Schloss und Park Schönbrunn, Wien 13.

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Diver

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#41
Hallo @Josef,

danke für deinen Lob!!:eek:

Hofburg ist ein sehr heikles Thema aber vielleicht machbar. Das Problem wird aber mehr mit der Veröffentlichung der Fotos und der Infos sein. Da kann es schon sein das die Herren und Damen in Zivil vor der Türe stehen.

Lg Thomas
 
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Diver

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#42
Kesselraum und unterirdischer Gang im Palmenhaus

Anbei ein paar Fotos von unterirdischen Gängen, welche vom Palmenhaus in das Kesselhaus und in den Tiergarten Schönbrunn verlaufen.

Bild1: Übersichtsskizze der Gänge im Palmenhaus
Bild2-5: Heizungsraum im Palmenhaus
 

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Diver

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#47
Kesselraum und unterirdischer Gang im Palmenhaus

Bild 31-33: Kesselhaus

Ich hoffe die Fotos haben gefallen!!

Bitte Entschuldigt die Qualität der Bilder, diese wurden alle mit den Smartphone aufgenommen.

Lg Thomas
 

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Harald 41

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#48
Hallo Thomas;

Die Fotos sind super egal ob mit Smartphone oder nicht die Technik ist heute um einiges bessere als auf Handys vor 15 Jahren.

Habe auch noch einige Fotos von Schönbrunn gefunden, noch aus dem Analog Zeitalter.

LG Harry
 

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Diver

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#50
Der geheimnisvolle Metternichgang

Ich möchte euch ein paar Bilder zeigen von geheimnisvollen Metternichgang in Schönbrunn.
Ich erlaube mir den kompletten Text über dessen Geschichte aus dem Buch "Geheimnisvolle Unterwelt von Wien - Gabriele Lukacs (u. R.Bouchal Fotograf)" zu zitieren.

Der Hietzinger Rechtsanwalt und Historiker DDr. Gebhard Klötzl wies die Autorin auf einen Bericht von DI Dr. Erich Schlöss, der in Heft 4/2002 der Wiener Geschichtsblätter erschienen war, hin, in welchen der Architekt über seine Entdeckung einer unbekannten Villa des ehemaligen Staatskanzlers Metternich am Grünen Berg berichtet. Er war auf der Suche nach Dokumenten über die Metternich`schen Besitzungen am Rennweg im dritten Bezirk im Archiv der Albertina auf einen Plan ohne Bezeichnung und Datum gestoßen, der sich keinem der Gebäudeteile an Rennweg zuordnen ließ. Wie sich herausstelle, gehörte er zu einem ehemaligen Besitz Metternichs auf dem Grünen Berg bei Schönbrunn, der in der Fachliteratur nicht erscheint, obwohl er im Archiv des Bezirksmuseums Meidling in Wort und Bild dokumentiert ist.
Diese Villa mit angrenzendem Garten liegt auf der Meidlinger Seite des Schönbrunner Schlossparks. Aufmerksame Besucher können noch heute die ehemals pompöse Villen-Einfahrt zwischen zwei Säulen in der Parkmauer hinter dem Schönbrunner Obelisken erahnen. Die vom Schloss kommende Achse der Obelisken-Allee läuft in einer Linie auf dieses heute vermauerte Einfahrtstor zu. Die Schlossmauer macht dort einen unerklärlichen Knick und steht in einem Winkel von 90 Grad zur Obelisken-Allee, was nur mit einer früheren Fortsetzung der Allee erklärt werden kann. Ein Stich von Ziegler und Janscha aus dem Jahr 1781 zeigt den Obelisken mit Grotte und Brunnen in dem Zustand, wie er von Hohenberg im Jahre 1777 erbaut worden war. Darauf ist im Hintergrund ein prunkvolles zweiflügeliges, schmiedeeisernes Gittertor mit Steinsäulen und Vasenaufsätzen zu erkennen. Dabei handelt es sich ganz offensichtlich um diese Einfahrt zu einem Anwesen, das vom Schlosspark aus durch die Obelisken-Allee betreten werden konnte und bereits 1777 bestanden haben muss. Die Villa war vermutlich für den Staatskanzler Maria Theresias, den Fürsten Kaunitz, erbaut oder zumindest geplant worden und fiel später wie der Großteil seines Besitzes durch die Heirat seiner Enkelin Marie-Eleonore von Kaunitz-Rietberg (1775-1825) an Metternich. Einer der späteren Eigentümer war Leopold Popper von Podhragy (1886-1986), der Ehemann der berühmten Opernsängerin Maria Jeritza. Das deshalb Jeritza-Villa genannte Gebäude wurde 1965 abgerissen, das Areal mit den Wohnhäusern Grünbergstraße 16 und 18 verbaut.
DI Schlöss berichtet auf Seite 333 des erwähnten Heftes von dem unterirdischen Gang: Dieser liegt oberhalb des Obelisken und führt genau auf die ehem. Villa Metternich zu. Der Gang ist so hoch, dass man drin gehen kann..... wie aus einer Mitteilung eines heutigen Bewohners des Hauses Grünbergstraße 18 hervorgeht, fand sich beim Bau dieses Hauses ein Keller mit einem talseits führenden Gangstück, über den Näheres nicht eruierbar war. Man vermutete einen Eiskeller und ein solcher kann dieser ja auch durchaus gewesen sein.
Leider fehlt eine genaue Beschreibung dieses 1966 von Schlöss wieder entdeckten Ganges, daher waren seine Länge, Höhe und Breite sowie seine exakte Ausrichtung unbekannt.
Ohne den Bericht und somit den Zusammenhang mit der Villa Metternichs zu kennen, hatte Robert Bouchal im Jahr 2001 im Zuge seiner Arbeit an dem Buch "Mystisches Wien" diesen Gang bereits betreten. Er erinnert sich noch, dass sich der Einstieg damals unter einer Holzhütte im dichten Gebüsch hinter dem Obelisken befand. Obdachlose hatten diese Hütte als Winterquartier verwendet und sogar im Gang gehaust. Nun sollte die Suche nach dem geheimnisvollen Gang aufgenommen werden, um eine im Bereich der Möglichkeiten liegende geheime Verbindung zwischen der Villa und Schloss Schönbrunn zu finden.

