Vor 100 Jahren, am 29. Dezember 1921, wurde die Trennung von Niederösterreich und Wien beschlossen

josef

Administrator
Mitarbeiter
#41
„100 JAHRE NIEDERÖSTERREICH“
Als das Heer zurück nach Wr. Neustadt durfte - Teil 2
Warten auf Wiener Neustadt
Gleichzeitig wurde der Ausbildung neuer Offiziere großer Stellenwert eingeräumt. Immerhin waren sie nur noch auf den Staat Österreich vereidigt. Die ehemalige Schulungsstätte in Wiener Neustadt war allerdings zum Start des Bundesheers 1955/56 noch nicht bezugsbereit – auch zehn Jahre nach der Zerstörung waren die Schäden dort noch immer nicht behoben. Deshalb wich das Bundesheer vorübergehend ins oberösterreichische Enns bzw. in den Linzer Stadtteil Ebelsberg aus.

Fotostrecke mit 7 Bildern
Heeresbild- und Filmstelle
Nach dem Ende des Kriegs begannen die Arbeiten an dem zerstörten Gebäudekomplex
Heeresbild- und Filmstelle
Jahrelang prägten Gerüste das Bild der Burg
Heeresbild- und Filmstelle
In mühevoller Arbeit wurden die einzelnen Gebäudeteile renoviert
Heeresbild- und Filmstelle
Auch der Dachstuhl wurde komplett erneuert
Heeresbild- und Filmstelle
1958 schließlich war es soweit, das österreichische Bundesheer zog wieder in den Standort in Wiener Neustadt ein
Heeresbild- und Filmstelle
Von nun an wurde hier wieder die Offiziersausbildung durchgeführt
Heeresbild- und Filmstelle
Oberst Heck übernahm den Schlüssel zur Burg

Eine glorreiche Rückkehr
Am 1. Dezember 1958 zogen die Offiziersanwärter wieder in die Militärakademie ein. „Mit einem Güterschnelltransport sind wir nach Wiener Neustadt gekommen und um Mitternacht durch die Bahnhofsgasse laut singend gegen die hell erleuchtete, wiedererrichtete Babenbergerburg marschiert“, erinnert sich Adolf Radauer, General im Ruhestand, gegenüber noe.ORF.at. Es sei eine Szene gewesen, die er nie vergessen werde.
Beeindruckt waren die jungen Soldaten damals auch von den Zimmern, ergänzt Günther Greindl. Er war damals Radauers Kamerad, heute ist er ebenfalls General im Ruhestand. „In Ebelsberg hatten wir 40-Mann-Schlafsäle und hier hatten wir plötzlich Zimmer mit sechs Betten und eigener Dusche. Alles war sauber – das war ein einmaliger Qualitätssprung.“



Geprägt von Soldaten der Wehrmacht
Beim Treffen zum Jahrestag ihrer Ausmusterung erinnern sich die Angehörigen des ersten Jahrgangs in Wiener Neustadt großteils positiv an ihre Ausbildungszeit zurück. Es sei aber auch eine harte Schule gewesen, räumt Radauer ein: „Erzieherisch waren wir geprägt von Offizieren, die noch die Deutsche Wehrmacht erlebt haben. Da waren Befehl und Gehorsam, Strenge und Disziplin das Um und Auf.“

Nur auf der Ebene der Lehr- und Klassenoffiziere habe es Nachkriegspersonal gegeben, großteils aus der Zeit der B-Gendarmerie, erinnert sich auch Alfred Schenner, Generalleutnant in Ruhestand: „Alle Ebenen darüber waren ehemalige deutsche Offiziere. Die wollten natürlich ihren soldatischen Geist auch an uns weitergeben.“

ORF/Felix Novak
Pandemiebedingt fand das Jubiläumstreffen des ersten Jahrgangs in Wiener Neustadt erst im 61. Jahr nach der Ausmusterung statt

Er sei damals auch durchaus beeindruckt gewesen von hochdekorierten Weltkriegsveteranen der Wehrmacht. „Als Zugskommandanten hatten wir zuvor in der Garde einen kriegsgedienten Ritterkreuzträger, der uns immer wieder vom Krieg erzählt hat. Das war für mich ein Vorbild“, sagt der pensionierte Soldat.

