„IBM und der Holocaust“

#1
Weil ich gerade dabei bin, wegen “Total vernetzter Welt”:

Ich lese gerade das Buch „IBM und der Holocaust“ von Edwin Black. Es beschreibt den Einsatz der IBM Rechner vor, im und nach dem Dritten Reich in Europa.
So waren diese Maschinen unverzichtbar in der Güterzuglogistik und vor allem auch in der Erhebung der Juden und deren Wohnadresse. Mit Hilfe dieser Maschinen (Lochkarten) wurden die erfassten Daten auf Standesämtern, Kirchen etc. ausgewertet und die Personen konnten mit Hilfen von Listen punktgenau abgeholt werden.
Es gab hier auch, heute würde man sie als Datenbankadministratoren bezeichnen, Personen, welche hier eine entscheidene Entwicklung eingeleitet haben. So waren zu Beginn nur sequentielle (Zeile pro Zeile) Berechnungen möglich, später dann verknüpfte Rechenmethoden (welche nur an einigen Maschinen möglich waren).

Und für mich besonders neu war, dass die tätowierte Nummer bei den KZ Häftlingen die eindeutig indentifizierbare Nummer des KZ Häftlings darstellte, welche im IBM Lochkartensystem verarbeitet wurde. Damit konnte die Lokation, Behandlung aber aus seine Ausbildung, Fähigkeiten u.a. registriert werden. Erst nach Tod des Häftlings wurde diese Nummer an Andere weitergegeben.

Also heute, 70 Jahre später und nach NSA kann man sich ja vorstellen, was ein totalitäres Regime mit den heutigen Daten anstellen könnte.
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
Hollerith - DEHOMAG -IBM

Hallo @Struwwi,
:danke für den interessanten Beitrag! Erlaubte mir eine "Verschiebung" um einen neuen Thread zu eröffnen.

Die "Lochkartenmaschinen" wurden meines Wissens bis Kriegsende im damaligen Deutschen Reich nach ihrem Erfinder als "Hollerith-Maschinen" bezeichnet. Ich selbst verbrachte mein Berufsleben in einem Großkonzern, der aus den ehemaligen RHG-Werken hervorging. Arbeitete noch einige Jahre mit alten Kollegen zusammen, welche die Kriegszeit noch miterlebten. Für die war die damalige "Datenverarbeitungsabteilung" grundsätzlich noch die "Hollerithabteilung", die in ungeheuren Mengen anfallenden Papierausdrucke waren die "Hollerithlisten usw.!

Und wie du schreibst, hätte die generalstabsmäßige Durchführung der Todesmaschinerie des Holocausts ohne Hilfe der "Hollerith-Maschinen" nicht so rasch abgewickelt werden können!

Artikel zum Thema aus 2001:
IBM und die Nazis: Ich Bin Mitschuldig
Unter dem Titel IBM and the Holocaust: The Strategic Alliance Between Nazi Germany and Americas Most Powerful Corporation erscheint heute in den USA und acht weiteren Ländern ein Buch, das medialen Sprengstoff erster Güte enthält. In dem Buch versucht der Autor Edwin Black nachzuweisen, dass IBM sich über eine Reihe von Tochtergesellschaften mehr mit den Nationalsozialisten eingelassen hat, als bisher bekannt war.

Durch den Vertrieb von Hollerith-Lochkartenmaschinen an die Nationalsozialisten habe es IBM ermöglicht, dass die Vernichtung des jüdischen Volkes mit großer Präzision geplant werden konnte, schreibt Black. Selbst dann, als amerikanische Firmen den Kontakt zu Töchtern in Hitlerdeutschland abbrechen mussten, habe IBM über seine Schweizer Europa-Zentrale die Deutsche Hollerith-Maschinen-Gesellschaft (DEHOMAG) weitergeführt – und das auch nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs durch einen Treuhänder in enger Absprache mit der US-amerikanischen Konzernzentrale. Techniker seien bis in die Konzentrationslager gereist, um die Lochkartenleser zu warten, so Black. Im internen IBM-Verkaufsplan sei die Dehomag in der Rangliste der Verkaufsgebiete noch dann auf Rang 2 ausgewiesen worden, als IBM-Chef Thomas J. Watson längst alle ihm von den Nazis überreichten Orden öffentlich zurückgegeben hatte.

