit verheerenden Folgen für Küstengebiete, Ökosysteme und die Fischerei verursachen. Da viele der Schiffe unklare Eigentumsverhältnisse haben und laut den Fachleuten nicht oder nur unzureichend versichert sind, müssten im Falle einer Havarie wohl die Steuerzahler der Küstenstaaten für die Beseitigung der Schäden aufkommen.

Drohnen und Spionage
Zudem wurde davor gewarnt, dass Schiffe der „Schattenflotte“ als Plattform für den Start von Drohnen für Stör- und Spionageangriffe genutzt werden können. Diesen Verdacht gab es auch nach den mysteriösen Drohnensichtungen in Dänemark, die vor allem in der Hauptstadt Kopenhagen zu erheblichen Einschränkungen des Flugverkehrs geführt hatten.

Man müsse kontinuierlich nach neuen Wegen im Kampf gegen die „Schattenflotte“ suchen, da Russland erfinderisch beim Umgehen von Sanktionen sei, so Kallas. Thema seien auch neue Befugnisse, um an Bord von Schiffen gehen zu können. Um bewährte Verfahren aus der gesamten Union zusammenzuführen, habe sie jetzt einen Sonderkoordinator ernannt.

Derzeit hat die EU 444 Schiffe sowie Einrichtungen, die den Betrieb der Flotte ermöglichen, mit Sanktionen belegt. Geplant ist dem Dokument zufolge, dass die Zahl der von Hafenverboten und Strafmaßnahmen betroffenen Schiffe im Zuge des neuen Sanktionspakets mit EU-Russland-Sanktionen auf 562 erhöht wird.

Kooperation mit Flaggenländern
Zudem will Kallas mit Küstenländern und solchen Staaten kooperieren, unter deren Flagge die Schiffe registriert sind. Diese Staaten sollen im Idealfall ihr Einverständnis geben, dass Schiffe von Marinekräften aus EU-Ländern kontrolliert werden dürfen.

Reuters/Stephane Mahe
Die „Boracay“ soll der „Schattenflotte“ angehört haben. Frankreich ging gegen sie vor.

In dem Papier des EAD hieß es weiter, die EU-Mitgliedsstaaten agierten bereits zunehmend robust gegen die „Schattenflotte“. Als Beispiele genannt werden das Vorgehen Deutschlands gegen das Schiff „Eventin“, Frankreichs gegen das Schiff „Boracay“, Estlands gegen das Schiff „Kiwala“ und Finnlands gegen das Schiff „Eagle S“. Zudem seien drei EU-Marinemissionen bereits seit Juni 2025 damit beauftragt, die Flotte zu überwachen und Informationen über sie zu beschaffen.
20.10.2025, red, ORF.at/Agenturen

„Schattenflotte“: EU bringt neues Sanktionspaket auf Schiene
 

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#7
Unter russischer Flagge
USA beschlagnahmen Öltanker im Atlantik
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Die USA haben Armeeangaben zufolge am Mittwoch einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker im Nordatlantik „beschlagnahmt“. Der Tanker „Bella-1“ war zuvor über längere Zeit von der US-Armee verfolgt worden. Nun sei er „wegen des Verstoßes gegen US-Sanktionen“ unter US-Kontrolle gebracht worden, teilte das US-Militärkommando für Europa auf der Plattform X mit. Eine zweite Beschlagnahmung eines offiziell staatenlosen Tankers gab es in der Karibik.
Online seit heute, 16.48 Uhr (Update: 18.26 Uhr)
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Der im Atlantik festgesetzte Tanker sei zuvor einer Teilblockade rund um Venezuela entkommen, berichteten die US-Sender Fox News und CNN. Wenige Stunden zuvor hatten Medien berichtet, dass Russland ein U-Boot in Richtung Atlantik geschickt habe, um den leeren Tanker zu begleiten, den die US-Armee seit Wochen beschlagnahmen will.

Zuvor hatten Reuters und CNN von einer laufenden Operation gegen den von den USA als Teil einer „Schattenflotte“ gelisteten Tanker berichtet. Nach Angaben des russischen staatlichen Senders RT hatten US-Kräfte versucht, von einem Hubschrauber aus an Bord des Tankers „Marinera“ zu gelangen – letztlich offenbar mit Erfolg.

Briten unterstützten Beschlagnahmung
Schiffe der „Schattenflotte“ transportieren unter dem Verstoß gegen US-Sanktionen Öl für Länder wie Venezuela, Russland und den Iran. Am Mittwoch befand sich der Tanker laut der Website MarineTraffic in der Nähe der ausschließlichen Wirtschaftszone vor Island. Auch wurde bekannt, dass Großbritannien die USA bei der Beschlagnahmung unterstützte.

Dem Schiff werden Aktivitäten in einer „Schattenflotte“ und Verstöße gegen die Iran-Sanktionen vorgeworfen, wie das Verteidigungsministerium in London mitteilte. Die britischen Streitkräfte hätten nach einer Anfrage aus Washington geplante operative Unterstützung geleistet. Diese habe die Bereitstellung von Stützpunkten für US-Militärgüter sowie Luftüberwachung umfasst.

