Steyr - Fahrzeugproduktion bei Geheimprojekte

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Steyrfan

Guest
#1
Die Seite Geheimprojekte.at ist recht gut gelungen, doch ist der Beitrag zu der Steyrer Werken leider sehr schlecht recherchiert.

"In Steyr lag das Haupwerk der Steyr-Daimler-Puch AG. Der Konzern wurde durch die "Reichswerke Hermann Göring" übernommen und auf schnellstem Wege in einen Rüstungskonzern umgewandelt. Der Konzern, der als Auto-, Motorrad- und Fahrrad- Produzent begann, erweiterte die Produktion schnell auf Gewehre (=>Radom Gewehrfabrik), Panzer (=>Nibelungenwerk), Flugmotoren und Kugellagerproduzent.":fragend

Dies kann schon deshalb nicht richtig sein da die Steyr Werke als Österreichische Waffenfabriksgesellschat in Steyr 1869 gegründet wurde.
Die Überlegung Fahrzeuge zu erzeugen wurde in den Jahren 1915/1916 mit dem Aufbau der neuen Fabrik getroffen. Das erste Fahrzeug tug auch die Bezeichnung Waffenauto.
Waffen (Jagd- und Militärwaffen) wurden die ganze Zeit über produziert, soweit dies nach 1918 auf Grund des Friedensvertrages von St. Germein möglich war.

Daher mußte 1938 gar nicht soviel für Rüstungsaufträge umgewandelt werden ,und die Steyre Werke haben sicher nicht als Fahrzeugproduzent begonnen.
 
#2
Hallo,


>Dies kann schon deshalb nicht richtig sein da die Steyr Werke als Österreichische Waffenfabriksgesellschat in Steyr 1869 gegründet wurde.

Wo Du recht hast, hast Du recht.
Ich habe mich auf den "Anschluss" 1938 bezogen => habe den Bericht entsprechend korrigiert. Danke für die Info!

Der von den "Reichswerken Hermann Göring" 1938 übernommene Konzern begann damals aber tatsächlich als Fahrrad-, Auto- und Motorradproduzent. Der Anteil der Waffenproduktion am Gesamtumsatz lag 1938 gerade einmal bei 4,2%. Dieser Anteil stieg im Folgejahr bereits auf 11,7%. 1941 betrug der Anteil der Wehrmachtsaufträge am Gesamtumsatz bereits unglaubliche 81% (Waffen, Fahrzeuge,...).

Wenn Du dies nicht als Umwandlung in einen Rüstungskonzern bezeichnest, dann kann ich auch nicht helfen.

LG,
Markus

Quelle: B. Perz, "Projekt Quarz"
 
Zuletzt bearbeitet:
S

Steyrfan

Guest
#3
Auch ein Hallo,

Nette Zahlen mit denen du so herumwirfst. Woher stammen sie eigentlich.
Vor 1938 wurden nicht nur Waffen an das Bundesheer geliefert sondern auch Fahrzeuge, und es ist schwer genau Produktionszahlen für die Waffenproduktion zu finden, da Steyr es immer sehr gut verstand Lieferungen ins Ausland zu Verschleiern. Ebenso währe ohne die benötigten Maschinen und ausgebildetes Fachpersonal die Erhöhung der Produktion nicht so schnell gegangen.

Bei dem von den "Reichswerken Hermann Göring" übenommene Konzern bebegannen Puch und Daimler als Fahrzeugproduzenten, wobei Daimler seine Fahrzeuge(ADG,Panzerwagen usw..) immer auch an das Militär lieferte und von Puch Motoräder ans Bundesheer geliefert wurden.
Wäre jetzt die Frage ab wann man eigentlich von einem "Rüstungsbetrieb" spricht da gerade Steyr immer sogenannte Rüstungsgüter Erzeugte, nur eben in Friedenzeiten die dafür benötigten Mengen.
Das die Produktion von Gütern die Speziell für den Krieg benötigten wurden bei den Steyrweken gegenüber anderen immer mehr gesteigert wurden war durch den Krieg gegeben und betraff nicht nur Steyr. Ebenso ist es auch aus Kapazitätsgründen immer so das dadurch andere, meist nicht für das Militär benötigte Produkte eingestellt wurden. Betraff bei Steyr eben die PKW Produktion die 1941 eingestellt wurde.
 
