Russland steigt bei der internationalen ISS-Raumstation aus und baut eigene Station

josef

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Russland baut bereits an eigener Raumstation
Start des ersten Moduls könnte in vier Jahren stattfinden. Russlands ISS-Ausstieg wäre nicht das Ende der über 20 Jahre alten Raumstation
Seit Jahren berichtet Russland über Pläne einer eigenen Raumstation, nun dürfte das Projekt vor der Realisierung stehen: Nach eigenen Angaben wurde mit dem Bau der Station bereits begonnen. Arbeiten am ersten Basissegment seien am Laufen, schrieb der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, am Dienstag in seinem Nachrichtenkanal auf Telegram.
Start in vier Jahren
Der Raketenbauer Energija wurde demnach damit beauftragt, einen Start bereits in vier Jahren sicherzustellen. Bis dahin soll das erste Segment fertig sein. Russland verfolgt seit langem solche Pläne, die Entscheidung dazu sei erst kürzlich gefallen, berichteten Medien. Die Station solle wahrscheinlich nicht dauerhaft bewohnt sein. "Wir schließen nicht aus, dass es auch Gäste geben wird, aber die Station muss national sein", meinte Rogosin.

Saljut 1 war die erste Raumstation der Raumfahrtgeschichte. Sie wurde im April 1971 ins All gebracht und blieb dort für sechs Monate. Insgesamt hatte die Sowjetunion bzw Russland acht Stationen im Orbit. in den nächsten Jahren könnte eine neunte folgen.
Foto: USSR Post

Russlands Abschied von der ISS
Mit einer eigenen russischen Station im Orbit könnte das Ende der Internationalen Raumstation ISS schneller kommen als gedacht, zumindest aber die russische Beteiligung an dem Projekt. Bis 2024 läuft der Vertrag verschiedener internationaler Partner für eine Zusammenarbeit. Moskau hatte zuletzt eine Verlängerung sogar bis 2030 in Aussicht gestellt. Am Sonntag hatte Vize-Regierungschef Juri Borissow einen Ausstieg Russlands schon ab 2025 angedeutet.

Der Politiker verwies dabei auf den technischen Zustand des mehr als 20 Jahre alten Außenpostens der Menschheit in 400 Kilometern über der Erde. "Wir können Leben nicht in Gefahr bringen", hatte Borissow im Staatsfernsehen gesagt. Im vergangenen Jahr gab es mehrere Lecks in ISS, die Raumfahrer geflickt haben.

Kein zwingendes Ende für ISS
Ein Ausstieg Russlands aus dem ISS-Projekt sei jedoch nicht zwangsläufig das völlige Ende der Station bedeuten. "Das heißt nicht, dass die Station nach 2025 sofort zerstört und versenkt wird", sagte Rogosin der Agentur Interfax zufolge. "Es ist nur so, dass wir die Verantwortung für unser Segment an unsere Partner übertragen werden." Ebenso könnten die Kosten auf "kommerzieller Grundlage" von russischer Seite getragen werden. "Wir beginnen Verhandlungen mit unseren Partnern von der Nasa", ergänzte Rogosin.

Roskosmos hatte zuletzt mitgeteilt, dass nach 2024 auf Grundlage des Zustands eine Entscheidung zur Zukunft getroffen werden sollte. Kremlchef Wladimir Putin hatte gefordert, sein Land müsse den Status als eine der führenden Atom- und Raumfahrtmächte behalten und stärken. Die Agentur Interfax meldete, die neue Station könnte die Nation Russland bis zu sechs Milliarden US-Dollar kosten.
(APA, red, 21.4.2021)

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#3
HOLPRIGE ANKUNFT VON NAUKA
Zwischenfall beim Andocken: ISS geriet kurzfristig außer Kontrolle
Neues russisches Labormodul feuerte nach dem Koppeln seine Triebwerke. Start des Starliner-Raumschiffs von Boeing abgesagt

Das neue russische Modul Nauka kurz vor dem Andocken an die ISS.
Foto: Nasa
Acht Tage dauerte die Anreise eines neuen Segments der Internationalen Raumstation ISS, dem ersten seit über zehn Jahren. Doch das Andocken des russischen Forschungsmoduls Nauka verlief alles andere als reibungslos: Zunächst näherte sich das Modul auf einem falschen Kurs, der jedoch weniger als eine Stunde vor der Ankunft durch das kurze Anwerfen der Bordtriebwerke korrigiert werden konnte. Außerdem gab es vorübergehende Probleme mit dem manuellen Toru-Ankoppelungssystem, einem wichtigen Back-up-System. Auch diese Störung konnte schnell behoben werden.
Gekippte ISS
Deutlich unangenehmer war dagegen eine Panne, die sich nach dem Andocken ereignete: Wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Donnerstag berichtete, hatten die Triebwerke von Nauka nach dem Koppeln "versehentlich und unerwartet" gefeuert. Der Zwischenfall führte dazu, dass die gesamte ISS um 45 Grad aus ihrer regulären Lage geriet.