Erziehung nur „im demokratischen Geist“
Schenners Kamerad Radauer relativiert. Man habe sehr wohl „den soldatischen Geist und die Einsatzfreude“ bewundert, politisch sei „von der Nazizeit oder Wehrmacht“ hingegen nie die Rede gewesen. „Ich habe nie festgestellt, dass uns diese Leute die Gesinnung dieser Zeit weitergeben wollten. Wir waren geprägt von der reinen Aufgabe eines Soldaten zur Verteidigung seiner Heimat.“

Man habe viel über Völkerrecht und die Grundlagen der Republik gelernt, betont auch Greindl: „Damals wurde das nach den österreichischen Vorschriften durchgeführt. Ich habe das schon von Anfang an so empfunden, dass wir im demokratischen Geist erzogen wurden.“

Freude über „eigene Soldaten“
Es habe eine Aufbruchsstimmung geherrscht, die auch im Bundesheer spürbar gewesen sei. „Wenn wir mit der Ehrenkompanie in Wien ausgerückt sind, haben die Leute applaudiert. Da war auf der Mariahilfer Straße ein Spalier“, erinnert sich Schenner. „Die haben sich gefreut, dass wieder eigene Soldaten da sind.“

Am 14. Dezember 1958 gab es auch in Wiener Neustadt Grund für Euphorie: Verteidigungsminister Ferdinand Graf (ÖVP) übergab Josef Heck, dem neuen Kommandanten der Einrichtung, die Schlüssel zur Burg – auf den Tag genau 207 Jahre nach der Gründung der Theresianischen Militärakademie.
14.05.2022, Felix Novak, noe.ORF.at
Als das Heer zurück nach Wr. Neustadt durfte
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#42
„100 JAHRE NIEDERÖSTERREICH“
Als das Bahnnetz zum Stromnetz wurde
1652733171099.png

In den Aufschwungsjahren nach 1945 machten sich die ÖBB daran, die Bahninfrastruktur zu verbessern. Der wohl größte Kraftakt war die Elektrifizierung der Strecken, etwa auf der Südbahn. Damit wurde – reichlich langsam – das Ende der Dampfloks eingeläutet.
Online seit heute, 18.12 Uhr
Teilen
Es war ein ganz besonderer Tag, das halbe Dorf war am Bahnsteig versammelt. Mädchen und Buben schwenkten kleine rot-weiß-rote Fahnen, das örtliche Blasmusikorchester spielte, der Bürgermeister hielt eine etwas holprige Rede. Der Anlass der Feierlichkeiten rollte langsam in den Bahnhof ein – ohne Gestank und im Vergleich zu den alten Dampfloks fast schon leise: die Elektrolokomotive.

Auf der Lok, die Vertreter der Politik und andere Ehrengäste beförderte, prangte die österreichische Fahne, reichlich geschmückt mit bunten Blumen. Immerhin wurde es als Leistung der jungen Zweiten Republik gesehen: Der Ort war nun an das elektrifizierte Bahnnetz angeschlossen.
Diese und ähnliche Szenen spielten sich in den Nachkriegsjahren in Dutzenden, wenn nicht Hunderten Bahnhöfen in ganz Österreich ab. Die Bundesbahnen hatten sich zum Ziel gesetzt, ihre wichtigsten Strecken zu elektrifizieren. Ein großer Schritt hin zu einer modernen Infrastruktur mit leistungsfähigeren Lokomotiven, deutlich schnelleren Verbindungen und im Gegenzug einer verringerten Abhängigkeit von Kohleimporten.

