"Thunderforge"
Pentagon will mit KI in den Krieg, das Silicon Valley hilft dabei
Das US-Verteidigungsministerium will Entscheidungen in Kampfeinsätzen teilweise Künstlicher Intelligenz überlassen
"Das Zeitalter des Kriegs der KI-Agenten hat begonnen. Unsere Feinde warten nicht", prophezeit das KI-Unternehmen Scale AI.
Foto: EPA/MARTIN DIVISEK
"Das erste Land, das Künstliche Intelligenz vollständig in die militärische Entscheidungsfindung einbezieht, wird die Geschichte des 21. Jahrhunderts formen." Manche mögen beim Lesen dieser Zeilen an einen dystopischen Sci-Fi-Thriller aus Hollywood denken. Was das kalifornische KI-Unternehmen Scale AI aber auf seiner Website prophezeit, scheint im echten Leben zumindest die Strategen des US-Verteidigungsministeriums zu überzeugen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat die im Pentagon angesiedelte Defense Innovation Unit (DIU) einen Vertrag mit Scale abgeschlossen, um KI-Agenten in militärische Entscheidungsprozesse zu integrieren.
Scale AI und die DIU arbeiten demnach am Projekt "Thunderforge" zusammen, dessen Ziel unter anderem darin besteht, KI in die Planung militärischer Operationen und den Einsatz auf Kriegsschauplätzen zu integrieren. "Die heutigen militärischen Planungsprozesse beruhen auf jahrzehntealten Technologien und Methoden, die ein fundamentales Ungleichgewicht zwischen dem Tempo moderner Kriege und unserer Reaktionsgeschwindigkeit herstellen", sagt Bryce Goodman, der Leiter des Thunderforge-Projekts, in einer Aussendung der DIU. Zusätzlich in das Projekt eingebunden sind die Tech-Unternehmen Microsoft und Anduril.
"Unsere Feinde warten nicht"
"Das Zeitalter des Kriegs der KI-Agenten hat begonnen. Unsere Feinde warten nicht", macht Vertragspartner Scale auf seiner Website die eigene Zukunftsaussicht klar. Während in der klassischen Kriegsführung Individuen mit über Jahrzehnte gewachsenem Fachwissen in Einzelbereichen zusammenarbeiten und oft Tage für vernünftige Entscheidungen brauchen würden, greife KI auf Wissen aus 4000 Jahren zurück und treffe Entscheidungen in wenigen Minuten, heißt es weiter. Bei alledem werde die KI freilich unter "sorgfältiger menschlicher Aufsicht" stehen, wie Scale in einer Aussendung sicherheitshalber festhält, während die DIU auf den Hinweis verzichtet.
Scale-AI-CEO Alexandr Wang bei einem Briefing vor Abgeordneten zum US-Kongress.
IMAGO/Jack Gruber
Genau einen Tag vor Bekanntwerden der Kooperation mit dem Pentagon durfte Scale-CEO Alexandr Wang – ein Sohn chinesischer Einwanderer – in einem Gastkommentar für den Economist die Agenda des Unternehmens verdeutlichen: "Kriege, sowohl heiße als auch kalte, haben lange Zeit Kulturen geprägt und die Freiheit und den Wohlstand gesichert, den so viele im Westen jetzt für sicher halten. Im Kampf um die Vormachtstellung in der agentengeführten Kriegsführung gibt es zwei mögliche Endspiele: Entweder der Westen gewinnt und kann seine Grundwerte wie Meinungsfreiheit verteidigen, oder er gibt seine Vorherrschaft an autoritäre Regime ab, die die demokratische Lebensführung grundlegend verändern könnten." Wer genau den Westen am stärksten bedroht, ist für Wang auch klar: China, das KI in allen Bereichen der Kriegsführung einsetzen wolle.
Thunderforge werde KI-gestützte Planungsfunktionen, Entscheidungshilfetools und automatisierte Arbeitsabläufe bereitstellen. Zum Einsatz kommen dabei Large-Language-Modelle, die auch KI-Chatbots wie ChatGPT zugrunde liegen, KI-gestützte Simulationen und interaktive, agentenbasierte Kriegsspiele. Angewandt werden soll Thunderforge zunächst beim Indo-Pacific Command und European Command der U.S. Army.