Grafik: APA/ORF; Quelle: BBC

Anderer Name, russische Flagge
Das Schiff steht seit 2024 wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Iran und zur libanesischen Hisbollah unter US-Sanktionen. Der Tanker wurde seit dem 21. Dezember von der US-Küstenwache verfolgt – er habe davor eine US-Seeblockade für sanktionierte ⁠Tanker durchbrochen. Seitdem fuhr er unter russischer Flagge und hat seinen Namen in „Marinera“ geändert. Die Crew habe Berichten zufolge die russische Flagge auf das Schiff gemalt.

Reuters/UGC/Hakon Rimmereid (Archivbild)
Der von den USA festgesetzte Tanker „Marinera“ (ehemals „Bella-1“)

Russland: Beschlagnahmung ist Rechtsbruch
Die Regierung in Moskau bezeichnete die Beschlagnahmung als Verletzung des Seerechts. Das sei ein Verstoß gegen das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen von 1982, erklärte das russische Verkehrsministerium. „Kein Staat hat das Recht, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die ordnungsgemäß unter der Gerichtsbarkeit anderer Staaten registriert sind“, wurde mitgeteilt. Der Kontakt zur „Marinera“ sei abgebrochen.

USA: Öltanker auch in Karibik beschlagnahmt
Zugleich mit dem Vorfall im Nordatlantik wurde ein weiterer Fall bekannt: In der Karibik sei mit der „M/T Sophia“ ein weiterer Tanker mit Venezuela-Bezug beschlagnahmt worden. Sie unterliege ebenfalls US-Sanktionen, gehöre zur „Schattenflotte“ und habe „illegale Aktivitäten“ in der Region vorgenommen, erklärte das für die Region zuständige US-Militärkommando Southern Command auf X.

Sowohl beim Einsatz in der Karibik als auch bei jenem im Nordatlantik berief sich das US-Militär auf den Schutz der westlichen Hemisphäre. Mit der westlichen Hemisphäre ist meist der Doppelkontinent Amerika samt umliegender Inseln gemeint. Die USA brachten zuletzt bereits mehrere Tanker in der Karibik auf.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, eine „vollständige und komplette Blockade aller sanktionierten Öltanker auf dem Weg von und nach Venezuela“ zu verhängen. Er begründete das damit, das Land habe Öl, Land und andere Vermögenswerte von den USA gestohlen – diese müssten zurückgegeben werden.

Die Aktionen sind Teil des jüngsten Vorgehens der USA gegen Venezuela und erfolgen nur wenige Tage, nachdem US-Spezialkräfte den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro in Caracas gewaltsam außer Landes brachten, um ihn zusammen mit seiner ebenfalls gefangen genommenen Frau vor ein Bundesgericht zu stellen.

Rubio: Blockade ist „enormer Hebel“
In der Anlage werden die beiden beschuldigt, mit Mitverschwörern „Tausende Tonnen Kokain“ in die USA geschmuggelt zu haben. Führende venezolanische Vertreter bezeichneten die Gefangennahme ⁠Maduros als Entführung und warfen den USA vor, die riesigen Ölreserven des Landes stehlen zu wollen.

Nach den Vorstellungen der USA soll die Blockade von Tankern von oder nach Venezuela auch nach Maduros Gefangennahme vorerst beibehalten werden. US-Außenminister Marco Rubio sprach in diesem Zusammenhang von einem „enormen Hebel“, um politische Veränderungen in Venezuela herbeizuführen.

USA lockern Sanktionen gegen Venezuela
Später kündigte Rubio einen Phasenplan für Venezuela an. Der erste Schritt sei die Stabilisierung des Landes, darauf folgten eine Phase der Erholung und schließlich des Übergangs. Es sei Sache des venezolanischen Volkes, sein Land umzugestalten. Bereits jetzt seien Fortschritte erkennbar. Der Plan werde die USA nichts kosten, so Rubio weiter.

Gegenwärtig sei man dabei, eine Vereinbarung über die Lieferung von 30 bis 50 Millionen Barrel Öl abzuschließen, so Rubio. Eine Stellungnahme von Venezuela lag zunächst nicht vor. Zugleich wollen die USA einige ihrer Sanktionen aufheben. Das soll den Transport und den Verkauf venezolanischen Öls auf dem Weltmarkt ermöglichen, wie das US-Energieministerium mitteilte. Welche Sanktionen genau gelockert werden sollen und wann, ging daraus nicht hervor.

USA wollen Verkauf langfristig steuern
Nach den Worten von US-Energieminister Chris Wright wollen die USA den Verkauf venezolanischen Öls „auf unbestimmte Zeit“ in ihre Hand nehmen. Zuerst soll es dabei um Lagerbestände gehen, wie er sagte. „Wir werden zunächst das aus Venezuela stammende Rohöl vermarkten, das in den Lagern liegt, und dann auf unbestimmte Zeit die Produktion aus Venezuela auf dem Markt verkaufen.“

Die USA agierten dabei in enger Zusammenarbeit mit Venezuela, so Wright. Geplant seien außerdem Lieferungen von Verdünnungsmitteln und Ersatzteilen sowie Dienstleistungen zur Stabilisierung der Industrie. Langfristig sei das Ziel, dass sich große US-Energieunternehmen wieder in Venezuela engagieren können. „Die Ressourcen sind immens – das sollte ein reiches, florierendes und friedliches Energiezentrum werden.“
Erst einen Tag zuvor hatte Trump einen direkten Eingriff seines Landes in die Ölindustrie Venezuelas angekündigt und sich die Kontrolle über Einnahmen aus dem Verkauf von Öl gesichert. Das Land werde zwischen 30 und 50 Mio. Barrel (je 159 Liter) an sanktioniertem Öl an die USA liefern, kündigte der Republikaner auf der Plattform Truth Social an. Er selbst werde die Einnahmen aus dem Verkauf des Öls kontrollieren, schrieb Trump weiter.
07.01.2026, red, ORF.at/Agenturen