Ein mysteriöser Geheimgang

Ein Gespräch mit dem heute 92-jährigen Architekten, der sich noch genau an die bauliche Situation des Jahres 1966 erinnert, lässt zwei Hypothesen zu: Entweder handelte es sich lediglich um einen Verbindungsgang zwischen dem Palais und einem mit Sicherheit vorhandenen Eiskeller unterhalb des Metternich`schen Anwesens, oder aber der Gang führte von der Villa in den Schönbrunner Schlosspark. Dieser Meinung sind auch die Eigentümer der Wohnhausanlage, welche sich heute auf dem Grundstück befindet. Sie hatten schon von unterirdischen Verbindungsgängen zum Schloss und sogar zur Gloriette gehört. In den Bezirksmuseen war jedoch nichts darüber zu erfahren.

Die Spurensuche

Eine Spurensuche im Gelände sollte Aufklärung bringen. Vom ehemaligen Tunneleinstieg war nichts mehr zu sehen, das gesamte Areal um den Obelisken war neu gestaltet worden. Dabei war die alte Holzhütte, die sich noch 2011 über den Tunneleingang befunden hatte, abgerissen, das Gelände gerodet und aufgeschüttet worden. Der Werkmeister gab an, dass ein Metalldeckel als Verschluss über den Tunneleinstieg gesetzt worden sein, der Zugang war somit verschlossen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, diesen Deckel unter dem aufgeschütteten Erdmaterial zu finden, half nur mehr ein Metallsuchgerät. Tatsächlich konnte der verschlossene Zugang auf diese Weise gefunden werden.
Darunter liegt in geringer Tiefe der Gang noch unversehrt da, so wie er vermutlich vor 230 Jahren angelegt worden war. Der aus Ziegeln errichtete, 162 Zentimeter breite und stellenweise bis 220 Zentimeter hohe Gewölbegang führt auf der einen Seite unter die Mauer der heute verschwundenen ehemaligen Metternich-Villa und auf der anderen Seite weiter in Richtung Schönbrunner Bad. Alle ein bis 1,2 Meter gibt es auf derselben Höhe einander gegenüberliegende quadratische Ausnehmungen in den beiden Seitenwänden, deren Zweck nicht klar ist. Hier könnten einst Pfosten das Gewölbe gestützt haben. Dann müsste sich die Gangsohle damals allerdings um ca. einen Meter tiefer befunden haben. Da der heutige Boden tatsächlich aus lockerem Erdreich besteht, könnte dieses im Lauf der Zeit eingesickert oder eingefüllt worden sein. Vielleicht handelt es sich bei den Ausnehmungen auch nur um Nischen zur Befestigung von Kerzen. Das Team konnte in schnurgerader Richtung ca. 30 Meter weit in den Gang vordringen. Eine vermorschte Parkbank lag als letzter Rest des ehemaligen Obdachlosenquartiers noch im feuchten Erdreich. Dann allerdings versperrte ein Erdhaufen den Weg, durch den erst ein schmaler Durchschlupf freigelegt werden musste. Danach führt der Tunnel aber nur mehr wenige Meter weit, bis eine Ziegelwand den Weg 33 Meter vom Einstieg entfernt versperrt. Somit war nun zwar die Existenz des vermuteten Ganges, der von der Villa ausging, bewiesen, nicht aber seine ehemalige Länge, Anfang und Ende, sein Verlauf und sein Zweck. Eine genaue Vermessung ergab zweifelsfrei, dass es sich um eine unterirdische Verbindung zum Obelisken oder zum Schloss handelt. Der Plan zeigt die exakte Richtung des aufgefundenen Ganges: Er kommt vom ehemaligen Metternich-Besitz und führt wieder darunter, wobei er zweimal die Schönbrunner Grundstücksgrenze schneidet. Einst führte es in beide Richtungen weiter, heute aber versperren neuere Ziegelwände den Weg.

