USA - Israel: Angriff auf den Iran bzw. israelische Angriffe auf proiranische Hisbollah-Milizen im Libanon

josef

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#61
Neue Drohung
Ultimatum treibt Trump ins Dilemma
Kurz vor dem Ablauf von Donald Trumps jüngstem Ultimatum an den Iran am Dienstag hat der US-Präsident deutlich an der Eskalationsschraube gedreht. „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals wieder zum Leben erweckt werden“, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social. Derzeit rechnet kaum jemand damit, dass es zu einer Einigung zwischen den USA und dem Iran kommt – vielmehr drohte der Iran seinerseits. Trump gerät unter Druck, denn seine Taktik nutzt sich ab, und ihm fehlt ein Weg aus dem Konflikt.
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Es ist nicht das erste Ultimatum, das Trump dem Iran gestellt bzw. das er nachträglich ausgedehnt hat. Bisher rechtfertigte er das mit „produktiven Verhandlungen“, doch am Dienstag um 20.00 Uhr US-Ostküstenzeit (2.00 Uhr MESZ) steht der nächste Stichtag ohne Aussicht auf Einigung bevor. Man werde in der Nacht herausfinden, ob sich im Iran etwas geändert habe, so Trump nun. „47 Jahre Erpressung, Korruption und Tod werden endlich zu Ende gehen“, schrieb er weiter.

Eigentlich hatte sich Trump wiederholt gegen eine Involvierung der USA in „endlose Kriege“ ausgesprochen. Doch seine Strategie, den Iran rasch und mit möglichst geringem Eigeneinsatz zum Nachgeben zu zwingen, scheint augenscheinlich nicht zu fruchten. Einen Vorschlag für eine 45-tägige Waffenruhe mit parallel laufenden Friedensverhandlungen samt einer Öffnung der Straße von Hormus hat der Iran abgelehnt.

Trump versucht in Reaktion, dem auslaufenden Ultimatum mit eskalierenden Drohungen Nachdruck zu verleihen. Bereits am Montag hatte er bei der ersten Pressekonferenz seit Beginn des Iran-Krieges zu drastischer Rhetorik gegriffen: Es müsse bis Dienstagabend einen „Deal“ mit dem Iran geben, der für ihn akzeptabel sei. Andernfalls würden die USA vier Stunden nach Auslaufen des Ultimatums jede Brücke und jedes Kraftwerke im Iran zerstören. Er wolle aber nicht, dass es so weit komme.

Israel warnt Menschen im Iran vor Zugsfahrten
Kritikerinnen und Kritikern zufolge würde Trump Kriegsverbrechen begehen, wenn die USA zivile Kraftwerke angreifen. Trump sagte dazu, das mache ihm „keine Sorgen“. Auch Israel baute die Drohkulisse weiter auf: Das Militär des Landes forderte Menschen im Iran auf, keine Züge zu benutzen und sich nicht in der Nähe von Bahnstrecken aufzuhalten.

„Zu Ihrer eigenen Sicherheit bitten wir Sie höflich, ab sofort bis 21.00 Uhr iranischer Zeit auf die Nutzung von Zügen und auf Zugsfahrten im gesamten Iran zu verzichten“, teilte das Militär in Persisch auf X mit. „Ihre Anwesenheit in Zügen und in der Nähe von Bahnstrecken gefährdet Ihr Leben.“

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur
Bereits Dienstagmittag meldete der Iran landesweite Angriffe auf seine Verkehrsinfrastruktur. Neben der Bombardierung einer Eisenbahnbrücke nahe Kaschan seien auch mehrere Autobahnen Ziel von Luftangriffen gewesen, wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete. In Teheran waren laute Explosionen zu hören, iranische Staatsmedien schrieben von 18 Toten nahe der Hauptstadt.

Den Berichten zufolge wurde zudem die für Ölexporte bedeutende Insel Charg angegriffen. In der Provinz Ostaserbaidschan sei eine Autobahn nach Einschlägen von Geschoßen gesperrt worden, so IRNA. Auch Angriffe auf eine Autobahnbahnbrücke bei Täbris im Westen des Landes wurden gemeldet. Bereits vergangene Woche brachte ein US-Bombardement die größte Brücke im Iran zum Einstürzen. Auch US-Medien berichteten von verstärkten Angriffen auf militärische Ziele im Iran.

Iran droht zurück
Der stellvertretende Sportminister des Iran, Aliresa Rahimi, rief für Dienstagmittag Ortszeit Künstler und Sportler dazu auf, Menschenketten an Stromkraftwerken im ganzen Land zu bilden. „Wir werden Hand in Hand stehen, um zu sagen: Angriffe auf öffentliche Infrastruktur sind ein Kriegsverbrechen“, schrieb Rahimi auf der Plattform X.

