Der Supergau von Tschernobyl am 26. April 1986

#21
Schrottplatz und das berühmte Bild vom nie eröffneten Rummelplatz
 

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#23
noch mehr Bilder
 

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#24
tut mir leid die sind leider alles unsortiert. Das berühmte Schwimmbad. Über den Dächern von Pripat
 

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#25
lustige Bilder und Zugunglück
 

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#27
Ich wäre jetzt dort hin geflogen um zu fotografieren, aber leider lässt es der Krieg imo nicht zu...
Aber ich hoffe, dass es bald Gelegenheit gibt......




Wenn das soweiter geht wird bald die ganze Ukraine ein Lost Places werden. Denke mal wenn der Krieg alle ist hat man einen ganz grossen Spielplatz
 
#30
Heute kommen die restlichen Bilder. Hier der Checkpoint. Dort in den Dörfern leben noch sehr wenige Menschen. Zur Weisrussischen Grenze sind es nur 5 Kilometer
 

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#33
Die nächsten Bilder sind die Fischzuchtanlage. Die Kühltürme vom Kraftwerk. Kraftwerk mit neuer Hülle
 

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josef

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#34
Agrarische Wiederauferstehung
Tausende Hektar rund um Tschernobyl könnten wieder landwirtschaftlich genutzt werden
Eine aktuelle Untersuchung erklärt manche Ackerbaugebiete in der zweiten Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk nach fast 40 Jahren wieder für sicher
Am 26. April 1986, also vor ziemlich genau 39 Jahren, explodierte der Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat rund 100 Kilometer entfernt von Kiew. Bei dem Unglück und unmittelbar danach kamen über 40 Personen ums Leben, durch die Folgen der radioaktiven Verstrahlung dürften mittlerweile mehrere Tausend Menschen gestorben sein.

Der damalige sowjetische Atommeiler wurde zunächst mit einem provisorischen "Sarkophag" ummantelt, der später von einer haltbareren Lösung ersetzt wurde. Von den ursprünglich rund 190 Tonnen Reaktorkernmasse befinden sich Schätzungen zufolge immer noch rund 150 bis 180 Tonnen unter der Schutzhülle.


Die neue Schutzhülle über dem Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl. Rund 30 Kilometer jenseits dieser strikten Sperrzone leben dauerhaft Menschen, Landwirtschaft ist dort aber offiziell nicht gestattet. Eine nun vorgestellte Studie zeigt, dass dies in manchen Gegenden aber unbedenklich wäre.
Foto: AFP/DIMITAR DILKOFF

Sperrzonen um die Reaktorruine
Darüber hinaus wurde eine fast 3000 Quadratkilometer große Sperrzone eingerichtet, die sich in ein Naturparadies verwandelte, in dem das natürliche Leben von Menschen unbeeinflusst gedeiht. Nach der Evakuierung der Einwohnerinnen und Einwohner wurden die Städte Prypjat und Tschernobyl in diesem gigantischen Naturreservat zu Geisterstädten. Der Zugang zu diesem Sperrgebiet wird von der Ukraine streng kontrolliert und ist nur mit Genehmigung gestattet. Bis zur russischen Invasion der Ukraine 2022 war mit einer solchen Genehmigung auch Touristen der Besuch der Zone möglich.

An die eigentliche Sperrzone von Tschernobyl schließt sich ein gut 2000 Quadratkilometer großes Gebiet, in dem zwar keine Evakuierungen stattfanden, aber auch keine neuen Gebäude entstehen dürfen. In dieser Zone, in der tausende Menschen leben, darf aufgrund der befürchteten Kontaminierung mit strahlendem Cäsium-137 und Strontium-90 des Bodens offiziell auch keine Landwirtschaft mehr betrieben werden. Doch das hat einige Bauern nicht davon abgehalten, hier weiterhin Gemüse und Getreide anzubauen.

Ausstehende Neubewertung
Ein Forschungsteam der Universität Portsmouth (Großbritannien) und des Ukrainischen Instituts für Agrarradiologie geben diesen Landwirten nun offenbar recht. Ihre im Journal of Environmental Radioactivity präsentierte Studie kam zu dem Schluss, dass die Produktion von Lebensmitteln in den meisten Gebieten dieser Zone mittlerweile wieder sicher ist.

