SMS Fahndung stößt auf Kritik

#1
SMS-Fahndung stößt auf heftige Kritik

Die von Bundesinnenminister Otto Schily am Sonntag gestartete SMS-Fahndung ist schnell ins Visier der Kritiker geraten. Jörg Tauss, medienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, befürchtet, mit der neuen Fahndungsform werde in Deutschland eine "Blockwartmentalität" erzeugt. Er forderte Schily heute auf, diesen "neuesten Unfug aus Polizeikreisen" sofort zu stoppen und sich nicht "jedem Quatsch aus dem Bundeskriminalamt" anzuschließen. Baden-Württemberg und Bayern sowie die Kölner Polizei wollen sich laut Medienberichten nicht beteiligen. Anzeige


Rainer Lingenthal vom Bundesinnenministerium wies die Kritik zurück. Grundlage der Fahndungsform sei ein Beschluss einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe der Kriminalpolizei. Er forderte Tauss auf, seine Bemerkungen zur "Blockwartmentalität" nochmal in Ruhe zu überlegen und zurückzunehmen. Der innenpolitische Sprecher der SPD, Dieter Wiefelspütz, meint zwar, die SMS-Fahndung sei kein Königsweg, aber eine zusätzliche Möglichkeit, die erprobt werden sollte. Man sollte damit aber keine größeren Erwartungen verbinden.

Die Polizei will freiwillig registrierte Helfer per Kurzmitteilung über aktuelle Fahndungen informieren, damit diese ihr Hinweise geben können. Schily hatte am Sonntag erklärt, die Polizei müsse unmittelbar nach einer Straftat alle Möglichkeiten ausschöpfen, um einen flüchtenden Straftäter zu ergreifen. "Die schnelle und direkte Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger ermöglicht neue Formen der Zusammenarbeit von Polizei und Bevölkerung." Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, den Täter aufzuspüren und eine Straftat schnell aufzuklären. Die SMS-Fahndung soll auch bei der Suche nach vermissten Personen helfen.

Die SMS-Fahndung war seit September 2002 zur polizeilichen Sofortfahndung in insgesamt 11 Polizeidienststellen im Bundesgebiet getestet worden. Bereits im Probelauf habe die Polizei "beachtliche Fahndungserfolge" erzielt, heißt es aus dem Innenministerium. Daraufhin hätten das BKA und zahlreiche Landeskriminalämter die SMS-Fahndung als festen Bestandteil ihrer polizeilichen Fahndungsaktivitäten eingeführt. In Medienberichten ist dagegen von bisher "bescheidenen Erfolgen" die Rede. Bei einem Testlauf vor einem Jahr habe es nur einen Fahndungserfolg gegeben. Die Ostthüringer Zeitung berichtet, bei einem Test in Jena hätten Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis gestanden.


Ich selber finde die SMS Fahndung nicht verkehrt !
 

Joe

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#2
Hier in Bochum lief auch so ein Test. Über Erfolge kann ich aber nicht berichten. Es wurden hauptsächlich Leute ausgewählt, die sowieso draussen sind (Politessen, Ordnungsamt usw.) Warten wir mal ab.
Gruß
Joe
 

Dieter

Ehrenchefchen
Mitarbeiter
#4
Von mir wirst Du da keine Kritik zu Deiner Ablehnung solcher Dinge hören...

Einerseits zerren wir Leute vor Gericht, weil sie in gutem Glauben einen flüchtenden vermeintlichen Stratäter aufgehalten und dabei eins auf die Zwölf gehauen haben und reden in jeder Sonntagsrede davon, daß hoheitliches Einschreiten Sache des Staates sei.

Andererseits haben wir immer weniger Geld für solche politischen Vorstellungen, lassen des Nachts noch 2 Polizeistreifen durch den Landkreis fahren und wollen das entstandene Loch mit privaten Sicherheitsdiensten aller Art und Busfahrern als Fahndern füllen. Und damit das auch ankommt gibts Serien wie Lenßen und Partner mit Darstellern, die für ihre Aktionen, wenns denn kein Film wäre und nach Recht und Gesetz ginge, in jeder Folge mindestens 3 Strafanzeigen kassieren würden. So kann man die Durchsetzung mancher Vorstellungen auch vorbereiten...