Gleichzeitig antwortete die iranische Revolutionsgarde mit Drohungen in Richtung der USA und der Nachbarländer. Die Zeit der Zurückhaltung sei vorbei, man werde die USA und Partner ins Visier nehmen und die regionale Öl- und Gasversorgung für Jahre beinträchtigen. Würden die USA eine „rote Linie“ überschreiten, wären auch Angriffe außerhalb der Golfregion möglich.

Trump nennt Iraner „Tiere“
Kurz vor der Pressekonferenz hatte Trump den Iran am Montag wüst beschimpft. Auf die Frage, warum ein Angriff auf die Infrastruktur des Landes seiner Meinung nach kein Kriegsverbrechen sein solle, sagte Trump, weil „sie Tiere“ seien. Einen Tag zuvor hatte Trump auf Truth Social gepostet: „Öffnet die beschissene (‚fuckin’‘, Anm.) Straße von Hormus, ihr verrückten Bastarde, sonst werdet ihr in der Hölle leben!“ Er schloss den Post mit den Worten „Gelobt sei Allah“, nicht zuletzt das sorgte für herbe Kritik an dem Republikaner.

Die iranische Militärführung wies die Drohungen Trumps als „arrogante Rhetorik und haltlose Drohungen“ zurück. Trump sei „wahnhaft“, sagte der Sprecher der Chatam-al-Anbija-Kommandozentrale, Ebrahim Solfakari, laut Staatsmedien. Die „rüde, arrogante Rhetorik und haltlosen Drohungen des wahnhaften US-Präsidenten“ würden die Angriffe auf die „amerikanischen und zionistischen Feinde“ nicht stoppen.
Folgen unabsehbar
Sollte das Ultimatum am Dienstag ohne Einigung auslaufen, ist fraglich, welche Strategie die USA verfolgen werden. Weitere Militärschläge würden die USA noch tiefer in den Konflikt ziehen, diesen verlängern und eskalieren, doch die militärische Intervention ist in den USA unbeliebt, und die hohen Ölpreise und Lebenshaltungskosten sorgen für Unzufriedenheit.
Trump könnte auch einer erneuten Verlängerung des Ultimatums zustimmen, allerdings würde ein Rückzieher nach den detaillierten Drohungen Trumps Glaubwürdigkeit stark untergraben, während der Krieg weitergeht. Eine für Dienstag angesetzte Pressekonferenz des Pentagon wurde jedenfalls ohne Kommentar abgesagt.
Luftangriffe im Iran halten an
Bei Luftangriffen nahe der Hauptstadt Teheran wurden am Dienstag in einer angrenzenden Provinz mindestens 18 Menschen getötet, auch auf Teheran selbst gab es laut Berichten schwere Bombenangriffe. Dabei soll auch eine Synagoge beschädigt worden sein. Der Iran meldete zudem Explosionen auf der für den Ölexport wichtigen Insel Charg. Laut dem US-Nachrichtenportal Axios handelte es sich um einen US-Angriff.
07.04.2026, red, ORF.at/Agenturen

Neue Drohung: Ultimatum treibt Trump ins Dilemma
 

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#62
Für zwei Wochen
USA und Iran vereinbaren Waffenruhe
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Eine weitere Eskalation des Iran-Krieges ist vorerst abgewendet. Unter Vermittlung des pakistanischen Premierministers Shebaz Sharif stimmten die USA und der Iran in der Nacht auf Mittwoch einem zweiwöchigen Waffenstillstand zu. Die Einigung kam nach Angaben von US-Präsident Donald Trump weniger als zwei Stunden vor dem Ablauf seines Ultimatums an den Iran zustande.
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Trump hatte zuvor damit gedroht, dass „eine ganze Zivilisation heute Nacht sterben wird“, sollte der Iran seine Forderungen nicht erfüllen. Daraufhin hatte die iranische Revolutionsgarde mit einer Ausweitung der Angriffe gedroht. Bedingung für die Waffenruhe ist laut USA, dass der Iran seine Blockade der Straße von Hormus aufhebt.

Der iranische Außenminister Abbas Araktschi kündigte an, dass die Straße von Hormus im Rahmen der Waffenruhe geöffnet werde – in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen. Israel unterstütze die Entscheidung der USA, die Angriffe gegen den Iran für zwei Wochen einzustellen, teilte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu mit.

Pakistan: Waffenruhe ab sofort
Es war zuerst unklar, wann genau die Waffenruhe vollständig in Kraft treten wird. Mehr als eine Stunde nach Trumps Ankündigung meldete das israelische Militär den Abschuss von Raketen aus dem Iran. In Tel Aviv waren Explosionen von abgefangenen Geschoßen zu hören. Auch Golfstaaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate lösten Luftalarm aus.