Ein Kriechgang zur Kleinen Gloriette

Auch Personen, welche den geheimnisvollen Gang schon gesehen haben, kennen seinen Zweck nicht: So war der 1945 geborene Hugo Fischer als zwölfjähriger Knabe darin herumgekrochen, schon damals war der weitere Durchgang durch den Erdeinbruch versperrt. Man habe ihm gesagt, der Gang sei von jüdischen Zwangsarbeiter zugeschüttet worden.........
Fischer erforschte als Knabe aber noch einen zweiten Gang , der von der Villa zu einem heute nicht mehr existenten Salettl beim Parkeingang auf der Hohenbergbrücke führte. Dort habe sich der Ausstiegsschacht aus dem 80 Zentimeter hohen und 200 Meter langen, aus Ziegeln errichteten Kriechgang befunden. Bei seiner geringen Höhe ist eher nicht anzunehmen, dass er als Geheimgang konspirativen Zwecken diente. Dass die Freimaurerloge, die angeblich die kleine Gloriette bei der Hohenbergbrücke benutzte, bei seiner Errichtung eine Rolle spielte, ist ebenfalls reine Spekulation. Die Antwort ist vermutlich wesentlich einfacher - aber man kennt sie nicht.
Quelle: Geheimnisvolle Unterwelt von Wien - Gabriele Lukacs (u. R.Bouchal Fotograf) Seite 189 bis 195

Es sind nicht alle Bilder kommentiert:

Bild1: Einstieg zum Gang
Bild2-5: Blickrichtung Rohrleitung
Bild6:Quadratische Ausnehmung, deren Zweck nicht geklärt ist


Lg Thomas
 

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Diver

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#52
Der geheimnisvolle Metternichgang

Bild14: Alter Nagel
Bild15: Vermorschte Parkbank
Bild16: Erdhaufen mit gegrabenen Durchschlupf
Bild17: Ende des Ganges
 

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josef

Administrator
Mitarbeiter
#54
"Metternichgang" Schönbrunn...

@Diver,
besten Dank für die tollen Bilder :bravo: ... sind eine gute Ergänzung zum Buch "Geheimnisvolle Unterwelt von Wien" :superOK

lg
josef
 

pauli

Active Member
#55
Suuper Bilder-genau die sind es ,welche das Forum so reizvoll macht !
Fehlt noch der Sagenumwogene Gang von der Hofburg zum Schloß Schönbrunn ?
Der aber sicher im Bereich der Fantasie liegt !
lg pauli
 
H

Harald 41

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#56
Hallo Thomas;:danke für die super Bilder, ist sehr interessant was es alles unter Schönbrunn verborgen ist:gut:.

LG Harry
 
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Diver

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#57
DANKE das euch die Bilder gefallen.

