Ausgehend vom
Beitrag von
@HannesZ mit dem dortigen Link zum nicht ausgeführten Projekt einer
"Wienerwaldbahn" aus 1874 nachfolgend weitere Planungen zur Erweiterung bzw. Schaffung von Streckenverbindungen bestehender Schmalspurbahnen
um 1910, deren Realisierung durch den 1. Weltkrieg verhindert wurde:
Streckenskizzen eines "Wienerwald-Bahnprojektes" aus 1874 von Wien-Währinger Gürtel nach Sieghartskirchen:
Auf die in der Karte von 1874 dargestellte Trassenführung zur Überwindung der Wienerwaldberge, vom Tullnerfeld ins westliche Wiener Stadtgebiet, griff man teilweise 1910 bei einem Projekt zur Verlängerung der Mariazellerbahn zurück!
Der N.Ö. Landtag stellte im Jahre1910 ein Ausbauprogramm für den lokalen Eisenbahnverkehr zusammen und gliederte die Projekte nach ihrer Bedeutung in zeitliche Baustufen.
Die 1. Ausbaustufe beinhaltete zunächst als wichtigstes Vorhaben eine Weiterführung der Mariazellerbahn von St.Pölten nach Wien:
Diese 70 km lange Neubaustrecke sollte nördlich der Westbahn verlaufen und elektrisch betrieben werden. Die Projektstrecke geht von
St.Pölten aus, überquert die
Traisen, kreuzt danach die Westbahn und führt über
Pottenbrunn, Kapelln und
Würmla nach
Sieghartskirchen. Von da ab galt es die Höhen des
Wienerwaldes zu überwinden. Das Vorhaben sah einen Anstieg am Nordwesthang des Wienerwaldes vor und zwar über
Ried, Ollern, Tulbing bis
Königstetten. Dort sollte die Trasse mit einer großen Kehre umdrehen und in südlicher Richtung die hochgelegenen Ortschaften
Kirchbach und
Hainbuch erreichen. Ab Hainbuch strebt die Trasse als Höhenbahn in südöstlicher Richtung der Hauptstadt zu, wobei die Strecke ab Tulbing über Königstetten und der Anstieg über die Kehre auf die Höhen von Kirchbach und Hainbuch ident mit dem Streckenprojekt von 1874 war. Danach wurden die Bergflanken des
Scheiblingsteins und der
Sofienalpe berührt. Ab der Sofienalpe sollte der Abstieg nach
Neuwaldegg erfolgen. Das hätte die Anlage von zumindest 2 Kehren im Bereich des
Exelberges erfordert. Von Neuwaldegg wäre die Schmalspurstrecke über
Dornbach verlaufen. Als Endpunkt in Wien war dann die Stadtbahnstation
Michelbeuern vorgesehen.
Drei Jahre später tauchte eine zweite Variante auf. Die Bahn sollte sich ab
Ollern dem
Passauerhof zuwenden und den dortigen Höhenrücken mit einem Tunnel durchstoßen, um ins
Mauerbachtal zu gelangen, wo sie über
Mauerbach, Vorder-Hainbach, Hadersdorf, Steinhof, Breitensee die Wiener Verbindungsbahn berührt hätte. Die End- bzw. Abfahrtsstation sollte auf der
Schmelz liegen. Diese zweite Variante war um 5 km kürzer.
Schließlich wurde noch eine Abänderung des zweiten Projektes studiert. Sie sah eine Verlegung des Tunnels südwärts vor, und zwar durch den
Riederberg. Der Tunnelausgang dieser südlichsten Variante hätte sich dann im
Gablitztal befunden. Die Trasse wäre aber dennoch ins
Mauerbachtal geführt worden, wo sie ab
Mauerbach mit dem zweiten Projekt identisch ist.
Die 2. Ausbaustufe sah eine dampfbetriebene Strecke als Verbindung ins Waldviertel vor:
In
Kapelln sollte eine Linie nach Norden, das
Traisental abwärts und dann rechts der Donau über
Hollenburg westwärts nach
Furth-Palt führen. Von dort weiter sollte die normalspurige Donaubrücke nach
Krems mitbenützt werden. Von Krems aus war dann eine Verbindung zum "Südast" der
Waldviertelbahn über
Ottenschlag nach
Groß Gerungs vorgesehen.
Ebenfalls war in der 2. Ausbaustufe in den
N.Ö. Vor- bzw. Ybbstaler Alpen noch eine Verbindung der Strecke
Obergrafendorf-Wieselburg-Gresten mit der
Ybbstalbahn vorgesehen. Dies sollte durch einen Tunnel durch die Wasserscheide zwischen
Gresten und
Ybbsitz ermöglicht werden.
Als 3. Ausbaustufe war dann noch eine Schmalspurverbindung von Groß Gerungs nach Süden bis zu einem Knoten in Grein mit anschließender Donaubrücke und Aufspaltung nach Wieselburg und Steyr geplant:
Von Groß Gerungs aus sollte die Trasse über
Arbesbach und
Königswiesen ins Donautal nach
Grein führen.
Nach der Donauquerung bei Grein mittels einer Schmalspurbahnbrücke sollte sich die Strecke in eine Linie nach
Wieselburg und eine Linie nach
Steyr zur
Steyrtalbahn aufteilen.
In Verbindung mit dem ebenfalls aktuellen Planungen einer
„Niederösterr.-Steirischen Alpenbahn“ zwischen den Endstellen der
Mariazellerbahn in
Gußwerk und der
„Thörler-Bahn“ in
Au-Seewiesen, wäre so ein riesiges innerösterreichisches Schmalspurnetz entstanden.
Quellen:
Horst Felsinger; Die Mariazellerbahn, Wien 1979 (S. 85 ff.)
Krobot,Slezak,Sternhart; Schmalspurig durch Österreich 1825-1975, Wien 1984
Slezak,Sternhart; Renaissance der Schmalspurbahn in Österreich, Wien 1986
W.Hufnagl; Die Niederösterreichischen Landesbahnen, Stuttgart 2003
Innerösterreichisches Streckennetz mit Schmalspurbahnprojekten um 1910:
Rot: Normalspur-Bestandstrecken um1910
Grün: Schmalspur-Bestandstrecken um 1910
Schwarz: Schmalspur-Streckenprojekte um 1910 - nicht verwirklicht
Nicht verwirklichte Schmalspurbahn- Projekte mit 760 mm Spurweite:
1. Verlängerung Mariazellerbahn St.Pölten - Wien (Michelbeuern) "Wienerwaldbahn"
2. Verbindungsstrecke Kapelln - Krems a.d. Donau (Mitbenützung der normalspurigen Kremser Donaubrücke)
3. Verbindung Krems a.d. Donau - Groß Gerungs (Waldviertler Schmalspurbahn - Südast)
4. Strecke Groß Gerungs - Grein
5. Grein - Donaubrücke - Streckenteilung nach Steyr-Garsten (Verbindung zur Steyrtalbahn)
6. Grein - Donaubrücke - Streckenteilung nach Wieselburg (Verbindung zur Strecke Obergrafendorf-Gresten)
7. Verbindung Gresten - Ybbsitz (Tunnelverbindung zur Ybbstalbahn)
8. Verbindung Gußwerk - Au-Seewiesen (zur "Thörler-Bahn") als "Niederösterreichisch-Steiermärkische Alpenbahn"