Neue Drohung
Ultimatum treibt Trump ins Dilemma
Kurz vor dem Ablauf von Donald Trumps jüngstem Ultimatum an den Iran am Dienstag hat der US-Präsident deutlich an der Eskalationsschraube gedreht. „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals wieder zum Leben erweckt werden“, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social. Derzeit rechnet kaum jemand damit, dass es zu einer Einigung zwischen den USA und dem Iran kommt – vielmehr drohte der Iran seinerseits. Trump gerät unter Druck, denn seine Taktik nutzt sich ab, und ihm fehlt ein Weg aus dem Konflikt.
Online seit heute, 13.41 Uhr (Update: 16.12 Uhr)
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Neue Drohung: Ultimatum treibt Trump ins Dilemma
Ultimatum treibt Trump ins Dilemma
Kurz vor dem Ablauf von Donald Trumps jüngstem Ultimatum an den Iran am Dienstag hat der US-Präsident deutlich an der Eskalationsschraube gedreht. „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals wieder zum Leben erweckt werden“, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social. Derzeit rechnet kaum jemand damit, dass es zu einer Einigung zwischen den USA und dem Iran kommt – vielmehr drohte der Iran seinerseits. Trump gerät unter Druck, denn seine Taktik nutzt sich ab, und ihm fehlt ein Weg aus dem Konflikt.
Online seit heute, 13.41 Uhr (Update: 16.12 Uhr)
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Es ist nicht das erste Ultimatum, das Trump dem Iran gestellt bzw. das er nachträglich ausgedehnt hat. Bisher rechtfertigte er das mit „produktiven Verhandlungen“, doch am Dienstag um 20.00 Uhr US-Ostküstenzeit (2.00 Uhr MESZ) steht der nächste Stichtag ohne Aussicht auf Einigung bevor. Man werde in der Nacht herausfinden, ob sich im Iran etwas geändert habe, so Trump nun. „47 Jahre Erpressung, Korruption und Tod werden endlich zu Ende gehen“, schrieb er weiter.
Eigentlich hatte sich Trump wiederholt gegen eine Involvierung der USA in „endlose Kriege“ ausgesprochen. Doch seine Strategie, den Iran rasch und mit möglichst geringem Eigeneinsatz zum Nachgeben zu zwingen, scheint augenscheinlich nicht zu fruchten. Einen Vorschlag für eine 45-tägige Waffenruhe mit parallel laufenden Friedensverhandlungen samt einer Öffnung der Straße von Hormus hat der Iran abgelehnt.
Trump versucht in Reaktion, dem auslaufenden Ultimatum mit eskalierenden Drohungen Nachdruck zu verleihen. Bereits am Montag hatte er bei der ersten Pressekonferenz seit Beginn des Iran-Krieges zu drastischer Rhetorik gegriffen: Es müsse bis Dienstagabend einen „Deal“ mit dem Iran geben, der für ihn akzeptabel sei. Andernfalls würden die USA vier Stunden nach Auslaufen des Ultimatums jede Brücke und jedes Kraftwerke im Iran zerstören. Er wolle aber nicht, dass es so weit komme.
Israel warnt Menschen im Iran vor Zugsfahrten
Kritikerinnen und Kritikern zufolge würde Trump Kriegsverbrechen begehen, wenn die USA zivile Kraftwerke angreifen. Trump sagte dazu, das mache ihm „keine Sorgen“. Auch Israel baute die Drohkulisse weiter auf: Das Militär des Landes forderte Menschen im Iran auf, keine Züge zu benutzen und sich nicht in der Nähe von Bahnstrecken aufzuhalten.
„Zu Ihrer eigenen Sicherheit bitten wir Sie höflich, ab sofort bis 21.00 Uhr iranischer Zeit auf die Nutzung von Zügen und auf Zugsfahrten im gesamten Iran zu verzichten“, teilte das Militär in Persisch auf X mit. „Ihre Anwesenheit in Zügen und in der Nähe von Bahnstrecken gefährdet Ihr Leben.“
Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur
Bereits Dienstagmittag meldete der Iran landesweite Angriffe auf seine Verkehrsinfrastruktur. Neben der Bombardierung einer Eisenbahnbrücke nahe Kaschan seien auch mehrere Autobahnen Ziel von Luftangriffen gewesen, wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete. In Teheran waren laute Explosionen zu hören, iranische Staatsmedien schrieben von 18 Toten nahe der Hauptstadt.
Den Berichten zufolge wurde zudem die für Ölexporte bedeutende Insel Charg angegriffen. In der Provinz Ostaserbaidschan sei eine Autobahn nach Einschlägen von Geschoßen gesperrt worden, so IRNA. Auch Angriffe auf eine Autobahnbahnbrücke bei Täbris im Westen des Landes wurden gemeldet. Bereits vergangene Woche brachte ein US-Bombardement die größte Brücke im Iran zum Einstürzen. Auch US-Medien berichteten von verstärkten Angriffen auf militärische Ziele im Iran.