Mit der richtigen Literatur und ein paar Hinweisen findet man noch immer die Unglaublichsten Objekte und Orte. :)
Vielleicht finden wir auch irgendwann den geheimnisumwitterten Fluchttunnel von der Hofburg nach Schloss Schönbrunn - wer weiß! Die Gerüchte dazu halten sich ja sehr hartnäckig und auch ich bin davon überzeugt das es in gibt. Aus taktischer Sicht hätte es sehr viel Sinn gemacht diesen zu bauen und auch bis heute geheim zuhalten - vielleicht erfahren wir ja eines Tages die Wahrheit. ;)

Lg. Thomas
 
#58
Kesselhaus Schönbrunn

Kleine Detailinfo zum Heizhaus in Schönbrunn: Früher wurden die Wärme für die Palmenhäuser und den Tiergarten mit Koks erzeugt. Ich ging "Am Platz" in Hietzing in die Volksschule und da hatte man von meiner Klasse einen herrlichen Blick auf die LKWs, die den Koks dort mehrmals täglich lautstarkt abgekippt haben.

Im Jahr 2008 oder 2009 wurde das Heizhaus dann zu einem kleinen dezentralen Fernheizwerk (mit Gas betrieben) umgebaut, um damit neben den Einrichtungen in Schönbrunn auch das Parkhotel, Ekazent und das Amtshaus am Kai mit Fernwärme zu versorgen. Dazu wurde auch der Schlot mit Inlinern ausgestattet (ist auf einem der Fotos auch zu sehen, der komische Kragen am oberen Ende des Schlotes). Im Sommer 2010 haben sie sich dann entlang des asphaltierten Weges in Schönbrunn zum Hietzinger Tor vorgegraben, um dort unter der Straßenbahn zur stadtauswertigen Fahrsprur zu kommen. Dort gibt es dann einen Abzweiger ins Parkhotel (großer Deckel in der Fahrbahn)und etwas weiter vorne biegt die Leitung zum Ekazent ab. Zum Amtshaus wurde (glaub ich) zwischen Ekazent und Parkhotel durchgegraben um dann in der Eduard Klein Gasse rauszukommen und das Amtshaus anzuschließen.
 
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Diver

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#59
Schönbrunn vor "Schönbrunn" – Die Anfänge

Hier ein paar interessante Fakten über die Anfänge von Schönbrunn.

Die Anfänge der berühmten Schlossanlage lagen lange Zeit im Dunkeln und waren vom Glanz des barocken Prunkes im wahrsten Sinn des Wortes überstrahlt. Erst in den letzten Jahren konnte Licht in die Vorgeschichte des Schlosses gebracht werden, dessen ursprünglicher Name nicht "Schönbrunn", sondern "Katterburg" lautete.

Beschreibung des Schlosses Schönbrunn aus dem Jahre 1660: […] so auf Italienische Manier angeleget, von dreyen Geschoß hoch gebauet, und von Gemälden und anderen noch ziemlich mobilirt war. Aus dem Hause fuhren Wir zu dem Brunn, von dem der Ort den Nahmen hat […] auch sonsten die Quelle gar schön gefasset war […].
Zitiert nach Iby, Elfriede/Koller, Alexander: Schönbrunn, Wien 2000, S. 42

Die Gründe der späteren Schlossanlage standen seit dem 12. Jahrhundert unter der Herrschaft des Stiftes Klosterneuburg und wurden in den ältesten Quellen mit den Flurnamen „Chatternberg“ bzw. „Chaternburch“ bezeichnet. Die Keimzelle Schönbrunns bildete ein am Fuße eines bewaldeten Ausläufers des Wienerwaldes gelegenes Anwesen samt einer Mühle, die vom Wasser des nahen Wienflusses angetrieben wurde.

In der Nähe zur Stadt Wien gelegen, wechselten sich Wiener Bürger als Besitzer ab. Das Anwesen wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts zu einem Herrensitz samt Lust- und Weingarten umgebaut, für den sich der Name „Katterburg“ einbürgerte.

1569 gelangte die Katterburg schließlich in kaiserliche Hände, als Kaiser Maximilian II. den Besitz erwarb und einen Tiergarten, worunter man ein eingezäuntes Jagdgehege verstand, anlegen ließ.

Die inzwischen als Schönbrunn bezeichnete Anlage – laut einer Legende soll Kaiser Matthias während einer Jagd eine klare Quelle, den „schönen Brunnen“, entdeckt haben – erhielt unter Eleonore von Gonzaga, der zweiten Gemahlin Kaiser Ferdinands II., eine neue Bedeutung. Die Kaiserin brachte aus ihrer italienischen Heimat einige wichtige kulturelle Impulse nach Wien: vor allem die barocke Musikkultur des habsburgischen Hofes verdankt ihr eine erste Hochblüte.