Seit dem 19. Jahrhundert elektrisch unterwegs
Dabei waren elektrisch betriebene Züge an sich damals keine neue Erfindung – im Gegenteil. Erste Experimente damit hatte es weltweit bereits im 19. Jahrhundert gegeben, parallel zur weiteren Entwicklung der Dampflokomotiven. Auch in Österreich ging in den 1880ern erstmals eine elektrifizierte Strecke in Betrieb: die Lokalbahn Mödling-Hinterbrühl, eine Mischung aus Zug und Straßenbahn.

wikimedia commons/public domain
Die elektrische Lokalbahn Mödling-Hinterbrühl (hier 1925) war bis in die 1930er-Jahre in Betrieb

Es handelte sich dabei um die erste dauerhaft mit Oberleitung betriebene Bahn der Welt. Sie brachte viele Herrschaften in die für Sommerfrische beliebte Hinterbrühl. Die knapp 4,5 Kilometer lange Strecke entlang des Mödlingflusses wurde 1932 stillgelegt – mehr dazu in Mödling: Schulstadt im Grünen (noe.ORF.at; 13.4.2016).

Generell war der Süden der Hauptstadt Vorreiter in diesem Bereich, auch etwa durch die Badner Bahn im Jahr 1899, die einige Jahre später für Personen- und Gütertransporte nach Wien verlängert wurde oder auch die Pressburger Bahn, die ab 1914 Wien mit Bratislava verband.

ÖBB
Das Personal musste den Umgang mit Elektrizität erst lernen

„Das war ein ganz interessanter Betrieb“, erzählt ÖBB-Historiker Alfred Klein-Wisenberg. "Auf beiden Stadtstrecken, sowohl in Wien als auch in Bratislava, waren Straßenbahnfahrzeuge eingesetzt, im Bereich zwischen Schwechat und Engerau (slowakisch „Petržalka") gab es hingegen einen Vollbahnbetrieb mit 15.000-Volt-Elektrolokomotiven“, sagt Klein-Wisenberg. Betrieben wurde diese eigenwillige Konstruktion bis 1923 von den Niederösterreichischen Landesbahnen, erst danach übernahmen die ÖBB.

Zuerst die Bahn, dann die Gemeinden
Auch anderswo in Niederösterreich gab es rund um die Jahrhundertwende Experimente mit elektrisch betriebenen Bahnstrecken. Prominentestes Beispiel ist die Mariazellerbahn. Sie startete schon im Jahr 1907 mit dem elektrischen Betrieb.

Für deren Versorgung war für die damalige Zeit extrem viel Strom notwendig. Deshalb wurde in Wienerbruck (Bezirk Lilienfeld) ein eigenes Wasserkraftwerk errichtet. Das damalige Landeselektrizitätswerk entstand als Abspaltung aus den Landesbahnen – und bedeutete den Startschuss für die gesamte Elektrifizierung des Bundeslands – mehr dazu in Neue Kraftwerke beenden kuriose Monopole (noe.ORF.at; 7.1.2022).

privat
Die erste E-Lok auf der Strecke der Mariazellerbahn

Kaum elektrifizierte Strecken
Die Österreichischen Bundesbahnen, aus dem Zerfall der Monarchie hervorgegangen, hatten in der Zwischenkriegszeit ebenfalls E-Loks im Einsatz, allerdings nur in kleinem Ausmaß und auf wenigen Strecken. Nach einem ersten Elektrifizierungsgesetz 1920 startete man in erster Linie im Westen Österreichs.


ÖBB
Die Arlbergstrecke war eine der ersten, die in den 1920ern mit Elektroloks betrieben wurden

Hier gab es mehr steile Streckenabschnitte – und Dampflokomotiven waren in vielen Fällen kaum eine Option. Nur die stärkeren Elektromotoren konnten die erforderliche Leistung entwickeln. Zusätzlich war die Stromversorgung durch Wasserkraftwerke in den Gebirgsregionen vergleichsweise einfach.

Im Osten war das über weite Strecken anders, deshalb verzichtete man vorerst auf größere Investitionen in Leitungen, in Umspannwerke – und in Kraftwerke, denn von Beginn an wollten die ÖBB den benötigten Strom selbst herstellen. „Man war immer bemüht, die Bahnstromversorgung mit eigenen Kraftwerken zu erhalten“, sagt der ÖBB-Historiker. Nicht zuletzt deshalb war eine Modernisierung mit großen Kosten verbunden. Auf fast allen Strecken blieb man deshalb vorerst bei der älteren, langsameren, teureren und wartungsintensiveren Dampflok.

