Die größte Eishöhle der Welt im Tennengebirge bei Werfen hat vom warmen Winter profitiert

josef

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#1
Warmer Winter half weltgrößter Eishöhle

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Die Eisriesenwelt unter dem Tennengebirge bei Werfen (Pongau) in Werfen hat vom warmen Winter profitiert. Denn ist mehr Schmelzwasser in die größte Eishöhle der Welt gesickert und hat ihr einen besonders großen Eiszuwachs beschert.
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Noch ist der Weg in die größte Eishöhle der Welt mit insgesamt mehr als 40 Kilometern Länge für die Besucher gesperrt. Doch drinnen gibt es heuer viel Neues zu bestaunen. Denn die „Eisriesen“, die Eiszapfen und -figuren, haben ordentlich zugenommen. Sie wuchsen im Verlauf des vergangenen Winters wie selten zuvor, sagt Höhlen-Betriebsleiter Franz Reinstadler: „Der Winter war relativ warm. Das heißt: viele Spalten sind nicht zugefroren. Und das Wasser kommt an Stellen herein, wo es Jahre oder Jahrzehnte nicht mehr hereingekommen ist. Somit bilden sich Zapfen und Eisflächen, die man jahrelang nicht mehr gesehen hat.“

Eisflächen „überall höher“, Treppen eingefroren
Ein Zapfen im Eingangsbereich ist etwa acht Meter hoch. Er ist aber ein vergängliches Gebilde, das den Sommer wahrscheinlich nicht überdauern wird. Generell gelte in der Höhle aber heuer – mehr Eis überall: „Man sieht’s vor allem am Bodeneis, das die Flächen überall höher ist, die Treppen frieren uns ein“, sagt Betriebsleiter Reinstadler. „Die Figuren wachsen auch wie jahrelang nicht mehr.“
Und so müssen derzeit die Höhlenführer in mühsamer Handarbeit Stufen und Durchgänge bearbeiten, um die Holzstege und Metalleitern des Höhlenrundgangs wieder freizubekommen.
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Eiszapfen und Eisflächen in der Eisriesenwelt, der weltgrößten Eishöhle im Tennengebirge bei Werfen
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Mit Eis zugefrorene Holzstiege

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Eiszapfen und Eisflächen in der Eisriesenwelt, der weltgrößten Eishöhle im Tennengebirge bei Werfen

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Techniker mit 3D-Laserscanner bei Vermessung der Eishöhle

Riedl Lasersysteme
Punktewolke eines Teils der Eisriesenwelt

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Eiszapfen in der Eisriesenwelt

Spezialist scannt Höhle ganz genau
Währenddessen ist auch der Vermessungs-Spezialist Markus Handl mit seinem mehr als 50.000 Euro teuren Spezialgerät in der Höhle unterwegs. 380 Messpunkte überprüft er in der Eisriesenwelt: „Das ist ein hochgenauer 3D-Laserscanner. Der tastet die Umgebung in der Höhle ab. Ich mache mehrere Scanpunkte hintereinander. Die werden vom Scanner zusammengefügt – und ich habe am Schluss eine 3D-Punktewolke, in der ich millimetergenau messe kann.“

Und dann sieht die Eisriesenwelt so aus. In nur zwei Tagen auf den Millimeter genau vermessen, mit grafischer Auflösung wo Eis dazugekommen und wo es abgeschmolzen ist. Seit Jahren wird vermessen. Das Ergebnis über diesen langen Zeitraum sei recht eindeutig, sagt Handl: „Die Eishöhle verändert sich über die Jahre hin. Es gibt Zu- und Abnahme. Ich Großen und Ganzen können wir sagen, dass die Eisoberfläche in der Höhle gleichbleibt.“

Wintereis dürfte heuer im Sommer nicht ganz abschmelzen
Doch das gerade erst im Winter vom Sickerwasser gebildete und vom Wind in der Höhle spiegelglatt polierte Eis hat eine vergängliche Schönheit. Sein natürlicher Feind ist die warme Sommerluft, weiß Höhlen-Betriebsleiter Reinstadler: „Im Sommer haben wir dann knapp über null Grad in der Höhle. Da schmelzen dann ein paar Zentimeter ab. Natürlich dringt dann auch das warme Regenwasser ein – das frisst auch am Eis. In Summe wird aber wahrscheinlich nach diesem Sommer noch immer mehr Eis überbleiben als es vor dem letzten Winter war.“