Iran droht zurück
Der stellvertretende Sportminister des Iran, Aliresa Rahimi, rief für Dienstagmittag Ortszeit Künstler und Sportler dazu auf, Menschenketten an Stromkraftwerken im ganzen Land zu bilden. „Wir werden Hand in Hand stehen, um zu sagen: Angriffe auf öffentliche Infrastruktur sind ein Kriegsverbrechen“, schrieb Rahimi auf der Plattform X.
Gleichzeitig antwortete die iranische Revolutionsgarde mit Drohungen in Richtung der USA und der Nachbarländer. Die Zeit der Zurückhaltung sei vorbei, man werde die USA und Partner ins Visier nehmen und die regionale Öl- und Gasversorgung für Jahre beinträchtigen. Würden die USA eine „rote Linie“ überschreiten, wären auch Angriffe außerhalb der Golfregion möglich.
Trump nennt Iraner „Tiere“
Kurz vor der Pressekonferenz hatte Trump den Iran am Montag wüst beschimpft. Auf die Frage, warum ein Angriff auf die Infrastruktur des Landes seiner Meinung nach kein Kriegsverbrechen sein solle, sagte Trump, weil „sie Tiere“ seien. Einen Tag zuvor hatte Trump auf Truth Social gepostet: „Öffnet die beschissene (‚fuckin’‘, Anm.) Straße von Hormus, ihr verrückten Bastarde, sonst werdet ihr in der Hölle leben!“ Er schloss den Post mit den Worten „Gelobt sei Allah“, nicht zuletzt das sorgte für herbe Kritik an dem Republikaner.
Die iranische Militärführung wies die Drohungen Trumps als „arrogante Rhetorik und haltlose Drohungen“ zurück. Trump sei „wahnhaft“, sagte der Sprecher der Chatam-al-Anbija-Kommandozentrale, Ebrahim Solfakari, laut Staatsmedien. Die „rüde, arrogante Rhetorik und haltlosen Drohungen des wahnhaften US-Präsidenten“ würden die Angriffe auf die „amerikanischen und zionistischen Feinde“ nicht stoppen.
Folgen unabsehbar
Sollte das Ultimatum am Dienstag ohne Einigung auslaufen, ist fraglich, welche Strategie die USA verfolgen werden. Weitere Militärschläge würden die USA noch tiefer in den Konflikt ziehen, diesen verlängern und eskalieren, doch die militärische Intervention ist in den USA unbeliebt, und die hohen Ölpreise und Lebenshaltungskosten sorgen für Unzufriedenheit.
Trump könnte auch einer erneuten Verlängerung des Ultimatums zustimmen, allerdings würde ein Rückzieher nach den detaillierten Drohungen Trumps Glaubwürdigkeit stark untergraben, während der Krieg weitergeht. Eine für Dienstag angesetzte Pressekonferenz des Pentagon wurde jedenfalls ohne Kommentar abgesagt.
Luftangriffe im Iran halten an
Bei Luftangriffen nahe der Hauptstadt Teheran wurden am Dienstag in einer angrenzenden Provinz mindestens 18 Menschen getötet, auch auf Teheran selbst gab es laut Berichten schwere Bombenangriffe. Dabei soll auch eine Synagoge beschädigt worden sein. Der Iran meldete zudem Explosionen auf der für den Ölexport wichtigen Insel Charg. Laut dem US-Nachrichtenportal Axios handelte es sich um einen US-Angriff.
07.04.2026, red, ORF.at/Agenturen
Eigentlich hatte sich Trump wiederholt gegen eine Involvierung der USA in „endlose Kriege“ ausgesprochen. Doch seine Strategie, den Iran rasch und mit möglichst geringem Eigeneinsatz zum Nachgeben zu zwingen, scheint augenscheinlich nicht zu fruchten. Einen Vorschlag für eine 45-tägige Waffenruhe mit parallel laufenden Friedensverhandlungen samt einer Öffnung der Straße von Hormus hat der Iran abgelehnt.
Trump versucht in Reaktion, dem auslaufenden Ultimatum mit eskalierenden Drohungen Nachdruck zu verleihen. Bereits am Montag hatte er bei der ersten Pressekonferenz seit Beginn des Iran-Krieges zu drastischer Rhetorik gegriffen: Es müsse bis Dienstagabend einen „Deal“ mit dem Iran geben, der für ihn akzeptabel sei. Andernfalls würden die USA vier Stunden nach Auslaufen des Ultimatums jede Brücke und jedes Kraftwerke im Iran zerstören. Er wolle aber nicht, dass es so weit komme.
Israel warnt Menschen im Iran vor Zugsfahrten
Kritikerinnen und Kritikern zufolge würde Trump Kriegsverbrechen begehen, wenn die USA zivile Kraftwerke angreifen. Trump sagte dazu, das mache ihm „keine Sorgen“. Auch Israel baute die Drohkulisse weiter auf: Das Militär des Landes forderte Menschen im Iran auf, keine Züge zu benutzen und sich nicht in der Nähe von Bahnstrecken aufzuhalten.