Gruß

Dieter
 
M

MunaUede

Nicht mehr aktiv
#5
Das System wurde auch in Rostock getestet. Wie es in einem Bericht des NDR´s vom 16.02.2004 heißt, sollen vor allem Personen aus dem öffentlichen Bereich von dieser neuen Möglichkeit gebrauch machen z.B. Busfahrer/innen, Straßenbahnfahrer/innen etc.
 
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Joe

Fehlerkramrumschlager a. D. :)
Mitarbeiter
#6
Aus der Internetseite der Polizei

Herzlich Willkommen im SMS-Fahndungsportal der Deutschen Polizei!

Auf den nachfolgenden Seiten können Sie sich für die SMS-Fahndung registrieren und die für Ihren Wohnort bzw. den Ort Ihrer Berufsausübung zuständige Polizeidienststelle bei der Aufklärung von Straftaten unterstützen.

Bankraub, Polizei sucht zwei ca. 30jährige Männer, Jeans, schwarze Jacken, flüchtig mit braunem 5erBMW, Dortmunder Kennzeichen. Hinweise 110

So ähnlich könnte eine Fahndungs-SMS aussehen, die Sie z.B. als Mitarbeiter des Taxigewerbes demnächst mit Ihrem Mobiltelefon empfangen.

Wir setzen hierbei auf Ihre freiwillige Mitarbeit und hoffen, dass Sie nach Erhalt der Kurznachricht - ergänzend zu den Fahndungsaktivitäten der Polizei - Ihre Augen aufhalten und möglicherweise sogar den entscheidenden Hinweis geben.

Angesprochen sind vorrangig die Bürgerinnen und Bürger, die sich berufsbedingt im öffentlichen Raum bewegen und im Rahmen dessen oftmals erheblich schneller als die Polizei hilfreiche Wahrnehmungen machen.

Das Ziel der Polizei ist es, gerade unmittelbar nach einer Straftat alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um einen flüchtenden Straftäter zu ergreifen. Die schnelle und direkte Einbeziehung ausgewählter Berufsgruppen eröffnet der Zusammenarbeit von Polizei und Bevölkerung neue Perspektiven und erhöht die Wahrscheinlichkeit, eine Straftat unmittelbar nach ihrer Begehung aufzuklären.

Für Sie entstehen hierbei keinerlei Kosten - für uns jedoch neue Möglichkeiten der Kriminalitätsbekämpfung! Daher freuen wir uns über Ihre Registrierung und danken Ihnen bereits jetzt für Ihre Unterstützung. Ihre Polizei

http://www.sms-fahndung.de/info.aspx
 

Joe

Fehlerkramrumschlager a. D. :)
Mitarbeiter
#7
Das ist einfach eine öffentliche Fahndung, genauso wie ein Aufruf im Radio. Und man soll natürlich gefälligst nicht selbst einschreiten, sondern seine Beobachtungen, so man welche macht die passen, an 110 mitteilen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man damit Erfolge haben kann. Z.B. als Ergänzung zu einer Ringfahndung. Es ist ein einfaches und schnelles Mittel, viele Leute aufmerksam zu machen.
Wie ich schon oben schrieb, warten wir es ab. Für mich auf jeden Fall sinnvoller und massvoller als eine Überwachung von Strassen per Videokamera.
Gruß
Joe
 
#8
... da wurde wieder ein schöner Posten im BKA geschaffen oder sonstwo . Die sollten besser die Streifen auf den Straßen verdoppeln und die Grenzen ordentlich kontrollieren . Aber stattdessen holen wir uns , mit der EU Osterweiterung immer mehr Probleme ins Land ( Schleuser ,Autoschieberbanden u.s.w. ) Wir brauchen uns garnicht zu wundern , daß es so ist wie es ist und jetzt darf jeder wenn er will "Polizist" spielen . Ein Indiz für die Ohnmacht des Staates gegen die Kriminalität. Traurig , Traurig .
Hier drängt sich auch der Verdacht auf , daß" Inoffizielle Mitarbeiter" den Mißstand beseitigen sollen :eek:
VORSICHT ; VORSICHT
 
#9
Geprüft und für zu leicht befunden!!!