Unter russischer Flagge: USA beschlagnahmen Öltanker im Atlantik
 

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#8
Belgien beschlagnahmt Tanker der russischen Schattenflotte
Gefälschte Registrierungen, schrottreife Schiffe, Störangriffe: Die russische Schattenflotte ist eine Gefahr für Schifffahrt und Umwelt. Belgien hat nun in der Nordsee einen Tanker geentert und zur Kursänderung gezwungen


Russische Schattenflotte
.AFP/DAMIEN MEYER

Brüssel – Belgien hat nach eigenen Angaben in der Nacht einen Öltanker der russischen Schattenflotte gekapert. Die belgischen Streitkräfte hätten das Schiff mit Unterstützung Frankreichs festgesetzt, schrieb Belgiens Verteidigungsminister Theo Francken auf der Plattform X. Der Tanker werde zum Hafen von Seebrügge eskortiert, wo er beschlagnahmt werde. Weitere Informationen nannte Francken zunächst nicht. Aus Frankreich gab es zunächst keine Bestätigung.

Belgiens Premierminister Bart de Wever gratulierte dem Militär auf X zu "der erfolgreichen Operation in dieser Nacht", ohne den Vorgang konkret zu benennen. Er dankte Frankreich und fügte hinzu: "Belgien wird das internationale Seerecht und die Sicherheit seiner Hoheitsgewässer wahren."

EU warnt vor Gefahren durch Schattenflotte
Mit Schattenflotte sind Tanker und andere Frachtschiffe gemeint, die Russland zur Vermeidung von Sanktionen etwa beim Öltransport einsetzt. Frankreich schätzt die Größe der Flotte mittlerweile auf 1000 bis 1200 Schiffe, wovon 650 bis 700 mit Sanktionen belegt sind.

Die EU warnt schon länger davor, dass Schiffe der Schattenflotte als Plattform für den Start von Drohnen für Stör- oder Spionageangriffe genutzt werden können.
(APA, 1.3.2026)
Belgien beschlagnahmt Tanker der russischen Schattenflotte
 

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#9
Schweröl und Flüssiggas an Bord
Sorge um russisches „Geisterschiff“ vor Malta
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Im Mittelmeer treibt seit zwei Wochen ein russisches Tankschiff in den Gewässern zwischen Malta, Italien und Libyen, manövrierunfähig und ohne Besatzung. Die „Arctic Metagaz“ ist mit rund 700 Tonnen Öl und Erdgas nicht nur eine Gefahr für andere Schiffe. Malta ersuchte am Dienstag um internationale Hilfe. Russland wirft der Ukraine einen Angriff auf das Schiff vor und sieht sich aktuell nicht zuständig.
Online seit gestern 17.03.2026, 22.04 Uhr
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Laut aktuellen Daten war der Tanker von Tienshan in China unterwegs nach Port Said in Ägypten und sollte dort nächsten Montag ankommen. Seit zwei Wochen gibt es aber kein Signal mehr von ihm. Um die Bergung des Schiffs will sich bisher offenbar niemand kümmern.

Malta bemüht sich nun um internationale Unterstützung, Außenminister Ian Borg wolle das Thema bei einem Treffen des Europäischen Rates ansprechen, hieß es am Dienstag. Malta ist Mitglied der EU und Euro-Zone. Laut Regierungschef Robert Abela befand sich der Tanker zuletzt rund 54 Seemeilen (etwa 100 Kilometer) von Malta entfernt und damit zwar nicht innerhalb der Territorialgewässer der Inselgruppe zwischen Sizilien und Nordafrika, aber innerhalb seiner SAR-Zone. „SAR“ steht für „Search and Rescue“, „Suchen und Retten“.

Explosionen an Bord
Zuletzt war das Schiff in Richtung der italienischen Insel Lampedusa getrieben, aus Italien hieß es dazu, es werde von der Marine und einem Schlepper eskortiert. Nun treibt es auf Malta zu, abhängig von Windrichtung und Meeresströmung. An Bord der 277 Meter langen und 73 Meter breiten „Arctic Metagaz“ war es am 2. März etwa 240 Kilometer vor der Küste Libyens bzw. der Hafenstadt Sirte zu mehreren Explosionen gekommen.

APA/AFP/Newsbook Malta/Miguela Xuereb
Das Schiff ist schwer beschädigt und droht samt Fracht und Treibstoff zu sinken

Das unter russischer Flagge fahrende Schiff geriet in Brand. Russland wirft der Ukraine vor, das Schiff mit einem unbemannten Drohnenboot angegriffen zu haben. Kiew äußerte sich nicht dazu. Die 30 Mann Besatzung an Bord seien gerettet worden, hieß.
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Lage ist kritisch
Die Lage für das Schiff dürfte jedenfalls sehr kritisch sein. Die libysche Küstenwache hatte erst gemeldet, es sei gesunken, dann zeigten Bilder den Tanker mit über elf Metern Tiefgang mit erheblicher Schlagseite und deutlichen Spuren der Brände an Bord. Maltas Regierungschef Abela erklärte, er habe die Angelegenheit auf Ebene der EuroMed9-Gruppe, eines Zusammenschlusses von neun Mittelmeer- und südeuropäischen Ländern, angesprochen. Außerdem habe er den Präsidenten des EU-Rates, Antonio Costa, sowie die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, kontaktiert.