Keine Gefahr für die ISS-Crew
Durch einen Notfalleinsatz habe die ISS aber wieder in ihre reguläre Flugbahn zurückgebracht werden können. Die Besatzung sei zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen, und die ISS und alle Systeme an Bord funktionierten normal. Allerdings verlor die Nasa für fast eine Stunde die Kontrolle über die Position der Station im All. In der Folge brach auch der Kontakt zur Crew für elf Minuten ab.

Zuvor war Nauka ("Wissenschaft") wie geplant an der Raumstation in rund 400 Kilometern Höhe angedockt, wie eine Liveübertragung der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos gezeigt hatte. Für die Fertigstellung sind nun mehrere Außeneinsätze russischer Kosmonauten geplant.

"Auf der ISS ist Ordnung"
Der Flugdirektor des russischen Teils der ISS, Wladimir Solowjow, nannte eine kurzzeitige Software-Störung als Grund für die Panne. Nachdem wieder alles ins Lot gebracht worden war, setzte man die Inbetriebnahme des neuen Weltraum-Labors fort. Die Spezialisten arbeiteten vom Flugleitzentrum aus an den Triebwerken des neuen Moduls, um so die Sicherheit der ISS und der Besatzung zu gewährleisten, teilte die Raumfahrtbehörde Roskosmos mit.

"Auf der ISS ist Ordnung", schrieb Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin später im Kurznachrichtendienst Twitter. "Die Kosmonauten ruhen sich aus. Das empfehle ich Ihnen auch", riet er nach der Aufregung auch der Nasa. Rogosin kündigte für den 24. November den Start eines weiteren Moduls an, das künftig das Andocken von Raumschiffen verbessern soll.

Video: Andocken des russischen Labormoduls Nauka.
Space Videos

Astronautentransporter bleibt am Boden
Wegen des Zwischenfalls teilte die Nasa mit, dass sie den für Freitag geplanten Start eines Starliner-Raumschiffs der Firma Boeing zur ISS zunächst auf unbestimmte Zeit verschiebe. Mit dem unbemannten Testflug soll die Grundlage dafür geschaffen werden, dass mit dem Starliner künftig Astronauten zur Raumstation transportiert werden können.

Eigentlich sollte das schon längst passieren, doch beim ersten Test im Dezember 2019 hatte es das Raumschiff nicht in den Orbit und zur ISS geschafft, unter anderem wegen eines Problems mit der automatischen Zündung der Antriebe. Die Verschiebung "gibt dem Team der Internationalen Raumstation Zeit, Tests am neu eingetroffenen Nauka-Modul von Roskosmos fortzusetzen und sicherzustellen, dass die Station für die Starliner-Ankunft bereit ist", hieß es weiter.


Ein schematischer Blick in das neue Mehrzweckmodul Nauka.
Illustr.: Roscosmos

Endlich wieder gewachsen
Nach zahllosen Verschiebungen und Planänderungen war das Labormodul Nauka am 21. Juli um 16.54 Uhr MESZ an Bord einer Trägerrakete vom Typ Proton-M vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in der Steppe der zentralasiatischen Republik Kasachstan gestartet. Es soll am russischen Teil der Station das ausgediente Modul Pirs (Anlegestelle) ersetzen, das kürzlich abgedockt und im Pazifik versenkt wurde – wodurch die ISS erstmals seit über zehn Jahren ihr permanentes Platzangebot erweitert.


Nauka ist das Schwestermodul von Sarja, dem ersten Segment der ISS im All. Das 13 mal 4,11 Meter große und 20 Tonnen schwere Mehrzweckmodul hängt am Segment Swesda, dem russischen Wohn- und Navigationsmodul der ISS.


Aktuell sind drei Raumschiffe an der ISS angedockt: die russischen Raumschiffe Progress 78 und Sojus MS 18 sowie die Crew-2 Dragon von Space X. Die Illustration zeigt auch die Position des neuen Labormoduls Nauka.
Illustr.: Nasa

Mehrzweckmodul mit Toilette
Das Labor verfügt über drei Kopplungsadapter, einen für die ISS, zwei weitere für Sojus- oder Progressraumschiffe und zusätzliche große Solarpaneele. Außerdem kommt nun endlich auch der Roboterarm European Robotic Arm (ERA) zum Einsatz. Der Arm war von der Esa entworfen worden und wartete jahrelang auf seinen Start.

Nauka soll 70 Kubikmeter Wohn- und Arbeitsraum beisteuern. Neben einem zusätzlichen Schlafplatz ist es auch mit einer weiteren Weltraumtoilette ausgestattet, der nunmehr dritten auf der ISS. Bisher standen auf der Raumstation rund 1.200 Kubikmeter Wohn- und Arbeitsraum zur Verfügung. (tberg, red, 30.7.2021)
Zwischenfall beim Andocken: ISS geriet kurzfristig außer Kontrolle
 
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