Die Gruppe um Jim Smith hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich das verseuchte Land neu bewerten lässt. Ziel der Forschenden war es, herauszufinden, wo in dieser Zone wieder Ackerbau ohne Gefahren für Menschen oder Umwelt möglich ist. Schon seit den 1990er-Jahren vertreten Fachleute aus der Ukraine und anderen Ländern die Ansicht, dass Teile dieser Flächen durchaus wieder sicher genutzt werden könnten. Die Belastung durch radioaktive Stoffe sei in vielen Bereichen niedrig genug, so die häufig geäußerte Ansicht. Politische Hürden und das tief verwurzelte Misstrauen gegenüber der Strahlung sorgten allerdings dafür, dass es nie zu einer offiziellen Neubewertung kam.


Die verschiedenen Gefahrenzonen rund um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl. Die kräftig magentafarbene "exclusion zone" ist für Menschen weitgehend tabu. In der "compulsory relocation zone" jedoch wäre Landwirtschaft in einigen Bereichen wieder unbedenklich, ergab die aktuelle Studie.
Grafik: University of Portsmouth/Jim Smith et al.

Unter den Grenzwerten
Möglicherweise können die nun präsentierten Daten eine Änderung in der Haltung herbeiführen. In einem 100 Hektar großen Testgebiet in der Region Schytomyr erarbeiteten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter ein Verfahren, das auf Bodenanalysen und der Messung externer Gammastrahlung basiert. Damit lässt sich zuverlässig abschätzen, wie viel Strahlung landwirtschaftliche Arbeiter ausgesetzt sind und wie stark gängige Kulturpflanzen wie Kartoffeln, Mais, Getreide oder Sonnenblumen belastet werden könnten.

Die Resultate zeigten, dass die Strahlendosis, die Menschen beim Arbeiten auf den Feldern abbekommen, deutlich unter dem ukrainischen Grenzwert liegt. Sie ist sogar geringer als die natürliche Hintergrundstrahlung, die in vielen Regionen der Welt ganz normal auftritt. Mit regelmäßiger Kontrolle und der Einhaltung der ukrainischen Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit könnten also viele Feldfrüchte wieder angebaut werden. Zwar nicht überall in dieser Zone, aber dennoch in weiten Teilen der vormals gesperrten Flächen.

Viele Fehlinformationen
"Diese Forschung ist wichtig für die vom Tschernobyl-Unglück betroffenen Gemeinschaften", sagte der Umweltwissenschafter Smith von der Universität Portsmouth. "Seit 1986 gibt es eine Menge Fehlinformationen über Strahlenrisiken aus Tschernobyl, die sich negativ auf die Menschen ausgewirkt haben, die in diesen Gebieten weiterleben. Wir haben jetzt einen wissenschaftlich fundierten Ansatz, um wertvolles Ackerland wieder offiziell nutzbar zu machen – und das mit Nachweis der Sicherheit für Verbraucher und Arbeiter."

Die Forschenden hoffen, dass ihr Verfahren auch in anderen Regionen zum Einsatz kommen kann, die unter langfristiger radioaktiver Belastung leiden. Für die Ukraine sei es eine große Chance, schrittweise bis zu 20.000 Hektar Agrarland zurückzugewinnen. Auf den Anbau bestimmter Feldfrüchte allerdings, und dazu zählen vor allem Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen, müsste man jedoch weiterhin verzichten werden, da diese dazu tendieren, bestimmte Radionuklide aus dem Boden in höheren Konzentrationen aufzunehmen und anzureichern.

Wichtige Nutzflächen zurückgewinnen
Insgesamt aber sei eine Reaktivierung der Feldflächen nach Meinung des Teams ein notwendiger Beitrag zur Ernährungssicherheit und zur Entwicklung ländlicher Räume in der Ukraine, was gerade in Zeiten, in denen landwirtschaftliche Nutzflächen weltweit unter Druck stehen, besonders wichtig wäre.