Flüssiggas und 700 Tonnen Öl an Bord
Malta sei auf alle Eventualitäten vorbereitet, hieß es am Dienstag, und verfüge über einen Notfallplan. Kontakte mit russischen Behörden und der Betreibergesellschaft des Tankers hätten bisher aber keine Lösung gebracht. Die maltesischen Behörden warnten Fischer, einen Sicherheitsabstand von mindestens vier Seemeilen (rund 7,4 Kilometer) zu dem Schiff einzuhalten.

APA/AFP/Newsbook Malta/Miguela Xuereb
Der Tanker treibt mit deutlicher Schlagseite ohne Besatzung im Meer

Der Tanker transportiert Flüssiggas (LNG) sowie rund 700 Tonnen Treibstoff – Schweröl und Diesel. Das letzte Signal des Schiffs wurde am 2. März gesendet. Seither treibt es als „Geisterschiff“ im zentralen Mittelmeer. Laut verfügbaren Daten wurde der Tanker 2003 gebaut und fuhr bisher unter den Flaggen Norwegens, Singapurs, Liberias, Palaus und schließlich der Russlands.

Italien hat den maltesischen Behörden inzwischen Unterstützung angeboten. Es sollen etwa Techniker sowie verschiedene Einsatzboote, auch solche zur Eindämmung möglicher Umweltschäden, nach Malta entsendet werden, sagte der italienische Staatssekretär Alfredo Mantovano im Interview mit dem Radiosender „Radio 24“ am Montag.

Moskau sieht sich nicht als erster Verantwortlicher
Russland sieht sich nicht mehr für den Tanker verantwortlich und forderte die Mittelmeer-Staaten auf, eine mögliche Umweltkatastrophe zu verhindern und berief sich dabei „auf die derzeitige Lage anwendbaren internationalen Rechtsnormen“, wie die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, zuletzt erklärte.

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Gleichzeitig betonte sie, Russland nehme seine Verantwortung als Flaggennation wahr und behalte die Lage unter Kontrolle, indem die Regierung den Kontakt zum Schiffseigentümer und den verantwortlichen Behörden der Anrainerstaaten halte. Moskau behalte sich weitere rechtliche Schritte vor, sobald die juristische Einschätzung des Vorfalls durch die eigenen Sicherheitsbehörden abgeschlossen sei.

Mutmaßliches Schiff der „Schattenflotte“
Als die Besatzung das Schiff verließ, befanden sich laut Sacharowa 450 Tonnen Schweröl und 250 Tonnen Diesel „sowie eine erhebliche Menge Erdgas“ in den Tanks. Die „Arctic Metagaz“ steht auf Sanktionslisten der EU und der USA, beide rechnen das Schiff der mutmaßlichen russischen „Schattenflotte“ zur Umgehung der Handelssanktionen infolge des Krieges gegen die Ukraine zu. Laut Angaben aus Moskau kam der Tanker mit allen gültigen Papieren und gemäß internationaler Regeln aus dem russischen Hafen Murmansk.
18.03.2026, red, ORF.at/Agenturen

Schweröl und Flüssiggas an Bord: Sorge um russisches „Geisterschiff“ vor Malta
 

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#10
Asowsches Meer
Ukraine nimmt „Schattenflotte“ ins Visier

Seit Tagen greift die Ukraine verstärkt russische Schiffe im Asowschen Meer mit Drohnen an. Die getroffenen Schiffe sollen laut Ukraine Teil der russischen „Schattenflotte“ sein und auch Treibstoff für die russischen Truppen transportieren. Russland erwägt nun eine Umleitung seiner Transporte. Die Drohnen der Ukraine dringen zudem immer weiter in russisches Gebiet vor.
Online seit gestern 13.07.2026, 23.35 Uhr (Update: heute, 11.18 Uhr)
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In der Nacht auf Dienstag erfolgten die jüngsten Angriffe: Unter den Zielen seien fünf Tanker, fünf Frachtschiffe und ein Schlepper, teilte der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, am Dienstag auf Telegram mit. Damit steige die Zahl der in den vergangenen neun Tagen getroffenen Schiffe auf 116. Als „Schattenflotte“ werden Schiffe bezeichnet, die zur Umgehung von Sanktionen Öl transportieren.

In der Nacht auf Sonntag trafen Drohnen der Ukraine zudem erneut Ziele im russischen Hinterland. Getroffen wurde dabei die Ölraffinerie in Sysran im russischen Wolga-Gebiet Samara, 800 Kilometer von der Front entfernt. Die Anlage selbst geriet Augenzeugen zufolge in Brand.
Die Raffinerie wurde von der Ukraine schon mehrfach attackiert. Zuletzt musste die Anlage mit einer Verarbeitungskapazität von 8,5 Millionen Tonnen Ende Mai nach einem Angriff ihre Arbeit einstellen. Die zum staatlichen Ölkonzern Rosneft gehörende Raffinerie produziert unter anderem Benzin, Diesel und Kerosin. Kiew meldete am Sonntag noch weitere Angriffe im Asowschen Meer: Zehn Öltanker und vier Fähren wurden getroffen.