„Zu Ihrer eigenen Sicherheit bitten wir Sie höflich, ab sofort bis 21.00 Uhr iranischer Zeit auf die Nutzung von Zügen und auf Zugsfahrten im gesamten Iran zu verzichten“, teilte das Militär in Persisch auf X mit. „Ihre Anwesenheit in Zügen und in der Nähe von Bahnstrecken gefährdet Ihr Leben.“
Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur
Bereits Dienstagmittag meldete der Iran landesweite Angriffe auf seine Verkehrsinfrastruktur. Neben der Bombardierung einer Eisenbahnbrücke nahe Kaschan seien auch mehrere Autobahnen Ziel von Luftangriffen gewesen, wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete. In Teheran waren laute Explosionen zu hören, iranische Staatsmedien schrieben von 18 Toten nahe der Hauptstadt.
Den Berichten zufolge wurde zudem die für Ölexporte bedeutende Insel Charg angegriffen. In der Provinz Ostaserbaidschan sei eine Autobahn nach Einschlägen von Geschoßen gesperrt worden, so IRNA. Auch Angriffe auf eine Autobahnbahnbrücke bei Täbris im Westen des Landes wurden gemeldet. Bereits vergangene Woche brachte ein US-Bombardement die größte Brücke im Iran zum Einstürzen. Auch US-Medien berichteten von verstärkten Angriffen auf militärische Ziele im Iran.
Iran droht zurück
Der stellvertretende Sportminister des Iran, Aliresa Rahimi, rief für Dienstagmittag Ortszeit Künstler und Sportler dazu auf, Menschenketten an Stromkraftwerken im ganzen Land zu bilden. „Wir werden Hand in Hand stehen, um zu sagen: Angriffe auf öffentliche Infrastruktur sind ein Kriegsverbrechen“, schrieb Rahimi auf der Plattform X.
Gleichzeitig antwortete die iranische Revolutionsgarde mit Drohungen in Richtung der USA und der Nachbarländer. Die Zeit der Zurückhaltung sei vorbei, man werde die USA und Partner ins Visier nehmen und die regionale Öl- und Gasversorgung für Jahre beinträchtigen. Würden die USA eine „rote Linie“ überschreiten, wären auch Angriffe außerhalb der Golfregion möglich.
Trump nennt Iraner „Tiere“
Kurz vor der Pressekonferenz hatte Trump den Iran am Montag wüst beschimpft. Auf die Frage, warum ein Angriff auf die Infrastruktur des Landes seiner Meinung nach kein Kriegsverbrechen sein solle, sagte Trump, weil „sie Tiere“ seien. Einen Tag zuvor hatte Trump auf Truth Social gepostet: „Öffnet die beschissene (‚fuckin’‘, Anm.) Straße von Hormus, ihr verrückten Bastarde, sonst werdet ihr in der Hölle leben!“ Er schloss den Post mit den Worten „Gelobt sei Allah“, nicht zuletzt das sorgte für herbe Kritik an dem Republikaner.
Die iranische Militärführung wies die Drohungen Trumps als „arrogante Rhetorik und haltlose Drohungen“ zurück. Trump sei „wahnhaft“, sagte der Sprecher der Chatam-al-Anbija-Kommandozentrale, Ebrahim Solfakari, laut Staatsmedien. Die „rüde, arrogante Rhetorik und haltlosen Drohungen des wahnhaften US-Präsidenten“ würden die Angriffe auf die „amerikanischen und zionistischen Feinde“ nicht stoppen.
Folgen unabsehbar
Sollte das Ultimatum am Dienstag ohne Einigung auslaufen, ist fraglich, welche Strategie die USA verfolgen werden. Weitere Militärschläge würden die USA noch tiefer in den Konflikt ziehen, diesen verlängern und eskalieren, doch die militärische Intervention ist in den USA unbeliebt, und die hohen Ölpreise und Lebenshaltungskosten sorgen für Unzufriedenheit.
Trump könnte auch einer erneuten Verlängerung des Ultimatums zustimmen, allerdings würde ein Rückzieher nach den detaillierten Drohungen Trumps Glaubwürdigkeit stark untergraben, während der Krieg weitergeht. Eine für Dienstag angesetzte Pressekonferenz des Pentagon wurde jedenfalls ohne Kommentar abgesagt.
Luftangriffe im Iran halten an
Bei Luftangriffen nahe der Hauptstadt Teheran wurden am Dienstag in einer angrenzenden Provinz mindestens 18 Menschen getötet, auch auf Teheran selbst gab es laut Berichten schwere Bombenangriffe. Dabei soll auch eine Synagoge beschädigt worden sein. Der Iran meldete zudem Explosionen auf der für den Ölexport wichtigen Insel Charg. Laut dem US-Nachrichtenportal Axios handelte es sich um einen US-Angriff.
07.04.2026, red, ORF.at/Agenturen
Neue Drohung: Ultimatum treibt Trump ins Dilemma