AP/Pool Photo/Hasnoor Hussain
Pakistans Premier Sharif vermittelte zwischen den USA und dem Iran

Laut dem vermittelnden Pakistan soll die Waffenruhe allerdings mit sofortiger Wirkung greifen. Die Islamische Republik Iran und die USA sowie ihre Verbündeten hätten einer sofortigen Waffenruhe einschließlich des Libanon und anderer Staaten zugestimmt, schrieb Sharif auf X. Laut Netanjahu gilt die vereinbarte Waffenruhe nicht für den Libanon. In der Früh veröffentlichte Israel eine neue Aufforderung zur Evakuierung für eine Stadt im Südlibanon.

Sharif lud Delegationen der USA und des Iran für Freitag zu einem Treffen nach Islamabad ein. Nach Angaben des Weißen Hauses könnte es erstmals wieder direkte Gespräche zwischen beiden Seiten geben. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres forderte zudem „alle Konfliktparteien im Nahen Osten auf, ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen“.

Iran übermittelte Zehnpunkteplan
Vertreter des Iran übermittelten den USA einen Zehnpunkteplan für ein dauerhaftes Kriegsende. Trump sah darin eine „praktikable Grundlage für Verhandlungen“. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim beinhaltet dieser iranische Entwurf die Forderung nach einer dauerhaften Einstellung von Aggressionen, die Kontrolle über die Straße von Hormus, die Aufhebung der Sanktionen und die Erlaubnis, Uran anzureichern. Die Nachrichtenagentur Fars zählte ebenfalls diese Inhalte auf, es hieß jedoch auch, dass sich der Iran laut diesem Plan verpflichte, niemals Atomwaffen herzustellen.

Nach Angaben eines hochrangigen israelischen Beamten habe die Trump-Regierung Israel mitgeteilt, dass die USA in den bevorstehenden Verhandlungen an ihren Forderungen festhalten würden. Dazu zähle, dass der Iran die Urananreicherung einstellen und die Bedrohung durch ballistische Raketen beseitigen müsse.

Beide Seiten präsentieren sich als Sieger
Nach der Einigung erklärten sich beide Seiten zum Sieger in dem von den USA und Israel begonnenen Krieg. Trump sprach von einem „vollständigen Sieg“ der USA. Die militärischen Ziele seien bereits erreicht worden, und man sei auf dem Weg zu einem langfristigen Friedensabkommen. Zudem erhofft sich Trump offenbar einen großen wirtschaftlichen Gewinn: „Es wird viel Geld verdient werden.“ Er kündigte auch an, dass die USA bei der Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus helfen werden.

Der Nationale Sicherheitsrat des Iran stellte die Einigung ebenfalls als Sieg dar und erklärte, Trump habe die iranischen Bedingungen für ein Ende der Feindseligkeiten akzeptiert. Zuvor hatte ein hochrangiger iranischer Insider der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, Teheran lehne eine vorübergehende Feuerpause ab und fordere für einen dauerhaften Frieden unter anderem Entschädigungen sowie Gebühren für die Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, wies das zurück. „Die Wahrheit ist, dass Präsident Trump und unser starkes Militär den Iran dazu gebracht haben, der Wiederöffnung der Straße von Hormus zuzustimmen“, sagte sie.

Jubel bei iranischen Regierungsanhängern
Nach Verkündung der Feuerpause strömten im Iran zahlreiche Regierungsanhänger und -anhängerinnen auf die Straße und jubelten über die verkündete Feuerpause, wie der iranische Sender SNN TV berichtete. Sie sehen die iranische Position in der Straße von Hormus als gefestigt an, was einen Sieg des Irans bedeute.

APA/AFP
Regierungsanhänger jubelten im Iran über die Verkündung der Feuerpause

Maryam Rajavi, Führerin der iranischen Exilopposition des Nationalen Widerstandsrates (NCRI), begrüßte die Waffenruhe in einer Aussendung grundsätzlich. Zugleich hoffte sie, dass nun nicht nur ein Weg gefunden werde, den Krieg zu beenden, sondern den Iranern auch Freiheit zu bringen, erklärte die Regimekritikerin.

In dem seit sechs Wochen andauernden Krieg kamen im Iran nach Zählungen von Regierungsquellen und Menschenrechtsgruppen mehr als 5.000 Menschen ums Leben, darunter über 1.600 Zivilisten und Zivilistinnen im Iran.

Meinl-Reisinger: Waffenruhe als „Verschnaufpause“
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS), derzeit im saudischen Riad auf Besuch, bezeichnete die Waffenruhe im Ö1-Interview als eine „Verschnaufpause“, um der Diplomatie den Durchbruch zu verschaffen, auch wenn noch viele Fragen offen seien. Es werde schwierig, mit diesen Verhandlungen in zwei Wochen einen Weg aus dem Krieg zu finden. Es dürfe jedenfalls nicht dazu führen, dass ein Land eine so wesentliche Schifffahrtsroute wie die Straße von Hormus blockiert.