Der Atomik-Wodka sei ein Genuss und keineswegs schädlich, erklärten die Forschenden, die ihn aus Wasser und Getreide aus der Gegend rund um Tschernobyl gebrannt haben.
Foto: APA/AFP/University of Portsmouth

Dass landwirtschaftliche Produkte aus dieser Region durchaus genießbar sind, haben einige Forscher, die auch an der aktuellen Studie beteiligt waren, bereits vor sechs Jahren mit einem Schnaps unter Beweis gestellt, dessen Zutaten aus dieser Gegend kamen. Das Team brannte aus Getreide, das innerhalb der Sperrzone angebaut worden war, und mit Wasser aus einem Brunnen in der Nähe von Tschernobyl einen Wodka mit dem launigen Namen "Atomik", der nach eigenen Angaben absolut unbedenklich sei und angeblich in einem Martini hervorragend schmeckte.

"Das ist nicht nur eine Geschichte über Tschernobyl. Es geht darum, Wissenschaft und Beweise anzuwenden, um Menschen zu schützen und gleichzeitig sicherzustellen, dass Land nicht unnötig brachliegt", sagte Smith. Allerdings sei die Studie auch kein Freibrief für die uneingeschränkte Rückkehr zur Normalität, betont das Team. Nicht jedes Stück Boden sei gleich gefährlich, nicht jedes Risiko gleich groß. Aber mit klaren Regeln und auf Grundlage verlässlicher Daten ließen sich vermeintlich verlorene Gegenden gleichsam wieder zum Leben erwecken, so die Forschenden. (Thomas Bergmayr, 7.5.2025)
Tausende Hektar rund um Tschernobyl könnten wieder landwirtschaftlich genutzt werden
 

josef

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#35
Ein Reisebericht
40 Jahre nach Tschernobyl: Ein Fußballstadion im ewigen Schlaf
1986 wurde die Region um den explodierten Reaktorblock evakuiert, Wohngebäude verfallen seitdem ebenso wie das Riesenrad und das Avangard-Stadion. Eine Zeit lang waren organisierte Fahrten in die Sperrzone möglich.

Das Avangard-Stadion 40 Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl.
Hubert Herzog

Juni 2017: Ich besuche meinen Freund und ehemaligen Arbeitskollegen Bogdan in Kiew. Seit drei Jahren ist die Ukraine im Krieg, aber Bogdan hatte recht: In Kiew merkt man nichts davon. Auf der Suche nach touristischen Highlights stoßen wir auf ein Angebot: 100 Euro für einen Tagesausflug nach Tschernobyl. Trotz der warmen Temperaturen heißt es in den Sicherheitsbestimmungen, dass feste Schuhe und Kleidung mit langen Ärmeln getragen werden müssen. Unsere bunt zusammengewürfelte Gruppe wird um acht Uhr am Treffpunkt abgeholt und in zwei Kleinbussen in die Sperrzone 30 Kilometer um den Reaktorblock gekarrt. Auf der Fahrt laufen Dokumentationsfilme, die die Zeit vertreiben und einen Vorgeschmack auf das geben sollen, was uns erwartet. Der Film "Die Großmütter von Tschernobyl" über eine Gruppe alter Frauen, die sich trotz der Verstrahlung weigern, die Zone zu verlassen, dort völlig unbekümmert Pilze essen und sich im Winter vor der Kälte und vor den Wölfen schützen müssen, gräbt sich tief in mein Gedächtnis ein.

Fuchs im Roten Wald
Nach knapp drei Stunden gibt es den ersten Stopp im Dorf Zalissya. Verwitterte Häuser, eine ehemalige Arztpraxis, ein Kindergarten und zurückgelassene Medikamente, Bücher, Spielsachen – bereits die ersten Eindrücke aus der Sperrzone sind grotesk. Wir passieren die Stadt Tschernobyl, Fotostopp beim Ortsschild inklusive. Ein Schwerpunkt der Tour sind die sogenannten Liquidatoren, die Dekontaminationsarbeiten in der Sperrzone verrichtet haben. Mit dem Dosimeter in der Hand messen wir an verschiedenen Stellen, teilweise sind die Werte besorgniserregend hoch. Wir sehen eine Auswahl der Maschinen, die damals eingesetzt wurden und jetzt vor sich hin rosten.