KI bereits im Einsatz
Dass KI bereits im Kriegseinsatz ist, zeigt der Krieg in Nahost. Die israelische Armee operiert dort unter anderem mit KI-Modellen von Microsoft, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Diese würden dabei helfen, Angriffsziele genauer und wirkungsvoller zu identifizieren, wie es vonseiten des israelischen Militärs hieß. Die KI arbeite dabei aber immer mit hochrangigen Offizieren zusammen, um internationales Recht einzuhalten und den militärischen Nutzen gegen mögliche Kollateralschäden abzuwägen.
Im ukrainischen Militär kommt die KI unter anderem zum Einsatz, um im Krieg gegen Russland Videoaufnahmen von Drohnen auszuwerten und in die Entscheidung über Angriffsziele und die Zielansteuerung von Waffen einfließen zu lassen.
(Michael Windisch, 7.3.2025)
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Foto: EPA/MARTIN DIVISEK
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Scale AI und die DIU arbeiten demnach am Projekt "Thunderforge" zusammen, dessen Ziel unter anderem darin besteht, KI in die Planung militärischer Operationen und den Einsatz auf Kriegsschauplätzen zu integrieren. "Die heutigen militärischen Planungsprozesse beruhen auf jahrzehntealten Technologien und Methoden, die ein fundamentales Ungleichgewicht zwischen dem Tempo moderner Kriege und unserer Reaktionsgeschwindigkeit herstellen", sagt Bryce Goodman, der Leiter des Thunderforge-Projekts, in einer Aussendung der DIU. Zusätzlich in das Projekt eingebunden sind die Tech-Unternehmen Microsoft und Anduril.
"Unsere Feinde warten nicht"
"Das Zeitalter des Kriegs der KI-Agenten hat begonnen. Unsere Feinde warten nicht", macht Vertragspartner Scale auf seiner Website die eigene Zukunftsaussicht klar. Während in der klassischen Kriegsführung Individuen mit über Jahrzehnte gewachsenem Fachwissen in Einzelbereichen zusammenarbeiten und oft Tage für vernünftige Entscheidungen brauchen würden, greife KI auf Wissen aus 4000 Jahren zurück und treffe Entscheidungen in wenigen Minuten, heißt es weiter. Bei alledem werde die KI freilich unter "sorgfältiger menschlicher Aufsicht" stehen, wie Scale in einer Aussendung sicherheitshalber festhält, während die DIU auf den Hinweis verzichtet.
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IMAGO/Jack Gruber
Genau einen Tag vor Bekanntwerden der Kooperation mit dem Pentagon durfte Scale-CEO Alexandr Wang – ein Sohn chinesischer Einwanderer – in einem Gastkommentar für den Economist die Agenda des Unternehmens verdeutlichen: "Kriege, sowohl heiße als auch kalte, haben lange Zeit Kulturen geprägt und die Freiheit und den Wohlstand gesichert, den so viele im Westen jetzt für sicher halten. Im Kampf um die Vormachtstellung in der agentengeführten Kriegsführung gibt es zwei mögliche Endspiele: Entweder der Westen gewinnt und kann seine Grundwerte wie Meinungsfreiheit verteidigen, oder er gibt seine Vorherrschaft an autoritäre Regime ab, die die demokratische Lebensführung grundlegend verändern könnten." Wer genau den Westen am stärksten bedroht, ist für Wang auch klar: China, das KI in allen Bereichen der Kriegsführung einsetzen wolle.
Thunderforge werde KI-gestützte Planungsfunktionen, Entscheidungshilfetools und automatisierte Arbeitsabläufe bereitstellen. Zum Einsatz kommen dabei Large-Language-Modelle, die auch KI-Chatbots wie ChatGPT zugrunde liegen, KI-gestützte Simulationen und interaktive, agentenbasierte Kriegsspiele. Angewandt werden soll Thunderforge zunächst beim Indo-Pacific Command und European Command der U.S. Army.
KI bereits im Einsatz
Dass KI bereits im Kriegseinsatz ist, zeigt der Krieg in Nahost. Die israelische Armee operiert dort unter anderem mit KI-Modellen von Microsoft, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Diese würden dabei helfen, Angriffsziele genauer und wirkungsvoller zu identifizieren, wie es vonseiten des israelischen Militärs hieß. Die KI arbeite dabei aber immer mit hochrangigen Offizieren zusammen, um internationales Recht einzuhalten und den militärischen Nutzen gegen mögliche Kollateralschäden abzuwägen.
Im ukrainischen Militär kommt die KI unter anderem zum Einsatz, um im Krieg gegen Russland Videoaufnahmen von Drohnen auszuwerten und in die Entscheidung über Angriffsziele und die Zielansteuerung von Waffen einfließen zu lassen.
(Michael Windisch, 7.3.2025)
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