Manche Schiffe mehrfach getroffen
Die ersten Drohnenangriffe in der Nacht auf den 6. Juli im Asowschen Meer galten zwei seegängigen Binnentankern, die Benzin auf die Krim bringen sollten. Diese Schiffe sind mit einer Ladekapazität von etwa 7.000 Tonnen nicht besonders groß. Ihre Aufgabe besteht darin, den Treibstoff zu den Häfen im Asowschen Meer oder der Meerenge von Kertsch zu bringen oder ihn auf größere Tanker umzuladen.


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Laut Browdi waren sie Teil der russischen „Schattenflotte“. Nach Einschätzung des unabhängigen Militäranalysten Jan Matwejew hätten die beiden Tanker 20 Prozent des monatlichen Benzinverbrauchs auf der Krim abdecken können. Mittlerweile ist der Schiffsverkehr auf dem Asowschen Meer, über das Russland etwa auch Getreide exportiert, seit Freitag laut Insidern eingeschränkt – offen ist dabei, in welchem Umfang.
Einige Schiffe wurden bereits mehrfach getroffen, die Angriffe sind für die Besatzungen meist unberechenbar. Zumeist sind es Mittelstreckendrohnen, die womöglich mit weniger Sprengstoff beladen sind, um die Reichweite zu erhöhen. Die Schiffe werden bei einem Treffer somit nicht versenkt, wird aber die Brücke getroffen, sind sie führungslos. Zusätzliche Angriffe auf russische Schlepperschiffe sollen verhindern, dass die Tanker in die Häfen gebracht werden können.

Neue Routen gesucht
Russland erwägt inzwischen eine Umleitung seiner Frachttransporte. Das Verkehrsministerium in Moskau teilte am Dienstag mit, Güter von Frachtschiffen könnten auf andere Verkehrsmittel und Routen verlagert werden. Zugleich ergreife man alle notwendigen Maßnahmen, um die Sicherheit der Schiffe in dem Gewässer zu gewährleisten. Das Landwirtschaftsministerium betonte, die verstärkten Angriffe auf Frachter würden weder die russischen Exportkapazitäten noch die Versorgung des heimischen Lebensmittelmarkts beeinträchtigen.

Langstreckendrohnen legen Tausende Kilometer zurück
Die vermehrten Angriffe im Asowschen Meer sind die nächste Etappe einer ausgeklügelten Taktik. In der ersten Phase hatte die Ukraine die Flugabwehr der Russen in den besetzten Gebieten und der seit 2014 annektierten Krim konsequent ausgeschaltet. Seitdem hat Kiew die russischen Militäreinrichtungen und deren Treibstoffversorgung im Visier.

Langstreckendrohnen wie der Eigenbau Ljuty reichen mittlerweile tief in russisches Gebiet und zielen auf unter anderem große Raffinerien. Der Hersteller Fire Point gibt für seine Drohnen eine Reichweite von bis zu 3.400 Kilometern an, so das „Wall Street Journal“. Bisher seien die Schäden durch Drohnen in den Raffinerien noch zumindest binnen weniger Monate reparierbar gewesen, das könnte sich bei höheren Sprengstoffladungen allerdings ändern.

Ukrainische Treffer in Sibirien
Mittelstreckendrohnen mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern überwachen unterdessen die Straßen zur Front und verbrennen nicht nur Militärfahrzeuge, sondern auch Dutzende Tanklaster und kleinere Depots auf der Krim, bei Donezk und in Luhansk.

Am Montag vergangener Woche trafen ukrainische Drohnen Russlands größte Raffinerie im sibirischen Omsk, über 2.400 Kilometer entfernt von den von Kiew kontrollierten Landesteilen, so das „Wall Street Journal“ weiter. Nach den Treffern musste Russland laut informierten Personen die Produktion stoppen, offiziell hieß es nur, dass man die Schäden begutachte. Allerdings brachte die Raffinerie in Omsk danach keinen Treibstoff in den entsprechenden Markt in St. Petersburg.

Treibstoffmangel in Russland
In Russland herrscht wegen der ständigen Angriffe bereits Treibstoffmangel. Tankstellen geben Treibstoffe nur noch in begrenzten Mengen aus, und Autofahrer und Autofahrerinnen müssen lange in der Schlange stehen, um überhaupt noch welchen zu bekommen. Die Krim als größte Nachschubbasis der russischen Militärs im Süden spürt den Treibstoffmangel seit Monaten.

Vergangene Woche setzte Russland den Export von Diesel aus und kündigte den Import von Treibstoffen an. Zuletzt war Russland der größte Exporteur von Diesel. Zudem zapft Russland seine strategischen Reserven an und importiert Insidern zufolge erstmals auch Kraftstoff über den Seeweg aus Indien. Wegen fehlender Verarbeitungsmöglichkeiten wird Rohöl verstärkt exportiert. Russland hat die Veröffentlichung von Daten zur Ölförderung im April 2023 eingestellt.