Das anklagende Buch erscheint im Verlag Crown Publishers, der zum Bertelsmann-Konzern gehört. Dieser strauchelte in der Vergangenheit ebenfalls über eine beschönigende Darstellung der eigenen Firmengeschichte im dritten Reich. Ein deutscher Vorabdruck aus dem Buch erscheint derzeit beim Spiegel.

Wie Edwin Black ausführt, habe er mit Hunderten von Freiwilligen in den verschiedensten Archiven gefahndet, um das System der Lochkarten zu entschlüsseln, das die Nationalsozialisten bei ihrer Volksfahndung verwendeten. Unter höchster Geheimhaltung habe er dann das Buch geschrieben, damit seine Wirkung nicht verpuffe. Edwin Black, Gründer des amerikanischen Magazins OS/2 Professional und damit langjähriger Fan und Leidensgenosse mancher IBM-Manager, sah sich zu dem Buchprojekt veranlasst, nachdem er mit seinen Eltern das Holocaust-Museum in Washington besucht hatte. Dort steht eine Hollerith-Maschine, die in Black die Frage nach dem "Warum?" auslöste.

Ganz neu und überraschend sind die Thesen freilich nicht. Bereits im Jahre 1999 veröffentlichte Black den Roman format c: (Brookline Books), in dem er die Leidensgeschichte seiner Eltern beschreibt, die als jüdische Widerstandskämpfer in Polen nur knapp dem Tod entrinnen konnten. In der fiktiven Rahmenhandlung von format c: finden sich bereits Hinweise auf die "Rechentechnik" der Nationalsozialisten. Sie werden allerdings durch den Plot des Romans verdeckt: Ben Hinnon, der mit System-Software zum reichsten Mann der Welt aufgestiegene Ehrgeizling, plant, sämtliche Software aller Rechner unter Kontrolle seiner Firma laufen zu lassen. Als Hebel soll dabei der Jahreswechsel zum 1. Januar 2000 dienen, an dem ohne Ben-Hinnom-Software das Datenchaos ausbrechen würde. Vieles an der Romanfigur Ben Hinnom erinnert an Bill Gates, doch im Verlauf des Romans stellt sich heraus, dass Hinnom schon unter den Nationalsozialisten arbeitete und die Personifizierung des Teufels schlechthin ist.

Mit seinen Forschungen zum Einsatz der Hollerith-Maschinen im Dritten Reich unterstützt Black eine Reihe von Klagen, die in den USA gegen IBM angelaufen sind. Nach der Darstellung des US-Anwaltes Michael Hausfeld, einem der bekanntesten Entschädigungsspezialisten, sollen über 100.000 KZ-Überlebende entschädigungsberechtigt sein, weil IBM seine Rolle im Holocaust systematisch verschwiegen habe.

Die von den Nationalsozialisten verwendeten Hollerith-Maschinen gehen auf eine Erfindung des deutschstämmigen Ingenieurs Herman Hollerith zurück. Dieser erfand eine Lochkarten-Technik, mit der die Volkszählung in Amerika effektiv und fehlerfrei durchgeführt werden konnte. Auf den Trick mit den Lochkarten kam der findige Ingenieur, weil er auf seinen Eisenbahnfahrten beobachtet hatte, wie die Schaffner Billets unterschiedlich lochten. Durch die unterschiedliche Lochung des Kartons kodierten sie Geschlecht und Rasse des Passagiers, um eine mehrfache Benutzung der Fahrkarte auszuschließen. Die Lochcodes wurden außerdem dazu verwendet, um festzustellen, wie viele Schwarze einen bestimmten Zug benutzten, dem dann separate Wagen angehängt wurden.

Die Geschichte der Datenverarbeitungsmaschinen der DEHOMAG, die die Nazis einsetzten, ist teilweise bereits öffentlich dokumentiert: Das United States Holocaust Memorial Museum in Washington zeigt in seiner Ausstellung bereits seit einiger Zeit eine Hollerith-Maschine mit der Beschriftung: "Die Hollerith-Maschine, eine der frühesten Lochkarten-Sortierer und Zählmaschinen für automatische Datenverarbeitung. Anfangs in den USA und im Ausland benutzt, um Census-Daten auszuwerten, wurde sie später von den Nazis eingesetzt, um Daten über die große Zahl von KZ-Gefangenen und Sklavenarbeitern zu verarbeiten."