Ölpreise geben nach
Die Finanzmärkte reagierten erleichtert auf die vereinbarte Feuerpause. Die Börsenkurse in Ostasien stiegen, während die Ölpreise deutlich nachgaben. Der Preis für ein Fass Öl der Nordsee-Sorte Brent mit Lieferung im Juni sank um 16 Prozent auf rund 79 Euro.
Zuvor hatte Weltbank-Präsident Ajay Banga gewarnt, der Krieg werde das globale Wirtschaftswachstum bremsen und die Inflation anheizen. Die US-Energiebehörde EIA schätzte zudem, dass die Kraftstoffpreise selbst nach einer Wiederöffnung der Meerenge von Hormus noch monatelang hoch bleiben könnten. Auch der Weltverband der Fluggesellschaften (IATA) rechnet damit, dass es Monate dauern werde, bis sich die Versorgung mit Kerosin wieder erholt.
08.04.2026, red, ORF.at/Agenturen

Für zwei Wochen: USA und Iran vereinbaren Waffenruhe
 

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#63
Waffenruhe USA – Iran
Israel mit heftigen Angriffen auf Libanon
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Während sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt haben, hat Israel am Mittwoch seinen bisher größten Angriff auf Ziele der Hisbollah-Miliz im Libanon gemeldet. Die meisten angegriffenen Ziele hätten sich in zivilen Gebieten befunden, hieß es. Die libanesische Regierung sprach von Dutzenden Toten und Verletzten. Israel hatte zuvor erklärt, die Feuerpause gelte nicht für den Libanon. Der Iran erwägt laut Medienbericht neue Angriffe auf Israel. Mehrere Staaten fordern eine Waffenruhe auch für den Libanon.
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Ungeachtet der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran weitet Israel seine Angriffe im Libanon aus. Bei dem nach eigenen Angaben bisher größten Angriff seit Kriegsbeginn auf Einrichtungen der schiitischen Hisbollah im Libanon seien mehr als 100 Kommandozentren der Miliz in der Hauptstadt Beirut, der ostlibanesischen Bekaa-Ebene und im Südlibanon getroffen worden, teilte das israelische Militär am Mittwoch mit. Die meisten Ziele hätten sich in zivilen Gebieten im ganzen Land befunden.

Die jüngsten Bombardierungen Israels seien die schwersten, die der Libanon seit Beginn des Krieges zwischen der Hisbollah und Israel Anfang März erlebt habe, sagte eine libanesische Sicherheitsquelle gegenüber Reuters am Mittwoch. Eine libanesische Quelle im Zivilschutz sprach von Dutzenden Opfern bei Angriffen auf die Hauptstadt Beirut. Der libanesische Präsident Joseph Aoun erklärte sich unterdessen bereit, einem Abkommen über eine dauerhafte Friedensordnung in der Region beizutreten.

APA/AFP/Anwar Amro
Rauchwolken über Beirut nach den israelischen Angriffen

Chaos und Tote in Beirut
Mehrere der Bombenanschläge erschütterten die Hauptstadt Beirut und hüllten den Himmel in Rauch. Bei einem der Angriffe auf ein dicht besiedeltes Viertel kamen mindestens zwölf Menschen ums Leben, wie eine Sicherheitsquelle mitteilte. Blutüberströmt und verletzt ließen Menschen in der Hauptstadt Beirut ihre Autos im Verkehr stehen und begaben sich zum nächstgelegenen Krankenhaus, wie Augenzeugen von Reuters berichteten.

Das libanesische Gesundheitsministerium rief die Bürgerinnen und Bürger im Land angesichts von großflächigen Staus dazu auf, Wege für Rettungswagen freizumachen. Das Libanesische Rote Kreuz teilte mit, mehr als 100 Rettungswagen seien auf den Straßen unterwegs, um Verletzte in Krankenhäuser zu bringen.

AP/Bilal Hussein
Feuerwehrleute suchen in Trümmern nach Überlebenden

Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte, Israels Angriffe hätten dicht besiedelte Wohngebiete getroffen und in mehreren Gebieten, insbesondere in Beirut, unbewaffnete Zivilisten getötet. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, es habe mehr als 150 Angriffe gegeben, viele in Beirut.

Israel: Angriffe inmitten ziviler Wohngebiete
Israels Armee sagte, ein Großteil der angegriffenen Hisbollah-Infrastruktur habe sich inmitten ziviler Wohngebiete befunden. Die Armee habe vor den Angriffen Schritte unternommen, um Unbeteiligte zu schonen. Der israelische Militärsprecher Nadav Schoschani sagte am Nachmittag, die Hisbollah halte sich inzwischen in Gebieten im Libanon auf, die bisher nicht als ihre Hochburgen galten. „Das ist Teil ihrer Strategie.“ Die Angaben ließen sich zunächst allesamt nicht unabhängig überprüfen.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sagte in einer von seinem Büro verbreiteten Videobotschaft, es habe sich um den „schwersten konzentrierten Schlag“ gegen die Hisbollah seit dem September 2024 gehandelt. Damals waren gleichzeitig Tausende tragbare Funkempfänger und Walkie-Talkies im Libanon explodiert, Dutzende Menschen wurden getötet und Tausende verletzt. Überwiegend handelte es sich um Mitglieder der Hisbollah-Miliz, aber es kamen auch Zivilisten zu Schaden.