Imposant ist die Radarstation Duga 1, die sich 150 Meter hoch vor uns aufbaut und von der die Einwohner von Tschernobyl und Prypjat trotz ihrer Größe nichts gewusst haben wollen. Die Station diente dazu, Raketenstarts in Europa und den USA frühzeitig zu erkennen. Um die Tarnung aufrechtzuerhalten, dass sich am Ende der langen Zufahrtstraße nichts Besonderes befinde, gab es sogar eine Bushaltestelle am Weg. Ein Bus sei dort aber nie gefahren, erzählt uns Ekaterina, unsere Guide. Die Menschen hätten damals einfach keine Fragen gestellt.


Die Vegetation überwuchert die Tribünen.
Hubert Herzog

Dann sehen wir den Roten Wald aus der Ferne, dessen Name von den rot gefärbten Kiefern kommt, die durch die Strahlung abgestorben sind. Der Reaktor ist zu unserer Überraschung ganz nah. Der neue Sarkophag ist vor knapp sieben Monaten errichtet worden und komplett dicht, wie man uns versichert. Dennoch überprüft Ekaterina, bevor wir aussteigen, ob wir die Ärmel unserer Hemden heruntergerollt haben. Es ist ein mulmiges Gefühl, ungefähr 150 Meter von der Quelle der nuklearen Katastrophe entfernt zu stehen, von der wir in unserer Kindheit gehört haben. Nach ausgedehnten Fotoshootings geht es weiter nach Prypjat. Beim Stopp vor dem Ortsschild fällt uns ein Fuchs auf, der bis auf wenige Meter heranläuft. "Das ist Simeon, der kommt immer, wenn Besucher da sind", sagt Ekaterina.

Im Winter die Wölfe
In Prypjat vermitteln das gespenstisch vor sich hin rostende Riesenrad mit seinen ausgeblichenen gelben Gondeln, die in der gleichen Farbe bemalten Fahrzeuge des Autodroms, das verrottende Kino und das bröckelnde Schwimmbad das Surreale dieses Ortes. Wir gehen durch die Schule, in der Hefte und Bücher liegen, gerade so, als wäre am kommenden Montag wieder Unterricht. In einem Wohnhaus hängen Kalender von 1986 an der Wand, und überall ist zu sehen, dass die Bewohner nicht viel Zeit hatten, ihre Abreise vorzubereiten. Vom Dach des Hauses haben wir einen Blick über die Geisterstadt. Es wird zur Vorsicht geraten, der Beton sei brüchig, man könne einbrechen. Und überall messen wir mit unseren Dosimetern, die an manchen Orten plötzlich zu piepsen beginnen. Ekaterina ist nie beunruhigt, dafür seien wir der Strahlung zu kurz ausgesetzt, erklärt sie uns.

Das Avangard-Stadion steht nicht auf dem Plan, doch nach ein paar Überredungsversuchen und dem Hinweis, dass ich für ein Fußballmagazin schreibe, gibt Ekaterina nach. Sie führt uns in ein Wäldchen. "Hier, bitte", sagt sie, während wir von 30 Meter hohen Bäumen umgeben sind. Sie sagt, dass wir jetzt genau auf der Mittelauflage stehen. Der Beton der Tribünen zerbröckelt, die Holzbänke sind morsch, es ist ein Lost Ground in einem Lost Place. Ebenso wie die Stadt hatte sich auch das Stadion für die Mai-Feiern herausgeputzt. 36 Stunden nach dem Reaktorunfall wurden die Menschen evakuiert und mussten alles zurücklassen. Die meisten glaubten vermutlich, sie könnten zurückkehren. Doch Prypjat bleibt wohl für immer im Dornröschenschlaf, nur gibt es hier niemanden, den man aufwecken könnte.

Die Stunden verfliegen, wir sind mit all den Eindrücken überfordert. Bevor wir die Zone verlassen, gibt es noch ein Abendessen in einer Holzbaracke in Tschernobyl. Uns fallen die zahlreichen Hunde auf, vor allem die süßen Welpen wecken unsere Begeisterung. Ekaterina ist weniger euphorisch, sie sagt: "Im Winter kommen die Wölfe, dann werden die Hunde gefressen."
(Text & Fotos: Hubert Herzog)
40 Jahre nach Tschernobyl: Ein Fußballstadion im ewigen Schlaf
 
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