Auch die DEHOMAG D11, die für die Volkszählung 1933 und 1939 durch die Nazis benutzt wurde, ist in dem Museum zu finden. In dem Kommentar zum Ausstellungsstück heißt es, der Census von 1933 in Deutschland habe nach der Religionszugehörigkeit und der von 1939 nach der Rasse gefragt. Die erste Volkszählung habe also die jüdische Bevölkerung identifiziert, die sich selbst der jüdischen Gemeinschaft zugehörig fühlte, während der zweite Census die Juden nach den Kritierien der nazistischen Rassenlehre erfasst habe. Für die Auswertung der Volkszählungen benutzten die Nazis nach Angaben des Washingtoner Holocaust-Museums die DEHOMAG D11 – das Museum verweist auch darauf, dass die Deutsche Hollerith nach dem Zweiten Weltkrieg als IBM Deutschland geführt wurde.

IBM Deutschland ist bereits vor einem Jahr dem Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter beigetreten. Dieser hat jedoch nichts damit zu tun, wie die Nazis Bevölkerungserfassung und Kontrolle in den Lagern auch mit Hilfe von IBM-Maschinen betrieben – und dies nach Ansicht Blacks zumindest mit stillschweigender Duldung durch den IBM-Gründer und langjährigen Chef der Firma, Thomas J. Watson. IBM habe auch die Gewinne der DEHOMAG in der Nazizeit stillschweigend nach Ende des Krieges eingesammelt – "was bis heute ein Geheimnis geblieben ist", schreibt Black.
(Detlef Borchers)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/IBM-und-die-Nazis-Ich-Bin-Mitschuldig-36034.html

Einige weitere Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Herman_Hollerith

http://de.wikipedia.org/wiki/DEHOMAG

http://www.spiegel.de/wirtschaft/ibm-der-programmierte-massenmord-a-117132.html
 
B

Bunkergeist

Guest
#3
Weil ich gerade dabei bin, wegen “Total vernetzter Welt”:

Ich lese gerade das Buch „IBM und der Holocaust“ von Edwin Black. Es beschreibt den Einsatz der IBM Rechner vor, im und nach dem Dritten Reich in Europa.
So waren diese Maschinen unverzichtbar in der Güterzuglogistik und vor allem auch in der Erhebung der Juden und deren Wohnadresse. Mit Hilfe dieser Maschinen (Lochkarten) wurden die erfassten Daten auf Standesämtern, Kirchen etc. ausgewertet und die Personen konnten mit Hilfen von Listen punktgenau abgeholt werden.
Es gab hier auch, heute würde man sie als Datenbankadministratoren bezeichnen, Personen, welche hier eine entscheidene Entwicklung eingeleitet haben. So waren zu Beginn nur sequentielle (Zeile pro Zeile) Berechnungen möglich, später dann verknüpfte Rechenmethoden (welche nur an einigen Maschinen möglich waren).

Und für mich besonders neu war, dass die tätowierte Nummer bei den KZ Häftlingen die eindeutig indentifizierbare Nummer des KZ Häftlings darstellte, welche im IBM Lochkartensystem verarbeitet wurde. Damit konnte die Lokation, Behandlung aber aus seine Ausbildung, Fähigkeiten u.a. registriert werden. Erst nach Tod des Häftlings wurde diese Nummer an Andere weitergegeben.

Also heute, 70 Jahre später und nach NSA kann man sich ja vorstellen, was ein totalitäres Regime mit den heutigen Daten anstellen könnte.
Ja also die Daten der Häflinge waren auf Karteikarten und Büchern vermerkt die man heute noch einlesen kann. In den KL und Haftanstlaten waren keine Lochkarten. Wo waren die dann? Bzw. wo sind die heute? Und hat man da "doppelte Buchhaltung "gemacht?
 