Russland reduziert Ölförderung
Die ukrainischen Drohnenangriffe legten den Betrieb in zahlreichen großen Raffinerien lahm, darunter im Werk von Norsi, bei dem es sich um einen großen Benzinproduzenten des Landes handelt. Zudem musste die Raffinerie in Saratow die Produktion einstellen. Insidern zufolge fehlen derzeit täglich zwischen 40.000 und 45.000 Tonnen Benzin, um den sommerlichen Bedarf zu decken. Das entspricht einem Defizit von rund 35 Prozent. Der tägliche Benzinbedarf in Russland liegt während der Hauptreisezeit im Sommer bei etwa 115.000 bis 120.000 Tonnen.

Die russische Ölförderung wird heuer wegen der ukrainischen Drohnenangriffe voraussichtlich um rund drei Prozent auf 8,9 Millionen Barrel pro Tag sinken, teilte die Internationale Energieagentur (IEA) am Freitag in ihrem monatlichen Marktbericht mit. Die Benzinproduktion fiel nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters und Angaben von zwei Insidern auf rund 65 Prozent des saisonal üblichen Verbrauchs.


14.07.2026, red, ORF.at/Agenturen
Asowsches Meer: Ukraine nimmt „Schattenflotte“ ins Visier
 

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#11
Russlands Angriffskrieg
Wie Kyjiw Putins Schattenflotte rund um die Krim Schiff um Schiff ausknipst
Seit zwei Wochen greift die Ukraine mit ihren Drohnen systematisch russische Frachtschiffe an. Fällt die 2014 annektierte Halbinsel, ist auch Moskau besiegt, so das Kalkül

Die ukrainische Armee schickt Bilder von erfolgreichen Angriffen auf russische Schiffe in die Welt.
via REUTERS/Commander of Unmanne

Momentan ist es neben den erfolgreichen Drohnenangriffen auf Ziele in Russland vor allem eine Sphäre im Krieg, in der die Ukraine mit besonderer Vehemenz in die Offensive geht: der Informationsraum. Eben erst hatten Kyjiws findige Strategen den Neologismus "Langstreckensanktionen" ersonnen, um die erfolgreichen Drohnenangriffe auf Russlands Ölindustrie tief im Hinterland greifbar zu machen. Wenig später folgte mit dem "Logistik-Lockdown", den man über die Invasionstruppen im Süden der Ukraine und auf der Krim zu verhängen plant, der zweite Streich.

Für die jüngste Operation des ukrainischen Drohnenkommandanten Robert Browdi, Kampfname "Magyar", hat man sich einen noch kreativeren Titel einfallen lassen: "MoLoChKa". Was wie das umgangssprachliche Wort für "Milch" klingt, ist eigentlich ein Akronym: "Moskau wird über die Krim fallen."

Putin in die Knie zwingen
Der Name ist Programm: Kein Schiff soll die 2014 illegal annektierte Halbinsel mit Treibstoff versorgen können. Die Brücken, über die Russland die Krim bisher beliefert hat, wurden im Frühsommer ein ums andere Mal zerstört. Wird die Krim nun auch vom Meer aus isoliert und Russlands Öl vom Weltmarkt abgeschnitten, so das Kalkül, könne man Wladimir Putin in die Knie zwingen.

Es geht aber um weit mehr als Psychologie. Das Asowsche Meer, etwa halb so groß wie Österreich und seit der Besetzung der ukrainischen Küste faktisch ein russisches Binnenmeer, hat sich binnen weniger Tage in ein Tummelbecken russischer Geisterschiffe verwandelt, die führungslos in den seichten Gewässern dahindümpeln.


Das Asowsche Meer ist seit der Besetzung der ukrainischen Ostküste (oben links) zur Gänze unter russischer Kontrolle. Die Ukraine will das nun ändern.
via REUTERS/NASA WORLDVIEW

So ähnlich wie dem Iran in der Straße von Hormus gelingt es der Ukraine ihrerseits im Asowschen Meer, einen – für den Gegner – bedeutsamen Wasserweg mithilfe von Drohnen faktisch zu sperren. Kyjiws Taktik, die russischen Schiffe nicht zu versenken, sondern nur ihre Steuerkabinen zu zerstören, schont nicht nur die ohnehin vom Krieg geplagte Umwelt, sondern beschäftigt auch Russlands Truppen, die aufwendig in See stechen müssen, um die havarierten Kutter zu bergen.

Mehr als 120 Zubringerschiffe, mit denen Russland seit Ende Juni die Krim mit Treibstoff versorgt und Öl in Richtung seiner Großtanker im Schwarzen Meer transportiert, wurden bisher angegriffen. Gestartet wurden Kyjiw FP-2-Mittelstreckendrohnen von ukrainischem Gebiet aus, bis zu 300 Kilometer weit flogen sie über die besetzte Südukraine hinweg bis zu ihrem Ziel. Auch Getreidetransporte aus den besetzten Gebieten in Richtung des Schwarzen Meeres wurden ins Visier genommen. Und das, so Browdi, war nur der Auftakt.

Neuer Schauplatz Schwarzes Meer
Vor einer Woche hat er den Schauplatz der zweiten Phase von MoLoChKa verraten: das Schwarze Meer. Dort, etwa beim Hafen Noworossijsk, treibt Russlands Schattenflotte ihr Unwesen. Bisher wurden sie in großem Stil von den Zubringerschiffen aus dem Asowschen Meer beliefert. Nun geraten die Tanker selbst ins Visier von Browdis Drohnen. 70 von ihnen sollen bis jetzt schon zerstört worden sein, wie es vonseiten der ukrainischen Armee heißt. Legen ihre Drohnen Russlands – vom Westen nur halbherzig unterbundenen – Ölexport weiter lahm, dürfte dies Moskaus Kriegskasse empfindlich schmälern.