Viel Organisation noch bis zur Höhlenöffnung nötig
160.000 Besucher zählte die Eisriesenwelt allein im vergangenen Sommer. Heuer darf sie – wie alle Touristenattraktionen – mit Ende Mai höchstwahrscheinlich wieder aufsperren. Bis dahin bleibt organisatorisch viel zu tun, wenn es weiterhin Besucher-Obergrenzen und Abstandsregeln gibt: „Dazu brauchen wir ein eigenes Reservierungssystem, ein Online-Ticketsystem, das dann einen geregelten Ablauf gewährleistet“, sagt Eisriesenwelt-Geschäftsführer Fritz Oedl. „Es geht darum, dass wir normalerweise um die Mittagszeit den stärksten Betrieb haben. Dieser Betrieb muss aufgeteilt und entschleunigt werden, dass die Leute hier auch einen schönen Ablauf vorfinden.“
Die Eintrittsgelder – wieviel es heuer auch sein mag – fließen jedenfalls seit jeher in die Erforschung und Erschließung des riesigen Höhlensystems im Tennengebirge.
03.05.2020, red, salzburg.ORF.at

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#2
Eisriesenwelt: Nachdenkliches 100-Jahr-Jubiläum

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Die Eisriesenwelt bei Werfen (Pongau) im Tennengebirge feiert im Herbst ihr 100-Jahr-Jubiläum. Überschattet wird es nicht nur von der CoV-Krise, sondern auch von einem tödlichen Unfall. Mitte Juli kam ein 14-jähriger Bub durch Steinschlag auf dem Weg zur Höhle ums Leben.

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Es war das erste tödliche Unglück seit der offiziellen Eröffnung des Schauhöhlenbetriebs am 26. September 1920. 180 Besucher waren bei dieser ersten Führung durch die Schauhöhle vor hundert Jahren dabei.

Wegsuche: Pionierleistung im steilen Fels
Davor mussten sie – damals ohne Zubringerseilbahn – den beschwerlichen Aufstieg über tausend Höhenmeter vom Tal bis zum Höhleneingang bewältigen. In den ersten Zeiten wurden 10.000 Besucher pro Jahr gezählt. Nach Bau der Seilbahn Mitte der 1950er-Jahre nahm die Zahl ständig zu.

Flugbild: Gerald Lehner
Gelber Punkt: Bergstation der Zubringerseilbahn von Werfen herauf. Rot: Höhleneingang in den Westwänden des Tennengebirges unter dem Hochkogel. Hinten links: Hagengebirge und Hoher Göll

Jubiläum von Unfalltod und CoV-Krise überschattet
Geschäftsführer Fritz Oedl blickt nun mit gemischten Gefühlen auf das Jubiläum: „In diesen hundert Jahren waren mehr als acht Millionen Besucher in der Höhle. Es hat damals bei der Gründung überhaupt keine Sicherungseinrichtungen gegeben. Man ist über den Fels hier heraufgestiegen. Und es gab in den ganzen hundert Jahren keinen so tragischen Unfall. Man kann in den Bergen das Risiko nie zu hundert Prozent ausschließen. Und dass dieses Schicksal die Familie des Kindes und uns so trifft, das ist natürlich sehr schwer zu bewältigen.“ Es sei unvorstellbar traurig.

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Pioniere von 1920
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Pioniere von 1920
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Programm bei der Eröffnung vor genau hundert Jahren
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Bau der Zubringerseilbahn in den 1950ern
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Einer der ersten Filme aus der riesigen Höhle aus den 1920ern
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Flugbild: Gerald Lehner
Bergstation der Zubringerseilbahn und Oedl-Haus
Flugbild: Gerald Lehner
Flugbild: Gerald Lehner
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Nach dem tödlichen Unfall gesperrter Weg, der seit Wochen wieder offen ist, nachdem die Westwände über der Route zusätzlich gegen Steinschlag gesichert wurden

Keine Elektrifizierung, Karbidlampen bleiben
In den vergangenen Jahren waren es immer rund 170.000 Besucher pro Jahr. Damit ist die Eisriesenwelt eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes. Oedl zu den Zukunftsplänen: „Das wird immer Stück für Stück noch weiter verbessert. Wir wollen die Natürlichkeit des Höhlensystems aber erhalten und drinnen keine großen Umbauten machen.“

Die Besucher werden auch künftig mit traditionellen Karbidlampen durch die Eishöhle geführt – auch am Jubiläumstag – Samstag, 26. September. Ein großes Fest wird es wegen des Trauerfalles und der CoV-Krise nicht geben, aber spezielle Führungen. Die Anzahl der Karten ist limitiert. Der Besuch ist nur mit zeitlich zugeordneten Tickets möglich, die übers Web gebucht werden müssen.

Viola Wörter, Gerald Lehner – salzburg.ORF.at
20.09.2020, red, salzburg.ORF.at
Eisriesenwelt: Nachdenkliches 100-Jahr-Jubiläum
 
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