Die Hisbollah meldete zunächst keine weiteren Angriffe. Die aus ihren Hochburgen vertriebenen Bewohnerinnen und Bewohner rief die Hisbollah auf, solange nicht in ihre Wohnorte zurückzukehren, bis „die offizielle und endgültige Waffenruheerklärung im Libanon veröffentlicht worden ist“.

„Kampf im Libanon geht weiter“
Die israelische Armee und die israelische Regierung verdeutlichten, dass sich die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Feuerpause aus ihrer Sicht nicht auf den Libanon erstreckt. „Der Kampf im Libanon geht weiter“, teilte ein Armeesprecher im Onlinedienst X mit. Zuvor hatte bereits das Büro von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu mitgeteilt, Israel unterstütze zwar die Feuerpause im Iran, diese umfasse jedoch „nicht den Libanon“. Der Vermittler Pakistan hatte hingegen erklärt, die Feuerpause gelte für den gesamten Nahen Osten einschließlich des Libanon.

Mehrere europäische Staaten und Kanada forderten in einer Erklärung, die Feuerpause auch auf den Libanon auszudehnen: „Wir rufen alle Seiten dazu auf, den Waffenstillstand umzusetzen, auch im Libanon“, hieß es. Dem Vermittler Pakistan wurde für sein Engagement gedankt. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul forderte seinen israelischen Kollegen Gideon Saar nach Angaben eines Sprechers auf, dass „sich Israel auf die notwendige Selbstverteidigung gegen die Hisbollah beschränkt und nicht darüber hinausgeht“.

Unterdessen erwägt der Iran einem Medienbericht zufolge neue Angriffe auf Israel. Grund seien Verstöße Israels gegen die Feuerpause im Libanon, meldete die iranische Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter.

Über 1.200 Tote und 1,2 Mio. Vertriebene seit Kriegsbeginn
Nach Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar hatte die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee marschierte danach im Südlibanon ein und will das Grenzgebiet auf libanesischer Seite unbewohnbar machen. In den Dörfern nahe der gemeinsamen Grenze sollten alle Häuser zerstört werden, hatte Verteidigungsminister Katz vergangene Woche angekündigt.
Die rund 600.000 aus dem Süden des Nachbarlandes geflohenen Menschen dürften erst in ihre Heimat zurückkehren, wenn der Norden Israels wieder sicher sei. Zudem bekräftigte der Minister die Pläne, nach dem Ende des Krieges eine Pufferzone im Südlibanon einzurichten. Seit Beginn der israelischen Offensive gegen die Hisbollah am 2. März sind im Libanon mehr als 1,2 Millionen Menschen vertrieben und 1.200 getötet worden.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die vom Iran finanzierte Hisbollah-Miliz als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei Raketen auf das Nachbarland ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze.
08.04.2026, red, ORF.at/Agenturen

Waffenruhe USA – Iran: Israel mit heftigen Angriffen auf Libanon
 

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#64
Angriffe im Libanon
Evakuierungsaufrufe trotz Waffenruhe
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Trotz der aktuell geltenden Waffenruhe im Iran-Krieg greift Israel weiterhin Ziele im Libanon an. Nachdem bei den Luftangriffen auf die Hauptstadt Beirut am Mittwoch über 200 Menschen getötet worden waren, erteilte das israelische Militär am Donnerstagnachmittag erneut Evakuierungswarnungen für Vororte Beiruts. Man wolle weiter gegen die proiranische Schiitenmiliz Hisbollah vorgehen, hieß es.
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Laut dem Iran sind die Angriffe nicht mit der Waffenruhe vereinbar. Der iranische Präsident Massud Peseschkian erklärte am Donnerstag, dass die israelischen Angriffe auf den Libanon gegen das Waffenstillstandsabkommen verstießen und Verhandlungen sinnlos machen würden. „Verstöße gegen die Waffenruhe haben konkrete Konsequenzen und ziehen starke Reaktionen nach sich. Löschen Sie das Feuer sofort“, sagte auch der iranische Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf.

Bericht: Künftig 15 Schiffe pro Tag durch Straße von Hormus
Die Situation in der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Straße von Hormus bleibt ebenfalls angespannt. Laut der russischen staatlichen Nachrichtenagentur TASS, die sich auf einen nicht genannten iranischen Regierungsvertreter bezieht, will der Iran höchstens 15 Schiffen pro Tag die Durchfahrt erlauben.