Eleonore schätzte Schönbrunn außerordentlich und ließ, nachdem ihr das Schloss als Witwensitz zugesprochen worden war, in den frühen 1640er Jahren das alte Herrenhaus um einen repräsentativen Trakt im Stil des italienischen Frühbarocks großzügig erweitern. Dieser Zubau in Form eines lang gestreckten Baukörpers sollte für die zukünftige Entwicklung des Schlosses von entscheidender Bedeutung sein, wie bauhistorische Untersuchungen der letzten Jahre gezeigt haben: Das heutige Schloss wurde nämlich nicht, wie zuvor angenommen, ‚auf der grünen Wiese‘ erbaut. Der Mitteltrakt des Schlosses, wie es Fischer von Erlach nach 1696 errichtete, ruht auf den Grundmauern dieses Vorgängerbaues, der dadurch die Grunddisposition der gesamten Anlage vorgab.

Unter Eleonores gleichnamiger Nachfolgerin, Nichte und Schwiegertochter Eleonore von Gonzaga, Gemahlin Kaiser Ferdinands III., war Schönbrunn weiterhin Schauplatz höfischen Lebens, bis die Anlage 1683 im Zuge der Belagerung Wiens durch das osmanische Heer in Schutt und Asche sank.

Martin Mutschlechner
Quelle: http://www.habsburger.net/de/kapitel/schoenbrunn-vor-schoenbrunn-die-anfaenge


Schloss Schönbrunn auf Ruinen erbaut
Auch wenn die Fachliteratur bislang anderes vermittelt hat: Es gibt eine Baugeschichte vor Schloss Schönbrunn. Eine Wiener Kunsthistorikerin hat nun - gefördert vom Wissenschaftsfonds (FWF) - in einer umfangreichen Quellenforschung mehr als fünfhundert Jahre Bau-, Besitz- und Nutzungsgeschichte zum Areal zwischen Meidling und Hietzing vor dem Bau des Schlosses durch Johann Bernhard Fischer von Erlach erfasst.

Die Kataloge und touristischen Broschüren zu Schloss Schönbrunn müssen künftig umgeschrieben werden - zumindest, was die Entwicklungs- und Baugeschichte des Anwesens betrifft. Denn eines ist seit wenigen Jahren sicher: Das Schlossgebäude des Weltkulturerbes ist nicht - wie bislang angenommen - als Bau auf der "grünen Wiese" errichtet worden.

Eine bewegte Nutzungsgeschichte

Das etwa eineinhalb Quadratkilometer große Gebiet zwischen Meidling und Hietzing, das vor seiner Umbenennung im Jahre 1642 als "Katterburg" bezeichnet wurde, hatte im Gegensatz zur bisherigen Forschungsmeinung eine sehe bewegte Besitz- und Nutzungsgeschichte. Die Wiener Kunsthistorikerin Elisabeth Hassmann hat sich nun der historischen Aufarbeitung der Zeit vor der 1696 begonnenen Erbauung des Schlosses Schönbrunn durch Johann Bernhard Fischer von Erlach angenommen.

Ziel des vom Wissenschaftsfonds (FWF) geförderten Forschungsprojektes war die Erfassung und Interpretation sämtlicher verfügbarer Schrift- und Bildquellen zu den Vorgängerbauten Schönbrunns von den Anfängen bis zur zweiten Türkenbelagerung im Jahr 1683. Deren Verwüstungen war Anlass für einen Neubau und damit auch Grund für den Bau der heutigen Schlossanlage.

Fünfhundert Jahre Baugeschichte

Innerhalb des fünfhundert Jahre umfassenden Untersuchungszeitraumes (1170 bis 1683) wurden von der Kunsthistorikerin die Besitz- und Nutzungsgeschichte des Anwesens Katterburg beziehungsweise Schönbrunn, seine räumliche Ausdehnung und seine ehemaligen Baulichkeiten erforscht.

Bisher wurde die Zeit vor dem Neubau von Schloss Schönbrunn lediglich ab der Erwerbung des Anwesens Katterburg durch Kaiser Maximilian II. im Jahr 1569, der den Grundstein für den Tiergarten gelegt hatte, dokumentiert.