G

gunhist

Guest
#5
Herr Markus,
dieser Diskurs scheint sehr interessant zu sein.
Kurz zu meiner Person: Ich befasse mich mit Waffen und deren Geschichte seit mehr als 40 Jahren. Unter Anderem arbeite ich an einer Darstellung über die Waffenproduktion der ÖWG, dann Steyr Werke AG und zuletzt als Steyr-Daimler-Puch AG bekannt, in der Ersten Republik (1918-1938). Wobei man keinenfalls auf die Steyr-Solothurn Waffen AG vergessen darf.
Deswegen muss ich Steyrfan rechtgeben, dass schon die Steyr-Werke (später die Steyr-Daimler-Puch AG) sowie die Steyr-Solothurn Waffen AG seit den 30er Jahren, nur in Bezug von Kriegswaffen, wieder ein Rüstungsbetrieb waren. Schon zuvor waren "verdeckt" Kriegswaffen erzeugt und exportiert worden. Da einige Fahrzeugtypen durchaus auch als Kriegsmittel anzusehen sind, die auch von der Deutschen Wehrmacht später übernommen wurden, kann eindeutig die AG als Rüstungsbetrieb bezeichnet werden. Also vor der Okkuption und dem so genannten Anschluss.
Bezogen auf Ihre Quelle Herr Markus, welche ich in Augenschein nahm, muss ich anmerken, dass sie kaum Auskunft über die Zeit vor der Eingliederung in die Hermann Göring Werke gibt. Es ist u.a. eine ausgezeichnete und bedrückende Darstellung über die Fremd- und Zwangsarbeit in der NS-Zeit.
lG
Heinz
 
I

Ingwer

Guest
#6
Das nenne ich gute Arbeit. Wenn ein Gendarm in Kriegszeiten auf einem Fahrrad
fuhr, dann nenne ich das Fahrzeuge, welche zu den Kriegswaffen zu rechnen waren und auch als solche benutzt wurden.


Vater unser, erbarme dich. :rolleyes:
 
I

Ingwer

Guest
#7
Dazu muss ich schon noch anmerken, dass eine Auflistung zu einem Buch oder
Sonstiges mit viel Arbeit verbunden ist. Respekt !

Aber wozu das eigentlich heute noch ? Es ist doch mittlerweile abgegessen.
 
#8
Ich rede hier nicht mehr mit. Man kann zitieren was man will, es wird nicht akzeptiert (was natürlich jedem freisteht).

Bitte teilt Eure Ansicht dann direkt Herrn Perz mit, ich bin nicht der Verteidiger seiner Meinung...

LG,
Markus
 
G

gunhist

Guest
#9
Lieber Ingwer und Markus,
es ist anzumerken, dass jegliches Gerät und Maschinen, welche dem Krieg dienlich sein können, als Rüstungsgut anzusprechen sind!
Z.B. gehörte die österr. (und auch die ung.) Gendarmerie im Ersten Weltkrieg zu den Österreich-ungarischen Sreitkräften. Diese war dem k.k. Ministerium für Landesverteidigung unterstellt, somit militärisch. Außerdem sind Fahrräder, falls dies unbekannt sein soll, früher ein wesentliches auch militärisches Fortbewegungsmittel gewesen!

Meine Anmerkung ist keine Kritik, obwohl man heute kritikfähig sein sollte. Es war auch keine negative Bemerkung zu der angegebenen Quelle, nur eine Feststellung, dass es darin nur wenig Informationen zu der Zeit vor 1938 gibt. B. Perz schrieb seine Diss. und folglich dann sein Buch vor vielen Jahren, inzwischen sind viele Quellen geöffnet worden, die es sich meiner Meinung nach lohnt, erforscht zu werden.

Zu Ingwer, wenn Ihnen Gott hilft, dann finde ich dies ist gut, amen.
PS: Selbst Auflistungen können sehr viel Arbeit bedeuten, wenn man dies historisch und wissenschaftlich korrekt macht.

lg
Heinz
 
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