Nach übereinstimmenden Berichten haben wenige einzelne Schiffe seit der Verkündung der Waffenruhe die Meerenge passiert. Die allermeisten Reedereien warten aber unverändert auf eine Besserung der Sicherheitslage. Verbände rieten zunächst von einer nicht abgesprochenen Durchfahrt ab. NATO-Generalsekretär Mark Rutte informierte Insidern zufolge mehrere Bündnispartner, dass US-Präsident Donald Trump innerhalb weniger Tage konkrete Zusagen zur Sicherung der Straße von Hormus erwartet.

Iran will Gebühr verlangen
Aus Teheran hieß es, der Iran werde die Kontrolle in der Meerenge behalten und möglicherweise eine Maut kassieren. Am Mittwochabend hatte die iranische Revolutionsgarde vor Seeminen gewarnt und eine Karte mit eingezeichneter Gefahrenzone veröffentlicht.

Der iranische Vorschlag einer Durchfahrtsgebühr stieß in Europa auf heftige Kritik. „Das ist inakzeptabel, weil die freie Schifffahrt in internationalen Gewässern ein Gemeingut ist, das nicht behindert oder mit Gebühren belegt werden darf“, sagte etwa der französische Außenminister Jean-Noel Barrot. Das Völkerrecht sei „glasklar“, so ein Sprecher der Europäischen Kommission in Brüssel. „Die Schifffahrt muss frei sein“, betonte er. Die EU werde „keine Zahlung oder Gebühr irgendeiner Art“ akzeptieren.

Starke Kritik an israelischen Angriffen

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Auch für die Angriffe Israels im Libanon kam Kritik aus Europa: Die Waffenruhe müsse auf den Libanon ausgeweitet werden, forderte etwa die EU-Spitzendiplomatin Kaja Kallas. Israels Recht auf Selbstverteidigung rechtfertige „keine derart massive Zerstörung“, mahnte sie. Nach den israelischen Angriffen am Mittwoch mit über 200 Toten und rund 1.000 Verletzten wurde die Staatstrauer im Libanon ausgerufen.,

Frankreich, Deutschland, China, und weitere Staaten kritisierten Israel für die Angriffe. Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger gab bekannt, sie wolle Kontakt zu ihrem israelischen Amtskollegen Gideon Saar aufnehmen. Sie werde ihm zum Thema Libanon „eine Nachricht schicken“, sagte Meinl-Reisinger am Donnerstag der APA. „Gerade unter Freunden ist es notwendig, auch klar anzusprechen, (…) wo wir nicht einverstanden sind.“
09.04.2026, red, ORF.at/Agenturen

Angriffe im Libanon: Evakuierungsaufrufe trotz Waffenruhe
 

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#65
Straße von Hormus
Trump kündigt Blockade an
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Nach dem Scheitern der Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran will US-Präsident Donald Trump die Straße von Hormus blockieren. Die US-Marine werde alle Schiffe daran hindern, in die Meerenge einzufahren oder diese zu verlassen, schrieb Trump am Sonntag auf seiner Plattform Truth Social.
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„Die Blockade wird in Kürze beginnen“, erklärte Trump auf Truth Social. Die US-Streitkräfte seien auch angewiesen worden, alle Schiffe abzufangen, die Gebühren an den Iran gezahlt hätten. Niemand, der eine „illegale Maut“ entrichte, werde auf hoher See sichere Passage haben, schrieb Trump.

Zudem kündigte er an, vom Iran gelegte Seeminen in der für die Weltwirtschaft wichtigen Meerenge zerstören zu lassen. Trumps Ankündigung kam wenige Stunden nach Ende der Friedensgespräche in Pakistans Hauptstadt Islamabad. Die Delegationen der beiden Länder waren am Sonntag abgereist. US-Vizepräsident JD Vance, der das US-Verhandlungsteam leitete, hatte gesagt, man habe Teheran noch ein „letztes und bestes“ Angebot gemacht.

Keine Einigung in Atomfrage
Bei den 21-stündigen Gesprächen habe es „bedeutende Diskussionen mit den Iranern“ gegeben, so Vance. „Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass wir zu keiner Einigung gekommen sind.“ Auch Trump zufolge waren die Verhandlungen in Islamabad „gut“ verlaufen. Es habe „Einigungen in den meisten Punkten gegeben“ – allerdings nicht in der Atomfrage.

AP/Anjum Naveed
Die Gespräche in Islamabad blieben ergebnislos

„Alle Iraner, die uns oder friedliche Schiffe angreifen, werden in die Hölle gejagt“, schrieb Trump weiter. Er fügte hinzu, dass auch „andere Länder“ an den Maßnahmen zur Blockade der Straße von Hormus beteiligt sein würden – ohne jedoch näher darauf einzugehen.

Revolutionsgarde: Haben Kontrolle über Meerenge
In einem weiteren Beitrag auf der Plattform warf Trump dem Iran vor, die Öffnung der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus angekündigt und dann das Versprechen „wissentlich“ nicht gehalten zu haben. „Sie sagen, sie haben das Wasser vemint, obwohl ihre ganze Marine und die meisten Minenleger komplett in die Luft gejagt worden sind“, schrieb der Präsident.