#4
Hallo Bunkergeist,

Hier ein Photo von dem Buch, eine Häftlings-Karteikarte:
IMG_1403a.jpg


Und hier in Grossaufnahme die Hollerith Kodierungen
IMG_1404a.jpg IMG_1405a.jpg

d.h.die Häftlings Karteikarten wurden lokal angefertigt, und diese an eine Hollerith Abteilung weitergeleitet, wo sie dann mittels Lochkarten in die IBM Maschinen gefüttert und ausgewertet wurden.
Defacto müsste in jedem KZ also eine IBM Maschine gestanden sein (man hat nach dem Krieg mehr als 2.000 IBM Maschinen lokalisieren können ....steht im Spiegel Link von Josef).
 

Joe

Fehlerkramrumschlager
Mitarbeiter
#5
Das lässt so einige Rückschlüsse zu, jetzt, wo es bekannt ist. Ich wußte es in dieser Form bisher auch nicht. :bravo:
Was gibt es denn aus der Abteilung noch für vorhandene Daten?
Gruß
Joe
 

Joe

Fehlerkramrumschlager
Mitarbeiter
#7
...schon klar, Chef. Keller, Likör und Holler(it)beeren.

Mich interessiert nur der tatsächlich vorhandene Datenbestand in Bezug auf die Häftlinge.
Gruß
Joe
 

otto

Reiseleiter
Mitarbeiter
#8
Jut Jut, dann such' ich das mal bei Gelegenheit raus.

Für alle die das Thema interessiert vorab kleine Einführung in das maschinelle Berichtswesen: BIOS-273

LG
Gerd
 
#9
da gibts in Deutschland einen Haufen von Firmen, die in dieser Zeit eine Art Mitschuld hatten, und dadurch, da sie nicht direkt involviert waren, nach dem Krieg auf unterschiedliche Arten und Weisen weitermachten. Dazu gehoeren nichtnur Firmen, sondern ganze Familien.

Insbs. bei BMW gibts da auch eine Historie, die nicht ganz sauber war.
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#11
:danke Gerd :bravo:

Interessant wäre auch zu wissen, ob die "Verarbeitung" der riesigen Datenmengen vor Ort in den KZ's erfolgte oder in einer Zentrale erfasst wurden?

Es mussten ja auf Grund der händisch oder per Schreibmaschine erstellten/ausgefüllten Urbelege -> "Karteikarten", die "Lochkarten" erstellt werden. D.h., mittels "Locher" -> Lochkartenstanzer die auf den Karteikarten ausgefüllten, genau in vorgegebene (kodierte) Felder eingetragenen Schriftzeichen mittels der Lochmaschine auf den Feldern der Lochkarte gestanzt (-> gelocht) werden. Diese Lochkarten wurden dann nach einem ebenfalls über Lochkarten gesteuerten Programmablauf mehrmals durch eine Zentraleinheit "gejagt", um zu guter Letzt aussagefähige Ergebnisse in Listform zu erhalten...

Diese "Locharbeit" -> ursprüngliche Datenerfassung, wurde hauptsächlich von Frauen erledigt -> "Locherinnen", zuletzt als "Datatypistinnen" bezeichnet, heute ein Fall für "ausgestorbene Berufe..." :)

lg
josef
 
#12
Es wurden entweder haendisch oder mit Schreibmaschine lokal Dateikarten geschrieben. Diese Karteikarten wurden wie von Josef oben beschrieben in Lochkarten umgewandelt. Die Maschinen standen irgendwo lokal in der Gegend der Lager und wurden mit diesen Daten gefuettert.
Die uebergeordneten Stellen bekamen dann vom Lager Reporte wo stand, so und soviele Haeftlinge sind im Lager und wieviele sie mit welcher Berufsausbildung zum Einsatz bringen koennen.

Es gab auch Faelle, wo das Lager Zahlen nannte, die durch Lochkarten erfassten Zahlen in den Maschinen jedoch grob unterschiedlich waren, und dies von den uebergeordneten Stellen beanstandet wurde „Zaehlst doch mal“.

Ich denke mir, die Hollerith Abteilungen hatten eine gute Zusammenarbeit und lieferten die Daten unabhaengig von der lokalen Lagerverwaltung (diese lieferte natuerlich auch). Und bei der uebergeordneten SS Einheit wurde alles ausgewertet und verglichen (heute wahrscheinlich in Excel).