Original geschrieben von Joe
Hier in Bochum lief auch so ein Test. Über Erfolge kann ich aber nicht berichten.
.... aber ich, von uns:


Kein Thema für Karlsruhe

Polizei verzichtet auf Einsatz von SMS
Karlsruhe - "Handtaschendiebstahl auf Karlsruher Weihnachtsmarkt, Polizei sucht zwei etwa 20-jährige Männer, schwarze Pudelmützen, flüchtig in Richtung Durlacher Tor, Hinweise unter 110." Solche SMS-Mitteilungen der Polizei an bestimmte Personengruppen wird es in Zukunft nicht mehr geben, zumindest nicht was die Behörden Karlsruhe angeht. Zwar verlief das einjährige Pilotprojekt laut Auskunft des Karlsruher Polizeipräsidiums ohne technische Probleme, doch der Erfolg der Testaktion ließ sehr zu wünschen übrig.
Zum Einsatz kam die Nachrichtenübermittlung via Handy unter anderem in der Vorweihnachtszeit 2002, als die Gesetzeshüter Jagd auf Handtaschenräuber und Langfinger machten, beziehungsweise vor besagter Gruppe warnte. An diesem "Einsatz" waren gerade einmal etwas mehr als eine handvoll Personen wie zum Beispiel Taxifahrer und städtische Bedienstete involviert, die verdächtige Beobachtungen an die Polizei weiterleiten sollten. Wesentlich mehr Beteiligung fand der sogenannte Castor-Transport im November vergangenen Jahres, dem 150 Teilnehmer angeschlossen waren. Doch auch hier wurden keine nennenswerten Argumente gefunden, die eine Fortführung des Experiments gerechtfertigt hätten.


Kritik der Innenministerien und des BKA am Vorschlag Schilys

Ohnehin hagelt es aus den Innenministerien der Länder und deren Landeskriminalämter massive Kritik am Vorschlag von Bundesinnenminister Otto Schily, die Bürger in Zukunft als Hilfssheriffs zu rekrutieren. Vor allem die Tatsache, dass bereits 16-Jährige auf Verbrechersuche gehen können, stimmt viele Beamte nachdenklich. Sie hegen die Befürchtung, dass die Jugendlichen einfach noch nicht reif genug für solch eine Aufgabe sein könnten und sich eventuell unnötigerweise in Gefahr bringen würden. Ebenso drängt sich die Frage nach dem Einsatzgebiet auf. Ursprünglich war nur geplant, die Handy-Fahndung im Bereich der Schwerstkriminalität einzusetzen. Doch wie das Versuchsjahr in der Fächerstadt zeigte, wurde das Probejahr auch für leichte Fälle wie Taschendiebstähle eingesetzt. Diesbezüglich verweist das Bundeskriminalamt (BKA) darauf, dass das "wann, wie und wo" von den einzelnen Dienststellen geregelt wird. "Wir stellen lediglich die Technik zur Verfügung", so ein Sprecher des BKA Wiesbaden.


Karlsruher Polizei setzt ihr Vertrauen in den Funkverkehr

Was die Länder von den Modernisierungs-Vorschlägen des Bundesinnenministers halten, zeigt ein Blick auf die "SMS-Fahndungs-Deutschland-Karte" der Länder, die sich dem Projekt verschrieben haben. Lediglich die Dienststellen Kiel, Lübeck, Pinneberg und Bochum schwören bisher auf die drahtlose Verbrecherjagd. Die Polizei der Fächerstadt will sich in Zukunft darauf beschränken, den schwarzen Schafen mit herkömmlichen Methoden und Mitteln, wie etwa dem Einsatz von Funkgeräten beizukommen. Hilfe versprechen sich die hiesigen Beamten vor allem von Taxifahrern, Busfahrern und Angestellten der Stadt um jedoch nur einige zu nennen. (ak)

Meldung vom Mittwoch, 18. Februar 2004 © ka-news 2004
 
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