Wiederaufbau im Vordergrund
Das sollte sich erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ändern, wenn auch nur langsam. Fast die Hälfte der Bahnstrecken war durch Kampfhandlungen zerstört. Im Vordergrund stand in den späten 1940er-Jahren die Wiederherstellung des grundsätzlichen Schienennetzes.
„Es war örtlich sehr unterschiedlich, aber viele Bahnhöfe und auch Brücken waren völlig zerstört – die Eisenbahn war immer ein strategisches Ziel, um den Nachschub zu unterbinden“, so Klein-Wisenberg. Erst nach diesen Reparaturarbeiten machten sich die wiedererrichteten ÖBB in einem zweiten Schritt daran, die Strecken zu modernisieren.
ÖBB
Mitte April 1945, wenige Wochen vor dem Ende des Kriegs, war ein guter Teil der Bahnlinien Österreichs unbefahrbar, vor allem im Osten des Landes

Ganz oben auf der Prioritätenliste standen dabei die Hauptverkehrsrouten Richtung Wien. „Die erste Streckenelektrifizierung begann 1949 mit der Westbahn von Attnang-Puchheim Richtung Linz und später dann, 1952, nach Wien“, erzählt ÖBB-Historiker Klein-Wisenberg. Das sei auch ein wichtiges Zeichen für die Entwicklung der besetzten Hauptstadt gewesen.

Fotostrecke mit 7 Bildern
ORF
Tausende Kilometer Stromleitungen wurden entlang der Schienen verlegt
ORF
Sie wurden auf großen Rollen auf Waggons transportiert
ORF
Zusätzlich kamen spezielle Fahrzeuge zum Einsatz…
ORF
…mit denen die Arbeiter die Oberleitungen installieren konnten
ORF
Es war eine langwierige…
ORF
…und immer wieder auch gefährliche Arbeit…
ORF
…die nahezu überall in Österreich durchgeführt wurde

Bei der Eröffnungsfeier am Wiener Westbahnhof sprach auch Bundespräsident Theodor Körner – mit reichlich Pathos. Ein „neues, unzerreißbares Band“ sei gespannt, „das Ost und West, die Bundesländer und Wien, nunmehr unlösbar verbindet. Dem gesamten Volk Österreichs, allen zusammen, gehören die Bundesbahnen. Dem ganzen Volk dient auch das große Werk, dessen Vollendung wir heute feiern.“ Die ÖBB hätten damit „aufs Neue bewiesen, dass sie alle technischen Errungenschaften zielbewusst zu nützen versehen“, sagte der Bundespräsident.

13 Jahre Bauzeit auf der Südbahn
„Etwas anders lief es im Bereich der Südbahn“, sagt Historiker Klein-Wisenberg. Dort habe man für die Strecke von Wien bis zur italienischen Grenze immerhin 13 Jahre gebraucht. Der Startschuss fiel ebenfalls 1949, und zwar am Semmering. Dort gab es bislang nur eine Tunnelröhre, für zwei Gleise samt Oberleitungen war kein Platz. Deshalb musste eine zweite Röhre her.

Dieser Semmeringbahntunnel war binnen drei Jahren, 1952, fertig. Er wurde anfangs allerdings ebenfalls mit Dampfloks befahren. „Erst 1959 wurde der elektrische Betrieb von Gloggnitz nach Mürzzuschlag in Betrieb genommen“, so der Bahnhistoriker. In den 60er-Jahren schließlich war die ganze Südbahnstrecke elektrisch nutzbar.

16.05.2022, Felix Novak (Redaktion) und Alexander Katholitzky (Archiv), noe.ORF.at
Als das Bahnnetz zum Stromnetz wurde

Hier geht es zum restlichen Beitrag
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#43
„100 JAHRE NIEDERÖSTERREICH“
Als aus einem NS-Projekt ein Badesee wurde
1653115337286.png

Die Nationalsozialisten wollten die Donau mit der Oder verbinden und so eine europäische Hauptverkehrsroute für den Schiffsverkehr schaffen. Bis auf wenige Kilometer wurde daraus nichts. Ab 1960 entstanden aus dem ehemaligen NS-Großprojekt mehrere Badeseen.

Hier geht es zum gesamten Beitrag des ORF-NÖ.
 
Oben