APA/AFP/Ghulam Rasool
Konvoi von US-Vizepräsident Vance in Islamabad

Der Iran hatte die Straße von Hormus zu Beginn des Iran-Kriegs vor mehr als sechs Wochen weitestgehend gesperrt. Am Dienstag hatten sich der Iran und die USA dann auf eine Waffenruhe geeinigt. Washington erklärte sich zu einer zweiwöchigen Feuerpause bereit, Teheran stimmte im Gegenzug einer Öffnung der Wasserstraße zu.

Am Samstag teilte die US-Armee mit, dass zwei ihrer Kriegsschiffe die Meerenge durchquert hätten – was Teheran dementierte. Die Revolutionsgarde teilte kurz nach Trumps Blockadeankündigung am Sonntag mit, iranische Streitkräfte kontrollierten die Straße von Hormus.

Iran will „konstruktive Vorschläge“ vorgelegt haben
Laut dem iranischen Außenministeriumssprecher Esmail Baghaei Hamaneh ging es bei den Verhandlungen um zentrale Themen wie die für den weltweiten Ölhandel wichtige Seestraße von Hormus, die Atomfrage, Kriegsreparationen, die Aufhebung von Sanktionen sowie ein Ende des Krieges in der Region. Bis in den Sonntag hinein hätten „intensive Verhandlungen“ stattgefunden.

Der iranische Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf, der in Islamabad verhandelt hatte, warf den USA fehlende vertrauensbildende Maßnahmen vor. Die iranische Delegation habe „konstruktive Vorschläge vorgelegt“, den US-Vertretern sei es jedoch „nicht gelungen, das Vertrauen der iranischen Delegation zu gewinnen“, schrieb er am Sonntag auf der Plattform X.

APA/AFP/Pakistan Prime Minister’s Office
Der iranische Parlamentspräsident Ghalibaf (l.) bei den Verhandlungen in Islamabad

Der iranische Präsident Massud Peseschkian sagte, die amerikanische „Doppelmoral“ sei das größte Hindernis für eine Einigung. „Bei den Verhandlungen in Islamabad waren das anhaltende Festhalten der USA an Doppelstandards sowie ihr machtpolitischer Anspruch das größte Hindernis“, sagte er in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Der Iran ist laut Peseschkian grundsätzlich zu einem fairen Abkommen bereit, um so einen dauerhaften Frieden in der Region zu ermöglichen. „Eine Einigung ist auch durchaus machbar, nur müssen sich die USA an die international anerkannten Vorschriften und das Völkerrecht halten.“

Fünf Wochen Krieg
Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran waren die auf höchster Ebene seit der Islamischen Revolution 1979 und die ersten direkten Verhandlungen zwischen beiden Seiten seit 2015. Damals war in Wien das internationale Atomabkommen geschlossen worden, das verhindern sollte, dass der Iran eine Atombombe entwickelt. US-Präsident war 2015 Barack Obama. 2018 stiegen die USA während der ersten Amtszeit Trumps aus dem Abkommen aus, der Iran sah sich in weiterer Folge nicht mehr daran gebunden.

Die USA und Israel hatten am 28. Februar umfassende Angriffe auf den Iran begonnen. Nach fünf Wochen Krieg einigten sich die Konfliktparteien vor wenigen Tagen auf eine zweiwöchige Feuerpause. In dieser Zeit sollte unter der Vermittlung Pakistans über ein dauerhaftes Ende des Krieges verhandelt werden.

Die Positionen der Kriegsparteien lagen aber von Anfang an extrem weit auseinander. Pakistan rief nach Verhandlungsende beide Länder auf, trotz des vorläufigen Scheiterns der Diplomatie weiter die vereinbarte Waffenruhe einzuhalten.
12.04.2026, red, ORF.at/Agenturen

Straße von Hormus: Trump kündigt Blockade an
 

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#66
Trump droht iranischen Schnellbooten
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Die von den USA geplante Blockade der Straße von Hormus soll früheren Ankündigungen zufolge am Montagnachmittag in Kraft getreten sein. Unklar blieb vorerst, ob das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (CENTCOM) tatsächlich seit 16.00 Uhr (MESZ) bestimmte Schiffe an der Durchfahrt durch die Meerenge hinderte. US-Präsident Donald Trump drohte auf seiner Plattform Truth Social indes allen iranischen Schnellbooten mit der Zerstörung.
Online seit heute, 17.56 Uhr
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„Wenn sich eines dieser Schiffe unserer Blockade auch nur nähert, wird es sofort eliminiert“, schrieb Trump. Der US-Präsident schrieb weiter, das Militär werde „dasselbe Tötungssystem einsetzen, das wir gegen die Drogendealer auf Booten verwenden“. Er spielte damit auf die Luftangriffe auf Boote mutmaßlicher Drogenschmuggler vor der Küste Venezuelas an.

