Elektrizitätswerk der Stahlwarenfabrik M. Miller & Sohn, Betriebsursprung Marktmühle

josef

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#21
Ergänzung zu den Berichten über die Kleinkraftwerke an den Werks-(Mühl-)bächen beidseitig der Traisen zwischen St.Pölten und Traismauer:

52 Kraftwerke für den Klimaschutz
In der Traisen gibt es kein einziges Wasserkraftwerk, in zwei Kanälen daneben aber zwischen St. Pölten und Traismauer 52. Sie wurden Grundlage für eine Klima- und Energie-Modellregion mit sieben Gemeinden.
Die Wasserkraft hat an der Traisen eine sechshundertjährige Tradition. An beiden Seiten der Traisen verläuft über 27 Kilometer je ein Kanal. Früher wurden damit Mühlen angetrieben, jetzt gibt es keine einzige mehr, die Wasserkraft speist stattdessen 52 Stromkraftwerke. Die Kraftwerkskette wies aber zu Beginn der 2000er-Jahre großteils nicht mehr die geforderten Standards der Europäischen Union auf.


ORF
Die Kleinkraftwerke mussten modernisiert werden
Um die sogenannte „Wasserrahmenrichtlinie“ zu erfüllen, wurden vor wenigen Jahren mit Millionenaufwand Fischaufstiegshilfen gebaut, Kraftwerke modernisiert und dadurch letztlich die gesamte Kraftwerkskette gerettet. Man habe die großen finanziellen Belastungen auf sich genommen, um die ökologische Funktion des Flusses zu erhalten, und dabei auch in Kauf genommen, dass man dabei zehn Prozent des Wassers verliere, sagt Kurt Merkl, Sprecher der ARGE Wasserkraftwerke Untere Traisen. Die Modernisierung der einzelnen Kraftwerke führte aber dazu, dass sie heute um zehn Prozent mehr Strom liefern als vorher - Energie für 16.000 Haushalte.

Sieben Gemeinden als Klima-Modellregion
Und noch eine Folge zog dieser Kraftakt nach sich: Das Bewusstsein für Umwelt und Energie in der ganzen Region stieg markant an. Die Gemeinden Traismauer, Herzogenburg, Inzersdorf-Getzersdorf und Nussdorf schlossen sich 2010 zur Klima- und Energie-Modellregion zusammen, dazu kamen später noch Wölbling, Statzendorf und Paudorf (alle Bezirk St. Pölten). Geleitet wurde das Vorhaben von Alexander Simader, der im Vorjahr zu Österreichs Klima- und Energiemanager des Jahres ernannt wurde.

Er zeigt sich stolz auf „seine“ Gemeinden. „Wenn wir in einem vorbildhaft sind, dann in der Zusammenarbeit der sieben Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Jede Gemeinde hat ihre eigenen Ziele, jeder Gemeinderat entscheidet, welche Maßnahmen er setzt, aber diese Region hat über acht Jahre einen Weg gefunden, wie sie mit Klimawandel und Klimaschutz umgeht.“


„Böden wieder entsiegeln“
Ein Beispiel ist der Ausbau von Fernwärme in Herzogenburg oder in Traismauer, wo alle öffentlichen Gebäude mit Hackschnitzeln beheizt werden. Dazu kommen eine verstärkte Bewusstseinsbildung in den Schulen der Region, der Ausbau der Fotovoltaik oder auch die Elektro-Mobilität. Insgesamt sind es derzeit 20 Maßnahmen, die parallel laufen, erklärt die Obmann-Stellvertreterin der Modellregion, Wölblings Bürgermeisterin Karin Gorenzel (SPÖ).

„Der Klimawandel ist bei uns angekommen, wir spüren ihn überall, wenn wir die Situation etwa vor zehn Jahren und jetzt vergleichen. Wir müssen etwas tun und wir tun auch etwas. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es sich weiter verändern wird. Wir haben uns den Schwerpunkt gesetzt, Oberflächen zu entsiegeln, also Beton oder andere verbaute Flächen wieder zu renaturieren, dort Sträucher anzusetzen, damit dort wieder Wasser gespeichert werden kann.“ Denn ein Problem der Zukunft wird die Trockenheit sein, ist man hier überzeugt. Das Wasser war, ist und bleibt daher das zentrale Thema dieser Modellregion.