Im uebrigen waren die Lochkarten die grosse Mangelware. IBM hatte das de facto Liefermonopol und durch den Krieg konnten auch nur 1-2 Fabriken liefern. Da ging es um irre Mengen an Lochkarten. Sieht man auch in der Datei von Otto.
Diese IBM Maschinen muss man sich als kleine PC’s vorstellen, wo halt vor Ort einiges erledigt wurde. Und in der SS Zentrale stand sicher auch eine Maschine in welcher die Summen eingegeben wurden. Aber im Sinne einer allgemeinen Datenhaltung in einer Zentrale war es sicher nicht.
 
#13
Wobei eine Rekonstruktion ja immer schwierig ist....

Bei diesen KZ ging es ja um eine grosse Menge an Personen, also viele Lochkarten und so weiter....

Z.B. habe ich in youtube auch so eine Art wissenschaftliches Video gesehen, wo erklaert wird, dass eine so grosse Anzahl rein physikalisch nicht in den KZ vernichtet werden konnten, mit Abmessungen, Dimensionen etc.etc.

Also mir ist schon klar, diese Videos stimmen ja einfach nicht, aber wenn man nicht den Durchblick hat, koennte man solche Sachen fast glauben.

Also das meine ich nur mit Rekonstruktion, man kann es drehen und wenden...
 
#14
IBM 080 Lochkarten Sortiermaschine und IBM 011 Magnet-Handlocher

Hier werden zwei Geräte verkauft:

http://www.ebay.de/sch/Computer-Tablets-Netzwerk-/58058/m.html?item=251439563216&ssPageName=STRK%3AMESINDXX%3AIT&_ssn=bennocarl

eBay Artikelnummer 251439563216 - IBM 011 Magnet-Handlocher für 80-stellige Lochkarten - ein Klassiker der EDV - klick
eBay Artikelnummer 251439562874 - IBM 080 Lochkarten Sortiermaschine -80stellig- Hollerith hergestellt seit 1925 - klick


Der Verkäufer scheint sich damit auszukennen, vielleicht bekommt man bei ihm Informationen.

lg siebzehn
 
#15
Von der Volkszählung in Rumänien 1941, mit IBM Maschinen durchgeführt:

Die Frage nach der Religion umfasste nicht nur die derzeitige Konfession einer Person, sondern auch die Konfession bei der Geburt.
Die gleichen Fragen wurden auch zu Vater und Mutter der Person gestellt. In den Kategorien Volkszugehörigkeit und Muttersprache wurden wiederum die gleichen Fragen für die Einzelperson und deren Eltern gestellt.
Die Frage nach der Volkszugehörigkeit tauchte auch auf der landwirtschaftlichen und beruflichen Erfassung auf.
Selbst beim Bogen zum betrieblichen Eigentum mussten Geschäftsleute Fragen nach jüdischen Partnern und Angestellten beantworten.

Mit Hilfe der sich überschneidenden Informationen konnten die IBM Tabelliermaschinen das Zielobjekt in die Enge treiben: jede Person jüdischer Abstammung - selbst wenn dies dem Gezählten selbst gar nicht bewusst war.


Man setzte 29.000 bezahlte Zähler ein, von denen jeder für etwa 120 Haushalte verantwortlich war.

Quelle:Buch von Edwin Black (siehe oben), Seite 509
 
#16
Das erinnert mich auch auf ein privates Erlebnis vor langer Zeit:
auch in Österreich standen Volkszählungen an, und eine Person kam zu uns in das Haus, stellte Fragen und füllte mit meinem Vater einen Bogen aus.

Mein Vater hat viele Fragen nicht beantwortet und allgemein abwehrend gehandelt.
Damals verstand ich es nicht - heute schon.
 
#17
Und jetzt noch mehr Details warum man damals IBM Maschinen brauchte:

Wie bei fast allen Eisenbahnen seit der vorigen Jahrhundertwende ermöglichten die Lochkarten eine effiziente Planung der Züge, die Lokalisierung des Frachtgutes und den Einsatz der Waggons. Durch die Verwendung von Hollerith Maschinen bei jedem grösseren Halt konnte die Bahndirektion innerhalb von 48 Stunden Fahrpläne aufstellen.
 
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