CENTCOM hatte erklärt, die Armee werde allen Schiffen die Durchfahrt durch die Straße von Hormus untersagen, „die iranische Häfen und Küstengebiete anlaufen oder von dort auslaufen“. Freie Durchfahrt soll es dagegen für alle anderen Schiffe geben, etwa Öltanker. Die Teilblockade gilt nach CENTCOM-Angaben für alle iranischen Häfen am Persischen Golf und am Golf von Oman. Die iranische Militärführung warf den USA „Piraterie“ vor.

Verhandlungen in Pakistan gescheitert
Trump hatte die Blockade nach dem Scheitern der direkten Verhandlungen mit dem Iran am Wochenende in Pakistan angekündigt. Als Grund nannte der US-Präsident Teherans Weigerung, Zugeständnisse beim iranischen Atomprogramm zu machen.Mit der Seeblockade will Trump verhindern, dass der Iran Gebühren von Reedereien für eine Durchfahrt durch die Meerenge verlangt und das Land gleichzeitig von Öleinnahmen abschneiden. Das soll den Druck auf Teheran erhöhen: Der Iran ist einer der größten Ölproduzenten der Welt. Entsprechend ist die Straße von Hormus für das Land enorm wichtig, um seine Ölexporte an die internationalen Märkte zu bringen.

Iran blockierte Meerenge seit Kriegsbeginn
Seit Kriegsbeginn am 28. Februar mit US-israelischen Angriffen auf den Iran hatte dieser die weltweit für den Öltransport wichtige Meerenge vor seiner Küste blockiert. Die Durchfahrt von Tankern kam quasi zum Erliegen. Durch die Meerenge verläuft normalerweise rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte. Weltweit schossen Energiepreise nach oben, was auch Trump unter Druck setzte. Am Mittwoch hatten sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. Trump knüpfte das auch an die Öffnung der Meerenge.

Trump hatte seine Streitkräfte am Sonntag auch angewiesen, alle Schiffe abzufangen, die Gebühren an den Iran gezahlt hätten. Niemand, der eine „illegale Maut“ entrichte, werde auf hoher See sichere Passage haben, schrieb Trump. Zudem kündigte er an, vom Iran gelegte Seeminen in der für die Weltwirtschaft wichtigen Meerenge zerstören zu lassen.

UNO-Schifffahrtsorganisation: Jegliche Blockaden illegal
China, Rivale der USA und wichtiger Importeur iranischen Öls, kritisierte den Plan und verlangte eine „ungehinderte“ Durchfahrt durch die strategisch wichtige Meerenge. China hatte nach Trumps Angaben mitgeholfen, den Iran an den Verhandlungstisch zu bringen. Die Öffnung der Straße von Hormus war eine der Bedingungen für die derzeit geltende zweiwöchige Waffenruhe.

Die südostasiatischen ASEAN-Staaten riefen die USA und den Iran zu weiteren Friedensverhandlungen auf. Die Außenminister des Staatenbunds forderten beide Länder nach einer Videokonferenz am Montag auf, die Verhandlungen fortzusetzen, um ein „dauerhaftes Ende des Konflikts sowie dauerhaften Frieden und Stabilität in der Region“ zu erreichen. Sie forderten zudem eine „vollständige und wirksame Umsetzung“ der vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe sowie die „Wiederherstellung eines sicheren, ungehinderten und kontinuierlichen Transitverkehrs“ in der Straße von Hormus.

Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) kritisierte jegliche Blockaden der wichtigen Schifffahrtsroute als illegal. „Gemäß internationalem Recht hat kein Land das Recht, die ungefährliche Passage oder die Freiheit der Schifffahrt durch internationale Meerengen für den internationalen Transit zu untersagen“, sagte der Generalsekretär der UNO-Sonderorganisation, Arsenio Dominguez, am Montag bei einer Pressekonferenz in London.


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Was Trumps Blockadeankündigung bedeutet


Hoffnung auf baldige Öffnung
Nils Haupt, Unternehmenssprecher beim Hamburger Logistikunternehmen Hapag Lloyd, sagte im Ö1-Interview, er hoffe darauf, bald die Straße von Hormus wieder frei nutzen zu können. „Wir sind weiter optimistisch, dass es jetzt hoffentlich bald klappen und die Straße von Hormus in beide Richtungen frei befahrbar sein wird.“

Derzeit würden keine Schiffe fahren, auch die sechs Schiffe des Unternehmens würden bereits seit fünf Wochen vor Anker liegen. Die Situation, vor allem was die Sicherheit der Durchfahrt betreffe, sei ungewiss, besonders die Minen würden eine sichere Durchfahrt so gut wie verunmöglichen. Dass die USA hier eingreifen würden, bewertete der Experte als positiv. Schließlich würden nicht zuletzt auch US-Sicherheitsgarantien ausschlaggebend sein, um die Straße in Zukunft wieder sicher durchqueren zu können.
13.04.2026, red, ORF.at/Agenture

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