In Moskau gibt man sich von den Angriffen nach außen hin unbeeindruckt. "Echte Piraten", erklärte Außenminister Sergej Lawrow, würden zumindest Beute machen, der Ukraine gehe es einzig um "Terror" und "Zerstörung". Am Mittwoch legte Russland Hafenanlagen in Odessa und Tschornomorsk in Schutt und Asche. Zugleich muss Russland Drohneneinheiten von der Front abziehen und näher am Meer in Stellung bringen, um die wichtigen Seewege zu schützen.


Robert Browdi hat große Pläne für seine Operation MoLoChKa.
AFP/GENYA SAVILOV

Russland steht diesen Sommer nämlich auch deshalb so nackt da, weil es viele Flugabwehrbatterien aus dem Kampfgebiet abgezogen hat, um stattdessen Moskau und Putins Residenzen zu schützen. Vieles von dem, was dort verblieben ist, wurde im Frühling von ukrainischen Mittelstreckendrohnen zerstört.

Dass diese ihre Ziele so häufig treffen, hängt auch mit einer strategischen Fehlkalkulation zusammen, die Moskau jetzt – fast buchstäblich – auf den Kopf fällt. Weil US-Präsident Joe Biden seinem Kyjiwer Verbündeten Angriffe auf das russische Hinterland lange untersagt hatte, wiegte man sich im Kreml in Sicherheit.

"Man hat sich auf Artillerie konzentriert und ist in Rückstand geraten, was Luftverteidigung betrifft", sagt Emily Ferris, die als Senior Associate Fellow am Londoner Royal United Services Institute (RUSI) forscht, dem STANDARD.

Russlands Logistikkette betroffen
Genau das könnte für Moskau jetzt nachhaltige Folgen zeitigen: "Die Ukraine hat Russland gezwungen, seine strategische Tiefe neu zu denken. Weil seine Wasserwege verwundbar sind, etwa die Kanäle, die ins Asowsche Meer führen, gerät die gesamte Logistikkette in Gefahr. Wenn man den Don nicht mehr nutzen kann, müssen Schiffe auf die Wolga ausweichen, die in das Kaspische Meer mündet."


Noch steht sie, die Brücke von Kertsch - die hier auf einer Fotowand abgebildet ist.
EPA/ANATOLY MALTSEV

Die Schlinge, die Kyjiw um die Krim gelegt hat, zieht sich derweil enger zu. Daran hat auch das spektakuläre Aus von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow nichts geändert, der als Ideengeber von Kyjiws Drohnenprogramm gilt. Mittlerweile sind drei der fünf Fähren, mit denen Waren und Personen die Straße von Kertsch zwischen der Krim und dem russischen Kernland passieren können, außer Betrieb.

Trotzdem bezweifelt Ferris, dass Kyjiws Ziel, Moskau durch die Isolierung der Krim zu Fall zu bringen, aufgehen wird: "Es gibt keinen Hinweis, dass Russland deshalb seine Position ändert und an den Verhandlungstisch kommt. Das ist nicht in Putins Psychologie."

Am Dienstag setzten Kyjiws PR-Profis noch einen drauf. In einer – auf Ukrainisch und Krimtatarisch, nicht aber auf Russisch verfassten – Broschüre gaben sie Tipps, wie sie sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Krim auf die Rückeroberung der Halbinsel vorbereiten können. Dort wird etwa empfohlen, Wasser, Lebensmittel, Medikamente und Bargeld zu horten.

Moskau will Panik verhindern
Warum Moskau bisher davor zurückschreckt, die von Mangelwirtschaft gezeichnete Halbinsel zu evakuieren, erklärt sich Ferris mit einem Dilemma: "Einerseits wartet man darauf, der Ukraine Kriegsverbrechen vorwerfen zu können, wenn Zivilisten zu Schaden kommen. Andererseits will man Panik verhindern. Deshalb redet man den Druck auf die Krim klein."

Die Zerstörung der für Putin so prestigeträchtigen Krim-Brücke bei Kertsch, über die derzeit noch Autoverkehr fließt, hält Ferris für keine gute Idee: "Das wäre militärisch zwar möglich, politisch wäre es aber unklug, weil man damit Zivilisten schaden würde."

Wohl auch deshalb gab sich Kyjiws Drohnenkommandant Browdi kürzlich – auf seine Art – großzügig: "Die Brücke steht aus genau einem Grund noch: damit die Besatzer sich verpissen können."
(Florian Niederndorfer, 23.7.2026)
Wie Kyjiw Putins Schattenflotte rund um die Krim Schiff um Schiff ausknipst
 

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#12
LNG-„Schattenflotte“
Russland im Wettlauf gegen EU-Sanktionen
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Moskau versucht derzeit mit allen Mitteln, die Folgen des ab 2027 geltenden EU-Importverbots von russischem Flüssiggas (LNG) abzufangen. Moskau will die Sanktionen – ähnlich wie bei Öl – durch eine „Schattenflotte“ umgehen, auch wenn das tiefgekühlte Flüssiggas viel komplexere Transportschiffe erfordert. Die Einnahmen aus dem Gasverkauf sind für den Kreml eine wichtige Einnahmequelle. Diese stiegen zuletzt wieder deutlich – am Dienstag werden die neuesten Zahlen zur russischen Handelsbilanz präsentiert.
Online seit heute, 6.09 Uhr
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Dann gibt es ein aktuelles Bild, wie sich die russischen Öl- und Gasexporte entwickeln. Die Ukraine selbst versucht ja, mit Drohnenangriffen auf russische Produktionsanlagen diese Geldquelle für Präsident Wladimir Putin möglichst einzudämmen. Gegen die Drohnen hat Russland bisher kein Mittel gefunden. Gegen die EU-Sanktionen, die sich ab Jänner sprunghaft verschärfen, versucht Moskau aber vorzubauen.