Robert Salzer, noe.ORF.at
Publiziert am 28.04.2019
52 Kraftwerke für den Klimaschutz
 

josef

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#22
Fischaufstieg: Umweltschutz seit 500 Jahren an der Traisen
Fischaufstiegshilfen tauchen wegen einer EU-Richtlinie seit mehreren Jahren immer wieder in den Medien auf. In der Traisen wurden sie allerdings bereits vor knapp 500 Jahren erstmals verordnet.
Die Traisen wurde ab dem Spätmittelalter intensiv genutzt: Getreide-, Schleif-, Walk-, Hadern- und Sägemühlen, Hammerwerke, Knocken-, Öl- und Pulverstampfen beeinträchtigten den Fluss so sehr, dass der Kaiser Fischaufstiegshilfen verordnete - für den Landschaftsökologen Heinz Wiesbauer ein „außerordentliches Beispiel für nachhaltiges Denken an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit“.

Seit dem Mittelalter intensiv genutzt
Wiesbauer hat sich in den vergangenen Jahren in Büchern nicht nur den Wildbienen und Lebensräumen wie Trockenrasen oder Hohlwegen gewidmet. Er hat auch die Flüsse Salzach und Ybbs aus verschiedensten Blickwinkel erforscht und legt nun mit „Die Traisen - Rückblick - Ausblick“ sein drittes Fluss-Porträt vor. Der rund 80 Kilometer lange Fluss in Niederösterreich sei ein „Paradebeispiel eines besonders intensiv genutzten Flusses“, an dessen Beispiel sich Umweltgeschichte erzählen lasse, berichtet der Autor.


ORF
Eine moderne Fischaufstiegshilfe in der Traisen

Auch wenn ein bei St. Pölten geborgener Gedenkstein aus der Römerzeit ein früher Zeuge einer Flussregulierung ist - so richtig los ging es mit den wasserbaulichen Eingriffen ab dem Spätmittelalter, als im gesamten Traisental Mühlbäche entstanden, die Wasser zu Gewerbebetrieben ableiteten. Die Traisen sei dadurch massiv beeinträchtigt worden, bei Niederwasser fiel das Flussbett trocken. „Wie katastrophal die Zustände bereits im 16. Jahrhundert waren, belegt der Umstand, dass der Kaiser eigens für die Traisen eine Fischordnung erließ“, so Wiesbauer.

Fischaufstiegshilfen seit 1541
In dem Gesetz legte Ferdinand I. 1541 fest, dass Wehranlagen einen abgesenkten Bereich aufweisen müssen, damit die Fische aufsteigen können. Zudem wurde die vollständige Ausleitung des Flusswassers untersagt, um die Fische und ihre Brut nicht zu schädigen. Für Wiesbauer sind derartige Schutzbestimmungen zu einem so frühen Zeitpunkt „nicht nur ein Beleg für die gewässerökologischen Probleme, sondern auch dafür, dass es bereits damals ein biologisches Wissen gab“.

In den darauffolgenden Jahrhunderten verwandelten Regulierungen die Traisen, so wie die meisten anderen Flüsse, zu einem monotonen Gerinne. Erst in jüngster Zeit wurden zahlreiche Revitalisierungsprojekte durchgeführt. Wiesbauer hebt dabei die Umgestaltung der hart regulierten Flusslandschaft im Mündungsgebiet der Traisen über eine Länge von zehn Kilometern hervor, eine der größten Flussrevitalisierungen in Österreich. „Wo noch vor kurzem ein geradliniges Flussbett verlief, mäandriert heute ein naturnahes Gerinne mit vielfältigen Lebensraumbedingungen für Tiere und Pflanzen“, schreibt Wiesbauer.

Publiziert am 07.06.2019
Fischaufstieg: Umweltschutz seit 500 Jahren
 
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