Grabungsfunde an unvermuteter Stelle

Anlass für die ausführliche Quellenforschung waren die überraschenden Grabungsfunde des Bundesdenkmalamtes in den Jahren 1994/95 im Mittelteil des Hauptgebäudes der Schlossanlage: Die damals freigelegten Mauerreste zeigten, dass dem von Johann Bernhard Fischer von Erlach ab 1696 erbauten Jagd- und Lustschloss mehrere Bauten vorangegangen waren.

"Besonders unerwartet war die Erkenntnis, dass die frühesten Gebäude von Katterburg - ein Meierhaus, ein Turm und eine Wassermühle, die zu dem ins 12. Jahrhundert zurückgehenden Wirtschaftsgut gehörten - nicht bei der heutigen Orangerie im Nordosten des Schlossareals lagen, sondern an Stelle des bestehenden Hauptbaues Fischers von Erlach", erläutert E. Hassmann.

Erstmals genaue Datierung möglich

Der Hauptteil der bei der Grabung von 1994/95 entdeckten Fundamentmauern stammen vom sogenannten Gonzagaflügel, einem unter Eleonora Gonzaga, der Witwe Kaiser Ferdinands II., zwischen 1640 bis 1645 erbauten Lusthaus.

Wie die Kunsthistorikerin aufgrund ihrer Archiv-Recherchen erstmalig nachweisen kann, ließ Eleonora die Mühle und die Nutzgebäude Katterburs schleifen, um dort ihren Neubau zu errichten. Außerdem gelang es Hassmann, erstmals auch die übrigen, auf der Ansicht Schönbrunns von Georg Matthäus Vischer (1672) dargestellten Gebäudeteile baugeschichtlich einzuordnen und zu datieren.
...
Katterburg

Mit Katterburg ist kein Gebäude - weder eine Mühle noch eine Burg - gemeint, wie in der Literatur bislang angenommen wurde, sondern das Anwesen mit all seinen Baulichkeiten und Gründen. Eine Burg namens "Katterburg" dürfte nie existiert haben. Die früheste Nennung von Katterburg findet sich im Traditionsbuch des Stiftes Klosterneuburg in einer undatierten Eintragung, wonach Herbort von Rußbach, ein Ministeriale Herzog Heinrichs II. Jasomirgott, vor seinem Tod den weitläufigen Meierhof ("Villikation") namens "Chatternberch" dem Stift Klosterneuburg vermacht hatte. Diese Schenkung ("Tradition") lässt sich 1171/76 datieren.
...

Größer als vermutet

Den schwierigsten und aufwendigsten Teil des Forschungsprojektes bildete die Untersuchung der topographischen Entwicklung Katterburgs, die vor allem die Voraussetzung zur Klärung der Lage der verschiedenen Baulichkeiten Katterburgs bildete. Dabei zeigte sich völlig überraschenderweise, dass die Villikation Chatternberch des Herbort von Rußbach großflächiger als der unter Kaiser Maximilian II. angelegte Tiergarten gewesen sein muss.

Um einen gesicherten Überblick zur Bau- und Nutzungsgeschichte Schönbrunns bis zum Jahre 1683 zu erhalten, hat die Kunsthistorikerin eine umfangreiche, akribische Recherche begonnen und mehr als 3.000 Quellentexte erfasst. Neben dem Wiener Hofkammerarchiv fanden sich die meisten Quellen im Stiftsarchiv Klosterneuburg.

Recherchen in Klosterneuburg, Meidling und Hietzing

"Das Stift Klosterneubug hatte bis zum Jahre 1569 die Grundherrschaft über Katterburg inne; zeitweise stand dieses Anwesen auch im Eigenbesitz des Stiftes. Daher befinden sich für diesen Zeitabschnitt die Archivalien im dortigen Archiv", erklärt E. Hassmann.

"Ganz wesentliche Hinweise zu Katterburg konnten aber erst durch die Einbeziehung von Meidling und Hietzing, die ebenfalls zur Stiftsherrschaft gehörten, gewonnen werden, da teils Katterburger Gründe zu Meidling und Hietzinger Gründe zu Katterburg kamen."

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Forschungsprojektes soll 2002 in
Form eines Buches erscheinen.

Eva-Maria Gruber, Universum Magazin
Quelle: http://sciencev1.orf.at/news/34242.html

Weitere Information zum Forschungsprojekt: http://www.fwf.ac.at/de/abstracts/abstract.asp?L=D&PROJ=P14326

Lg. Thomas
 
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