Laut Berichten von „Financial Times“ („FT“) und der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg kauft Russland derzeit gebrauchte LNG-Tanker auf. Außerdem nahm es die ersten zwei selbst gebauten Flüssiggastanker in Betrieb. Mindestens acht LNG-Tanker wurden laut dem Seefahrtsdatendienst Windward im letzten Halbjahr von Russland aufgekauft. Damit hat Russland laut „FT“ mittlerweile eine Flotte von 25 LNG-Tankern.

Derzeit geht Großteil in die EU
Das werde es Russland erlauben, trotz der ab Jänner geltenden EU-Restriktionen weiter Flüssiggas zu exportieren. Anders als bei der Öl-„Schattenflotte“ – da konnte Russland sich Anleihen bei Venezuela und dem Iran nehmen – ist die russische LNG-„Schattenflotte“ weltweit einzigartig. Zuletzt verschärfte die EU bereits die Kontrollen von Öltankern im Mittelmeer, um zu prüfen, ob sie Teil der russischen „Schattenflotte“ sind.

Ab Jänner 2027 dürfen EU-Länder kein Flüssiggas mehr aus Russland importieren. Bisher geht fast das gesamte Flüssiggas, das im sibirischen Yamal-Werk produziert wird, nach Europa. Yamal gehört dem privaten Konzern Nowatek, der auch das Arktis-LNG-2-Werk betreibt. Beide zusammen sind laut „FT“ für fast zwei Drittel der russischen LNG-Produktion verantwortlich.

Ausnahme für griechischen Reeder
Außerdem muss der Verkauf von LNG-Schiffen an russische Staaatsbürgerinnen und -bürger vorab an Brüssel gemeldet werden. Wegen eines griechischen Reeders – und entsprechenden Drucks aus Athen – wurde aber im jüngst beschlossenen 21. Sanktionenpaket ein geplantes Verbot für europäische Reeder, russisches LNG zu transportieren, wieder gestrichen. Die EU will mit ihren Sanktionen dem Kreml die Finanzierung seines Kriegs gegen die Ukraine erschweren.

Derzeit rund 25 LNG-Tanker
Die bisher rund 25 LNG-Tanker umfassende Flotte ist weit von der rund 1.000 Tanker umfassenden „Schattenflotte“ zum Export von Öl entfernt. Allerdings sind LNG-Tanker viel teurer und aufwendiger in der Handhabung. Es gebe weltweit viel weniger LNG-Tanker, und sie brauchten eine spezielle Infrastruktur, die weltweit seltener vorzufinden sei, als jene für Öltanker, so Septimus Knox vom Informationsdienstleister S-RM.
„Es ist nicht möglich, alte, rostige LNG-Tanker zu kaufen und weiterzuverwenden wie bei Öltankern. Die globale Flotte ist viel kleiner und sehr neu“, so Knox gegenüber der „FT“. Häfen mit LNG-Infrastruktur befänden sich vor allem in Ländern, die nicht mit Russland verbündet seien.
Die Schiffe mit den riesigen Tanks müssen das Gas auf minus 126 Grad herunterkühlen, damit es transportiert werden kann. Die meisten der russischen LNG-„Schattentanker“ gehören – so wie die Öltanker – Postkastenfirmen in Dubai, Hongkong oder Singapur mit Verbindungen nach Russland.

Gleiche Taktik wie Öltanker
Die die westlichen Sanktionen umschiffenden LNG-Tanker bedienen sich der gleichen Praktiken wie die Öltanker: Das Signal auf hoher See wird oft abgedreht, und das Flüssiggas wird von einem Schiff auf ein anderes verladen, um die Herkunft zu vertuschen. Das Umladen ist allerdings bei Flüssiggas deutlich aufwendiger als bei Rohöl.

Weil ein französisches Unternehmen praktisch das Monopol auf die Konstruktion jenes Systems hat, das das Gas unter Druck hält, könnte Russland bald Probleme bekommen, selbst LNG-Tanker zu bauen. Allerdings werden in nächster Zeit einige gebrauchte LNG-Tanker zum Verkauf auf den Markt kommen, so der Chef das belgischen Gastransportunternehmens Exmar, Carl-Antoine Saverys. Sein Unternehmen konkurriere mit russischen Käufern um diese Schiffe. Exmar selbst baut sie zu Gasspeichern um – die Schiffe, die in Russland landen, werden wohl Teil der LNG-„Schattenflotte“.
11.08.2026, guti, ORF.at/Agenturen

LNG-„Schattenflotte“: Russland im Wettlauf gegen EU-Sanktionen
 
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